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Zuschriften aus unserem Leserkreis.

Für die hier erfolgenden Veröffentlichungen übernimmt die Schriftleitung nur die durch das Preßgesetz vor- gefchriebene Verantwortung.

Gegen Schwarzarbeit und unlauteres Geschäftsgebaren.

Dom Fuldaer Spedition?, und Trans- portgewerbe werden wir um Veröffentlichung fol­genden Schreibens gebeten, welches von den maßgeben­den Firmen an die Behörde gesandt wurde.

Es ist eine allgemein bekannte und von den Behörden besonders berücksichtigte Tatsache, daß bei Submissionen außerordentliche Preisunterschiede festgestellt werden. Der Grad der 'Unterbietungen läßt es oft unmöglich er­scheinen, daß der betreffende Unternehmer bei kaufmänni­scher Kalkulation, die also zum mindesten die eigenen Selbstkosten decken müßte, die tariflichen Löhne zahlt und seinen sämtlichen steuerlichen Verpflichtungen an Ge­werbesteuer, Gewerbeertraassteuer, Umsatzsteuer, Ein­kommensteuer, Lohnsteuer, Lohnfummensteuer, Trinkgeld- steuer, Hauszinssteuer, Kraftfahrzeugsteuer, Genehmi­gungsgebühren im Ueberlandverkehr mit Kaftfahrzeu- gen, Aufbringungssteuer, Bürgersteuer, ferner bezüglich der sozialen Abgaben an Krankenkasse, Berufsyenosien- schaft, Angestelltenoersicherung, Jnvalidenverstcherung, Arbeitslosenversicherung u. Arbeitslosenhilfe nachkommt. Das ehrliche Transportgewerbe, welches seinen Staats­bürgerpflichten durch Zahlung der durch Tarifvertrag verbindlich vorgeschriebenen Löhne und durch ordnungs­mäßige Zahlung aller Steuern und sozialen Abgaben nachkommt und daher durch derartige unlautere Elemente außerordentlich schwer geschädigt wird, hat zur Selbsthilfe gegriffen und wird alle diejenigen Fälle zur Weiterver- solgung melden, in denen die begründete Vermutung be­steht, daß diese Staatsbürgerpflichten in unlauterer Weise umgangen und nicht beachtet werden. Vorgenommene Untersuchungen haben bereits ergeben, wie sehr solch ein Verdacht berechtigt ist. Erwähnt sei, daß es sich bei den­jenigen, wegen ihrer besonderen Billigkeit bekannten Un­ternehmern schon herausstellte, daß sie fruchtlos gepfän­det sind, ihre Steuern und Abgaben nicht bezahlen, un­tertariflich entlohnen und ihr Pferdematerial langsam verhungern lassen.

Es kann unmöglich im Interesse des Staates und der Gemeinden liegen, derartige Elemente auch noch dadurch zu schützen, daß sie bei Submissionstransporten auf Grund von Preisangeboten bevorzugt werden, die nur durch strafbare Handlungen, alle Finessen und Winkel­züge und unwürdige Mittel möglich geworden sind, wäh­rend im Gegensatz dazu das ehrliche und steuerzahlende, sowie seinen sozialen Verpflichtungen nachkommende Transportgewerbe ruiniert wird, wodurch sich dement­sprechend auch das Steuereinkommen von Staat und Ge­meinde verringern muß, wenn man von der Belastung durch weiter erwerbslos werdende Arbeitskäfte absieht..

Da der Schutz dieser staatserhaltenden Kräfte und die Erfassung oller Hinterziehungen nur im Interesse des Staates und der Gemeinden liegt, da aber andererseits unserem Vorgehen gewisse Grenzen gesetzt sind, bitten wir ergebenst, uns in unseren Bestrebungen auch zu un­terstützen, nicht zuletzt deshalb, um dem Fiskus die steuer­liche Zahlungsfähigkeit des ordentlichen Transportgewer- bes zu erhalten. Dieses würde u. E. auch darin bestehen, daß bei Submissionstransporten nicht nur der Billigste den Transport zugesprochen erhält, sondern wenn auch der Vertrauenswürdigkeit und Leistungsfähigkeit der Fir­

men Rechnung getragen wird. Desgleichen erscheint es u. E. sehr erwägenswert, vor Vergebung von Submis­sions-Transporten bei den zuständigen Amtsstellen Rück­frage zu halten, ob der betreffende Unternehmer seinen Verpflichtungen in Bezug auf Steuern und soziale Ab­gaben ordnungsmäßig nachgekommen ist.

Bei dieser Gelegenheit erlauben wir uns auch, den nachfolgenden praktischen Vorschlag für eine Regelung bei Submissionstransporten zu unterbreiten, die sich nur zum Nutzen der Behörden auswirken würde, da dann die Gewißheit bestände, daß die Aufträge zuverlässig und ordentlich durchgesührt werden, ohne daß eine Ueberoor- teilung vorliegt. Unser Vorschlag geht dahin, die Auf­tragsvergebung nach drei Gesichtspunkten: Vertrauens­würdigkeit, Leistungsfähigkeit und Mittelpreis, zu regeln. Die Erfahrung, welche unter Anwendung dieser Gesichts- punkte im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten gemacht wurde, war eine gute, da große Unebenheiten und große Ungerechtigkeiten ausgeglichen wurden.

Die Auftragsvergebung erfolgt dabei nach Grund­sätzen, die bei reellen Geschäftsabwicklungen immer maß­gebend sind. Das Prinzip des Mittelpreises hat sich wohl als das Gerechteste erwiesen; überall dort, wo es bereits eingeführt worden ist, haben die Erfolge alle Beteiligten zufriedengestellt. Jeder muß feine Kalkulationen so auf­bauen, daß Uebertreibungen nach oben ober unten fort­fallen, und daß keine Uebervorteilung von Behörden er­folgt, ergibt sich aus der vorgeschlagenen Berücksichtigung eines Mittelpreises, der einfach dadurch errechnet wird, indem sämtliche Preise aller eingereichten Angebote zu­sammengezogen und diese Endsumme durch die Anzahl der Angebote geteilt wird. Ist der Mittelpreis dann auf diese Weise festgestellt, so kommen die drei Firmen, welche diesem Preis am nächsten sind, nach Ausschaltung des Billigsten und des Teursten in engere Wahl, und diese werden nun eingehend daraufhin geprüft, ob sie auch vertrauenswürdig und leistungsfähig sind.

Soweit dabei eine Firma zwar vertrauenswürdig, aber bei sehr großen Objekten nicht so leistungsfähig ist, daß sie den gesamten Auftrag in der vorgeschriebenen Zeit auszusühren vermag, könnte der Auftrag auch in zwei oder drei Losen vergeben werden, so daß zwei oder alle drei Firmen mit der Ausführung des Gesamtauf­trages bedacht werden. Auch Derartiges hat sich bei An­wendung als segensreich erwiesen, zumal das Risiko dann nicht nur auf eine, sondern auf zwei oder drei vertrauens­würdige Firmen verteilt ist. Die Heranziehung mehrerer leistungsfähiger und vertrauenswürdiger Firmen würde auch der augenblicklichen Wirtschaftslage Rechnung tra­gen und die regierungsseitig im allgemeinen Interesse erstrebte Ankurbelung der Wirtschaft unterstützen. Das System des Billigsten wird fast immer Nachteile geld­licher ober moralischer Art in sich bergen, währenb bas System vom Mittelpreis entschieben gerechter unb ein« manbfreier ist. Bei ber vorgeschlagenen Mittelpreisrege­lung käme auch noch hinzu, daß dadurch jede Möglich­keit von Durchstechereien von vornherein vorgebeugt würde, ein Moment, welches bestimmt auch im Staats­interesse sehr beachtlich ist.

Wir hoffen, daß auch diese Anregung gebührende Würdigung finden wird und bitten daher ergebenst, zweckentsprechende Weisung zu erteilen.

(Folgt Unterschrift.)

Zur Fuldaer Kunstausstellung.

Mit ber Ausstellung Münchener und Fuldaer Maler im Schloß ist eine Sonders ch au alter Ful­daer K u n ft verbunden, um deren Zustandekommen Studienassessor Schlitt, der neue Zeichenlehrer am Gymnasium, sich Verdienste erworben hat. Aus musea- lern und privatem Besitz sind vor allem Bilder Fuldaer Maler aus dem 18. Jahrhundert zusammen getragen, die nun wenigstens in kleinem Umfange das vergleichende Studium von Werken Emanuel Wollhaupters und Andreas H e r r l e i n s ermöglichen. Durch geschickte Zusammenstellung markanter Beispiele ergeben sich Zu­sammenhänge, die auf Einflüsse von Paolo Veronese und Piazetta auf Wollhaupter, von Tischbein und Tiepolo auf Herrlein schließen lassen. Auch die Zusammenhänge und Gegensätze zwischen Wollhaupter und Herrlein, sei­nem Schüler und späteren Schwiegersohn, treten deut­licher in Erscheinung. Zur Ergänzung sind Stücke her- angezogen, die Einblicke in die Fuldaer Kunsttätigkeit vor dem Jahre 1700 und nach 1800 ermöglichen. Unter den Leihgaben aus Privatbesitz fällt auf: ein kleines Porträt der Tochter Herrleins als gute Rokoko-Malerei, einTod des hl. Sofef" aus der Wollhaupter-Schule (?) und als prächtigstes Stück ein Ianuaris Z i ck, der möglicherweife durch Fürftabt Adolf von Dalberg zu Fulda in Beziehungen trat (oergl. auch das Altarbild in Großenlüder). Wenn der von Schlitt in dankens­werter Weife begonnene Versuch fortgesetzt wird, indem später einmal auch das Diözesan- und Dom-Museum sich zur Beteiligung bcreitfänbe, wäre die Grund­lage gegeben zu einer systematischen Durchforschung der Fuldaer Kunst aus 1000 Jahren.

Eugen Mehler.

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Auf die Schau ber Bilder, die von den Münche­nern ausgestellt sind, wollen wir nochmals aufmerksam machen. Im ersten Raum (Vorraum) sind die Tiermaler Prof. Ludw. Putz mit seinem BildLetzte Fuhre" und Aigner mit einem GroßbildRevo11 e" un­gemein stark vertreten. Ein sehr gutes Porträt der Gattin des Ausstellungsleiters hängt etwas ungünstig im Licht über der Türe. Der Sitzungssaal (zweiter Raum) des Magistrats ist mit 20 Bildern behängt, unter denen das GroßbildKüste von Capri" von Albert Wenk eine dominierende Stellung einnimmt. Prof. Urban zeigt mit einer größeren Arbeit eine Stim­mungslandschaft von Nemisee mit abziehenden giganti­schen Wolkenmassen. Prof. E. Erter, der mit famo­sen Landschaften (im roten Sitzungszimmer) besser ver­treten ist, stellt eine dekorativ empfundeneDiana" aus. Der berühmte Akademieprofessor unb Geheimrat Stil. Diez steuerte erst kürzlich bie köstlichen Malereien Die Prophezeiung" undHerbergssuche", wie auch bas größere BildRäubernest" bei. Malerische Unterschiede in der Behandlung von Winterlandschaften erkennt man bei Betrachtung der BilderWinterlandschaft" von E. Henning unbWInter in Oberbayern" von Prof. E. Liebermann, ber außerdem mit einem GroßsigurenbildSer Sengler" unb einigen flott gezeichneten Landschaften sehr vorteilhaft eingereiht ist. B e st a's HochbildHeilige Familie auf der Flucht" ist gobelinhaft in der Farbenwirkung, sehr fein komponiert und ganz anders als die betenden Kin­der vor dem Kruzifix in einem Kirchhof von E. H o p p e, einer Künstlerin, die uns mit ihren anderen Werken noch mehr zu sagen hat Prof. Paul C r o d e t (ein be­rühmtes. leider inzwischen verstorbenes Mitglied der Münchener Sezession) will mit seinem größeren Bild Eis doch im Engadin" verharschten Schnee ge­malt haben mit einer Technik, die man bei seinem Bild lieber den Dächern" wiederkehren sieht.

Beim Betreten des roten Sitzungssaales der Stadtverordneten sehen wir uns einer farbig luftigen langen Bilderreihe gegenüber, die bemerkenswerte Ori­ginale von E Erler, vom Tiermaler Lüdecke- Cleve und dem recht einnehmenden Prof. R. S i e ck lChiemfeelandschasten) aufroeift. Das herrliche Rot des Hintergrundes ist für diese Bilder besonders günstig. Das BildAus der Höhe" von E. E rler, das in der Mitte der nächsten und links aufgebauten Bilder­wand hängt, ist mit Recht eines ber meistbegehrten Bil­der der Münchener Ausstellung. Prof. Jul. Seyler hat mehrere Landschaften vom Watt unb von der belgischen Küste mit Schisser und Fischerpferden zur Schau gestellt. Diese Motive find vielen Beschauern zu wesensfremd, als daß man gleich Kontakt mit diesem Künstler bekäme, der mit seinem kleineren BildePflügender B au- e r" aber reine Freude bringt. Der Wilhelm von Diez Schüler I. A. Sailer will in anderer Technik mit mehr naturalistischer Auffassung fast das gleiche Sujet bringen, in einer Art, die dem Publikum ansprechender erscheint. Prof. Hans H e i d e r'sF a r b e n m u s i k" stellt problematisch eine Beziehung zwischen Musik unb Malerei dar, die nur erfühlt unb nicht erraten werben will. Im vierten Raum erkennen wir an ben sauber gemalten Interieurs von Rieper einen Hang zur alt- meisterlichen Malmanier, die vom meisterhaften hand­werklichen Können dieses älteren Malers beredtes Zeug­nis gibt. Viele Namen und viele weiter mit Recht zu nennende Gemälde können nicht aufgeführt werden, da Raummangel das verbietet. Alles in allem eine Kunst­ausstellung, die sich in jeder Großstadt sehen lassen kann (kürzlich wurde diese Ausstellung von allen Hamburger Blättern alssehr gut" kritisiert), eine Bilderschau, für die wir unseren Dank am besten durch zahlreichen Besuch bekunden können.

*

Morgen, Sonntag, ist die Ausstellung ben ganzen Tag von 10 bis 6.30 Uhr geöffnet. Der Eintritts­preis ist aus 30 Pfg. ermäßigt worden, so daß auch der Minderbemittelte sich einen künstlerischen Genuß aus dieser für Fulda seltenen Ausstellung verschaffen kann. Zu wünschen wäre es, daß auch der Kunst fernstehende Kreise die Kunst grüßen kommen, die im Stadtschloß in überreichem Maße gegeben wird. (Den Bildersamm- ler wird es interessieren, daß auch höher bewertete Ob­jekte zu geringen Honoraren, auch gegen kleinere Raten­zahlungen erworben werden können.)

Die Arbeitsgemeinschaft ber firippenfreunbe Fulda teilt uns mit: Im Lause der Woche sind in allen Straßen und Häusern Zettel verteilt worden, in denen eineSo- zialpadagogische Arbeitsgemeinschaft des Bruderhofes, Post Neuhof, Kreis Fulda" zu einem KrippenspielDas Gotteskind" einlädt. Für den Nachmittag sind die Kin­der eingelaben. Es ist bei uns wiederholt angefragt worden, ob das unsere Arbeitsgemeinschaft sei. Eigent­lich müßte ber seltsam anmutenbe Name dieser Ä.-G.

Fräulein Wunderbar".

Von Rudolf Wolff-Malm.

Jenen Namen hat ihr ber gemütliche Drogist unb Feinkosthändler gegeben, den sie fast täglich besucht.

Das kam so.

Als sie zum ersten Mal in seinem Laden erschien, ganz in Weih gekleidet, in ihrem dito Wagen sitzend, ber den an sich schon engen Aerkaufraum, den mächtige Zucker-, Reis- und Erbsensäcke sperrte», ging er pn ein Gestell, das sich in enger Nachbarschaft mit einem hohen Re­gal befand, auf dem alle möglichen Sorten von Schnäp­sen und Likören flimmerten, öffnete einen der auf dem Gestell stehenden quadratischen, mit appetitlichen Keks gefüllten Glaskästen, griff mit einer Zange ein Plätzchen heraus und steckte es ihr in das Fäustchen.

Zunächst starr über diese Tat, führte bie Insassin des Wagens das Gebäck an ihr Näschen, steckte es bann in den Mund tagte mit tiefem Atemholen:Wundembah!" Seitdem lauert der Drogist, ber schon zwei erwachsene Tochter hat, auf den weißen Wagen, öffnet die Tür, wenn er ihn sieht, lacht die hübsche, junge Mutter an, die ihn schiebt und bemerkt philosophisch:Früher die Mama, jetzt das Fräulein Wunderbar!"

Sowie das Fahrzeug im Laden steht, hört alle Tä­tigkeit auf. Das blonde Fräulein legt das Paket hin, das sie soeben einwickeln wollte, die grauhaarige Kassiererin vergißt, die Kasse zu drücken, zwei dicke Kundinnen, die sich gerade einen unerhörte» Vorfall aus der Nachbar­schaft berichtete», verstumme» unb sehen mit fraulichem, in diesem Falle aber ganz unberechtigten Stolz auf die

dieses von selber verneinen. Zur Aufklärung teilen wir mit, daß die Arbeitsgemeinschaft der Krippenfreunde Fulda damit nichts zu tun hat. Unsere Arbeitsgemein­schaft hat den Zweck, das Geheimnis der Weihnacht durch die Krippe von der Kirche bis ins letzte Haus zu tragen, die Weihnachtskrippe zum christlichen Volks­gut zu machen. Sämtliche Krippengemeinschaften Deutschlands stehen miteinander in Verbindung. Eine Sozialpädagogische Arbeitsgemeinschaft bes Bruber- hofes" gibt es barunter nicht. Unser Abventsspiel wird am Sonntag, 18. Dezember, abends 8Uhr, im Kath. Gesellenhause aufgeführt unb heißt:D i e Geigermette" von Ludwig Hugin. Sein Besuch ist wegen feines packenden Inhaltes sehr zu empfehlen. Unsere Eintrittspreise sind aus den Aushängen zu er- sehen. Vorverkauf Buchhandlung Oskar Kramer, But- termarft.

Fuldaer Lichtspielschau.

Die Tänzerin von Sanssouci."

Im Lande Preußen ist einmal recht große und rühm- reiche Geschichte gemacht worden. Don einem König, der gern die Flöte spielte, der ein Liebhaber von Bach- scher Musik war und, wenn es die staatsmännische Klug­heit erforderte, auch einmal der Liebhaber einer Tän­zerin sein konnte. Aber das waren nur die gelegent­lichen Aeußerungen eines Geistes, der mit solchen Dingen nicht erschöpft ist. Gleichsam war es nur der Nieder- schlag, waren es nur Exponente, die den Weg zu den Erfolgen eines großen Mannes weifen. Verweisen wir auch den Film in diese Grenzen, in denen er seiner Auf­gabe allenfalls gerecht werden kann. Wie man sich etwa über eine Anekdote vom Alten Fritz erheitert, so soll man diesen Film als einen Versuch hinnehmen, an einen anerkannt großen Mann die Maßstäbe bes Jbeals zu legen, keineswegs aber bie ber Wirklichkeit. Dazu fehlt einer nicht zu verkennenden Tendenz bie Kraft, sich selbst zu besiegen, und dem Film der Reiz, den wohl ein Ge­schichtsschreiber einer solchen Aufgabe abgewinnen konnte. Das Filmwerk bewegt sich in den angemessenen Bah­nen vornehmer Idealisierung, gegen die nichts einzu­wenden ist, solange sie sich selbst treu bleibt. Talmi ist nichts Echtes, aber es kann doch einen gewissen Glanr haben. Somit bleibt nur noch die Untersuchung auf den filmischen Wert dieser Tänzerinnengeschichte des großen Königs. Er ist sicher auf die Aktivseite der Lein­wandproduktion zu buchen. Man gestaltete einfach, ge­schmackvoll, oder, um es in fremdklingender Prägnanz zu sagen: charmant. Es zeigt sich der idealisierte Cha­rakter des Königs im Gegenspiel zu einer Tänzerin. Daß man sich dabei auf keiner Seite etwas zu vergeben brauchte, stellt eine gelungene Losung dar. Geschickt an­gebrachtes Licht- und Schattenspiel erzeugt dazu eine gewisse Tiefenwirkung, die der federleichten dramatischen Komposition Halt und Rahmen gibt. Otto Gebühr, der traditionelle Friberikus-Darsteller und Liane Heid als Barberina gaben die Hauptrollen, glücklich ausein­ander abgestimmt. Alles übrige verschwamm dagegen

kleine Person im Wagen, an dem gebückt der rundliche, gemütliche Drogist steht, um den sehnlichst erwarteten Genuß auszukosten, der programmäßig durch das Wort Wundembah" geboten wird. Dieses Stichwort löst allgemeine Freude aus. Die Kassiererin drückt lächelnd auf die Tasten ihrer Registrierkasse, das blonde Fräulein- chen knistert kichernd mit dem Papier, und die dicken Frauen zwängen sich mit befriedigtem Ausdruck an dem Kinderwagen vorbei zur Türe, während das Kind am Plätzchen knabbert, mit den Augen die unbegreiflichen Herrlichkeiten des Ladens übersieht, und nochmals ge­fragt, wie es schmecke, hinausjauchzt:wundembah!"

In der Freude des Erlebnisses vergißt der Drogist, mit jener Peinlichkeit zu wiegen, die den Profit des tüchtigen Kaufmanns ergibt. Immer noch lächelnd, über­reicht er der jungen Mama das Pfund Kaffee und sieht gedankenverloren dem Wägelchen nach, bis es im Ge­wühl der Straße entschwindet.

«

Die weitere Fahrt geht quer durch die Stadt. Der nächste Besuch gilt dem Bäckerladen. Es ist keiner von den kleinen, verschlafenen Läden, in denen man in Seelenruhe sämtliche Backwaren aus dem Fenster räu­men und damit verschwinden könnte, bis sich Frau ober Herr Bäckermeister gezeigt haben. Nein! Ein großer, tumultuarischer Laden ist es, mit Spiegeln, hohen Glas­wänden, hinter denen sich mächtige Semmelberge aller Art und Brote häufen. An der Kasse sitzt ein würdiger, älterer Herr, unb viele in Weiß gekleidete Mädchen er- lebigen ben Verkauf. Rollt ber Wagen in dieses Groß- stadtgeschäst, bann gerät auch dieser am Schnürchen lau-

etroas zu statistischem Hintergrund, auch ein meisterlich gelungener Versuch zur Annäherung an die Bühnenkunst. Noch ein Gutes ist zu erwähnen: Man vergeudete keinen Meter Filmstreifen an bie so oft beliebte unsinnige Art malerischer Zustanbsschilberung, Schlösser, Parks usw. So ist zu sagen: Eine gute Regie- und schauspielerische Leistung im Dienste deutscher Kultur nach dem Sinne des Dichterwortes: Wohl dem, der feiner Väter gern gedenkt! -

Kreuzbruder-Stammtisch. Man schreibt uns: Die im vorigen Winter gehegte Hoffnung, daß Not und Leiden unserer Mitmenschen den Höhepun kt über schrit­ten hätten, hak sich leider nicht erfüllt. Riesengroß ist die Not gestiegen unb was damals als das Aeußerste angesehen wurde, das von Menschen getragen werden ann, wäre heute für atlzuviele noch ein, geniesten an ihrer Lage, verhältnismäßig erträglicher Zustond. Aber nicht nur größer ist das Leib geworden, auch immer weitere Kreise hat es in seinen Bann gezogen. Men­schen, die noch im vorigen Winter ein Scherttein für andere hatten, müssen nun selbst ihre letzte Hoffnung auf bie milde HaNb ihrer Mitmenschen setzen. Der Kreuzbruder-Stammtisch sieht deshalb in diesem Jahre davon ab, eine allgemeine Haussammlung zu veranstal­ten. Wir werden vielmehr unsere traditionelle Samm­lung in einem kleineren Kreis vornehmen, bitten aber un'ere Freunde und Gönner und alle, bie noch eine Möglichkeit dazu haben, uns trotzbem ihre Gaben zu­kommen zu lassen. Im Vereinslokal GasthosGer­mania" wird jede, auch die kleinste Spenbe, dankbar entgegengenommen. Safelbft ist auch Gelegnheit gebo­ten, durch Nagelung der Stammtüchplatte einen Bei­trag zu unserem Liebeswerk zu leisten. Unser offiziel­ler Wohltätigkeitsabcnb findet wie alljährlich, am 5. Januar 1933, abends 7.30 Uhr im VereinslokalGer­mania" statt. _________

Schüler besichtigen Betriebe.

Der Lehrer haftet nicht bei von ihm unverschuldetem Unfall eines Schülers.

Dor kurzem hatte ein Oberlandesgericht in einem Schadenersatzprozeß gegen den preußischen Staat zu entscheiden. Kläger in diesem Prozeß war der gesetzliche Vertreter eines Schulkindes, das anläßlich einer unter Führung des Lehrers stattgefundenen Schulbesichtigung eines gewerb­lichen Betriebes verletzt worden war. In den Entscheidungsgründen heißt es u. a.:

Die Klage konnte keinen Erfolg haben,, da den Lehrer kein Verschulden an dem Unfall trifft. In dem Umstande an sich, daß der Lehrer die Schüler seiner Klasse in eine im Betrieb befindliche Schmiede zur Besichtigung der Arbeiten geführt hat, ist ein schuldhaftes Verhalten nicht zu finden. Polizeiliche Vorschriften, di« das Be-

fenbe Betrieb in Unorbnung. Die Mäbchen lächeln unb wispern, ber alte Kassierer wirst einen aufforbernben Blick über seine Brille zu einer ber Verkäuferinnen, bie bann sofort ein Plätzchen für bas Kinb bereit hält, bas mit bem Köpflein nickt unb sagt:banken-bi". Die Mö­bels strahlen, bie Kunbinnen im Laben meinen:Gott, wie fühl". Der Kassierer aber fenbet ein verlorenes, schmerzliches Lächeln herüber. Er benft an seine Toch­ter, bie im fernen Mexiko lebt, unb baß er wohl nie bas Glück haben wirb, als Großvater solch ein kleines Ding in ben Armen halten zu bürfen . . .

*

Auf der Straße hat bie Mutter ihre Not mit ber Klei­nen. Tausenb Dinge gibt es zu sehen unb zu bestaunen, bie jetzt im weihnachtlichen Schmucke hoppelt glänzen. Unter bauernben Ausrufen geht bie Fahrt weiter, um schließlich in einem Damenkonfektionshause zu enben. Der weiße Wagen ist bas Signal für bie Firma, Geschäft Geschäft sein zu taffen unb sich nur ber Bebienung die­ses jüngsten Kunden zu widmen. Zunächst ist es der weißhaarige, siebzigjährige Chef des Hauses, der die Kleine an der Hand nimmt und sie an feinen Soffen» schrank führt. Dieser Schrank ist der schreckhaft-süße An­ziehungspunkt für alle kleinen Kinder Sie müssen ein­mal blasen, unb bann fällt plötzlich irgenb etwas Hirrenb herab. Ein ganz besonderer Kassenschrank ist das! Mit erschrecktemMammi"-Ruf tippelt Fräulein Wunderbar zurück zu ihrer Mutter, wird aber sofort umringt von den hübschen, jungen Verkäuferinnen, die merkwürdiger­weise alle Schokolade haben (die Fräulein Wunderbar nicht zu essen bekommt. Zur Beruhigung vernünftiger

16. 12. 6 Uhr abends

17. 12. 8 Uhr morgens

17. 12. 12 Uhr mittags

774,0

773,0

772,5

Barometerstand

(auf M«i«,höh« reduziert)

Thenns- meterftani

Höchste Temperatur im Schatten am Höchste Temperatur in der Sonne am Niedrigste Temperatur seit

* Der Fvakttonsfühver der Nationalsozialisten im Hessischen Landtag, Karl Lenz, hat fein Mandat krankheitshalber niedergelszt. Auf der Kandidatenliste steht als Nachfolger Rechtsanwalt Klein (Darmstadt), der damit in den Landtag einziehen dürfte.

Der Parteiausschuß der SPD. beschloß, den nächsten Parteitag für den 12. März 1933 ein- zuberufen.

mm mm

mm

16. 12.

16. 12.

16. 12.

Amtliche Bekanntmachungen

Bekanntmachung.

Zum Zwecke der Erhebung einer ViehseuchenalqA' für das Jahr 1933 liegt im Geschäftszimmer des stavk. Steueramts (Zimmer 1) vom 19. Dezember 1932 bis ein­schließlich 1. Januar 1933 ein nach dem Stande vom 1. Dezember 1932 ausgestelltes Verzeichnis der Pferde uno des Rindviehes zu jebermans Einsicht auf. Anträge am Berichtigung des Verzeichnisses sind bis zum 2. Januar 19» bei dem Magistrat schriftlich anzubringen.

Fulda, den 15. Dezember 1932.

Der Magistrat: Dr. Danzebrint.

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Vie wird das Vetter?

lieber Island ist ein äußerst kräftiger Tiefdruckwirbel erschienen, dessen Ausläufer bis nach Sübenglanb rei­chen. An der Südseite dieses Wirbels strömen feucht, warme Luftmassen nordostwärts, die in England ver­breitete Niederschläge verursachen. Unser Bezirk steht noch unter bem Einfluß des starken festländischen Hoch, druckgebietes, doch wird sich in ben nächsten Tagen bie Wirbeltätigkeit im Nordwester, auch bei uns bemerkbar machen unb zu unbeftänbiger Witterung führen. -

Wttterungsaussichten für Sonntag: Zunehmeode Unbeständigkeit mit vorerst noch geringer Nieder, schlagsneigung.

Temperatur- uud Barometerstand inMa.

TOttgetellt von Diplom-Optiker Sauerborn.

treten einer Schmiede verbieten, bestehen Es ist allgemein üblich, daß bie Äunben ha Schmiedes im Schmiederaum selbst abaefstti* werden. In der Tatsache der Besichtigung man daher nur bann em Verschulden des v^e reis finden, wenn nach den Grundsätzen der Verwaltung derartige Besichtigungen Handwerk' kicher Detriebsstätten außerhalb der 'S»ulräum nicht erlaubt wären. Der Anschauunas unterrrcht ist nach der derzeitigen 2luffaiiu* m den Gesamtunterricht der Grundschule ein gegangen und bildet dessen wesentlichen Bestand' teil. Daher gehört es auch zu dem Pflichtenkr-'s des Lehrers, den Schülern em anschauliches Bild handwerklicher Betätigung zu gewähren. Die fichtigung einer Werkstatt, auch einer Schm-ede- Werkstatt, ist daher nicht nur erlaubtes, sondern auch pflichtgemäß zu gewährendes Unterrichts- mittel. Eine Notwendigkeit bet Befragung bet Eltern lag nichr vor. Aber auch bei der Durch­führung der Besichtigung hat der Lehrer nicht unterlassen, bte ihm pflichtgemäß obliegenden Dor- sichtsmaßregeln zu treffen. Der Lehrer hat darauf geachtet, daß bte Kinder nicht planlos in bet Schmiede herumstanden und hat sie in einer Em. fernung von etwa 1,5 Meter vom Amboß Auf.

Den guten Bambergers Kaffee

zum Weihnachtsfest

GotffrtBamberwr,Bahnhof,wa

4- 0,5 C 2,0* C

+ 2,0 C

+ 2,5* C + 9,5' C

- 2,5 C

Niederschl. v. 16.12. morg. 8 U.17.12. morg. 8 U. 0,0 mm

Relative Feuchtigkeit ber Luft am 17.12.12 Uhr mitt. 64,0%

stellung nehmen lassen. Wie die Feststellungen ergaben, hat der verletzte Knabe 1,65 Meter von der Mitte des Ambosses, von dem der Splitter geflogen kam, entfernt gestanden. Daß ein Splitter von den Schmiedewerkzeugen, dem Hammer oder sogenannten Schrote, lossprang, ist etwas, was im Betrieb einer Schmiede verhältnismäßig selten geschieht. Daß der Lehrer als Laie mit dieser Gefahrenmöglichkeit nicht vertraut war, kann ihm nicht als Fahrlässigkeit angerechnet werden.

Alle Gefährdungsmöglichkeiten auszuschließen, ist auch bei Anwendung der größten Sorgfalt mcht durchführbar. Daß bet Lehrer daher bei der Durchführung ber Besichtigung nicht bie erforber- liche Sorgfalt gezeigt hat unb daher den Unfall verschuldet hätte, ist nicht ersichtlich. Danach ent. fällt auch bte Hwftungspflicht des Beklagten. (Preußischer Staat.)

Mütter sei bas gesagt!). Sie barf aber mit ihren kleinen Häubchen in kostbaren Crepes, Chisfon-Velour, Ponge unb wie bas Zeug alles heißt, wühlen, eine Wonne, bie sie mit ihren anderthalb Jahren bereits ergiebig aus­kostet als echte Evastochter. Interessiert spaziert sie bann in ben Anproberäumen herum, betrachtet sich in den hohen Spiegeln, ein winziger, weißer Punkt, entbeckt a»; herrlichstes Spielzeug gespickte Nadelkissen, von denen sie nur unter Protest entfernt werben kann, um bann schirm lich, vom ganzen Stab zur Türe eskortiert, hochbefriedigt biese herrliche Stätte zu verlassen, wo es so schöne, bunte Sachen zu sehen gab, wo ber gruselige Schrank stand, uno wo ihr Erscheinen alle Herzen aufbrechen ließ, baß dal schönste Gefühl der Frau in allen braunen, blauen unb schwarzen Mädchenaugen hell aufleuchtete, von dem das Kind eingehüllt wurde, tausendfach wärmer als etwa 1PC* ter einmal von bem kostbaren Mantel aus Seal, ber auf einer Büste hing . . .

*

Fährt aber Fräulein Wunberbar mieber ben Berg hinauf, an dem der Drogist seinen Laben hat, bann we>v bie Mutter bestimmt, baß er an ber Türe stehen wirb, deW Magie bes Kinbes verfallen. Sicher fragt er bann W* chenb:Na, wie hat's geschmeckt?" Die Antwort «!r° bann lauten:Wunbembah!" Unb in ben Christbounv kugeln im Lametta, in bem ganzen Weihnachtsglitzer» feiner Schaufensterauslage sieht er träumenb noch ein Glanz ruhen aus bem Auge bes Kindes, daß ihm pl° (ich bas Herz voll ist, unb bas Leben reich erscheint '

Glück . . .