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Deutschland und Böhmen.

Dr. Veneschs unterirdische Pressekanäle.

Man schreibt uns:

Jedes Jahr wird im Prager Parlament bei De- sprechung des Staatshaushaltes von fudetendeu^. scher Seite berechtigt« Beschwerde darüber aeft'chrt, daß das Prager Außenministenum mit ein^n'Auf- ‘ wand von ungezählten Millionen eines ^Geheim­fonds eine große Reihe deutschgeschrfÄtener Zeit« schriften und Zeitungen, übrigens uuch im Aus­lande, unterhält, um tschechisch-nationale Politik zu betreiben. Durch die deutschge-hriebenen Zeitun­gen in der Tschechoslowakei syil außerdem der An­schein erweckt werden, als hckndle es sich um Stim­men aus dem sudetendeutfchen Lager oder aus son­stigen deutschen Kreisen. 'Jetzt läuft angesichts der fast katastrophalen Firranzlage des Tschechenstaates, die eine bedeutende Kürzung der Beamtenbezüge und andere einschneidend« Sparmaßnahmen not­wendig macht, auch ein Teil der tschechischen Blät­ter selbst Sturm gegen diese Pressewirtschaft des s)errn Dr. Benesch, die nach Angaben der „Lidooe My" jährlich mindestens 150 Mil. Iionen Kronen verschlingt, und verlangt die Einstellung einer Zahl gänzlich überflüssiger Amtsblätter, Jahrbücher und dergleichen, an benen die Tscheche! mehr als 200 herausgibt, und den Entzug der staatlichen Zuwendungen an sämtliche deutschgeschriebenen Zeitungen des Wolf- Berlages in Saaz, es sind ihrer fast 20, an mäh- rifdK, slowakische tinb madjarische Blätter die dem Staat jährlich viele Millionen Kronen kosten.

An, der Spitze der tschechischen Reptilienpresse steht die mnrt Prager Ministerratspräsidium heraus­gegebene „Cechoftotvakische Korrespondenz", deren Aufsätze („Abdruck erwünscht";) durchweg gegen die deutschen Interessen in Mitteleuropa eingestellt sind; geleitet wird diese Korrespondenz von einem Herrn Bloch, der während der Krieaszeit untergeordneter Beamter der Kabinettskanzlei des Kaisers Franz Jofpph war, offenbar gleich manch anderen „loya­len" Tschechen schon damals gute Beziehungen zur tschechischen Massig unterhielt, nach dem Umsturz einen gut bezahlten Staatsbeamtenpoften in Prag bekam und nun mit dem Titel eines Ministerial­rates Pressechef des Prager Ministerratspräsidiums ist. Neben dieser Korespondenz wird von der glei­chen Stelle noch das von Tschechen geleitete deutsch- geschriebene „Prager Abendblatt" unterhalten, das zu dem konkurrenzlos geringen Preis von 20 Hel- ■ lern mit einer Riefenauflaqe in das deutsche Sprach­gebiet versendet wird.

Eine großzügige Propaganda betreibt der tsche­chische Außenminister auch durch die Zeitungen und Zeitschriften des mit dem Außenministerium innig verbundenen ..Orbis-Bsrlages". Die in diesem Per- lag «rfcheinende „Prager Presse", geleitet vom Ehefyedakteur Laurin-Lustia. bemüht sich durch ko- steplose Belieferung die politischen Meinungen und Absichten des Dr. Benesch in der ganzen Welt zu vertreten, ist aber erfreulicherweise heut« schon fast überall als tschechisches Reptilienorgan erkannt. Dieser Orbis-Berlag gibt aber auch eine Reihe an­derer, weniger bekannter, aber genau so gefähr­licher Druckschriften heraus, wie die vornehm auf­gemachte „Prager Rundschau", als deren Heraus, geber der ehemalige Berliner tschechische Gesandte Dr. Krofta zeichnet, und die Zeitschrift „Mittel­europa", die gleichzeitig als „L'Europe Central" in französischer und als „Central European Ob­server" in englischer Sprache erscheint.

• Der Prager Orbis-Berlag. seit wenigen Jahren im Besitz eines mit den modernsten Druckereiein­richtungen ausgestatteten Verlarrshauses in der Fochstraße, ist auch die Zentralstelle für die siche- chilcke Propaganda in De u tschö ste r re i ch : im Prager Orbis-Gebäude 'befindet sich die Nach­richtenagentur „Transatl<mtik-Radio", die einen Großteil der Wiener und reichsdeutschen Presse, aber auch bedeutende Ausländische Zeitungen mti i^ren in tschechischem Sinne verfärbten Nachrich­ten überschwemmt. Pom Orbis-Berlag erhalten aber auch Wiener Zeitungen, die erwiesenermaßen von tschechischem Eelde abhängig sind, ihre Wei­sungen und Richtlinien, wie das Montagsblatt .Der Morgen", das Tagblatt „Der Wiener Tag" die Mittagszeitupg „Die Stunde", das Wirtschaftsblatt „Die Pörfe" ja auch die bebilderte Zeitschrift „Die Bühne" iznb die Wochenschrift „Götz".

Herr Benesch hat es nicht nötig, mit den Mit­teln für die Ausgestaltung und weiteste Berbrei- tung dieser Reptilienpresse irgendwie zu kargen. Es werden nicht nur die sudetendeutschen und die anderen nichttschechischen Gebiete der Tschechoslowa­kei, sondern auch ganz Mitteleuropa und die übrige Welt überschwemmt. Le'der kommt es immer noch oor, daß sich bekannte Persönlichkeiten des öffent­lichen Lebens auch in Oesterreich und im Deutschen Reich dazu hevgehen, mit Aufsätzen und Mei­

nungsäußerungen in einem solchen Blatte zu er­scheinen, wie dies bedauerlicherweis« in der Fest­ausgabe „Zehn Jahrs Demokratie" geschehen ist,

die der „Wiener Tag" anläßlich seines .zShnjähri- gen Bestandes am 8. Dezember berausaab.

Begebenheiten aus aller Well.

MuMouslager in einem Schlöße.

6000 Schuß Infanleriemunikion entdeckt.

wtb. Waldenburg i. Schlesien, 21. Dez. (Eig. Meld.) Auf dem Schlosse des im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Sprengstoffdiebstahl in K y n a u verhafteten Baron von Zed. ! i tz - N e n k i r ch wurden in den letzten Tagen weitere Haussuchungen von der Waldenburger Kriminalpolizei vorgenommen, wobei 6 0 0 0 Schub Infanterie-Munition in Ki­sten verpackt und eingemauert ge­funden wurden. Im nahen Walde wurde ein Unterstand entdeckt, in dem sich ein Gewehr und Munition befand.

Ein folgenschwerer Flugzeug Absturz.

Französisches Militärflugzeug stürzt ans ein Haus, wobei der Banz'mbehälter explodiert. — Flugzeug und Haus fangen Feuer. — Der Pilot und eine Frau verbrannt. — 19 Hausbewohner verletzt.

Ein schweres FlugzeugunMck, das zwei Tote und 19 Verletzte forderte, ereignete sich Dienstag mittag in Antony, einem kleinen Ort unweit Paris. Ein Militärjagdflugzeng stürzte aus bisher unbekannter Ursache auf ein Haus, wobei der Benzinbehälter explovierie und das Eebäuide und der Apparat in Flammen gerieten. Der Führer des Flugzeuges verbrannte bei lebendigem Leibe. Ferner tarn eine Bewoh­nerin des Hauses ums Leben, während 19 weitere Hausinsasfen zum Teil schwer verletzt wurden. > i

Bei dem zweiten Todesopfer handelt es sich um eine Frau, die mit ihren beiden Enkel­kindern das Haus bewohnte. AIS das Flugzeug auf das Dach stürzte, flüchtete sie sofort mit den beiden Kindern. Sie kehrte jedoch kurz darauf noch einmal in das brennende Gebäude zurück, um ihre Wertsachen zu retten. Allem Anschein nach ist sie dabei durch den starken Ranch be­täubt worden und darauf ebenfalls verbrannt.

Der Absturz des Flugzeuges erfolgte im An­schluß an eine „Todesschleife', die der Flieger in etwa 200 Meter Höhe ausgeführt hatte. Das Dach des Hauses stürzte unter dem Gewicht des Flugzeuges ein uno begrub die Bewohner unter den Trümmern. Innenminister Chan- temps hat sich sofort an die Unglücksstelle be­geben, wo er persönlich die Untersuchung leitet.

* Haussuchungen bei der pfälzischen SPD. In den Geschäftsräumen der „Pfälzischen Post", im Parteisekretariat der SPD. und im Gewerkschasts- haus in Ludwigshafen, sowie in der Ge­schäftsstelle der „Pfälzischen Freien Presse", im Ge- werkschaftshaus und bei Angehörigen des Reichs­banners in Kaiserslautern wurden von der Polizei Haussuchungen vorgenommen, die im Zusammen­hang mit der Untersuchung einer Waffenschie- bung erfolgten. Ueber das Ergebnis der Erhe­bung ist noch nichts bekannt geworden.

Bon einem Personenzug, der von Köln nach Ober-Barmen fährt, entgleisten am Diens­tag vor dem Elberfelder Hauptbahnhof drei Personenwagen. Drei Personen wurden verletzt.

Ein Zeichen der Zeil.

1687 Selbstmorde in Bayern im Jahre 1931.

Nach den Feststellungen des Statistischen Lan­desamtes im Jahre 1931 in Bayern haben 1236 männliche und 461 weiblich« Personen, zusammen 1687 Personen durch Selbstmord geendet. Das bedeutet eine weitere erhebliche Z u» nähme der bereits überhöhten Selbstmordziffern des Vorjahres. Im Jahre 1929 schieden 1341 Personen freiwillig aus dem Leben.

Die Kommunisten hatten für Dienstag mittag einen Hungermarsch zum Münchener Rathaus angekündigt. Die Kundgebung kam aber nicht zustande. Es bildeten sich nur da und dort Gruppen, die von der Polizei zerstreut wurden.

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Das Baseler Strafgericht verurteilt« einen 25jährigen Antifaschi st en, der im Septem­ber einen italienischen Lockspitzel durch Schüsse ziemlich schwer verletzt hatte, wegen versuchten Mordes zu 3)4 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.

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Der Tunnel für Fahrzeuge, der die beiden Scheldeufer von Antwerpen verbindet, wurde

am Dienstag vom König eröffnet. Die Unter- führung ist 2100 Meter lang.

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In Tfchifu wurde das chinesische Muni­tionslager in die Luft gesprengt, wo. bei die aus 14 Mann bestehende Wache ums Leben tarn.

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Halbamtlich wird aus Tokio gemeldet, daß in Tientsin ein Anschlag auf das s a- panische Generalkonsulat verübt worden ist. Ein Unbekannter hat eine Bombe in das Konsulatsgebäude geworfen, wobei zwei Ja­paner verwundet wurden.

* 3m Aller von 105 Zähren gestorben. Die Witwe Josef Graß, seit vielen Jahren die öl­test« Kölnerin, ist im Alter von fast 105 Jahren im Riehler Wohnftift an Altersschwäche ge­storben.

* Erdbeben im Westen der vereinigten Staa­ten. (Eig. Meld.) Im fernen Westen wurden ge­gen Mitternacht schwere Erdstöße verspürt. In Salt Lake City (Utah) blieben die Uhren in 10 Telegraphenämtern stehen. In San Fran­zi s c o haben die Wächter im S'aatskapitol be­merkt. daß die Kronleuchter zu schwinaen began­nen. Auch haben sie Krachen in der Kuppel ver­nommen.

* Elf Jahre Zuchthaus wegen Totschlags des Vaters. Das Passauer Schwurgericht verur­teilte in zweitägiger Verhandlung den Landwirts- scchn Franz Sanladerer zu elf Jahren Zucht­haus, di« Landwirtstochter Marie Sanladerer zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis und den früheren Geliebten der Sanladerer, den Landwirte sohn Iodlbauer, zu einem Jahr Gefängnis. Die M u t t e r der verurteilten Geschwister wurde man­gels Beweises freigesprochen. Die Angeklagten bat- im August ds. Js. wieder einmal «ine Auseinan­dersetzung mit dem alten Sanladerer, nachdem es vorher schon öfter zu Streitigkeiten wegen der Zah­lungsverpflichtungen gekommen war, die Sanlade­rer für seine Verwandten übernommen hatte. Da­bei wurde der Landwirt von seinen Angehörigen blutig geschlagen, und als er sich zur Wehr setzte, streckte ihn der Sohn durch zwei Schüsse nieder, worauf der Vater nach fünf Tagen starb.

* Kommunistische Terrorbande in Nürnberg ge­sprengt. Die Polizei ist in Nürnberg einer kom­munistischen Terrorbande amf die Spur gekom­men, die bereits seit Sommer dieses Jahres bestand. 29 Mitglieder der Bande wurden fest- aenommen, 10 befinden sich bereits i'n Unter- suchumgshaft. Ihnen wird eine große Anzahl Einbrüche in Lebensmittelgeschäften und Kioske zur Last gelegt. Anch soll die Bande sich durch Diebstahl Material zur Herstellung illegaler Pro­pagandaschriften verschafft und eine Reihe brü­tiger Zusammenstöße inszeniert haben. Bei der Polizeiaksion gegen bfe Bande wurde ein Waffen­lager beschlagnahmt, das offensichtlich zusammen­gestohlen war; ferner wurde Material , gefunden, das der Vorbereitung neuer Terror­akte bienen sollte. Der Führer der Terrorbande ist nach Rußland geflüchtet.

Bunte Zeitung.

— Aus der Geschichte der Zigarette. Die Zigarette stammt aus Südamerika und wurde im 18. Jahrhundert zuerst von Reisenden und Missionaren in Spanien ein­geführt. Hier lernte Casanova sie bei einem Besuche in Madrid kennen. Sie kam dann auch nach Frank­reich und nach Italien, aber volkstümlich wurde sie in Europa erst nach dem Krimkrieg, wo die französischen und englischen Offiziere sie bei den verbündeten Türken kennen lernten. In Deutschland, wo die Raucher meist an der Pfeife und der Zigarre festhielten, kam die Zigarette nur sehr langsam auf. Erst in und nach dem Weltkrieg gewann sie eine ungeheure Verbreitung.

— Fichten als Wetteranzeiger. In der „Oesterr. botanischen Zeitschrift, erzählt Herr Ullepitsch von einem ganz eigentümlichen, von ihm beobachteten, außerordent- lich einfachen und ganz originellen Wetteranzeiger, den die im Böhmerwald zerstreut wohnenden Ansiedler unter der Bezeichnung „Barometer" benützen. Zu seiner Her­stellung wird eine junge Fichte unter dem ersten Quirl entwipfelt. Der abgeschnittene Wipfel wird ganz abge­schält und alle Zweige bis auf einen abgeschnitten, dann aber dieses so präparierte Wipselstück verkehrt an eine Wand genagelt. Das stehengelassene Aestchen nun krümmt sich bei schönem Wetter auswärts („Das Baro­meter steigt", sagen die Leute), bei schlechtem Wetter aber abwärts („das Barometer fällt"). Durch den Um­stand, daß die Wälder außerordentlich viel Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, bevor es dazu kommt, auch wirklich zu regnen, fechint es vielfach möglich, daß man halbe Tage lang voraus das Wetter prophezeien kann.

Ob einer viel des Guten tu Und eine Missetat dazu, Der Guttat wird vergessen, Die Messetat gemessen.

Altdeutscher Spruch.

Aachls auf der Strotze.

Von E. van Lidth de Jeude.

Ernst Färber und ich fuhren an jenem Abend in sei­nem Auto die Landstraße entlang. Es regnete stark und anhaltend, ein böser Herbstwind jagte die Regen­schauer gegen die Fenster der Limousine, die mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern über den stillen, vor Nässe glänzenden Weg dahinsauste. Der Fensterwischer tickte regelmäßig, der Motor surrte und wir sprachen wenig, tief eingehüllt in unsere Regenmäntel. Um die weißen Lichtbündel der Lampen stand schwarz der Rest der Welt. An beiden Seiten muhte die weite Heide fein, aber wir sahen nichts davon. Nur ab und zu sine Baumgrupp« ober einen einsamen Bauernhof.

Bei einer Biegung des Weges traten plötzlich ein paar Menschen, ein Mann und eine Frau, in den Licht­kreis unserer Laternen. Sie winkten uns zu, und an ihren Gebärden konnten wir erkennen, daß sie gern mit­genommen werden wollten.

Als wir bei ihnen angekommen waren, sahen wir, daß sie trieften von Regen. Ich hatte wirklich Mitleid mit ihnen, aber zu meinem Erstaunen muhte ich kon­statieren daß sie bei Ernst Färber kein Glück hatten. Er gab Gas und fuhr an ihnen vorbei, schweigend durch das Vorderfenster auf den nassen Weg starrend.

„So waren Sie aber früher nicht," hielt ich für rich­tig zu bemerken.

„Nein," erwiderte Ernst, „so war ich früher nicht. Aber ich habe Lehrgeld bezahlt. Und da bin ich so geworden."

Und während der Wagen gleichmäßig weiterfuhr durch die pechschwarze Nacht, erzählte er mir bas Aben­teuer, das ihn so hart gemacht hatte.

„Es ist ungefähr sechs Jahre her," begann er, „ich war Geschäfte halber mit meinem Auto nach Frankreich gefahren. Es war spät im Herbst und daher am Nach­mittag schon früh dunkel. Ich hatte einen Bekannten besuchen wollen, der während der Sommermonate unge­fähr 60 Kilometer nördlich von Paris ein Landhaus bewohnte, doch der alte Gärtner erzählte mir, daß sein Herr schon vor acht Tagen, vertrieben von dem schlech­ten Wetter, nach Paris zurückgekehrt sei. So fuhr ich wieder heim, doch es war Abend geworden, ich bekam Hunger, und darum hielt ich einige Kilometer weiter bei einer Dorfherberge und ließ mir ein einfaches Abend­essen geben. Außer mir waren nur noch zwei andere Gäste in dem Wirtshause, ein paar mit fast ausfallender Eleganz gekleidete junge Leute, die in einer Ecke saßen und in ein lebhaftes, wenn auch flüsternd geführtes Ge­spräch vertieft waren. Sie gingen etwa eine halbe Stunde vor mir weg. Ich rauchte noch eine Zigarre bei einer Taste Kaffee. Es war neun Uhr geworden, als ich mich erhob, um weiterzufahren. Das Wetter war stürmisch, und es regnete reichlich, so ungefähr wie heute Ich mochte vielleicht eine Viertelstunde gefahren sein und befand mich auf der völlig verlassenen „route na­tionale", als plötzlich eine Frauengestalt im Licht mei­ner Laternen auftauchte und mir winkte, zu halten. Ich entsprach ihrem Wunsch, öffnete die Tür und fragte, wo­mit ich ihr dienen könne. Es war ein hübsches Mäd- chen, und sie war trotz ihres Regenmantels so naß, als hätte sie im Wasser gelegen.

„Ach, mein Herr," sagte sie, „es tut mir riesig leib, daß ich Sie belästigen muß, aber würden Sie nicht die Güte haben, mich mitzunehmen? Ich wohne un­gefähr sieben Kilometer entfernt von hier an einem Sei­tenweg der Hauptstraße, und meine Ellern würden sich sehr beunruhigen . ."

Ich ersuchte sie höflich einzusteigen, und wir fuhren zusammen weiter. Das Gespräch wollte erst nicht recht in Gang kommen, aber nachdem ich ihr hübsches Profil von der Seite betrachtet hatte, fragte ich sie, wie sie da so spät und bei solchem Wetter auf den einsamen Weg geraten fei. Etwas zögernd gab sie zur Antwort, daß sie eine befreundete Familie im Dorf besucht habe. Dann erzählte sie weiter, daß sie dort einen jungen Mann getroffen hätte, der ihr den Hof gemacht hatte, der ihr jedoch wenig sympathisch sei. Dieser hätte ihr angebo­ten, sie in seinem Auto nach Hause zu bringen und versucht, sie zu küssen.. Darauf sei sie böse geworden und habe ihn ersucht, sie nicht zu belästigen ober sie aus- fteigen zu lassen. Woraus der galante Jüngling sie wü­tend angefahren hätte, dann möge sie nur aussteigen. Das habe sie getan und er sei weitergefahren. Da hätte sie nun allein im Regen gestanden, noch anderthalb Stun­den entfernt vor ihrem Haus.

„Ja, ja," scherzte ich, „manchmal ist ein Kuß nicht angenehm."

„Natürlich nicht," erwiderte sie und lachte. Wir unterhielten uns auf das angenehmste, bis sie nach einer Weile sagte: „Hier müssen wir anhalten. Hier biegt mein Weg ab."

Es ist selbstverständlich, daß ich ihr anbot, den klei­nen Umweg zu machen und sie bis vor ihr Haus zu fah­ren, was sie dankbar annahm.

Wir verließen also die Hauptstraße und folgten ein paar hundert Meter lang einen schmalen Landweg mit vielen Kurven. Plötzlich sah ich vor uns auf dem Wege ein Auto stehen. Die Hinterlaterne brannte nicht, und es fiel mir auf, daß das Nummernschild bedeckt war. Wir konnten an dem Wagen nicht vorbei, aber kaum i hatte ich bei ihm gestoppt, als an jeder Seite ein Mann I ausstieg, beide maskiert, doch glaubte ich an ihrer Klei- |

katholische Welt

Konsekration des neuen weihbischos, von Bnbrri wtb. Paderborn, 21. Dez. (Eig. Meld.) fanb heute vormittag die Konsekration des neuen b'schofs der Erzdiözese Paderborn, A. Saumann ft h Die Weihe vollzog Erzbiichof Dr. Kaspar Klein ? . Assistenz des Bischofs Dr. Bares aus Hildesheim des Weihbischoss Dr. Scheifes aus Münster.

gegen-

Bon der katholischen SeemaulisMWy in Hambnrg.

Die Kath. Seemannsmission in Hamburq ist neueren Ursprungs, noch nicht ein Jahr alt AlNr^„ wurden in früheren Jahren die Aufaabea ber eeemannsmiffion durch den Gesellen verein und he„ ’~7 Raphaelsoereins, wenigstens in bescheidenem UrnrnnnT ausgeübt. Wenn früher die Betreuung der kachomL Seeleute in Deutschland nicht jene Aufmerksamkeit^ fahren hat, wie es der Natur der Sache eigentlich sprachen hätte, so dürfte da- vor allem darauf varü» Zuführen fein, daß die Katholiken in den großen deml schen Hafenstädten durch ihre eigenen Sorgen — ne {inh ja in einer verschwindend geringen Minderbeit aeaen. über den Andersgläubigen — zu stark in Anspruch oe. notnmen waren, das katholische Hinterland aber hie drinalichen Aufgaben der Seemamismission nicht aus nächster Nähe schauen und erleben konnte.

Temperatur- und Barometerstand in Ma.

+ 3,5‘ C

Sie Fuldaer Zeitung

Wirtschaft!. Kampfbewegungen.

Mtbeifsffreil bei der Norddeutschen Wollkämmerei.

Bei der Norddeutschen Wollkämmerei und Kamm­garnspinnerei in Delmenhorst ist es am Montag zwischen der Werksleitung und einem Teil der Arbeiter der Zwirnerei zu Unstimmigkeiten gekommen. Die Werks­leitung wollte organisatorische Aenderungen in dieser Ab­teilung vornehmen. Mit der Aenderung erklärten sich aber einige Arbeiter nicht einverstanden. Sie (egten | daraufhin die Arbeit nieder. Darauf stellte die Werksleitung den Arbeitern, die die Arbeit oemefjtÄöB die Kündigung zu. Am Dienstag haben VerlMdlun- gen zwischen der Werksleitung und den Gewerkschaften zu einer Einigung dahingehend geführt, daß die Werkslei­tung die betroffenen Arbeiter nach Bedarf wieder e i n ft e 111._____________

Adresse des Seemannspastors in Hamburg ist: Ham­burg 5, Große Allee 42, Postscheckkonto Apostolat des Meeres Hamburg Nr. 5099.

Niederschi. v. 20.12. tnorg. 8 U. — 21.12. morg. 8 U. 0,0 mm Relative Feuchtigkeit der Lust am 21.12. mitt. 12 Uhr 62,0/

entsprechenden Seemannsheim verhelfen werden. Di» ' Hamburg ist: Ham- ckkonto Apostolat des

Helleres.

Zuviel verlangt. Eben hatte das Kölner Muse das berühmte Bild von Murillo zum Geschenk erb al' Da begegnen sich zwei Freundinnen. „Haste auch fd den neuen Murillo gesehen, Liesche?" — «Och cn bedauerte Lieschen. „Ich mor jo de letzte Zick krank bin seit zwei Monat nit mich im Zoologische gerne,

In dem letzten Jahre nun ist eine eigene Organisation zur Betreuung der katholischen Seeleute ins Leben qe, rufen worden, die Kath. Seemannsmission die inzwischen dem internationalen „A p o ft o I a t des Meeres" angegliedert worden ist. Wenn auch die Wirtschaftskrise in den Reihen der Seeleute ihre groben Opfer gefordert hat, so darf man doch nicht vergessen daß der größte deutsche Hafen, Hamburg,, heute" noch wöchentlich durchweg 250 bis 300 ausfahrenbe und eben­so viele einlaufende Schiffe zählt. Damit Dürfte wohl der beste Beweis erbracht fein, daß die Kath. Seemanns­mission auch in unseren Tagen noch eine recht große Bedeutung hat. Das katholische Hinterland darf eben nicht vergessen, daß auch aus seinen Gebieten eine ganze Reihe katholischer Seeleute auf den Dampfern sich he- sindet, die in den Hafenstädten durch die Seemanns- Mission vor den mannigfachen Gefahren beschützt und bewahrt werden sollen So hat die Kath. Seemanns. Mission mit den bescheidenen Mitteln, die ihr zur Ver- fügung stehen, es doch schnn fertig gebracht, in dec kurzen Zeit ihres Wirkens über ',2 0 '0 Schriften auf den Dump, fern zur Verteilung gelangen zu lalen. Das war ober nur dadurch möglich, daß katholische Verleger trog ter Ungunst der Zeit größtes Entgegenkommen gezeigt ha­ben. Dankbar fei dies hier anerkannt

Die Räumlichkeiten, in denen die Seemannsmiffion z. Zt. untergebracht ist, haben sich in den wenigen Mo­naten ihrer Tätigkeit schon als zu klein erwiesen und es muß deshalb nach einem größeren Seemannsheim Ausschau gehalten werden. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Katholiken vor allem in West- und Süddeutschland ihre katholischen Söhne in den deutschen Hafenstädten nicht im Stiche lassen und ihnen zu einem

düng sofort die beiden eleganten Männer zu rrkemie^ die mit mir in der Dorsherberge gesessen hatten. Noch bevor ich den Motor abgestellt hatte, standen sie neben mir, jeder an einer Seite des Wagens, und hielten nu ihre Revolver unter die Nase.

„Geben Sie Ihr Geld her!" lautete das Kommando. Was sollte ich tun? Ich suchte meine Begleiterin; I* hatte mich verlassen und war zu dem anderen 23agc geschlichen. Ich sah die beiden Brownings, und W mußte zulassen, daß der eine Bandit mir mein Port feuille entwendete und alle Geldscheine herausnahm. bißchen Kleingeld wurde mir freundlichst gelassen, u. die Herren entschuldigten sich für den Aufenthalt, ot diese kleine unblutige Operation verursacht hatte. «W rieten mir eindringlich davon ab, sie zu verfolgen, oenns ihre Revolver würden auf mich gerichtet bleiben. Ui in der Tat hielten sie die beiden Waffen durch k Hinterfenster ihres Verdecks so lange auf mich geriet bis der Wagen in der Dunkelheit verschwunden ® Vorsichtig rückwärts fahrend, erreichte ich endlich wiei den Hauptweg und kam spät in der Nacht in Paris « Ich habe den Ueberfall der Polizei nicht gemeldet, de ich war überzeugt, daß ich niemals einen Franken v den dreitausend Wiedersehen würde, die diese Lew mich gekostet hat. Und darum: in meinem'Auto « Mitfahrer mehr!"

Iift auch den Fuldaern, die in der Ferne wohnen, als Bote aus der Heimat ein lieber Freund.

Sie ist II

örs Fuldaer Heimak-Vlakt

Höchste Temperatur im Schatten am 20. 12.

Höchste Temperatur in her Sonne am 20. 12. 4-10,5’ C

Niedrigste Temperatur seit 20. 12. — 3,5' C

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Barometerstand

(auf Meereahühe reduzier»

Thermo- meterstanb

20. 12. 6 Uhr abends

21. 12. 8 Uhr morgens

21. 12. 12 Uhr mittags

770,5 mm

770,5 mm

770,0 mm

V 1,5* C - 3,5° C + 2,0’ C