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Fuldaer Zeitung

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lewie auswärts 1.50 marit •••• RotatlonshruA und ütrttg tat L - $uRmtr fldienörudterd in $ulba Semfprtdjtr nr. 9. s s

n Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Eotterie. — yatdjShr'lch Taschenfohrplon. s

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Illustrierte Sonntagszeitung | Zuldaer Gefdjldjtsblätter

40. Zayrgang.

Freitag ^en 3« Januar 19)3«

trjtes öiatt.

Nr. 2«

+ Politische Neujahrsstimmnng

Wenn die Nenjahrsstimmen der Berliner Presse als zuverlässiges Barometer gelten dürfen, dann bringt uns das neue Jahr erbitterten Kampf. Was die internationale Lage anbelangt, fo verkennt die Presse ihren Ernst zwar nicht, aber im allgemeinen herrscht doch die Hoffnung, daß es noch möglich sein werde die schwierigen internationalen Probleme auf friedlichem Wege zu löfen. Viel pessimistischer klingt, was die Presse über die innerpolittsche Lage unseres Vaterlandes schreibt. Der protestantisch-konservativen „Deutschen Tageszeitung" drängen sich am ersten Morgen des neuen Jahres die „ernsten, dunklen, bangen Fragen" auf: Werden die nationalen Par­teien endlich "darauf verzichten, sich im Innern zu zer­fleischen, während draußen unsere Zukunft bedroht wird und auf dem Sviele steht? Werden wir end­lich in schwerer Zeit das Trennende vergessen und uns auf das besinnen, das uns einen muß, wenn wir stark und zukunftssicher bleiben wollen? Tie Deutsche Tageszeitung zeichnet sich sonst durch ihren unbesieg- lichen Optimismus aus. Wie sehr ihr Pessimismus jetzt berechtigt ist, zeigen die Wünsche, welche die libe- ralgcsinnte Presse für das neue Jahr äußert.

Die „Tägl. Rundschau", das Blatt des evangeli­schen Bundes, hat nur den einen Wunsch, das neue Jahr möge endlich die g e s ch l o s s en e Phalanx bringen gegen — nicht etwa die Sozialdemokratie — sondern das Z cutt u m! Die freikonscrvative „Post" konstatiert mit Bedauern, daß das verflossene Jahr eine weitere Stärkung der „beiden reichsfeindlichen Mächte Ultramontanismu? und Sozialdemokratie" gebracht habe. Sie sehnt sich „nach einer starken Regierung, nach dem rettenden Helden, der sich nicht nur auf' die Abwehr der beiden Reichsfeinde be­schränkt. sondern der zu offenem Angriff gegen sie „vorgeht". Auch die freisinnige „Vossische Zeitung" freut sich auf den „fröhlichen Kampf im In­nern, in der Parteidolitik". Sie meint, das Mini­sterium Hertling aebe bet innerpolitischen Lage des jüngsten Jahres das Gepräge. „Aber auch auf an­deren Einzelgebieten sind unerfreuliche Erscheinungen genug bervorgetreten, beispielsweise die Vertreibung beliebter Seelsorger, wie Jatbo, und Traub von Kan­zeln der evangelischen Landeskirche die Streitigkeiten innerhalb der nationalliberalen Partei, deren eine Gruvve Anschluß nach rechts sucht,' während das frei--, heitliche Bürgertum die ihm aebübrende S^-llung nur errinsten kann, wenn alle seine Teile, in sich ge­schlossen, fest und treu, eine einzige Phalanr zusam­menstehen. Trotzdem und alledem, der Ausstieg des früheren Zentrumsführers ist das hervorstechendste Ereignis und hat auf weite Kreise gewirkt wie ein — großes Wecken."

Wären die deutschen Katholiken noch nicht durch die Ereignisse des letzten Jahres geweckt worden, für sie wären die Neujahrsstimmen der „Tägl. Rund­schau", der „Post", der „Voss. Zeitung" das „große Wecken". Jene Kreise sind nicht gewillt, „in schwerer Zeit das Trennende zu vergessen und sich auf das zu besinnen, das uns einen muß". Sie wollen den Kampf — und sie sollen ihn haben! An uns liegt es aber dann nickt, wenn der Wunsch, den die „Deut­sche Tageszeitung" am Neujabrstage äußert und den jeder Patriot haben mutz, nicht in Erfüllung geht: Der Wunsch nach der so notwendiaen Einiokeit des dnttscken Bürgertums. Die „Voffiscke Zeitung" sprach von dem „beliebten Seelsor-wr Jatbo". Die „Vollische Zeitung" und mancher ihrer Gesinnungs­genossen könnten von Jatbo noch etwas lernen. Uns ist der positive Protestantismus gewiß viel svmpa- thischer und wir haben mit ihm tausendmal mehr ae- mein, als mit dem Liberalismus eines Jatbo- Aber das unterschreiben wir, was Jatbo in einem Neu-

Der Graf von Tarent.

7] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner.

Er machte einen Finger naß, indem er ihn mit der Zunge in Verbindung brachte und hielt ihn vor die Oeffnung. Das nasse Glied der Hand fühlte augenblicklich die Luftströmung. Aber wie hinein­gelangen in den engen Spalt? Die Natur oder viel­leicht auch Menschenhand hatte eine Unmenge kleiner und auch großer Felstrümmer davorgewälzt. Tarent steckte dir brennende Fackel in den Ring an der Wand, dem er dieselbe entnommen und mit An­strengung aller Kräfte begann er, das Gestein bei Seite zu räumen. Je mehr er davon entfernte, desto sicherer schien es, daß Menschenkraft den Eingang zum Spalte versperrt hatte, nicht die Natur. Die Finger bluteten ihm schließlich, manchmal kamen Felsensteine so schwer, daß er alle seine Kraft aufbie- ten mutzte, dieselben von der Stelle zu bewegen. Der Schweiß lief ihm von der Anstrengung in Strömen ' über den Körper. Endlich war das Werk -etün. Um hinein zu gelangen in den Felsenspalt, mußte er sich tief bücken und nur seitwärts konnte er sich darin vorwärts bewegen Oftmals wurde der Spalt so niedrig, daß Tarent auf Händen und Knien sich vor­wärts bewegen konnte. Beim Kriechen versengte ihm die brennende Fackel, die er mit sich genommen, oft­mals Haar und Bart. Allmählich wurde der ^Gang breiter, er konnte sich aufrichten und vorwärts ^gchen — zuletzt gewahrte Tarent mit Staunen, daß der Gang ausmündete in eine zweite Grotte.

Diese zweite Grotte erwies sich um viele? größer als die andere, wo man ihn zu Grabe gelegt hatte.

Der Boden war bedeckt an beiden Seiten mit dichten Lagen von menschlichen Skeletten, vielen Generationen Verstorbener aus einer Zeit, da man die Anfertigung von Särgen noch nicht kannte. In der Front stand ein roh gehauener Steinblock, darauf ein steinernes Kreuz mit dem gestorbenen Erlöser. Das Christusbild war gearbeitet in der naiven Art einer uralten Zeit. Von der Felsendecke hing eine

jahrsartikel der „Nationalzeitung" zum Jesuftengesetz sagt:

„Man braucht wahrhaftig' kein Kryptokatholik zu sein, um es zu bedauern, daß das Gesetz existiert. Die Proteste gegen seine Aufhebung stehen am schlech­testen protestantischen Synoden und Pfarrvereinen an. Möchten doch gerade sie von dem leben, was sie den Jesuiten vorenthalten: Bon dem Recht freier Religionsübung für jedermann. Und wenn sie dem entgegensetzen, daß die Jesuiten in be­sonderem Maße die Feinde der Glaubens- und Ge- wisfensfreihrit sein, so verkennen sie völlig, daß solche Gegnerschaft nur mit den Waffen des Geistes über- wundern werden sollten. Kann der Protestantism.is auf solchem Wege das Feld in Deutschland nicht be­haupten, dann ist er's auch nicht wert, daß der Staat ihm mit den Mitteln gesetzlicher Gewalt zu Hilfe kommt."

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Deutsches Reich.

4- Ten voraussichtlichen Uebkrschntz im Reichslnms- haltk »tat für va§ Jahr 1912 ickährn Berliner Blatter aus etwa 50 Millionen. Dabei ist zu berücksich­tigen, daß bet Reichstag bei den Beratungen über die Finanzierung der Wehrvorlaaen den Etatsvoranschlag der Einnabmen um 45 Millionen heraufgesetzt bat In den ersten acht Monaten des EtatrjahreS haben sich die Emnadmen aus rund 1109 Millionen Mark gestellt, während sie sich in der gleichen Zeit deS Vor- fahre? auf 1093 Millionen beliefen. Do.S bedeutet mit­bin ein Mehr von 17,5 Millionen gegenüber dem Vorjahre. Wenn man nun zur Ermittelung der cor» auSsichtlichen Gesamt«Einnahme de? ganzen Jahre? die Hälfte der bisherigen Einnahme hinzurechnet, so ergibt sich ein Betrag von 1664 Millionen Mark Ter Etatsvoranschlag beläuft sich jevoch aus 1614 Millio­nen. Hiernach ist also jedenfalls mit einem Heber- schuß von 50 Millionen zu rechne». Tie Eraednisie früherer Jahre beweisen nun aber, daß die Einnah­men der letzten Monate jeden EtatsjahreS etwas höher sind, o!8 die der vorhergehenden; eS ist deshalb die Annahme eine? so hohen Hebers r uss-s nicht zu opti­mistisch. Von Einfluß auf dieses Ergebnis ist einmal die anhaltenv günstige Konjunktur, die zu einer Stei­gerung der Erträge verschiedener Steuerqnellen fuhrt, und ferner der Umstand, daß die WitterungSvethält. niste deS letzten Sommers eine erhebliche zollpflichtige Mehreinsubr an Getreide gegenüber der Ausfuhr her- beigeführt haben.

e Hebet den Nachfolger de? Herrn v. Kiderlen ist diS jetzt noch nicht bas geringste bekannt; wahrichern- lich sind sich die hier allein maßgebenden Instanzen über die Person deS z künftigen Staatssekretärs des auswärtigen Amtes selber noch nicht ganz im Klaren. Nichtsdestoweniger dauert da? Gerede über den Nach- lolger deS Herrn v. Kiderlen fort. Welchen Zweck diele unnützen Redereien haben sollen, ist nicht recht rrstchtlich. ES müßte denn sein, daß die Blätter, nie die Eingeweihten fvielen wollen, die bestimmte Ab­sicht verfolgen, irgend jemanden zu „laiweren' oder zu .verhindern". Beim .Berliner Tageblatt' z. B. ist dies offensichtlich der Fall. Das Blatt will nnffen, daß für die Nachiolge deS Herrn v, Kwerlen-Wächier in erber Linie der deittiche Bot'ckafter in Rom, Herr v. Jagow, in Betrackt komme, meint aber, Herr v. vaaovn bringe doch Nicht die notwendigen Eigen- schatten für einen so schwje.igen Posten mit. Herr v. Jagow ist nach dem ,Derl. Tagebl' Ostelbier, de: zudem noch .bismei en in eine antnemittsche Tonart* ver älli". Der .Täglichen Rimd'chau' ichemt der Konstantinopeler Boiichatier. Herr v. Wann en- heim, genehm zu fern; ihr ui'olge bat er die größten Aukffck'eo, Kiderlen? Nack folger zu werden. Aber da? Gerede ist unnütz und. rote die .Deut'che Taaes-

Ampel hernieder, in kupfernen Ketten hängend und gearbeitet in der alten Form der Römerzett. Darin hatte einst offenbar das ewige Lickt gebrannt, aber die Flamme war erloschen, das Oel ausgetrocknet, vielleicht taufend Jahre zurück.

Er bückte sich über den Stein und fah Zeichen darin, mit dem Meißel gearbeitet. Es waren Buch­staben, unregelmäßig aneinandergereiht in völlig kunstloser Art, aber leicht zu entziffern.

Das Ganze bildete eine Inschrift und der Graf las sie laut.

„Im Jahre 114 nach dem Tode deS Herrn Jesus Christus."

Der Lebende erschauerte tn Ehrfurcht. Er stand auf geweihter Stätte. Er befand sich in einer Kata­kombe der ersten Christen, in einer der ersten christ­lichen Kirchen, von der die lebende Generatton nichts wußte. Das Geheimnis der unterirdischen Kapelle lvar in den tausendfünfhundert Jahren dem Gedächt­nisse der Menschheit entschwunden.

Das Geheimnis der alten Christenkapelle war seit Generationen auch in der Familie Tarent verschollen. Kein Sterblicher wußte darum. Vom Altäre weg lenkte Graf Tarent den Blick über die ganze Grotte. Dieselbe war grotesker in den Formen und das Ge­stein zeigte mehr Verttefungen und Einschnitte.

Mit dem brennenden Lichte in der Hand an den Wänden entlang gehend und oftmals über Lagen von menschlichen Skeletten schreitend, blieb er auf einmal betroffen stehen.

Was war das, was seine Augen erschauten, eine Sinnestäuschung, ein wilder Traum?

War es ein Bild des Wahnwitzes? Konnte sich die wildeste Phantasie ein solches Gebilde erdenken?

Oder sah er ein Zauberbild aus der Märchenwelt des Orients, ein Phantasiegemälde aus der Dichtung Tausend und eine Nacht?--

Er konnte c5 nicht fassen — das, was die Augen sahen, erschien so unglaublich, so ungeheuerlich, daß er den eigenen Sinnen nicht trauen konnte, als er starr vor "Staunen näher trat.

Leitung' mit Recht sagt, auch unwürdig. Diese Redereien schädigen das Ansehen der Preffe ganz er­heblich.

0 Tie Errichtung eine? Kolonialgerichtshofs dürfte demnächst den Bundesrat beschäftigen. Bekanntlich bat der Entwurf bereits dem Reichstage vorgelegen, wurde aber zurückgezogen, bo man sich über „ die Zusammensetzung öeS KolonialgericktShofS und über den Sitz des Gerichts nicht einig war. Der frühere Regierungsentwurf hatte vorgeschlagen, daß die Bei« sjtz-r zum Teil au? Verwaltunasbeamten, Beamten veS auswärtigen Amts und deS Kolonialamts b*fteben lallten. Ter neue Entwurf paßt sich den im Reichs­tage geltend gemachten Wünschen an und zieht vor, daß als Beisitzer nur Richter, die sich im vollen Besitz oct richterlichen Vorreckte befinden, in Betracht kommen können. AlS Sitz des Kolonialgerichtshofs ist in der neuen Vorlage Berlin auSerwählt.

(*) Rute amtliche Erhebungen über VolkSschullasten der Gemeinden. Wie die.Postt hört, sollen auf gründ der vielfach.n Klagen über die zu hohen VolkSschul« lasten, besonders der Gemeinden mit mehr als 25 Schul- stellen, neue amtliche Erhebungen stattfinden, die den Zweck verfolgen, die Verhältnisse der betreffenden Ge­meinden zu prüfen. Die VolkSschullasten tollen in einer großen Reihe von Gemeinden tatsächlich eine solche Höhe erreicht haben, daß die auf lOO°/o er« u äßigte Gemeinde - Einkommensteuer nickt nur nicht mehr zur Deckung der VolkSschullasten ausreicht, son­dern von diesen noch erheblich überstiegen wird. Im allgemeinen ist auch in den in Betracht kommenden Gemeinden fengestellt worden, daß die Steuerkraft der Bewobner von Industrie-Otten im umgekehrten Ver- hällniffe zu der Kinderzahl steht.

% Heber die Beichte. Im Feuilleton der .Frank­furter Zeitung' vom 22. Dezember findet sich ein Aussatz über ein Trappistenkloster Bosniens. Darin kommt die Rede auch v.n dem Beichtstuhl, worin es heißt:

.Die letzten, wahrhaft aufgeklärten Jahrhunderte haben manches lieble über die Ohrenbeichl» zu sagen gewußt; aber wer könnte bezweifeln, daß ein tief« gewurzeltes menschliches Bedürfnis die Quelle jenes Sakramentes ist? . . . Nicht umsonst hat die mo- oerne analytilchs Seelenkunde die Beichte sozusagen zur lherapeuti chen Institution erhoben . . ."

Daß die Beicht tief im menschlichen Bedürfnis wurzelt, kann man allerdings nicht gut leugnen, nachdem auch der große Kenner de? "menschlichen HerzenS, Goethe, diese: Uederzeugung Ausdruck ge­geben bat. Ader ein noch größerer Kenner deS menschlichen Herzens hat die Beicht als Sakrament eingesetzt; jener, der für alle Zeiten von fick sagen konnte: .Kommet alle der zu mir, die ihr mühselig und beloben stid, ich will euch erquicken.*

5 König Otto von Bayern erkrankt. In München gingen wieder Gerüchte von einer Verschlimmerung tm Befinden König Ottos um. Es heißt jetzt, er leide an Blu Vergiftung. Tatsache ist, daß der König Furunkulose hat.

# Stuttgart, 2. Jan. 1913. Die Beisetzung des Staatssekretärs v. Kiderlen-Waechter fand am heutigen Nachmittag kurz nach 2 Uhr in Stuttgart auf dem Pragfriedhoie statt. Bei dem Trauerzuge Ichritt unmittelbar hinter dem Sarge der Reichs­kanzler als Vertreter des Kaisers und der Kaiserin, begleitet von einem Verwandten deS Verstorbenen, dem Fren.errn v. Palm. Es folgten die Vertreter der anderen Fürstlichkeiten, darunter der bayerische Ministerpräsident Freiherr v. Hertling alS Vertreter deS Prmzrcgenten Ludwig von Boyern, dann kamen die Vertreter der fremden Regierungen, die ElaaiS- feheläte Kraetke uno Dr. Eolf, daS Stnttoarter diplomatische Korps und die württemdergtschen Mi­nister. Ihnen schlossen sich an als Vertteter de« Auswärttsien Amtes in Berlin HnlerstaatSfekretär Zimmermann, Direktor im Auswärtigen Amt Dr. Mattbien, Geheimer LeaatwnSrat Dr. Zahn, Lega-

3.

Der Schatz.

Auf dem feuchten Felfengrunds lag Gold, gepräg­te? Gold, lose aufgeftreut, auf den ersten Blick, hier zehn, dort zwanzig, daneben hundert Stücke neben­einander, mehr, immer mehr. — Zuerst versuchte der Graf, die Stücke zu zählen, dann wurde das Zählen unmöglich, denn je weiter er Vorschrift in die Grotte, desto größere Massen des schimmernden Metalls ka­men zum Vorschein. Da lag ein Haufen, daneben ein anderer, alles Münzen aus einer lange vergange­nen Zeit. Lederne Beutel lagen dazwischen, der Zahn der Zeit, der Moder, hatte daran genagt und daS faulgewordene Leder hing in Fetzen, und zwi­schen den Fetzen funkelte Gold, Gold, Gold! Dazwi­schen blitzte eS dämonisch in blutfarbenem Glanze — eS waren Mengen von Rubinen, des kostbarsten aller Edelsteine. —

Händevoll lagen hier zusammen, ein ungeheurer Wert — dann folgten zwischen faulen Lederstreifen Mengen von grünsich schillernden Smaragden.

Der Gefangene vergaß alle seine Leiden und schaute erstaunt auf die Schätze, die seinem Auge sich hier darboten. Er begann den ungeheuren Fund zu untersuchen. Ein Lederbeutel war an den anderen gereiht, manche waren noch wohl erhalten, doch von den meisten waren die Stränge loSgefault, oder die Flächen waren vom Moder so zernagt, daß die ge- ringfte Berührung hinreichte, den Inhalt zu Tage treten zu lassen.

Gold schimmerte hier in mattem Lichte der Fackel, Gold dort, Gold da. — Dazwischen leuchteten Beutel voll kostbarer blauweißer Brillanten unb erstrahlten wieder in tausendfachen Reflexen: Topase und Amcthvste folgten in dichten Lagen, und Hände von Opalen, schillernd, schimmernd in tausend Farben- breckungen und dann folgten wieder Hausen von Gold — Gold — Gold--

Er fuhr sich mit der Hand über die Augen. Träumte er, umgaukelten ihn die Bilder deS Wahn­witzes? Hatten die letzten Ereigniffe ihm den Ver­stand geftört?

tionsrat Frhr. v. Neurath und namenS deS Reick % danldirekloriumS besten Vizepräsident v. Glasenapp. Weiter folgten dann der Oberbürgermeister von Stutt­gart, Verwandte deS Verewigten, Offiziere und Depu­tationen.

Ausland.

** Der Zustand Kaiser Fra«, Josephs besorgnis­erregend. Der ,'Jtero Aart Heralkü meldet aus Rom, daß Der Wiener päpgliche Nuntius über Den Ge­sundheitszustand Kaiser Fr nz Joseph- einen sehr un­günstigen Bericht an Den Vatikan gesandt habe. Ob­wohl die offizielle Wiener Preffe alle Nachrichten von einer Verschlechterung im Befinden des Kaisers de-- mentiert, gilt der Zustand des greifen Monarchen dennoch als besorgniserregend.

t Politisches Duell in Ungarn. Zwischen dem Präsidenten deS Abgeordnetenhauses Grafen Tisza und dem oppositionellen Abgeordneten Grafen Karolyi fand ein Säbetduell unter schweren Be­dingungen statt. Der Zweikampf erfolgte, weil Karolyi am Abend vorher im Nattonal-Kasino in Budapest die Hand Tiszas barsch zurückgewiesen hatte. Es wurden 32 Gänge gefochten. Das Duell dauerte eine Stunde. Karolyi erhielt mehrere Ritzwunden, Tisza einen flachen Hieb auf die Hand. Die Gegner jchieden unveriöhnt.

A Ter Kampf um den Prasidentenstuhl in Frank­reich nimmt ungeahnte Formen an. Der eigentliche Kampf spielt sich jetzt zwischen Poincarß und Ribot ab. Die übrigen Kandidaten bleiben im Verborgenen. Ribot empfängt die Berichterstatter der großen Blatter und schießt Pfeile auf feinen Freund Poinearö ab- Er klagt diesen der Täuschung an, well er zuerst sich als Parteigänger der Kandi­datur Ribots zeigte, um dann plötzlich feine eigene aufzustellen. Einem Redakteur des „Journal des Tcbais" erklärte Ribot, er habe nie daran gedacht, Präsident zu werden, wenn man ihm nicht gesagt hätte, e§ fei notwendig, seinen Freunden in der Kam­mer seine Person zur Verfügung zu stellen. In der Kammer tauchen inzwischen immer neue Namen von Kandidaten auf, die in den nächsten Tagen ihre Kan­didatur veröffentlichen wollen. Außer Dubost, Del- easss spricht man von Dupuis, dem Arbeitsminister, Millionär und Eigentümer des „Petit Parisien" und von Pane dem Ackerbauminifter der mehrere Mil­lionen mit seiner Zigarettenfabrik verdient hat und von dem glaubt, daß er im MysSe würdig repräsen­tieren und eine bessere Küche als Herr Falliöres füh­ren würde. DaS Defchanel betrifft, sollen ihn die Führer der radikalen Sozialisten in der Kammer und im Senat als offiziellen Kandidaten annehmen und feine Kandidatur der PoinearßS entgegenftellen, so versichern wenigstens verschiedene Blätter.

* Die Zahl der Arbeiterinnen in Frankreich ist von dem Arbeitsminister auf eine an ihn ergangene Anfrage sorgfältig ermittelt worden. Es wird da zunächst zwischen den Frauen, die sich gewohnheits­mäßig bei anderen in Lohndienst gehen (Arbeiterin­nen, Angestellten, Dienstboten), und den Hausarbei­terinnen unterschieden, dann der DurchschnittSlohn der einen wie der anderen festgestellt. Als Gesamt- zisfer arbeitender Frauen ist für Frankreich die runde Ziffer von 4150000 ermittelt worden, die sich fol­gendermaßen verteilen: Auf Landwirtschaft 949 000, Industrie, und BesörderunqSwesen nach Kategorien:, Angestellte außerhalb des Hauses 48 000, Arbeiter­innen 1 837 000, Hausarbeiterinnen 540 000, Han­del, freie Berussatten und öffentliche Dienste nach den Kategotten: Bei anderen Angestellte 296 000, Arbeiterinnen 208 000, Dienstboten 772 OOO. Die Sühne sind selbstverständlich sehr verfchieden. Nach den letzten schon sehr weit bis 1893 zurückreichenden Erkundigungen hat daS Arbeitsamt für die Privat-

Ein Gegenstand feffelte jetzt seinen Blick, es war ein Armreif von antiker Arbeit, in der Mitte einen großen, schwarzen Diamanten, umgeben von einem» Kranze weißer Perlen. Auf der breiten Goldfläche' war ein Wappen eingegraben, eS war daS Wappen- feines Hauses, das die Grasen von Tarent geführt' fest Jahrhundetten. Er legte den Armreif zurück und nun sah er ein Diadem, daneben lagen Halsketten" mit eingefaßten wasserhellen Steinen, jeder von sel­tener Größe und einer vom andern abweichend und' tausendfach variierend im Glanze und der Pracht der Farben.

Der vom Tode Erstandene fuhr sich mit der Hand über die Augen, als wolle er ein Traumbild her« cheuchen. Also hatte die Sage dock Recht, wenn die- elbe berichtete, auf dem Grund uno Boden des Gra-j en Tarent fei ein ungeheurer Schatz verborgen. Er« jarte immer gelächelt über d-rn alten Volksglauben/ nicht einmal dachte er daran, nach dem fagenhaften Schatze zu forschen. Nun bot sich ihm derselbe von selbst dar!

Als Gras Tarent wetterschritt, der Felfenwand entlang, da kam ein hölzernes Kästchen, die Ecken in Silber gefaßt. Er zog es langsam an sich und hob eS zu sich empor. Der Deckel war nicht ver« schloffen und hob sich leicht. Das Kästchen war gefüllt mit Perlen, gefaßt an Golddraht, von der Größe der' Erbse angefangtn bis zum Umfange eines Tauben­eies: jede Perle war von seltener Reinheit. Jede eine dieser Perlenketten war würdig, den Hals einer Kaiserin zu schmücken, deren Wett war heute in einer neueren Zeit unermeßlich.

Die Schätze waren feig, sein allein. — — Er hatte dieselbe gefunden in feiner Väter Gruft.

’ Er wollte eben das Kästchen zurückstellen an den alten Platz, als er ein gefaltetes Pergament ge­wahrte, umwunden mit einer seidenen Schnur. An der seidenen Schnur hing in einer hölzernen Kapsel in rotem Wachse eingegoffen das große alte Siegel des Hauses.

Tas Pergament hatte an einet geschützten Stelle gelegen und wenig von Moder gelitten. Einzelne