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11. Dezember
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Schreiten heißt Ewigkeit.
Georg Karl Frank.
UNTERHALTUNGSMUSIK
SCHLAGERMUSIK
TONFILM
I. MOLLENHAUER&SÖHNE, Friedrichsmarkt 7
PFLEGT DIE HAUSM US I K
durch das ganze Dorf. Das ist die Mutter Gottes in den Herzen armer
barfamilie und so Herbergssuche der Erdenkinder . . .
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Es war einmal ein Musikus
ART. SCHNABEL ADOLF BUSCH Klavierkonzert RUD. SERKIN Nr. 5 von Ludw. Sonate G-dur van Beethoven v. Joh. Brahms
COMEDIAN HARMONISTS Eins, zwei,
Wenn Ich einmal traurig bin
ELECTROLA Koffer- Instrument Modell 102
GESANG Drunt* in der Lobau Heurigenlied
STRICH DURCH DIE RECHNUNG Immer so weiter. Marsch
MAREK
WEBER Walzer von Strauß
zen Einzug halten solle. Und hinaus in das Schneege- slockel singen sie das alte. Lied von der Herbergsswhe:
O Joseph mein, Wie mag die Welt so untreu sein! Bleiben wir auf der Gassen, So friert uns über die Massen, O Joseph mein!
O Maria mein, Nach dein Begehren kann's nit sein. Ein Stall ist überblieben, Dort sein unvertrieben, O Jungfrau rein!
Am anderen Abend wandert die Statue in die Nach
verschandeln das Gloria der Engel mir Jazzmusik. Sie predigen an Stelle der frohen Botschaft vom mensch- gewordenen Worte das Evangelium der Ichsucht, der freien Liebe, des Unfriedens. Leere Krippen des Herzens!
O, daß doch wieder ein heiliges Wissen um Advent und Weihnacht, ein heiliges Deuten von Adventskranz und Rorate in die Welt dringe! Ein heiliger Sehnen und Warten und Harren. Christozentrisch! Ein echter Advent des Lebens. Unser Warten heißt Zeit. Er aber kommt uns entgegen durch die Jahrtausende und sein
heiligen Nacht ganz weich ruhe in. dem nackt-rauhen Brettergesüge der Krippe und ihres Herzens.
O, welch bittere Wahrheit spricht doch aus diesem kindlich-wahren Adventsbrauch. Welche Unzahl kalter, leerer Krippen muß der Weltheiland finden! Adventskranz und Rorate, christliches Hoffen und würdige Vorbereitung auf das hohe Fest der Geburt des Heilandes sind ihnen sremd geworden. Sie zieren Adventskranz und Weihnachtsbaum mit konventionellem Lichtcrschmuck, und die Lichter ihres Glaubens und ihrer Liebe sind abgebrannt. Sie hängen den Stern von Bethlepem über Baum und Krippe und haben ihn in ihren Herzen längst ausgelöscht. Sie quasseln von Weihnachtssrieden und
Advent.
Nun deckt Oede und Starre die Natur. Ein undurchdringliches Nebelgespinst braut ost weit über rissigen Schollen und kahlen Stoppeln und taucht alles in Sphären der Einsamkeit, Welträumlichkeit! . . . Dann glotzt tagelang graues Wolkengefetz am Himmel. Novemberbang! Ein schneidender Wind aufspringt aus zerfahre- ncn Schneisen und bauscht den Bilderbuchmantel des rührigen Bauern, der sich jetzt nur selten aus dem Dorfe verliert. Alles traumverloren, vereinsamt, aber alles mit einem unbändigen Sehnen nach Frühligspracht und stuchtschwangerem Sommer, nach Sonne und Leben . . . Die Natur feiert ihren Advent . . . Und mit ihr das christgläubige Volk, wenn es plötzlich die Tünche der Alltäglichkeit und rastlosen Tätigkeit abgeschabt hat, wenn die Tiefen seines Herzens aufgerissen, und blutiges Weh au«, ihm schreit nach Erlösung, nach Weihnachtsglück und -Frieden. Zu keiner anderen Zeit sind bann die Menschen so willig und hörsam, so einer großen, himmlischen Sehnsucht voll nach Güte und Liebe, so heimwehsiech nach heiligster Erfüllung. Drum einige Streiflichter von echter Adventsgesinnung, Parusiestimmung und Weihnachtsvor- sreude, wie sie die sinnigen Adventsbräuche des christlichen Volkes widerspiegeln.
Varbarazweige.
Es ist ein uralter Adventsbrauch, am Barbaratage Zweige von Kernobstbäumen, die schon Knospen angesetzt haben, zu schneiden, damit sie blühen in der heiligsten Nacht. Man stellt sie am besten an seinen Arbeitstisch oder in eine Herrgottsecke, und freut sich bann, wenn in dem dürren Geäst bas Leben sprießt, bie Knospen schwellen und aufbrechen. Und es ist bann, als ob mit diesem keimenden Leben auch all die Hemmnisse und Banden, die ein Menschenherz bedrücken, brechen . . . Und wenn sie bann am heiligen Abend unter Christbaumgelichter ihre weißen und rosa Blütenkronen entfalten, dann ist es als ob das alte, sinnige Weihnachtslied Wirklichkeit geworden:
„. . . und hat ein Blümlein bracht, mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht".
Herbergssuche.
Es liegt wirklich etwas Urpoetisches und Überirdisch Seliges und Heiliges über diesen stillen Herbergeabenden, die das schlesische Land besonders kennt. Am ersten Sonntag im Advent kommen die Leute des Dorfes in einer warmen Stube zusammen, beten vor einer kerzenumstrahlten Muttergottesstatue Rosenkranz und Laureta- nische Litanei. Dann zum heiligen Joseph ein eignes Gebet der Herbergssuche, woraus inniges Mitleid mit dem Christkind spricht, bas gar Wohnungsnot leiben müsse unb baß es darum im warmen Kripplein ihrer Her-
Dinter-Acker.
Ich bin umhüllt von feinem Silberqualm, Der aus den Tälern rings emporgequollen, gft strauchle über hartgefrorne Schollen, gtur hier und dort ein frosterstarrter Halm.
In keinem Dinge ist ein Puls, ein Laut Sie sind wohl unbeschützt dem Tod verfallen. Es schmerzt der Wind, mit tausend Reitkristallen Verwundend meiner Wange warme Haut.
Das Auge, das zu suchen sich bemüht, In graue Fernen muß es qualvoll schweifen, Es sieht nur Tod und kann es nicht begreifen, Daß all dies jemals wieder lebt und blüht.
Karl von Berlepsch.
Heerführer unb Verwandter bes favoyischen Herzogs, mit einem Haufen Bewaffneter gegen Genf. Er hatte den Auftrag, bie Stadt heimlich zu überrumpeln, unb benutzte Dunkelheit und Nebel, bie ihm beide in jener Nacht zu Hilfe kamen, um ungesehen zweihundert Sol- baten in die Nähe der Stadtmauern zu bringen. Dort ließ er Leitern anlegen und die Mauern ersteigen.
Die Wache, die oben auf der Mauer war, erkannt« zunächst die Feinde nicht, sondern hielt sie in der Dun- kelheit für Genfer. Erst der nächste Wachtposten, den die Eindringlinge parlierten, Begriff die Gefahr. Er feuerte einen Warnungsschuß ab. Da aber waren bie Savoyarden auch schon in den Straßen, drangen in ein Haus der Corraterie ein (eine Straße der Altstadt), d,e auch heute noch so heißt, wo sich die heldenmütige „Dame Julienne Piaget, geborene Baud", wie es in einer alten Chronik heißt, mit einem Schrank verbarn- kodierte, der so schwer war, daß ihn am nächsten Morgen drei Männer nicht fortschaffen konnten, — so hatten Ängst und Erregung ihre Kräfte ins U ebermenschliche gesteigert. Und ebenso wie die Dame Piaget wehrten sich die wackeren Genfer, ebenso wie ihr scheinen ihnen Gefahr und Not doppelte Stärke verliehen zu haben. Sie strömten auf den Alarmchuß des Wachtpostens hin zusammen, ein jeder mit der Waffe, bie er gerabc zur Hand hatte, unb vertrieben die 200 scharfbewehrten Savoyarden aus der Stadt. Dreizehn nahmen sie gefangen, meistens Edelleute und Freunde des savoyichen Herzogs, die sie ohne Gnade ued Barmherzigkeit auf- knüpften. Siebzig wurden beim Kampf getötet, die übrigen sprangen die Mauer hinunter, brachen sich zum Teil das Genick, und nur ein kleines Häuflein kam zum Herzog heim, um ihm die Niederlage zu erzählen.
Dieses Ereignis, wunderbare Rettung aus großer Gefahr, hat die Genfer zu allen Zeiten von neuem begeistert. Schon am ersten Jahrestag hat man es gefeiert, und zwar von da an zunächst in der Form eines Festgelages bei einem der am Kampfe Beteiligten. War der jeweilige Gastgeber — jährlich kam die Reihe an einen anderen Veteranen — ein armer Monn, so bezahlt« die Stadt das Fest. Die Feier wurde allgemein. In den Bürgerfamilien gab es an diesem Tage ein Festessen, auch in späteren Jahren, als die Veteranen schon gestorben waren; dieses Essen schloß mit dem Absingen des 68strophigen „Esealade"-Liedes. Von ihm bekam das Fest seinen Namen: „Escalade", das heißt „Erstürmung mit Leitern". In das Lied, das ursprünglich einen frommen Text hatte und Gott für die wunderbar« Rettung dankte, mischten sich profane Strophen man verband Aufführungen und lärmhast« Darstellungen mit dem Fest, und schließlich wurde es Gelegenheit zu allgemeiner Maskerade. Den
- • Adventskranz.
Advent ist ein Wegsuchen und Wegbereiten, und damit dieses Suchen kein Tasten im Dunkeln »ft, müssen wir ein Licht anzünden. Das ist die tiefe, symbolische Bedeutung des Adventskranzes. — Es braucht nicht viel zu einem Adventskranz: Ein Reifen aus Riedholz ober Eisenblech, ein paar grüne Tannenreiser, vier rote Bän- ber unb vier Kerzen. Dann hängt man ben still-dusten- ben Kranz in bas Wohnzimmer. Unb wenn ber erste Adventssonntag scheiden will, versammelt man die Familie im trauten Wohnzimmer. Draußen riefelt bas stille Nachten und wirst herein gähnende Schatten. Dann aufflammt das erste Kerzenlicht.
„Das erste Licht am Kranze brennt, Ädvent!
Die Stadt im Schnee, und dicht verschneit der Wald in Winterherrlichkeit.
Die Welt trägt jetzt ein neu Gesicht!
Fühlst du es nicht?
Es strahlen tausend Hoffnungskerzen In kinderfrohen Menschenherzen . . . Das erste Licht am Kranze brennt, Advent!
Wie tlingt’s von Kinderstimmen hell:
„Bald kommt, bald kommt Emmanuel!"
Das matte Licht kämpft mühsam gegen bie Dunkelheit. Das finb die finsteren Schatten des reltgiöfeit Jndifferen- tismus, der Gottentfremdung und des Unglaubens. In den Herzen der stillen Familie aber emporquillt eine heiße Sehnsucht nach dem Königskinde in der Krippe. „Du Licht im Alltag! Du Stern der Finsternis! Du Liebe im Hassen! Du Bruder im Feindsein!" Es ist ein Sehnsuchtsruf, ein Stoßgebet in Not und Sterben: „Ma- ranatha! Komm Herr Jesus!" Und an jedem Sonntage aufflammt ein Likt mehr, bis bann alle Lichter bes Abventskranzes — das heilige Warten auf das Licht Christi — sich mit dem Strahlen der Heiligen Weihnacht zu einer Freudensymphonie vereinigen: „Christus, der Retter ist da!"
Das Christkind und bie leere Krippe.
Am Rhein und in Schlesien ist dieser sinnige Brauch noch heimisch. In der Adventszeit stellt die Mutter die kleine Krippe an einen auffälligen Ort des Hauses. Alles Stroh hat sie entfernt, dafür aber eine Schachtel neuer, sorgfältig geschnittener Strohhalmen hingestellt. Unb innig klingt bie Mahnung an bie Hausbewohner: Eurer Treue unb Liebe zum Christkind ist es anheimgestellt, ob es in der Weihnacht weich gebettet auf frischem Stroh ruhen soll! Für jeden Christusdienst dürst ihr einen Strohhalmen in die Krippe legen! Unb ein Wetteifern entsteht. Ein heiliger Äbventsruf burchglüht sie. Sie lungern gleichsam nach Siebesbienften, nach Werken opferfreudiger Entsagung, damit das Christkind in der
Vorspiel durch die »Autorisierte EIectroIa-Verkaufsstelle«
Fastnacht in Genf? — Man kann sich nicht vorstellen, daß so etwas möglich sei. Sollte man nicht glauben, daß der Geist des fanatischen Jean Calvin, ber, fo möchte man benten, immer noch in ben schmalen Gassen ber Altstadt und um die Kathedrale von St. Pierre spukt, die luftigen Masken unb Priitchen verjage? Und wirklich. — in der eigentlichen Fasäüngszeit sicht man in der Stadt Calvins keine Larve, still und winterlich verträumt geht in der Völkerbundsstadt ber Februar vorbei. Während man in der übrigen Schweiz, in der deutschsprachigen wie im italienisch redenden Kanton Tessin die letzten Vorsastentage in heiterer Ausgelassenheit zu begehen pflegt, bleib Genf ruhig unb maskenfrei.
Aber das selbstverständlich« und natürliche Verlangen jedes Menschen, einmal im Jahre das Alltagskleid auszuziehen und anders zu sein, als sonst, einmal aus öer bürgerlichen Gebundenheit in die Narrenfreiheit zu wechseln, hat selbst der strenge Calvinismus nicht unterdrücken können Ja. fast ist es fo, als würden in dieftr Stadt an solchem Tag die dunklen Gewalten um'o stürmischer frei, je mächtiger sie das Jahr hindurch em= gedämmt waren. Nicht am Karnevalstag mattiert sich Genf. — sondern es ist ein Tag im Advent, der 12. Dezember, ober vielmehr bie Nacht vom 11. ZUM 12. Dezember, und nicht nur durch dieses merkwürdig« Datum, sondern auch durch bie Art seiner Entstehung hat der Genfer „Karneval" seine besondere Eigenart.
Gent ift wie man weiß, die Hochburg, des ealvinisti- schen Protestantismus. Die Genfer um und nach Calvin nannten ihre Stadt, von der die kalvinistische Reformation ausgegangen war, selber die „Eite de Dieu', bie Gottes stabt. Ebenso groß aber, wie ber Stolz ber Genfer auf ihren Glauben war, war auch bie Trcwv ber katholischen Seelenhirten um bie „verlorene Tochter". Der eigentliche Bischof non Genf, der heilige Franz von Sales, ber um bie Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert residierte, konnte nicht einmal in seine eigene Bischofsstadt, sondern mußte sich im savoyischen Annecy aufhalten. Mit allen Mitteln verrichte ber heilige Franz diesen Zustand zu ändern und Genf dem Katholizismus zurückzugewinnen. Er setzte sich mit dem Herzog von Savoyen in Verbindung, und fand bei diesem ein williges Ohr. Es würde zu weit führen, wollte man untersuchen, ob der sanoyiche Herzog dem hl. Bischof willfährig war, weil ihn gleich diesen die Sorge um das Seelenheil der Genfer plagte, ober ob beim Herzog nicht vielmehr politische Erwägungen unb ber Wunsch, sich ber reichen „Eite be Dieu" zu bemächtigen, mitsprachen, — kurz und gut: In ber Nacht vom 11. zum 12. Dezember 1602, alb vor nunmehr genau drei- bunbertbreifjig Jahren, rückte ber Herr von Arbigny, ein
Fastnächten in der Adnentszeit.
Eine Genfer Kuriosität. - Die Escalade. - Die heldenhafte Dame Julienne piaget. Ein Lied von cchlundfechzig Strophen.
Das Rätsel des Tushintang.
Roman von Kurt Martin.
Eovvrigdt l>v Verlag Neuer Lebe«. Bavr. Gmain.
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Also nichts, was von Sheltons Bericht abbog! Sheiton hatte somit die Wahrheit gesprochen.
Er faßte nach dem dritten Schreiben mit chinesischen Marken, unb prüfenb betrachtete er ben starken, gebauschten Umschlag.
Was war ba brin? Von wem kam bas?
Er erbrach ben Umschlag unb entnahm ihm einen ®tfef unb ein kleines, verschnürtes Päckchen. Der Brief? 9°, ber kam boch von Kapitän Brahusen, bem Kapitän des „Kweipautu", mit bem er von Manila nach Schanghai gefahren wahr! Von Brahusen, ber gemeinsam mit 'hm den Untergang bes „Tushintang" erlebt hatte!
Erregt flogen Jörgen Soüanbers Augen über das Blatt.
..Mein lieber Herr Bollander! Sie werden nicht wenig überrascht sein über mein heutiges Schreiben. Erst wußte ich gar keine Adresse von Ihnen. Aber mit eben dem Fund, ben ich Ihnen heute fenbe, hatte ich mich vorig« Woche bei ber hiesigen Polizei gcmelbet, ba ja “as Mäbchen vom „Tushintang" immer noch verschollen m unb mein Funb womöglich zu einer Spur führte. JJiQn hüllte sich zunächst in große Zurückhaltung. Doch Sestern würbe ich zu Dr. Kao-Tse, dem Polizeichef, bestellt. Dieser Mann begrüßte mich sehr freunblidj unb banbigte mir ben Funb fflieber aus. Gleichzeitig S°b er mir Ihre Adresse und forberte mich auf, Ihnen geibe Dinge zu fenben; Sie hätten wohl die richtige ^erfflenbung dafür, denn Sie wären ja nun nahe barm, lenes Mäbchen zu finben. Ich fragte ben Polizeichef, 06 benn oas Mädchen wirklich noch am Leben sei, sind *r bejahte dies. Wahrscheinlich hat er das Erstaunen
Meinen Augen gelesen, denn er fuhr fort: „Sie lebt; । r sie steht in Gefahr. Es wird viel auf Mr. Bol- londers Handlungsweise ankommen, wie sich das weitere Schicksal des Mädchens gestaltet." Ich nehme an, daß $t- Kao-Tse mir bie Wahrheit gesagt hat unb daß Sie
wirklich hinter alle Geheimnisse gekommen finb, die mit der Verschleppung dieses Mädchens Zusammenhängen. Nur ist es mir unerklärlich, wie bas Mädchen bis nach Birma kam. Und nun hören Sie! Als wir das letztemal aus Manila abfahren wollten, fehlte Kiru-Iofai. Sobald wir auf See waren, sah ich mir einmal Kiru-Josais Hinterlassenschaft genauer an. Es fand sich nicht viel, etwas schlechte Wäsche, wertloser Kram. Und mitten zwischen der Wäsche ziehe ich etwas hervor, in Papier eingewickelt. Ich hielt ein kleines Ding in der Hand. Als ich das Papier loste, ist es ein Ring, ein goldener Ring. Mein erster Gedanke: den hat Kiru-Josai irgendwo gestohlen! Wie ich den Ring dann so in der Hand herumdrehte, fielen meine Augen auf eine Gravierung innen, und ich lese klar und deutlich: Ingeburg Bergner. Der Bursche besaß also einen Ring der Verschollenen! Wie er zu diesem Wertstück kam, ist rätselhaft. Ich wollte den Ring schon wieder in das Papier wickeln, da seh- ich, daß es ein Fetzen von einem Briefe ist. Ich lese die paar Worte, die da stehen, und es wird mir klar, daß dies bißchen Papier gar nicht so ohne Bedeutung ist, daß es vielmehr vom „Tushintang" Kunde gibt, höchst wahrscheinlich wenigstens. Sie erhalten beides anbei, und ich bin schauderhaft gespannt, was Sie mir antworten werden. Wenn mein Fund eine Bedeutung hätte, sollte es mich freuen.
Ihr I. Brahusen."
Jörgen Bollander hielt das kleine Päckchen in den Händen und löste den Faden. Er entnahm der Hülle den Ring und das Stück beschriebenen Papiers.
Der Ring! Jngeborgs Ring, den sie trug, m dem ihr Name steht! Und das Briefblatt? •
Er las die wenigen Worte, die zweizeilig übereinander standen:
„. . . mitfchiffs rammen!
. . . wird Shelton auch erhalten."
Das war alles, was auf diesem zerknitterten Papier stand. Und doch, war es nicht viel, unerhört viel? Mit- schifss rammen. Das war der Befehl, der ein Verbrechen vorbereitete! Kiru-Iofai hatte den Auftrag erhalten, ein Schreiben, in dem klar und deutlich davon die Rede war, ein Schiss zu versenken. Welches Schiss? Den
„Tushintang"? Wer hatte den Brief geschrieben? Wer ordnete die Dersenkung des Schiffes an und sprach gleichzeitig von Shelton? Da ward Shelton in einem Atem mit diesem geplanten Verbrechen genannt. Was sollte er erhalten? Ja, dann mußte Sheton doch den kennen, der diesen Brief geschrieben hatte! Mußte er da nicht auch um die Versenkung des fraglichen Schiffes wissen? Den „Tushintang"? Und wußte Shelton darum, was war ihm von Jngeborg bekannt?
Es trieb Jörgen Bollander, zum Hause Shelton zu eilen, dem Mann, der Gewalt besaß über Lilith, all die Fragen vorzulegen, die ihn beschäftigten.
Frau Lilith kam ihm entgegen, aufgeregt und ängstlich, wie er sogleich bemerkte.
„Das ist schön, daß Sie kommen, Herr Bollander! Ich dachte vorhin an Sie."
Als Sato-Khin die Tür geschlossen hatte und sie allein waren, wollte Jörgen Bollander sie an sich ziehen. Doch sie flüsterte:
„Vorsicht!"
Sie ließ sich in einen der Sessel nieder und bat: „Kommen Sie, setzen Sie sich zu mir und erzählen eie."
Und hastig flüsterte sie: „Sato-Khin beobachtet mich." „Was ist mit dem Diener? Hat Shelton ihm anbefohlen, dich zu beobachten, uns beide, wenn ich hier im Haufe weile?"
„Es mag fein. Er spricht neuerdings fo mißtrauisch von dir. Jörgen, wenn er dir ein Leid antäte!“
„Aber Lilith, du sollst doch Mut haben und tapfer bleiben!"
„Ich weiß nicht, ob ich das vermag. Ja, wenn du alles sagen würdest, was du denkst. Aber du willst ja nicht."
„Es darf noch nicht sein, Lilith."
„Was hast du unternommen? Soll es wirklich geschehen, daß ich frei werde?"
„Es soll! Aber ich bitte dich, auszuharren. Und laß Shelton nicht merken, wie sehr du dich nach Freiheit schuft!"
„Freiheit. Danach sehne ich mich ja gar nicht. Ich sehne mich nach Geborgensein an deiner Seite."
„Ja, sehne dich, Lilith! Der Tag wird kommen, der uns beiden das Glück bringt."
„Glück! Mir ja — mir ist es Glück! Ader dir, Jörgen, wie kann ich dir das Glück bringen? Ich fass« es nicht, daß du mich liebst. Du weiht ja fo wenig von mir, kennst meine Vergangenheit nicht."
„Ich will dich, und ich will die Gegenwart und Zukunft an deiner Seite. Lilith, und die Vergangenheit, vielleicht kenne ich auch die."
„Du? Sage mir alles, ich bitte dich!"
„Du darfst noch nicht alles wissen, was ich weiß, was ich mutmaße. Aber bald."
Hastig trat sie nun von ihm zurück.
Sie hörten draußen Sheltons Stimme, und gleich darauf stand er vor Jörgen Bollander.
„Ah, wieder einmal Gast bei uns, Mr. Bollander! Du wirst darüber nicht böse fein, Lilith, roas? Du verstehst dist ja sa gut mit Mr. Bollander."
Sie fühlten beide das Lauernde in Sheltons Art. Lilith gestand:
„Ich freue mich über jeden Besuch, der mir ein wenig Zeit opfert."
Shelton lachte.
„So, fo! Dann also auch über Goomar Parubram, wenn er bei dir weilt!"
Er wandte sich an Jörgen Bollander:
„Hat meine Frau es Ihnen nicht geklagt, daß er hier war? Sie bildet sich immer ein, daß er sie liebt. Aber das ist ja Unsinn; er verehrt sie, roie er eben gern Frauen verehrt."
Bollander meinte vorsichtig:
„Wenn Ihre Frau sich aber beunruhigt fühlt in Mr. Parudrams Gegenwart, dann sollten Sie ihm doch sagen, daß er weitere Besuche unterlassen soll."
„Ich denke nicht daran! Sie haben wohl ganz vergessen, daß Goomar Parubram bei Prinz Omar Rubri sehr viel bedeutet! Er leitet die Edelsteinverkäufe aus des Prinzen Besitztum. Ich kann mir doch diesen Mann