Rentner-Hilfe.
In den Ausschüssen des Reichstags bildete die von der letzten Regierung verordnete Rentenkürzung eben- salls Gegenstand großer Debatten. Wie liegen die Ver- Kältnisse? Die Sozialdemokraten erklärten, uu.n solle die Kürzungen aufheben und die Deckung der hierfür notwendigen Mittel m Höhe von monatlich rund 100 Millionen RM. der Regierung überlassen, d. h. also, die Regierung hätte durch unsozialste Steuermaßnahmen die notwendigen Mittel beschossen lönnen. Hier konnte bas Zentrum nicht mitmachen. Cs wollte die schlimmsten Wirkungen der Kürzungen beseitigen, aber auch gleichzeitig bestimmen, moder die notwendigen Mittel hierfür zu nehmen sind, Nationvlsozialisten, Kommunisten und Sozialdemokraten bähen dann jene agitatorischen Beschlüsse gefaßt, und wenn sie im Plenum des Reichstags wieder so verfahren, droht die R e i d).s tagsauslösung nnb dann bleiben die Kürzungen unbedingt begehen, wie sie sind. Hätt^ man den Weg des Zentrums beschritten, dann wä^n die Kürzungen in der Notverordnung vom 14. Iuzii in ganz erheblichem Ausmaß sofort beseitigt worden.
Hoover und Roosevelt.
wtb. Washington, 22. Dez. (Eig. Meld.) Aus dem hartnäckigen Schweigen, in das sich das Weiße Haus hüllt, glaubt Reuter schließen zu können, daß die Verhandlungen über bas Schuldenproblem zwischen Hoover und Roosevelt fortdauern. Man nimmt an, daß Hoover, nachdem Roosevelt sich nun geweigert hat, mit ihm zusammenKiarbeiten, geneigt ist, den Plan Roosevelts zu prüfen. Man befürchtet, daß Hoover, wenn er grundsätzlich zur Annahme der Rooseoeltschen Vorschläge geneigt sein sollte, auch Roosevelt ermächtigen könnte, sofort außerordentliche Bevollmöcht'gte für die Verhandlungen mit den Schuldnern zu ernennen.
*
wtb. Paris, 22. Dez. (Eig. Meld.) Vor Pressevertretern erklärte H e r r i o t, zur Lösung der dringendsten weltpolitischen Probleme könne man nur Cann gelangen, wenn Frankreich, England und Amerika sich e i n,i g t e n.
* Der Präsident des Landeskirchenrares der evangelischen LandesEirche in Frankfurt a. M. Dr. theol. Richard Schulin ist im Alter von fast 70 wahren plötzlich gefftorben. Die Bestattung findet in Kassel statt.
Von Spionen.
Dom Straff fenar des Oberlandesgerichts Stuttgart wurde «eine 25jährkge Prostituierte aus Mamcheim wegen Verrats militärischer Ge- heimnksse zzr zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, t Der Reichspräsident hat den dänischen H a u p t/m ann Lembourn, der wegen Spionage vom Reichsgericht zu einer mehrjährigen Strafe verurteilt worden war, anläßlich des Weih- nachtsffestes begnadigt.
Kunstdünger gegen Baumwolle.
Ein deutsch-ägyptisches Tauschgeschäft.
Aks erste Sendung des deutsch-ägyptischen Aus- rauzchabkommens trafen in Kairo 5000 Tonnen Kunstdünger aus Deutschland ein, die gegen Baumwolle ausgetauscht werden. Die Baumwollsendung ist versandbereit mit dem Bestimmungsort Hamburg. ___________
Leuchkrakelen-We explodiert.
Brand in einem römischen Fort. 3 Tote.
wtb. Rom, 22. Dez. (Eig. Meld.) Arbeiter, die im r9um der Flugzeuglanbungsraketev des Fort.Appia (ff Kim. südlich von Rom) beschäftigt waren, ließen eine Kiste mit Raketen zu Bode,i fallen. Die Kiste ^mng sofort in Flammen auf und der dadurch entstehenbe ^ronb verbreitete sich mit solcher Schnelligkeit, daß bie Besatzung bes Forts nur mit großen Schwierigkeiten bas Feuer emzudämmen vermochte. Drei Arbeiter kamen ums Leben, einer ist leicht verletzt.
* Pfarrer Senn gelobt kirchlichen Gehorsam- Der badische Pfarrer Senn hotte in einer Schrift sich für den Nationalsozialismus ausgesprochen und Kritik an der Haltung de rKatholiken geübt. Mit dieser Schrift hatetn die Nationalsozialisten starke Propaganda uner dea Katholiken getrieben und Kforrer Senn als Kronzeugen gegen die Stellung der deutschen Bischöfe wider die NSDAP, ange- führt. Pfarrer Senn in Sickingen war wegen seiner Haltung im vorigen Sommer suspendiert worden. Das Erzbischöfliche Vikariat veröffentlicht .nun im Anzeigenblatt der Erzdiözese Freiburg (Nr. 87) vom 16. Dezember folgende Bekanntmachung: ^Die am 15. Juls d. I. über Pfarrer Wilhelm "Erhängte Strafe der Suswension wird m-t Wir.nng von heute aufgehoben, nachdem der- selbe fein Bedauern über die Verletzung des kano- Nischen, Gehorsams ausgesprochen und erklärt hat, daß er künftig den kirchlichen Gehorsam strikte beobachten werde. Pfarrer Senn hat weiter ver- sickert, daß er selbstverständlich alle dem Christen- tum und der katholischen Kirche feindlichen An- schauungen und Bestrebungen im Nationalsozialismus verurteile." Damit ist der Fall Senn, der be- sonders während der letzten Reichstagswahlen viel Staub aufvewirbelt hat. erledigt.
Der Weihnachtskarpfen.
Der Karpfen ist bas Schwein unter den Fischen. Gleich seinem vierbeinigen Kollegen von der Fakultät der Säuger ist er faul und gefräßig, klug, wühlt, schlabbert mit seinem dicklippigen, fast rüsselartigen Maul mit ben zierlichen Bartfäden im Schlamm der langsam fließenden Gewässer nach Schnecken und anderem Wassergetier Er wird von den Menschen gehegt, gepflegt, sorgfältig zu stattlichem Gewicht herangezüchtet und gleich dem vierbeinigen Borstentier in der kalten Jahres- zeit auf den Markt gebracht. Und doch, so sehr man Karpfen und Schwein im Leben verachtet, um so mehr werden sie nach ihrem Tode als Leckerbissen geschätzt. Hunderte von Zentnern Karpfen werden an den Weihnachtstagen verspeist. Woher kommen diese Mengen?
Der Karpfen war ursprünglich Volleuropäer und schon den Eiszeitmenschen bekannt, wurde aber durch die Eiszeit selbst nach dem wärmeren Süden verdrängt. Seine Wiedereinbürgerung verdanken wir bann — so seltsam es klingen mag — dem Christentum. Denn die vom Süden kommenden Mönche brachten die leckere Fastenspeise in ihren Klosterteichen mit nach dem Norden. In unserer engeren Heimat, dem Rhein-Main- gebiet, war der Karpfen schon seit dem 10. Jahrhundert bekannt. Im ausklingenden Mittelalter finden wir ihn überall gehegt in ben zahllosen Teichen des Taunus und auch freilebend im Main und anderen größeren Flußläusen. Heute ist der Karpfen Kosmopolit. Nur in Afrika und Australien ist er unbekannt.
Der Karpfen ist sozusagen Haustier geworden und heute bas weitaus größte Wirtschaftsobjekt. In langsam sließenben Gewässern mit sumpfigem llntergrunbe unb reichem Tier- unb Pflanzenleben fühlt er sich heimisch. Da kann er ftunbenlang pslegmvtisch im flachen Wasser liegen unb träumen. Aber bei nahender Gefahr wird er ungemein beweglich unb verschwinbet blitzschnell aus bem Gefahrenbereich. Mit größter Vorsicht nimmt er bie Angel. Der Karpfen ist ein sehr kluges Tier und
Der weihe Tod.
Von Dr. Heinz H e i t a n, Stabtschul- und Fürsorgearzt, Berlin.
Immer noch steckt im Menschen jenes atavistische (Brauen vor Käste unb Winter, bas ben Urahn erfüllen mußte, ber ben Naturelementen schutzlos ausgeliefert war. Auch ber moderne Mensch, der ben Winter burch Wintersport unb Winterkuren kennen und lieben gelernt hat, wirb jenes instinktive Gesühül nicht los. Erschauernd sah bie Menschheit in ben Polarfilmen — man denke nur an Seots berühmtes Sterben im weißen Tobe — bas furchtbare Wirken ber Kälte.
Was geschieht nun tatsächlich, wenn der ganze Körper — nicht nur ein Teil von ihm — ber Kälte ausgesetzt wird? Er erfriert. Aber ber Vorgang des Erfrierens selbst, eben biefer Zustanb, vor bem bie Menschheit sich mehr ober minber bewußt fürchtet, ist ben meisten Menschen ein Rätsel. Vielleicht finb schon bem einen ober anberen einzelne „prominente" Körperteile, wie Ohrmuscheln ober Finger erfroren. Man kennt sogar Frostbeulen unb Frostschäden bis zum Absterben einzelner Gliedmaßen. In strengeren Winter, beispielsweise 1928 auf 1929, waren sie selbst in den Großstädten keine unbekannte Erscheinung.
Der gefürchtete weiße Tob, bas Erfrieren bes ganzen Körpers, ist in Wirklichkeit keineswegs fo .schrecklich, wie im allgemeinen angenommen wirb. Was geschieht mit bem menschlichen Körper, wenn er allmählich größerer Kälteeinwirkung ausgesetzt wirb? Zunächst versucht ber angegriffene Körper sich „seiner Haut zu wehren", wie es in bie,em Falle befonbers zutreffend heißt. Der Körper antwortet auf bie äußere Kälteeinwirkung mit Steigerung ber wärmebildenben Vcrbrennungsvorgänge im Organismus. Es finb bas chemische l'msatzveränderun- gen, bie mit ber Ernährung unb den Nährstoffen, bezw. ihren Reserven im menschlichen Körper im Zusammenhang stehen.
” Die Wärmebildung erfolgt in erster Linie durch Verbrennung von Kohlehydraten, in zweiter Linie von Fett und erst später von Eiweis. Verbrennung heißt also in diesem Zusammenhänge: Abbau unb Umwandlung innerhalb bes Organismus. Ein Vorgang, ber auch in normalem Zustande bes Körpers nichts Außergewöhnliches barstellt unb ber zu ben physiologischen, d. h. normal ablaufenben, Körperfunktionen ber inneren Organe gehört. Der in der Kälte als Abwehrreaktion gesteigerte Verbrennungsprozeß bedingt gesteigerte Nahrungsaufnahme .demnach auch erhöhten Appetit ober darüber hinaus Hungergefühl.
Der andere, reflektorische Vorgang dient dem gleichen Zwecke ber Wärmebilbung, besser noch ber Wärmeerhaltung. Er spielt sich nicht innerhalb bes Organismus ab, sondern in ber äußeren Haut. Wieberum reflektorisch zieht sich bie Haut zusammen. Die Gefäße werben durch Zusammenpressung verkleinert. Kurzum, die Körperoberfläche verringert sich. Dieser Vorgang erfolgt durch ben Kältereiz auf die empfindlichen Hautnerven, die ihn sofort mit Muskelzitten beantworten. Gleichfalls reflektorisch wird bie Atmung beschleunigt und vertieft. Alles das geschieht, solange noch Bewegungsdrang unb Bewegungsmöglichkeit, Nahrungsaufnahme unb Verbrennungsprozeß ,bie ja schließlich Funktionen zur Wärmebilbung barstellen, sich gegenseitig die Waage halten.
Wenn aber bei weiterer Abkühlung des Körpers diese Funktionen, behindert werden und allmählich erlöschen, müssen Herz- und Atemzentrum ihre Tätigkeit eir.stellen. Der Tod durch Erfrieren ist eigentlich ein Tod durch Ersticken. Infolge der erniedrigten Bluttemperatur zerfallen die roten Blutkörperchen, bie Träger bes Sauerstoffes ber „inneren" Atmung. Die darauf einsetzende Kohlensäureüberladung hemmt bas Herz- unb Atemzentrum. Langsam stellen Herz unb Atmung ihre Tätigkeit ein. Ermüdungsgefühl, Schlafsucht sind die äußeren Kennzeichen dafür. Unter Erlöschen aller Körperfunktionen, unter völliger Abstumpfung jeder Gefühls- unb Sinnes« tätigtest sinkt ber Mensch lautlos unb leidlos in den weißen Tob. '
Für bie Rettung Erfrorener folgt daraus die einst che Lehre: Erste Hilfe ist die künstliche Atmung, zweite bie allmähliche Erwärmung. Es muß in Erstaunen fetzen, nach wie langer Zeit ber Erfrorene mit folgerichtig durchgeführter künstlicher Atmung noch zum Leben erweckt werden kann.
Warme Weihnachten in Rom.
Hebet 20 Grad TRilfagsfemperafur.
In Florenz herrscht seit einigen Tagen dichter Nebel mit ständig sinkender Temperatur, die am Mittwochmorgen kaum einen Grad über Null betrug. Aus den nahen Höhen bei Pistoja hingegen, wie auch in Rom, ist die Weihnachtswoche durch strahlenden Sonnenschein bei Mittagstemperatur bis gegen, ja teilweise über20Grad Celsius gekennzeichnet. Die Nächte allerdings sind kalt und der Temperaturunterschied innerhalb der letzten 24 Stunden in Rom betrug nicht weniger als 15 Grad.
* Eine englische Slavierfabrik eingeäschert. Ein Großfeuer vernichtete in der Nacht zum Mittwoch die englische Klavierfabrik Witton and Wstton in London fast vollständig. Die vierstöckige Fabrik brannte innerhalb von zwei Stunden bis auf die Mauern nieder. Der ungerichtete Sachschaden wird auf rund eine halbe Million Mark geschätzt.
wird auch sehr zutraulich. Wie alt er wird, weiß eigentlich kein Mensch. Aber mir ist ein Fall aus Dillenburg bekannt, baß man bort einen Karpfen viele Jahre hinburch beobachtete, alle Jahre einfing unb wog. Das Gewicht stieg auf 16 Pfunb. Eines Tages schwamm aber ber Koloß tot auf bem Wasser. Vermutlich hatte er bem Alter ben Tribut zahlen müssen. — Alle bie Karpfen, bie ben heimischen Märkten zugeführt werben, entstammen deutschen ober ungarischen Zuchtteichen. Große Zuchtteiche befinben sich in ber 0 berpfalz, in Württemberg, am Bodensee, in Schlesien, neuerbings auch bei Kassel. In Nassau befinben sich bie großen Weiher auf bem Westerwalb bei Dreifelben, wo man rationelle Teichwirtschaft treibt. Die Karpfenzucht hat sich bisher als durchaus lohnend erwiesen.
Auch beim Karpfen haben sich wie bei allen von Menschen gezüchteten Tieren besondere Arten herausgebildet, von denen jede ihre Vorzüge besitzt. Bei der Karpfenzucht handelt es sich um einen dreijährigen Turnus, in dem ber Fisch vom Ei bis zum Speisesisch gezogen wirb.
In biefen Tagen herrscht in ben Züchtereien Hochbetrieb. Tausende unb Abertausenbe von Fischen werden ausgefischt und in Eilzügen den Städten zugeführt. Der oft Tage währende Transport ist derart organisiert, daß es zu den Seltenheiten gehört, wenn ein Fisch tot am Bestimmungsort ankommt. Aus den Fischbassins wandern die feisten Fische je nach Ansordern in ben Fischhandlungen auf die Schlachttische. Sie werden durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf betäubt. Dann wird mit einem scharfen Messer dicht hinter dem Kopf durch das Genick ein tiefer Einschnitt gemacht, ber bas Rückgrat burchschneibet.
Ob" ber Karpfen nun blau, oder in Bier, oder gesotten oder mich gebraten auf den Weihnachtstisch oder bie Silvestertafel kommt, bas ist gleich. In jeber Form ber Zubereitung schmeckt der leckere Fisch, zumal wenn ein Glas deutschen Weins ben Genuß zum Fest erhebt.
R. Ht.
Handel und Wirtschaft
verkauft.
ber
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Werke, so ergibt
sich folgendes:
mit des
mit 1000 RM. Höchstbietenber war, wurde diesem Zuschlag versagt.
Frankfurter Schlacht-viehmarkk.
ND. Frankfurt a. 21t., 22. Dez. (Eig. Drahlb , Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Säl. ber: Beste Mast- und Saugkälber 35—38, mittl. Mast, und Saugkälber 31—34, geringe Kälber 25—30 Sifjafe: Mastlämmer unb jüng. Masthammel: Weibemast 24- 26, ; mittl. Mastlämmer unb ält. gut genährte Schafe 20 bis 1 23. Auftrieb: Kälber 900, Schafe 113, Schweine 696. Marktverlauf: Bei allen Diehgattungen rege unb aus.
Konkurse und Insolvenzen.
— Zwangsversteigerung Stumpf in Fulda. In bem Zwangsversteigerungsverfahren gegen das dem Eisenbahn-Kesselschmied Joseph Stumps und dessen Ebe trau gehörende Wohnhaus, Löherstr. 50, bei dem im ersten Termin der Darlehenskassenverein Neuhof
Sehen wir uns einige andere Montanpapiere an, ergibt sich folgendes:
Gelsenkirchen: am 18. Sept. 1931 30 Prozent, zur Zeit etwa 50 Prozent.
Klöckner-Werke: am 18. September 1931
23 Prozent, zur Zeit etwa 49 Prozent.
Rheinische Braunkohle: am 18. Sept.
1931 112 Prozent, jetzt 185 Prozent
* Berliner Effekten-Börse.
Freundlich unb nicht ganz einheitlich.
wtb. Berlin, 22. Dez. (Eig. Meld.) Die Stimmung war, wie schon an ber Vorbörse, auch zum ossiziellen Beginn als sreunblich zu bezeichnen, wenn auch die Kursgestaltung nicht einheitlich war. Die vorlie- genben Momente waren überroiegenb günstiger Natur, boch mahnte bie Verschlechterung ber Arbeitsmarktlage im Reiche zur Zurückhaltung. Bei ben Banken lagen ner= schiebentlich Stauforbefs vor, bie sich in ber Hauptsache auf Montanpapiere erstreckten unb auch für verschiedene Elektropapiere zeigte sich Interesse, doch konnte man andererseits auch Realisationen vor ben Feiertagen beobachten. Die Perfektuierung bes Arbeitsbeschaffungsprogramms mit einem Betrage von 500 Millionen Reichsmark wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Einen recht guten Eindruck machte ber Bericht der Vereinigten Stahlwerke, der von einem lebhafteren Absatz spricht und recht optimistisch gehalten ist. Durch bas Arbeitsbeschaffungspro- gramm sind bei den Werken bis jetzt 6000 Mann neu eingestellt worden. Auch die in der gestrigen Generalversammlung bei Hoesch-Köln-Neueisen geäußert" Geschäftsbelebung und bessere Zukunftsaussichten haben natürlich befriedigt. Mit Interesse nahm man einen Artikel des Reichsfinanzministers zur Kenntnis, der gleich, falls in einem optimistischen Ton ausklingt. Don ber gestrigen Newyorker Börse konnte eine Anregung nicht ausgehen, auch nicht von ber Bewegung der deutschen Bonds, doch regte die weitere Erholung des englischen Pfundes an. Am Farbenmarkt lag wieder Material vor, so baß der Kurs um % Prozent zurückging. Am Montanmarkt lagen nur Phönix, Rheinftcchl und Schlesische Bergbau etwas schwächer, alle anderen Werte besserten sich. Deutsch-Atlanten unb Deutsch-Linoleum waren bis 2 Prozent, Westeregeln sogar um 3% Prozent abge» schwächt. Deutsche Anleihen waren etwas f e - ft er, auch Pfandbriefe zeigten freundliche Grundstim- mung. Jrn Verlaufe ergaben sich zunächst bei. etwas belebterem Geschäft überwiegend Kursbesserungen bis % Prozent Am Berliner Geldmarkt war bie Situation beinahe unverändert. Tagesgeld stellte sich auf ber unteren Grenze auf 4*4 bezw. 4% und auf 4 Prozent. Monatsgeld blieb unverändert. Privatdiskonten waren weiter angeboten, wahrend Reichswechsel per 20. März und Reichsschatzanweisungen per 18. April weiter soft umsatzlos blieben.
Die Höchstkurse, die diese Papiere bis etwa im Jahre 1930 erlangten, stellten sich bei Vereinigte Stahl auf 165 Prozent, bei Gelsenkirchen auf 210 Prozent, bet Klöckner auf 214 Prozent und bei Rheinische Braunkohle ruf 335 Prozent.
Werfen wir nun einen Blick auf andere wichtige
Achtzehn Monate lang — seit Mitte 1931 — stand die Börse unter hartem Druck. Mit bem Ausbruch ber Bankenkrise im Juli 1931 war eine Epoche verhältnismäßig günstiger Börfenentwicklung auf lange Zeit abgeschlossen. Freilich sind bie Höchstkurse, die die Jahre 1929-30 gebracht haben, niemals wieder erlangt worden, voraussichtlich werden sie auch niemals wieder erreicht.
Immerhin hat sich aber gegenüber bem Börsenschluß am 18. September 1931 mittlerweile für viele Papiere eine sehr erhebliche Besserung vollzogen. Verschiedentlich, wie namentlich bei manchen Montanpapieren, aber auch anderen Werten, nicht zuletzt auch bei gewissen festverzinslichen Papieren beläuft sich die Kursbesse- rung im Jahre 193 2 gegenüber dem Börsenschluß vom September 1931 auf 4 0, 5 0 und 60 Prozent, teilweise ist sogar eine Kursverdoppelung eingetreten.
Beispielsweise haben die Vereinigte Stahl- roerfeaftien, die bei Börsenschluß am 18. September 1931 18 Prozent notierten, mittlerweile 36 Prozent erlangt, sich also kursmätzig glatt verdoppelt.
Jahreswende—Vörsenwende?
Don einem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter.
. = Preiserhöhung für photographische Avvarni» verlautet, soll ab 1. Januar 1933 die auf Grund h ' - tember-Notverordnung durchgesührte 10-woz tung für photographische Kameras (Markenan' Wegfall kommen, so daß wieder die Preise von 1931 gelten. — Fragt sich nur, wer bei den beuhn
Geldverhältnissen die wieder verteuerten Appara e kaufen wird!
und Adler erwartet, daß sein ys „ - -. schen Markte an annähernd z' kommt. Im November hatte Adler ,m Absatz 13,3, im Personen- und Liefern,« Proz. Anteil. Nach den jüngsten an betrug der Anteil am deutschen Absatz «fr Januar bis einschl. November von Adler in‘i Daimler-Benz 13,5 unb DKW 8,1 Pro, De Anteil ber Adlerwerke betrug am Personenwagenabsatz 6,7 unb am Personenwagenabsatz
Frankfurter Produktenbörse.
— Frankfurter Getreidebörse vorn 21. Dez. Die Gl», treibebörfe verkehrte luftlos und hatte sehr f*_ Besuch. Die Preise blieben durchweg unverändert" würben bezahlt für je eine Tonne Weizen 202 5- 20 Roggen 162.5—164. Gerste 180—185, Hafer 132—T für je 100 Kilo Weizenmehl südd. Spez. 2s.iä_ meberri). Spez. 28—28.25. Roggenmehl 22 25— Weizenkleie 7.60, Roggenkleie 8.25—8.15 Stimmaw Lustlos. In Handelsklassenware fanden keine Abschlüsse
Tagungen.
— Generalversammlung der Lichlspielthealerbesihn von Hessen und Hessen-Nassau. Der Verband der Licht- spieltheaterbesitzer von Hessen und Hessen-Nassau hielt in W Frankfurt seine diesjährige Generalversammlung ab. In seinem Geschäftsbericht gab der Vorsitzende Matter einige interessante Zahlen über die Arbeit des Verbandes im vergangenen Jahr bekannt. Danach wurde der Verband nicht weniger als 1100 Mal mündlich oder test- 3 phonifch in Anspruch genommen. Die Lage des Licht- 3 fpielgewerbes wird in dem Bericht als nach wie vor schlecht bezeichnet. 7 2 T h e a t e r in Heften und Hessen- Nassau mußten während des Sommers schließen. Rur ä 54 wurden im Herbst unter teilweise neuen Besitzern wie- ( der eröffnet. Der Verband, der im Lause des Jahres ernt ?| große Anzahl wichtiger Erleichterungen für seine Mit- K glieber erreichen konnte, hat auch für das kommende ein großes Arbeitsprogramm aufgestellt. Vor allem WM angestrebt die Anerkennung der Film-Wochenschau als | volksbildend, die Teilnahme der Lustbarkeitssteuer an dem Steuergutscheinsystem, Verbot der Baudispense für Hessen und Hessen-Nassau, eine weitere intensive BehartMtzS der Dergnügungssteuerfrage usw. Im Laufe der wR' ä Handlungen wurde auch der Konkurs des Schumann- Theaters in Frankfurt a. M. eingehend behandelt. Dieser hat nicht nur die Filmbranche, sondern auch Die Geffert« lichkeit in gewissem Sinne beunruhigt. Die Gründe des Konkurses schon nach zweimonatiger Spielzeit wurden darin gesehen, daß der trotz ausgesucht schlechten m-me
• • an sich gesunde Betrieb nicht rentieren konnte, weck die ! Baukosten von rund einer halben Million Mark sehr ungesund finanziert worben feien. Der WirtschaMMWWI Ferdinand Trapper-Frankfurt^a. M. sprach B« Wr Thema „Wie spart man Steuern", der Syndikus des Verbandes, Dr. Frarnm, über „Offenbarungseib,, W-
. lungseinftellung, Vergleichsverfahren unb Konkurs. unter Zuwahl von Hammer-Frankfurt a. M. als wwf $ würbe ber bisherige Vorstanb wiedergewählt.
wtb. London, 22. Dez. (Eig. Meld.) | Meldungen aus Johann e^s bürg zufolge req net man mit der Möglichkeit eines Sturzes o« südafrikanischen Regierung Hertzog.
ein zunächst dreijähriges Lizenzabkommen abgeschlossen. Das Abkommen bezieht sich vorwiegend auf die Type „Trumps", die mit Vorderräd'-Äntrieb,' Schidistgächst r nd patentierten Kastenrahmenkonstruktionen ausgeftatttt ist. Ferner Ist votgefeben, auch in bet Herstellung und im Vertrieb anderer Adlertypen ein. freundschaftliches Verhältnis auszubauen, wodurch man sich auch eine Förderung des Adler-Exportes verspricht. Wie der Fwd. weiter hört, hat sich die Geschäftslage bei Adler in der letzten Zeit wesentlich gebessert, vor allem sind größere Exportaufträge ausgeführt worden Der Anteil der Adlerwerke am deutschen Absatz ist seit dem Erscheinen der beiden Wagen „Primus" unb „Trumph" wesentlich gestiegen. In der Klasse von 1,5 bis 2,1 Ltr.-Wagen sei jeder dritte zugelassene Wagen ein Adler-Fabrikat. Mengenmäßig ist der Adler- abfatz 1932 etwa 10 Proz. höher als 1931
es die bisher ausgeschobenen Fälligkeiten non ber und Dezember, >>a es inzwilchen gelungen entsprechenden Mittel zu beschaffen, mm volln f E” werde. Diese Tatsache wird wohl auch weder regung zu neuer Befestigung des Kursstandes be „ tenwerte geben. |
Bezeichnend ist ja daß z. B. die 1
Obligationen, die gerade Im ihren Besitzern jawohl wie auch der Börse die 8! “KJ | Sorgen bereiteten, mittlerweile ihren Kurs Zwilch M | und heute fast verdoppeln konnten. Wenn w- ,| noch weit von den Hoffnungen. die tatsächlich Y, in bestimmten Finanzkreisen gehegt werben, entfern daß die festverzinslichen Papiere alsbaM wie r » Pari-Stand erreichen, so kann man doch wom ' » |
daß bei einer Festigung ber wirtschaftlichen,> ? besondere der kapiialmätzigen Verhaltnnse Ne u„ | Honen erfolgen werden, auf die?a auch me den schon um deswillen angewiesen sind, bann gerade in den nächsten Jahren dringenden Äaptwn von außen her und auf normalem Wege befrte können. I
In der Tat haben manche Vorgänge der Ictz-en chen gezeigt, daß die Aufnahmefähig k e ftft« MM Marktes verhältnismäßig günstiger ist, als m . noch vor wenigen Monaten erwarten konnte, * , n; $ . weise hat sich auch ein gewisses An l a g e b ed fl)J herausgestellt, sobald cs sich um Werte hanbcl, sicher und rentabel angesehen werden, auch w MN niedrigere Zinsen bringen. Mehr unb Mehr s Nimbus der hohen Zinszissern geschwunden. M ayf , eingesehen, daß es ein sehr unsolider Boden dem man stand. Die Rückbildung nach n.edng-"^M darum auch solidem Zins ist (Bange Die N- , fionen, die wir vielleicht im Jahre 1933.ftrwa nen, dürsten auf der Basis von 4 oder höchstens zent aufgebaut sein. Gegenwärtig ist die ” ,(igUnf | fo, daß in Erwartung und Hoffnung der der festverzinslichen Werte die gegenwärtigen solcher Werte, solange sie das nur irgendwie verw'^M an diesen Papieren festhalten, so daß auch a,n, haften Börsenumsatztagen nur wenige laufen» freiwillig auf dem Markt erscheinen. ■
Wie für die Wirtschaft überhaupt, so gilt aber für die Börse die Prognose der Wende forerlt Dingt. Das Fundament ist noch lange nicht I“ « ' wie es notwendig wäre. Erst im März, erst D“ wenn man über die politische Beruhigung von heit besitzt, wird sich alles weitere zeigen.
— Lizenzabkommen der Frankfurter Adterwerke einer französischen Autofirma. Nach Informationen Fwd. hat auf Grund der Ausstellung der Adler-Fabrikate in Paris und nach eingehenden Prüfungen die Automobilfabrik L. Rofengart, Paris, mit der Adlerwerke norm. Hch. Kleyer AG., Frankfurt a. M.
niedrig. Die Kurslage ist zu erklären durch die fällige Beunruhigung, die sich von der |
für diese Papiere ergeben hat, ferner aber aurt die Finanzsorgen ber Gemeinden, so daß wteberljouee» Zinszahlungen selber in Frage gestellt
braucht ja nur an die Beispiele von Dresden, Km ... Frankfurt zu erinnern, auch Berlin hat große up rigteiten. Für Berlin und Dresden find ober die sorgen offenbar überwunden. Berlin hat für anweifungseinlöfungen, die demnächst fällig weroa_M Arrangement vorgeschlagen, das unter ben heutige hältnissen als durchaus akzeptabel angesehen wr
Es haben sich also zum Teil sehr kräftige Erholungen herausgebildet, und das Bemerkenswerteste ist, daß es sich dabei nicht um spekulative, sondern um wirklich reale Umsätze handelt, die zudem noch zum weitaus größten Teil nicht auf Kreditnahme getätigt, sondern bar bezahlt worben finb.
Ein ähnliches, wenn auch nicht fo weitgespanntes Bilb ergibt sich bei den Rentenwerten. Auch diese haben im letzten Jahre erheblich kursmäßig gewinnen können, liegen freilich auch heute noch außerordentlich
Wieder
Höchst-
Börfen-
eröffnung
Zur Zeit
kurs
fchluß
der Börse
etwa
18.9.1931
12.4.1932
DD-Banken
213
60
43
75
Reichsbank
341
104
96
130
I. G. Farben
385
92
83
96
A. E. G.
229
43
22
32
Bemberg
664
48
25
62
Salzdefturth
532
132
139
170
Siemens & Halske
442
101
95
125
Schultheiß
540
85
45
98
Hapaz
190
25
11
18