Handel und Wirtschaft.
Berliner Effekte« - Börse.
Jester.
rotb. Berlin, 30. Dez. (Cig. Meld.) In der Burg, stratze scheint man dem neuen Jahre mit etwas mehr Zuversicht entgegenzusehen. Jedenfalls zeigte die letzte Börse des alten Jahres ein freundliches Aussehen. Wenn auch bei den Banken die Neigung bestanden hatte, die Kurse zum Jahresultimo heraufzusetzen, so lag doch auf Grund der zwar nicht allzu reichlichen, über durchweg günstigen Nachrichten etwas Publikumsnachfrage DOr. Die Anfangsnotierungen lagen daher, wie man dies schon vorbörslich erwartet hatte, ganz allgemein bis zu 1 Prozent, vereinzelt bis zu 4 Prozent, über dem gestrigen Schluß. Stark ge- bessert war naturgemäß R. W. E, die mit 3% Prozent anzogen. Die Sicherung des Erwerbsrechtes von 21 Millionen Rheinische Braunkohlenoktien aus dem Besitz der Charlottenhütte regte auch die übrigen Märkte an, zumal man mit weiteren ähnlichen Transaktionen rechnet. Größere Nachfrage bestand weiterhin für Maschinenfabriken, Kunstseideaktien und auch Braunkoh. lenwerte waren nennenswert höher. Im übrigen v-r- wies man auf die Festigkeit Newyorks, insbesondere auf die neuen starken Steigerungen der deutschen Bonds, für die zum Teil internationale Nachfrage bestand. Beachtung sand der vorläufige Jahresüberblick der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Nennenswerte Abschwächungen waren anfangs kaum zu verzeichnen. Deutsche Anleihen lagen ruhig: Altbesitz blieben allerdings lebhaft gefragt und sehr fest, der Kurs stellte sich etwa 1 Proz. höher. In Reichsschuldbuchforderun- gen bemerkte man einige Realisationen, so daß sich hier Abbröckelungen bis zu einem bis % Proz. ergaben. Im Verlaufe wurde Altbesitzanleihe lebhafter und %, Pr°z. fester. Pfandbriefe, Kommunalobligationen usw. waren noch ziemlich unentwickelt, schienen aber freundlicher veranlagt. Verschiedentlich bestand Nachsrage. Im Verlaufe wurde dieTendenzandenAktienmärk- ten bei weiter freundlicher Grund st immun g leicht unregelmäßig. Rheinische Braunkohlen holten ihren Anfangsverlust von VA Proz. wieder auf und Berger zogen erneut um 1 % Proz. an. Siemens gaben weiter nach. Am Berliner Geldmarkt zog der Satz für Tagesgeld kurz vor Ultimo weiter an und stellte sich auf 47%, teilweise aus 4% Proz. In Privat- diskonten lag weiter Angebot vor. Reichswechsel und -Schätze wurden nur in kleinen Posten umgesetzt.
Vom 1. Januar bis ultimo Dezember 1932 wurde beim Amtsgericht Fulda 34 Konkursverfahren beantragt, davon konnten aber nur 20 eröffnet werden. (Gegen 23 in 1931 und 31 in 1930.) Vergleichsverfahren wurden in 1932 6 eingeleitet. Außerdem wurden 2 landwirtschaftliche Vermittlungsoerfahren durchgeführt.
— Stillegung eines Rhönbasaltwerks. Dor kurzer Zeit wurde das Basaltwerk Oberriedenberg in der Rhön wieder in Betrieb genommen. Nun sind die Ar- beitey abermals eingestellt worden. Dadurch verlor eine beträchtliche Zahl von Arbeitern und Angestellten ihre Beschäftigung.
— Große Kasseler Straßenbahn AG. Kassel. Zu Pressemeldungen teilt die Verwaltung mit, daß nach den bisherigen Ergebnissen mit einer Dividende kaum zu rechnen sei (i. V. 3 Prozent).
— Die Lage in der Hanauer Schmuck-Industrie. In der Hanauer Edelmetall- und Diamantindustrie hat die Belebung, die seit September eingetreten war, im D e- zember wieder nachgelassen. Die Diamantschleifereien, die in den letzten Monaten voll arbei
teten, zeigen immer noch gute Beschäftigung. Allerdings sind die Preise durch die Unterbietungen der Heimarbeiter gedrückt. Bei der B i j o u t e r t e - I n d u- st r i e ist gleichfalls von einer merklichen Konjunttur- belebung noch nicht zu sprechen, obgleich sich auch Kier das Weihnachtsgeschäft für viele Firmen recht freundlich entwickelt hat.
= Absatzsteigerung bei Opel. Wie die Adam Opel A.-G in Rüsselsheim a. M. mitteilt, ist der monatliche Absatz von Automobilen auf dem deutschen Markt in den Monaten Oktober und November zum ersten Male in diesem Jahre höher als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Bei Opel ist der Absatz der 1.4- Liter-Personenwagen und der Blitz-Lastwagen gleichfalls beträchtlich höher als im Vorjahre. Im Inland konnten im Oktober 1932 75 Prozent, im November 51 Prozent mehr 1.2-Liter-Personenwagen und 81 bezw. 75 Prozent mehr Blitz-Lastwagen abgesetzt werden als in den gleichen Monaten des Vorjahres. Eine noch größere Zunahme gegenüber 1931 hat die Ausfuhr der Opelwagen nach dem europäischen Ausland und nach Uebersee erfahren. Die Ausfuhr von 1.2-Liter-Perfonen- wagen wurde im Oktober nahezu verdreifacht, die Last- wagen-Ausfuhr mehr als verdoppelt. Der Opelabsatz im Oktober und November weist aber auch im Vergleich zu den Vormonaten dieses Jahres eine beachtenswerte Zunahme auf, während sonst in den hcrbst- monaten selbst in Zeiten guter Konjunktur ein Rückgang erfolgte.
Der deutsche Baumarkt im Zahre 1832.
Rekord-Tiefstand der baulichen Produktion.
Nach einer Untersuchung über die Lage des deutschen Baumarktes im Jahre 1932 vom Direktor Dr. Rosenthal, Mitglied der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, hat das deutsche Baugewerbe in viel stärkerem Maße unter der Wirtschaftskrise gelitten, als die deutsche Gesamtindustrie. Während der Beschäftigungsgrad der deutschen Gesamtindustrie einschl. des Baugewerbes im Monatsdurchschnitt des Jahres 1929 noch 70,4 Proz. betrug und sich 1930, 1931 bezw. 1932 auf 61,2 bezw. 50,7 bezw. 41,5 Proz. senkte, betrug der Beschäftigungsgrad des deutschen Baugewerbes allein 1929 53,8 Proz. und senkte sich über 1930-31 und 1932 auf 35,6 und 21,4 bezw. 11,9 Proz. Gegenüber 1931 hat die Beschäftigungskapazität im Baugewerbe einen Rückgang um 44,4 Proz. erfahren, während die Beschäftigungskapazität der Gesamtindustrie nur um 18,1 Proz. zurückgegangen ist. Die Zahl der Arbeiter im deutschen Bau- und Nebengewerbe, die 1929 noch 1,6 Mill, betrug, fiel 1932 auf 416 000, also um 26 Proz. Der Wert der baulichen Produktion betrug 1929 noch 8,9 Mrd., 1930: 7,1 Mrd., 1931: 4,0 Mrd. und 1932 nur noch 2 Mrd. RM. Die Zahl der projektierten ober vollendeten Wohngebäude im Jahre 1932 ist gegenüber dem Vorjahre nicht in demselben Maße gesunken wie die Zahl der Wohnungen, öffentlichen Gebäude und Wirtschaftsbauten. Diese Erscheinung ist auf den in Zunahme begriffenen Bau Der
Eigenheime zurückzuführen. Bemerkenswert ist die Feststelluna. daß 1931 noch 87 Proz., dagegen 1932 nur 54 Proz aller W oh yun g s bauten mit öffentlichen Unter ft ü^unge n erstellt wurden. Nach einer überschlägigen Berechnung dürsten in Frankfurt a. M. die zur Ausführung gelangten Hochbauten einschließlich der Ueberhänge aus dem Vorjahr ungefähr 25 Proz. des vorjährigen Bauvolumens betragen haben.
Auch der Gesamtwert der Arbeiten im T i e f b a u ist sehr gering gewesen. Die i. V. begonnene Senkung der Baukosten hat im Berichtsjahr angehalten. Der B a u- kostenindexfiel von 176,8 Prozent im ersten Quartal 1930 auf schätzungsweise 120,8 Prozent im dritten Quartal 193T Der Baustoffverbrauch ging nicht in gleichem Maße zurück wie die Beschäftigung. Dies ist darauf zurückzuführen, daß durch Selbsthilfe-, Schwarz- und Regiearbeit sowie den Freiwilligen Arbeitsdienst eine größere Anzahl von Bauwerken aller Art errichtet wurden. Somit bildet nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern auch die Ausdehnung der nicht gewerblichen Produktion eine ernste Gefahr für das Baugewerbe.
Die Aussichten für die Bauwirtfchaft im Jahre 1933 Höngen vollkommen von der Durchführung des öffentlichen Arbeitsbeschaffungsprogramms ab.
Nmer Preissturz am vultermarkt.
Herabsetzung um 8 Mark je Ztr. für alle Sorten.
Nachdem am Weihnachtsabend bereits die Berliner Butternotiz um 10 Mark für den Zentner ermäßigt worden war, sah sich die Berliner Notierungskommission am Donnerstag gezwungen, abermals einen Abstrich von 8 Mark je Zentner vorzunehmen. Die Butterpreise liegen damit wesentlich unter dem Friedens st and e. Das Angebot in deutscher Ware ist zur Zeit sehr groß. Absatzmöglichkeiten sind nur in beschränktem Umfang vorhanden, so daß ein großer Teil der angebotenen Ware wieder in Kühlhäusern Unterkunft finden muß. Die Kleinhandelsgeschäste sind infolge des verhältnismäßig geringen Weihnachtsgeschäfts größtenteils noch mit Vorräten versehen. Eine Entlastung des Marktes von dieser Seite sinket mithin nicht statt. Die Umsätze der Kleinhandelsgeschäste sollen nach Schätzungen in der Weihnachtswoch« ungefähr 30 Prozent geringer als in der gleichen Zeit des Vorjahres gewesen fein. Das Ausland bietet nach wie vor zu sehr niedrigen Preisen an.
Die Berliner Notierungskommission bezeichnete die Tendenz nicht mehr als ruhig, sondern als flau und setzte die Preise — Fracht und Gebinde gehen zu Käufers Lasten — für den Zentner wie folgt fest: 1. Beschaffenheit 95 Mark, 2. Beschaffenheit 88 Mark, abfallende Ware 79 Mark.
Aus der heimische« Wirtschaft.
105 Zwangsversteigerungsverfahren und 20 Konkurse im Amtsgerichtsbezirk Julda während de» Jahres 1932.
Die Zahl der eröffneten Zwangsver steig e- rungsversahren im Jahre 1932 hat die Zahl der Konkurse im gleichen Zeitraum des Vorjahres erheblich überschritten. Das ist ein Beweis dafür, daß in der Zeit der geschäftlichen Zusammenbrüche das Grundvermögen heute eine größere Rolle spielt als in früheren Jahren. Vom 1. Januar bis ultimo Dezember 1932 sind beim Amtsgericht Fulda 105 Zwangsversteigerungen (gegen 62 in 1931 und 44 in 1930) eingeleitet worden. Von diesen Verfahren sind bis jetzt eine verhältnismäßig große Zahl durchgeführt und mit der Erteilung des Zuschlages beendet worden. Die Zahl der Zwangsverwaltungen sie! von 17 in 1931 auf 14 in 1932 (1930 waren es nur 10).
Was brachte bas Wirtschaftsjahr 1932?
Schluß aus Nr. 298 vom 25. Dezember.
Zu Ende des Jahres 1932 war in den für di« Wett- wirtjchaftskonjunktur besonders wichtigen Ländern eine wahrnehmbare Erholung festzustellen, die sich zwar nicht allenthalben in einer Verstärkung, aber auch nicht in einer Verminderung des Geschäfts, auch nicht den saisonmäßig bedingt schlechteren Monaten am Jahresende ausdrückte. Es war also ein Stagnieren zu beobachten, aus dem bei sehr vorsichtiger Einschätzung der Sage festgestellt werden kann, daß die st e i l s a l- lende Kurve wirtschaftlichen Abstiegs in eine Horizontale stetiger Wirtschaftsentwicklung übergegangen ist, von der aus schon die ersten schwachen Anzeichen den späteren Ausstieg ankündigen.
In Deutschland hat die Belebung, unterstützt durch das Wrrtjjchaftsprogramm der Reichsregierung, zeitlich erst später eingesetzt und in dem letzten Monaten des Jahres trotz des sonst üblichen Saisonab- stiegs teils eine Besserung, teils eine Aufrechterhaltung des Beschäftigungsumfanges herbeigeführt. Neben Beobachtungen auf industriellem Gebiet kann als Beweis für den Tendenzumschwung in Deutschland auf die namhafte Erholung der Kurse an den Aktien- und Rentenmärkten verwiesen werden. Wenn darüber hinaus der Geld- und Kapitalmarkt zwar eine gewisse Zinsverbilligung gebracht hat, aber auch nicht annähernd die Flüssigkeit hat wie im Auslande, so ist dies der anormalen Sage Deutschlands und den Folgen der Kapitalentziehung der früheren Jahre zuzuschreiben. Die Aufrechterhaltung einer geordneten Devisenwirtfchaft und die Festigkeit unserer Wäh rung, die Beseitigung der Storungen im Bankenapparat sowie die Bewegung der Sparkasseneinlagen lassen die zunehmen de Rückte h r des Vertrauens zu der Ueberwindung der Wirtschaftskrise in Deutschland erkennen. Für eine nachhaltige Bef'erung bedarf es aber noch der Aufhebung zahlreicher Hindernisse, die bei uns wie im Ausland einer stärkeren und dauernden Konjunkturbelebung im Wege stehen. Politische Ruhe ist Vorbedingung der Wirtschaftsbesserung.
Für Deutschland muß hierbei von den von uns selbst | abhängigen Faktoren wie im Vorjahr in erster Linie |
politische Ruhe im Innern als unerläßliche Voraussetzung für die weitere Konsolidierung des Vertrauens und für eine gesunde Wirtschaftsentwicklung verlangt werden. Wenn das Jahr 1932 im Zeichen einer bisher noch nicht beobachteten Häufung von Wahlen gestanden hat, so muß hieraus für das Wirtschaftsjahr 1933 die Forderung erwachsen, daß nunmehr dem deutschen Volke für längere Zeit eine ähnliche Beunruhigung erspart bleibt. Das gleiche gilt für alle Experimente, die mehr aus politischen denn aus wirtschaftlichen Rücksichten eine Lö'ung oder Milderung der derzeitigen Not versuchen. Die schwere Schädigung des deutschen Außenhandels im Berichtsjahr anläßlich der agrarpolitischen Maßnahmen läßt ferner die Warnung notwendig erscheinen, das Jahr 1 933 von eilen Maßnahmen frei zu halten, die die Hauptstütze einer dauernden Wirtschaftserholung, den deutschenExport, schädigen würden. Je schwerer die Krise auf der Wirtschaft eines Volkes lastet, desto mehr muß das Interesse einzelner Teile der Volkswirtschaft dem ©efamtintereffe untergeordnet werden.
Die Verbundenheit Deutschlands mit der Weltwirtschaft erfordert von unseren ausländischen Gläubigern die Einsicht, daß das Problem des deutschen Kapitalbedarfs nicht als Hemmschuh für die internationale Wirtschaftsentwicklung ungelöst bleiben darf. Dies betrifft vor allem die kurzfristigen deutschen Pri- vatschulden an das Ausland, deren Umwandlung in langfristige Anlagen das dringendste Erfordernis der nächsten Zeit bedeutet. Hierbei wird nach Möglichkeit der durch die (»genannte „Schweizer Klausel" beschrittene Weg einer individuellen Auswahl der Schuldner zu bevorzugen sein, während der Plan einer Umwandlung dieser Privatschulden in eine langfristige deutsche Reichsanleihe erst in zweiter Linie erörtert werden sollte. Im Interesse der Erzielung eines volkswirtschaftlich gesunden Uebereintommens mit den Stillhaltegläubigern muß die Forderung einer gewissen Auslese der deutschen Schuldner unterstützt werden.
Zu den internationalen Ausgaben einer Bereinigung der Weltwirtschaft von Störungsmomenten wird vor allem auch die Wieder Zuführung von a u s-
Vor Jahresfrist.
Von Wilhelm Auffermann.
Den Rücken gekrümmt, kniend, halb auf dem Bauch liegend, kauern sie dicht nebeneinander. Sieben Mann. Sieben Keilhauen. Siebenmal Männerarbeit ums tägliche Brot. Und doch greift die Arbeit eins in eins. Es sind keine sieben Kumpels mehr, es ist eine Häuer- kolonne, ein Körper mit sieben Leibern, vierzehn Armen, einem Willen, einem Wollen: Kohle! Im Takt schlagen die Keilhauen durcheinander, ineinander: sinn- verbundener Arbeitsschlag. Drauf, drauf, drauf! Siebenmal. Und wieder von vorne. Und doch ein ununterbrochenes (Eins.
Brocken fallen zu früh zwischen die Häuer. Verflixt rissige Schicht. Leichte Fettkohle. Verflixt.
In den Löchern dunstet es schwül und die Wände hängen gefesselt im hölzernen Gestänge. Der Berg ist bewältigt. Die Hunde füllen sich bis zum Rand, kriechen schrillend durch die Geweide der Tiefe.
Da will plötzlich der Berg nicht mehr wissen, daß er von Menschen gefesselt ist. Irgendwo im Stollen ein Riß, ein klaffender Spalt. Die gerammten Balten brechen und poltern zu Boden. Und der Berg bricht aus der Pölzung, zerrt, rüttelt und schüttelt. Die Häuer stehen zur Seite, stehen wie im tiefen Bann. Schreit Wilm, Ronk, der alte Pütt, der junge Pütt? Schreit einer? Schreien alle sieben? Schreien anderswo hundert?
Sie röcheln. Schweigen. Im Stollen verschüttet.
Die Sirene der Zeche heult um Hilfe. Fächer reißen Luft durch Schacht und Sohlen, durchs furchtbare Dunkel. Die knöcherne Faust im Genick, arbeitet sich die Rettungsmannschaft in den verschütteten Berg. Tiefer und tiefer nach unten. Stoßen auf verkrampfte, verzerrte Leichen mit grauen Gesichtern und großen starren Augen. Graben weiter, schaufeln drei läge, drei Nächte.
Die sieben Mann im äußersten Stollen geben sich nicht auf. Abwechselnd zu britt räumen sie das gefallene Gestein zur Seite Nur Wilm tut nicht mit. Ein Balten hat ihn gegen die Brust getroffen. Stöhnend liegt er - neben dem Wasserrohr und trommelt mit einem
Schlüssel Signale. Wie wahnsinnig. Drei kurze Schläge, bann Pause, und bann roieber brei kurze Schläge. Tag unb Nacht trommelt er. Ohne Antwort.
Jeber gelockerte Stein flößt den Kumpels neuen Mut, neue Hoffnung ein. Die Luft wird stickig. Durchweg» leiden alle an Atemnot. Da geben sie in der dritten Nacht das Arbeiten auf. Sie legen sich zu Boden unb strecken sich aus, um Sauerstoff zu sparen.
Totenstille. Nur Wilm trommelt noch immer mit seinem Schlüssel gegen bas Rohr. Ruft verzweifelt um Rettung. Jeber Schlag wird matter. Unb einmal, ba seufzt er tief unb schwer — unb geht nach oben in ben hellen, lebenbigen Tag unb wohl noch höher. Jetzt trommelt ber junge Pütt mit Wilms Schlüssel.
Die größte Angst haben sie vor dem Verdursten. Sie teilen den Inhalt ihrer Flaschen. Eine Blechkanne, halb voll Tee, bleibt in der Obhut des alten Pütt.
Als der Alte alle schlafend glaubt, spürt er plötzlich, wie sich eine Hand lautlos an der Kanne zu schaffen macht. Es ist fein Sohn.
„Was willst du?" fragt er ihn leise.
„Nichts," gibt der Junge verlegen zur Antwort. Und nach einer Weile zittert in seinen Worten unsagbare Dual unb Angst: „Vater, ich verburste."
„Ach, Unsinn," versucht ihn ber Alte abzulenken. Da hört er ihn wie ein kleines Kinb meinen: „Ich Halts nicht mehr aus . . . ich kann nicht mehr!"
„Leg deine Zunge ans Wasserrohr," flüstert einer.
Und da zeigt es sich, daß keiner geschlafen hat: Mann für Mann kriechen alle ans Wasserrohr und lecken die spärlichen Tropfen, die das Eisenrohr schwitzt. Das Rohr zu durchschlagen wagen sie nicht. Sonst ersäuft der Schacht.
Einige Stunden später haben sie auch den letzten Tropfen Tee aus der Kanne geteilt. Es war kaum der Rede wert. Sie schnappen krampfhaft die trockene Luft, wie Fische, die ans Land geworfen wurden.
Pütt klopft wieder wie rasend gegen das Rohr. Sonst bleibt es ruhig. Noch immer keine Antwort.
Lebendig begraben? Auch Pütts Vater, der älteste Kumpel, hat den letzten Rest von Hoffnung aufgegeben. „Es wird bald aus fein," meint er, ohne daß es der Junge hört.
Und man wartet auf den Tob.
Der Junge, er ist fast noch ein Knabe, macht mit Klopfen Schluß. Beginnt roieber zu jammern, haltlos zu greinen. Aus Schwäche, körperlicher unb seelischer Not. Der primitive, aber ohnmächtige Selbsterhaltungstrieb melbet sich. Dann schweigt er. Und wieder beginnt er, redet irre, Arme unb Beine seien im Feuer.
Der Alte tuschelt ihm zu: „Vielleicht hat ber tote Wilm noch etwas in feiner Flasche."
Wie ein Tier stürzt sich ber Junge über Wilms Leiche, nestelt mit einem Freudenschrei besten Flasche los. „Es ist etwas brin," jubelt er.
Der Vorarbeiter Ronk, ber bis jetzt fast teilnahmslos mit herabhängenbem Munb bagefeffen war, bückt sich. Seine Augen flackern Im Augenblick springt er ihm an die Kehle unb ringt mit ihm um bie Flasche. Der Alte kann nicht helfen, ist zu schwach. Ronk bleibt Sieger. Triumphierenb trinkt er aus ber Flasche. Der Junge flucht, schreit, bittet. Dann sinkt er bewußtlos zu Boden.
Nun torkeln dem alten Pütt nur so bie Tränen über bie Backen. Er nimmt ben Jungen auf unb roenbet sich ab. Wirb es dem Ronk schon noch heimzahlen.
Erst am fünften Tage stoßt die Rettungsmannschaft auf den entlegenen Schacht. Ronk hockt abseits, bie Flasche noch in ber Hand. Einen schweren Steinbrocken, ber sich nachgelöst hat, über ben zerquetschten Schenkeln. Tot. Der junge Pütt liegt quer über Wilms Leiche. Tot. Den übrigen vier kann man noch im letzten rettenden Augenblick die Sauerstoffapparate ansetzm.
So geschehen vor Jahresfrist in einer Grube des Westfälischen Steinkohlenreviers.
Ihr Menschen im Licht, was wißt ihr davon?
lieber den Gruben, den Esten, dreht sich weiter die Sonne. Dreht sich über Berg unb Tal.
Jrn Dunkel hebt unb senkt sich weiter der Förderkorb. Da schlagen unten weiter die Keilhauen im Takt, durcheinander, ineinander: finnoerbunbener Arbeitsschlag. Kohle! Drauf! drauf! drauf! Ilms tägliche Brot. Und keiner weiß, ob er nicht heute sein Totenhemd am Leide hat.
Denkt ihr daran?
reichendem Kapital an di «.deutsche Wirtschaft gehören, damit die Kaufkraft Deutschlands für die Besserung der Weltwirtschaftslage entipredjenb ausgenutzt werden kann. Der für die deutsch« Wirtschaft annehmbarste Weg hierzu wäre die Schaffung zusätzlicher Ausfuhrmöglichkeiten durch Milderung ober Beseitigung ber jetzigen unerträglichen Zollmauern.
Die wichtigsten Probleme, bie ber Losung seitens ber Regierungen ber beteiligten Länder der Welt harren, liegen aber auf dem Gebiete der Befreiung ber Weltwirtschaft von den unnatürlichen Bindungen finanzpolitischer unb hanbei s p o 1 i t i sch e r Art.
Als wichtigste Ausgabe ber internationalen Verständigung bleibt deshalb die Rückkehr ber vom Goldstan» bard abgewichenen Länber zur Goldwährung, bie Stablisierung ber zur Zeit labilen Währungen und eine Verhinderung des Goldkriegs durch bie Golbabzugs- Politik ber Goldhortungslänber. Dann könnten bie trn Ueberfluß vorhandenen flüssigen Gelber einer Betätigung innerhalb der Wirtschaft entgegengeführt unb biefe starke Reserve für bie Wirtschaftsbelebung ausgenutzt werben
Eine solche Entwicklung wirb aber erst Platz greifen können, wenn das Problem der europäischen politischen Verschuldung gegenüber den U. S. 21. eine befriedigende Losung gesunden hat, da vorher eine Stabilisierung des englischen Pfundes weder beabsichtigt noch möglich fein dürste.
Alle diese Probleme harren der Lösung durch bie Weltwirtschaftskonferenz. Für ihre Abhaltung ist bie Zeit günstiger benn je. Die Welt hat eingesehen, baß es wieder aufwärts gehen muß. Der Optimismus ist geweckt und mit ihm der natürliche Aist» bauroille in jeder einzelnen Persönlichkeit und in der Gesamtheit eines jeden Volkes.
Die Weltkrise hat die Solidarität der wirtschaftlichen Interessen aller Länder klar offenbart. Sie hat gezeigt, daß nicht das einzelne Land allein gesunden kann. N i e war der psychologifche Zeitpunkt für in« ternationale Krisenbekämpfung günstiger als jetzt. Die Wettwirtschastskonserenz bietet daher im richtigen Augenblick ber Wett bie Möglichkeit, über ben Rahmen ber einzelnen Volkswirtschaft hinaus» gehende Beschlüsse gemeinschaftlich zur Verwirklichung zu bringen. Ein solches Werk stellt aber an bie beteiligten Länder die größten Anforderungen und wird bei ber Fülle ber zu behandelnden Probleme eine sorgfältige unb zeitraubende Durchberatung erfordern. Deshalb müßte die Konferenz so zeitig einberufen werden, daß ihr Ergebnis möglichst vor Beginn des saisonüblichen Antriebs vorliegt und in den üblichen saisonmäßigen Ankurbelungstendenzen einen besonders günstigen Boden für die Ausführung findet.
Das Jahr 1933 wirb somit erweisen müssen, ob die Regierungen der unter ber Wirtschaftskrise leidenden Volker sich ber Aufgabe gewachsen zeigen, die ihnen die weltwirtschaftliche'Entwicklung des verflossenen Jahres diktiert, der Herbeiführung des Friedens in der Weltwirtschaft als der unerläßlichen Vorbedingung für eine nachhaltige Wendung zum Besseren.
Frankfurter Börse.
28 <2 29. 12
Staatspapiers
6°/o Reichsanleihe27
76,25
76,5
Anl. Ahl. Schuld
?9,4
61,2^
do ohne Ausl
6,65
6,8
♦<>/o Oestr. Goldr.
—
E»
4°*t Ungarn Goldr.
—
—
Bold. Pfdbr. u. Anl.
6”'o Pr Ldspfbr. R. 19
82,5
88,6
«»/o Pr. Ldspfbr. R. 21 6<»(i Pr. Goldkom Obi
82,5
—
R. 20
78,6
78,5
6”/o Frkft. Hyp.-B.
Gold.-Pfdb. R. 18 Wo Frkft. Pfdb. B.,
86,7.
85,5
85,0
Gold.-Pfdb. E. 15 (P/oL.K.Kass.G.K.Obl Wo L Kr. Kass.
Gold-Pfdn. MR. 1 Wo L. Kr. Kass.
86,0
78,0
87,0
86,0
Gold-Pfdb. 26 R. -
6-/o £, Kr. Kass Gold-Pfdb. 27 R. 4 Wo Mein. Hyp.-B.
84,0
84,0
Gold-Pfdbr E. 18
Bankaktien
Commerzbank
58,5
58,0
Danatbank
D.-D-Bank
75,0
75,0
ü Eft. u. W. Bk
69,0
69,0
Dresdner Bank
61,76
61,71
Frankfurter Bank
66,0
56,0
Krankt. Hyp.-Bank
Meininger Hyp -Bk
78,0
72,0
-2,0 74,2t
Reichsbank
Aktien otsch. Tranap.-
144,5
145,5
Anstalten
i.ass Straßenbahn
40,0
40,0
Hapag
Nordd. Lloyd
18.0 18,5
17,öi 18.6
88. 12.
29.»
Industrie-Aktien
Adt Gebr.
9,75
8,75
Allg. Elektr. Ges.
80,0
80,0
Bad Salzschlirf
9,0
—
Cem. Heidelberg
46,6
46,5
Contin. Ges.
12o,0
120,0
Daimler
19,25
e—
D. Erdöl Berlin
85,5
85,0
D. Scheideanstalt
158,1
168,85
Dürrkoppwerke
ee
Eisenw. Kaisers!.
Elektr. Lief.
79,5
Elektr. Licht u. Kraft
95,26
—
Farbenindustrie
95,2t
87,5
96,35
Krankt. Hof
»7,5
Goldschmidt
30,0
81.11
Hammersen
—
—
Holzmann Ph.
58,26
60,5
Konsv. Braun
17,'J
17,0
Lahmeyer 4 Co.
117,0
-—
Lingel. Schuh!
—
—
Mainkraftw.
68,5
64,0
JN.S. U. (Neckar iz.)
e»
—
Siem. 4 Halske
124,5
121,5
Südd. Zucker A.-U.
145,26
146,15
V. Faßt Cassel
—
—
Wayß 4 Frey tag Zellst. Aschaffenb
6,0
5,87
—
*
Zellst. Waldbo!
45,0
45,76
dergwerka-Aktlen
Bruderns Eisenw.
44,76
44.0
Gelsenk. Bergw.
68,4
52,0
Harpener Bergbau
87,5
86,5
Ilse Bergbau
——
—
Kali Aschersleben
118,0
116,0
Mannesmann
61,4
62,5
Riebek
—
I Sein Haus ohne .Fuldaer Zeitung'.
berliner
28. Dezember
20. Dezember
Devisenkurse
Ueld
Bnei
Geld
Briel
Newyork
4,209
4,217
4,209
4,217
Brüssel
68,30
68,42
68,84
58,46
Holland
169,18
169,52
169,18
169,52
uondon
14,oo
14,<4
18,98
14,02
Paris
16,42
16,46
16,42
16,46
Schweis
80,96
81,12
8o,96
81,12
Spanien
84,87
84,43
84,87
84,48
talian
21,55
21,59
21,55
21,69
Dänemark
72,58
72,72
72,43
72,57
Norwegen
72,13
72,27
72,08
72,22
Schweden
5 6.42
76,58
76,82
76,48
Prag
12,465
12,485
12,465
12,485
Wien
61.95
62,05
61.95
52.05
Bunte Zeitung.
— Seil wann verwendet man kohlen? Wie wäre es wohl, wenn es überhaupt keine Kohlen gäbe, wenn man diese Produkte viele Jahrtausende zurückliegender Son- nenroärme nicht hätte! Man müßte sich mit Holz unb Holzkohle begnügen, wie es ja heute noch in walbreichen (Segenben geschieht. Aber welchen Preis würde bas Holz wohl haben, wenn es bas alleinige Feuerungsmittel wäre? Klagt man boch jetzt schon, baß unsere Wölber ben Bebarf nicht decken. Die Verwendung von Kohlen reicht nun gar nicht so weit zurück, wie man glauben sollte. Zum ersten Male lesen wir in einer Chronik von Lüttich aus dem Jahre 1195 von „schwarzer (Erbe, bie zum Brennen vortrefflich geeignet ist." Später werben einmal in einer Urkunde der Stadt Aachen vom Jahre 1353 „steinerne Kohlen" erwähnt. 1429 gab es „Steyne- kohlen" im Saargebiet, im 16. Jahrhundert grub man auch im Erzgebirge mit Erfolg nach Kohlen. Aber eine ganz allgemeine Verwendung zu Heizzwecken fanden die Kohlen damals noch lange nicht, weil es an geeigneten Heizanlagen, an Kohlenöfen, fehlte, so daß „häßlich stinkende Dämpfe" in bie Zimmer brangen, sobalb man mit Kohlen heizte. Welch enorme Fortschritte hat seitbem ber Kohlenverbrauch unb bie Feuerungstechnik gemacht!
— wozu hat die Katze einen Schnurrbart? lieber die Bedeutung der Schnurrhaare bei Katzen hat G. Schmidberger eingehende Versuche ongestellt. Er beobachtete, daß blinde Katzen, denen man die Schnurrhaare weg- genommen hat, immer oder sehr häufig ihren Kopf bezw. die Nase anstoßen, wenn sie auf Gegenstände zulaufen. Blinde Vergleichstiere, die im Besitze ihrer Schnurrhaare blieben, wichen den Gegenständen immer rechtzeitig aus ober biteben stehen, sobalb Schnurrhaare irgenbeinen Gegenstanb berührten. Auch kommt in Gang unb Haltung ber schnurrhaarlosen Tiere eine deutliche Unsicherheit und Unbeholfenheit zum Ausdruck. Die geringere Geschicklichkeit der Katzen ohne Schnurrhaare zeigte sich auch beim Laufen durch einen drei Meter langen Gang. Tiere ohne Schnurrhaare brauchten eine viel längere Zeit zum Durchlaufen als normale Tiere. Auch kleine Oeff- nungen in einem ben Weg versperrenden Hindernis wurden leichter mit Schnurrhaaren gefunden.