Nr. 286
Beilage zur Fuldaer Zeitung
beten!
F. f). Schwank-Telfan.
scheu und vorab Christen zu fördern. Er weiß, daß ohne die Gnade Gottes alles Reden vergeblich ist. Tägliche heilige Kommunion, monatliche Einkehr, jährliche Exerzitien, das ist ihr Ideal. Kindliche Frömmigkeit neben glühendem Seeleneifer zaubern in Westminster eine herrliche, erhebende Stimmung hervor, die einen fremden Besucher sehr angenehm berührt.
Vielleicht ist es befremdend für den einen oder andern Leser, daß man aus diese Weise die hochheilige Theologie in die Straßenwinkel trägt — non mittendus cani- bus: vielleicht wird befürchtet, daß unser Glaube durch diese Konkurrenz mit vielen anderen Weltanschauungen, mit denen er auf gleichem Fuß zu stehen scheint, seinen absoluten, einzigen, alleinwahren Charakter einbüße. Vielleicht wundert man sich, daß einfache Laien — die meisten sind nicht einmal „Akademiker" — sich an schwierige theologische Fragen heranwagen. Man beruhige sich. Die Wirklichkeit zeigt, daß diese Furcht unbegründet ist. Die Catholic Evidence Guild wird übrigens von dem englischen Episkopat warm empfohlen und unterstützt. Ihre Mitglieder trogen den offiziellen Titel „Diözesankatecheten". Keine Prüfung wird ohne aktive Teilnahme eines Priesters abgelegt. Das Werk, obschon vor 15 wahren ins Leben gerufen, arbeitet ganz im Sinne der von Pius XI. gepriesenen und gewünschten katholischen Aktion. Stände in allen katholischen Ländern, wenn auch nicht dieselbe äußere Organisation, doch, mu- tatis mutandis, ein Regiment solcher tüchtiger, mutiger, sturmerprobter Kämpfer an der Schlmhtfront, die Welt wäre bald anders!
ne r für das Freie (outdoor fpeaker) heranzubilden und sie in die Parks, Promenaden, Straßen und öffent- lichen Plätze hinauszuschicken, um dort die katholische Wahrheit bekannt zu machen und sozusagen feil zu halten. Diese eigenartige Weise zu predigen ist in England möglich, weil sie längst von Andersdenkenden ausgeübt wird. Der Verein, 1917 gegründet, besitzt jetzt 38 Zweige und hält jede Woche etwa 120 Vortragsabende im Freien über die katholische Religion. Don den 12 000 Bekehrungen, die der englische Katholizismus jährlich buchen kann, muß man unbedingt zwei, drei Tausend dem unermüdlichen Reden und Werben der Catholic Evidence Guild zuschreiben. Ein vielleicht noch wichtigeres Resultat ist, daß durch dieses mutige Auftreten in der Oeffentlichkeit der Katholizismus bekannt wird als eine Macht, mit der man zu rechnen hat, und daß die berghohen Vorurteile der Anglikaner gegen Rom nach und nach weggeräumt werden.
Die Ausbildung der Redner ist natürlich die wichtigste Aufgabe des Vereins. Jede Gruppe Hot zu diesem Zweck eine Schule. Ich habe einigen Kursen in Westminster beigewohnt und die Ueberzeugung gewonnen, daß die angewandte Methode vorbildlich ist. Das Erlernen des Stoffes ist eigentlich jedem einzelnen Schüler überlassen. Literatur und Gelegenheit zur Aussprache und zum Geprüftwerden stehen reichlich zur Verfügung. In den Klassen, die zweimal in der Woche geholten werden, legt man mehr Gewicht auf das Sichaneignen des Stoffes und auf die Fähigkeit, diesen Stoff für andere zu verarbeiten, vorzutragen und gegen Einwendungen zu rer- teidigen. Jede Versammlung in Westminster besteht aus
drei Abschnitten. Erstens hält ein Guildmeister den 50, 60 anwesenden Schülern und Schülerinnen Vortrag über irgendeinen Punkt der Christenlehre, und zwar so, wie cr draußen gehalten werden soll. Zweitens richtet ein anderer Lehrer an die versammelten Kandidaten Kreuzfragen und Einwände, die wie Maschinengewehrfeuer niederprasseln, vom protestantischen, heidnischen, freigeistigen Standpunkt. Die Schüler haben da blitzschnell zu antworten und gute Gelegenheit, ihr Wissen „mobil" zu machen. Drittens muß ein Schüler aufs Rednerpult und wird dann von seinen Kameraden ausgefragt, so wie es draußen geschieht. Diese Methode ist einfach. Jahrelang durchgeführt, durch gründliches Privatstudium unterstützt, wirkt sie — die Erfahrung zeigt es — geradezu großartig.
Zumal man die Schüler, um sie anzufeuern, so bald wie möglich „an die Front" schickt. Natürlich nicht nach finde Park, sondern in ruhige Stellungen, wo es selten Trommelfeuer gibt. Dort können sie dann, nach einer ernsten Prüfung, über ein ganz bestimmtes, leichteres Thema eine kleine Rede schwingen und sich dem Fragen der Menge aussetzen. Nach einer solchen Feuertaufe lernt man mit größerem Eifer und versteht besser die konkreten Winke der alten Krieger. Nach und nach läßt man sich dann über dieses und jenes Thema prüfen, bis man — es ist selten — die Befugnis erhält, draußen über irgend einen beliebigen Teil der katholischen Lehre zu reden.
Man sieht, der Verein saßt die Sache ernst auf. So ernst, daß er, neben diesem formellen Trainieren, alles versucht, um auch den Wert seiner Mitglieder als Men-
schen Familien der unbekannte Gott steht. Es ist noch so, wie Johannes sagte: „In eurer Mitte steht einer, den ihr nicht kenn t." Denn, gestehe es dir nur einmal ehrlich ein: ist das ein wirklicher Glaube an Gott, ein Erkennen, ein Anerkennen seiner Gottheit, wenn dieser Glaube, dieses Erkennen sich in solch ein paar Äußerlichkeiten erschöpft? Wenn dein ganzer Dienst, den du deinem Herrgott leistest, darin besteht, daß du ein paar Gebete hersagst und deine Zeit in der Kirche abkniest. Es wäre wirklich ein armseliger Gott, wenn das Wissen um ihn nicht zu mehr verpflichtete.
Aber denke einmal an jenes Gebot, das der Heiland der Eottesliebe gleichgesetzt hat, denke einmal an das Gebot der Nächstenliebe. Der Heiland hat dieses Gebot nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt. Und ist nicht gerade dieses Gebot dazu geeignet, Prüfftein unserer Liebe zu Gott, ja unseres Glaubens an ihn zu sein. Im alten Testament ließ Gott durch den Propheten sagen: öffne unreche Fesseln und löse drückende Bande; gib frei die Unterdrückten, zerbrich jedes ungerecht- Joch. Im neuen Bund aber sehen wir den gekreuzigten Gott und hören vom Kreuz herab sein Wort: ■ Naler, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht was fi? tun."
Hast du schon einmal nach dem Wort und Beispiel deines Gottes getan, wenn dir Unrecht in Wort oder Tat geschah? Bielleicht war es noch nicht einmal ein Unrecht, das dir angetan wurde. Und du glaubtest, dich rächen zu müssen und haft es auch getan. Ist der Gott der Liebe, der erbarmenden, verzeihenden Liebe nicht doch auch für dich ein unbekannter Gott, wenn es sich für dich darum handelt, ihm in dieser Liebe Gefolgschaft zu leisten, wenn der Glaube an ihn dich zur Nächstenliebe und Nächstenhilfe verpflichtet?
daß endlich auch Einheit werde zwischen Wort und Werk, zwischen Rede und Tat im katholischen Kreise. Von solchem lebendigen Christentum des Alltags wird dann eine Erneuerung ausgehen für Volk und Familie und Jugend, für Land und Staat und Gesellschaft. Arbeit und Werk müssen fein, wir sind dankbar, wenn wir es haben, wir beten zu Gott, daß er uns Arbeit schenke, daß er die Geißel der Arbeitslosigkeit von uns nehme. Aber wir dürfen auch nicht aufgehen in der Arbeit. Wir müssen den Blick über die Werkbank, über dm Schreibtisch, über den dinglichen Beruf hinauflenken zu dem, der alles gab, in dessen Macht und Wille alles steht, zu dessen Ehre und Lob wir alles tun. Diese Gesinnung muß in uns wieder wach werden, dann wird das Wort Christi in uns und in unserem Werk zur Wahrheit und zur Erfüllung: „Ihr sollt allezeit
Der unbekannte Gott.
Betrachtung zum Sonnkagsevange'ium.
Es wäre für die Zeitgenossen des Heilandes nicht sehr schwer gewesen, ihn aus der Reihe der Propheten herauszufinden und in ihm den Erlöser zu erkennen, auf den sie schon 4 000 Jahre warteten, wenn sie nur hätten sehen wollen. Dem jüdischen Volk war der verheißene Erlöser ja so klar durch all die Prophezeiungen beschrieben worden, daß Johannes dann getrost mit dem Finger auf Jesus zeigen und zu den Umstehenden sagen konnte: „Seht das Lamm Gottes".
Es ist eigentlich auch eine mäßige Frage, die der Hohe Rat an Johannes stellen läßt: „Wer bist du?" — Es ist nicht die Frage der Sehnsucht, der freudigen Hoffnung; denn sonst wären sie wohl selbst gekommen, um selbst zu sehen und zu hören. Freilich, sie können über Johannes nicht ganz hinwegsehen. Er ist schon zu bekannt, daß Volk strömt zu seinen Predigten. Es ist erschüttert, es tut Buße und läßt sich taufen. Die Pharisäer können also nicht tun, als sei Johannes nicht da, aber er ist ihnen eben mit feinen Bußpredigten unbequem. Sie warten brennend auf die Antwort, von der sie erhoffen, daß es nicht der Messias ist, der dort im härenen Gewände in der Wüste steht. Und Johannes bekennt frei und offen: „Ich bin nicht der Christus". Als sie aber nicht Nachlassen, nach seiner Sendung zu fragen, gibt er das Zeugnis für Christus: „In eurer Mitte steht einer, den ihr nicht kennt".
Der Heiland kam als der irnbefannte Gott in die Welt und er ist der unbekannte Gott geblieben Nicht durch eigene Schuld. Denn sein Leben vom ersten Augenblick an nmr ja die Erfüllung all der Prophetenworte, die sich an ihm und nur an ihm nachweisen ließen. Er hat es auch nicht an Beweisen für seine Gottheit fehlen lassen. Manch einer ist vor dem göttlichen Wundertäter in die Knie gesunken und hat wie Thomas bekannt: „Mein Herr und mein Gott" Aber sehr viele wollten eben nicht fehen, wollten nicht hören, daß Jesus wirklich Gott fei.
Hast du eigentlich schon einmal nachgedacht, welchen Grund die Menschen halten, die Jesus die Gottheit ahsprachen, obwohl sie seine Lehren hörten und seine Wunder sahen. Kommt es dir nicht vor, als hätten sie etwas Widersinniges getan, da sie so Tatsachen ableugnen wollten? All die Feinde Jesu, die damals zur Zeit des Heilandes lebten und die, die jetzt mit dir und mir leben, wußten and wissen, warum sie Jesus als den Gottmenschen leugnen. Weil derGlaube anGottver- pflichtet. Weil sie, wenn sie Gott anerkennen, nicht leben können, als wenn es keinen Gott gäbe..
Nun ist vielleicht in dir schon die verwunderte I Frage aufgestiegen, warum ich dir, dem gläubigen Christen, eigentlich von dem Unglauben der Pharisäer und Schriftgelehrten erzähle. Du bist getauft, bist in den Religionsunterricht gegangen, gehst auch jetzt noch an den Sonntagen wenigstens zur hl. Messe und gelegentlich auch zu den heiligen Sakramenten. Für dich ist doch Gott kein großes Fragezeichen.
Und doch sage ich, daß auch in unseren katho- lifchen Städten und Dörfern, in unteren katholi
Oritter Adventssonntag.
(Eingangslieb (Phil. 4, 4—6).
Freut euch im Herrn immerdar Ich sage es wieder: Freut euch. Herzlich und gut zeigt euch allen Menschen; denn der Herr ist nahe. Laßt die Sorgen! Was ihr wünscht, das tragt m jedem eurer Gebete vor Gott. (Pf. 84, 2.) Du hast, o Herr, dem Land begnadet, beendet Jakobs Knechtschaft.
Epistel (Phil. 4, 4—7).
Brüder! Freut euch im Herrn immerdar. Ich sage es wieder: Freut euch. Herzlich und gut zeigt euch allen Menschen; denn der Herr ist nahe. Laßt die Sorgen. Was ihr wünscht, das tragt in allroeg mit Beten, und Bstten, in Danksagung zu Gott. Der Friede Gottes, der jeden Begriff übersteigt, bewahre euer Herz und euern Sinn, in Christus Jesus, unferm Herrn.
Evangelium (Joh. 1, 19—28).
Ich bin „die Stimme des Rufenden in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn".
Werkheiligung.
Um die Heiligung des Alltags, um die Segnung und Stellung des Werks der rauhen und oft öden Arbeitstage unter Gottes Schutz müht sich Adolf Donders in seinem neuesten Buche: ,,Gott im Alltag" (1932, Katholische-Tat-Bersrg, Köln). Er spricht hier von der Notwendigkeit, über den Sonntag, über die Sonntagsheiligung hinauszustoßen in den Alltag. Er zeigt der modernen, gehetzten und ruhelosen Menschheit diese innere, seelische religiöse Notwendigkeit, die in dem Aufruf Zur Werkheiligung liegt. Die Zeit mit ihrer Not und ihren Fragen, mit ihrer Unegrechtigkeit und Sinnlosigkeit ist einfach nicht mehr zu ertragen ohne Gott. Das muß jeder wissen, der im Alltag steht. Das muß jeder merken, der am Werk seiner Hände schafft, das muß jeder spüren, der in den modernen Produktionsprozeß der Maschine eingespannt ist, — erst recht aber jeder, den die Zei.not aus diesem Prozeß ausge-stoßen hat, und der nun verbissen und hadernd mit Gott und den Menschen durch die Straßen läuft. Jeder muß wissen, daß nur mit Gott ein solches Leben zu ertragen ist. Jeder wirklich katholische Mensch wird schon die Beobachtung gemacht haben, daß seine Arbeitskollegen und Werkkameraden manchmal erstaunt, manchmal vielleicht auch spöttisch zu ihm herüber schauen, wenn er in aller Arbeit, bei aller Widerwärtigkeit, bei Schikanen und Mißerfolgen, aber auch bei Lob und Verdiensterhöhung stets gleichmäßig ruhig bleibt, wenn er nicht flucht und wettert, nicht brüllt und tobt, nicht hetzt oder heimliche Hetzreden führt. Immer wird bann ein solch katholischer Mensch als Beispiel wirken, wird eine stumme Predigt des Christentums fein. Das müssen wir alle werden, die wir uns katholisch nennen. Und zu diesem Zwecke hat Dr. Adolf Donders fein Büchlein „Gott im Alltag" geschrieben. Aber der Verfasser will noch mehr, als nur Beispiele für die Außenstehenden bieten. Er will den Gläubigen selbst etwas geben, er will ihre eigenen Schutz- und Trutzwaffen vermehren und schärfen in diesem Sireit der Meinungen und Dinge, in dem wir jeden Tagen stehen. Er sagt es im Vorwort selbst, was er meint: „Mehr Innerlichkeit muß dem Christen der heutigen Zeit ein Gegengewicht halten gegen die Gefahren ihrer Aeußerlichkeit. So gelte der Ruf: „Du sollst auch den Alltag heiligen!".
Wahrlich, wir brauchen n:d)ts dringender heute als eine wirklich tief ergreifende Alltagsheiliguna. |
Katholisches La en-Apostolak in England.
Von Pater Pierre L o r s o n S. I.
Wer Sonntags nachmittags an der nordöstlichen Ecke des berühmten Hyde Parks in London vorbeikommt, hört sich nacheinander von zwanzig, dreißig auf kleinen Pulten nebeneinander stehenden Rednern eingeladen, Kommunist, Sozialist, Esperantist, dann Israelit, Hinduist, Anglikaner, Wesleyaner, Hochkirchler, ja Katholik zu werden. Alle möglichen Weltanschauungen werden dort dem nimmermüden Publikum vorgeführt. Der katholische „Stand", an einem mächtigen Kreuz erkenntlich, ist wegen der Vornehmheit und Gründlichkeit seiner Redner am meisten geschätzt und gesucht. Jüngere Laien, Damen und Herren, behandeln dort die wichtigsten, ja heikelsten Probleme der Apologetik, Dogmatik und Ethik, und zwar mit außergewöhnlicher Meisterschaft. Schlagfertig an- worten sie auf die Menge Fragen, die, von spitzfindigen Indern, bibelfesten Protestanten, ja von eigens hierfür geschulten Opponenten kommend, ftudenlang auf sie einsturmen. Vor n paar Wochen Sabe ich ihnen zugehört, wie sie über Fundamentalethitz das höchste Gut und die diesbezüglichen Systeme, dann über Wunder, Unfehlbarkeit des Papstes, Unterschied zwischen Inspiration, Offenbarung, Assistenz, über Natur und Uebernatur, Vernunft und Gnade im Glaubensakt, ganz solide Ausführungen und Antworten geboten haben, die eine bewunde- rungswürdige Beherrschung des Stoffes voraussetzen. Besagte Laien gehören dem originellen Verein der „C a t ho- l i c Evidence Guild" an.
Ziel dieser Organisation ist es, katholische R e d-
11. Dezemb«
Freuet euch allzeit!
(T. Thess. 5, 16).
Es ist heidnische Gesinnung, es ist Tiefstand irdischen Sinnens und Trachtens, wenn jemand Gutes mit Bösem vergilt. „Don dessen Haus", sagt die Hl. Schrift, „wird das Unglück nicht weichen". (Sprichw. 17, 13). Ein geringerer Grad von Bosheit und sittlicher Verworfenheit ist es, wenn man Böses mit Bösem vergilt. Aber auch davor warnt schon die Hl. Schrift mit den Worten: „Sage nicht: Ich wist das Böse vergelten; warte auf den Herrn, der wird dir helfen" (Spr. 20, 22). Der hl. Paulus erzog ferne Christen zu viel Höherem. „Befleißet euch", mahnte er, „allezeit des Guten gegeneinander und gegen jedermann." Noch mehr. Man soll Böses mit Gutem vergelten. „Segnet, die euch verfolgen; segnet und ffuchet nicht!" oder wie Petrus sagt, man wende
Kinder als Nippsachen.
Wie die Alten jungen . . .! Denn auch die Jungen, die Jüngsten, die noch meinen, wenn sie sich von „Mutti" trennen sollen, zwitschern heute in der himmelblauen und rosaroten Kitschweise jener Erwachsenen, die sich die Ewigkeit vertreiben, indem sie ihre Zeit mit Frauenmoden- oder bes- ser Modefraiienschau und Schönheitswettbewerben totschlagen. Tatsächlich: man sucht „das bestgepflegte Kind" von Mausi und Jüngi (so heißen hochherrschaftlich benamst die armen Kücken, die ja nichts dafür können) schweben im unerbittlichen Schein der Jupiterlampen und unter dem herzzerreißenden Katzenjammer einer Jazz-Kapelle hüftenwiegend über die Bretter, die diesmal nur die i kleine Welt der Eitelkeit bedeuten. Was nützt eine frische Trommlerschar, was diese herzigen Miniaturpolizisten und kafperlhaft phantastischen Wachs- soldaten, wenn so ein Kindernachmittag schließlich doch zu einem Weiiftelzen der Eitlen wird. Kein noch so ziervolles Kinderballett, keine noch so reizvolle Schar lebendiger Käthe-Kruse-Puppen kann uns über das tief Unkindliche facher „Gepflegtheitsprüfung" hinwegtöufchen. Das ist nur ein harmlos klingendes Wort für die bereits altmodisch gewordene Schönheitskonkurrenz. Sechs Damen ließen auf jenem Fest, das mir meinen und das aus Diskretion nicht näher bezeichnet sei, die geschniegelten und gebügelten Kleinen an sich vorbeistolzieren. Sechszig Mausis und Jüngis erhielten Preise. Und bann gab es noch sechs besonders Erlesene, wahrhaft prinzliche Erscheinungen, von hinreißender Anmut der Haltung und Gebärde: die bekamen — sie erraten es nicht! — Sparkassenbücher (mit Haben-Saldo, wer wollte daran zweifeln). ©in find der Stolz ihrer Müffer, sie sind Muttchens Hätschelhänse und Pappis Goldchen, um in der verspielten Mundart zu reden, die zu solcher Familiensphäre gehört. Jedes Elternpaar hat so feinen künftigen Fi'mstar bereits zu Hause. Man soll nur nicht staunen, wenn aus derart kosmetisch hergerichteten und aufgedonnerten Lieblingen schon frühzeitig kokette Puten und lebensuntüchtige Schönlinge werden, die harte Arbeit scheuen, weil ihnen der anerzogene Schick und das preiszukrönende Aiiffallen stets wichtiger sein wird als demütiges Dienen. Wer aus Kindern Nippsachen macht, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie eines Tages in Scherben gehen. Es sind ohnehin meistens die „Einzigen". („Schönere Zukunft", „Das Neue Reich", Wien.)
। , sich vom Bösen ab und tue Gutes DUU?" i Sieg, den Christus greift und von dem er iaat h^ > er eine Quelle überreicher Freude sei In 8;^' ' Sinne sagt der Herr: „Selig sind, die Verfolam ' leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer i das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn eu* h
• Menschen schmähen und verfolgen und alles Bö
mit Unwahrheit wider euch reden um meinetmi len, freuet euch und frohlocket, denn euer Lob» groß im Himmel!" (Matth. 5, 10). Das ist gj, über das Böse, das sich an uns herandrLnqt (L ist aber auch Sieg über das Böse in unferm fier’ jen selbst, und wo Sieg, da ist stolze Freude I» solchem Zusammenhang ist zu verstehen, wenn der Apostel im Briefe an die Christen in Thella- lonike drei kurze, aber eindringliche Mahnunaen richtet. „Freuet euch allzeit.". — .Betet ohne Unterlaß!" — „Saget Dank allem!" — denn dies (er meint alle diese drei Mahnungen) ist Gottes Wille in Christus Jesus in bezug auf euch alle."
Die Weltweisheit gibt manche Regel, ein ruhj. ges Gemüt, eine fröhliche Stimmung, einen ungetrübten Humor, eine philosophisch-stoische Gleich. Mistigkeit zu bewahren. Solches braucht man ft in Zeiten, in denen der Krieg die Welt mit Schrecken die Revolution die Völker mit Bangen erfüllt, allüberall Gefahren drohen und man keinen Tag sicher ist vor neuen Schrecken. Im Briefe des Apostels finden wir eine viel ergiebigere Quelle von Seelenruhe angeführt: Wer Böses mit Gutem vergilt, wer immer und überall Gutes zu tun trachtet und jedem Menschen mit Wohlgefallen entgegenkommt, den bringt kein Leid und keine Trübsal, den bringt aber auch fein Haß und feine Anfeindung aus dem Gleichgewicht. Um das je- doch leisten zu fönnen, bedarf es eines lebendigen Glaubens, muß das ganze Denfen und Streben im Lichte der ©otteserfenntnis geschehen, muß sich mit öem allen innige Liebe zu Christus, unlösbare Vereinigung mit dem göttlichen Heilande und ein aufrichtiges Streben, ihm in allem nachzufolgen, verbinden. Dazu fommt noch, daß das Gebet, — denn Gebet ist wahrer, inniger Verfehr mit Gott — immer neue Gnadenströme und Quellen himmlischer Kraft eröffnet. Dann gelangt der Christ dahin, bei allem was fommen mag, Gott zu danken, weil alles ihm zum Segen, zur ewig. Verherrlichung gereicht und Christus, der Herr ihn mit ferner Gnade stärkt und kräftigt. Solchen Chrfften gereicht bann wahrlich alles zum Besten.
Wie glücklich wären wir, wenn wir solches er» g reichten, was ber hl. Paulus damals von den Christen zu Theffalonife fordern zu können glaubte. Und wer immerfort ungetrübt und ungestört hier auf Erden sich freuen kann, immerfort und bei allem Gott zu danken weiß, und wer immerfort schon durch das Gebet im Himmel weilt, der darf . hoffen, einmal auch in her Ewigkeit sich freuen zu können, dem wird das Leben selbst eine Pforte des Himmels und eine Vorahnung ewiger Freude. Was sind wir Menschen doch für törichte Wesen, daß wir selbst uns nicht mehr Freude bereiten, wo so viel Elend uns umgibt! Esi st heidnischer Unverstand, anderen Böses zuzufü- genundimmermehrLeid zu bereiten; es ist christlicher Siitn, Freude und immer mehr Freude anderen und dadurch auch sich selbst zu bereiten. Es ist Christensinn, so vorzugehen.. Der hl. Paulus sagt aber auch: Es ist der Wille Gottes in Christus Jesus uns mitgeteilt und verkündet. Es ist ber Wille Gottes durch die Tätigkeit und die Vermittlung Christi uns empfohlen und anvertraut *)
*) Entnommen dem neuen Bande des großen Pait> luswerkes von Bischof Dr. Sigismund Waitz „Paulus, leine ersten Sendschreiben". 316 Seiten. Kart. 3 Rm. Ganzleinen 4,20 Rm. Verlagsanstalt Tyrolio, Inns- bruck-Wien-München. Durch alle Buchhandlungen ZU beziehen.
viele kennen keinen Dank!
Neben den vielen würdigen Armen gibt es ge« miß auch einige Unwürdige. Sie schimpfen über ihre Wohltäter, wollen nicht arbeiten, verwenden die Gaben der Karitas falsch. Wir dürfen aber solche Erfahrungen nicht verallgemeinern; wollen nicht mit Berufung darauf Herz und Hand verschließen. Denn dann würden wir den vielen Würdigen Unrecht tun und sie durch unsere übertriebene Vorsicht an den Rand der Verzweiflung treiben. Halten mir uns daran: Undank der Unwürdigen dispensiert nicht vom Geben!