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Die Wirtschaft der Woche.

Don Dr. A. R o

Weihnachten

Ist es nicht lächerlich-banal, das innigste aller deut­schen Feste mit der nüchternen, ja brutalen Wirklichkeit unserer heutigen Wirtschaft in Zusammenhang zu brin­gen? Welche Beziehung könnte zwischen der holden Geistigkeit des weihnachtlichen Zaubers und dem un­barmherzigen Kampf der Menschen und Maschinen un­tereinander um ein Plätzchen an der großen Tafel des Lebens bestehen?

Und doch liegt das Geistige und Materielle nicht so weit auseinander, wie es scheinen möchte, und zumal die heutige Weihnacht einer gequälten, zermürbten, der Verzweiflung zugänglichen Menschheit läßt Sie enge Ver- bundenheit des Ablaufs der äußeren wirtschaftlichen Ge­schehnisse und der inneren weihnachtlichen Haltung der Menschen erkennen. Gewiß, als Freudebringerin kann heute die Wirtschaft nicht auf treten; aber wenn die Welt von so viel Unfrieden erfüllt zu sein scheint, ist es da nicht angebracht, einmal darüber nachzudenken, daß wir uns doch bei dieser heutigen Weihnacht in einem über­raschend friedlichen Zustand befinden? Von dem Wahn einer heiteren Ruhe in den politischen und wirtschaft­lichen Entwicklungen, die dem Einzelnen ein Leben in ungetrübter Feiertagsstimmung erlauben könnte, ist die Wirklichkeit natürlich weit entfernt und immer entfernt gewesen. Aber ist es denn so selbstverständlich, daß wir diese Weihnacht mit wiederum 6 Millionen Arbeitslosen begehen können, ohne daß das ganze staatliche, soziale und wirtschaftliche Gefüge mit unge­heurer Gewalt gesprengt und ins Chaos verwandelte wurde? Denken wir uns doch einmal drei Jahre zurück, an Weihnachten 1929, als bereits bei knapp 3 Millio­nen Arbeitslosen die schwerste Besorgnis über die er­warteten katastrophalen Folgen der damaligen kritischen Zuspitzung bestand: wer hätte sich damals eine Vorstel­lung davon machen können, daß Deutschland nicht nur im nächsten Jahre 4.4 Millionen Arbeitslose ertragen, sondern sogar in den beiden darauf folgenden Jahren je etwa 6 Millionen ernähren könnte? Wir wollen ganz ehrlich bekennen: auch wir Praktiker und Theoretiker der Wirtschaft, die wir mit weiterem Blick die tieferen Zu­sammenhänge durchschauen und etwas tiefer in die künf­tigen Entwicklungsmöglichkeiten hineinleuchten können, keiner von uns hätte es für möglich Hal» t e n können, daß trotz einer solchen B e - lastung des Volkes bie staatliche Autvri- töt und Einheit gewahrt, die deutsche Währung als eine der besten der Welt behauptet, die 11 Milliarden Mark Spar­guthaben gesichert und obendrein dem Ausland in zwei Jahren mehr als 6 Mil» liardenMarkSchuldenzurückgezahltwer- den könnten. Und doch ist es geschehen, und wir haben allen Anlaß, uns einmal recht eindringlich mit dem Gedanken zu beschäftigen, daß sich hier etwas wie ein wirtschaftliches Wunder ereignet hat, wie es die ganze Weltgeschichte noch nicht kennt, daß auch unsere viel gelästerte Wirtschaft dem Ansturm von Kräften standgehalten hat, der über jede bisherige Vorstellung hinausging. Die ausschweifendste Phantasie konnte sich nicht ausmalen, wie gewaltig eine Volkwirt- schäft überhaupt angespannt werden könnte, vermochte nicht zu ahnen, was die deutsche Wirtschaft in den Jah­ren 1931 und 1932 auszuhalten haben würde, konnte nicht wagen zu erwarten, daß eine solche Belastung an­ders als mit einem ungeheuren Bersten aller bestehen­den staatlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zusam­menhänge enden könnte. Und doch, das scheinbar Un­mögliche ist Wirklichkeit geworden, es hat Risse gegeben, Lawinen sind zu Tal gegangen und Orkane haben

II. Frankfurt a. M.

der Wirtschaft.

Stimme Verwüstungen angerichtet, aber der B l o ck d e r irtschaft ist f e ft geblieben und zeigt zusehends Spuren der Kräftigung.

Ein Wunder? Wir kennen das Wort aus Deutsch­lands Milliarden- und Billionenzeit, als der Hexentanz der Währungszerrüttung mit einemmate fein Ende fand, dem einfachen Geiste damals ein fast unverständlicher Vorgang. Damals sprach die Welt von dem „deut­schen Wunder", als welches die neue Renten- mark angesehen wurde. Und doch handelt es sich kei- neswetzs um etwas Wunderbares, sondern nur darum, daß die einfachsten wirtschaftlichen Tatsachen und For­derungen beachtet worden waren.

Und so möchte auch das heutige Wunder, daß die deutsche Wirtschaft nach den vorhergegangenen Stürmen überhaupt noch besteht, weniger als etwas sozusagen Ueberirdisches erscheinen, als vielmehr nach zwei Rich, tungen hin eine tröstliche Gewißheit geben. Einmal, daß ein Volk, eine Volkswirtschaft unge­heure Kräfte in sich birgt, die sich erfolgreich gegen die denkbar schlimmsten Belastungen zur Wehr setzen, wenn nicht der ganze staatliche und wirtschaftliche Bau wie in der russischen Revolution endgültig niedergeknüp» pelt wird. Und zum anderen, daß die Wiederbeachtung einiger wirtschaftlicher Grundgesetze genügt, um in kur­zer Zeit einen wunderbar erscheinenden Wandel herbei- zuführen. Das Jahr 193 2 muß im Ablaufe der großen Weltkrise gewertet werden als den Beginn einer langsamen Rückkehr wirtschaftlicher Vernunft, die einmal aufgeräumt hat mit dem Wahn­sinn der Reparationen und die zum anderen den Nervenzusammenbruch der Welt vom Som­mer 1931 allmählich wieder heilen läßt. Das sind die beiden wichtigsten Ergebnisse dieses Jahres, womit ein Teil der für eine durchgreifende Wendi erforderlichen Voraussetzungen geschaffen ist. Allerdings ein Teil nur, und so wird sich bas neue Jahr hauptsächlich mit b r e i weiteren schweren Problemen auseinanberzusetzen haben, der wirtschaftlichen Erleichterung der Welt durch Abrüstung, der Losung der internationalen Ser« fdjulbungsfrage und der Auflockerung der handelspolitischen Vereisung.

Im Ablauf unseres persönlichen Einzelschicksals ge­sehen erscheint uns der Gang der Dinge außerordentlich schleppend, und von diesem Gesichtspunkt wird wohl auch das Tempo des nächsten Jahres kaum ein sehr stürmisches fein. Denkt man aber über den Zeitraum von ein paar Jahren hinweg, so kommt einem der Sturmschritt der Zeit schon recht deutlich zum Bewußt­sein. Und so wird die Zeit nicht allzu ferne fein, in der wir an so manche Kleinmütig« feit unserer Tage lächelnd zurückdenken werden. Wenn es heute Männer mit berühmten Namen gibt, die geradezu ein Ende der gewaltigen technischen und wirtschaftlichen Entwicklung der letzten drei Jahr­zehnte predigen, so werden vermutlich wir selbst noch an sie mit den gleichen Gefühlen uns erinnern, mit denen wir manchen illustren Namen vor 80 und 100 Jahren wegen seiner damaligen Haltung gegenüber dem begin­nenden technischen Fortschritt der Lächerlichkeit anheim- gefallen sehen. Die technische und wirtschaftliche Ent­wicklung der Menschheit ist aufgehalten und verzögert worden, aber nie wird sie beendigt sein, solange die Welt bestehen wird. Und unseren Enkeln werden diese Jahre der Unterbrechung nur noch als eine Episode erscheinen.

Sollte dieses Bewußtsein uns am Weihnachtsfeste nicht einmal über die unmittelbaren Nöte unserer Zeit und unseres Einzelschicksals hinauswachsen lassen?

Was brachte das Wirtschaftsjahr 1932 ?

Die Industrie« und Handelskammer Berlin gibt auch in diesem Jahre als eine der ersten derartigen Organisationen den Jahresbericht für 19 3 2 heraus. Dieser Bericht hat immer starkes In­teresse gefunden, weil die Handelskammer Berlin einen nz besonders wichtigen, dazu außerordentlich ausge« eiteten und mannigfach gestalteten Wirtschaftsbezirk

innerhalb der deutschen (Baue erfaßt. Die Diagnosen und Prognosen dieses Instituts haben in der deutschen Wirt­schaft stets eine stark« Beachtung gefunden. Darum wirb auch der jetzige Bericht in allen wirtschaftlich in­teressierten Kreisen besonderem Interesse begegnen.

Zwei Hauptfragen erfordern eine nähere Unter­suchung und Beantwortung. Einmal die Frage nach dem

verlaus des Wirtschaftsjahres 1932,

und zum Zweiten die Frage,

welche Aussichten bielek 1933?

Das Wirtschaftsjahr zeigt gemäß den Ausführungen des Berichtes der Handelskammer zu Berlin die folgen­den zwei erkennbar getrennten Abschnitte:

1. Der Ablauf der Weltwirtschaftskrise (Januar bis April).

2. Die Krisenwende und die Bemühungen um den Konjunkturanstieg (Mai bis Jahreswende).

Im einzelnen ist zu diesen beiden Teilen des Wirt­schaftsjahres folgendes auszuführen:

1. Der Ablauf der Weltwirtschaftskrife.

(Januar bis April.)

In diesem ersten Berichtsabschnitt ließen sich sowohl in der Weltwirtschaft als auch in der innerdeutschen Lage kaum Anzeichen einer konjunkturellen Besserung beobachten. Die internationale Vertrauenskrise dauerte, wenn auch in verminderter Stärke, weiter an. Politische Verwicklungen in Spanien, Irland, im Memelgebiet, ferner in Indien und Ostasien verschärften die wirt­schaftliche Lage. Die Absperrungspolitik im internatio­nalen Warenaustausch griff weiter um sich. England verwirklichte die schon Ende 1931 begonnene Abkehr vom Freihandel und errichtete eine Schutzzollmauer zur Stützung der heimischen Industrien. Holland folgte dem französischen Beispiel in der Einführung von Kontin­genten, und auch die Schweiz versuchte, die eigene Volks­wirtschaft durch Erschwerung der Einfuhr ausländischer Erzeugnisse zu stützen. Die Ungeklartheit der Repara- tionssrage, die durch das Baseler Kompromißgutachten und die Hinausschiebung der Reparationskonferenz wei­terhin ein die Gesamtlage der Weltwirtschaft bedrücken­des Problem blieb, trug zur Vermehrung der weltwirt­schaftlichen Beunruhigung bei. Lediglich in den Ber­einigten Staaten konnten in der Reconstruction Finance Corporation und der Bereitstellung großer Kredite für die Stützung der Eisenbahnen, der Banken und der In­dustrie gewisse produktive Aufbaumaßnahmen beobachtet werden.

In Deutschland waren neben den ungünstigen Ausstrahlungen der weltwirtschaftlichen Geschehnisse nock) besondere beunruhigend und krifenverschärserrd wirkende Ereignisse zu verzeichnen. In diesen Zeitabschnitt fiel die Reichsprüsidentenwahl mit ihren inner» politischen Begleiterscheinungen. Erfreulich war dagegen, daß nach längeren Stillhalteverhandlungen am 23. Jan. der Abschluß des „Deutschen Kreditabkom­mens 19 3 2" erzielt und damit eine Erschütterung des Kapitalmarktes von dieser Seite her vermieden werden konnte. Jedoch beunruhigten die Wirtschaft die sich im­mer mehr bemerkbar machenden Haushalts- Schwierigkeiten der Länder und Gemein- den, die vereinzelt erstmals ihren fälligen Schuldver­pflichtungen nicht mehr nachkommen konnten. Auf dem Gebiete des Bankwesens erfolgte die Beendigung der mit weitgehender Reichshilfe durchg«führten Reorgani­sation. In Fortsetzung der Ende 1931 eingeleiteten Po- litik der behördlichen Beeinflußung des Preis­abbaus wurde eine Anzahl von Preisherabsetzungen

Ihr Radio-Iachmann

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auf den verschiedensten Gebieten der Wirtschaft und u. a. auch der Regelung der Bankzinsen vorgenommen. Die mit dem weiteren Konjunkturabstieg auf natürlicher Entwicklung begründete Fortsetzung des Preisrückganges ließ bann in den späteren Monaten des Berichtsjahres die Tätigkeit des Reichskommissars für Preisüber, wachung in den Hintergrund treten. Als ein Konsoli­dierungszeichen konnte die zunächst ohne amtliche Kurs- ieststellung erfotgenbe Wiede re röfsnung der Börsen in Berlin und Frankfurt am 25. Februar ge­wertet werden. Im übrigen waren aber diese ersten vier Monate des Jahres für Deutschland ein Abstieg weiter anhaltend er Konjunk» turabstiegs, verbunden mit ein er Schrumpfung des W ir t fcha ft s v o lu m e n s und einem weiteren Preisversall. Die saisonmäßig zu erwartenden Belebungen setzten infolge dieser Verhältnisse überhaupt nicht ober erft erheblich später ein, und die Zahl der Arbeitslosen erreichte mit 6129 Mill, im März einen bis dahin in der deut­schen Wirtschaftsgeschichte noch nicht erlebten Höchst­stand. Aber schon Anfang März waren in der Welt­wirtschaft, ausgehend von den zielbewußt geführten amerikanischen Kreditausweitungsma tz- nah men und den damit verbundenen Bewegungen an den amerikanischen Effekten- und Warenbörsen, schwach wahrnehmbare Beruhigungstenbenzen zu beobachten. Unglücklicherweise setzten in diesem Zeitpunkt die Schwie­rigkeiten des Kreugerkonzerns mit den zunächst außer- ordentlich störenden Folgen ein, die eine, wenn auch nur kurze Zeit anhaltende internationale Beunruhi­gung der Gesamtlage verursachten. Der durch den Tod Ivar Kreugers Mitte März eingeleitete Zusammen- bruch des Kreuger-Konzerns, welcher, ähnlich den Schwierigkeiten der Oesterreichischen Kreditanstalt, die Welt völlig unerwartet überraschte, ist, verglichen mit den Störungen früherer Zusammenbrüche, eigentlich ebenso schnell überwunden worben. Der Kreuger-Krach hat sich im wesentlichen auf ben Niebergang der Kreuger- schon Unternehmungen und einzelner von ihnen ab­hängiger Bankinstitute beschränkt und nachhaltige Ein­wirkungen lediglich für Schweden selbst herbeigeführt. Schwaden, das durch den Aufstieg Ivar Kreugers zu be­tonterer Bedeutung innerhalb der Weltwirtschaft ge­langt war, mußte nunmehr einen starken Rückschlag hm- nehmen. Die international betrachtet schnelle Ueber- windung des Niederganges dieses größten privatkapi­talistischen Konzerngebildes muß nachträglich als ein An­zeichen für die größer« Krisenfestigkeit der Weltwirtschaft gewertet werden, oder besser aus- gedrückt, dafür, baß bie beteiligten Wirtschaftskreise nach den vielen Erschütterungen aller Art bei ber Ueberwin- bung dieser Zusammenbrüche schon eine geroife Routine beweisen konnten. Im Zusammenhana hiermit ist denn auch trotz der Kreugerkrise in vielen Ländern die schon in den ersten Monaten des Verichtsiahres schwach wahr- oenommene internationale Erholung bald wieder ver­stärkt bemerkbar gewesen.

2. firifenroenbe und die Bemühungen am den fionjunfhiranffieg (Mai bis Jahresende).

Gegen Anfang Mai wurde die Erkenntnis von ber mit Ausnahme von Schweben bereits erfolgten lieber- Windung des Kreuger-Zufammenbruchs offenbar und bracht« allgemein eine Abbkehr von dem zunächst be­fürchteten Rückfall zu einem weiteren Konjunkturabftieg. Die amerikanischen Maßnahmen und Stimmungen auf ben Kapital- und Rohstoffmärkten wurden hoff­nungsvoller beurteilt. Der Geldmarkt be­gann sich in USA. und England sowie allmählich auch in Frankreich stärker zu verflüssigen. Die Zins­sätze für kurzfristige Leihgelber sanken vielfach unter % bis 1 v. H., beide Symptome begrüßenswert als Dor- bedingung für eine Besserung der Wirtschaft. Die Re- parationsfrage und bie Absperrungen im Warenaus- tausch wurden allseitig als Hemmung für ben Wieder- anstieg empfunden; es erfolgte von englischer Seite der Vorschlag der Weltwirtschaftskonserenz, und in Lausanne wurde eines der Hauvtübel für die Un­ruhe in ber Weltwirtschaft, das Reparations­problem, einem gewissen Abschluß entgegengeführt. Die britische Reichskonferenz in Ottawa brachte dann allerdings in bezug auf die notwendige Rückkehr zum freien Warenaustausch in ben Derein-

Das größte Schiffs-Hebewerk -er Wett.

Duck auf das Hebewerk Niederfinow.

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das im nächsten Jahre in Betrieb gekommen werden dürste. Die Anlage, die 88 Meter lang un8 16 Meter breit ist, dient dazu, Schiffe bis zu 1000 Tonnen vom Hohenzollernkanal auf das Oder- Niveau zu heben. Dabei wird ein Höhenunterschied von 36 Meter überwunden.

barungen Englands mit ben Dominions über die wechsel­seitige Bevorzugung einen Rückschritt auf dem Gebiete der Handelspolitik. Die Schwierigkeiten der A b r ü • stungskonserenz und die Verknüpfung des Ab- rüstungsgedankens mit der Regelung der A11 i i e r t en- schulden an die Vereinigten Staaten, verbunden mit der abwartenden Haltung bis zum amerikanischen Prä- sideistschaftswechsel, verzögerten im letzten Quartal des Berichtsjahres die internationale Gemeinschaftsarbeit an der Freimachung des Bodens für eine Besserung der Weltwirtschaft. Dagegen wurde die Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz, wenn auch vorläufig über der. Zeitpunkt ihre Abhaltung unter den Regierungen noch keine Einigung erzielt ist, durch die Sack-verständigen der einzelnen Länder weiter gefördert. Im ganzen be­trachtet, war international die Wirtschaftslage im zweiten Halbjahr, ausgehend von den Rohstoffmärkten etwas günstiger, und die erstmals wieder leicht aufwärts zeigende Preisbewegung gab den Gewerbetreibenden bie Hoffnung, daß der Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise ü b e r f d> r i 11 en wurde.

In Deutschland nahm dagegen bie Krise in­folge der aus besonderen Gründen noch verschärften Lage auch in diesem Zeitabschnitt zunächst weiterhin ihren Ablauf, ohne daß sich gleichartige Besserungs­erscheinungen bemerkbar machten. Zu der v e r ft ä ft - ten Abschließung im Außenhandel (u. a. die Kündigung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages unsererseits, die einfetzenden Repressalien gegen den deut­sche n Butt er,zoll und gegen die deutschen Devisenmaß­nahmen) kamen bie politischen Unruhen durch die ver­schiedenen Wahlen. Infolge der katastrophalen Sage d«s Weltfrachtmarktes wurde die Lage der deutschen Groß­reedereien kritisch und erforderte ein« Reichssanierung. Hinzu kam, daß sowohl Reich wie Preußen erhebliche Etatdefizite nicht zuletzt infolge der Anforderun­gen durch die Arbeitslosenhilfe, aufwiesen, und daß die Schwierigkeiten in Kommunalfinanzen Zunah­men. Die weitere innerpolitische Zuspitzung führte zum Regierungswechsel im Reich. Es folgten, wie bereits er­wähnt, die Verhandlungen und der Vertrag von Lau­sanne, ohne daß hierdurch die Wirtschaftslage in Deutschland unmittelbar eine sofortige Besserung er­fuhr. Die Reichstagsauflösungen und Neu­wahlen brachten neue Unruhe "ins Wirtschafts­leben. Infolge dieser Vorgänge im Verein mit den weltwirtschaftlichen Abschließungen und Störungen hat­ten wir noch ein« Versvätung und Verminderung der üblichen sommerlichen Arbeitsmarktentlastung zu ver­zeichnen.

Trotz aller dieser beunruhigenden Momente ließen jedoch die Sommermonate schon gewisse erfreuliche Kennzeichen wahrnehmen, vor allem des Aus­bleibens einer weiteren Verschlechte­rung. Rein tatsächliche Anzeichen eines Umschwungs, wie im Auslande die GeldmarktverflWgung, Börsen- besserung und Anziehen der Rohstofspreise. waren bei uns im großen und ganzen nicht, bezw. nicht in gleichem Ausmaß wahrnehmbar, wenn auch eine leichte Verflüs­sigung für kurzfristige Gelder und eine Ueberwindung der Kurstiefpunkte der Börse zu beobachten war. Unter der Voraussetzung, daß der Krisentiefpunkt im Kon­junkturzyklus erreicht sei, ergriff nunmehr die Reichs- regierung die Initiative zu einer bewußten A n - furbelung der deutschen Wirtschaft durch ihr Wirtschastsprogramm vom 28. Aug. 1932. Die aus ber zunächst psychologischen Ankurbelung beutlich spür­baren Auftriebstendenzen wurden jedoch durch die handelsvolitischen Mißerfolge in den diesem Ziel ge­widmeten Verhandlungen mit ben uns umgebenden europäischen Ländern nicht unwesentlich gehemmt. Gerade eine zunächst mehr psychologisch als tatsächliche gestützte „Ankurbelung" bedurfte aber einer Bewahrung vor unnötiger Beunruhigung aus politischen, wirllchasts- politischen ober handelspolitischen Rücksichten. Es ist ein erfreuliches Zeichen für die Sage, daß trotz dieser wirtschaftlichen Schwierigkeiten für die Auswirkung der Ankurbelungsaktion zum Ende des Jahres 19 3 2 mehr Anze ichen für eine leichte Besse­rung als für Stagnation oder weiteren Abstieg ber beutschen Wirtschaft vorhan­den sind. (Schluß folgt.)

Fuldaer Buff er mar ft

— Fulda, 24. Dez. Am heutigen Buttermarkt be­zahlte man für bas Pfund Sanbbutter 1.10 bis 1.20 RM., für Eier burchschnitllich 12 Psg. per Stück. In Gänsen, bie zu sehr unterschieblichen Preisen, bis zu 80 Psg. pro Psunb, angeboten waren, verblieb Ueberftanb.

Aufdaer Schweiaemarkk.

= Fulda, 24. Dez. Zum heutigen Schweinemarkt waren 38 Ferkel aufgetrieben. Die Preise betrugen für Ferkel bis zu 6 Wochen 8 RM., bis zu 8 Wochen 12 RM. und für solche bis zu 13 Wochen 16 RM. Größere Tiere wurden über Notiz bezahlt.

Die neue Eisenbahnlinie, die das Schwarze Meer mit dem Aegäischen Meer verbindet, wurde am Donnerstag eröffnet.

Dom Rundfunk.

— Silvester im Rundfunk. Am letzten Tage des alten Jahres wird unter Mitwirkung aller deutschen Sender zum ersten Male der Versuch gemacht, den ganzen deut­schen Rundfunk in einer sogenannten deutschen Ring- sendung zu vereinen. Bei dieser Ringsendung werden geschlossene Teile des Programms abwechselnd von je­der der deutschen Senbegeikllschaften auf das gesamte Sendenetz übertragen. Die Programmfolge ist von den künstlerischen Bettungen der Sendegesellschaften ge­meinsam aufgestellt worden. Dabei wurden den ein­zelnen Sendern, um Wiederholungen zu vermeiden, solch« Gattungen des Rundsunkprogramms zur Durch- sührung überlassen, die sich im Saufe der Zeit charakte­ristisch entwickelt haben. Jede Sendegeiellschast ist mit 40 Minuten an dem Gesamtprogramm beteiligt, ’o daß die Sendung von 19.30 bis kurz vor ber Jahres­wende dauert.

Frankfurter Oper.

Sonntag, 25. Dez.: Ans. 15% Uhr, Ende 17% Uhr? Der gestiefelte Kater. Anfang 19 Uhr, Ende nach 2294 Uhr: Der Rosenkavalier.

Montag, 26. Dez.: Anfang 15 Uhr, Ende 1714 Uhr* Im weißen Röhl. Anfang 19% Uhr, Ende 22%: Erstes Gastspiel Margit Suchy Wien—Berlin: Die Csardas- sürstin.

Dienstag, 27. Dez.: Die Entführung aus dem Serail. Anfang 20 Uhr, Ende nach 22)4 Uhr.

Mittwoch, 28. Dez.: Anf. 15)4 Uhr, Ende 17% Uhr: Der gestiefelte Kater. Anf. 19)4 Uhr, Ende 22)4 Uhr: Don Carlos.

Donnerstag, 29. Dez.: Undine. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.

Freitag, 30. Dez.: Die Zauberflöte. Anf. 19)4 Uhr,

Samstag, 31. Dez.: Anf. 15)4 Uhr, Ende 17% Uhr: Der gestiefelte Kater. Anfang 19 Uhr, Ende 22% Uhr: Zweites und letztes Gastspiel Margit Suchy, Wien- Berlin: Die Csardassürstin.

Sonntag, 1. Jan.: Anf. 15)4 Uhr, Ende 17% Uhr: Der gestiefelte Kater. Anf. 1954 Uhr, Ende gegen 23 Uhr: Tannhäuser.

Montag, 2. Jan.: Geschlossen.

Frankfurter Schauspiele.

Sonntag, 25. Dez.: Zum Abschluß des Goethejahres Faust I. Teil. Anf. 17 Uhr, Ende 22 Uhr.

Montag, 26. Dez.: Der Hauptmann von Köpenick. Anf. 15 Uhr, Ende 18% Uhr. Der Verschwender. Ans. 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.

Dienstag, 27. Dez.: Der Verschwender. Anf. 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.

Mittwoch, 28. Dez.: Hedda Gabler. Anfang 20 Uhr, Ende 2254 Uhr.

Donnerstag, 29. Dez.: Moral. Ans. 20 Uhr, Ende gegen 22)4 Uhr.

Freitag, 30. Dez.: Der Verschwender. Anf. 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.

Samstag, 31. Dez.: Zum ersten Male: Die Journa­listen, nach Gustav Freyiags Sustspiel von Felix Joachim- son. Musik von Theo Mackeben . Anfang 19 Uhr, Ende gegen 22 Uhr.

Sonntag, 1. Jan.: Der Hauptmann von Köpenick. Anfang 1554 Uhr, Ende 18% Uhr. Moral. Anf. 20 Uhr, Ende gegen 2254 Uhr.

Montag, 2. Jan.: Der Verschwender. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.

Wie wird das Vetter?

Bei Island ist wieder ein starker Tiefdruckwirbek er­schienen, der in England und Westfrankreich Nieder­schläge verursacht. An der Südseite dieses Wirbels vor­dringende mildere ozeanische Suftmassen gelangen bis nach Westdeutschland, doch setzt die in der Höhe befind­liche warme und trockene Saft einem schnellen Vordrin­gen dieser ozeanischen Suft einen starken Widerstand ent­gegen, so daß eine rasche Umgestaltung der Wetterlage nicht erfolgen kann. Dagegen kommt es unter Abküh­lung noch zu starker Nebelbildung, besonders in der Rhein-Main-Ebene, und zeitweise zu leichtem Nebelregen. Nachts tritt, besonders in Süddeutschland, noch leichter Frost auf.

Witterungsausfichten für Sonntag: Etwas m i l* b e r e s unb im ganzen trockenes Wetter.

Frankfurter Börse.

Staatspapiere

22. 12

23 12

Industrie-Aktien

22. 12.

28.11

4°/o Reichsanleihe 27

76,0

75,76

Adt (iebr.

9,6

An!. Abi. Schuld

68,12

69,12

Alle. Elektr. Gee. Bad Salzschlirf

80,0

eo,6

Io. ohne Ausl.

6,45

6,42

—■

46.1»

116,71

18,71

t°'o Oestr. Goldr.

10,0

9,7k

Cem. Heidelberg

45,12

p/o Ungarn Goldr.

6,2-’

6,6«

Contin. Gei. Daimler

115,0 17,62

Gold. Pfdbr. u. Anl.

D. Erddl Berlin

84,6

84,0

6°/o Pr. Ldspfbr. R. iS*

79,75

80,5

D. Scheideanstalt

149,7-

161,1

6°/o Pr. Ldspfbr. R. 21 8% Pr. Golnkom Obi

80,6

80,6

Dürrkoppwerke

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—

Eisenw. Kaisers!.

76,71

34,2»

96,11

R. 20

70,0

70,0

Elektr. Lief.

—

<°/o Erk ft. Hyp.-B.

Gold.-Pfdb. R. 18

Elektr. Liohtu. Kraft

93,6

82,87

88,5

Farbenindustrie

98,0

Wo Frkft. Pfdb. B.,

Frankf. Hof

87,5

W’.D

Gold.-Pfdb. E. 1b

82,75

88,5

Goldschmidt

26,5

6°/oL.K.Kass.ti.K.Ob

—

—

Hummersen

■■

66,71

17,6

H°/o L Kr. Kass.

Holzmann Pb.

■

Gold-Pfdb. 26 R. 1

70,0

Konsv Braun

17,5

6°/o L. Kr. Kass.

Lahmeyer & Co.

Gold-Pfdb. 26 R. >

86,0

Lingel. Schuh!

fi°'o L. Kr. Kass

MainK raftw.

£9,0

Gold-Pfdb. 27 R 4

81,0

—

N. S. U- (Neckar!*.)

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<°'o Mein. Hyp.-B.

Siem. 4 Halske

Gold-Pfdbr E. 18

81,6

81,5

Südd. Zucker A.-G.

143,0

V. Faßt Cassel

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Bankaktien

Wayß * Freytag

4,9

6,35

Commerzbank

58,6

58,5

Zellst Aschatfwb

»,0

Oanacoank

—

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Zellst Waldbc#

48,0

D.-D- Bank

76,0

75,0

L) Eft u. W. Bk Dresdner Bank

69,0

61,76

69,0

61,74

8erg«rsrka**ktlwi

Frankfurter Bank Krankt Hyp.-Bank Meininger Hyp -Bk Reichsbank

5b,0 67,75

137,0

55,0

70,0

141,5

Brudern« Eisenw. Gelsenk. Bergw. Harpener Bergbau Ilse Bergbau

43.0 62,76

88,0

W.*

88,0

1C9,1

Aktien dtsch. Transp.»

Kali Aschersleben

117,0

Anstalten

Mannesmann

60,76

61,3

Lass. Straßenbahn

40,0

40,0

Biebek

Hapag

16,87

16,87

Nordd. Lloyd

17.5

18,0

Berliner

21. Dezember

21 Dezember

Devisenkurse

Geld

Brie!

Bnei

ueia

iNewyork

4,209

4,217

4,209

4,217

Brüssel

68,24

68,36

68,36

68,8®

Holland

169,18

169,47

169,11

169,67

London

14,< 3

14,07

13,98

14,03

Paris

16,42

16,46

16,4»

16,46

Schweix

8o,98

81,14

81,03

81,«

Spanien

84,37

84,43

34,37

84,43

talian

21,. 4

21,58

21,66

31,69

Dänemark

72,68

72,82

71,43

73,67

Norwegen

72,28

72,42

73,03

73,17

Schweden

76,47

76,68

16.27

76,43

Prag

12,465

12,485

13,466

13,485

Wien

61,95

62,06

61,96

61.06