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Fuldaer Zeitun

Wo<f)en-Brffflger

Illustrierte Sonntagsztihmg

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trjtes Ölatt.

Samstag ven 4» Januar 10(3

40. Jahrgang.

WEM" Wegen drS Feiertags Hl. 3 Könige wird die nächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am Dienstag ausgegeben

* Wre fteht's mit der Besttzfteuer?

Die Finanzminister der größeren Bundesstaaten oerhandcln jetzt über eine Denkschrift des Reichsschatz- amtes, in welcher die verschiedenen Arten einer Neichsbesitzsteuer beleuchtet werden. Diese Versammlung soll und kann nicht entscheidende Be­schlüsse fassen, sondern hat ein fachmännisches Gut­achten zu liefern, das bei den weiteren Entschließung gen des Schatzsekretärs und des Reichskanzlers, des preußischen Staatsministeriums und der übrigen Landesregierungen sowie des Bundesrats in Betracht gezogen werden würde.

In der Presse war bereits vor dieser Zusammen­kunft berichtet worden, daß man „in maßgebenden Kreisen Preußens" nicht mehr an die Erweiterung der Erbschaftssteuer auf das Kindes- und Gattenerbe denke, sondern vielmehr an eine Steuer auf den Ver­mögens z u w a ch s. Diese Nachricht konnte natürlich nicht einen förmlichen Beschluß der preußischen Staatsreaierung im Auge haben, da für einen solchen die Zeit noch nicht gekommen ist; es war ein Stim­mungsbild, dessen Wert sich erst in den weiteren Maß­nahmen zeigen müsse.

In der Zwischenzeit kann man sich die Sachlage klar zu machen suchen.

Der Reichstag hat im vorigen Frühjahr zur Er­gänzung der Reichsfinanzreform zwei Beschlüsse ge­faßt, die mit einander nicht im Einklang stehen. Der eine Beschluß fordert „eine allgemeine, den verschie­denen Besitzformen gerecht werdende Besitzsteuer": der andere forderte die Erneuerung der Vorlage über die Erbschaftssteuer, die im Jahre 1909 ab- gelebnt worden war. Diese unglückliche Vorlage von 1909, an der bekanntlich der Biilowblock scheiterte, wurde den verschiedenen Bcsitzformen nicht gerecht, und das war eine der Ursachen ihres Falles' Der die künftige Besitzsteuer gleichmäßig gerecht ma­chen wollte für die bewegliche und das unbewegliche Vermögen, für den börsengängigen, den industriellen, den kleingewerblichen und den landwirtschaftlichen Besitz, der dürfte nicht für die Wiederholung des ver­fehlten Vorschlages von 1909 stimmen. Aber Vas Rachegelüste siegte über die Logik; die noch verärger­ten Liberalen stimmten mit den 110 Sozialdemokra­ten für die Erbschaftssteuer-Resolution und brachte sie mit einer knavven Mehrheit der Linken durch. Den anderen Beschluß des Reichstags aber be­ruhte auf einer wohlerwogenen Vereinbarung unter den bürgerlichen Parteien; er stellt also die Willensmeinung der positiven Mehrheit dar.

In den Negierungskreisen hat man sich verstau- diger Weise nicht zu der „einfachen" Auffrischung der Erbschaftssteuer-Vorlage verlocken laffen, sondern hat alle möglichen Wege zur Heranziehung des Besitzes für die Reichslasten geprüft. Daß in der Denkschrift auch die erweiterte Erbschaftssteuer beleuchtet wird, versteht sich von selbst. „Prüfet alles und behaltet das Beste."

Im Reichsschatzamte und auch bei manchen ein­zelstaatlichen Finanzministern hat man eine gewisse Neigung für die Erweiterung der Erbschaftssteuer. Man glaubt, ' durch die Heranziehung des Gatten- und Kindererbes den vielen Weiterungen und Schwierigkeiten, die eine regelmäßige Reichsabgabe von Besitz mit sich bringt, am bequemsten ausweichen zu können. Obschon die Besteuerung der natürlichen Erben auch nichts anderes ist, als eine Vermögens- steuer, so glauben doch die einzelstaatlichen Regie­rungen, jede andere Art der Reichsabgaben von Ver­mögen greife in das heilige Vorrecht der Einzel­staaten, Einkommen und Vermögen zu besteuern, in verderblicher Weise ein.

hrtlcher Bezugspreis ohne Brtngerlobn und Bestellgeld tn frtte tote auswärts 1.30 Marti. ** Rofohonsdrudi an» vertag »er S Zuldaer fldienbrudterd h Sette. $emfprtd)tr Nr. ft s s

Gewiß, die Steuerkraft der Einzelstaaten muß respektiert und geschont werden; aber man kann doch nicht von vornherein behaupten, daß sich damit keine andere Art von Besitzabgabe vereinigen lasse, als nur die Besteuerung des erbgängigen Vermögens, die in dem allerungünstigsten Augenblick, bei' dem Verlust des Familien- und Geschäfts-Oberhauptes, rn empfindlicher Höhe fällig wird. Die staatsrecht­lichen Gesichtspunkte in allen Ehren: Doch viel wich­tiger ist noch die Rücksicht auf die Erhaltung des Familiensinnes, deflen Gefährdung nur die Sozialdemokratie sich gestatten darf.

Die „Deutsche Tageszeitung" sagt mit Reckt, bei der Wahl der Besitzsteuer muffe die Regierung dar­auf sehen, daß ihr Vorschlag 1) Aussicht habe, im Reichstage angenommen zu werden, und 9i das Zusammenwirken der bürgerlichen Parteien nicht gefährde, — zwei Vorbedingungen, die für die Erweiterung der Erbschaftssteuer' n i ch k zuträfen. In der Tat, die „Witwen- und Waiscn- fteuer" müßte eine ganz wunderbare Umge- staltiing erfahren haben, wenn eS gelingen sollte, für sie eine Mehrheit aus den positiven Parteien zu ge­winnen. Sonst würde eine derartige Vorlage von der Gnade der Sozialdemokraten abhängen, und es würde der Regierung bald Hören und Sehen vergeben, wenn sie die budgetverweiaernde Umsturz- Partei zum maßgebenden ' Finanzgärtner machen wollte.

Unter diesen Umständen hoffen wir bestimmt, daß in den Erwägungen der Reqierungsmaßnabmen schließlich die höheren Gesichtspunkte den Aus­schlag neben, werden zu Gunsten einer Vorlage, die auch das Zentrum geschlossen unterstützen kann.

« s nTonnts-BeifageY "S *

Zuldaer Seschichtsblätler

Deutsches Reich.

5 Berlin, 3. Jan. 1913. Prinz Heinrich von Preußen machte gestern eine mrdrstündtg» Fad« vom

Ausland.

* Di« Krisis in Spanien.

Der Hauptgrund für die Mandatsniederlegung des konservativen Führers Maura ist der, daß gegen die bisher seit langem in Spanien erbliche Gewohnheit König Alfons bei der Bildung des liberalen Kabinetts Romanones nicht vorher mit den Konservativen Füh­lung genommen hat. Am Donnerstag fand unter dem Vorsitz des Königs em Ministerrat statt, der sich mit, der Mandatsniederlegung der konservativen Deputier­ten beschäftigte. Der König sprach dem Ministerpräsi- beuten Grafen Romanones fein volles Vertrauen aus. Nach dem Ministerrat stattete dieser dem konservativen Führer einen Besuch ab. Er suchte Maura zu be­wegen, feine Entschlüsse rückgängig zu machen. Vor- läufig beharrt jedoch Maura noch auf seinem Stand­punkte, sodaß die Krise andauert. Es gilt indessen als sicher, daß eine Rekonstruktion der kon­servativen Partei erfolgen wird. An ihre Spitze dürfte der frühere Kammerpräsident Dato tre­ten; möglicherweise wird indessen die Parteileitung einem aus mehreren Führern bestehenden Direktorium anvertraut.

talticb »nd indirekt miilchuldig ist an bieiem parlei- schädtgenden Vorgang, ja, daß der ganze Zwischenfall unietbheben wäre, wenn man den Pommern von An­beginn klargemacht bitte, daß die Politik der Partei nicht wohl von Hietttn auö bestimmt werden könne. J-den- >alls erhellt ans alledem, rote wenig der Abg. Basser» mann Die erste Voraussenung eines Parteuüorers erfüllt, über den vertchtedenen Richtungen der Partei zu stehen und sie durch eigene Zurückha tung zu einer Phalanx usammen, -icdivctßen, welche das Vertrauen der anderen

nationalen' Parteien besitzt."

Au'; Die unsinnigen Freunde deS Herrn Basier- mann, s.e bisher auf thn bauten, haben das Ver­trauen xn, ihm verloren. DaS .Berliner Tageblatt' meint, Basiermann bringe „bei allem guten Willen doch nichts Dauerhaftes mehr zustande". Wie wird Hertn 'Llaffermcinn zumute?

<P Darmstadt, 3. Jan. 1913. Seit Wochen wird in den beiden Organen der hessischen Lehrervereine gegen die den Kammern st'.tcns der Regierung unterbreitete Besoldungsvorlage entschieden

Ste"'tng genommen. Die hessische Lehrerschaft ist ungehalten darüber, daß nicht nur nicht der weit­gehendere Wunsch nach Gleichstellung mit den mitt­leren Finanzbeamten in der Vorlage Berücksichtigung gefunden hat, sondern daß auch die 15prozentige Er­höhung der Lehrergehälter, die die zweite Kammer bei der provisorischen Regelung im Sommer 1912 einstimmig gefordert, nunmehr "nicht gegeben werden soll. Vielmehr schlägt die Regierung für die "Völls- schullehrer eine Erhöhung um 14,1 Prozent vor. Die beiden Lchrerverbände, die sich sonst seit Jahren auf das stärkste befehden, haben sich in dieser Ge- lalissrage zusammengtan und heute hier in einer imposanten öffentlichen Kundgebung gegen die Re» giernngsvorschläge einmütig Stellung genommen. Etwa 1700 Lehrer aus allen Teilen des HesienlandeS waren in der Turnhalle versammelt; von bekannten Parlamentariern waren u. a. die Abgq. Dr. Osann, Molthaa und liebel erschienen. Die Versammlung nahm schließlich einstimmig unfter lebhaften Bei- sallskundgebungen eine Resolution an, in der die Gebaltsvorschlägc der neuen Vorlage als völlig un­zureichend abgelehnt und die Gleichstellung der Leh­rer gut den mittleren Finanzbeamten mit aller Ent­schiedenheit verlangt wird.

* Stuttgart, 3. Jan. 1913. Ter König hat den Fürsten zu Hohenkohe-Bartenstein und Iagstbcrg zum Präsidenten der württembergischen Ersten Kammer für die nächstjährige Landtagsperiode ernannt

Flugplätze Johannistal aus mit dem Marineluftschiff Der Prinz äußerte sich sehr beftiebigt, sowohl über den Verlauf Der Fahrt als auch über das exakte Zusammenarbeiten von Führern und Mannschaften. — In der Mitte des Januar tritt der Äroßherzog von Oldenburg auf seiner Jacht „Lensahn" eine größere Seereise an, auf der ihn der Erbgroßherzoz und die Herzoginnen Jngeborg und Ällburg begleiten. Die Reue führt tn das Schwarze Meer, wo em Aut« enthalt von drei Monaten genommen wird.

)( Konferenz zur Feststellung der Fleischpreise. Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Del- brück trat im Reichstagsgebäude die zur Feststel­lung der Fleischpreise eingesetzte Konferenz, die am Ende des vorigen Jahres zur Erhebung dieser Frage zusammenberufen worden war, aufs neue zusammen. Zur Erörterung stand die Frage: Wie lassen sich die Stallpreise für das Vieh ermitteln? Es zeigte sich kein gefestigter Weg, um mit methodischen Mit­teln diese Frage zu beantworten. Man beschloß da­her, eine besondere Kommission einzusetzen, die hier den Weg finden soll Man war sich darüber einig, daß nur die Beantwortung dieser Frage die Grund­lage geben kann, um in der ganzen Materie weiter­zukommen.

* Ein Nachtragsetat der preußischen Eisenbahn. Verwaltung in Höhe von 60 Millionen Mark ist in Vorbereitung Die in dem Nachtragsetat angefor­derten Mittel sollen zur Fahrzeugvermehrung' und zur Herstellung von 300 Kilometer weiterer Ran­gier-, Lade- und Aufstellungsgeleifen dienen.

* Das Sparkafsengesetz. Wie der „Magdeb. Zei- tung" zufolge in führenden Sparkassenkreisen als sicher gilt, wird das neue preußische Sparkassengeseh, welches den Sparkasien ein bestimmtes Mindestmaß ibrer Anlagen in Staats- und Reichspapieren vor­schreibt, demnächst auf dem Wege der Landesgesetz- gebimg auch auf die übrigen Bundesstaaten übertragen werden.

* Moderner Götzendienst. Bei der Einweihung der Bi S m a r d f ä u I e in Hannover wurde ein Weihelied gesungen: „Voll Inbrunst betet die Schar: Dir Bismarck, dir opfern wir auf hohem Säulenaltar." Der „Reichsbote" bemerkt dazu:

„'Bieter mod-rne (^ßnenotenft enumtchl fi erlich nickt hem goNesfürckttaen G'nne Bismo ckS. Zwar bat man in Hannover baiegen Protest erhoben , aber erst hinterher. Besser wäre er, wenn man solchen Au?- nmchien einer unsinnigen Heldinverehrung ooqubeugtn verstände."

Der „Reichsbote" scheint dabei zu übersehen, daß der Abfall tzom^ottesdienst zum Götzendienst. führt. Kennt er betftt nicht die „Sonnwendfeiern" unserer Alldeutschen zur Verehrung Baldurs? Frei­lich, dabei find auch die alldeutschen Führer in Oester­reich beteiligt, die ehedem am lautesten ihr „Los von Rom" ertönen ließen.

a Gegen den Zuzug Mittelloser. Um den Zu­zug Mittelloser nach den Schutzgebieten zu verhin- dem, wird vom 1. Januar ab von jedem Einwan­derer, der ohne sichere Lebensstellung nach Südwest- afrifa reift, die Hinterlegung von 300 Mk. ver- langt; ohne diese erhält der Reisende keinen Fahr- schein. Der Betrag wird bei der Landung von den Agenturen der Dampferlinie zurückerstattet, wenn die Behörden damit einverstanden sind. Für O st a f r i k a müssen die Europäer, wenn sie keine feste Anstellung haben, eine Barschaft von 600, die Farbigen eine solche von 200 Mk. Nachweisen. Bon diesen Beträgen sind 400 Mk. von Europäern und 150 Mk. von Farbigen bei der Linie zu hinterlegen, um als Deckung der Rückfahrkvsten zu dienen, falls die Behörde die Lan­dung nicht gestattet oder die Heimsendung anordnet. Diese Bestimmungen finden auch Anwendung auf solche Personen, mit Ausnahme von Kindern, deren Angehörige in Ostafrika ansässig sind.

+ Der Abg. Bassermauu scheint in seiner Partie immer mehr an Boden zu verlieren. (Vergl. drittes Blatt »Der Anfang vom Gnbe*.) Am 9. Februar tritt in Berlin der Zentralvorstand der Nationallibe- taten zusammen. ÄuS nationalllberalen Kreisen er­halten nun die ,Hamburger Nachrichten' eine Zu- schrift, in der die heftigsten Dorwürfe gegen Bafftr- mann erhoben werden. ES wird versichert, daß Bassermann schon seit einem Jahr nickt mehr die Majoiität der Partei hinter sich habe. Herr Basser­mann wird beschuldigt, den Pommerftchen Jung, liberal SmuS in seinem ersten Entwickelungs- ftabium gefördert und aufgemuntert zu haben. Erst, als die Pommern, in dem Bewußtsein, den Parteiführer hinter sich zu haben, übermütig wurden, sich alS Herren der Partei und als Zensoren deS rechten Flügels und der rechtsstehenden Parteiführer ausspielten, habe sich Herr Baffermann zurückgezogen:

„Es schemt wenig wahrschemtich, daß der Zentral- vvrstand sich damit zufrieden geben kann, wenn Herr Bassermann jetzt, nachdem seine früheren pommer'schen Günsttmge mit dem jüngst inszenierten Krakeel den Nu- tionaUibetali?mu§ vor aller Wett bloßgenellt, erklärt, die Politik der Panet könne nicht wohl von Stettin aus gemacht werden, Man wirb an der Tatsache nicht gut oorübergehen können, da» der Abg. Bassermann mo-

auch er ungern genug auf eine? dieser Lehrmittel ver. und e, nur getan habe, damit ihm lerne Zöglinge nicht von der Prtvatschule abgenomno.n würden"

△ Keine Gnade für Bischöfe, Priester und Ge. sangene. Man weiß in Deutschland wenig davon, was für unerhörte körperliche und geistige Qualen tausende von portugiesischen Priestern und Laren in den Kerkern der Garbonart auszustehen haben, weil sie das Verbrechen begangen haben, Gott und ihre Kirche zu lieben. Fast alle portugiesischen Familien haben em Mitglied, einen Freund im Gefängnis schmachten. Tie Erbitterung irn Volke stei. gert sich. Das bewog den Präsidenten der Frei- Ntaurer-Republik, eine schntähliche Komödie zu spie, len. In den väterlichsten Tönen schrieb er an den Ministerpräsidenten einen Brief, in dem er diesen ersuchte, gelegentlich des Neuen Jahres Priester und Bischöfe zu begnadigen und die Einzelhaft für die übrigen Gefangenen aufzuheben. Der Ministerprä- sident beeilte sich zum ersten Akte der Komödie den flveiten zu schreiben, indem er antwortete: die De- gnadigung sei nicht am Platz und auch nicht geeignet, I die gewünschte Beruhigung der Gemüter durchzu- ! führen. Um dem Volke zu gefallen hatte Präsident Arrigga den Ruf nach Gnade ertönen lassen; der Ministerpräsident Da Silva aber erklärte: Nein, weil Staatsrücksichten es verlangen. Und so bleiben die Bischöfe, Priester und übrigen Gefangenen in ihren Kerkern, zur großen Zufiiedenheit der „Repu. blikaner". Dieser Befriedigung gibt daS Leibblatt der portugiesischen Freimaurerei „O Mundo" AuS. druck, denn es schreibt:

„Wir können die Regierung iu ihrer Ent- frbliebuna und Festigkeit nur beglückroünschen. WaS die Bllchöfe betrifft, ift es fieber, dak sie in Zu­kunft wie früher den Frieden der portugiesifchen Gesell- schäft hören würden."

Diese Gorbonari vergessen, daß sie bi» Storer des Friedens in diesem unglücklichen Lande sind. Die Festigkeit der Geistlichkeit und des katholischen Volkes, die selbst in den dunkelsten Löchern der Ge- sängnisse ihrer Religion und dem Papste treu ge. blieben sind, hat die Wut der Gorbonari und Maurer aufs höchste getrieben. Deshalb keine Gnade. Der Briefwechsel zwischen dem Präsidenten und dem ersten Ministerpräsidenten zeigt, daß die Gorbonari auch ferner ihr Schreckens Regiment auszuüben ge­denken.

♦♦ Tas Befinden bei HilftWn Thronfolgers bat sich jetzt soweit gebelfert, daß er in den nächsten Tagen mit (Befolge nack Italien reifen wird, um mehrere Monate an der Küste der Riviera zumbringen. Die Aerzte hoffen, daß diele Kur einen günstiaen Einfluß auf die (Sendung deS Knaben ausüben wird.

♦♦ Der Bruder deS Zaren von Rußland, Großfürfl Michael Alexandrowifch, ist deS Kommandos seines Garde-Reiter-RegimentS enthoben worder und erhält einen Urlaub von elf Monaten. — Der Grund der Maßregelung ist darin w suchen, daß der Großfürst sich „nicht standesgemäß", nämlich mit der geschiedenen Gattin eines O'fiziers, vermählt hat.

** An den Philippinen, die Amerika bekanntlich den Spaniern abnahm, haben die Vereinigten Staaten bis jetzt wenig Freude erlebt. Nach in Washington eingetroffenen Meldungen soll auf den Philippinen eine Verschwörung einer Anzahl reicher spanischer Grundbesitzer anSgebrochen sein, die den Zweck bat, die amenkamsche Herrschaft abzuschülteln. Die Bun. deSreoierung hat bereits Truppen eufammennerogen, um die revolutionäre Bewegung im Keime zu ersticken.

A Rückbcrufung der Ordensschwestern. Seitdem im Jahre 1905 der Gemeinderat der französischen Stadt Grenoble die Ausweisung der Barmher­zigen Schwestern aus den Krankenhäusern der Stadt berfügt hat, sind die Zustände in den „Sanierten" ?Instalten derartig geworden, daß sich die Bürger, schäft zu einem gemeinsamen Vorgehen gezwungen fühlte. Sie hat an den Gemeinderat eine Petition gerichtet, in der die Rückberufung der Schwestern verlangt wird. In wenigen Tagen wurden Unter« schriften aus allen Kreisen gesammelt.

*♦ An die systematische Verfolgung der katholischen Kirche in Frankreich hat man sich schon so sehr ge­wöhnt, daß man kaum mehr darüber schreibt oder spricht, wenn nicht ein besonders ins Auge fallendes Ereignis die Empörung der Glaubensgenoffen her- vorruft. Und doch dauert der Kampf auf allen Ge. bieten fort. Die Deputiertenkammer beschäftigt sich mit neuen Vorlagen zur „Verteidigung der Laien- schule", welche den letzten Rest von Freiheit für die Katholiken vernichten wollen und jeden, der sich der entchristlichenden Tätigkeit der Laienschnle entgegen» stellen will, mit Gefängnis- und Geldstrafe bedrohen. Gegen Bischöfe, die nur ihre Pflicht getan haben, sind deswegen Prozesse anhängig; die Aufhebung von Klöstern dauert fort; augenblicklich ist die Reihe an den „Schwestern vom Heiligen Geist"; selbst Per­sonen, die den armen verjagten Frauen Asyl ge­währen, werden verfolgt. Eine Klosterfrau Jn Drenx wurde wegen „ungesetzlicher Erösf- nung einer Apotheke" vor_ den Richter ge­zogen; sie hatte armen Kranken Stärkungen gebracht. Der Pfarrer von Gommerct) wurde zu einer Geld- strafe verurteilt, weil er sich weigerte, die Kinder, die die von den Bischöfen verbotenen Schulbücher ge. brauchten, zur ersten heiligen Kommunion zuzulaffen. Ein anderer Pfarrer, Denoyelle, wurde wegen eines ähnlichen „Verbrechens" zu 80 Franken Geldstrafe verurteilt. Wollte man die Quälereien, denen die Geistlichen vonseften der kirchenfeindlicken Gemeinde- Vertretungen unterworfen sind, alle aufzählen, würde man überhaupt nicht fertig. Kirchen und Kavellen werden unter nichtigsten Borwänden der Zerstörung geweiht. Will die Empörung unter den Katholiken wirklich einmal praktische Erweiterung annehmen, läßt flugs ein Minister in der Kammer eine „Frie­densrede" los, und allez beruhigt sich wieder.

*♦ Der Fortschritt der freien katholischen Schule in Frankreich wird von liberaler Seite in folgender Meise bestätigt:

„D:e Trennuna ron Kirche und Staat scheint in Frankreich am meisten den taiholifcben Brinakichulen luaute ,u kommen. Früher roa-en die Geistlichen durch I das Konkordat und das Kultusduoget gehemmt, um für j dies-> Schulen Rrovaaanda zu machen. Jetzt aber be- j kämpfen fie rücksichtslos die Volksfchule, und zwar mit auoenscheinlichem Erfolg. Die HumanirS kennt einen Fall, mo in fünf benachbarten Departements von 1906 bis 1911 die Volksschule im ganzen H 000 Zöglmne verlor und die katbolische Vrivatschule 25 000 Zöglinge aeroonnen hat. Außerdem xelmgt eS aber auch den Geistlichen, die Bo kSschullehrer einzulchüchtern und fie zu bewegen, auf diejenig n Lehrmittel zu ver- zichten, die von den Bischöfen verurteilt roo den find. Ein Lehrer gestand dem Mitarbeiter der HumanNS, *6 I

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** R Oreßert nnjdgai erbitten wir uns tags vorher. R 3

M MkansrW.

Friedensverhandlungen.

London, 3. Jan. 1913. Wie Reuter erfährt, stell- ten die Delegierten der Balkanstaaten in der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz den Türken ein Ul­timatum betreffs Kretas, der ägäischen In- I sein und Adrianopel; falls die Türken bis Mon- । tag, nachmittag 4 Uhr, keine befriedigende Erklärung über diese drei Punkte abgäben, so würden die Per- Handlungen abgebrochen werden. „Warum nicht schon morgen?" fragten die türkischen Delegierten, wo­rauf die Vertreter der Balkanstaaten zurückgaben: „Sehr gut!" Man betrachtet die Haltung der Türken als ein übles Vorzeichen. Die Friedenskonferenz wurde um 7 Uhr abends auf morgen mittag 4 Uhr vertagt.

Die Botschafterrsunion

hielt am Frestag abermals eine Sitzung ab, übet welche bisher im allgemeinen noch Stillschweigen be­obachtet wird.

Die Lage in Adrianopel.

* Sofia, 3. Jan. 1913. Zwei von Adrianopel eingetroffene geflüchtete Offiziere melden, daß in der Festung die Not ihren höchsten Grad erreicht habe. Die aller Lebensmittel entblößte Bevölkerung der Stadt, in der wegen des Mangels an Petroleum am Abend tiefste Finsternis herrsche, versuche durch tägliche Bittgesuche auf den Kommandanten der Festung einen Druck dabin auszuüben, daß dem furchtbaren Elend baldigst ein Ende gemacht werde.

Der Zwischenfall in Durazzo.

Rom, 3. Ion. 1913. Die „Agenzia Stefani" mel- bet aus Belgrad: Die serbische Regierung gab dem italienischen Geschäftsträger die Versicherung, daß |tc dem Kommandanten von Durazzo die Instruk­tion übersandt habe,- jene Rücksichten zu beobachte^ die den Rechten eines Konsuls zukvmmen.

Rumänien und Bulgarien.

Die Schwierigkeiten einer Einigung zwischen Rn- mänien und Bulgarien treten immer deutlicher zu Tage. Die Rumänen machen ihre Ansprüche mit dec Begründung geltend, daß die Balkanverbündeteu ihre Gebietsvergrößerung nicht erlangt hätten, wenn Nu» mänien sie nicht batte a mehren lasten. Auf diese Argumentation erwidern die Bulgaren, Rumänien