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Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatt.

Zahrg. 59

Freitag, 30. Dezember 1932

Nr. 301

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Die falsche Butter."

Interessengegensätze oder Verständigungswille? Die Margarine in der Politik.

Die politische Flaute, die mit dem Näherrücken der Jahreswende im politischen Leben der Reichs- Hauptstadt einaetreten ist, wurde am Mittwoch durch die Windstöße der Margarine-Verord­nung ein wenig aufgewühlt. Hierzu trug vor allem ein heftiger Vorstoß von sozialdemo­kratischer Seite bei, der etwas aufgeregt dem deutschen Volke eine Epoche ranzigen Brotbelags und ähnliche unangenehme Ueberraschungen ver­kündete. Wie immer in solchen Fällen, wurden diese Möglichkeiten am meisten in densenigen Krei­sen diskutiert, deren Beziehungen zur Landwirtschaft auch durch das Verzehren einer gut gestopften Weihnackstsqans nicht verbes­sert worden waren Troßdem ist unverkennbar, daß nach wie vor in der deutschen Oeffentlichkeit sowohl wie in den aktiven oder passiven politischen Zirkeln grundsäßlich zwei Meinungsaufsassunqen über die landmirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen des Reichskabinetts von Schleicher vorhanden sind, eine pro-industrielle. die gegen die erneute Bevorzugung der lo vielfach bevorzugten Agrarier Alarm bläst und eine pro-agrarische, die die erhaltene Hilfe zu bagatellisieren versucht und sie als einen dünnen Belag auf ein äußerst spärlich geschmiertes Butterbrot hinstellt.

Die Kritik der ersten, sozusagen antigrü- n e n Front drückt sich am schärfsten in dem bereits erwähnten sozialdemokratischen Angriff aus. S:e enthält aber auch weitere Argumente, die wenig­stens referierend angegeben seien. Man betont, daß in der Margarine-Verordnung zwei wesentliche Widersprüche enthalten sind: erstens einmal ist die M e n g e der Butter, die als Maraarinebei- mischung in Frage kommt, nicht genau um­rissen, so daß bei geringerer Beimischung die Absatznöte der deutschen Bauern nicht ver­ringert, bei einer verstärkten Beimischung afyi die Gefahren einer Preissteigerung trotz amtlicher Dementis nicht völlig gebannt werden. Der zweite Vorwurf richtet sich gegen die Zulammenkoppelunq der Margarineverordnuna mit der Abänderungs- Verordnung des M a i s m o n o p o l s. Mähend die Bntterbeimifchung den deutschen Siedlern hellen soll, wird durch die eventuelle Verteuerung der Reisabfälle, wie sie die neuen Bestimmungen des Maismonopols erwarten lasten, den Siedlern ge­rade in einem empfindlichen Punkte, dem des Preises der Futtermittel, neuer Schaden zuqeftigt, eist Widerivruck, der von den Kritikern als eine gröbliche Inkonsequenz der Verordnungen ge­geißelt wird.

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Klingt das Echo auf dieser Seite unliebenswür­dig genug, so kann man das Echo der Land­wirtschaft selbst auch keineswegs als liebens­würdig bezeichnen. Fast überall zeigt sich das Be­streben, die neue Agrarhilfe als eineAgrar- Hilfe auf Stottern" zu ironisieren und hin­ter jedem Saß der Regierungsverordnungen Fragezeichen anzubringen, die bei längerem Betrachten immer gewaltiger wachsen. Von Be­deutung erscheint, daß die sozialdemokratischen Be­denken gegenüber einem Ranzigwerden der mit Butter vermischten Margarine in landwirtschaftlichen Kreisen nicht sehr ernst ge­nommen werden. Auch die Margarineindustrie weist darauf hin, daß die Haltbarkeit der Marga­rine bei einer so geringen Beimischung, wie sie voraussichtlich in Frage kommt, keineswegs be­einträchtigt wird. Auch der Preis für die für den Massenkonsum bestimmten Margarinesorten dürfte nach Auffassung dieser Kreise auf dem bisherigen Stand gehalten werden können. Die taktische Bedeutung eines so mürrischenDankeschön" liegt selbstverständlich auf der Hand. Die Vorkämpfer der Landwirtschaft wollen es der Regierung von Schleicher bei ihrem Liebeswerben um die Seele der deutschen Landwirtschaft so schwer als möglich machen, um immer weitere ?,uge = ständnisse für ihre Verufsqenossen herauszu- holen. Man hört deshalb auch überall die Ver­sicherung, daß eine endgültig« Beurteilung der Agrarpolitik der Regierung für die Landwirtschaft erst bei der Neugestaltung der ablau­fenden Handelsverträge in Frage kommt. Erst dann werde sich entscheiden, ob man endgültig von derlängst vermotteten" Meistbe­günstigungsklausel abrücke und zum System einer vernünftigen Kontingentierung übergehe, das allein der Landwirtschaft Befriedigung "eben könne. Dec alte Zwiespalt zwischen Industrie und Landwirtschaft, zwilchen Stadt und Land, agrarischem Erzeuger und i»- dustriellem Verbraucher oder wie man die Gegensätze sonst benennen will, tritt in allen diesen Beteuerungen in so unverminderter Schärfe hervor, daß man auf Seiten der Reichsreniernng darüber natürlich nicht allzu erbaut ist. Es zeigt sich eben, daß es gegenwärtig noch immer leichter ist, einen Reichsernährungsminister und Reichs­wirtschaftsminister in eine Konklave zu zwingen, als Landwirtschaft und Industrie an einen erfolgversprechenden Ver­handlungstisch zu setzen. Man muß leider fürchten, daß diese unausgeglichenen Gegensätze auch bei den Reichstagsverhandlungen im Januar unliebsame Rolle spielen werden. Die Gegner oer Regierung von Schleicher lassen bereits heute w/S^en. daß sie im Falle einer Auflösung de- aen^n'h065 landwirtschaftlichen Fra- rücken s?^r^'"°lpunkt ihrer Wahlpropaganda zu rucren beabsichtigen.

Der Veichslandbund fordert völlige Sperre der (rmtR - Dutkereivfuhr.

rfen^:c 29. Dez. (Eig. Meld.) Die Presse- eichslandbundes gibt ein Telegramm

Sie Stimme des deutschen Handwerks.

Die Gewerbe-Freiheit soll eingeschränkt werden.

cnb. Hannover, 29. 12. (Eig. Meid.) Der Zeitungsdienft des Reichsverbands des deutschen Handwerks tritt in einem Jahresrückblick f ü r weitgehende Förderungen des ge- w e r b l i che n Mittelstandes ein. In diesem Rückblick werden u. a. die Forderungen des deut­schen Handwerks auf Einschränkung "b e r Gewerbe fr e ich eit erwähnt. Danach soll die Ausübung eines Handwerksbetriebes von der Ausfertigung einer Handwerker­karte abhängig gemacht werden, die auf der Grundlage der Handwerksrolle aufzustellen ist. Ferner wird als Voraussetzung für die Aus­übung eines Handwerksbetriebes die Berech­tigung zur Führung des Meisterti­tels verlangt.

Zur Rundfunkrede des Reichskommistars für Arbeitsbeschaffung wird bemerkt, diese Rede habe die Bedenken des Handwerks nicht zu zerstreuen vermocht, daß eine unmittelbare Be l e - b u n g der Wirtschaft nicht zu erwarten sei, Arbeitsbeschaffungsprogrammeir die öffentliche Hand blieben doch immerKrücken für die Wirt­schaft". Die Regierung Papen habe durch diz Bereitstellung von 50 Mill. RM. für Althaus­reparaturen eine recht günstige Teilbelebung der Wirtschaft erreicht. Dieser Weg sollte mit aller Energie weiter beschritten werden.

Zum Schluß heißt es, der Reichsverband des deutschen Handwerks habe die Errichtung eines besonderen Reichsministeriums für den gewerblichen Mittelstand ge­fordert.

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Der bisherige Alterspräsident des Reichstages. General a. D. L i tz m a n n, hat sein Reichs- tagsmandat niedergelegt.

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Anstelle Litzmanns tritt der Oberleutnant a. D. Friedrich Wilhelm Krüger, Berlin (NSDAP.) in den Reichstag ein.

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Die deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben,

bekannt, das der Geschäftsführende Präsident des Reichslandbundes, Graf von Kalkreuth, in Anbetracht des Zusammenbruches der Dutterpreise an den Reichskanzler gerichtet hat. Die Butter­preise haben heute mit 95 Mark gegenüber 135,5 Mark im Dezember 1913 je Zentner Berliner No­tierung einen neuen Rekord-Tief st and er­reicht. Das Telegramm erkläre, im Lande herrsche allenthalbenh e l l st e Empörung" über deninfolge Tatenlosigkeit der Reichsregie­rung" erfolgten völligen Zusammenbruch der Butterpreise. Der Reichslandbund for­dere schnellstes energisches Eingreifen und bis zur Herstellung geordneter Marktverhältnisse völlPe Buttereinfuhrsperre. Der Reichslandbund haste sich für verpflichtet, allen Ernstes auf die ständig wachsende bedrohliche Erregung in der gesamten deutschen Landwirtschaft hinzuweisen.

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Die berufsmäßigen Wortführer des g r o ß agra­rischen Landbundes sollten bei der hemmungs­losen Geltendmachung ihrer Forderungen nicht vergessen, daß 6 Mil! ionen erwerbslose Arbeiter und A n g e st e l l t e auf die Berück­sichtigung durch die Reichsregierung ebenso rech­nen wie die Landbundmitglieder. Erregung hier. Erregung dort. Dem einen ist die Ware zu billig, dem anderen zu teuer. Schließlich endet das Ganze im allgemeinen Untergang. Jetzt muß sich zeigen, ob mir eine wirklich autoritäre Reichsregierung haben, die den Ausgleich herbei führt, ohne nach links und rechts unsach­liche Zugeständnisse zu machen.

Zahlung in Waren.

Französische ParlnmenlsdiÄen in Weizen.

Die primitiven Formen des Tauschhandels, zu denen wir infolge der Wirtschaftskrise in so vielen Fällen zurückgekehrt sind, werden sich nun über kurz oder lang eines weiteren wichtigen Gebietes be­mächtigen. Schon liegt ein Antrag der Getreide­bauern des Departements Aube vor, wonach ihre Deputierten und Senatoren nicht mehr in barem Geld ausaezahlt werden sollen. Die Diätenfrage soll in der Weise gereglt werden, daß die erwähnten Politiker den Gegenwert ihrer parlamentarischen Leistung in Ware, und in diesem besonderen Fall in Weizen, bekommen.

Man wird wohl bemerkt haben, daß diese Ent­schließung eines großen Teiles der Wählerfchast im Departement Aube durchaus keine Vertrauenserklä­rung für die Politiker darftellen soll, welche die Interessen der weizenbauenden Bevölkerung zu vertreten haben. Die großen Staatsmänner sol­len auf diese Weise, gewissermaßen am eigenen Leib spüren, wie furchtbar der Weltmarktpreis für Wei­zen gestürzt ist und was für eine ungeheure, schier unlösbare Aufgabe es ist, 40 Tonnen Wrotgereide (denn um so viel würde es sich bei diesem jähr­lichen Deputat handeln) so zu verkaufen, daß da­bei etwas mehr als die bloßen Fracht- und Hand­lungsspesen herauskommt.

Wenn dieses rigorose Vorgehen gegen Poli- ti'ker Schule machen sollte, so könnte man sich

dürsten voraussichtlich Anfang Januar zu einem Abkommen führen, das ein kleines polnisches But- ter-Kontingent vorsieht im Austausch für die Ein­fuhr eines Kontingents von Häuten und Fellen-

Die Meldungen, daß der deutsche General Kundt Oberbefehlshaber der bolivianischen Armee sei, ent­sprechen nicht den Tatsachen.

Oie Wett-Wirtschaftskonferenz.

wtb. Paris, 29. Dez. (Eig. Meldg.) Der Wa- lhingtoner Berichterstatter desPetit Parisien" gibt eine Unterredung mit Norman Davis wieder. Davis habe erklärt, daß die Vereinigten Staaten der Weltwirtschaftskonferenz größte Bedeutung bei­messen. Hoover und Roosevelt stimmten damit über­ein, daß die Rohstoffraae im Vordergrund der Verhandlungen stehen müßte. Die Vereinig­ten Staaten würden in erster Linie die Frage auf­werfen, wie man die Rohstoffläger, namentlich in Getreide, verringern und die Preise sta b i I i f i e r e n könne. Die amerikanische Regie­rung sei bereit, über die Zollpolitik zu diskutieren. Auch sei sie an der Stabilisierung der Währungen, namentlich des P f u n d k u r s es interessiert. Die Frage der Stabilisierung des Sterling-Kurses stehe im engen Zusammenhang mit der Kriegsschuldenfrage. Roose­velt sehe diese Verbindung sehr wohl, aber die Weltwirtschaftskonlerenz scheine ihm nicht zur Er­örterung des Problems geeignet. Die Kriegsschul­den müßten seiner Ansicht nach Gegenstand b e - sonderer Verhandlungen bilden. Was das Ab­rüstungsproblem anlange, so hoffe er. daß man bald zu einem Ergebnis gelangen werde. Zu­nächst gedenke er ein französisch-italieni­sches Flottenabkommen zustande zu brin­gen

vielleicht einiges Gute für die notleidende Mensch­heit davon versprechen. Es wäre durchaus vor­stellbar, daß d:e amerikanischen, die englischen, die japanischen und alle sonstigen Politiker plötz- kich mehr Verständnis für die ällerwichtigPe Auf­gabe der Gegenwart bekunden würden, wenn man dazu überginge, sie statt mit schönem Hartgeld oder raschelnden Banknoten mit dem meisterzeug­ten und dahe.r am stärksten im Preis gesunkenen Landesprodukt abzufinden. Es wurde sich sofort Herausstellen, daß der amerikanische Kon­greßmann oder Senator genau so wenig von hundert Ballen Baumwolle oder einigen tausend Busheks Getreide sein Leben fristen kann, wie dies dem japanischen Kollegenmit ungezählten Reislladungen oder dem Franzofen mit Tonnen voll Wein möglich wäre. Und auch der Englische Abgeordnete würde bald ein'ehen, daß Sheffiel­der Stahl und Newcastler Kohle zwar sehr le­benswichtige Dinge sind, daß sie aber allein un­ter Ausschluß aller übrigen Produkte sozusagen bas Kraut auch nicht fett machen.

Und diese volkswirtschaftliche Erkenntnis würde uns von dem so unvollkommenen Tauschhan- delissystem wieder zurückbringen zur Verständi­gung aller Völker untereinander nicht nur auf politischem, sondern vor allem auf ökono­mischem Gebiet.

Die Schulden-Frage.

Die französische Regierung hat der Washingto­ner Regierung eine Mitteilung zuqehen lassen, wo­nach Frankreich die Schuldenverhandlungen ver­tagen wolle. In amtlichen Kreisen wird dieser Schritt als die Verschiebuna der Verhandlungen bis zum Amtsantritt Roosevelts gewertet.

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mfb. London, 29. Dez. (Eig. Meldg.) Mae- donald hat beschlossen, seinen Erholungsur­laub beträchtlich zu verlängern. Er ge­denkt, erst am 17. Januar zurückzukehren. Das genaue Datum wird aber natürlich von den Um­ständen abhängen.

Die französischen Finanzen.

Aus Paris wird gemeldet:

Der Finanzausschuß des Senats hat in einer am Mittwoch abgehaltenen Sitzung beschlossen, die von der Regierung anqeforderte und von d.er Kammer bereits genehmigte Ausgabe von 5 Mil­liarden Schatzanweisungen auf 2 Milliarden Fran­ken herabzusetzen. Man darf also bei den Be­ratungen des Haushaltszwölftes im Senat mit ernsten Schmierigkeiten rechnen.

Finanzminister Cheron hat angekündigt, daß die Regierung wegen der Bewilligung von 5 Milliarden die Vertrauens­frage stellen werde. In parlamentarischen Krei­sen vertritt man die Ansicht, daß die Regierung bei der Abstimmung siegen werde.

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Der Auswärtige Ausschuß des Senats stimmte unter gewissen politischen Vorbehalten der öster­reichischen Anleihe zu.

* Der spanische Etat von den (Torfes bewilligt. Die Cortes haben den Staatshaushalt mit 236 ge­gen 20 Stimmen angenommen.

Deutschland im Welthandel 1933.

Von Paul Voß, Direktor des Leipziger Meßamts.

Der weithin bekannte Führer der chemischen In, dustrie Deutschlands. Geheimrat Earl Bosch, hat neulich in einer Betrachtung über unsereHandels­politischen Notwendigkeiten" und über die künftige Gliederung der Weltwirtschaft das ebenso vorsich­tige wie entschiedene Wort geprägt:Es ist für Deutschland von entscheidender Bedeutung, wenig­stens seine Position gleichberechtigt zu erhalten."

Anlaß zu diesem Hinweis gaben die allenthal­ben in der Welt heute wahrnehmbaren Grup - penbildüngen von Ländern, die ein­ander Vorzugszölle einräumen und sich dadurch vom übrigen Weltmarkt schärfer abgrenzen: so die Gruppe der Mitglieder des Britischen Reiches durch das Vertragswerk von Ottawa, so auch jene Län- dergruppen. die derBaltischen Klausel" und der Nordischen Klausel" angeschlossen sind. Auch in Südosteuropa wird ia seit langem eine der­artige Gruppierung vorbereitet, wie das zumal im Sommer 1932 auf der Konferenz von Stresa zu­tage trat. Auch wenn auf die bisherige Weltwirt­schaftskrise allmählich wieder ein gewisser Konjunk- turaufschwung folgt, werden Gruppierungsversuche der ermähnten Art nicht aufhören. Das bedeutet für uns. die mir den Güteraustausch mit allen Kulturstaaten brauchen, um die Ueberschüsse unse­rer hochgezüchteten Industrie zu vermerken, die höchst verantwortungsvolle Aufgabe, die Carl Bolch io tretend gekennv-chnet bat.

Ein wesentlicher Teil dieser Aufgabe wird im neuen Wirtschaftsjahr 1933 gelöst werden müssen. Wie steht es um Deutschlands Aussichten in der Welthandelsperiode, die der 1. Januar 1933 eröff­net? Gehen wir kurz von den Tatsachen des nun aküaufenden Jahres aus, so finden mir, daß eines­teils die Ausfuhr noch niemals so dringlich, an- dernteils der Z u a a n g zu den Auslands­märkten noch niem al s io schmierig war wie heute. Die Wege von Land zu Land sind durch Zollmauern. Einfuhrverbote. Einfuhr, kontingente Devisenvorschriften. Valutadifferenzen gleichsam blockiert. Wo nicht schon die Liefe­rung kaum möglich ist, hält es mindestens oft sehr schwer, zum Gelde zu kommen. Und dabei hat der Druck auf unsere Wirtschaft, der sie zur Warenausfuhr zwingt, bis zur Stunde niemals aufgehört. Der Ausfuhrüberschuß bleibt unent­behrlich. Gewiß, die Aufbringung der Repara­tions-Devisen entfällt, und ebenso ist auch durch das Stillhalte-Ahkommen, das ja noch bis Ende Februar 1933 läuft, unsere Zahlungs­bilanz entlastet worden. Nach wie vor aber benö­tigen wir den Erportertraa nicht nur zur Bezah­lung lebensnotwendiger Einfuhr, sondern auch zur Stabilisierung unserer Wäh­rung. Je mehr d"r Devisenfonds der Reichsbank sich vergrößert, um so weiteren Spielraum gewinnt sie in der Finanzierung des deutschen Wirtschafts­lebens zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung, zum Wiederaufbau eines auskömmlichen Güterkreis- laufs in unserem durch die Krise so arg geschwäch­ten Wirtschastskörper.

Wögen mir nunmehr Hoffnungen und Möglich­keiten des deutschen Erportgeschäfts im neuen Jahre 1933 miteinander ab, so beansprucht ein starkes po­sitives Moment weitaus den ersten Platz, die Tat- fache der unbedingten Leistungsfähigkeit und Wett- bewerbsaussichten unserer weltmarktmäßig orientierten Industrie. Technisch und organisato­risch sind die deutschen Produktionsstätten für Fer­tigwaren führend in der Welt ein Ergebnis derRationalisierung", die ja schließlich nicht nur, wie man zuweilen etwas einseitig-summarisch be­hauptet, eine lieber- oder Fehlinvestierung von Kapital, vielmehr vor allem eine gründliche Er­neuerung des deutschen Produktionsapparates an Haupt und Gliedern nach all der Abnutzuna und Ueberalterung während der Kriegs- und Infla­tionszeit gewesen ist Was dieser Apparat fabrika­torisch und kaufmännisch leistet, nicht allein der Großbetrieb, sondern ganz besonders auch der für Oualitäts-Erzeugung in Deutschland so charakteri- stische Mittel- und Kleinbetrieb, wird u. a. demnächst, bald nach Beginn des neuen Jah­res. die Leipziger Frühjahrsmesse vom 5. bis 12. März 1933 durch Millionen von Warenmustern aus vielen Tausenden deutscher Fabriken vor aller Welt dartun.

Zur Auftragserteilung des Auslandes an deutsche Lieferanten gehört es natürlich auch, daß das Ausland ebenso zu unserer Liefersähigkeit wie 'N unserer Leistungsfähigkeit absolutes Ver­trauen hegt. Bedeutsam war die Beobachtung, wie das Ausland selbst 1931 nach unserer schweren Iuli-Auqust-Krise an den gewohnten Geschäftsver­bindungen mit deutschen Firmen festhielt. Unsere Hoffnung ist es, daß die langsam eintretende Wirt. schafts-Entchannung und die nunmehr auch sich an­bahnende innenpolitische Entspannung zusammen- wirken mögen, um unser weltwirtschaftliches An­sehen endgültig wiederherzustellen. Vergessen mir nicht daß uns die letzten Jahre den Aufstieg zur Stellung des größten Fertigwarenausfuhrlandes der Erde gebracht haben. Dieser Rang muß von uns dauernd behauptet werden, nicht aus reiner Prestige-Politik, sondern aus dringlichen realen Gründen.

Unser Anteil am Welthandel gegenwärtig neun v. H. bestimmt sich somit wesentlich nach dem Grade der inneren Gesundung Deutschlands, und, obwohl es selbstverständlich ist, sprechen mir doch der vollen Klarheit halber hier auch den Satz ans, daß gerade auf die Basis eines regsamen kauf, kräftigen Jnlandsmarktes sich am sichersten die Ausfuhrfähigkeit gründet. Niemals waren