Einzelbild herunterladen
 

en

er

14. Dezember.

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Ilr. 288

Der

Sprechchor ist entnommen der Sammlung

gar nicht anders Dorfteilbar. Die Problematik, die

erfdieinen mir die Ausführungen

NILS

ganzen ein echtes Jungenspiel, leicht, aber in« reich: Der Jungmann als Gottsucher und Goft-

uns uns

von Sprechchören, die bei fierber, Freiburg, erschienen ist. Er eignet sich gut für einen e r st e n Versuch auf

bet ihr können.

Ihr Ritter Mariens, vernahmt ihr den Schrei, Der Gottfeinde lästerndes Höhnen?

Gedenkt eures Schwures, gedenkt eurer Treu'!

Laßt euren Schlachtruf erdröhnen:

Fahrtenkluft. Es braucht kein Riese zu fein, aber ein feiner, frischer Kerl, der mehr wie eine Farbe auf seiner Palette hat. Er und der Fährmann, den man mit Man­tel, Schlapphut und Bootsstange schnell charakterisiert hat, tragen das Spiel. Die andern Personen sind Ne­benfiguren. Der reiche Mann, am besten als ein reicher Bauer barzustellen. Für ben Richter ist Talar, Barett unb Amtskette leicht besorgt. Das Spieltempo im An­fang flott, braufgängerisch, im zweiten Teil besinnlich, lyrisch. Die Erscheinung bes Christkindes muß burch bie Umwanblung bes Offerus glaubhaft gemacht werben. Nicht nur Worte, fonbern beseeltes Spiel. Die Stro­phen des Liebes (Melodie: Gelobet seist Du, Jesu Christ) sind ganz fein mit hohen Stimmen zu fingen.

Im haltlich träger.

Der

gen sind, könnte bie Euer politisches darnach aus!

Auch im einzelnen

Jugend allzuleicht antworten: Werk sieht auch ganz

auch bessere Gesellen und Meister darin sein G. Prem.

Für Gott, mit Maria! Gott will es so sei's!

Christkönig muß herrschen auf Erden!

steil Christus, dem König! Ihm Ehre und Preis! Maria soll Königin werden!"

R. San fers vielfach anfechtbar. So zum Beispiel fol­gende Behauptung:Was uns Junge seinerzeit abgehal­ten hat, Politik zu betreiben, war die Erkenntnis von soviel Verlogenheit, Unwürdigkeit und Bestechlichkeit in den Parteien . . ." Na, fianb aufs fierz: Mich hat bas nicht abgehalten; denn zu einer so gründlichen Erkenntnis des Partei- wesens habe ich mich in memer Jugend, die in die Vor­kriegszeit fiel, schon deshalb nicht durchringen können, weil ich meines Erinnerns damals nicht eine einzige Parteiverlommlung besucht habe. Auch in der Zeitung

ga'uze Größe i « !R e b e f a n f a\ k'n und in zersetzender Kritik b esteh t. Seid in der Po­litik bessere Lehrlinge als wir es waren; nur dann wer»

Cs donnert ihr Ruf durch die Lande daher: Wo ist euer Gott und Gebieter?

Ein Narr, wer ihm dient! Ein Nichts ist er! Wir beherrschen bie Welt, sind ihr Hüter!"--

diesem Gebiet. Teilung in Knabenstimmen unb Män­nerstimmen. Auf bas Einüben ist immerhin Zeit zu verwenben. Auswenbig sprechen, ohne Text!

Das B l a ch e t t a s p i e l ist ber fröhliche Schluß. Das Thema vom Suchen unb Finben unb Wanbern ist auch hier vorhanben. Die Segenbe mit ihrem christlichen Ge­halt ist hier Märchen mit irbischer, erbhaster Deutung. Die bas spielen, müssen frohe Kerle sein, bie mit beiben Füßen auf ber Erbe stehen. Das Spiel ist erschienen bei Arweb Strauch, Leipzig. Blachetaspiele Nr. 9. Er- forberlich sinb 5 Rollenbücher, Preis 1 Mark bas Stück. Kann ohne Kulissen unb Kostüme gespielt werben. Das übrige ergibt sich von selbst, wenn richtige Jungen am Werk sinb, bie mehr können wie Brot essen. Es bars aber nicht zur Rüpelkomöbie werben, sonst geht ber feine Mürcheucharakter flöten.

Wenn der Abend so gestaltet wird unb alle Mitwir- fenben, auch bie, welchebloß" mitfingen, ganz babei sinb, wirb er nicht nur werben für ben Jungmännerverein, fonbern auch für bas echte Jugenbspiel. W.

Auf, Ritter Mariens, hinein in die Schlacht, Ins tobende Geisterringen!

Stemmt tapfer entgegen euch höllischer Macht;

Gottwill's! Unb der Sieg muß gelingen!

Fr. X. W.

Ein Student schreibt:

Verfasser bes an biefer Stelle abgebruckten Auf-

Im letztenBlatt der Jugend, hatten wir ei­nen Aufsatz von Rudolf L a n s e r über Jugend und Politik veröffentlicht. Unsere Aufforderung, Stellung zu den angeschnittenen Fragen zu nehmen, sind erfreulicher Weise eine ganze Reihe Leser gefolgt. Wir veröffentlichen heute zwei Entgegnungen. Weitere Antworten sind willkom­men. Bitte aber keine langatmigen Aufsätze, fonbern knappe Zusammenfafsung bes eige­nen Standpunktes. Die meisten schreiben das, was sie irgendwo gelesen haben.

Das Wort hat zunächst ein Er wachsener; dann veröffentlichen wir heute noch eine Zu­schrift eines Studenten.

Was sotten wir spielen?

Lin IBerbeabenb für die 3ungmänneroereine.

Wer werben will innerhalb seiner Gemeinde für den Iungmännerverein, ber bars bies nicht bloß mit Worten versuchen, fonbern ber muß es auch einmal mit einem schön abgewogenen Spielabenb tun, wobei er ben Gelabenen, ben Eltern unb ben noch Fernstehenben ein­mal ein Spiel zeigt: Seht, solche Kerle sinb wir. Das ist der Sinn unserer Jugenbarbeit. fiierfür empfiehlt sich ein ernstes unb ein heiteres Spiel, bie fein durch Lieder miteinander verbunden werden. Denn das sind ja bie zwei Seiten bes echten Jungmann^n, bie beibe ihr Recht haben unb zur Geltung kommen sollen: Ziel- strebige Besinnlichkeit unb jugenbliche Fröhlichkeit. Bei bem einen wirb bies mehr wer­den, bei bem anbern jenes.

Ich benke mir ben Abenb etwa so:

1. Gemeinschaftliches Lieb: Unb wenn wir mar­schieren.

2. Kurze, knappe, aber frische Ansprache bes Jung- föbrers. (Seine langatmige Begrüßung mit Titeln unb ^tarnen, sondern Deutung bes Abenbs unb ber Sache.)

3. Christofferus, ein Segenbenfpiel von Otto Bruber.

4. Gemeinschaftliches Lieb: Wir wollen zu Lanbe aus» fahren.

5. Ein Sprechchor: Wir Jungen von Johannes Fri­tzen.

6. Gemeinschaftliches Sieb: fieute wollen wir das Ränzlein schnüren ober: Ein Heller unb ein Batzen.

7. Knüppel aus bem Sack, ein Spiel von Walter Blachetta.

8. Genieinschastliches Lieb: Wir sind jung, bie Welt ist offen. Schluß.

Zum einzelnen:

Die Lieber stehen alle im Singeschiff. Wo sie noch nicht bekannt sinb, wirb es hohe Zeit, sie zu lernen. Wich- ti(J ist, baß sie frisch unb lebenbig gesungen werben, lieber etwas zu schnell als zu langsam. Wenn Klamp­fen ba sinb, bie ben Baß unb ben Takt markieren, um |o besser.

DasChristofferusspiel" ist erschienen in ber Sammlung: Münchener Laienspiele, herausgegeben von Rubolf Mirbt, fieft 29. Verlag Ehr. Kaiser, München. Preis bes Heftes 1.25 RM. Benötigt werben 56 Exem­plare. Bühnenschwierigkeiten sinb nicht vorhanben. Man kann es spielen auf einer Stilbühne, aber auch vor einem Panbschaftshintergrunb. Die Szene wechselt nicht. Die Kostümfrage ist leicht gelöst. Der Christoflerus in

satzes hat bie negativen Faktoren bes poli­tischen Lebens in ben Vorbergrunb seiner Betrach­tungen gestellt. Jnfolgebessen kommt er zu ber These, baß bie unpolitische Haltung ber Iugenb- bewegung einen Eigenwert barstelle. ben es auch für bie Zukunft zu erhalten gelte. Es schwingt :n biefer Ge- bankenführung bas Pathos mit, baßPolitik ben Charak­ter oerberbe". Ich glaube, baß biefe Haltung nur bie Unfähigkeit, in ein positives Verhältnis zur Politik zu gelangen, verbacken soll. Bei bem ProblemIngeab unb Politik" hanbelt es sich ja gar nicht in erster Linie um bie Gestaltung ber politischen Situation burch bie Jugenb, fonbern es geht hier um bie Er­kenntnis des Wesens der Politik überhaupt.

Politik im weiteren Sinne ist ein Hinaustreten vom Ich zum Du". Politische Haltung offenbart das Einheitsbewutztsein des Individuums mit ber Gemein- schäft, in bereu Kreis es lebt. Politik ist, nach meiner Auffassung, nicht, wie Carl Schmitt in seiner Schrift Vom Begriff bes Politischen" behauptet, ein ©egeaein- anber, fanden ein Miteinander. Das Wort Politik selbst weist in seiner ethymologischen Bedeutung auf ben Gedanken der Vielheit, ber Gemeinschaft hin. Politische Verantwortung tragen heißt in biesem Sinne sich ver­antwortlich fühlen für bie Gemeinschaft, für bas Volk. Der Wille eines Menschen, sein Le­ben als Jnbivibualist zu gestalten, roiberfpridjt seinem Wesen als zoon politikon.

Von biefer Grunbbebeutung der Politik hat stch dieser Begriff allerdings im Laufe ber Zett wesentlich sortent- wickelt. Wir bezeichnen heute nur noch bie Beschäftigung mit staatlichen Fragen als politische Tätigkeit. Die Erin­nerung auf bie ursprüngliche Bebeutung bes Politischen kann uns jeboch, so glaube ich, zur Besinnung führen. Ich bejahe bie Politik, von ber Jugend muß eine grundsätzliche politische Haltung gefor­dertwerden. Diese Forderung muß auch bann erfüllt werben, wenn wir in die Politik nur ben Staatsbegriff als ben tonftituierenben einbeziehen. Aber aus biefer staatlichen Einstellung bes Jugendlichen ergibt sich eine roeitgreifenbe Verpflichtung. Der Jugenbliche muh wis­sen um bas Wesen bes Staates. Er muß bie Staats­entwicklung kennen lernen; kurz gesagt, er muß Geschichte lernen. Geschichte i st geworben Politik. Ge­schichte kann täglich roieber Politik werben, genau so wie umgekehrt Politik täglich roieber Geschichte werben kann. Der politische Mensch steht im Kontinuum ber Geschichte. Nur biefe gibt ihm bie Antwort auf bte Frage, welches bie treibenben Faktoren der Volksentwicklung sind, die ihrerseits wieder aus dem Wesen bes Volkes selbst fließen. Es hanbelt sich auch hier nicht allein um bie Kenntnis ber geschichtlichen Tatsachen, fonbern es muß zu biefen noch bie Sinndeutung der nationalen Geschichte treten. Man sagt uns, der Jugend von heute, wir feinen radikal. Wir sind es, indem wir ben Mut haben, zur letzten Schicht ber Sache vorzubringen. Wer nur in Schlagworten sich bewegt, wer nur ein Echo seiner Zeitung ist, hat von bie­der politischen Haltung feinen Hauch verspürt. Das Ver­hältnis ber Jugend zur Politik darf nicht gekenn­zeichnet fein durch ben Rhythmus ber WiNb- j a ck e, fonbern bas geistige Ringen um die Lebenspro­bleme ber Volksgemeinschaft muß ber Jugenb in ber poli­tischen Auseinanbersetzung bas Gepräge geben. Der politische Mensch unserer Zeit ist ein geschichtlicher Mensch. Die Geschichte offenbart uns schließlich auch bie Relativität bes Seins. Sie gibt bem Denkenben bie Ge- wißheit, bah in ber geschichtlichen Entwicklung bes eige­nen Volkes unb der Menschheit höhere, göttliche Kräfte wirksam sinb. Der große Historiker Leopolb von Ranke erblickt in ber Geschichteeinen gött­lichen Anhauch", abermenschlichen Antrieb". In bie- sem Lichte erschien ihmbie Weltgeschichte als die merk­würdigste Geschichte, bie je geschah". Diese Erkenntnisse müssen der geistig bewegten deutschen Jugend eigen fein.

Politik ist aber noch mehr als dies. Sie ist eine Kunst. Ich kann in diesem Rahmen auf dieses weit­greifende Thema nicht eingehen. Der wissende Politiker ist jedoch noch nicht das Ideal. Die politische Persönlich­keit muß vielmehr neben dem Wissen die hingebungsvolle Bereitschaft zur Tat in sich tragen; denn die Praxis ber Politik äußert sich im Machtstreben. Macht schließt Aktivität in sich. Diese muß ben Politiker auszeichnen. Der Teil unserer Jugenb, ber aus äußeren ober inneren Grünben nicht an biesem geiftigen Rin­gen teunefjmen kann, soll sich biefen Führern unter« o r b n e n, um bamit ihre Treue zur Sache unb zu ben sie vertretenden Führerpersönlichkeiten zum Ausdruck zu bringen. Herbert Sonn.

Die Meinuni eines Ekwichienen:

Die Redaktion tat recht, den Artikel von Rubolf Confer (in Nr. 282 vom 7. Dez.) von vornherein mit einem Fragezeichen zu versehen. Denn wenn wir, die wir heute Vierziger ober Fünfziger sinb, uns als Sechzehn- bis Fünfundzwanzigjährige mit Politik nicht befaßt haben, so berechtigt uns bas keineswegs zu bem Rgt an die Jugend von heute, der Politik eben­falls fernzubleiben. Dieser Rat wäre selbst bann falsch, wenn sich die politischen Zustände in Deutschland wäh­rend des Zeitraums von 1900 bis 1932 nicht geän­dert hätten. Ober will jemand leugnen, daß uns wahr­scheinlich viel Lehrgeld erspart worden wäre, wenn der Ausgang des Krieges ein politisch erzogenes, statt ein politisch unreifes Volk überrascht hätte? Schon aus diesen lleberlegungen heraus bleibt zu wünschen, daß heutiger Jugend bie Dinge der Politik handlicher werden, als sie es der erwachsenen Generation in den Jahren schwerster Erschütterungen unb Entscheidungen waren. Es hätte der Sktruktur unb ber Fassade bes politischen Neubaues, der unter bem Zwang ber Ver­hältnisse in größter Eile errichtet werben mußte, sicher nicht geschabet, wenn seine Erbauer besser Bescheid ge­wußt hätten in ber Welt politischer Formen unb Funk­tionen. Den Männern, die sich rühmen, baß sie in der Jugend lange Zeit ben Weg jenseits der Politik gegen»

wurde immer wieder von ber schweren Arbeit ge'prn» chen, aber verschwiegen, baß bie Arbeit am laufenben Band noch viel härter und aufreibender ist. Immer wurden bie Wichtigkeit unb bie Rechte des Bauernstan- des als Nährstanb in ben Vorbergrund geschoben, von ben Pflichten gegenüber ben anderen Volksgenossen wurde nie gesprochen. Diele von diesen Versammlungen wurden so gehalten, als ob es eben nur Bauern in Deutschland gäbe, für die ber Staat in erster Linie ba sei. Daß auch noch 40 Millionen anderer Volksgenos­sen da seien, daran schien man nicht zu denken. So unb ähnlich mürbe ber Bauer bamals in eine künstliche Unzufriedenheit getrieben, bie als Gefühl der Zurück­setzung und Veränderung heute noch ihire unheilvollen Friidtte trägt und ben Bauernstand vielleicht cm mei­sten schäbig!. Der Wahrheit und Merkwürdigkeit hal­ber muß noch gesagt werden, daß gerade die Jahre, in denen dies Gefühl ber Zurücksetzung künstlich gezüchtet wurde, für ben Bauernstand wirtschaftlich recht gute Jahre waren (bie Nachinflaftonsjahre bis etwa 1929). Mir sagte vor kurzem ein Bauer:fieute kann man sich höchstens über Wasser halten, aber damals, so nach ber Inflation, da waren gute Zeiten." Ich mußte ihm entgegnen:Aber damals haben Sie mindestens genau so viel geklagt wie heute." Da lachte ber Bauersmann und sagte:Nun bas Klagen muß halt auch sein."

Nein, das Klagen muß nicht fein. Sonst ist es nichts weiter als ein dummschlauer Versuch, frem« bes Mitgefühl zu wecken unb auszunutzen. Es ist aber an ber Zeit, daß sich ber Bauernstand sowohl als auch seine führenden Kräfte auf die Werte besinnen die ber Bauernstand als unverlierbaren Besitz vor allen an­deren Volksgenossen voraus hat, unb bie übersehen wur­den unb mißachtet, als man burch einseitige und nur wirtschaftliche Maßnahmen bie bäuerliche Wirtschaft beinahe zu einem seelenlosen Fabrikbetrieb gemacht hätte. Wir sind rasch und gründlich belehrt worden, daß der Mensch doch schließlich mehr ist als Wirt- schast unb Maichine. Und nun, ba ber Raketen­spuk einer wirtschaftlichen Scheinblüte dahin ist, treten bie wirklichen und inneren Werte auch bes Bauernstan- bes roieber beutlicher hervor. Von ihnen mag im näch­sten Kapitel bie Rede fein.

tag fraglos f e ft; feine innere Struktur ging uns nichts an, denn sie war stabil schlechthin unb für

jer Schlachtruf der Geister burchzittert die Luft! Enifesselt sind dunkle Gewalten;

Und brechen hervor aus der ewigen Gruft, Perheerenbe Macht zu entfalten.

vom Wert des Bauernstandes.

3. Ist der Bauernstand zurück gesetzt.

Das Klagen über schlechte Zeiten war immer üblich, !>cute jst es schon zu einer Krankheit geworben, und aiese Kranheit herrscht vor allem im Bauernstanb. 3»ar wird auch anderwärts geklagt ber Ge chäfts- mann klagt über schlechte Zeiten und hohe Steuern, bie garabe ihn am meisten treffen, wie auch ber Arbeiter unb J® Beamte, aber es scheint doch, als ob gerade der Bauernstand sich besonders in das Gefühl verrannt habe, et von allen anderen Ständen fei am meisten zuriickge- pt, er bezahle bie meisten Steuern, arbeite am schwer- unb am längsten und fei am wenigsten geachtet.

Hoher kommt bas?

Es gibt da verschiedene Ursachen. In den Zeiten, da

Industrie noch allmächtig zu sein glaubte, wurde °er Bauernstand sicher vernachlässigt. Der Arbeiter verdiente gut und kehrte besonders auf ben Dörfern T~ gern ben noblen Herrn heraus. Das gab Verdruß. ~je in ber ersten Zeit auf bem flachen Lande overreich bemeifene Arbeitslosenunterstützung trug auch !?* redlich Teil dazu bei, baß im Bauernstanb bas Ge- W der Zurücksetzung aufkam. Dazu kam noch ber «Koerfte Fehler, baß bie sührenben Kreise bes Bauern-

des bamals angesteckt würben von bem Irrglauben die siegende Kraft der Jndustriealisierung und nun suchten, die Gesetze der industriellen Wirtschaft auch A bie bäuerliche Wirtichaft anzuwenden, ober mit Oberen Worten: bie bäuerliche Wirtschaft möglichst Sne!1 Zu einer Art Fabrikbetrieb umzugestalten. Man k* wußte nicht mehr, daß bie bäuerliche Wirtschaft aus US '^re eigenen Gesetze Hai, bie nicht ungestraft

Ber acht gelosten werben dürfen. Man suchte das

'n ber Anpassung der Bauernwirtschaft an die Jn- ~'tri6- man hörte nur noch von Rationalisierung, j^ibarbifierung und ähnlichen Dingen. Wer damals $ ^buerfammlungen mitmachte, ber weiß, baß ber hm'; *n *ener Zeit in eine besondere Art von Klassen-

hineingehetzt wurde. Es wurde ihm immer nur ^geredet von dem, was er nicht hatte, was ihm aber &2°ni)e. Niemals war die Rede von dem, was er an |Pttiietbaren Werten anderen Ständen ooraushat. Es |

fesselte, lag in ber künstlerischen Ausdeutung des Le­bens, wie wir sie etwa in der Musik Wagners, in ber Dichtung bes heraufgekommenen Naturalismus ober der versunkenen, jedoch uns noch so wesensgleichen Roman­tik vorsanden. Wer Glück und Schneid hatte, fand vielleicht noch den Weg zumWandervogel" ober zu ähnlichen verschworenen Bünden. Er wagte sich poche» ben Herzens hinaus in die Natur, bie damals neu ent­deckt wurde. Von diesen Fahrten in die lockende Ferne aber führte ber Weg immer wieder zurück in bie Ge­borgenheit des Elternhauses unb in ben Pftichtenkreis der Schule, ber Lehre, des Berufs. So waren wir trotz Sturm unb Drang eine verwur­zelte Jugend, ein geborgenes Geschlecht.

Anders bie Jugenb, bie feldgrau über bie Schlachtfelder strömte unb in deren erwa­chende Mannbarkeit die Kanonen brüllten!

Und wieder anders bie Jugenb, die heute die we­senlose Weite ber Landstraßen vor sich hat und das wesenlosere Grau der Wege, die i ns L e - ben unb z u einer wirtschaftlichen Exi - stenz führen fallen. Für uns hieß bie Frage ziemlich einfach: Was willst du werden? Dabei hatten wir bie Auswahl zwischen vielen Chancen, von denen eine verheißungsvoller schimmerte als bie andere.

Für bie heutige Jugenb aber lautet die Frage: Unter welchen politischen, wirtschaftli­chen unb rechtlichen Voraussetzungen kann Jugenb überhaupt noch etwas wer­ben? Wie muß bie Gesellschaftsordnung aussehen, um eine Entfaltungsmöglichkeit zu bieten für all das, was ba zukunftsträchtig gärt unb sich nach Deutung, nach Freiheit unb Reife sehnt?

Somit glaube ich auf Grund des Unterrichts, den uns die jüngste Geschichte erteilt hat und aus zeitbe­dingten Notwendigkeiten heraus sagen zu dürfen: Ja, Jugend muß auch mit den politischen Problemen unb nicht zuletzt mit diesen vertrauter werben als wir Steiferen es waren!

Das will nun aber nicht heißen, daß Jugend Po­litikmache n" soll ober baß sie möglichst frühzeitig Einfluß nehmen soll auf politi'che Entscheibungen. Doch das geht diejenigen an, bie für bas Treiben ber Ju­gend verantwortlich sind Sie sollen in ben Reihen der Jugend nicht Parteigänger werben, dürfen in ihr fein Treibhaus sehen für künftigen Wchlstimmen- Znwachs. Politische Quellenvergiftung ift es, Jugendliche mit de'm Haß entarte« tt Parteipolitik zu trüben. Daaegen tut es int, bem jugendlichen Verständnis die liefe unb Viel­fältigkeit ber politischen Probleme unb bie Wucht der Verantwortung, die mit ihrer Lösung verbunden ist. nahezubringen. Besteht doch bas Ziel ber Erziehung nicht barin, dem jungen bildsamen Menschentum heu­tige, vielleicht unhaltbare Formen au°zudrücken, son­dern es reif zu machen zur eigenen, freien, verantwort­lichen Entscheidung. Auch um die Konstruktion bes technischen Apparates der Politik sollte sich die Jugend kümmern. Ilm Gotteswillen nicht, um ihn einmal in feiner jetzigen Kompliziertheit und Langweiligkeit zu übernehmen. Sondern um ihn einmal beherrschen zu können und so zu vereinfachen, daß nicht jede lebendige Frische eines Impulses in dem unendlichen G-härm ber Apparatur erbrütft wird.

Ein Wort noch für die Jugend selbst: Jugend ist nicht in jeder Hinsicht ein Vorzug, noch viel weniger ein Verdienst, sondern ein Zustand. Zur Ueberbewer- tung ber eigenen Meinung liegt also nicht schon bes« halb ein ®runb vor, weil sie bie Meinung ber. Jugend ist. Vor allem aber merkt euch dies, ihr Jungen: Laßt euch in Dingen der Politik nicht mißbrauchen! Seid nicht die Affen poli- s ch e r Marktfahrer, bie s i ch s e Ibst vor Tat unb Verantwortung drucken unb deren

Jugend und Staot

Kürzlich fanb bie Hauptversammlung bes Reichsaus­schusses ber Deutschen Jugenboerdünbe statt. Die Aus­sprache ging in ber Hauptsache um bie staatliche unb volkliche Drbnung Deutschlanbs Am Enbe ber brei- tägigen Auseinandersetzung wurde von Professor W. Flitner bas Ergebnis zusammengefaßt. Man habe sich zum erftenmale sachlich über bie konfliktreichen Fra­gen unterhalten können unb bie junge Generation habe den Anspruch auf verantwortliche Beteiligung an der Gestaltung ber. neuen ßebensorbnung Deutschlanbs er­worben. Ein neuer politischer Typ bes kämp­ferischen, ritterlichen Menschen bilbe sich her­aus unb sprenge bie alten Fronten Die fommenbe Auf­gabe ber Deutschen Jugenbverbänbe sei bie Singlieberung ber jungen Generation in ben Staat. Keine Staatsfüh­rung in Deutschlanb könne künftig an bem einheitlichen Willen ber beutschen Jugenb zu völliger Erneuerung ber Volks- unb Staatsorbnung vorübergehen. Die von ber bünbischen Jugenb berausgebilbeten Lebens­formen bes Arbeitsbienstes, bes Gelänbesports, der Wehrhaftigkeit ufw., bie heute vom Staate aufgegriffen roeriert, feien Beispiele dafür, wie bie tMsenbige Ein­richtung ber Jugend auf den Staat jugenbgemäßer als durchpolitische Aufklärung" erfolgen könne. In ihnen werde die volkliche Erziehung ber Jugenb, bie in ben Bünben geschehe unb geschehen müsse, burch bie staatliche Erziehung ergänzt. Es bestehe jedoch die Gefahr, daß diese staatlichen Bildungsstätten ber Jugenb burch lieber« griffe ber Bürokratie gefälscht werben. Daher sei es notroenbig, baß sich die Jugendverbände als Hüter der Jugenderziehung gegenüber dem Staate sühlen. Das Ergebnis ber Soester Tagung sei, daß nun ein jeder vom andern wisse: jetzt beginne die gemeinsame politische Arbeit.

cholischeJugend an dieFront!

Angeregt durch das packende C Hörspiel per FuldaerM a r i e n r i 11 e r", das den Höhepunkt ihrer Kundgebung am vergangenen 'onntag im Stadtsaal barstellte, verfaßte ein ,inger Franziskanerfrater einen begeifternben Ausruf, den wir gerne an die Spitze unseres heu­tigenBlatt der Jugend" stellen.

betradytete ich alles, was auf ben ersten Seiten über bem Strich stand, als für ganz alte unb un- lebenbige Leute reserviert. Für uns Junge war das Feuilleton, waren die Berichte über Kunst, Lite­ratur unb Theater bestimmt, lieber bie Verlogenheit der Gesellschaft erfuhren wir allenfalls etwas aus Ibsens gesellschaftskriKchen Schauspielen. Im prak­tischen Sehen aber waren bie Persönlichkeiten ber Par­teiführer unserem kritischen Blick weit entrückt.

Man setze also nicht Jugend gleich Jugend, rote bas Reichsgericht einmal Mark gleich Mark setzte! Es mar herrlich, aber verhängnisvoll, baß die deutsche Vorkriegsjugend einmal so politik- fremd fein und daß sie ihre Bewegung erfahren konnte von dem Bereich des Schönen, ber Kunst, bes Irrationalen her. (Dies galt aüerbings schon bamals nicht mehr von ber Proletarierjugenb; sie kam früh genug zum Bewußtsein ihrer besonderen Klassenlage, weil ihr bas durch denVerband" manch­mal auch schon von den organisierten Vätern eingetrich­tert wurde.) Die Politik war uns nicht deshalb unin­teressant, weil wir ihr schnödes Spiel durchschaut hat­ten, sondern weil sie für unter seelisches ©pannungsbe« dürfnis keine Ladung abgab. Der politische und wirtschaftlicheRaum, in ben wir hineintraten.

Aussprache über Zugeud und politif

Wer witt sich noch beteiligen?