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Fuldaer Land und Nachbargebiek

Bilder vom D

Erhöhtes Steueraufkommen

Die Reichseinnahmen im November 1932 Ligen in Millionen Reichsmark bei den St tb Verkehrssteuern 311,3, bei den Zöllen i erbrauchssteuern 193,1, zusammen 594,4.

Am November 1931 sind an Besitz- und l hrssteuern 365,9 (54,6) mehr als im Nov r 1932), an Zöllen und Verbrauchsstet 2,5 (9,4 mehr als im November 1932) au

Der französische Finanzmimster beziffert I Defizit der letzten drei Budgets auf rund Milliarden und das der Staatsbahn auf 10 Milliarden Franks.

Schriftleiter: Dr. vhil. Johanne« Kram

Verantwortlich für allgemeine und kommunale: litik Dr. phil. Johannes Kramer, für Heimat, - fendblatt und religiöse Beilage Dr. oec. pubL 3 eph Sauer, für den übrigen Text Dr. rer. f Karl 2lu ft ermann, alle in Fulda. Verantwort für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendrucki I. P a r z e l l e r.

In einer Meldung aus L a P a z teilt der bolivianis Generalstab mit, daß bolivianische Flugzeuge die St Bahia-Negra erfolgreich mit Bomben bele haben.

Auf der Strahr lot aufgefunden.

— Lad Homburg. In der Kaiser-Wilhelmstratze wurde ein Oberurseler Einwohner mit schweren Ver­letzungen tot aufgefunden. Er ist wahrscheinlich in der Dunkelheit zu Fall gekommen und hat sich dabei einen Schädelbruch zugezogen, der seinen schnellen Tod zur Folge hatte.

Läuerlicher Selbstschutz gegen Einbrecher.

= Au« dem Taunus. In den Dörfern des westlichen und mittleren Taunus macht sich feit einigen Wochen eine Einbrecherbande stark bemerkbar. Es vergeht kaum eine Nacht, in der nicht hier oder dort ein Einbruch verübt wird. Da der ortspolizeiliche Nachtschutz sich als unzureichend erweist, gehen nun die Dörfer zum Selbst­schutz über. In jeder. Nacht durchstreifen schon in zahl­reichen Gemeinden junge Männer, die bewaffnet und oft auch von Hunden begleitet sind, die Dorfstraßen und halten jede irgendwie verdächtige oder fremde Person an. Die Wachen wechseln einander allnächtlich ab und haben sich bis jetzt ausgezeichnet bewährt.

Das neu errichteie Hotel bei Sestri (vberitalien),

die Form eines riesigen Wasserturms ze Hotel wird vor allem Wintersportler bei en, die in der Umgebung ausgezeichnetes? nde vorfinden. Einen beträchtlichen Teil mbaues nimmt eine riesige Wendeltreppe i

Das bevorstehende Vassergesetz.

Der Ständige Ausschuß des Landtags von Thü­ringen nahm am Mittwochabend Kenntnis von dem Notgesetz der Regierung über die Regelung der Rechtsverhältnisse mit Wasser (Wassergesetz). Das Gesetz wird mit Rücksicht auf die Inbetrieb­nahme der Saaletalsperre schon in den nächsten Tagen erlassen werden. Der Landtag wird spä­testens in seiner nächsten Sitzung im Februar dazu Stellung nehmen.

Der Gesetzentwurf bringt die grundsätzliche (Ein­teilung in öffentliche und private Gewässer, regelt die Eiqentumsfrage des Wasserbetts und Wasser- laufs, Gemeinbrauch. Nutzung und Kraft, Gewäs- ferpflege, Unterhaltung. Ausbau. Reinhaltung, Hochwasserschutz und Quellenschutz.

*

Der Aeltestenrat des Thüringer Landtags wird Mitte Januar zusammentreten, um über den Termin für die nächste Landtagssitzung Beschluß zu fassen. Rach der Verfassung muß der Landtag im neuen Kalenderjahr bis spätestens 15. Februar zu einer Sitzung einberufen sein.

Von den Hochschulen.

Streichung eines Lehrstuhls für deutsche Literatur an der Universität Straßburg.

wtb. Paris, 24. Dez. (Eig. Meld.) Das „Journal osficiel" veröffentlicht eine Verordnung, die bestimmt, daß der bisherige Lehrstuhl für zeitgenössische deutsche Literatur an der philosophischen Fakultät der Univer­sität Straßburg in einen Lehrstuhl für zeitgenössi- sch e Geschichte umgewandelt wird.

Siedlung kuk ttof!

Mus dem Siedlungsansfchuß des Reichstags.

I Die Tätigkeit des Siedlungsausfchuffes de Reichstags kann sich nur darauf erstrecken, de neuen Reichsregierung brauchbare Vorschläge fü bie alsbaldige Wiederaufnahme der Siedlunqsar beiten zu machen. Richt nur neue Siedlung tu not, sondern ebenso notwendig ist auch der Schul der früheren Siedler. Darum hatten 3 e n t r u ti I und Bayerische Volks partes auch h einem Antrag von der Reichsregierung gefordert daß die Renten der aus Reichsmitteln angesetztei Siedler ab 1. Juli 1932 von 5 auf 3 v. H. her a b g e s e tz t werben, und die Herabsetzung vorläu fig auf zwei Jahre zu befristen sei. Die Reichs regierung sollte weiter ersucht werden, zu prü I fen, wie weit in einzelnen Stellen noch darüber hin ausgehende Maßnahmen notwendig feien. Diese, I Antrag wurde aber vom Siedlungs-Ausschuß a b gelehnt.

Dagegen fand ein gemeinsamer Antrag der Na tionaliozialisten und Sozialdemokraten Annahme der eine Abänderung dahingehend voz-sieht, bei sämtlichen nach der Inflation entstandenen Sieb' lungen die höhe der Renten zu prüfen und das Ergebnis dem Siedlunqsausschuß vorzulegen.

Der sozialdemokratische Antrag auf Kürzung bzw. Stundung der Darlehensrate aus der wert- schaffenden Arbeitslosenfürsorge zur Errichtung von Land- und Forstarbeiterheimen einschließlich weiterer Anträge auf Nichterhebung von Verzugs­zinsen wurde vertagt, nachdem die Reichsregierung eine Erklärung abgegeben hatte, daß sie ihrerseits jeden einzelnen Fall loyal prüfen werde; die Reichsregierung erklärte sich ferner bereit, sowohl auf die Gesellschaft für öffentliche Arbeiten wie auf die Länderregierungen im gleichen Sinne einwir­ken zu wollen.

Der Vertreter der Bayerischen Volkspartei, Ab­geordneter Huth, erklärte hierzu, daß von den ins­gesamt verwendeten 196 Millionen das Reich 28 Millionen, die Gesellschaft für öffentliche Arbeiten 70 Millionen und die Länder 98 Millionen zur Verfügung zu stellen hätten. Aus grundsätzlichen Erwägungen lehne er es ab, daß im Reichstag über Mittel beschlossen werden solle, für deren Ver­gebung nur die Länderregierungen zu­ständig seien. Auf Antrag des Zentrums und der Bayerischen Dolkspartei, den Dr. Schauff (Ztr.) stellte, wurde die Behandlung dieses sozialdemokra­tischen Antrags aus die näcfjfte Sitzung vertagt. Der grundsätzlich ablehnende Standpunkt des Ver­treters der Bayerischen Volkspartei wurde von der Reichsregierung anerkannt.

Angenommen wurde ferner ein Antrag mehr allgemeiner Natur, die Reichsregierung zu ersu­chen, durch geeignete Maßnahmen eine allgemeine Rentabilität der Landwirtschaft wieder herzustellen, da nur auf diese Weise Voraussetzungen für eine Lösung der vordringlichen Aufgabe der Siedlung geschaffen würden. Die sehr weitgehenden rein agi­tatorischen Anträge der Kommunisten wurden von einer Ausschußmehrheit sämtlich abgelehnt.

Leider zeigte sich bei den Verhandlungen des Siedlungsausschusses des Reichstags das dort bis­her nicht gewohnte Bild, daß von Vertretern ver­schiedener Parteien lediglich agitatorische Reden oe- halten wurden, und daß sie wenig Interesse zeig­ten, an die sachliche Behandlung der ganzen Materie zu gehen.

* Oberst Oscar von Hindenburg, der persiön- kiche Adjutant sieines Vaters und seiner Gemah- Tin Margarete, geb. Freiin von Mahrenholtz, ist eine Tochter geboren worden. Es ist das vierte Kind und die dritte Tochter aus ihrer 1921 gel- schTossenen 'Ehe.

Aus Geisa und Umgebung.

Staatsminister a. D. Baum legt sein Landtags­mandat nieder.

Der ehemalige Staatsminister und Führer der Fraktion des Thüringer Landbundes. Er­win Baum, Gutsbesitzer in Rauschwitz und Generaldirektor der Thüringer hauptgenossen- schäft „Raiffeiienverband", hat mit Wir­kung vom 1. Januar sein Thüringer Land­tagsmandat niedergelegt. Daums Listennachfolger ist Landwirt Otto Keifer, Hopfgarten bei Wei­mar.

Dr. Yen,

chinesische Vertreter beim Völkerbund ift Botschafter seines Landes in Moskau worden.

und umgestürzt. Die Untersuchung ist durch die Gendar­merie eingeleitet, die bereits eine bestimmte Spur ver­folgt.

Die Personalveränderungen der hessischen RS DAP.

— Darmstadt. Die Mitglieder der Landtagsfraktion und die Kreisleiter hielten — nach der „Landeszeitung" — eine gemeinsame Sitzung ab, in der der Kommissarische Gauleiter Sprenger sich vorstellte und der „wegen Erkrankung ausgeschiedene" bisherige Gauleiter Lenz sich verabschiedete. Zum Fraktionsführer wurde dann Gauleiter Abg. Jung (Worms) ernannt, der erklärte, daß die Fraktion wie seither nur der Politik der politi­schen Leitung folgen werde. „Wir sind keine Parlamen­tarier wie all die anderen, sondern politische Soldaten Adolf Hitlers".

Hohe Strafen gegen Schmuggler.

Gefängnis- und Geldstrafen von insgesamt 572 938 RM wegen Tabakschmuggel« und Steuerhinterziehung.

— Mainz. Unter Mithilfe eines Holländers gelang es dem vorbestraften 40jährigen Schachtmeister Karl Pütz aus Viersen, dem vorbestraften 26jährigen Matrosen Karl Hinkel aus Mainz und der 23jährigen Arbeiterin Fran­ziska Billinger aus Mainz-Weisenau, nicht weniger als 393,80 Kgr. unverzollten und unversteuerten holländischen Tabak nach Deutschland einzuführen und hierher zu brin­gen. Von dem Tabak konnten hier noch ungefähr 96 Kgr. durch die Zollfahndungsstelle beschlagnahmt v-< rden, wäh­rend der größte Teil schon unbekannte Abnehmer ge­funden hatte. An dem Absatz de- geschmuggelten Tabaks hatten sich die vorbestraften 27 und 31 Jahre eiten Ar­beiter Philipp Rath und Lorenz Bargon aus Mainz be­teiligt und sich dadurch der Steuerhehlerei schuldig ge­macht. Das hiesige Bezirksschöffengericht verurteilte Putz zu 247 464 RM. Geldstrafe eventl. ein Jahr Gefängnis, einer Wertersatzstrafe von 1250 RM. eventl. zwei Wochen Gefängnis und außerdem zu drei Monaten Gefängnis, Hinkel zu 193 592 RM. Geldstrafe eventl. neun Monate Gefängnis, einer Werterfatzstrafe von 1000 RM. eventl. einer Woche Gefängnis und außerdem zu sechs Monaten Gefängnis. Die.übrigen Angeklagten erhielten Geldstra­fen von rund 54 000 bis 32 000 RM. und Gefängnisstra­fen von einem Jahr bis zu einem Monat.

Fahrlässige Tötung durch Abtreibung.

= Aschaffenburg. Jrn Juli d. I. hatte sich eine Frau aus Großostheim zu ihrer Verwandten nach E l - senfeld begeben, um sich von dieser von einer un­erwünschten Schwangerschaft befreien zu lassen. Die Verwandte nahm zweimal einen Eingriff vor, der sie' jetzt unter Anklage der Abtreibung brachte. Die Frau aus Großostheim erkrankte schwer, bestritt aber dem Arzt gegenüber, daß ein Eingriff vorgenommen worden sei. Erst als die Frau merkte, daß es mit ihr zu Ende ging, gestand sie, daß sie die Ange­klagte um einen unerlaubten Eingriff ersucht habe, und dieser auch vorgenommen worden fei. Am andern Tage starb die 30jährige Frau. Die Sektion ergab, daß durch den Eingriff eine Blutvergiftung verursacht worden war, die den Tod zur Folge hatte. Trotzdem leugnete die An­geklagte hartnäckig. Auf Grund der Sachverständigen­gutachten verurteilte das Gericht die Angeklagte wegen Abtreibung in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung zu fünf Monaten Gefängnis, auf die vier Monate der Unter­suchungshaft angerechnet wurden. Für den Rest gewährte das Gericht Bewährungsfrist und hob den Haftbefehl auf.

* 24 stündiger Waffenstillstand zwischen Boli­vien und Paraguay auf Wunsch des Papstes. Dem Wunsch des Papstes entsprechend haben die Re­gierungen von Bolivien und Paraguay über Weih­nachten in einen 24 ftürtbigen Waffenstillstand ein» gewilligt beginnend am heiligen Abend 22 Uhr. Der Papst hat den Regierungen von Bokivien und Paraguay feine Genugtuung zum Ausruck bringen und feinen lebhaften Wunsch aussprechen Taffen, daß auf den kurszen Waffenstillstand rasch eine bau erhafte Befriedung folgen werde.

Heues aus Frankfurt.

— Von einem Nationalsozialisten erschlagen. Am 21. Mai d. 9s. war es in Kuhwaldsiedlung zu einer Schlä­gerei zwischen Nationalsozialisten uyd Mitglie­dern der Eisernen Front gekommen, wobei der 47jährige Franz Braun von dem Nationalsozialisten Riester mit einer Zaunlatte zusammengeschlagen wurde. Braun hatte für immer die Sprache verloren und Arm und Bein blieben gelähmt. In der vergangenen Nacht ist der Verletzte nach einer notwendig gewordenen Ope­ration gestorben. Der Täter war im November zu fünf Monaten Gefängnis (!) verurteilt worden. (Unter Um­ständen geht der Täter infolge des von den radikalen Parteien beschlossenen Amnestiegesetzes aber straflos aus.)

— Das Lxplosionsunglück im Mönchswatd Vor dem Jugendgericht halte sich wegen fahrlässiger Tötung ein ju­gendlicher Angeklagter zu verantworten, der beschuldigt war, den Tod eines Spielgefährten verschuldet zu haben. Der Angeklagte und einige Kameraden hatten sich vor einigen Wochen im Mönchswald aufgehalten, wo sie aus der Kriegszeit stammende Explosiokörper fanden, die in ein Feuerchen geworfen und zur Explosion gebracht wur­den. Durch Sprengstücke wurde ein Beteiligter derart »erlebt, daß alsbald der Tod eintrat. Der Angeklagte wurde freigesprochen, weil sich nicht einwand- frei erklären ließ, daß ihn ein Verschulden an dem Tod des Kameraden trifft.

Freistaat Hessen.

Todesopfer des Paratyphus im Vogelsberg.

— Gießen. In Gedern hat der Paratyphus ein Todesopfer gefordert. Der 45jährige Sattlermeister Wil­helm Wießner, der kürzlich an Paratyphus erkrankte, ist gestorben.

Erwerbslose stören eine Gemeinderatssihong.

— Kelsterbach. In einer dringenden Gemeinderats, sitzung wurde hier über die Winterhilfeanträge der Er­werbslosen beraten. Aus diesem Anlaß demonstrierte eine größere Anzahl Erwerbsloser vor dem Rathaus. Die Menge machte dem Gemeinderat drohende Zurufe und schlug wiederholt gegen die Fenster des Sitzungslo­kals. Die Polizeibeamten, die einzuschreiten versuchten, wurden zurückgedrängt, so daß sie vom Gummiknüppel Gebrauch machen mußten. Infolge des von den Erwerbs­losen verursachten Tumults mär' eine Weiterführung der Sitzung nicht zu denken. Nach dem Abbruch der Sitzung konnte die Ruhe wiederhergestellt werden.

Schändung eines jüdischen Friedhofes.

— Osthofen. Auf dem an der Provinzialstraße nach Mettenheim gelegenen israelitischen Friedhof wurden eine Reihe von Grabsteinen umgeworfen und zerstört und eine in den Boden in Beton eingelassene Ruhebank abgerissen

Die Gründung des „Deutschen Finanziertm institut A. G." und der „Tilgungskasse für werbliche Kredite" wurde vollzogen.

Aus Oberhessen.

vom Leichenauto totgefahren.

— Marburg. In Alb «Hausen wurde der sieben­jährige Schüler Paul Greding beim Ueberqueren der Dorsstraße von einem Kasseler Leichentransportwagen erfaßt und ein Stück über die eisbedeckte Straße geschleift. Er erlitt dabei schwere Verletzungen an Hals, Kopf und Beinen, die den sofortigen Tod herbeiführten.

Feiern um eine hundertjährige.

— Rüdigheim (Kreis Hanau). Zu einem großen Fest- und Ehrenabend für die „Mutter Wagner" war der ge­strige Abend als Vorabend ihres 100. Geburtstages ge­staltet. Im weihnachtlich geschmückten Saal „Zum Stern" erwartete die Hundertjährige, umgeben von dem Kreis ihrer Kinder und Kinveskinder, die von Nah und Fern gekommenen Gratulanten. Nach Vorträgen des Gesang­vereins der Marienkirche und einem von einer Urenkelin des Geburtstagskindes vorgetragenen Prolog ergriff Landrat Kaiser als Vertreter der Reichs- und Staatsre­gierung das Wort zur Geburtstags- und Glückwn.llch- rebe. Mit dem Verlesen der Ehrenurkunde der Staats­regierung und der Bekanntgabe des Erlasses des Reichs­präsidenten über das Geschenk der Hindenburgtasse über­reichte er dem Geburtstagskind das Ehrengeldgefchenk des Staates. Weiter übermittelten der Bürgermeister für die Gemeinde Rüdigheim, der Pfarrer von Rüdigheim für die Pfarrgemeinde und die Vertreter des Marienkir­chenvorstandes und des Marienkirchenchores unter lieber« reichung von Geschenken weitere Glückwünsche. Die Jubi­larin dankte für die vielen Glückwünsche und lud dann alle Gäste zu einer Tafle Kaffee ein.

Die beste Weihnachtsgabe.

Christkind, laß das Licht der Gnade In die kalten Herzen fallen, Die von falschem' Stolz geblendet Nicht zu Deiner Krippe wallen.

Sende Deine Engel Jenen, Die in Nacht und Dunkel weilen, Daß zu Dir sie gleich den Hirten Gläubig bei. der Botschaft eilen.

Laß ein Stern den Zweiflern scheinen Als des Licht's, der Wahrheit Fülle, Der zur rechten Bahn sie leitet Und zerreißt des Zweifels Hülle.

Ruf' sie all' zu Deiner Krippe, Daß sie der Verheißung lauschen: „Ehre bringt Gott in der Höhe", Um hier Frieden einzutauschen.

O, daß diese Weihnachtsgabe

Alle zum Geschenk empfingen

Und in fel’gem Himmelsfrieden

Dann den Weg durch's Leben gingen!

Fulda. h Richard Ätzer t.

Der Lhrist-StoUen.

Von Heinrich Zerkaulen.

Drüben, über dem großen Wasser, feiert man Weih- nachten. Nur, daß der Nadelgeruch der Tanne fehlt, das Wachs, das von den Kerzen tropft, die Krippenfiguren, in Andacht versunken.

Mister Blank fühlt sehr genau, was fehlt. Mister Blank ist ein Deutscher und heißt in Wirklichkeit Gerhard

Schwarzer. Aber in Amerika kann man bieten Namen nicht aussprechen, so hat er ihn übersetzen müssen.

Doch bas anbere läßt sich nicht übersetzen. Nicht diese deutsche Weihnacht, nicht dieses ewige Heimweh, die übrige Zeit des Jahres mühsam niedergehalten. Um Weihnachten bricht es bann elementar aus.

Da hat ihm seine Mutter geschrieben, ein Fräulein Hilde Müller, unterwegs nach Amerika, bringe für ihn ein Paket mit, einen Christstollen. Gerhard möge das Fräulein Hilde Müller am Schift' erwarten und auch sonst sich der Dame ein wenig annehmen. Die Müllers feien sehr nette und solide Leute. Das Fräulein wolle in Amerika Verwandte besuchen.

Am Pier von Newyork freut sich also Mister Black auf das Schiff. Das Schiff kommt, das Fräulein aber mar schon in Boston ausgestiegen. Er kennt das Mäd­chen nicht, das Mädchen kennt ihn nicht. Auf diese Weise ist der Christstollen überfällig geworden.

Und nun versieht Mister Black am Weihnachtsabend feinen Dienst als Hoteldirektor. In den vier Ecken der großen Halle stehen die hohen Fichten für die Gäste. Aber es duftet kein Wachs, kein Rauschgold knistert, mit buntfarbigen elektrischen Birnen statt Kerzen sind die Fichten besteckt, und die Musik spielt Weihnachtslieder.

Mister Black wendet sich für Sekunden ab, ehe seine Augen wieder mechanisch über die Tische des Speisesaals gleiten, der seiner Obhut untersteht. Was ist das für eiv Leben! denkt er. Jahr um Jahr so, und ganz allein, und alles nur, um Dollars zuverdienen. Weil in der Heimat kein Platz für ihn ist. Weil man als gemachter Mann zurückkommen muß, um in Deutschland von neuem zu beginnen. Beliebte Heimat, denkt Mister Black, ich hänge zwischen zwei Erdteilen und bin außer Kurs gesetzt. Ich gleiche dem Weihnachtsbaum, der eie?, irische Birnen statt Wachskerzen trägt.

Doch nun verfängt sich sein Blick. Er sieht eine Dame, die vergeblich sich müht, bas Fleisch auf dem Teller mit dem stumpfen Messer zu zerschneiden. Mister Black lächelt: eine Deutsche.

Auf Deutsch redet er sie an: „Ich lasse Ihnen ein scharfes Messer bringen, Gnädigste."

Sie wundert sich. Spricht sie ein so schlechtes Eng­lisch, daß man ihr gleich die Nationalität anmerkt?

„Gnädigste wissen noch nicht, daß in Amerika bas Fleisch nicht geschnitten wird. Daher bas stumpfe Messer. Das Fleisch wird getrennt." Mister Black er­klärt es sehr behutsam. „Es gibt manches in Amerika, bas anbers scheint als bei uns zu Hause." Er ist glück­lich, einmal in seiner Heimatsprache reden zu können.

Das Fräulein hört ihm zu und fühlt, er hat Heim­weh. Sie erinnert sich eines halb vertrockneten Christ- ftollens. Sie wird den Christstollen wieder mit nach Deutschland zurücknehmen, damit man daheim nicht glaubt, sie habe ihn selber gegessen.

Mister Black ober Gerhard Schwarzer ist nicht aufzu­finden in Newyork. Entweder stimmt seine Adresse nicht mehr oder seine Mutter hat Hilde Müller falsch unterrichtet. Aus jeden Fall, die Mission Schwarzer ist gescheitert. Schade, sie hätte der guten alten Mutter gerne den Gefallen getan. Einen Sohn in Amerika — Hilde Müller kann das jetzt nachfühlen. Sie hat ihre Augen ordentlich ausgemacht in der neuen Welt. Sie wollte ursprünglich bei ihren Verwandten in Boston bleiben, sie fährt doch lieber wieder nach Hause. Mag es in Deutschland knapp hergehen — es bleibt doch die Heimat, man spricht doch die gleiche Sprache. Und so lächerlich es anmutet — man schneidet doch mit schar­fem Messer bas Fleisch auf bem Teller.

Dieser Hoteldirektor etwa mit seinen elektrisch be­leuchteten Fichten, er redet und redet. Er vergißt alle übrigen Gäste, weil das Heimweh in seinen Augen lauert. Weil Weihnachten ist. Weil die Kapelle Weih­nachtslieder spielt, die man doch nur fingen kann. Weil nur das deutsche Christkind seine Geschenke unter den Tannenbaum legt. Sie ist voller Mitleid.

„Leben Sie schon lange hier?" fragt Hilde Müller den Mister Black.

„Es langt, um Heimweh zu kriegen. Zum Beispiel

nach einem Christstollen, der überfällig geworden."

„Ach —" Und nach einer Pause, während der sie l sich selber noch ringt: „Darf ich Ihnen aushelfen?"

„Womit?"

„Mit einem Christstollen aus Deutschland.«

Und nun erzählt sie ihm die ganze Geschichte mit b Christstollen, erzählt auch von ber guten alten 51 Schwarzer. Dem Herrn Schwarzer, wenn sie ihn troffen, ihm würde sie das Herz schon heiß geredet 1 ben von feiner Mutter.

„Aber es soll leider nicht fein", beendet Hilde Mül ihren Bericht. „Die Adresse stimmt nicht. Ich f<br ihm von Boston aus nach Newyork, der Bries kam uni stellbar zurück. Ich schrieb es auch Frau Schwarz doch ehe sie aus Deutschland die neue Adresse schick kann, bin ich längst wieder auf dem Wasser."

Der Hoteldirettor aber ist ganz still geworden, hat sie kein einziges Mal unterbrochen. Er hat sich M ihr gegenüber an den Tisch gesetzt.

Plötzlich beugt er sich vor, seine Augen leuchten: freue mich ja so unendlich — Fräulein Hilde Müller -

„Wie?"

„Jetzt dürfen Sie getrost und ohne Bedenken 9br Christstollen auspacken — Fräulein Hilde Müller."

„Wie?" —

So wurde Mister Black an diesem Abend wieder t Gerhard Schwarzer. Und es stimmte auch nicht, daß b Christstollen vertrocknet gewesen. Er schmeckte im ® genteil frisch wie aus Mutters Backofen. Es duftete 1 gar noch nach Tanne und Wachs an diesem Weihnacht abend fern der Heimat.

Und am Ende begleitete Gerhard Schwarzer Fräs lein Hilde Müller auf dem gleichen Dampfer zurück 1 die Heimat. Da sie einige Monate später heiratete wunderten sich die Hochzeitsgäste, daß mitten im So» mer Christstollen auf die Tafel kamen.

Aber das hatte sich Mutter Schwarzer nicht nehme lassen. Sie wußte schon, weshalb. Und Gerhard un Hilde wußten es auch.