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Fuldaer Land und Nachbargebiek

Immer wieder Vrandstistimge«.

Sroßseuer In Neuhof.

— Neuhof (Kr. Fulda). In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch brach in dem Anwesen des Landwirts und Schmieds August Kreß Feuer aus, dem die Scheuer und die Stallungen zum Opfer fielen. Beide Gebäude brannten bis auf die Grundmauern nieder. Alle Ma­schinen und landwirtschaftlichen Geräte sind vernichtet. Das Feuer griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß kaum das Bieh gerettet werden konnte. Das Wohnhaus, das dicht neben den brenenden Gebäuden liegt, konnte durch das tatkräftige Eingreifen der Neuhöfer Freiwil- liaen Feuerwehr erhalten werden. Der beträchtliche Schaden ist teilweise durch Versicherung gedeckt. Jeden- falls liegt wiederum Brandstiftung vor. Ob ab Täter wiederum die Bande in Frage kommt, die in der letzten Seit die Fliedener Gegend durch dauernde Brandstiftun­gen in Unruhe versetzte, kann nicht gesagt werden. Land- Jägerei» und Kriminalbeamte sind mit der Aufklärung des Falles eifrig beschäftigt.

— Buchenrod (Kr. Fulda). Zu der bereits gestern gemeldeten Goldenen Hochzeit der Eheleute ©re- gor Leinweber und Judith, geb. Kräh, wird uns noch berichtet: Lange Zeit war die Feier in Frage ge­stellt, weil Frau Leinweber seit mehreren Jahren schwer leidend war. Aber merkwürdiger Weise hat sie sich so» weit erholt, daß sie der Feier beiwohnen konnte. Ge­treu dem alten frommen Bauerngrundsatz: „Mit Gott fang an" ging das Jubelpaar am Morgen zur hl. Kom­munion. Nachmittags war feierliche Segensandacht. Danach eine häusliche Feier, die der Zeit entsprechend in einfachem Rahmen gehalten war. Bei dieser i-t er­brachte der zuständige Herr Pfarrer Walk die Glück­wünsche des Hochw. Herrn Bischofs und überreichte ein Bild der hl. Familie mit Widmung und Unterschrift des Hochwürdigsten Herrn. Wir all- wünschen dem Ju- beipaar einen noch langen, gesegneten Lebensabend.

Primiz in Roßbach.

--- Roßbach (Kr. Hünfeld). Man schreibt uns: Man sprach vor einigen Tagen von 7 Primizen in Frank- surt a. M. Was soll man dazu sagen; es waren in den Christtagen in Kirch Hasel deren zwei. Bon der Primiz des Herrn Pius M o st-Neuwirtshaus am ersten Weihnachtstage berichteten wir schon. Am St. Stepha- nustage vollzog sich dasselbe geistige Erlebnis der Erst- lingsmesse des Herrn Pius Burkhardt auf dem Fi- lialorte Roßbach. Alles war an sich schon auf gi­ftige Hochspannung eingestellt: der heimlich raunende Weihnachtsfrieden, in dem das idyllisch gelegene Dorf und das in klassischer Gotik erbaute Gotteshaus gebettet lag. Wie in einer straff durchgeführten Harmonie stei­gerten sich die äußeren Hilfsmittel der Festfreude, um das Erlebnis der ersten Meffe zum Bewußtsein zu er­geben: der Straßenschmuck mit Fahnen und Girlanden, die festlich wogende Menge der Kirchgänger — unter ihnen die vielen Fremden und die Verwandten des Pri­mizianten von weither —. Jetzt setzt der eherne Schall des Glockenorchesters ein. Das Presbyterium, das Dia- konium: Pater Schmit t-Kronach, Domkaplan Diehl- Fulda, Kaplan R ü b s a m-Oberndorf, Stadtkaplan ©auerbier-Hanau, Neupriester Most und der Orts­pfarrer laden den freudig bewegten Neupriester am Va­terhause zum Kirchgänge ein. Die Handlung beginnt. Kantor Sauerbier bringt mit dem Roßbacher Männer­chor die Deutsche Messe des gottbegnadeten Schubert er­greifend zu Gehör. Ein Meisterstück der Rede war die Festpredigt unseres Hanauer Landsmannes. Der eherne Ton der Wandlungsglocke auf dem Turm verkündet es weit übers Land, daß sich Gott selbst zum ersten Male in die zitternden Hände seines Priesters herabgelassen bat. Was soll man mehr anstaunen: Den Schmuck der Kirche und ihren Lichterschein, die Zier der Paramente, die mit ihrem blutigen Rot an das Blutsopfer des Erz- martyrers gemahnen, den Orgelschall, den mächtigen Pre- biotfOH hiP Knnnniin^ her Ijeili gen ftanbiung? SlUes «fft ‘ufis yeuie zu. datz (Sott uns heute näher ist als sonst. Und heiliges Gelöbnis reinigt die Seele. In der heiligen Kommunion spürt der Primiziant und seine Eltern, Geschwister und die vielen Verwandten, die sich an dem heiligen Liebesmahle beteiligen, noch mehr die Gottesnähe. Ein brausendes Tcdeum faßt noch ein­mal alle wachgerufenen edlen Gefühle der Freude und des Dankes beim ganzen Volke zusammen. Selbst das häusliche Mahl, das ein edler Kommunismus vieler Hände zustande gebracht hatte, war gewürzt in Gedicht, Rede und allegorischem Spiel von der Festtagsfreude der Primiz und des Weihnachtsfriedens. Die Abendstille senkt sich hernieder. Aber weithin durchbricht sie in einem Ständchen die Kunst der Sänger und die er­frischende Rede des Oberleutn. a. D. Lehrer Lohfink- Hünfeld und die Gegenrede des Neupriesters: von Ber- bundenfein mit der Heimat hier und dort ist die Rede. Herr Burkardt ist der siebente lebende Priester, der in unserer Pfarrei geboren ist. Drei von den sieben sind Ordens- und vier Weltpriester. Auch an Ordens­schwestern und Ordensbrüdern fehlts nicht. Letztere sind besonders für die Missionen so notwendig.

Aus dem Iotzgrund.

— Oberndorf (Kr. Gelnhausen). Man schreibt uns: Am ersten Weihnachtsfeiertage veranstaltete der hiesige Männergesangverein „S ä n g e r l u ft" im Saale des Gastwirts Adam Hohmann einen Theater­abend, der in jeder Hinsicht als außerordentlich gut gelungen bezeichnet werden kann. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Karl Desch II, der die eigentliche Seele der Veranstaltung war, richtete zu Beginn der Darbie­tungen herzliche Begrüßungsworte an die zahlreich er­schienenen Gäste. Zur Aufführung gelangte zunächst der

humoristische Einakter: „Die massierte Tenorstimme", dessen komische Szenen dem Publikum wahre Lachsalven entlockten. Darauf folgte das Hauptstück des Abends: „Grafenkinder", ein romantisches Schauspiel mit Gesang in 4 Akten von W. A. Pannek, Musik von Max Vogel. Den Pannek'schen Theaterstücken geht der Ruf voraus, daß sie zu dem Besten gehören, was die deutsche Volks­bühne aufzuweisen hat. Das gilt in ganz besonderem Maße von dem genannten Vierakter. Nicht unerwähnt darf es bleiben, daß die Verteilung der einzelnen Rollen mit viel Verständnis und richtiger Wahl der zur Verfü­gung stehenden Kräfte erfolgt war, was naturgemäß für die Gesamtleistung von ausschlaggebender Bedeutung werden mußte. Es würde ungerecht sein, wollte man nur einzelne der mitwirkenden Personen lobend erwähnen. Sie alle spielten mit einer Hingebung, mit einem Fein­gefühl für das Wesentliche ihrer Rollen und mit einer solchen Natürlichkeit, daß Vie Wirkung auf die Zuhörer nicht ausbleiben konnte und sich in gespanntester Auf­merksamkeit, und vor allen Dingen in dem spontan ein­setzenden und langanhaltenden Beifall nach jedem Akte und besonders am Schlüsse des Theaterstückes äußerte. Das war wohl den Theaterspielern, denen man es an­merkte, daß ihnen die Bühne fein Neuland war, der beste Beweis dafür, daß sie etwas Großes und Schönes gelei­stet hatten. Alle Besucher zogen mit dem Bewußtsein heim, einen genußreichen Abend und eine weit über den Durchschnitt hinausragende Leistung eines Dilettanten- tfjeaters erlebt zu haben. Zum guten Gelingen des Thea­terabends haben außer der tapferen Schauspielerschar noch einige Personen hervorragend beigetragen, die hier auch genannt werden sollen. Die Leitung des theatrali­schen Teils besorgte Herr Albert Weismantel, stud. meb. bent, ber auch die Einübung der Rollen übernommen hatte. Am Klavier saß Herr Lehrer Joseph Heinemann, dessen Begleitmusik sich fein an die Singweisen der Dar­steller anschmiegte. Zur Verschönerung des Abends tru­gen mehrere Männerchöre bei, die unter Leitung des Hauptlehrers Herrn Rudolf Bialas zu Gehör gebracht wurden und zeigten, daß auch die frohe Sangesbrüder­schar bestrebt war, durch ihr Können zum guten Verlauf der Veranstaltung beizusteuern. Der zweite Weihnachts- feiertag brachte eine ebenfalls glänzend verlaufene Wie­derholung der Theaterveranstaltung.

Zusammenstöße mit Wilderern im kreise Hanau.

— Enkheim (Krs. Hanau.) In den Waldungen der Gemeinden Bergen—Enkheim—Bischofsheim (Kreis Hanau) wivd zur Zeit wieder stark gewildert. Der Sßalb wird von den Jagdaufsehern ständig begangen. Am Donnerstag bemerkte nun der Sohn eines Päch­ters beim Reviergang erneut Schüsse am Walvesrand. Die Jäger stellten darauf zwei Wilderer aus Bischofs­heim. Die Burschen fetzten sich heftig zur Wehr und

Aus Oberhesien.

— Stausebach (Kr. Marburg). Der 27. Dezember war für unsere Gemeinde ein ehrenvolles und freudiges Ereignis. Die Gastwirtschaft Pfeffer hat mit dem heu­tigen Tage aufgehört zu bestehen, nachdem sie über 100 Jahre im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens unserer Gemeinde gestanden hat. Nun soll dieses Haus als Schwesternhaus ganz in den Dienst der dienenden Nächstenliebe gestellt werden. Gegen 2.30 Uhr nachmit- tags trafen die Schwestern von Fulda kommend hier ein und wurden vor der Kirche von der versammelten Gemeinde empfangen, vom Herrn Bürgermeister Pius Lang und den Schulkindern begrüßt und zum weih­nachtlich geschmückten Gotteshaus geleitet, wo Herr Pfar­rer Hülsmann die Schwestern willkommen hieß und in feiner Predigt zeigte, welche hohe Aufgabe die Schwe­stern auf dem Gebiete der christlichen Karitas haben. An den Gottesdienst schloß sich die Weihe des neuen Heimes und eine kleine weltliche Feier an. Möge Gottes Segen über unserem Schwesternhaus walten.

Ausgehobene Schwarzbrennereien in der Rhön.

— Sachen (Rhön). Zu unserer kürzlich verössent- lichten Notiz über entdeckte Schwarzbrennereien in der Rhön muß ergänzt werden, daß nicht in Kothen, fern- dem im benachbarten Speicherz mehrere Brennereien Seschlossen wurden, weil sie sich der Schwarzbrennerei huldig gemacht haben, bezw. in dem Verdacht stehen, gegen das Branntwein-Monopolgesetz verstoßen zu ha­ben.

v-Zug fährt in eine Schafherde.

— Bebra. Bei Lispenhausen trieb ein Schäfer feine Herde, obwohl die Schranke geschlossen war, über einen Bahnübergang. Als die Tiere auf den Gleisen waren, durchfuhr ein D-Zug den Uebergang, wobei zwölf Tiere getötet wurden. Der unvorsichtige Schäfer hat außer dem Schaden noch eine Klage wegen Eisenbahntransportgefährdung zu erwarten.

(Ein rabiater Liebhaber.

=' Kassel. Bon der Schutzpolizei mußte an 20- jähriger fremder Zimmergeselle feftgenommen werden, der sich in ein in der Bomfatiusstraße wohnendes Mäd. chen verliebt hatte, das aber von ihm nichts wissen wollte. Der junge Mann hatte ein neues Kleid des Mädchens zerrissen und war bann, als der Bräutigam des Mädchens auf der Straße erschien, aus dem Fenster des ersten Stockes herausgesprungen, um sich auf den Nebenbuhler zu stürzen. Ein Hammer, mit dem er auf den Bräutigam einschlagen wollte, wurde ihm noch rechtzeitig entrissen, doch erhielt der Bedrängte einen Stich mit einem Stemmeisen. Die Schlagader wurde f>ier't>ei verletzt imb nur i>ur<f> sofortiges ANbirDeN konnte eine Verblutung verhindert werden.

10 Jahre Evangelisches Mrchenbundesarnk.

Die Letter des Sirchenbundesamles bei einer Besprechung.

Don rechts nach links: Die Oberkonsistorialräite Dr. Gifevius, D. Heckel, Trofchke, D. Schreiber, D. Scholz, Präsident D. Dr. Kapler, die Oberkonsistorialräte Direktor D. Hosemann, D. Besig, Dr. Du. stavus, vorn: Konsistorialrat Dr. Wahl.

Nachdem 1^22 alle deutschen Landeskirchen MM Deutsch-evangelischen Kirchenbund zusammenaetre- ten waren, nahm vor nun 10 Jahren im Januar 1923, das Kirchenbundesamt in Berlin-Eharlotten- bura seine Tätigkeit auf, um di« laufenden Geschäfte des Bundes zu führen und die gemeinsamen In. terefsen der deutschen evangelischen Kirchen wahr-zunehmen.

schen Wehrheim und Usingen im Walde von einem Mann angehalten, der ihn bat, ihm behilflich zu sein. Der hilfsbereite junge Mann begab sich mit dem Un- bekannten in den Wald, wo er plötzlich von diesem über- fallen und niedergeschlagen wurde. Der Räuber fesselte sein Opfer und schleifte es zu einer Tanne, hängte den Gefesselten an einer bereits angebrachten Schlinge an dem Baume mit den Beinen nach oben auf und ergriff schleunigst die Flucht, nachdem er ihm fein Geld und feine Wertsachen zuvor abgenommen hatte. An Bargeld fielen dem Räuber nur 2.50 Mk. in die Hände. Ein vorübergehender Fußgänger hörte die Hilfe, rufe des Gehängten und befreite ihn aus dieser heiklen Lage. Die von der Polizei eingeleiteten Ermittlungen sind bisher erfolglos geblieben, jedoch konnte der lieber« sallene eine genaue Beschreibung des Täters geben, fa daß ihm die Polizei bald auf die Spur kommen dürfte.

Freistaat Hesse«.

Die Verfehlungen bei der Eberstädler Vereinsbank vor Gericht.

— Eberstadl. Am 19. Januar beginnen die Der» Handlungen gegen die ehemaligen Vorstandsmitglieder Direktor Bickel, Rechner Schäfer und Kaufmann Leining, sowie 11 Aussichtsratsmitglleder wegen Verfehlungen ge­gen das Genofsenschaftsgefetz, Ueberfdjreitungen der Höchstkreditgrenze, sowie Verfehlungen gegen das Depot­gesetz. Bekanntlich war die Vereinsbank wegen solcher Vorkommnisse zahlungsunfähig geworden und konnte erst mit Hilfe eines Reichszuschusses wieder flott gemacht werden und die Ansprüche ihrer Kunden zufrie» denstellen.

Die bestohlenen Schmuggler.

— TNaniz. Ein heiteres Schmugglerstückchen ist jetzt durch Zollbeamte bekannt geworden. Vor einer Mainzer Wirtschaft hatten Tabakschmuggler ein mit holländischem Tabak beladenes Personenauto abgestellt, um sich durch einen Trunk zu laben. Ms sie wieder auf die Straße zurückkehrten, waren Auto und Schmuggler- waren spurlos verschwunden. Diebe hatten sich damit, unbekannt wohin, davon gemacht. Aus begreiflichen Gründen sahen die Bestohlenen von einer Mitteilung an die Polizei Ob. Die Zollfahndungsbehörde erfuhr davon durch ihre Mittelsperson, konnte aber das Reise­ziel der Diebe nicht ermitteln.

Ein ergiebiger Gaunerstreich.

Ist es bas schlechte Gewissen, das die Arbeit erleichterte?

— Mainz. Seit längerer Zeit war es einem Gaue ner, der sich als Beamter der Rheinpolizei ausgab, ge­lungen, Schiffsführer um größere Geldbeträge zu prel­len. Er erschien auf den Schiffen mit anscheinend ord­nungsmäßig ausgestellten Haftbefehlen und erklärt«, den Schiffsführer oder auch Matrosen festnehmen zu müssen. Aus die Proteste der Betroffenen hin ließ er sich dann dazu herbei, die Haftbefehle gegen Stellung einer Kaution, die sich durchschnittlich auf 25 bis 30 hol­ländische Gulden ober 40 bis 50 Mark belief, nicht aus­zuführen. In einer einzigen Woche ergaunerte er auf diese Art und Weise nicht weniger als 3 000 Mark. Ein nettes Geschäft und man muß sich unwillkürlich di« Frage vorlegen: Was war größer: die Leichtgläubigkeit der Betroffenen oder das schlechte Gewissen? Schließ­lich wurde durch eine Anfrage bei der Staatsanwalt­schaft der ganze Schwindel offenbar. Jetzt ist es gelun­gen, den Betrüger in der Person eines 27jäbrigen Kauf­mannes namens Otto Schemuth aus Bonn festzu­nehmen. Er wurde in Untersuchungshaft genommen.

Theater und Musik.

Das Deutsche Theater in Berlin geschlossen.

Wegen der Ablehnung, die das Schauspiel „Gott, Kaiser und Bauer" von Julius Haq im Deutschen Theater bei einem großen Teil des Publi­kums gefunden hat und wegen der daraus erfolgenden Störungen hat, wie di« Blätter melden, die Direktion des Deutschen Theaters nach einer Besprechung im Po­lizeipräsidium auf die weitere Aufführung des Stückes verzichtet. Das Deutsche Theater bleibt daher vorläufig geschlossen.

konnten erst mit Gewalt überwältigt werden. Bei der Durchsuchung nach Waffen fand man bei dem einen der Burschen einen Revolver. Die beiden Wilderer wurden der Polizei übergeben.

Neues aus Frankfurt.

— Der Zusammenbruch der Bausparkasse „Selbsthilfe der Arbeit". Im Herbst 1930 verkrachte mit zwei M i 1» lionen Mark Schulden ohne Aktiven die Bau­sparkasse „Selbsthilfe der Arbeit", die in Deutschland 87 Unter-Sparkassen hatte. Der größere Teil der mehr als 5900 Gläubiger setzte sich aus Kleinbauern, Kleinhand­werkern, Beamten und Arbeiten zusammen, die vor­nehmlich im Rhein-Maingebiet, aber auch im Lahntal, ferner im übrigen Deutschland und Oesterreich wohnten. Die „Selbsthilfe der Arbeit" war im Spätjahr 1926 auf genossenschaftlicher Basis ins Leben gerufen worden. Es wurde bei ihr ein übermäßiger Aufwand getrie­ben und im Verhältnis zu dem Umfang des Unterneh­mens zu viel Personen in leitender Stellung beschäftigt. Gegen acht Vorstands-, Aufsichtsrats- und Verwaltungs­ratsmitglieder ist jetzt nach säst jahrelanger Voruntersu­chung Anklage wegen fortgesetzten gemeinschaftlichen Be­trugs, Untreue, Gläubigerbegünstigung und Konkursver- gehens erhoben worden. Bezüglich der den Angeschuldig­ten weiter zur Last gelegten strafbaren Handlungen ist die Außerverfolgsetzung aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen beantragt worden, desgleichen bezüglich der weiteren Beschuldigten.

— Die Gaunereien werden immer frecher. Vor eini­gen Tagen kam ein bisher unbekannter Mann in ein Eaf6 auf der Kaiserstraße und zeigte eine Bescheinigung vor, nach der er berechtigt war, eine Klavierharmonika abzuholen, die einen Wert von 600 Mark repräsentierte. Das im Eafe anwesende Küchenmädchen händigte das Instrument auch ahnungslos aus.

Die Grotz-Schwarzbrennerei im Taunus.

— Königstein. Von einer Woche wurde in der einsam belegenen „Roten Mühle" bei dem benachbarten Altenhain eine Schwarzbrennerei aufgedeckt, eine Angelegenheit, die jetzt größeren Umfang anzunehmen droht: Der Schwarzbrenner Hermann Fischer aus Hattersheim, ein mehrfach wegen der gleichen Vergehen vorbestrafter 49jähriger Schlosser, war seit sieben Mona­ten, als er eine lange Strafe antreten sollte, spurlos ver­schwunden. Alle Nachforschungen blieben ergebnislos. Es mehrten sich aber die Anzeichen, daß Fischer irgendwo wieder eine Geheimbrennerei ausgemacht haben müsse. Denn in den verschiedenen Taunusorten war ein Mann, der sich Guckes aus Rödelheim nannte, aufgetaucht und hatte zu unglaublich niedrigen Preisen Schnaps ange­boten. Die Beschreibung aber, die man von dem Manne gab, paßte genau auf Herrn Fischer. Unter dem Namen Guckes hatte nun ein Mann in der einsamen „Roten Mühle" Räume gepachtet, um hier angeblich ein neues Futtermittel herzustellen. Er tat sehr geheimnisvoll und ließ niemanden in die Behausung. Nachts fuhr er im Auto vor und brachte angeblich Korn. Er grub nachts vom zehn Meter entfernten Mühlenbach einen unterirdi­schen Gang, der im „Fabrikationsraum" endete. Der Gang war das Ein- und Ausfalltor des Mannes. Durch ihn schaffte er nach und nach die Brennapparate nach dem Brennraum. So konnte er feinen Betrieb in Gang bringen. Ucberatt im Taunus reifte Herr „Guckes" nun umher und suchte den Schnaps zu verkaufen. Hin und wieder hatte er auch Glück gehabt. Das Geschick ereilte ihn in Simburg. Hier versuchte er auch einen Wirt zum Schnapskauf zu überreden. Dieser aber schöpfte Verdacht und alarmierte die Polizei. Man verfolgte das Auto bis Frankfurt und von da unauffällig bis an die Rote Mühle. Dienstag hob man die Brennerei mit einem großen Beamtenapparat aus und fing den Brenner schließlich ab, als er durch den unterirdischen Gang am Mühlbach ins Freie flüchten wollte. Es war, wie man richtig vermutet hatte, Herr Fischer aus Hattersheim, der Bielgefudjte, der inHanau noch eine lange Gefängnis­strafe zu verbüßen hat. Unmittelbar vor feiner Fest­nahme, als schon die Beamten die Mühle durchsuchten, ließ der Mann noch einen großen Bottich Schnaps in den Mühlengraben laufen. Wie groß die Menge des schwarzgebrannten Schnapses ist, steht noch nicht fest.

=• Bechtheim l. Ts. Unter der Teilnahme der gan­zen Gemeinde und ihrer Vereine begingen die Eheleute August Seel das diamantene Ehejubiläum.

verwegener Raubüberfall im Taunus.

— Ufingen. Als sich Donnerstagmittag ein 18jäh- riger arbeitsloser junger Mann aus Homburg auf seinem Rade nach Ufingen begeben wollte, wurde er zwi-

Schrittleiter: Dr. ohll. Johannes Kramer.

Verantwortlich für allgemeine und kommunale Po­litik Dr. phil. Johannes Kramer, für Heimat, Ju« fenbblatt und religiöse Beilage Dr. oec. pubL Jo«' eph Sauer, für den übrigen Text Dr. rer. pol. Karl Au st ermann, alle In Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Aetiendruckerei I. Parzeller.

Aus der Thüringischen Rhön

Aus Geisa und Umgebung.

Lin evangelischer Pfarrvikar gemaßregelt.

Wie die Thüringische Evangelische PressekSn- ferenz mitteilt, ist der Pfarrvikar Dr. Wolf in Meuselwitz, weil er sich in zahlreichen sozialde­mokratischen Versammlungen betätigt hat, nach Blankenhain in Thüringen strafversetzt wor­den. Er hat nunmehr erklärt, daß er aus dem thüringischen Kirchendienst ausscheiden werde.

Lehrauftrag an der Universität Jena entzogen.

Das thüringische Dolksbilüungsministerium hat Frau Dr. Siemsen den Lehrauftrag unter der Begründung entzogen, daß sie als einzige Persön­lichkeit, die zur Landesuniversität Jena' in Bezie­hung stehe, die von einer Reihe deutscher Profes­soren verösfentlichte Erklärung für den in Heidel­berg gemaßregelten Dr. Gumbel unterschrieben habe. Im Oktober 1923 war der Frau Oberschul­rat Dr. Anna Siemsen, die der SPD. ange­hört, gegen den Willen der thüringischen Universi­tät Jena von der damaligen thüringischen Regie­rung widerruflich die Erlaubnis zur Abhaltung von erziehungswissenschaftlichen Vorlesungen an der Universität Jena erteilt worden. Wie dazu bemerkt wird, steht dem thüringischen Volksbil­dungsministerium satzungsgemäß das Recht des Widerrufs einer solchen Borlesungsberechtigung zu.

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Man mag zu Herrn Dr. Eumpel und Frau Dr. Siemsen stehen wie man will, die Entziehung des Lehrauftrages mit der oben angeführten Begrün­dung wird jeder Mensch, der für das Recht der freien Meinungsäußerung eintritt, mißbilligen.

Bestimmungen über den Mstchhandel im Landkreis Eisenach.

In einer Verfügung des Thüringischen Kreis­amtes zu Eisenach wird den Stadt- und Eemeinde- vorständen des Kreises bekannt gegeben, daß jeder Unternehmer und lwndwirtlschastliche Betrieb, der die Abgabe von Milch und MÄcherzeugnissen ausüben will, die Erlaubnis der zuständigen Be­hörde, und zwar der Zübassungsstelle für den Milchhandel beim Thüringer Kreisamt zu Eisenach einzichoüen hat. Bort dem Erlaubniszwang sollen nur diejenigen landwirtschaftlichen Betriebe b e - freit sein, die die Milch und Milcherzeugnisse in Gemeinden unter 5000 Einwohnern außerhalb der Betriebsstätte innechalb der Ge­meinde absetzen. Die Gemeindevorstände haben diese Verfügung öffentlich bekannt zu geben. Dabei joN besonders darauf hingewiesen werden, daß

der Verkauf von Rahm stets erliaubnispflichKg ist. Die Einreichung der Anträge hat bis zum 15. Januar 1933 zu ersoSgen. j

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Die Arbeitsbeschaffung im Landkreise Eisenach. '

Das Thüringische Kreisamt zu Eisenach gibt bett Stabt- und Gemeinbevorstänben des Landkreises Eisenach bekannt, baß auf Grund einer Verfügung des Ministe­riums an die Kreisämter vorliegende Entwürfe für an den Wasserläufen vorzunehmende Regulierungs- unb Ausbauarbeiten mit ben zugehörigen Ko- ftengnfchlägen alsbalb vorgelegt werben sollen. Für wei­terhin in Vorschlag zu bringende Arbeiten, für die bte Entwürfe noch nicht ausgestellt sind, genügen vorläufig Kostenanschläge mit Planskizzen und kurzen Erläuterun­gen. Es kommen nur solche Arbeiten in Frage, bei denen von den Gesamtkosten 80 Prozent auf Arbeitslöhne und 20 Prozent auf Materialkosten entfallen, damit möglichst viele Arbeitskräfte beschäftigt werden können. In den Kostenanschlägen ist in jedem Falle auch die Anzahl der Tagewerke für die einzelnen Arbeiten anzugeben. Der Thüringer Staat wird, wie bekannt wird, zu diesen sehr wichtigen Arbeiten ansehnliche Beihilfen leisten. Das Kreisamt Eisenach macht es den Stadt- und Ge­meindevorständen zur Pflicht, sich mit aller Tatkraft die­ser Angelegenheit anzunehmen. Der Landkreis bedürfe dieser Arbeiten, um die Erwerbslosen, die Gemeinden und den Kreis geldlich durchzubringen. Auch später in Er­scheinung tretende Arbeitsmöglichkeiten sollen sofort zur Meldung gebracht werden. Durch die Regulierung und den Ausbau ber Wasserläufe soll vor allen Dingen bei Hochwasser größeren Schädigungen ber Grundstücksbe­sitzer vorgebeugt werden. Es kann festgestellt werden, daß auf diesem Gebiete in ber letzten Zeit im Landkreise Eisenach durch die Tätigkeit ber Thüringischen Kultur» b a u ft e 11 e zu Eisenach schon vorbildliche Ar­beit geleistet worben ist, besonders im Eisenacher Oberland und im Werratal.

— Geisa. (Mauk- und Klauenseuche erloschen.) Nach Mitteilung des Thüringischen Kreisamts in Eisenach ist die Maul- und Klauen­seuche in Wakkes erloschen.

Kleine Nachrichten.

Sn Dönges wurde der siebenjährige Sohn eines Landwirts von einem durchfahrenden Auto zur Seite gestoßen und lebensgefährlich verletzt. Außer zahbreichen aber leichteren äußeren Ver­letzungen erlitt der Knabe einen Schädelbruch. Das Auto fuhr davon, ohne sich um Len Schwerver« letzten zu kümmern.

In Gotha stürzte M eine 53 Jahre alte Frau, Mutter von 18 Kindern, aus ihrer im zweiten Stockwerk gelegenen Wohnung in den Hof

Die Frau, die feit längerer Zeit fast et- bBtnbet und schwer zuckerkrank war, hat die Tat «nem Anfall geisttger Umnach- tung ausgejuhrt. ’