Fuldaer Leitung
Ei« Notschrei.
Die nachfolgenden Zeilen sind baS Ergebnis längerer Ausiprachen von Vätern beider christlicher Konfessionen über Mißstände in den Fuldaer Lyzeen, sticht die Leitung der Anstalten soll damit getroffen werden; denn b-.efe kann über die Bestimmungen der Regierung n-cht hinaus, sondern der Notschrei soll Eltern, die tbenio denken und fühlen wie der Verfasser, veranlassen, gemeinsam bet der Regierung •mt der Bitte um Abhilfe vorstellig zu werden. Man schreibt uns:
»Mr brauchen »gesunde Mütter* viel nötiger als .gelevtte Frauen«; so lasen wir kürzlich in der »Fuldaer Zeitung-. Die Richligkrit dieses Aussprache» kann roobt nremand be,weiseln, tbenio wenig aber auch, daß die beunge Schulbildung unserer Töchter in diametralem Gegensatz da?u steht.
Man betrachte nur einmal das Tagewerk einer »Lyceistrn«. Früh gegen 8 Uhr geht sie zur Schule, von wo sie meist erst gegen 1'/. Uhr zurückkommt. Man sollte nun meinen, die Mädchen brächten dann einen tstteienhunger mit. Das ist aber oft nicht der Fall; sie haben wohl ein ordentliches Frühstück mit. allem nur ganz feiten stehl dazu ein wirklich nahrhaftes reines Stück Brot zur Bertügung; auch ist ei ungesund, wenn Kinder sich hauptsächlich durch Brot nähren. Der Hunger ist olt „übergastien", die Schule, in kommt abgrmaltet und oft auch noch durch ein Erlebnis in der Schule ausg regt nach Haufe und der Hauptmahlzeit wird dann nur fpärlich zugesprochen, zumal die Speisen metft nur »gewärmt* borgeboten werden können, da dre übrige Familie früher essen mußte.
Bon der durch das späte Essen verursachten Störung des Haushaltes wollen wir absehen, wohl aber daraus hinweifen, rote das alles leicht zu einer Unterernährung der Kinder mit all' den böten Folgen fuhren kann. Und doch könnte man daS alles sich noch gefallen lassen, wenn die Kinder nun eine längere Banse jur leiblichen und geistigen Erholung hätten; missens aber müssen sie um 2 ooet 3 Ubr wieder zur Schule, um da biS zur Dämmerung zu bleiben. An einen Spaziergang, eine notwendige Erholung im Freien ist nicht zu denken, zumal auch noch die Ausgaben zu erledigen sind, die oft 2-3 Stunden erfordern, besonders wenn noch Augen verderbende Abschriften angesertigt werden müssen.
Und das mutet man Mädchen im Alter von 11 bis 15 Jahren zu, während eine vernünftige Erziehung darauf ackten sollte, daß die Kinder n>cht so ange'trengt in sitzender Lebensweite arbeiten fonbein auch fleiß'g in frecher finit sich erholen Es ist gar kein Wunder, wenn aus btele Wette ein bleichsüchtiges, neroö eS und kurzsichtiges Geschlecht entsteht und daraus später, zwar nicht immer „gelehrte Frauen", wohl ober „ungesunde Mütter-'.
Die Aerzie, vorab die Kreisärzte, namentlich aber die Eltern sollten sich baldigst Bereinigen und auf eine mehr rationelle Erziehung hinwirken, ebe eS zu spät ist.
Fragen wir aber, roa» gescheh n soll, so müssen rott uns vor allem über die Wurzel deS lledels klar werden. Al» solche betrachten wir in erster Linie den Umstand, daß viele» von dem, waS getrieben wird und wie es getrieben wird, für die Mädchen zu hoch ist und zu anstrengend. Die ganze Lyceumsbildung ist für bie zuge- fdjnitten, bie studieren ober eine Berechtigung erlangen wollen. Wir wollen ihnen das nicht nehmen, aber wir legen entschieden Verwahrung dagegen ein, daß um der Wenigen willen, die daS erstreben, alle die Uebrtgen die vielen Sachen mitmachen tnüffen, die für sie keinen Wert haben mb nur dazu bienen, ihnen die Schule zu verleiden unb ungeiunbe Menschen heranzubilben.
Wenn unsere Töchter bi» zum 14. Jahre etwa dieselben Äennimffe erlangen, wie unsere Frauen uns Mütter, bie boch wohl auch „gebildet" sind, so könnte man wohl jufrieben sein? wem es aber nicht genügt, der kann ja noch weiter streben
Wenn nun Einzelnes genannt werden soll, worin eine Resorm-Zurückbildung zu ersterben fein dürfte, fo nennen wir vor allem bie Mathematik; wenn auch einzelne Mädchen Gute» in dieser Wissenschaft leisten, so dürfte boch kein Zweifel darüber bestehen, daß Mädchen meistens roentg zu Mathematik veranlagt sind. Es steht wohl nicht vereinzelt da, wenn von einer ganzen Klasse nur zwei ober drei Schülerinnen genügend in Mathematik sind.
.. ,®8 d"ch viel vernünftiger, wenn man geome
trische Konstruktionen, Flächenberechnung, Buchstaben, rechnung ic. wenigsten» bi» zur 2. Klasse aufsparte und d^ür in Kl. 3 und 4 z. B. die Bruchrechnungen gründ- lich einübte, bie fetzt in 6 unn 6 nur so .buichgepeitschf. rote ein Fachmann sagte, werden müssen.
. doch sind auch vielfach (übrigen» nicht nur
in den Mädchenschulen) die Themata der Aufsätze Die Schüler werden dadurch förmlich dazu verführt über Dinge zu reden, die sie nicht verstehen.
Und wozu die vielen »Extemporalien"? In den Knabenschulen sind sie jetzt verboten. In einer Mädchen-
J® 5.
Samstag 4. Januar 1913.
2. Blatt.
bet Stilboer Acttentmcerei m $■!»«.
vor lauter Fleisch und Fett vernachlässigt man das Gemüse und das Obst. Das ist nicht gut; denn ge- rade bie leichter verdaulichen Speisen machen daS Ganze appetitlicher und bekömmlicher. Wenn der Minister v. Schorlemer-Lieser im Reichstag die Zucht von Kaninchenbraten anpreist, so schüttele ich'den Kops; aber wenn er das Loblied des Gemüses singt, so stimme ich ein, sogar in der Festzeit und in der Schlachtzeit.
Maß zu halten im Trinken ist bekanntlich noch schwere-, als die Selbstbeherrschung beim Essen. Be- sonders die Jahreswende wird in unserem seuchtsröh- ticheil Baterlande recht auSgiebig „begossen". Sogar Leute, die sonst nur Malzkaffee trinken, glauben in der Silvesternacht sich mit Alkohol zum Sprunge ins neue Jahr stärken zu muffen. Und leider bleibt man zu Silvester nicht bei unserem nationalen Bier, das den Vorzug der Leichtigkest hat, sondern macht zur Feier deS Jahres sich schwerere Getränke aus Punsch- extrakten oder Rum oder Wein. ES tut mir in der Seele weh, wenn ich an den Tagen vor Neujahr bei meinen Gängen durch die Berliner Straßen vor zahl- losen Läden die „billigsten" Liköre und Weine und Essenzen ausgestellt sehe. Billig und schlecht! Der größte Schund, den man im ganzen übrigen Jahr nicht los werden konnte, wird zu Silvester an den Mann oder an die Frau gebracht. Der Massen- Katzenjammer am Neujahrsmorgen ist nur zum Teil Schuld der Trinker; ein Hauptteil der Schuld fällt auf die Händler und Fabrikanten, die den Leuten Kunstweine und TeufäSextrajte aufhängen. Wer ein fröhllches Ereignis mit einem Festtrunk feiern will, der lasse ihn klein, aber rein sein! All die kunstvollen Extrakte und Essenzen, — nicht in die Hand! Auch nicht, wenn sie geschenkt werden! Wollt ihr ein Glas kühlen Wein oder Glühwein trinken, so nehmst lieber eine Flasche von ehrlichem, gutem Wein, al» zwei ober drei Flaschen von „billigem" Kellerfabrikat. , Wollt ihr euch einen Punsch kochen, so kauft die einzelnen Bestandteile an einer vertrauenswürdigen Stelle und macht die Mischung selbst. Gerade bei solchen gemischten Getränken wie Punsch oder Bowle muß man die Quantität aufS engste einschränken, dafür aber die Qualität aufs sorgsamste beachten. Ich für meinen Teil behandle! alle Mischgetränke mit Mißtrauen und ziehe bei fest- lichen Gelegenheiten einen Schluck vom einfachsten und natürlichsten Stoff vor: wenig aber gut! |
toule soll eS ober vorgekommen sein, daß kürzlich in einer Klaffe innerhalb 6 Wochen 20 solcher Klaffenarbeiten geschrieben wurden. Wenn dann bie Kinder vielfach vorher noch befonberS ermahnt werben, ja nicht unter »Genügend" zu schreiben, sonst würden sie trotz guter mündlicher Leistungen ein schlechte» Zeugni» bekommen (waS auch aesckehen ist), fo ist e» leicht erklär- sich, daß bie Mädchen nervös werden und da» Gegenteil erreicht wird.
Daß da», roa? heute von den Mädchen verlangt wird, vielfach zu doch und zu anstrengend ist, beweist wohl auch cie Tatsache, daß mindestens •/< aller Schülerinnen nur mitkommen, wenn sie zuhause intensive Nachhilfe haben: trotzdem und obgleich sie im allgemeinen fleißiger sind, wie Knaben, bleiben — roa» früher kaum voikam - eine große Anzahl sitzen, viel mehr al» im Gymnasium. AI>o: .Etwas weniger unb e» wäre mehr gewesen« baS gilt auch feier.
Aber nicht feloS in dem, roa» gelernt wird, muß eine Reform entreten, auch in dem wie gelernt rohb.
Im Sommer, wo man früher anfängt, kann bet ganze Unterricht so stallsinden, baß die Kinder gegen 1 Ufer zu Tifch erscheinen; ist bann noch etwas Nach« miitaoSunterricht nötig, so kann man ,. B. bie zwei Botanikstunden auf einen Nachmittag verlegen und den Unterricht möglichst viel im Freien erteilen, wodurch die Schule zum Spaziergang und zur Erholung, her Unterricht aber einfacher und anreoenber wird. — Im Winter sollte man in Städten wie Fulda die alten Zeiten von 8—12 und 2 — 4 Uhr beibehalten, wodurch die Schöler eine ordentliche Erholungspause haben unb die Hausordnung nicht gestört wird.
Diese Vorschläge sillten Fachleute, Aerzt» und Eltern prüfen, event. verbessern und der Behörde zur Abhilfe baldigst unterbi fiten.
Hilft das nicht», to wird jemand feine gute Rechnung finden, der eine Privat sch ule errichtet für oie, bie wofel auch eine ordentliche Schulbildung erhalten, dabei aber nicht erst krank werben sollen.
Jebenialls müssen b c I b energische Schritte geschehen, auf daß unsere Töchter nicht etwa em Geschlecht von gelehrten unb ungelehrten Blaustrümpfen werden, sondern vor allem dereinst gebildete und aelunbe Mütter.-
Dian sagt, der Trunk soll zur Anregung dienen. Das läßt sich hören, — wenn man nur bei der ersten Spur von Anregung aufhören wollte! Aber bald wird eine Aufregung daraus, und das ist der Anfang des Nebels. Immer langsam, langsam voran, und rechtzeitig aufhören. Auch wenn Genossen da sind, die in gutgemeintem Unverstand zu weiterem Trinken anregen! Von allem Alkohol tut dir am meisten Wohl der Rest, den du im Glase stehen läßt!
Schon Goethe sagt, es sei nichts so schwer zu ertragen, als eine Reihe von frohen Tagen. Fest- und Feiertage bringen ihre besonderen Versuchungen mit sich, und wer sie nicht zu überwinden weiß, muß die Folgen an Magen und Nerven tragen. Statt der Freude und Erholung hat er schließlich das bohrende Bewußtsein: du bist ein kindischer, dummer Mensch!
Es ist eine alte Klage, daß am Montag die meisten Unfälle im Gewerbebetrieb sich ereignen, und daß überhaupt di« Menschen aus den Feiertagen nicht frisch und arbeitslustig heimkehren. In der Tat ist das eine große und schwierige Frage der Zeit, wie die erwerbstätige Menfchheit ihre Feierstttnden ver- nüuftig und segensreich verbringen soll. Die Ausschreitungen im Trinken, Essen, Tanzen usw. sind tief bedauerlich. Ich möchte aber schließlich noch auf einen Punkt aufmerksam machen, der nicht gehörig beachtet wird. In den Werkstätten wird neuerdings sehr für gute Luft gesorgt. Wie steht es aber mit bet Atemlust in den engen Wohnungen und in den dunstigen Wirtshäusern, wo die Leute an den Sonn» und Feiertagen sich aufhalten? Wer stu"b"nlang eine schlechte Lust einatmet, der kann sich nicht erholen, fondern bekommt einen fchwemn Kopf. a"sh wenn er sich ganz mäßig hält. Man sollte mebr lüften in den Familienzimmern. Von Zeit zu müssen die Fenster geöffnet tocrh-m: wenn die Insassen kein Nebenzimmer zur Verfügung haben, fn können sie ja ein paar Minuten aufstehen und sich bewegen. Die gute Hausfrau muß zeitweilig mal die Nase an? dem Fenster stecken, um an dem Unterschied zwischen der frischen Außenlust und der stickigen Zimmerlust zu merken, wann die Lüftung geboten ist. Für alle Wirtschaften aber müßte eine wirksame Venttlation vorgeschrieben werden.
Rein muß alles sein, was dem Menschen gut tun soll: reine Atemlust, reine Getränke, saubere Svei- feit, lautere Vergnügung"- und ein reines Gewissen am Ende der Feier.
arbeitet: bie Unternehmer unb die Leiter von Zweig stell«, bet Betriebe, soweit sie unmittelbar, b. fe. nicht durch Zwifchenmeister ober AuSgaber HmSarbeiter be« chSftigen, bie sogenannten Zwifchenmeister für bie von “>nen außerhalb ihrer Arbeitsstätten mit Hausarbeit beschäftig,en Personen unb bie sogenannten AuSgaber, Faktoren oder Fergen für diejenigen Hausarbeiter, welchen ste für meist an anderen Orten wohnhafte Gewerbe- treibenbe Hausarbeit übertragen. 2. Ein Verzeichnis bet beschäftigten Zwifchenmeister unb Ausgeber, bie Unternehmer und die Leiter von Zweigstellen der Betriebe hinsichtlich solcher Personen, durch welche außer» lalb der Betriebsstätten für die Betriebe, bu Heber- tragung von Arbeit an Hausarbeiter erfolgt, fei es, b«& diele Penonen selbst zugleich an der Herstellung bet Arbeuszeugniffe mitbeteiligt sind, ober daß sie in bet Hauptsache nur die Ausgabe der Arbeit vermitteln. Zwifchenmeister, welche die übernommene Arbeit ausschließlich in ihre- eigenen Arbeitsstuben unb Werk- hätten ausführen lassen, also daneben nicht noch an Hausarbeiter weiterübertragen, sind in das Verzeichnis Nicht auszunehmen.
cP Fußballsport. Mit der II. Serie der Verband?» spiele des feefRicfeen Kreise» in Fulda beginnt morgen nachmittag der Fuldaer Fußballverein auf dem Sportplatz der „Bleicht. D>e erste Mannschaft des Sportvereins Gießen 1900 wird unser heimischer Verein zu Gast baden. Das erste Spiel der beiden Vere ne in Gießen wurde unentichiedei mit 0: 0, woran? zu schließen ist, daß ein ebenbürtiger Gegner dem Fuldaer Verein gegenübertritt.
Unpolittjche SettlSuse.
«. Berlin, 2. Januar 1913.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Eine böse Zunge hat einmal gesagt, das Ende der schönsten Fest- und Feiertage sei der verdorbene Ma- gen. Zu Weihnachten werde zuviel gegessen und zu Stlvester zu viel getrunken.
Kommt das wirklich vor? Hoffentlich nur als be- bäuerliche Ausnahme.
Die Kinder bekommen zu Weihnachten mehr Lecke- reren, al» sie sonst gewöhnt sind. Das Kind macht ,llN nicht erst umständliche Gedanken, sondern eS gretst gierig zu und hat den Trieb, den Trog rein zu machen, mit dem ganzen Vorrat sofort aufzuräumen. Bezeichnend tft das Bild im Witzblatt von dem bittet» uch toetnenben Mädchen, das nach langem Befragen über den Grund seiner Verzweiflung erklärt: Ach, 'S ntd£. wehr essen, und hoch' doch noch so viel jnrchen! — Den beschenkten Kindern find bie Eltern al» Magenwachter beigegeben. Sie sollen für die zweckmäßige Einteilung bet Portionen sorgen und nötigenfalls mit sanfter Gewalt die Ueberfütterung verhindern. Da» Beste fft, fte geben überhaupt dem Kmde nicht mehr m die Hand, als es gut und gern auf einen Hieb verzehren darf. DaS übrige nicke man möglichst auS dem Gesichtskreis des Kindes. Bei der Abmessung kann man etwas weitherziger vor- gehen, wenn man klug die schwereren Sachen mit leichteren mischt, z. B. auf die gehaltvollen Kuchen- stücke eine saftige Birne oder einen erfrischenden Apfel folgen läßt. Wenn die Eltern nicht aufpassen, so wird aus der Freude die Qual, aus der Erfrischung eine Gesundheftsstörung und cm» der Festfeier ein häusliches AergerniS. Auch die Tanten und Onkel» und Großeltern müssen immer da» Sprichwort im Auge behalten: Ende gut, alles gut! (Kiese zärtlichen Kinderfreunde treiben manchmal eine teer* kappte Selbstsucht: e» macht ihnen Spaß, auf dem Kindesantlitze immer von neuem ein dankbares Lä- chcln oervorzurufen, sie füllen also das Händchen und das Mäulchen möglichst oft und möglichst ausgiebig, — ohne sich über das Endergebnis dieser Schleckerei Rechenschaft zu geben. Schließlich gehen jbic Tanten usw. mit einem Dankeskuß vergnügt von dannen, und die Eltern haben die Folgen der Magenverderb-
• auszubaden.
9hm gibt es auch viele erwachsene Kinder.
totales.
Fulda, 4. Januar 1913.
§ Ein Jubiläum treuer Arbeit beging am gestrigen Tag bet Roferichloffcr Karl Schlehuder in der hiesigen Eiienba mwerkstätte. 40 Jahre lang waltete et bereits seines Amtes Aus bleiern Anlaß fand der Jubilar zu seiner nicht geringen Ueberraschung gestern morgen seinen Arbeitsiisch reich mit Blumen dekoriert. Die Eisenbahnbireltion lieü ihre Glückwünsche durch Herrn Eisenbahndttektor, Geh. Baurat Kirchhoff auS- iprechen und ein ansehnliches Geldgeschenk überreichen. Die Kollegen ehrten den Jubilar durch Uebetreichung einer prachtvollen Standuhr. TieAnteilnahme an diesem Jubiläum seitens aller Vorgesetzten war allgemein.
* Auszeichnung. Dem Heizer Karl Reith ist aus Anlaß feiner langjährigen pflichttreuen Berufstätig- keit und wegen feiner Ve bienfte um bie Förderung deS kathol. '-Betet siebens das Allgemeine Ehrenzeich n vet jeden worden.
# Verliehen wurde dem Hauptlehrer Friedrich Hain zu Fritzlar der Adler der Inhaber des Königl. HauSotdens v n Hodenzollern,
£ Die katfe. Männergesellschaft „Monte Nouovo“ begeht am Feste der Hl. Dreilönige ihr 46. Sliitungs- test. Ans diesem Anlaß finvet für die Mitgliede des M. N. unb ihre Angehörigen an diesem Tage morgens um 10 Uhr in der Nonnenkirche ein feierliches Hochamt statt. Abends um 6‘/i Uhr vereinigen sich die Miigli-der in der »Harmonie* zu dem herkömmlichen M N -Eisen.
-s-_ Tas neue Adreßbuch. Bei der aufwärtsstrebenden Entwicklung Fuldas hat sich die Notwendigkeit einer Neuauflage deS vor zwei Jahren erschienenen Adreßbuches der Stadt Fulda herauSgestellt, die nunmehr >m Verlage der Uth'fchen tzofbuchdruckerei erschienen ist. Neben dem früheren Inhalt, dem nach Straßen und alphabetischer Ordnung angebrachten Einwobner- verzeichnis, dem Verzeichnis der städtischen Behörden und Anstalten, der Staats- und ReichSdehörden, der Kirchenbehörden, der Schulen und höheren Lehranstalten, sowie einer Zusammenstellung der Fabriken, Handelsfirmen und selbständigen Geichäftspersonen enthält baS neue Nachschlagewerk auch ein Verzeichnis der Gemeinden und Gutsbezirke deS Kreises Fulda mit Angabe ihrer Einwohnerzahl und ihres Vorstandes. Ferner ist das Register
Aus -em vachbaraeblete.
*/, Bachrain, 3. Jan. 1913. Vorgestern veranstaltete der katholische Arbeiter-Verein St. Paulus einen Familien-Adend ir dem vollbesetzten Saale der Farnung'schen Gastwirtschaft. Herr Lehrer Schmitt hielt einen nach Inhalt und Form vollendeten Vortrag über »Familiensinn und seine Pflege durch die Eltern auch bei der Heranwachsenden ge- fähr eten Jugend*. Die Musikstücke auf Klavier, Violine und Mandoline, bei benen die Herren Lehrer Hohm ann »Hora» unbFisch er «Wüstenfüchsen mit» wirkten, boten einen feltenen Genuß. Ebenso gefielen die reizenden Kinderchöre und Kinderspiele. In den beiden sehr gut gespielten Theaierstücken „Der Bauer alS König HerodeS" und „Musketier Knarke" zeig*« der Vorfitzende deS Vereins, daß auch die Heranwachsende Jugend schon für den Verein gewonnen ist. Sicher hat diese schöne Feier dazu beigetragen, daß auch die dem katholischen Arbeiter»Verein noch fern» stehenden Arbeiter sich dem Verein bald anschließen
O Neuhof, 4. Jan. 1913. An dieser Stelle sei auf da- morgen abend 71/* Uhr im Hornung'schen Saale statifinbende Konzert des hiesigen Musik- veretnS hingewiesen. Die sorgfältige Zusammenstellung de- Programms verspricht den Besuchern einen genußreichen Abend.
* Bad Orb, 3. Ion, 1913. Ta neun Einwohner, sieben vom nahen Lettgenbrunn und zwei von Vill» bach, ihre angestammte Scholle nicht freiwillig für den Truppenübungsplatz opfern, ist jetzt das Enteign,masvertahren eingeleitet worden.
* Kassel, 8. Jan. 1913. Die Verfügung des Regierungspräsidenten, nach der Jugendliche im Alter von 6—16 Jahren nur Zutritt zu Jugendvorstellun- aen in den Kinematographentheatern haben, ist durch eine treffliche Maßnahme des Poli- zkiprästdenten ergänzt. Es haben sich für jedes Kino Zensurgruppen aus Sachverständigen gebildet, die beim zweimaligen Programmwechsel in der Woche die Films prüfen und zur Aufführung zulassen. Die Mftglieder der Zensurgruppen sind berechtigt, bedenke liche Stellen zu beanstanden. Es wird dann für die Entfernung solcher Stellen aus dem Film Sorge ge» tragen. — Auf dem Fleischmarkte wurde gestern einem Fleischermeister aus Borken von seinem Der- kaufsstand ein ganzer Hammel gestohlen. —> In einer Maschinenfabrik geriet ein Arbeiter auS dem Nachbardorfe Harleshausen so unglücklich mit der rechten Hand in das Getriebe einer Maschine, daß ihm drei Finger abgequetscht wurden. — Ein Gärtner erhielt am Neujahrstag einen Brief, der 8,50 Mark in Briefmarken enthielt. Der Absender teilte mit, daß dieser Betrag den Wert des Gemüses dar» stelle, das er vor 15 Jahren dem Gartner gestohlen und daß er mit der Uebersendung des Geldes seine Schuld wieder gut machen toolte. — Am Neujahrsmorgen wurde ein von einer Silvesterfeier heinikehrender junger Mann, während er sein Geld nach-
ber Fabriken, Handelsfirmen ic. gegen früher insofern erweitert, als sämtliche Firmen mit genauer Adressenangabe versehen und di« handelsgerichtlich eingetragenen Firmen besonders gekennzeichnet find. Der textliche Teil der Neuauflage ist um etwa 45 Seiten vergrößert. Schließlich find im Abreßbuch noch eine Anzahl GefchLstScmpfehlangen zu finben.
, -o- Ein jugendlicher Einbrecher wurde gestern abend
I m einer hiesigen Metzgerei ertappt Derselbe war gerade damit beschäftigt, die Ladenlasse zu plündern, alS man ihn erwischte. Zuerst gab er einen falschen Namen an. Er wurde den Händen der Polizei über- geben. Das hoffnungsvolle Bürschchen zählt erst elf Jahre.
X Ein Opfer seine» Berufes ist der OberstabS- und Regimentsarzt Dr. B r i l l in Lübeck, Sohn des Herrn Apothekers Brill von hier, geworden. Bei der Operation eines Soldaten zog er sich eine Blutvergiftung zu, bereit Folgen er nach dreitägigem furchtbaren Leiden erlag. Der Verstorbene war nach Absolvierung seiner Studien zunächst als Arzt an einer Irrenanstalt tätig und trat dann zum Milt- tärdienst über.
= Konkurs oder Vergleich. Der in Pforzheim seit 17 Jahren bestehende Kreditoren-Verein für die Gold-, Silborwaren- und Uhrenindustrie, welcher seit Jahren den Gedanken der sogen, außergerichtlichen Zwangsvergleiche verfolgt, hat neuerdings an der Hand seiner mehr als 16jährigen Erfahrung eine Statistik ausgemacht, welche die Durchfchnfttsquoten der von ihm bis Ende 1911 behandelten Ausgleiche und Konkurse darstellt. Es brachten danach im Durchschnitt der Jabre 1896 bis 1911 die Ausgleiche 47,55 Prozent, die Konkurse aber nur 19,29 Prozent. Diese Ziffern zeigen, ein wie viel besseres Ergebnis durchweg erzielt werden konnte, wo der Konkurs sich vermeiden ließ.
** Anwärter für Kreisarztstellen. Im Jahre 1912 haben nach abgelegter Prüfung nachbenannte Aerzte das BefähigunqszeugniS zur Verwaltung einer Kreisarzffteffe erhalten: Dr. Otto Ebevt in Kassel und Dr. Alfred Haebner in Hanau.
mo Verjährung von Forderungen. In vielen Fällen deS praktischen Lebens ist eS strittig, wann eine Fordening verjährt, und so sind schon wiederholt die Gerichte in solchen Fragen in Ansvruch genommen worden. Einige der bemerkenswe-ckesten Enffcheidtmaen geben wir nachfolgend wieder: 1. Ist eine Forderung durch einen Bürgen sicheroestellt worden,' so darf man bei drobender Verjährung nicht bloß bert Hauptschulbner verklagen, fonberrt muß bie Klage mich gegen ben Bürgen richten. 2. Schuldet jemand Kapital unb Zinsen, so darf man nicht nur bie Zinsen, f erobern muß auch bas Kapital oinftagen, ba dieses sonst verloren geht. 3. Eine ' TeMgge hebt bie Vertäfelung nicht aus! Nur der einaeklagte Teilbetrag würbe bann vor ber Verjährung geschützt. Man muß allo stet« bie ganze Forderung etnfTggen! 4- Eine Versichrung wirb auch bann unterbrochen, wenn ein Zahlungsbefehl an einem nustänbirom Gericht beantragt unb von biesem rechtieft'g erlassen wurde.
** Brat unb schlechte Zähne. Höchst auffällig ist die unbestrittene Tatsache, daß die Bewohner des Lande«, ganz besonders bie abgelegener Dörfer, selbst dann in sebr vielen Fällen ein prächtiges Gebiß bis in« hohe Alter behalten, wenn sie auch nicht bie einfachsten Forderungen der Zahnpflege beachten. Zudem hört man des öfteren die SanbTetrte sagen, baß sie ihr schönes Gebiß bettt selbstgebackenen Schwarzbrot verbanken. Alle btefe Beobachtungen sink» burch Forschungen von Röse unb Kunert bestätigt worden. Nach ihnen ist das von den zivilisierten Völkern gern gegessene Weiße, Weiche, nährsalzarme Brot die Ur- fache bet Zahnvetberbnis. Sie empfehlen dringend die Wiedereinführung des aus Vollkornmehl bereiteten bitfrinbigen Bauernbrotes.
Au» feem HauSarbellSgesetz. Nach § 13 fee8 am 1. April 1912 in Kraft getretenen neuen HauSarssett- «eseheS hrben ®eroerbetreibe>01, die außerhalb ihrer Arbeitsstätte in Werkstätten geroeiolicfee Arbeit verrichten lassen, ein Verzeichnis derjenigen Personen, welchen Re Hausarbeit übertragen oder durch welche außerhalb der Arbeitsstätte deS ©eroetbetre-benben die tlebertiagima erfolgt, unter Angabe der Betriebsstätte dieser Personen ,u führen. Vom 1. April 1912 an haben daher zu führen: 1. ein Verzeichnis der beschäftigten Hau».
Die Last bet Jahre unb sogar ber Ausfall ber Haave schützt nicht vor gelegentlichem Rückfall in kindliche Triebe unb Sitten. Wenn so viel appetitliches Zeug vor einem steht, so nimmt auch ber große Mensch hier noch einen Happen unb bort noch einen Happen, bis er in seinem Innern eine gewisse Spannung fühlt. Wenn er bei biesem ersten Warnunassignal aushört, so geht es noch glimpflich ab. Doch mancher bilbet sich ein, er müsse bas auftauchenbe Unbehagen feines Magens burch weitere Zufuhr von in- tereffeinten Speisen ober auffrischenden Getränken be- fettigen. Durch eine solche homöopathische Kur wird bie Sache noch schlimmer; baS Enbe bet Festfteube ist Magenverstimmung ober gar ein richttger Katzen- jammer.
Etwas KinbischeS haben wir ja immer noch in unserem ausgewachsenen Leib. Wenn bie Vernunft mal einen Augenblick die Zügel locker läßt, fo fallen wir leicht in bas eße rohe Triebleben zurück. Die Eltern stehen nicht mehr als vorsorgliche Proviant- meister uns zur Sette. Wir sollen selber wissen, was uns gut tft unb was uns nicht mebt zuträglich ist. Da aber der Appettt beim Essen kommt unb ber Durst beim Trinken, so schätzt mancher seinen Bebarf an Speise unb Trank viel zu hoch ein. Er wirb ein unvernünftiger „Gierschluck", unb am cmberen Mor- gen ärgert «r sich über sich selbst.
O, bie Kunst deS rechtzeitigen AufhörenS — baS ist bie Hauptsache bei allen irdischen Erlustignngen! Nut nichts übertreiben, — weder in der Masse noch in der Dauer. Eine alte Volksregel sagt, man soll mit dem Essen dann aufhören, wenn es am besten schmeckt. Das ist richttg; denn sobald daS Wohlbehagen beim Essen nicht mehr auf der vollen Höhe steht, stellt der Magen den ersten Antrag auf Schluß der Debatte. Gerade an den Fest- und Feiertagen haben wir doch eigentlich Zeit genug, um recht be- dächttg zu essen und mft langsamem Nachdruck zu kauen. Aber manche Leute verfallen angesichts der reizenden Fesffchüfleln in eine kindische Gier und Hast, waS ebenso häßlich als zweckwidrig ist. Wer sich in einem Rosengarten erfreuen will, muß nicht im Lauffchritt durch die Blumenreihsn dahineilen, sondern recht gemächüch von dem einen Strauch zum andern schreiten. — Ein anderer Fehler an unfein Festtafeln ist oft die Einseittgkeit in der Speisemft. Weil man sich unb anberen etwas besonberes zu gute tun will, bevorzugt man die schweren Speisen, itnb