FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Zahrg. 59
Donnerstag, 29. Dez. 1932
Rr. 300
Handelspolitik stellt Aufgaben
bracht, tn dem die
Zusatz
sichtigt dieser, um im Jargon 3U sprechen, d i e „Bombe im Reichstag planen zu las- s e n." *
Die sonstige Arbeit der Reichsregierung vollzieht sich zwar meist hinter den Kulissen. Sie ist aber weit weniger durch die Weihnachtsruhe beeinflußt, als das in früheren Jahren der Fall war. Die Veröffentlichung der Margarine- Verordnung und einer Mais-Verordnung erfolgt vor Silvester zum Teil aus dem Grunde, um den Gerüchten über schwere Differenzen im Kabinett, besonders den Gerüchten über Differenzen zwischen dem Reichswirtschafts- minister und dem Reichsernährungsminister entgegenzutreten. Freiherr von Braun, der 'selbst vorläufig noch auf Weihnachtsurlaub ist, wird tn den ersten Tagen des Januar in Berlin zurückerwartet. Auch im Reichsarbeitsministerium macht man feinem Namen Ehre, nicht weniger im Reichsfinanzmlnistermm, wo man mit Hochdruck den Haushaltsplan für das Jahr 1933-34 vorberek- tet. Wie wir hören, soll er Unter Umständen schon im Januar dem Parlament zur Ausschußberatung vorgelegt werden, vorausgesetzt, daß sich aus einer Auflösung des Reichstages nicht die Notweiüu'g- keit ergibt, den Haushalt durch Notverordnung in Kraft zu setzen. » i . i
LND. Berlin, 28. Dez. (Eig. Meld.) flu einer Meldung des .Daily Telegraph" über das Ergebnis der kürzlich in Berlin geführten deutsch-engli- sthen Wirtschaftsverhandlungen wird von deutscher zuständiger Stelle erklärt, daß zwischen beiden Delegationen vereinbart worden ist. keine Mitteilungen über Einzelheiten herauszugeben, solange die Verhandlungen schweben. Wie bereits mitgeteilt, sind bei den Verhandlungen die Möglichkeiten für gegenseitige Zugeständnisse geklärt worden, und zwar sowohl hinsichtlich der deutschen Wünsche nach Herabsetzung englischer Zölle, die für die deutsche Einfuhr abträglich sind, wie hinsichtlich der englischen Wünsche nach vermehrter Zulassungvon englischer Kohle zur Einfuhr nach Deutschland. Die Verhandlungen werden anfangs Januar fortgesetzt.
Unterzeichnung des Zusatzabkommens zum deutsch-französischen Handelsvertrag.
wtb. Berlin, 28. Dez. (Eig. Meld.) Das am 21.11. in Berlin paraphierte Zusatzabkommen zum deutsch-französischen Handelsabkommen vom 17.8. 1927 sowie der am gleichen Tage paraphierte Notenwechsel zu der deutsch-französischen Vereinbarung über den Warenaustausch zwischen dem Saargebiet und dem deutschen Zollgebiet vom 23. 2.28 sind nach erfolgter Genehmigung durch die deutsche und die französische Regierung im Auswärtigen Amt unterzeichnet worden. Der Wortlaut des Zu-
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen-. „Die Well im Bild' und „Buchenvlätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: teitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Die französische Kammer hat am Dienstaaabend mit 524 gegen 53 Stimmen das vorläufige Haus- haltszwölftel angenommen.
Die schwebende innere Schuld Frankreichs beträgt gegenwärtig über 40 Milliarden Franken.
Die kolumbianische Regierung trifft ernstliche Vorbereitungen, um die im September von den Peruanern besetzte Hafenstadt Leticia am Amazo- nenstrom zurückzuerobern.
Die rechtsgerichteten französischen Abgeordneten Parmentier und Henriot haben im
Wie diese Entscheidung letztlich aussehen wird, ist im Augenblick immer noch nicht zu sagen. Der Anti-Schleicherkttrs der NSDAP.und ihres nur aus wenigen Männern bestehenden Führergremiums hat bisher noch keiner freundlicheren Einstellung Platz gemacht. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen dem b's rum 29. Dezember beurlaubten Gregor Straffer und Adolf Hitler hat trotz aller Gerüchte auch noch nicht stattgefunden. Der Sekretär Adolf Hitlers dementiert sie sogar als „unwahrscheinlich".
unverzüglich die Akten über d i e an geb- li'chen Geheimrüstungen Deutschlands und die Nichterfüllung der Vertragsverpflichtun-
chischen Anleihe beschäftigt und nach einer Debatte den Abgeordneten Vienot beauftragt, einen für den Gesetzentwurf günsti gen Bericht auszuarbeiten.
Erst am 4. Januar tritt der Aeltestenrat des Reichstags zusammen, um zu entscheiden, wann sich der Reichstag selbst zu einer bedeutsamen Tagung versammeln will. Der nationalsozialistische Herr Reichstags-Präsident Goering hat es so bestimmt. Man sieht darin in gewissen politischxn Kreisen einen Hinweis, daß der NSDAP, eine all zu frühe Entscheidung im Parlament nicht sehr erwünscht ist. Sonst sehr gut unterrichtete Kreise verkünden deshalb auch schon, daß ein Zusammentritt des Reichstags am 9. ober 10. Januar nicht in Frage kommt, sondern daß man in jedem Fall den Versuch machen wird, die entscheidenden Kampftage bis zurMittedes Januar, ja möglichst über diele hinweg zu vertagen. Man betont dabei, daß eine so späte Einberufung mit den internationalen Konferenzver- pflichtungen kaum in Widerspruch kommen könne. Das Büro der Abrüstungskonferenz tritt zwar bereits am 23. Januar in Genf zusammen. Die eigentliche Abrüstungskonferenz wird aber kaum vor Anfang Februar beginnen. Bis zu diesem Zeitpunkt bat man also genügend Spielraum, um die notwendige Entscheidung im Innern Deutschlands herbeizuführen.
Praktische Arbeit sott beginnen
Die Durchführung des Notwerks für die deutsche Jugend.
Die deutsch-englischen Wirtschastsverhandlungen. abkommen mit Frankreich.
Sie Reichs-Regierung gibt Aufklärung.
Zur Verordnung über Vukkerbeimifchungs-Zwang und Ausdehnung des Mais- Monopols? - Eine Maßnahme für die Landwirtschaft. — Die Gefahr einer Preissteigerung der Bedarfs-Artikel der breiten Massen soll vermieden sein. — Würde sich der Futterpreis erhöhen, weil der Margarine Butter beigemischt werden mutz, so wird bei der geschwächten Kaufkraft aller Vevölkerungsschichten der Absatz der Butter katastrophal zurückgehen.
satzabkornmens unb des Notenwechsels wird in der am 29. Dezember erscheinenden Nummer des „Deutschen Reichsanzeigers und preußischen Slaatsanzeigers" veröffentlicht werden.
Handel Kanada-Deutschland.
wtb. Ottawa, 28 Dez. (Eig. Meldg.) Der stellvertretende Permierminister Sir Port Perley wies darauf hin, daß das deutsch-kanadische A b kommen die Herstellung der M e i st b e g ü n- st i g u n g" zwischen den beiden Nationen gebracht habe. Man hoffe, Verhandlungen über den A b- schluß eines endgültigen Vertrages noch vor dem Ablauf der Laufzeit des fetzigen zu einem guten Ende zu bringen. Perlen erklärte noch, daß Deutschland schon 1930 die vierte Stelle im Außenhandel Kanadas eingenommen hat.
Südafrika
hat den Goldstandard aufgegeben.
wtb. Eapstadk, 28. Dez. (Eig. Meld.) In einem Interview mit dem Reutervertreter erklärte Fi- nanzminister Nawenga, Südafrika sei de facto vom Goldstandard abgegangen; die Banken müßten die Währung auf Grund der neuen Basis bewerten. Das Regierungsorgan „Ons Naderland" schreibt; Wir befinden uns in derselben Lage wie England im September 1931.
Monatlich 1.65 einschlietzl. Postgebühr (48 Psm) ohne ,-justeüg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Sol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 «Di. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt Posticheckk Frankfurt a. M 4051.
wtb. Berlin, 28. Dez. (Eig. Meldg.) Zur Förderung der Verwendung inländischer tierischer Fette ist die Reichsregierung durch eine Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten ermächtigt worden, einenVerwen- dungszwang für Butter bei der H e r- stellungvonMargarine in Ergänzung bes schon seit 1. Dezember 1930 bestehenden Verwendungszwanges für Talg und Schmalz anzuordnen. Die Reichsreqierung wird ferner ermächtigt, Vorschriften über den Umfang der Herstellung von Margarine, Kunftspeisefett, Speiseöl, Pflanzenfetten und gehärtetenTran zu erlassen, sowie einen Verwendungszwang von inländischen Oelfaaten in den Oelmühlen anzuordnen. Schließlich enthält die Verordnung noch Bestimmungen, die bieReklamefürMargarine und Kunst- f p e i f e f e U- betreffen und Mißbräuchen auf diesem Gebiets entgegenwirken sollen.
Diese Maßnahmen sollen, so schließt die Reichsregierung, den bäuerlichen Wirtschaften helfen, die auf das schwerste unter der allgemeinen Wirtschaftskriss und dem Tiefstand der Preise für die Produkte der Vieh- unb Milchwirtschaft leiben. Der Erlös aus diesen Betriebszweigen lag bereits im vergangenen Wirtschaftsjahr mit nur noch 4,3 Milliarden Reichsmark um 2,1 Milliarden Rm unter dem Erlös im Wirtschaftsjahr 1928-29. Das Schicksal der bäuerlichen Veredelungswirtschaft ist besonders bedeutungsvoll auch deshalb, weil von ihr bas Gedeihen des gesamtwirtschaftlichen unentbehrlichen Siedlungswerkes abhängt.
Die jetzt vorgesehene Regelung der Fettwirtschaft stellt eine Ergänzung der Kontingentierung der Einfuhr von Butter und Schmalz har. Sie soll den Anteil der ausländischen Rohstoffe bei der Margarine-Herstellung zu Gunsten der einheimischen tierischen Fette einschließlich Butter zurückdrängen. Die Margarineinbustrie verarbeitet heute zu etwa 97—98 Proz. Rohstoffe ausländischer Herkunft, und zwar vor allem fleischliche Oele und Tran. Ursprünglich war Rindertalg der Grundstock der Margarine. Noch im Jahre 1913
betrug der Anteil der tierischen Fette (Talg, Schmalz) etwas mehr als die Hälfte. Der Sutter« markt soll durch Verarbeitung gewisser Mengen bei der Margarineherstellung entlastet werden. Im Verhältnis zur Gesamtmargarine-Erzeugung sind die für die Beimischung in Frage kommenden Buttermengen gering, so daß
die Dukkerbeimischung keinen Einsluh auf den Margarine-Preis,
soweit es sich um Margarine für den Verbrauch der breiten Massen handelt, haben wird. Bei der Reichsregierung besteht der Wunsch, die mit der Verordnung angestrebten Ziele im Wege freiwilliger Vereinbarungen mit der Margarine- und Oelmühlenindustrie zu erreichen, so daß die Ermächtigung zur gesetzlichen Regelung gar nicht Anwendung zu finden braucht.
Durch die gleiche Verordnung des Herrn Reichspräsidenten wird das Maismonopol auf andere Getreidearten als die in Nr. 1—7 des Zolltarife? besonders genannten, sowie auf Reis, Reisabfälle, Rückstände von der Stärkeerzeugung aus Reis ufw. ausgedehnt.
Der Zweck des Maismonopols war es, eine übermäßige Einfuhr ausländischer Futtermittel im Interesse der Verwertung deutscher Futtermittel fernzuhalten. Die Lösung dieser Aufgabe wurde durch eine steigende Einfuhr von Reis- und Reis- abfällen mehr und mehr gefährdet.
Im Hinblick auf die großen inländischen Ernten an Kartoffeln. Hafer, Gerste und sonstigen Futtermitteln, die die Futterversorgung der inländischen Viehhaltung zu angemessenen Preisen er« möglichen und angesichts ihrer Bedeutung für den gesamten Getreidemarkt war deshalb zur Sicherung des Absatzes und der Verwertung dieser inländischen Erzeugnisse auf dem Futtermittelmarkt die Einbeziehung von Reis und Reisabfällen m das Mais-Monopol unerläßlich.
Die Preise für Speise-Reis sollen durch diese Regelung nicht beeinflußt werden.
gen durch Deutschland zu veröffentlichen.
Hegietungs-ärife in Bulgarien.
Die seit einigen Tagen in Sofia drohende Ministerkrise ist nunmehr ausgebrochen. Ministerpräsident Muchanoss hat die Demission seines Kabinetts eingereicht. Der König hat die Demission angenommen und das scheidende Kabinett mit der Führung der Geschäfte beauftragt. Noch im Laufe des Vormittags hat der König den Präsidenten der Sobranje Mal in off zu sich gebeten, um mit ihm die Frage der Bildung eines Kabinetts durchzu'prechen.
Ein Wort noch zu dem Breslauer „Fall C o h n", der zu Weihnachten eine Verschärfung erfuhr! Er wird nach unseren Informationen im preußischen Kultusministerium sehr eingehend und sehr sachlich durchgeprüft. Schon heute ist jedoch zu sagen, daß sich die Auffassung des Reichskommissars kaum völlig mit der des Breslauer Senats identifizieren dürfte, der den von der juristischen Fakultät berufenen Professor auf Grund einer verhältnismäßig belanglosen Presseäußerung fallen ließ. Man sieht vorläufig im Kultusministerium keine rechtliche Handhabe, um Professor Cohn aus Breslau zu entfernen, um so weniger, als der ganze Fall zu äußerst schwierigen und tiefgreifenden Auseinandersetzungen der deutschen Hochschullehrerschaft geführt hat. Vorläufig glaubt man deshalb in gut unterrichteten Kreisen an einen Kompromiß. Wie er im einzelnen aussehen wird, ist allerdings noch nicht abzusehen.
Auch tn Preußen hat man die Weihnachts- tage nicht unbenutzt verstreichen lassen. Mangels wichtigerer Themen hat sogar der Umbau der Mittelinstanz des preußischen Schulwesens eine erhöhte Bedeutung gewonnen. Der lAbbau von führenden Persönlichkeiten der Provinzial« Schulkollegien droht gegenwärtig Proteststürme zu entfesseln, die den bei der Zusam- menfegung der Landkreise beobachteten ähnlich sind. Man wird jedoch mit seinem Urteil solange zurückhalten müssen, bis wirklich alle Namen der zur Disposition gestellten ober abgebauten höheren Beamten veröffentlicht sind. Vorläufig spielen bei der Beurteilung politische Animositäten eine etwas allzu große Rolle. Das Kultusmini- sterium selbst versichert lebhaft, daß an eine völlige Beseitigung sozialdemokratischer Oberschulräte und Oberstuoienräte keineswegs gedacht fei. Sämtliche Maßnahme hielten sich auf ftreng überparteilicher Grundlage (??) Sie bildeten den letzten Schritt jener Umgruppierung in den preußischen Mittelinstanzen, der auf den anderen Gebieten bereits endgültig vollzogen sei.
cnb. Berlin, 28. Dez. (Eig. Meld.) Im Anschluß an den Aufruf des Reichspräsidenten über das Notwerk der deutschen Jugend hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine Verfügung an die Präsidenten der Landesarbeitsämter erlassen. In dieser Verfügung wird u. a. angeordnet, daß tunlichst bald alle Stellen, die nach ihrem Aufgabenkreis Hilfe für die arbeitslose Jugend leisten, zu Arüe l'ts gemein schäften zufam- mengefchlossen werden sollen. i
Neben dem Arbeitsamt kommen vor allem die Gemeinden, die freie Wohlfahrt, die Lehrerschaft, die Jugendverbände aller Art für diese Arbeitsgemeinschaften in Frage. Das Notwerk soll den jungen Arbeitslosen täglich mindestens 4 Stunden Beschäftigung bieten. Hiervon sollen grundsätzlich durchschnittlich 2 Stunden täglich auf berufliche Bildungsarbeit verwendet werden. Mindestens 2 weitere Stunden sind auf Leibesübung oder gemeinschaftliche geistige Arbeit zu verwenden, die der geistig-sittlichen Ertüchrgung dienen sollen.
Für jugendliche Arbeitslose, die keinen Rückhalt in der Familie haben, ist die Einrichtung von Tagesheimen durch geeignete Träger vorgesehen. Für die Durchführung des Notwerkes sollen die Kräfte und Mittel aller Stellen planmäßig eingesetzt werden. Nach Möglichkeit sollen alle verfügbaren Plätze in den Werkstätten der Berufs- und Fachschulen in Anspruch genommen und darüber hinaus geeignete leer stehende Betriebsanlagen als Schu - lungswerkstätten benutzt werden.
Kammerbüro einen Entschließungsantrag ringe» Regierung aufgefordert wird> kten über die angeb
Die Wanzen in Frankreich unb Belgien.
wtb. Brüssel, 28. Dez. (Eig. Meld.) In der belgischen Kammer wurde mit 93 Stimmen bei einer Stimmenthaltung das Programm zur Sanierung der belgischen Finanzen angenommen. Die Sozialisten, die Kommunisten und die Frontisten hatten den Sitzungssaal verlassen, um die Beschlußunfähigkeit dcr Kammer herbeizuführen. Diese Absicht mißlang jedoch.
Aus Paris wird gemeldet: Die französische Kammer nahm die Regierungsvorlage an, die zur Deckung der dringlichsten Ansorderungen die Aus- öabe von Schatzbonds in Höhe von 5 Milliarden verlangt.
Die französische Garantie der österreichischen 100 Millionen-Anleihe.
Der Finanzausschuß der Kammer hat nach Nochmaliger Beratung mit 12 gegen 6 Stimmen
grundsätzlich dem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach der französische Staat die Garantie für die von der österreichischen Regierung aufzunehmende 100 Millionen Schillinganleihe übernehmen soll- Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ausschusses kommen allerdings dadurch zum Ausdruck, daß sich kein Ausschußmitglied bereitfinden wollte, den Bericht in diesem Sinne abzufassen und vor dem Plenum zu vertreten. Auch der sozialistische Abgeordnete Leon Blum lehnte die Uebernahme des Berichterstatteramtes ab. Unter diesen Umständen wurde der Generalberichterstatter des Finanzausschusses Abgeordneter Lamoureux gebeten, die Schlußfolgerungen, zu denen der Finanzausschuß gelangte, der Kammer zu unterbreiten. Außer den sechs Ausschußmitgliedern, die gegen die österreichische Anleihe gestimmt haben, haben sich vier der Stimme enthalten.
Auch der Kammerausschuß für Auswärtiges hat sich mit der französischen Tranche der osterrei-
Aber man wird borh gut tun. an diesem Punkte Ueberraschungen selbst grundsätzlicher Natur nicht völlig außer Rechnung zu stellen. Vor allem glaubt man in politischen Kreisen nicht daran, daß die offene Feldschlacht zwischen dem Reichskanzler und der NSDAP, im Parlament ohne den Versuch vorheriger Neuoerhandlungen zum Austrag kommt. Zwar wird die Regierung nach unseren Informationen von sich aus keinen Schritt tun um die Fühlungnahme mit Adolf Hitler wieder aufzunehmen. Der Weg über Dritte ist abei nach wie vor nicht versperrt. Man darf wohl annehmen. daß der Reichskanzler sich dabei nicht nur als passive Natur erweisen wird. Scheitern freilich diese Versuche einer letzten Fühlungnahme, bann ist mit einer Auflösung des Reichstages Enbe Januar mit größtmöglicher Bestimmtheit zu rechnen. Sie wirb nach unseren Informationen in dem Augenblick erfolgen, wo man bewußt der Regierung ober einer Notverordnung ans Leber will. Eine Auflösung bes Reichstag?? vor seinem Zusammentritt kommt bagegen nicht in Frage. Auch bei einer öffentlichen Erklärung der NSDAP, gegen Herrn von Schleicher beab-
Amerika und Europa.
Der neugewählte amerikanische Präsident Roosevelt hatte am Montag mit Norman Davis eine lange Besprechung über die Lage in Europa.
Die Rückkehr Norman Davis zur Abrüstungskonferenz ungewiß.
Der Konferenz Norman Davis' mit Roosevelt wird in Washington starke Bedeutung geschenkt. Man schließt aus einem Hinweis Roosevelts auf seine Unterhaltung m t t Clemenceau während der Versailler Verhandlungen, daß Roosevelt Frankreichs Bestehen auf Sicherheit offenbar billige und Davis von einem weiteren Einsetzen des amerikanischen Einflusses in Gens abgeraten habe, bis die Lage dort soweit geklärt sei, 'daß Hoovers Abrüstungsplan, mit dem Roosevelt sich vor kurzem in einem Telegrammwechsel einverstanden erklärt hatte, sachlicherör« tert werden könne. Offenbar halte Roosevelt eine Diskussion über die Herabsetzung der Rüstungen für oer< f r ü f) t, so lange nicht die prinzipiellen Fragen des Ru« stungsausgleichs, der Sicherheit und der Begriffsbestimmung der Angriffswaffen geklärt seien. Im Staatsdepartement wurde diese Aussassung indirekt durch hie Bemerkung Stimsons bestätigt, er wisse ndM ob Normals Davis nach Genf zurückkehren werbe* *