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lit i. Allies biatt.

Oonnerstag uen 2» 3anuar 1913»

40. Zahrgang.

i? sollen die Großmä te ent cheiden?

Nach vielem Hin imb Her hat nun die Türkei den Vorschlag gemacht, den Großmächten die Ent­scheidung über die Streitfragen zu überlassen, mit Ausnahme der Zukunst von Adrianopel und den Aegöischen Inseln, über die unmittelbar von den kriegführenden Staaten verhandelt werden soll.

Dieser ,.Vorschlag zur Güte" gewinnt erst dann Hand und Fuß, wenn der Vorbehalt aufgegeben und die ganze Sache dem Schiedsspruch Europas überwiesen wird. Vermutlich haben die Türken auch den Vorbehalt nur gemacht, um ihn sich abhandeln zu lassen. Selbstverständlich können die Groß''ächte firn erst dann auf den dornigen Richtrrstuhl^ setzen, wenn auch die vier Gegner der Türkei den Schieds­spruch erbitten

Tie Botschafter-Vereinigung wollte bei ihrem Wiederzusammentritt vom Donnerstag nachmittag zunächst die Abgrenzung Albaniens erörtern. Es wurde aber bereits angekündigt, daß diese Frage noch nicht spruchreif sei, da Oesterreich und Italien, die hierbei das erste und das letzte Wort haben mit der Formulierung ihrer Vorschläge noch nicht sertig seien. Nun könnte man sagen: wenn schon das bis­chen Albanien soviel Umstände macht, wie sollen dann die Großmächte in absehbarer Zeit mit dem ganzen Gewirr der künftigen Staatsabgrenzungen fertig werden?! Gewiß, die neue Abfgabe ist sehr schwierig und steckt auch voll Gefahren. Doch ist das noch kem Grund, um sie von vornherein abzulehnen. Gelöst müssen die sämtlichen Fragen doch einmal werden, und die Aussichten auf eine friedliche Lösung sind kaum besser, wenn die Großmächte die albanische Einzelfrage herausgreifen und alles übrige den krieg­führenden Parteien überlassen. Ob ne einen Druck von außen geht es in keinem Falle ab: schon um Albanien vor der Begehrlichkeit der Serben und Griechen zu retten, muß Gewalt angewendet werden, wenigstens moralische Gewalt. Wenn schon, dann kann Europa auch sogleichin einem Aufwaschen" das Ganze regeln, vorausgesetzt, daß die Mächte Aus­sicht haben, unter sich zum Einvernehmen über die neue Landkarte vom Balkan zu gelangen.

Vor 100 Jahren hatte der Wiener Kongreß noch eine viel riesigere Aufgabe zu lösen; da war beinahe für ganz Europa die Landkarte neu zu ge­stalten. Warum sollte man jetzt nicht über den süd­östlichen Zipfel einig werden können?

Ein Wagnis ist und bleibt es, doch besonders für die 'Dreibundmächte, auf. die man den voraussicht­lichen Groll der Unbefriedigten hinlenken wird. Aber wenn man den Wiederausbruch der Feindseligkeiten mit seinen noch schlimmeren Folgen verbitten will, so wird man schon etwas riskieren muffen. Aus sich und unter sich kommen die Kriegführenden offen­bar nicht zur Verständigung. Einige sagen, daran sei die Türkei schuld mit ihrer hinterlistigen Ver­schleppungstaktik. Man könnte ebenso gut sogen, die Uebcranspannung der Forderungen der 4 Balkan­staaten sei schuld. Jeder Teil sucht aus allen mög­lichen Mitteln seinen Vorteil wahrzunehmen. Im Grunde genommen erklärt sich die Verzögerung der Fricdensverhandlungen einfach dadurch, daß das Machtverhältnis noch nicht vollständig geklärt ist. Die 4 Balkanstaaten haben viel erreicht, aber längst nicht alles; die uneroberten Festungen und die unversehrte Tschataldschalinie zeigen, daß die Wider­standskraft des Feindes noch nicht gebrochen ist. Die Türkei ist also noch nicht gezwungen, alles zu bewilligen, was ihre Gegner verlangen. Der Aus­gleich wird noch besonders dadurch erschwert, daß die Regierungen auf die erregte öffentliche Stimmung und auf das Parteigetriebe in ihren Ländern, nament­lich auch auf die Stimmung in den Offizierskreisen Rücksicht nehmen müssen. Nachgiebigkeit aus eigenem Entschluß wird fast unmöglich, wenn als Folge der Nachgiebigkeit der Sturz des Ministeriums oder gar

Der Graf von Tarent.

6] Roman in 3 Bänden von F. Steinkirchner

Was war das? Der Gefangene glaubte Plötzlich mitten im Friedhöfe ein Laternenlicht zu sehen. Ar­beiteten die Totengräber in der Stille der Nacht an ihrem schauerlichen Werke? Die Augen schienen ihm aus den Höhlen treten zu wollen, als er auf den Platz starrte. Das Licht kam nicht wieder.

»Hilfe---Hilfe---"

@t schrie die Worte hinaus in die stille Nacht. Keine Antwort.

Der Mann im Monde grinste höhnisch herunter.

Der Ruf pflanzte sich an den Felsenwänden, welche das Gräberfeld umgaben, als Echo fort und schallte zurück in oftmaliger Wiedergabe an das Ohr des Gemarterten.

Eine tiefe Ermattung überkam ihn jetzt, ein plötz­liches Verlassen aller Kräfte; jede Hoffnung schwand dahin; an sich und seinem Geschicke verzweifelnd, sank er nieder auf die Stufen, hüllte das Gesicht in die Hände und weinte bitterlich.

Im Weinen schlief er ein.

Ein wohltätiger Traum nahm die Sinne des Verzweifelten jetzt gefangen^ Unten im Gewölbe er­hob sich von einem der Särge ein Schatten, bleich, nebelhaft. Größer und deutlicher wurde der Schat­ten, nahm menschliche Form an, aber nickt Fleisch und Blut, sondern durchgeistigt Es war das Gebilde einer Fran. Der Schatten bewegte sich langsam, näherte sich der Treppe, schwebte empor, ohne die Stufen zu berühren. Er kannte die Züge dieser lich­ten Frauengcstalt wohl und glücklich lächelte er im Traume.

Es war seine Mutter.

Ter weiße Schatten schweb,le nun zu ihm, beugte sich über ihn und küßte ihn auf die Stirne. Eine felige Ruhe überkam den Schlafenden, er fühlte sich unaussprechlich glücklich.

der Dynastie vor der Tür steht. Wir haben ja ge­sehen, daß die türkische Regierung im Tripoliskrieg trotz der handgreiflichen Aussichtslosigkeit ihres Widerstands nicht den Verzicht auf das sachlich wert­lose afrikanische Anhängsel wagen mochte, bis endlich der Vorstoß der Balkanstaaten gegen Konstantin!cl der öffentlichen Meinung klar machte, daß man die Mütze fahren lassen darf, um den Kopf zu retten. Die türkischen Staatsmänner suchen jetzt eine ähn­liche Deckung zu erlangen durch einen Machtspruch der europäischen Großmächte.

Offenbar wäre es nun das Beste für die Strei­tenden und für ganz Europa, wenn sich dir Groß­mächte schnell verständigten über eine vernünftige Ak- mng'der Balkanstaaten und bestimmt erklär­ten: So solls sein, und wer sich nicht fügt, hat Zwangsvollstreckung zu erwarten!

Ob eine solche Einigung zu erreichen ist, muß natürlich vorher sicher gestellt werden, ehe man die Botschafter-Besprechung in London zu einer beschluß­fassenden Konferenz oder einem Kongreß ausgestaltet. Jetzt muß es sich zeigen, ob es noch ein willens- und handlungsfähigesC uroP a" gibt.

Deutsche Neich.

** Beilin, 1. Januar 1912. Das Neujahrs- fest am Hole routöe in der hergebrachten Weife begangen. Nachmittags fuhr der Kais er bei den Boilckatt-rn vor.

c Zur Besitzsteue frage will dieTägl. Rundschau" erfahren, daß ein Entschluß des preußischen Staats­ministeriums zur Besitzsteuervorlage überhaupt noch nicht erfolgt sei. Konservative Blätter hatten be­kanntlich gemeldet, daß sich das preußische Staats­ministerium entschlossen habe, auf die Erbschaftssteuer zu verzichten und dem Bundesrat eine Vermögens­zuwachssteuer vorzuschlagen. Es entspricht allerdings den Tatsachen, daß der Reichskanzler dem Gedanken einer Ver mögenszuwachssteuer sympathisch gegen­übersteht. Doch soll ein nicht geringer Teil der ver­bündeten Regierungen die Meinung vertreten, daß durch eine Vermögcnszuwachssteuer das steuerliche Hoheitsrecht der Bundesstaaten in bedenklicher Weise angetastet wird.

4- Freisinnige und Nationalliberale. Der Vor­stand des Bezirksverbandes Rheinland der Fortschritt­lichen Volkspartei hat, laut demBerl. Tageblatt", in einem Schreiben den Vorstand der Nattonallibe- ralen Partei für die Rheinprovinz gefragt, ob er zu einer gemeinsamen Besprechung über ein gemein­sames Vorgehen der beiden liberalen Parteien bei den preußischen L a n d t a g s w a h le n bereit sei. Ter Vorstand der nationalliberalen Partei beschloß nach eingehender Beratung die grundsätzliche Bereit­willigkeit zur Einleitung einer solchen Besprechung.

)( Das Probejahr der Lehramtskandidaten. Der Kultusminister hat sich damit einverstanden erklärt, daß Kandidaten des höheren Lehramtes, die das Se­minarjahr an einer höheren Lehranstalt für die männliche Jugend abgeleistet haben, ausnahmsweise auf ihren besonderen Wunsch zur Ableistung des vor­schriftsmäßigen Probejahres einer anerkannten öffent­lichen höheren Lehranstalt für die weibliche Jugend überwiesen werden, falls der Direktor und das Leh­rerkollegium dieser Anstalt volle Gewähr bieten, daß sie den betreffenden Kandidaten eine den Zwecken des Probejahres entsprechende Ausbildung zuteil werden lassen können.

O Die Reichstags-Ersahwalil in Schwitz hat mit dem Siege des deutschen Kandidaten geendet. Von den 15 905 aboeaebenen Stimmen erhielt der Reichs« parteiler Landrat v. Halem 8017, der Pole Saß- Jaworski 7855 und der Partei-Sekretär Grygo (Sozial- demokrat) 33 Stimmen. Das Mandat v. Halem war bekanntlick von der Wahlvriikungs - Kommission für

Als der Schläfer erwachte, da fühlte er sich wun­derbar gekräftigt und gestärkt.

Noch einmal schaute er hinaus in den Friedhof. Mes war still, nur das Rauschen der Bäume im Winde, das er vorher in der Gruft gehört, konnte er vernehmen und das leise Gurgeln des kleinen Ba­ches, den er deutlich sehen konnte, wie er sich, einem silbernen Streifen gleich, zwischen den Gräbern und Denkmälern dahinschlängelte.

Plötzlich gewahrte er einen winzigen Hellen Punkt, den er vorhin nicht beachtet. Es war das sogenannte ewige Licht", das in einer großen erzenen Ampel, gefüllt mit Oel, brannte. Der Gras erinnerte sich, daß Jakobo, der Torwärter, derselbe, welcher ihn gewarnt hatte, sein Heim zu verlassen, jede Woche einmal zur Gruft ging, die Ampel aufzufüllen mit Oel. Würde er dieser Pflicht nachkommen am kom­menden Tage, ober morgen ober in einer Woche? Der Graf betrachtete bie Ampel genau, dieselbe war fast bis an den Rand gefüllt. Da schwand die schwache Hoffnung.

Nun entsann er sich, daß Kränze auf dem Sarge der Mutter und des Vaters lagen, die er selbst am letzten Allerseelentags hierher gebracht. Dieselben waren längst ausgetrocknet, wenn es ihm gelang, einen derselben an dem winzigen Lichtflämmchen an- zuzunden an den T-flsen entlang steckten eine An» zahl harziger Fackelhölzer ans langer vergangener Zeit, da es noch Sitte war. die Verstorbenen aus vornehmen Geschlechtern des nachts zu begraben, von denen er dann leicht eine entflammen konnte. Er bätt- dann Sicht und dem Orte wäre viel von seinem Schrecken genommen. Seine Hand suchte nach einem der Kränke und die bebenden Finger fanden bald die län-ckt saftlos aewordenen Stenael und Blu­men. Dieselben raschelten vor Trockenheit-

Vorsichtig näherte sich Graf Tarent mit dem dür­ren Kranze dem Lichtchen, ein Zittern der Hand und dasselbe konnte und mußte ve-Mchen. Nein, die Hand war stetig, eines der Blättchen am Kranze flammte auf, dann sprang die Flamme höher und höher auf im Nu stand der Kranz in Flammen.

ungül"' erklärt worden. alem wartete aber das Urteil Plenums nicht ao, londern legte sein Man­dat meoet. Bei der jetzigen Ersatzwahl stimmten für ' tzaiem gemäß dem Wahlabkommen alle deutschen Parteien. D-e Wahlbeteiligung ist diesmal merklich zurückoeganaen.

* Im Fürstentum Lippe finden demnächst die Wahlen zum Landtag statt. Der Landtag bestand bisher aus 10 Konservativen, 8 Fortschritt­lern, 2 Nationalliberalen und 1 sozialdemokratischen Mitglieds. Zwischen den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volkspartei ist eine Wahlverein­barung getroffen worden. In den rechtsstehenden Kreisen hofft man, nicht nur die bisherigen Man- bäte zu behaupten, sondern ein neues dazu zu ge­winnen, sodaß dann die Mehrheit des Landtags kon­servativ sein würde.

0 Die Hetzer gegen daS Ministerium Hertling haben unstreitig eine krankhalte P antafie. Aus dem Verzicht des Prinzregenten Ladung auf die Thron­besteigung konstruierten die liberalen Gegner veS Ministeriums eine Niederlage Hertlings. Die sozial« demokratiiche ,Diünebener Post" will nachweisen, daß Frhr. v. Hertlmg seine Amtsgewalt mißbraucht habe, als er den Behörden den Bezug der offiziellen .Bayerischen Staatszeitung' zur Pflicht machte. Heute kommt der .Vorwärts' und will den bayerischen Ministerpräsidenten als Rivalen deS Reichskanzlers aussvielen, und das .Berliner Tageblatt' kennt bereits im Grafen Podewils den Nachfolger des Frhrn. von Hertling. Ob sich die liberal»sozialdemokratische Gegnerschaft von dieser Art, zu hetzen, wirklich Er« folg ver pricht? Wenn der politische Haß sie nicht ganz verblendet te, müßte sie sich etgentl ch doch sagen, daß sie auf diese Weise eher eine Festigung der Position des bayerischen Ministerpräsidenten, als seinen Sturz erreicht.

Ausland.

♦♦ Die ungarische Wahlreform. Der Entwurf der Wah uesorm wurde am Dienstag im Adgeordnetenhause beifällig aufgenommen. Es wurde beantragt, die Vor­lage an einen Spezialausschub zu überweisen. Neun Mitglieder der Regierungspartei und der Justizminister Szekely Haden ihren Austritt au8 der Regierungspartei angemeldet, weil sie die Ausdehnung des Wahlrechts für nicht weitgehend genug halten. Bei der Abstimmung über den Wahl- rechtsentwurf war die OppofitionSvartei im Sitzungs­saal nicht anwesend; sie setzt ihre Politik der Abstinenz fort. Die Vorlage wurde einem Sonderausschuß von vierzig Mitgliedern zugewiesen.

A Em neues Verbrechen der englischen Suffragetten. Mehrere Stimmrechtswerber versuchten in der Nähe von Liverpool den Mechanismus der Signalschei­ben an der Eisenbahnlinie zu zerstören. DaS Attentat, das Hunderten von Reisenden das Leben hätte kosten können, wurde von einem Streckenwärter noch rechtzeitig entdeckt. Am Schauplätze deS Atten­tates rouiDe ein Zettel gefunden, der die Worte auf« wies: .Wenn man verhindern will, daß diese Dinge Vorfällen, ist daS Mittel bereit: Gebt den Frauen das Stimmrecht!" Nur dem Zufall, daß die Sig­nalscheiben aufGeschloffen" standen, war S zu ver­danken, daß kein Unfall sich ereignete.

** Gemaßregelte Werftarbeiter. Auf Anordnung des französischen Marineninisters wurden gegen 280 Arbeiter deS Arsenals von Lorient, die an dem Proteststreik vom 16. Dezember teilgenommen hatten, Disziplinarmaßnibmen verhängt.

** Das neue spanische Kabinett setzt sich tote folgt zusammen: Präsident Graf von RomanoneS, Inneres Alba, Aeuheres Navarro Reverter, Justiz Barroso, Krieg General Luque, Marine Amalio Ji­mena, Oeffentltche Arbeiten Billanueva, Unterricht Lopez Munoz, Finanzen Suarez Jnclan.

Er ließ den brennenden Kranz niederfallen auf den Felfengrund, im Nu hatte er eine der harzigen Fackeln aus dem Ringe gerissen und entzündet. Nun wohnte sich's leidlicher unter den Toten, et hatte laut auftubeln mögen.

Die Finsternis war besiegt, mit dem Lichte kam neue Hoffnung!

Seine Nerven waren abgestumpft worden in den letzten Stunden, der Lebendige war bereits an daS Schauerliche und an die Majestät des ihn umgeben­den Todes gewöhnt.

Als sein Auge alle die Särge Überblickte, in denen seine Vorahnen schliefen, da lächelte er über seine frühere Furcht. Er ging an den Särgen entlang, die in unregelmäßigen Reiben aufgestellt waren. Einzelne standen allein auf Piedestalen aus weißem Marmor, andere, einer früheren Epoche angehörend, waren zusammengedrückt und sogar aufeinanderge­stellt, den Neukommenden Platz zu machen. Viele waren in Marmoraestein, andere von Metall, wenige nur aus Holz gearbeitet.

Der Zahn der Zett hatte gearbeitet an allem, die Sammelbecken waren von Mader zerfressen und hin­gen oftmals in Fetzen. Inschriften daran, in Silber eingestickt, hatte der Rost verzehrt und waren un­leserlich geworden. Jetzt stand der Graf vor einem Sarge, der wohlerhalisn war. Er laS die Inschrift:

Hier ruht in Gott die hochedelgeborene Fran Gräfin Maria von Tarent, geborene Fürstin von Guastalla, gestorben im 37. Jahre ihrer irdischen Laufbahn.

Friede ihrer Asche.

Er kniete nieder und küßte den Sarkophag, seine Mutter war eS, die darin lag. Gleich daneben schlummerte der Vater, den er im Leben nicht ge­kannt. Dann ging er den eigenen Sarg zu suchen, in den man ihn bestattet.

Lange suchte er vergeben?, bis er endlich um eine Ecke bog. Da hatte man die Särge dicht nebeneiu- ander gelegt und einen auf den andern; manchesmal lagen fle kreuz und ouer. die alten kcklummernde«

* Die Spannung zwischen Rußland und China. Der Reformer der jungen chinesischen Republik, Dr. Sünyatsen, hat an Juanschikai, an die Minister, an die Nationalversammlung und an die Führer der politischen Parteien folgende Kundgebung gerichtet:

.Seit einem Jahre besteht die chinesische Republik unb noch immer ist sie von den Mächten nicht anerkannt worden. Dieses Zögern beweist, daß bie Mächte kein Vertrauen zu China haben oder daß sie keine guten Absichten betreffs China haben. Trotzdem hat Ruß­land die Unabhängigkeit der Mongolei aner­kannt, waS eine flagrante Verletzung deS Völkerrechtes bedeutet, und die anderen Mächte haben nicht dagegen @t oruch erhoben, wahrscheinlich, weil sie dem Beispiele Rußland» zu folgen denken und sich in die chinesische Beute teilen wollen. Das chinesische Volk, dessen Fortschritt in jeder Richtung erstaunlich 'st und dessen patriotische» Gefühl mit außerordentlicher Kraft erwacht ist, will den Krieg. Nur die Regierung will keinen Krieg, denn sie fürchtet, bie grobe Anleihe würde nicht zustande kommen, und weil sie glaubt, daß sie nicht stark genug sei, einen siegreichen Feldzug vorzubereiten und daß sie China zerstückeln würde, wenn sie Rußland an« greift. Aber ich teile diese Ansicht nicht unb ich glaube bestimmt, baß der Krieg für China nicht den Tod, son« dein das Leben bedeutet. Ich habe lange und gründlich über die Lage nachgedacht, und ich habe die lieber» zeugung gewonnen, daß ein Krieg EhinaS mit einer aus­wärtigen Macht nicht nur.wünschenswert, sondern für die innere Reorganisation bei Landes notwendig ist. Er wird den Grundstein für da» Wohl de» Vaterlandes legen.

Diese Kundgebung bei Vater» der Revolution hat im ganzen Lande einen gewaltigen Eindruck hervor» gerufen.

* Castro auf bet Sinwandererstatton festgehalten. Nachdem bet frühere Präsident von Venezuela am Dienstag bei feiner Landung ht Netoyork nach der Einwandererstatton Ells Island gebracht worden war, wurde seinem Blut eine Probe zur mikroskopi- scheu Untersuchung (!) entnommen. Wie verlautet, hat Castro eine ansteckende Krankheit, die einen Grund zu seiner Ausschließung bilden könnte. Die Behör­den von Venezuela sind ersucht worden, Einzelheiten über etwaige kriminelle Vergehen Castros einzusen- den, auf Grund deren seine Ausschließung nach ameri­kanischem Gesetz gerechtfertigt erscheinen würde. Wie der Einwanderungskommiffar mitteilte, hat der frühere Präsident Castro den Wunsch geäußert, so­fort nach Europa zurückzukehren. Er wünsche einen deutschen Dampfer zu benutzen und in Ham­burg zu landen.

** Roosevelts Denkwürdigkeiten. Roosevelt, der frühere Präsident der Vereinigten Staaten Nord­amerikas, will eine Geschichte der FriedenSverhand« hingen von PortSmouth, die dem Kriege zwischen Rußland und Japan im September 1905 ein Ende machten, erscheinen lassen. @8 handelt sich darin vornehmlich um einen Bries, den der Mikado seinerzeit an den Präsidenten Roosevelt gerichtet hat und auS dem hervorgeht, daß Japan den ersten Schritt zur Anbahnung von Friedensverhandlungen getan hat. Wiederholt versuchte die japanische Re­gierung bereits, den Brief von Roosevelt zurückzu­erhalten, dieser aber weigerte stch beständig, ihn herauszugeben, und will ihn, wie gesagt, jetzt ver­öffentlichen.

Die MmskM.

Die FriÄenSkonferenz.

* London, 1. Jan. 1913. Die Friedenskonferenz vertagte sich heute nach einer Sitzung von vier- stündiger Dauer auf Freitag nachmittag. Man glaubt, daß ein erheblicher Fortschritt er­zielt worden ist. Nach einer amtlichen Mitteilung er­zielte die Friedenskonferenz über gewisse Punkte eine Einigung. Die Besprechung gewisser anderer Punkte wurde auf Freitag vertagt. DaS Rentersche Bureau

Herren und Frauen aus dem Geschlechte der Grafen von Tarent. Diese Toten waren wie unnützer Stoff bei Seite geschoben wegen Raummangel, ihre Namen und ihre Zeit war eine vergessene. Unter diese alten Generationen hatte man ihn gelegt, auf einer Lage steinerner Särge, in die Rttterhelme unb Harnische eingemeißelt waren, lag sein Sarg.

Der Graf lächelte traurig, als er das Machwerk betrachtete. Es war ein Sarg aus rohen, unge­hobelten Brettern zusammenqefügt. ohne Farbe und ohne Zierrat. In gewöhnlichen Zetten wäre derselbe für einen toten Bettler recht gewesen. Keine Schrau­ben waren im Holze, nur Nagel waren flüchtig ein­getrieben; kein Wunder, daß es ihm gelungen war, das schwache Gehäuse zu sprengen. Zwei Bretter des Sarges lagen unten auf dem Boden. Auf dem einen derselben standen mit Kreide die Worte ange- schtieben:

Enrico, Graf von Tarent, gestorben in seinem 25. Lebensjahre.

R. I. P.

Nun überkam ihn zum ersten Male ein Gefühl der Bitterkeit. Warum hatte man ihm nicht eine einzige Blume, kein Zeichen der Liebe mitgegeben zum letzten Gange war eS doch der Sommer­monat, in dem die Natur prangte in Blumen und Blüten.

Er hob die Bretter vom Boden auf und fügte bie» selben wieder zu feinem Sarge, dann ging er Wetter.

Die Gruft war eine natürliche Felsengrotte mit vielen nischenartigen Einschnitten und Vertiefungen Manchmal War durch Menschenhand der Natur nach­geholfen und Stufen und Gänge schienen mitten inS Felsenlabyrinth hinein zu führen.

Plötzlich schien es dem Graftn, als bewegte sich die Flamme der Fackel unter einem Luftzüge. Woher konnte der Luftzug kommen hier tief unter der Erde? Aufmerksam prüfend bemerkte er nun einen kleinen, schmalen, gähnenden Spalt im Felsen.

Gortsetzung folgt.)