Religion im Alltag.
Das voiksbi dungswerk Anton Heinens.
Nach der Menge von Erzietzungszeitschriften, nach der Fülle von Broschüren und Büchern über Volksbildung rind Erziehung zu urteilen, müßie es herrllK um unser Volksbildungswesen bestellt sein. Aber die Antwort des praktischen Lebens ist ein Hohn darauf. Und worum? Die Tatsache ist einfach folgende: Die Hoche Wissenschaft hat die Sprache des Volkes derfroren, die gerade hier no‘* wendig am Platze ift, die Schreibenden und Lehrenden ergreifen rueber die zur Erziehungsarbeit berufenen Führer, noch das zu bildende Bolk. — Die Lehrer in Wort und Schrift, die von Herz zu Herzen sprechen, sind selten und es ist still um sie. Und doch sind es diese Stillen, die durch ihre Arbeit Steine statt Brot geben. Anton Heinen gehört vorne in diese Reihe — auch wenn ihn der eine oder andere Scharlatan als überlebt abtun möchte. Wir wollen dem Himmel danken, daß noch manche unserer geistigen Führer statt von Volkstum zu reden — Volkstum in sich haben.
Die Lebensaufgabe.
Heinen bezeichnet feine Lebensaufgabe einmal selbst mit dem kurzen Saß: „Ich tue nun nichts mehr, es fei denn, Menschen zur Verantwortung anzuleiten." Auf diese Haltung läßt sich fein ganzes Schassen zurücksühren, aus ihm seine Auffassung von der Blldungsarbeit ableiten. „Einen Menschen bilden, heißt ihn geistig und sittlich formen". schreibt er in den „Katholischen Bildungswerten". (Es fei hier bemerkt, daß Heinens Werke .Oktober 1931 vom Volksvere'msverlaa in den Pädagogischen Verlag, G. in. b. H. Düsseldorf über- gssganqen sind.) Wenige Seiten weiter umschreibt er den Begriff der Bildung: „Bildung ist nicht Vermittlung von Kenntnissen, von Wissen um die Dinge. Bildung ist nach unserer Aufassung etwas ganz anderes: es ist Begegnung mit dem Lebens- qrunöe, es ist Ueberwindung der individualistischen Isoliertheit, es ist das Schaffen einer Atmosphäre der Treue und des Vertrauens." Treue erweist sich im Handeln. Hier harrt die lebendige Bildung ihres Beweises.
Wer so wirken will, kann sich nicht im Abstrakten verlieren. Er muß stets die Bindung zum Leben suchen. Goethe spricht Heinen aus der Seele. In seiner Einführungslchrift zu „Goethes Faust" lesen wir: „Mit der mpstischen Sehnsucht nach All kam der iunge Goethe aus der Heimat zur Hochschule. Unendlicher Durst nach Erkenntnis, nach Lösung der Rätsel des Lebens und des Schicksals guälte ibn; und er fand — Fachgelehriamkeit. fein säuberlich in vier verschiedene Fakultäten ausein- anüersortiert. und der Betrieb in feder dieser Fakultäten war aenau besehen derselbe — ein Wust von Kleinkram, eine Größe im Kleinen, eine Schulgeiehrsamkeit, und dabei eine Fremdheit gegenüber der Weltwirklichkeit und eine vollendete Hilflosigkeit, wo es sich um die großen Lebensfragen handelte." — Ringen nicht die Menschen immer wieder wie Faust nach einem Lebenssinn, nach wirklichem Leben in all dem äußeren Schein? Diesen ringenden Menschen sieht Heinen vor und um sich, ihm zu helfen wird fsin Bemühen. Gegen eine weltfremde Bildung setzt er als Inhalt lebensnaher Bildung die iieift.fae Meisterung des Alltags.
Religio^ als Ouellgrund.
~ Wenn etwas hhn zerrisienen Menschen unserer Tage aufrichten Tann so ist es das Bewußtsein eines LebenssiMes, der sein ganzes Sein durchtränkt. „Einem Menschen kann ich bloß helfen, sei es durch Abwehr von Gefährdungen, sei es durch Erweckung von Kräften, die in ihm schlummern, d-äß er „zu sich selbst komme", daß er die Idee, den Gottesgedanken „Mensch" in feiner Weis«, an der Stelle, an die ihn Beruf oder Anfall gestellt hat, soweit verwirkliche, als feine Kräfte reichen. Wir als Katholiken sehen den Got- jesgedanken „Mensch" am reinsten und höchsten verkörpert in Ehristus. — Auch die Kirche ist uns Idee, d. h. Gottesgedanke, und an diese Idee Kirche glauben wir troß aller Verdunkelungen der Idee in der empirischen Kirche." (Kath. Bildungswerte.) Wie nun die Kirche selbst «mischen Idee und nüchterne Wirklichkeit der Erscheinung gespannt ist, so ist es auch der Einzelne. Oft schlägt ihn die Erde in ihre Fesseln, er wird erschüttert von dem Gefühl der Schuld und Befleckung. Da ruff ihn Gott zurück, „daß die Lebenskraft, der Lebensmut, die Schaffensfreude neu in ihm erwache; denn er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen ... In Ehristus ist uns religiösen Menschen das ewige Geheimnis göttlicher Vaf»r- und Erlöserliebe erschienen und aufgegangen Mit Christus in Lebensverbindung stehen, das bedeutet für uns: herausgerffsen fein von der starken
Gotteshand aus dem Elend des Profanen, des Entweihten; wiederum hineingenommen fein in den Lichtkreis Gottes, des Heiligen, zur Lebensgemeinschaft, zur Familie der Gotteskinder gehören. — Da erwachen wiederum die Klänge des Paradieses in unserem Herzen, da haben wir die Seligkeit der Kindheit w'edergefunden, da sind wir wiederum in der Gnade und Liebe. Da erwacht aber auch die Schaffens- und Derufsfreude, der Mut des Lebens wiederum in unserer See'e; es ist ein neues Geben in uns und eine neue Seligkeit." („An ewigen Quellen"), Heinens großes Betrachtungsbuch zum Kirchenjahr )
3m Leben des Alltags.
Religion will gelebt sein. „Für viele ist sie noch eine Sonntagsangeleqenheit, aber keine Lebensangelegenheit mehr." Daß sie es wieder werde, ist Heinens Ziel. Die Mutter soll als Mutter in ihr auf atmen, der Mann feinen Beruf ergreifen, der Lehrer die ihm anvertrauten Kinder bilden und der Priester darin feine Weihe finden. Nicht die Schrecken der Hölle sollen uns bestimmen, sondern die Freude der Erlösten soll in uns aufjubeln. Sie ist der Born des Friedens und der Liebe. Familie, Gemeinde, Staat sind ihre Wirkfelder. Wenn sich Golleskindschaft im Menschen bewähren soll, dann muß sie eingehen in die täglichen, ja stündlichen Beziehungen zu unseren Mitmenschen. Die Sakramente, die Liturgie, das Kirchenjahr muß mit unserem Alltagsleben verwoben fein. Weil Gott in uns lebendig ist, deshalb muß das gleiche Treuverhältnis zu den Menschen, den Mann zu der Frau, den Vater zur Familie, den Seelsorger zur Gemeinde binden. Ehrfurcht vor dem durch Gott geweihten eigenen Leib und feiner Seele muß auch die Ehrfurcht zu unserem Gegenüber als Gottes Ebenbild schaffen.
Ob Heinen zu jungen Mädchen über „den Wert des Glaubens" ober ob er zu ihnen über die Kunst der Selbsterziehung zu richtiger ..Lebensführung" spricht, ob er im „Schwalben- büchlein" mit den Müttern über die Gestaltung ihres Heims, ob er besinnlich mit ihnen „von Mutterleib unb Mi'.tterfreub" plaubert, ob er in der Stunde am „Feierabend" mit jungen Burschen staatsbürgerliche Fragen erörtert, ober ob er sich in „Briefen an einen Landlehrer" wendet und mit ihm über feine Berufsaufgaben spricht — immer geht es darum den Menschen in seinem nüchternen Wirklichkeitsbereich mit dem S>nn seines Lebens so zu erfüllen, baß er V" "'rbeit verantwortlich Gott unb den Witmr gegenüber wirkt. 3um ßanbmnnn spricht e« i dem Dorf und der heimischen Scholle aus („Iunabauer, erwache"). zum Manne des 20. Jahrhunderts aber im Geist feiner Seit. Das Wort soll Fleisch werden in „alltäglichen Dingen", der Mensch soll aufhorchen auf die Botschaft, die ihm etwa „die Berg- vredigt Jesu Christi" zur Meisterung feines besonderen Gebens zu sagen hat.
So wird lebendige Christengemeinde; ihr will Heinens Schaffen dienen. Man kann von fein tn Schaffen Kenntnis nehmen, wie man anderes Wissen als Tatsache in sich nufnimmt. Verstanden hat mat ihn damit nicht. Erzieher wie Heinen wollen nicht verstanden oder gar bewundert werden, fie wollen wirken — weiter nichts. Wem es um eine Begegnung mit Heinens Geist zu tun ist, der wird Heinen ouffuchen müssen, fei cs in einer Arbeitsgemeinschaft des Volksvereins — deren Heinen wohl schon hunderte geleitet hat —. fei es in der Begegnung mit feinen Schriften. Er wird bann erfahren, daß es Heinen in feinem gesamten Schassen um das Eine zu tun ist: um die Verwirklichung des Inhaltes „Mensch" im Christen unserer Tage.
Joseph M. Wilhelm.
Oer Breslauer HochschulkonffM.
cnb. Berlin, 27. Dez. (Eig. Meld.) Wie wir von unterrichteter preußi'cher Regierungsseite erfahren, ist der Breskauer Professor Cohn, gegen den, wie gemeldet, kürzlich Rektor und Senat der Breskauer Universität in einer Veröffentlichung Stellung genommen hatte, noch vor den Feiertagen auf' eigenen Wunsch vom Reichskommffsar für das Kultusministerium, Prof. K-'s hl er,.zur 5Ser:*7erftattung empfangen roofben. Der Reichs- kommi'sar hat int Anschluß an diese Besprechung den Rektor der Universität Breslau, Prorektor und den Dekan der juristischen Fakultät nach Berlin gebeten, um ihren StandMnkt in dieser Angelegenheit kennen zu lernen. Diese Besprechung wird voraussichtlich noch in den Universitätsweihnachtsferien, unb zwar in der ersten Januarwoche, ftnttfinben.
Sem letzter Kampf.
Von Senn Freiherr von Campe nhausen.
Die Schachtelhalme sind erfroren, und auf dem Moor gibt es fein Wollgras knehr. Die Zwergbirken lasten ihre Blätter fallen, und die Espen strecken ihre fahlen Aeste gegen den H-rnmel. Auf den Tümpeln glitzert das junge Eis im Morgenlicht.
Am Moosmoorrande steht ein Elch. Er steht reglos, dos Gehör gespreizt, den Windfang etwas oorgeftreift und mustert die Witterung, die der Luftzug ihm zuträgt.
Jetzt hebt er die Läufe und setzt sich in Bewegung. Unter feinen Scholen knirscht das gefrorene Moos, schmatzt der Schlamm.
Langsam, mit langem Schritt nähert er sich dem Espengehölz, reißt hier einen Zweig ab, drückt dort ein Bäumchen nieder und erfaßt mit Hilfe seiner langen Dberlipe ein Büschel saftiger Knospen.
Dann neigt er sein Haupt, stemmt die Schneibezähm gegen einen Baumstamm, reißt die Borke auf, drückt die Oberlippe dagegen und zieht van unten nach oben ein langes Stück Rinde ab, das er mit langsam mahlenden Kieferbewegungen verzehrt.
Früher, als er noch jung war da schälte er Fichten, und wenn er eine Espe fand, bann sah er nicht so fehr auf das Alter des Baumes. Keine Rinde war ihm zu zäh. Stahlhart war sein Gebiß und kraftvoll feine Lippe.
Aber fetzt sind feine Zähne abgenutzt, die Muskelkraft feiner Lippen verbraucht und fein Geweih — ja da hatte er fein großes Gewicht zu tragen. Aus dem Zwanzig- «nderschaufler war ein zurückgesetzter Zehnender geworden
Mühsam geht es mit dem Kauen. Risch — rasch, riid) — rasch reiben die Backenzähne.
Aber plötzlich hält er mit dem Kauen inne, erhebt sein Haupt und spreizt die Lauscher.
Ein Ton hat fein Gehör erreicht. Ein Ton. der
ihn früher rasend vor Wut gemacht, und der ihn auch heute noch aufpeitscht.
„Oh, oh oha, a."
Er fennt den Brunstruf des Sechzehnenders, der drüben in der Heide mit feinen sechs Stück Kahlwild steht. Er weiß, daß er ihm nicht gewachsen ist.
Und doch — von unsichtbaren Kräften geipornt bewegt er sich langsam aus den Ton zu und brummt leise vor sich hin: .Och — och — och."
Näher und näher.
„Och — och."
Und wie er an einem mannshohen Ellernbu'ch vor- beikvmmt, fährt er mit seinem Geweih hinein, schüttelt die Zweige, daß sie splittern und stampft mit dem Vorderlauf, daß der stahlharte Huf zischend in den Boden- sährt.
Es wird Heller Immer mehr versteift sich der Frost Totenstille liegt über der Wildnis. Da schallt es wieder von der Heide her: „Oh, oha",
Jetzt zucken die ersten Strahlen der Sonne über das Moor. Sie beleuchten den dunflen Körper des alten Elchs und die zwei armlangen Naben an seiner Lende, die er sich vor Jahren im Kampfe geholt hat. Und sie beleuchten sein gesenktes Haupt mit dem schwachen Geweih.
Aus dem Schatten des Herdewalds tritt eine dunkle Gestalt, der gewaltige Körper des Schaufelelchs trollt auf den Alten zu.
Noch nie, feit er feine erste Schaufel trug, hat er einen Rivalen in seiner Nähe geduldet. Noch nie.
Und nun — dieser alte narbenbedeckte heisere Brummer?
„Och, och" kommt es vom Moosmoor her.
Und während sich die letzten Nebelfetzen um seine blendend weißen Läufe schlingen, kommt der Alte langsam auf den Schaufler zu. Seine kleinen Augen liegen tief in den Höhlen, sein Wildfang ist gebläht, und das schwarzbraune Nackenhaar sträubt sich.
„Och — och."
Handel und Wirtschaft
Frankfurter Schlacht-Vieh
den der
Berliner Effekten-Börse, lleberwiegend fester.
rotb. Berlin, 27. Dez. (Eig. Meld.) Die freundliche Stimmung, die schon den letzten Tag vor den Feiertagen beherrscht hatte, hielt auch heute weiter an. Zwar war das Geschäft im allgemeinen nicht sehr umfangreich, doch
ten: Die antragftellenben Firmen müssen erbringen, welche Mengen Schmalz sie in
1. Januar bis 15. Februar 19 36" jK haben. Zweckmäßigerweise wird dieser Nachweis Vorlage der Zollquittungen erbracht werden
tagen bei den Banken noch Kauforders der Kundschaft vor, die am Samstag verspätet eingetroffen und daher nicht ausgeführt waren, und es waren auch für verschiedene Spezialwerte, so vor allem für Montan- und Elektropapiere, kleine Kaufaufträge neu eingegangen. Die optimistischen Betrachtungen in der Presse, der Jahresbericht der Hessen-Nassauischen Industrie- unb Handelskammern sowie der Hamburger Handelskammer, der Abschluß des Devisenpaktes mit Holland, Berichte verschiedener Gesellschaften und nicht zuletzt der Reichsbankaus- weis der 3. Dezemberwache waren anregende Momente, zu denen noch der feste Verlauf der Newyorker Samstags-Börse hinzukam. Die Anspannung der Reichsbank ist für eine 3. Dezemberwoche verhältnismäßig gering; der Gold- und Devisenbestand hat sich um 1,6 Millionen und die Deckung daher um 0.3 auf 27,2 Proz. erhöhen können. Das Interesse des Publikums für den Rentenmarkt hält weiter an und auch dies gab der Allgemeintendenz natürlich eine Stütze. Das fjerausfommenbe Material war ganz minimal unb bie ersten Kurse zeigten baher überroiegenb Besserungen bis zu V/i Pr0z., verschiebentlich barüber. Rheinische Braunkohle lagen bei deinem Angebot 2% Proz. schwächer. Ausfallend fest lagen Chemische Heyden, die bet 4- + Notizen 2% Proz. gewannen, unb Akkumulatoren, bie ebenfalls mit + + Zeichen erschienen unb zunächst ausgesetzt würben. Dagegen waren einige Werte bis 2 Proz. schwächer. Reichsschulb- buchforberungen waren % bis % Prozent höher. Jrn Verlaufe erhielt sich bie freundliche Grundstirnmung, doch konnten si chdie anfänglichen G e- winne nicht immer behaupten und es ergaben sich Rückgänge bis 1 P r 0 z., doch konnte man im gleichen Umfange auch Besserungen feststellen. Akkumulatoren taxierte man 10 Proz. über Samstag. Am Berliner Geldmarkt war Tagesgeld in Anbetracht des bevorstehenden Iahresultimos natürlich steifer und nur mit 4%, vereinzelt 4% Proz., erhältlich. Der Ultimo dürfte glatt überwunden werden. Reichswechsel per 25. März unb Reichsschatzanweisungen per 15. Mai roaern fast umsatzlos.
Reichsblmkausweis.
Troß des Weihnachtsgeschäftes Entlastung um 102,6 Will. RW. — Rotenrückfluß 30,5 Will. RW. — Gold- unb Devisenkonto leicht erhöht.
rotb. Berlin, 27. Dez. (Eig. Meld.) Nach bem Ausweis ber Reichsbank vom 23 Dezember 1932 hat sich in ber verflossenen Bankwoche bie gesamte Kapitalanlage ber Bank in Wechseln unb Schecks, ßombarb unb Effekten u m 1 0 2,6 TO i 11. auf 3054,4 Mill RM. verringert. Im einzelnen haben bie Bestäube an Handelswechseln unb Schecks um 61,0 Mill, auf 2545,7 Mill. RM., bie Beftänbe an Reichsfchatzwechfeln um 34,9 Mill, auf 8,5 Mill RM. unb bie Lombardsätze um 7,3 Mill, auf 103,1 Mill. RM. abgenommen, bie Esfek- tenbeftänbe um 0,6 Mill, auf 397,1 Mill. RM. zugenom- men.
An Reichsbanknoteu unb Rentenbank- scheinen finb 30,5 Mill. RM. in bie Kassen ber Reichsbauk zurückgeflossen, unb zwar hat sich ber Umlauf an Reichsbanknoteu um 29,2 auf 3371,2 Mill RM., ber- jenige an Reutenbankscheiuen um 1,3 Mill auf 399,5 Mill. RM. verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Rechsbank an Rentenbankscheineu um 27,5 Mill. RM. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 386,3 Mill. RM. eine Zunahme um 32,2 Mill. RM
Die Bestäude'au Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 1,5 Mill, auf 917,6 Mill. RM. erhöht.
Die Deckung ber Noten durch Gold und deckungs- sähige Devisen betrug am 23. Dezember 27,7 Proz. gegen 26,9 Proz. am Ende ber Vorwoche.
SöNlch-MnfNhr Mehmwumspfl'chtig.
Bis zum 15. Februar 1933. — Mm übertriebener Boreinfuhr entgegenzuwirken.
rotb. Berlin, 27. Dez. (Eig. Meld.) Durch eine Ver- orbnung bes Reichsministers für Ernährung unb Lcmd- wirtschaft und des Reichswirtschaftsministers wird ab 1. Januar 1933 die Einfuhr von Schweineschmalz und Papierholz unter Einfuhrbewilligung gestellt. GinfuhrberoiUigung erteilt ber Reichskommissar für Aus- unb Einfuhrbewilligung in Berlin W. 10, Viktoriastraße 34, für Sch meines ch malz gilt bas Bewilligungsverfahren, bas einer übertriebenen V 0 reiuiuhr e n t» gegenwirken soll, nur bis zum 15. Februar 1 9 3 3. bem Tage bes Außerkrafttretens ber vertraglichen Bindung bes Schweineschmalzzolles.
Bei ber Stellung ber Anträge auf Erteilung einer Einfuhrbewilligung für Schmalz ist folgenbes zu beach-
Umb plötzlich, mit weitausholendem Schritt trabt ber Alte auf ben Schaufler zu unb rennt mit ber ganzen Wucht feines schweren Körpers sein Geweih gegen bie Schaufeln bes Feindes. Krach — Rang — Tang .
Drei Schritte weicht der Schaufler zurück. NWrnt neuen Schwung, senkt tief bas Geweih und stößt vor. Tang.
Der Nebel hat sich verzogen. Silbern glitzert ber Reif auf ben Gräsern, in ber Kiefernhalde ruft ein Unglückshäher, unb am Rande des Hochwaldes stehen die sechs Elchkühe mit erhobenen Häuptern und sehen dem Kampfe zu.
Rang — tang krachen die Geweihe gegen einander, fest in den Boden drücken sich die Hinterläufe, unb bie Vorderläufe stampfen.
Die Geweihe liegen fest zusammengepreßt unb reiben knirschend gegeneinander.
Aus ben Aesern ber Kämpfer stoßen Dampfwalken, die bunklen Körper brängen vor unb zurück, bie Geweihe klirren unb ber Baben bröhnt unter ben Schlägen ber Läufe.
Unb plötzlich — ein schrilles Knirschen — ein jäher Wutschrei.
lief in den Hals des Alten fuhr bie Augensprosse bes Schaufelgeweihs.
Die Sonne hat den Reif geschmolzen. Uederall glitzern farbige Tröpfchen. Mühsam schleppt sich ber Alte dem Moore zu.
Ein Gedanke nur beherrscht ihn und ein Trieb: Wasser.
Zum Wasser zieht er schwankend in langsamem Schritt.
Und wie er den Tümpel erreicht, senkt er den Körper in bie schlammqe Flut, stöhnt unb streckt bie Läuse. Seine Lauscher hängen seitwärts herab.
Und als bie Scmw ihren kurzen Lauf vollendet hat' und roter Schein üb« den Abendhimmel sich breitet, kreist ein Kolkrabe hoch über bem Körper des alten Elchs, unb aus ber rauhen Kehle des Vogels tönt ein freudiger Schrei.
Der vergessene Vries.
Der Wirklichkeit nacherzählt von Georg Eschenbach.
Die Hölle ber Materialschlacht tobte über dem zer. fetzten Land. Zersplitterte Baumstümpfe ragten gefpen« ; stisch in den brauenden Morgennebel der flandrischen Niederung hinaus als letzte Zeugen einstigen blühenden Lebens.
Die Kompanie hockte in ihren Löchern, wartete auf ben Angriff, ber sich bort brüben entwickeln mußte, wartete auf ben Tob, unb bie Gebauten kehrten zurück in bie Heimat, kehrten zurück zum Liebsten, was ber Einzelne im lehmbeschmutzten grauen Rock bort hinten, Hunderte von Kilometern weit zurück, besaß.
Für den Jäger Grotefeld war es ein Mädchen. Aus den Nebeln vor den Scheiben seiner Gasmaske wuchs ihm ein lockendes Bild hervor. Er sah einen blonden Kopf, leuchtende Augen und einen lächelnden Mund, unb er dachte an einen Brief, den das Mädchen vielleicht gerade jetzt in der Hand hielt und las. Seinen Brief.
Sie hatten einander schon lange gekannt, und doch war es nie zur letzten Aussprache gekommen Denn Jäger Groteseld hatte dem Mädchen gegenüber der Mut gefehlt. Sie waren, als er vom letzten Urlaub wieder zurück mußte zur Front, auseinander gegangen wie gute Freunde, unb bas entscheidende Wort blieb unausgesprochen.
Unb beshalb hatte er btefen Brief geschrieben. Tie wenigen Zeilen sollten, wenn er einmal aus bem Hexenkessel Flanderns'zurückkam, wenn ihn ber Tob verschonte, über fein Leben entfdjeiben. Nur eine kurze Antwort hatte er geforbert, um ein einziges Wort gebeten: „Ja!" Vielleicht sprach sie biefes Wort eben aus, vielleicht warf sie es gerabe aufs Papier: „Ja, ich warte auf Dich, bis Du zurückkommst!"
Da kam ber Angriff. Das Bilb zerrann. Verjagt von fpringenben braunen Schatten. Zerfetzt von Hand- g granaten.
Mancher von ber Kompagnie blieb still in ben Trich- tern liegen, als in ber Nacht bie Ablösung kam. Die anberen kehrten nicht alle ins alte Quartier zurück, denn den Leutnant traf unterwegs ein Befehl: „Zur Bahn! Das Regiment sollte sich in einem ruhigeren Abschnitt • von ben Wunben erholen, bie ihm bie flandrische Holle geschlagen hatte.
Nun wartete ber Jäger Groieselb in ben Vogesen auf ben Brief feines Mädchens, auf bas eine Wort. EkW wartete umsonst. Wohl erreichten ihn ein paar 3ei!en, sreunblich wie sonst, boch bas Wort fehlte. Da glaubte er, zu verstehen: Das Mädchen wollte ihn nicht. er schrieb nicht mehr. Er wußte ja, bah es noch andere - gab — einen kannte er gut —, bie um ein freundliches Wort aus bem Munbe bes Mäbchens froh waren. hatte wohl biefer eine ihn oerbrängt —
Beinahe vierzehn Jahre waren feitbem verstrichen. Da kam ein ehemaliger beutfcher Soldat wieder nach Flandern. Er wollte das Land wieder sehen, das er nur aW-fi zerwühlten Sumps gekannt hatte Er sand das chen wieder, in bem er seiner Kompagnie in Quartier 4 gelegen. Er fanb bort auch bas Haus, bas ihm damals mit seiner Gruppe Unterkunft bot. Er fanb selbst beB| Alten roieber, ben bie Jäger damals aus seiner Woh^W ftube hatten verdrängen müssen.
Nun sprachen sie von dem in schweren Monaten gk»W meinfam Erlebten, weckten im Geiste einstiger 4 Feindschaft alte Erinnerungen. Und plötzlich faßte sichN der Quartierwirt an die Stirn: „Beinahe hätte ich vergessen wie damals. Unter Ihren Kameraden war einer, der gab meiner Frau, bevor er in Stellung ginAM einen Brief für Ihre Feldpost. Ein Fliegerangriff in bekW nächsten Nacht trieb uns aus dem Dors, und ber Dries würbe vergessen. Ich fanb ihn erst nach Jahren wieder, als meine Frau gestorben war."
Unb nun kramte der Alte den Brief aus einer Schub- labe hervor unb gab ihm dem Deutschen. Der las blkW Anschrift eines Mädchens, las ben Absender: 3äg**M Groteseld. Er konnte sich nun wohl daran erinnern, fein Kamerad einmal in redseliger Stunde zu ihm voE diesem Mädchen gesprochen hatte. Er wußte, sein Karne- j rab war nach dem Kriege aus seiner Heimat fortgezogen, M boch sie hatten einander ein paarmal geschrieben, unb kannte seine Anschrift. Sie lag irgendwo zu Hause b«a ihm im Schreibtisch. Unb nun lächelte er bei dem (SebatiÄ ten, was bas Mädchen, das inzwischen wohl längst 3ur|| Frau geworden war, sagen würde, wenn die Post b«^> vergilbten Brief aus Flandern brachte.
Er hatte sich freilich in einer Beziehung geirrt: Da»z Mädchen war nicht verheiratet. Es ließ ben Kopf finken, J als es ben Brief in ber Hand hielt, denn nun ahnte warum es damals nichts mehr von ihrem Freund gefjotis hatte. Jetzt las es feine Anschrift. Unb es dachte, woz W sollte es alte, unnütze Erinnerungen wecken, denn war alles schon längst zu spät. JÄ
Doch bann lag plötzlich ber Federhalter in der H°noM bes alten Mäbchens — wie bie Leute es nannten es schrieb bem früheren Freund, wie es nach n^rzeh M Jahren feinen Brief doch noch erhalten: ,Es ist ja ica* jg alles zu spät! Aber ich will nicht, baß Du noch längk W schlecht von mir denkst. Ich habe auf Dich gewartet uN M an keinen anberen gebadjt Du wirst Dich wohl längA getröstet unb eine anbere gefunden haben." Und alte Mädchen zog einen Strich unter dieses Erlebnis, MH ben Alltag nur für Stunden unterbrochen haben foUW Es erwartete keine Antwort. Es schrieb ihm, daß keine haben wollte.
Unb boch kam eine Antwort: „Es ist gar nicht 3*1 spät. Ich hole Dich!"
ND. Frankfurt, 27. Dez. (Eig. Drahtber.) e S würben bezahlwt für je einen Zentner Sebenbcenjüw. i Rinder. Ochsen: vollst, ausgem. höchst. Schlachtt». gere 26—28, sonstige fleischige, jüngere 23—25, tleii<füo« 20—25. — Bullen: jüngere vollst, höchst. Schlacht--- 24—27, sonstige vollst, ober ausgem. 21—23. — AM., jüngere vollst, höchst. Schlachtw. 22—24, sonstige noIlfL ober ausgem. 19—21, fleischige 16—18, gering genäijrte 12—15. Färsen: vollst, ausgem. höchst. Schlacht» 26—29, vollfleischige 23—25, fleischige 20—22. Kälber- Beste Mast- unb Saugkälber 33—36, mittl. Mast. unx Saugkälber 29—32, geringe Kälber 24—28. Schafe- Mastlärnrner u. jüng. Masthammel, Weidemast 23—25' mittl. Masst, u. ält. Masthammel u. gutgen. Schafe 20—22. — Schweine: vollst. Schweine von 240_300
Pfd. Lebendgew. 35—40, vollst. Schweine von 200 bis 240 Pfd Lebendgew. 36—40, vollst. Schweine von 180 bis 200 Pfd. Lebendgew. 35—39, vollst. Schweine von 120—160 Pfd. Lebendgew. 34—38. Auftrieb: Rinder 1059, Ochsen 296, Bullen 270, Kühe 371, Färsen 320, Kälber 710, Schafe 120, Schweine 4425. Marktverkauf- Rinder schleppend, Ueberftanb. Kälber unb Schaf« ruhig, geräumt, Schweine schleppend, Ueberftanb.
In der Irrenanstalt in H e i l 0 0 (Nordhol. land) mürbe ein Pavillon, in dem 100 Kranke un. terqebracht waren, durch Feuer zerstört. Mensche» I leben sind nicht zu beklagen.