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M

NILS

18. Dezember

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Jlc. 292

Christus

Karistraße 5

Telephon 2412

der Meister gar nicht all das Große und Schöne,

Volkes Stimme ist Gottes Stimme

ob Wolframs

Jahrhunderts

es dem Hölderlin Les begriffsfrohen 18.

Ich. Und Advent, Ankunft des Erlösers, ein schöneres Wort neben als dieses bereiten auf den Erlöser?

Auch in Seiner Menschennatur hätte

kann es Sichvor-

Der Stadtpfarrer der von Benediktinern be­treuten Pfarrei St. Bonifaz-München gibt soeben ein sehr zeitgemäßes BetrachtungsbüchleinA b- v e n t s l i ch t e r" heraus (ca. 80 Seiten. Ele­gant kartoniert Mk. 2.. Verlag I. Kofel u. Fr. Pustet, München), in dem er für jeden der vier Adventssonntage ein eigenes Thema als Ad- oentsttcht behandelt, dar die Menschen anzünden und dem kommenden Erlöser entgegentragen möchten. Mit Genehmigung des Verlags brin­gen wir die nachstehende Probe aus dem Buch zum Abdruck:

Laßt uns flutn Meister geben und erkennen, was das Opfer an Ihm vollbracht. Alle die Ein­zelheiten Seines Lebens, das ganze Leben selbst verlangte von Ihm eine Entäußerung Seines Ichs. Die Allmacht mußte sich unter die Schwachheit des Menlchen verbergen, der Reichtum mußte den Man­tel der Armut umlegen, ja sogar die Gerechtigkeit mußte sich ruhig verhalten gegen die Ungerechtig­keiten. Alles das mußte von Ihm doch alle Tage eine ganz harte rücksichtslose Entä-ußerung der Per­sönlichkeit verlangen. Und siehe, das ist des Op­fers heiligende, erleuchtende und schaffende Kraft bei jedem, dem ein Opfer auserlegt wird, oder der freien Willens ein solches bringt. Heute begegnet dir einer, mit dem dich keine Neigung verbindet, und doch gehst du nicht achtlos an ihm vorüber. Mor­gen kommt wieder dieselbe schwere Berufsarbeit, die dir heute unbequem gewesen, aber du tust sie ganz und vollkommen. In dieser Stunde versetzt du dich in Gedanken in eine schöne Erholunasseier- stunde, aber du kannst sie dir nicht gewähren aus Not. Und da, wo du auf Liebe, aus Freundlichkeit gewartet, ist dir vielleicht ein ganz persönlicher Schmerz bereitet. Ein inniger Wunsch wurde dir nicht erfüllt. Siehe, das alles sind so Opfer des Tages, und jetzt, wenn du sie in der eben ange­deuteten heiligen Gesinnung bringst, wenn du sie als goldene Fäden zwischen Gott und die Seels webst, dann mußt du jede.smal etwas von deinem Ich freigeben, du mußt dich selbst auf geben; du läßt etwas Fremdes über dich gebieten, aber gerade das Höhere, das Schönere in dir wird herrschend, das niedrige Ich gehorcht. Wie ist solch ein Mensch allmählich losgelöst von sich, ein wahrhaftig freier, so ein lichter, froher Mensch, vorbereitet und ge­wappnet für die Stunden, da sündhaftes Begeh­ren, unrechtes Wollen den Mensch fesselt oder ihn sich aufbäumen heißt gegen den Ewigen und Sein Gesetz? Ja, wahrlich im Opfer, im verlangten und im frei gesuchten Opfer, da wird der Mensch ge- läster, erlöster, ein Geist-Menfch, und der ist im­mer licht und groß. So entzündet das Opfer ein Licht im Menschen, das Licht der inneren Selbst­erlösung, das Freiwerden vom eigenen fesselnden

Das Schersleln der Witwe.

Gerade aus ihm ruht Gottes Segen. Selbst ein Trunk Wasser, dem Armen aus Liebe gereicht, bleibt nicht unbelohnt.

Wir haben alle gegenüber früher weniger, das ist bitter; aber unsere Hilfsbereitschaft muß sich bemeffen nach dem, was der Nächste im Vergleich zu uns entbehren muß.

Es gibt also keine Entschuldigung.

Die Zeit verlangt persönlichen Verzicht.

der der Liebe, die vom götll. Kinde her wie aus einer neuen Quelle die Welt befruch et. Daß auch wir Träger der ewigen Liebe werden, das ist der tiefste Sinn der Weihnachtsfeier, und a's Werkzeug die­ser Liebe wollen wir an die Gestaltung der Weih­nachtsfeier in unserer Familie Herangehen. Nur als Träger und Werkzeug der ewigen Liebe können wir teilhaben an der Verheißung des heutigen Evangeliums:

Alles Fleisch wird das Heil Got­tes schauen.

das Mannigfaltige und Herrliche vollbringen kön­nen, wenn nicht Seine Selbstentäußerung Sein F r e i w e r d en von allem Suchen nach dem Menschlichen, nach, Ehre, nach Anerken­nung, nach Größe Ihn so weitherzig, so groß­mütig, so einzig lebend gemacht hätte für die Tat und das Werk Seines Lebens. Das ist wahrhaf­tig das dritte große Licht, das das Opfer das rich­tig verstandene und recht gebrachte Opfer in einem Menschen entzündet, das Licht der Großherzigkeit, das Licht der Freimütigkeit, das Gehören und Ganzgehören seiner Lebensaufgabe. Was ist es eigentlich, was den Menschen so oft am Wirken im Berus hemmt, seine Kräfte mindert und ihn so sel­ten zur vollen Enthaltung aller seiner großen schö­nen Gaben und Talente kommen läßt? Es ist doch das Geguältsein, das Gebundensein von den äußeren Umständen des Lebens. Noch hängt er daran, noch sind sie ihm so wichtig, so fesselnd, so niederdrückend, daß seine Kräfte nicht frei werden können in der Liebe zu den Seinen, im Geben sei­ner Kräfte im Berufe. Wer aber das Opfer ge­bracht und auch diese Dinge als Befreiung von sich selbst auffaßt, wer sie gering achtet, geringer als fein Ich, wer sie als Gehorsamsfor­derung des Vaters nimmt, der ist über allen die­sen Dingen, und jetzt ist er dieser Alltäglichkeiten las und ledig, ganz frei für das Geben, für das Schenken an die Menschen, für das Dienen. Er sucht nur mehr eines, das Höchste: dem Ewigen Sein ganzes Ich zu weihen und Seinen Willen zu vollbringen dort, wo er verlangt wird. Dieses Ent­falten aller Kräfte in uns, dieses immer wieder einfach geben, statt nehmen zu wollen, weil alle Dunkelheiten des Alltags, alle Niedrigkeiten der Menschen überwundene Ereignisse sind, das läßt den Menschen schier über feine Kräfte hinauswach- fen, läßt ihn fo ganz selbstverständlich froh und beglückend werden. Siehe, dieses Licht, dieses Licht des Schöpfers, des schaffenden Lebens, des Berei­tens und Gebens, ohne von den Kleinigkeiten der Erde zur Erde gezogen zu werden, das macht uns hochstrebend, das macht uns Christus so ähnlich, denn an jedem Tag darf der Mensch sagen:Nicht bin ich es, der erwartet, sondern ich habe erfüllt, was von mir erwartet wurde."

dennoch groß und von zwingender Wirkung auf jeden, eine sibyllinisch« Kühnheit. Herm. Stuss.

unterThese, Antithese, Synthese" geläufig war. Dieses llrvwtiv zeichnet nicht nur Struktur und Gestalt der

schenke, etwas zu tun mit dem eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes? Oder ift das bloß so an- geflicktes Beiwerk?

Nein. Weihnachten ist das Fest der ewi­gen Liebe, die ihren vollkommensten Ausdruck fand in dem Gottessohn, der aus Liebe zum Menschenkinde ward. So findet in jeder rechten Weihnachtsfeier, sei sie in der Kirche ober im Hause, die Liebe ihren Ausdruck. Und all die Dinge, die 311 einer Weihnachtsfeier gehören, Lich­terbaum unb Geschenke, alje sind sie nur Sinnbil-

Ihr Radio-Fachmann

nur Funkhaus Lelbold

Am das kommende Geschlecht.

Unterordnung der eigenen Persön licht eit unter die Gesamtheit, Einordnung der eigenen Wünsche in die Notwendigkeiten einer größe­ren Gemeinschaft und Opferbereitschaft bis zum Letzten für die Gemeinschaft: das sind die Angelpunkte, um welches sich alles Geschehen in dem dritten Teil der Apollonia-Romantrilogie von Peter Dörfler dreht. Die Gesamtheit und Gemeinschaft werden hier verkörpert durch die Familie. Indem die Heldin Apollonia ihre ganze Lebenskraft für den sittlichen und wirtschaftlichen Bestand der dritten Generation einer Familie einsetzt, kämpfend auf dem Boden alter, aus Volkstum und Reli­gion gewachsener Ueberlieferung, wird sie gleichsam zur Urmutter eines ganzen Geschlechtes. Stark in ihrer menschlichen, noch stärker in ihrer seelischen Haltung, bil­det sie den ruhenden Pol in dem Auf und Nieder schick» salshasten Geschehens, dem Grundstein, auf dem das Gebäude einer großen Familie ruht. Mit vollendeter Meisterschaft läßt Dörfler die Heldin seines Romans zur Führerpersönlichkeit heranreifen, läßt sie wirken bis zu dem Zeitpunkt, an dem nach menschlichem Er­messen der Bestand einer Familie nach Jahrzehnten schlimmster Krisen gesichert ist. Symbolhaft alles! Man muß das Geschehen in diesem Roman ins Große über­tragen, so daß die einzelne Familie sich zum ganzen Volk weitet. Dann zeigt sich, was eine Figur wie die der Apollonia zu bedeuten hat. Sie wird zum Führer eines Volkes, der mit der Kraft seines inneren Menschen eigenwillig auseinanderstrebende Gewalten bändigt und zum Dienst am Ganzen führt. So hat Dörfler unse­rem Volk eine Dichtung geschenkt, welche durch die sitt­liche Größe der in ihr gezeichneten Heldin und durch die Wucht der gestalteten Probleme-Familie, Heimat, Volt die Gegenwart überdauern mi-b.

(Peter Dörfler: Um das kommende Geschlecht. Ro­man. Grätsche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller. Band 196 Berlin 1932. G. Grote Per- lag Preis: Geheftet 4.50 M., Leinen 6.50 Mk.)

Dr. W. Heising.

Russische Methode« i« Mexiko

Ein aufsehenerregendes Dotumenf.

Kurz nach der Ausfertigung der päpstlichen EnzyklikaAcerba animi" erschien bekanntlich in

den italienischen Zeitungen ein offener Brief des mexikanischen Gesandten beim Quirinal, worin behauptet wurde, die mexikanischen Gesetze bedeute­tenkeinerlei Einmischung in die religiösen unb persönlichen Ueberzeugungen". Anläßlich dieses Briefes veröffentlichte berOsfervatore Romano" ein bedeutsames Dokument, wodurch die antireli­giöse Hetze der mexikanischen Behörden zum sound­sovielten Male unumstößlich bewiesen wird. Es handelt sich hier um eine Reihe von Instruktio­nen, die am 31. März dieses Jahres von der Oberschuldirektion des Staates Veracruz a n b i e Lehrpersonen ber Elementarschulen erlassen würben.Für bie Tätigkeit in den Schulen, deren einziges Ziel darin besteht, den Schülern eine material:ftifcf>e Welt- anschauung z u geben, sodaß aller Glaube ausgerottet w i r d", so beginnt das Schriftstück,halten wir es für nützlich, fol- gende Direktiven zu bestimmen:

Für das erste Jahr: die abergläubischen Bräuche unb religiösen Dogmen, die den Kindern in diesem Alter beigebracht werden, sind zu be­kämpfen;

für das zweite Iahr: Es muß hingewie­sen werden auf die Antihygienische gewisser religiö­ser Praktiker, wie Gebrauch von Weihwasser unb Religionsverehrung. Weiter: den Schülern ist klarzumachen, daß sie kein Gelb ausgeben dürfen für Kerzen, Almosen für Kirchen unb Stipendien, da diese ausschließlich den Geistlichen zugute kom­men;

für bas dritte Jahr: es ift darauf hin- zuweisen, wie bie verschiedenen Religionen Men. scheu heranbilden ohne eigene Initiative, bie alles erwarten von ber Gottheit, wie hingegen Personen ohne religiöse Vorurteile aktiv und energisch unb in der Lage sind, alle Schwierigkeiten zu überwin­den;

für das vierte Jahr: Beim Studium ber Erbform unb ihrer Bewegung ist bie Falsch­heit ber Dogmen klarzumachen unb den Schülern zu zeigen, daß zu einem sittlichen Leben keine Re­ligion erforderlich ist;

für bas fünfte Jahr: in den Geschichts- ftunben ist nachzuweisen, wie sehr die Priester den Fortschritt Amerikas behindert haben;

für das sechste Jahr: durch Kenntnis ber allgemeinen Gesetze, welche bie Natur regeln unb durch das Studium des Planetensystems von ber Bildung der Erde (Theorie von Laplace) unb der Entstehung des Menschen (Theorie von Dar- win) ist den Schülern eine materialistische Lebens- auftassung beizubringen. Nebenbei muß auch der Ursprung unb bie Entwicklung ber Religionen an­gezeigt werden, daß nämlich alle sich auf das Un­bekannte gründen unb langsam mit dem Fortschritt der Wissenschaft ver­schwinden. In den reiferen Jahren muß den Schülern ein ausführlicher Ueberblitf über die russische Revolution gegeben wer­den. Die Lehrer müssen ihren Schülern ausein­andersetzen, wie bie religiösen Dogmen vernichtet unb bie Priester unterdrückt sind, um zu einer Be­festigung des Regimes zu kommen, worin bie pro­letarische Gerechtigkeit herrscht."

Vierter Adventssonntag.

Eingangslied: Js. 45, 8.

Tauet ihn, ihr Himmel, von oben; Wolken, 1-gnet den Gerechten. Erde, tu dich auf und laß ben Erlöser sprießen. (Ps. 18, 2.) Die Himmel er'ählen Gottes Ehre: was feine Hände vollbracht, verkündet die Himmelsfeste.

Epistel: 1 ftor. 4, 15.

Brüder! So betrachte man uns denn als Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Bon Verwaltern verlangt man aber, daß sie treu erfunden werden. Ich mache mir nichts daraus, von euch gerichtet zu werben oder von einem menschlichen Gericht; ich richte mich auch nicht selbst. Ich bin mir zwar nichts bewußt, aber bes- balb noch nicht gerechtfertigt; wer mich richtet, ist der Herr. Richtet daher nicht vor ber Zeit, ehe ber Herr kommt. Der wirb auch das im Finstern Ver­borgene ans Licht bringen und bie Absichten der Herzen offenbaren. Dann wird jedem fein Lob von Gott zuteil werden.

Evangelium: (Luk. 3. 16.)

Das Wort des Herrn erging an Johannes.

vor Weihnachten.

Immer, wenn es so nah vor Weihnachten ist, bann wacht in ber Welt so etwas wie heimliche Freude auf. Es ist, als ob Strahlen be.$ Weih­nachtslichtes schon in diese letzten Adventstage fie­len. Oder sind die Kinder daran schuld, die schon jetzt in ber Vorfreude auf Weihnachten leben? Oder ist es der Adventskranz, an dem nun die vier Lichter brennen. Ober ist es die Erinnerung an die eigene Kinderseligkeit vor den Weihnachtsta­gen, die in den Menschen zu dieser Zeit erwacht unb sie froh macht?

Es wird schwer zu sagen fein. Aber da ge­rade von den Kindern bie Rebe war, darf ich dich etwas fragen: Hast du auch schon an bie Weih­nachtsfeier in deiner Familie, für deine Kinder gedacht? Oder meinst du, daß bie in dieser traurigen Zeit nicht am Platze fei?

Dann laß dir sagen, daß sie gerade in dieser traurigen Zeit am Platze ist unb es ist die edelste Pflicht des Vaters und ber Mutter, für eine rechte Weihnachtsfeier im Kreise der Familie zu sorgen. Es gehört ja nicht viel dazu. Ein Ton- nenbäumchen mit brennenden Kerzen, einige Ge­schenke. ein Weihnachtslied unb ein festliches Herz. Wegen der Geschenke brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Kinder sind bescheiden und leicht zu erfreuen, ihr heimlicher Hirzenswunsch ist leicht zu erraten, und ich meine, bie rechte kinderfrohe Weihnachtsseligkeit erblüht uns immer erst richtig in ber Weihnachtsfreude der Menschen, die uns anvertraut sind; das aber ist unsere Familie, bas sind vor allem die Kinder. Gerade in diesen stil­len und innigen Feiern liegen bie geheimen Kräfte, welche bie Familie zu der innigen Gemeinschaft verbinden, die ihr tiefster und schönster Sinn ist.

Weißt du, wann diese weihnachtliche Fa­milienfeier am schönsten ist? Am Weihnachtsmor­gen. nach der Christmette! Die kirchliche Weihnachtsfeier ist der Mittelpunkt dieses Festes, unb an sie schließt sich die Feier in ber Familie am frühen Weihnachtsmorgen würdig an. Da sind bie Herzen auf den rechten Feierton ge­stimmt von bem Weihnachtsjubel in ber licht­erfüllten Kirche, und es ist ein seliger Heimweg von ber Christmette, wenn uns der brennende Christbaum erwartet.

Aber hat denn bie Sorge um diese weihnacht­liche Familienfeier, um Weihnachtsbaum unb Ge-

»Hymnen an Deutschland".

Dichtung, vielmehr es prägt ein entscheidendes Merk­mal prophetischer Dichtung Charakter und Schicksal des Dichters selbst, ergreift in innigster Wechselbezie­hung von Persönlichkeit und Umwelt den ganzen Men­schen, wie es die ganze Weite unb Tiefe der Schöpfung durchglicht. Parsival, das Leben einzelpersönlichen Schicksals, erfüllt sich im Dienst des Grals, in der Heim­kehr zur Quelle, zum Zentralgeheimnis des Christen­tums. Unabhängig von ihm verkündet Hölderlin die aufkeimende Saat Christi im Endsieg unserer Kultur. Durch Jahrhunderte getrennte, aber vom gleichen Puls- schlag und Rhythmus des Daseins beseelte Dichtungen haben das gleiche, gemeinsame Ziel.

Hölderlin, der über Wolfram hinaus die volkhafte Sendung als des Dichters höchste erkannte, blieb eine umfassende Schicksalsdichtung seines Volkes vorenthal- ten. Glühende Begeisterung des einsamen, heroischen Dichters zerbrach den Stab vor der Zeit. So blieb die Aufgabe noch offen.

Gertrud von Le Fort'sHymnen an Deutschland" (er­schienen bei Küsel u. Pustet, München 1932, Preis kart. Mk. 2., Geschenkausgabe Glw. Mk. 6.) wollen und müssen von dieser Warte gewürdigt werden. Wir sind es dem inneren Geftaltungsziel zukunftsweisender Dichtung wie der größten katholischen Dichterin deut­scher Gegenwart schuldig.

Schicksal" umreißt in einer Folge freier Rhyth­men Sinn und Größe göttlicher Ordnung im volkhaf- len Geschehen, aufleuchtend im Prolog:

....Völker sind Mächte, Gottesunmittelbar gleich den dienenden Engeln Und geordnet wie jene: mit ehernem Auftrag Brausen sie ein in die Zeit, und wie Ströme Wogen sie durch das Weltland, menschenvergiehend Und geschlechterverichäumend von Leben zu L ben, Und von Hoffnung zu Hoffnung, Daß sie sich Ufer gestalten Nach ihrer Bestimmung".

Im zweiten Teil, derSendung", feiert*v'n Le Fort bie christliche Kaiseridee, den eigentlichen Grund

Zu Gertrud von Le Fort's

Wie die wilde, chaotische Natur des Genius bedarf, ihre insgeheim sinnreiche Ordnung aufzulpüren, !o fordern Geschichte und Schicksal eines Volkes den Ge­nius der Dichtung heraus, als wegweisender Deuter der Zeiten auch hier die Spuren der Schöpfung zu lesen.

Vielleicht sind bei keinem Volk die Irrwege so verschlungen, ist die Bewegung im Wechsel von Auf und Ab so sinnverwirrend, das Gesamtbild der Kultur so rätselhaft wie bei den Deutschen. Immer wieder beginnen die Zeiten tatenreich, enden sie ge­dankenvoll, immer wieder führt der Weg von bewun­dernswürdig heroischer Tat zu tieffter Schmach. Hier, im Herzen Europas, tobten die Völkerstürme von Norden und Süden, von Osten und Westen furchtbarer denn in einem anderen Lande, als hätten die Deutschen noch nicht genug des Leidens und Kämpfens am volkspal- tenden Bruderzwist.

Wird nach Tagen wetterleuchtender Gewalten, die immer wieder ein gutes Beginnen zerstörten, endlich die Sonne des Friedens, der letzten Erfüllung aufge- hen? Werden enblid, einmal alle Kräfte sich sammeln m Geist und Gestalt volkhafter Gemeinschaft? Wird wirklich einmal vom Herzen Europas die Sendung ousströmen, die nach sicherem Glauben seiner Besten als höchste Berufung für die Menschheit ihm mit auf den Weg gegeben?

Hölderlin, der erste über eigene Zeiten hinaus- ragende Seher unter deutschen Dichtern, bejahte mit jubelnder Begeisterung die Frage des deutschen Schick­sals. Der nichtkatholische, aber im Augenblick der Reife von der Weltidee des Christentums tief überzeugt- Dich­ter der freien RhythmenPathmos" undDer Einzige" sieht die Vollendung im Zeichen Christi desEinzigen".

Ueberzeugend groß wirkt das eine Gemeinsame der wenigen deutschen Schicksalsgestalter, daß in ihnen ein Urmotio vom Daseinsrhythmus lebendig ist, gleich­

gültig, in welcher zeitgebundenen Form, Parsioal es intumbheit, twifel, saelde" erschloß oder

zur weltgeschichtlichen Stellung Deutschland unter den Völkern, und damit die für alle Jahrhunderte fort­bestehende Sendung der Einheit von Reichs- und Got­tesidee.

Der dritte Teil, berS i e g", führt aus der Tiefe der Not, des Weltkrieges, aus Schmach und Not der Gegenwart durch innere Läuterungins Mysterium der Liebe", zumKreuz" und seinen Quellen derKraft" unbGnade":

Stark ward ich an der Ohnmacht

Weit ward ich am Gefängnis,

Mild ward ich am Feinde,

Feindlos werd' ich am Sieg:

Zum Heimweh meiner Schwingen,

Zur Sonne meiner Sendung

Kehr ich empor!

Und im gewalt'gen Zurück meines Schicksals Brau's ich vorwärts,

Nölkervoran zum heiligen Felsen des Kaisers:

Christus, liebreicher König,

Dir übergeb ich den Thron und die Tränen der Völker

Brich an, Friede der Erde!"

Tief wurzelnder Glaube an die Erlösung im Christentum, vaterländisch glühende Empfindung, beides verströmt hier, unzertrennlich und eins, in Rhythmen von erhabener Wucht und mit­reißender Gewalt, erschütternd und berauschend zu­gleich. DieHymnen an Deut'cklnnd" sind ein persön­liches Bekenntnis einer an Glaube und Vaterland ent­zündeten Glut. Sie westen in die Zukunft. Dennoch fehlt ihnen bas eigentliche Unterpfand jeder großen Schickiaisdichtung, bas mitgestaltende Echo vom Da­seinsrhythmus.

Unsere katholischen Dichter sollen mit Recht religiö­sen Gehalt über das Gewoge der Empfindung stellen. Aber kein noch so tiefreligiöfes Gefühl entbindet vom schöpferstchen Gleichnis lebendig verströmenben Schick­sals. Aus der Durchdringung von Glauben unb Leben, von Geist und Natur haben wir auch unter katholischen Dichtern den Dichter ber Zukunft, den Genius des Vol­kes noch zu erwarten.

Ein Mangel? Nein! Nur eine Begrenzung, aber innerhalb dieser bleiben bie Hymnen an Deutschland

Advent und Opferberettschast

Von Pater Ludger R i b.