Ile. 284
Wrg. 59
Arettag, 9. Dezember 1932
Sie Mrtschafi braucht politische Ruhe
Be- wor
den, da sich jetzt ein neuer Verhandlungs- w e g durch die angestrebte Verbindung des deutschen Vermittlungsvorschlages mit der Erklärung Herriots zur, Gleichberechtigungsfrage a b z e i ch - net, der angeblich einen Ausweg aus der gegen«
Die Abrüstungs-Frage.
Die für Mittwoch abend vorgesehene neue fprechung der fünf Großmächte ist abgesagt :
• Monatlich 1.65 einlchlietzl. ’Bo|tget>üi)r (4« Pfg., ohne tfuileUw Anzeigen-Preise: Kleinzeile ((Sol.) lokal 0.15 RM.. au-wäcis 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., ousrodrt» O.hO )R'JDi 'Bei WiedecKalungen Ravatt ’Boftidiecff Fraokiriri a M 4U51
sei unvereinbar mit dem Bericht des Untersuchungsausschusses und mit dem Geiste und den Aufgaben des Völkerbundes. Die Urheber hätten sich die schweren Folgen, die er für den Völkerbund baden könne, nicht überlegt. Sollten die Urheber ihn nicht noch zurückziehen, so fordere er sofortige Abstimmung, damit Japan die wirkliche Ausias- sung der Völkerbundsversammlung kennen lerne.
Der Präsident der Versammlung erklärte, die Bemerkungen des japanischen Delegierten erforderten eine eingehende Prüfung und er nehme an, daß die Versammlung heute nachmittao dazu Stellung nehmen könne. Inzwischen wurde die Aussprache, an der sich die Vertreter der Türkei, Mexikos und Polens beteiligten, fortgesetzt.
Besprechungen rechnet man bei allen Parteien damit, daß es zu einer Einigung kommt und daß dadurch die Vertagung des Parlaments bis Mitte Januar ermöglicht wird.
Für das. Stellvertretungsgesetz und die Aufhebung der besonderen stark umkämpften sozialpolitischen Bestimmungen der Notverordnungen ist ohnehin im Reichstag eine Mehrheit vorhanden Und, was die sozialpolitischen Notverordnungen angeht, so glaubt man in parlamentarischen Kreisen, daß das Kabinett schon gleichzeitig mit dem Reichstagsbeschluß die entsprechenden Maßnahmen von sich aus treffen wird.
netes Zusammenwirken der Landwirtschaft mit anderen Kreisen zur besseren Anpassung an die Marktbedürfnisse, ohne daß es hierfür, wie Dr. Grund betonte, grundsätzlich staatlichen Zwangs bedürfe.
Zur Frage der
Ueberwindmrg der Arbeitslosigkeit kommend, ging Dr. Grund auf das Projekt ein, die Beträge, die als Prämie für Mshreinstellung von Arbeitern gedacht waren, der öffentlichen Arbeitsbeschaffung zuzuführen. Er meinte, dies könne unter der Voraussetzung begrüßt werden, daß die strengen Erfordernisse wirtschaftlicher Nützlichkeit, also auch der Verzinsung solcher Aufwendungen gewahrt werden. Dies gelte insbesondere auch bei gemeindlichen Arbeiten, die auch vom Standpunkt der Wirtschaft als notwendig erachtet werden.
Zum Schluß kam der Präsident darauf zu sprechen, daß die keimende Entwicklung der Wirtschaft in den letzten Monaten durch nichts so sehr beeinträchtigt worden sei wie durch die U n - Ilcherheit der innenpolitischen Verhältnisse. Man müsse erwarten, daß die par- kamentari'chen Vertreter des Volkes die Einsicht und Verantwortung aufbringen, der Regierung und dem arbeitenden deutschen Volk Zeit zur ruhigen Arbeit zu lassen. Diese Gedankengänge wurden m der Aussprache lebhaft unterstützt.
wtb. London, 8 .Dez. (Eig. Meld.) Nach einer Reutermeldung aus Tsitsikar haben die Soo- jet-Behörden den vor einigen Tagen auf sowjeirus- sisches Gebiet geflüchteten und internierten chinesischen General Supingwen zusammen mit 40 chinesischen Soldaten den japanischen Militärbehörden in Mandschuria ausgeliefert. Unter den Ausgelieferten soll sich auch General Matschangtfchen befinden.
Die Frage, von deren Entscheidung Vertagung des Reichstages über Weihnachten oder Weitertagen und damit Mißtrauensvotum und Konflikt abhängen, ist die Gestaltung der Amnestie. Schon am Mittwoch hatten unverbindlick»e Vorbesprechungen darüber zwischen den Führern, der größeren Parteien stattgefunden. Am Donnerstag mittag hatten die Juristen der einzelnen Fraktionen verschiedene Besprechungen untereinander, um die Ausschußsitzungen vorzubereiten.
Vom Plenum sind im Ausschuß drei Entwürfe überwiesen worden, die von den N a - t i o n a l s o z i a l i st e n, den Kommunisten und den Sozialdemokraten beantragt wurden. Diese Entwürfe sind zwar äußerlich sehr verschieden, der Inhalt deckt sich jedoch im wesentlichen. Die Streitpunkte bilden, wie das Nachrichtenbüro des ViD.Z. hört, die Behandlung der L a n d e s v e r r a t s f ä l le und die Behandlung der schweren V e r h r e che n gegen das Leben und gegen das Sp rengst o f f g e f e tz. Der kommunistische Antrag will beide Gruppen mit amnestieren, der nationalsozialistische wenigstens die zweite Gruppe. Dagegen dürften in dem sozialdemokratischen Entwurf schon die Bedenken der Regierung und der Mittelparteien gegen eine solche Regelung berücksichtigt sein. Es bandelt sich nun darum, wenigstens mit den Nationalsozialisten "eine Kompro- m i ß fa ss u n g zu vereinbaren, die gleichzeitig für die Regierung und den Reichspräsidenten erträglich wäre. Nach dem bisherigen Verlauf der
Im Rahmen der Vöikerbundsaus- spräche über den mandschurischen Konflikt sprach am Mittwoch Außenminister von Neurath, der die Beilegung des Streitfalls a 1 s eine Schicksalsfrage des Völkerbundes bezeichnete und bei dieser Gelegenheit auf die Notwendigkeit eines Ausgleichs der Rüstungen hin- wies.
*
Bei der Beurteilung der Vorgänge in Genf, die einem Versuch der vier Großmächte England, Frankreich, Amerika und Italien, Deutschland in der Gleichberechtigungs- und Abrüstungsfrage entweder zu überrumpeln oder doch mindestens die Schuld am etwaigen Scheitern der sogenannten Abrüstungsbemühungen zuzuschieben, verzweifelt glichen, muß man sich zunächst einmal den immer noch ’ bestehenden grundsätzlichen Standpunkt Deutschlands wieder vergegenwärtigen.
Als Reichsaußenminister von Neurath am 29. September nach der Rückkehr aus Genf im Kabinettsrat Bericht erstattete, billigte das Reichskabi- net einstimmig die Haltung Neuraths, der es ablehnte, sich an den Verhandlungen dersAbrüstungs- konferenz weiter zu beteiligen, bevor nicht der deutsche Gleichberechtigungsstandpunkt voll anerkannt sei. Dieser Entwicklung ging bekanntlich ein umfangreicher Notenwechsel über die deutsche Gleichberechtigungsfrage voran, der schon am 15. September zu der bekannten eindeutigen schriftlichen Stellungnahme der Reichsregierung gegenüber dem Borsitzenden der Abrüstungskonferenz Henderson führte.
Wenn jetzt der deutsche Außenminister wieder in Genf erschienen ist, so hat das nichts mit einer etwaigen Aenderung der grundsätzlichen deutschen Stellungnahme zu tun — das Kabinett von Schleicher wird hier konsequent die gleiche Linie verfolgen, die von dem Kabinett Brüning vorbereitet und von Herrn von Papen weitergeführt wurde. Reichsaußenminister von Neurath erschien in Gens lediglich zur Teilnahme an der Fortsetzung der Völkerbundstagung, die sich mit dem chinesisch-japanischen Konflikt zu befassen hat.
Macdonald, dem ja ungemein viel daran liegt, den Abrüstungskomplex zu fördern, hat die Gelegenheit benutzt, fierrn von Neurath zu einem Diener mit den Vertretern anderer Großmächte zu laden — wie ja in Genf zumeist das Wichtigste in der entspannenden Atmosphäre des geiellschaft- lichen Beisammenseins behandelt wird — und hier wurde dann Herrn von Neurath der merkwürdige Plan unterbreitet, der zwar noch als durchaus provisorisch charakterisiert wurde, aber doch schon allzu deutlich erkennen, ließ, wohin die Dinge treiben.
Der Ueberrumpelungsversuch war zu hastig in Szene gesetzt, als daß er hätte glücken, ja nur den den Eventual-weck hätte erreichen können, Deutschland mit der Verantwortung zu belasten. Die Einstellung der Reichsregierung ist unverändert gegenüber dem September und es ist inzwischen nichts von der Gegenseite geschehen, um dieser wohlbegründeten und rechtlichen Einstellung Rechnung zu tragen.
Allein darüber hinaus ist es notwendig, sich der Tendenz des britisch-französisch-amerikanischen Plans bewußt zu werden: die Abrüstungskonferenz all abgeschlossen und durch eine ständige Abrü- tungskommission ersetzt werden; diese Kommission oll nach Ablauf von etwa 3 Jahren auf der Grundlage der bislang erreichten „Einigungspunkte" die nächste Abrüstungskonferenz ein- berufen; alle politischen Fragen, also auch die der Gleichberechtigung, werden vertagt; Fortsetzung des „Rüstungswaffenstillstands" in der bisherigen Form; Bildung eines Kontrollausschusses.
Mit anderen Worten: es geschieht nichts, außer >aß — nach hundertfach geübter Völkevbunds- traditian — die Abrüstungsidee auf drei Jahre (ursprünglich waren 5 Jahre vorgesehen) in einer Kommission einqesargt wird. Dahinter steht wohl der Gedanke, daß selbst die kräftigste Idee einen Scheintod von drei Jahren nicht überstehen wird.
Wer soll begnadigt werden?
Die politische Bedeutung der Amnestie-Anträge.
Gewerkschaftler bei Hindenburg Line Abordnung des Gesamiverbandes der Christlichen Gewerkschaften beim Reichspräsidenten.
wtb. Berlin, 8. Dez. (Eig. Meld.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing eine Abordnung des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands, bestehend aus den Herren Otte Jmbusch, Baldrusch. Kaiser, welche dem Reichspräsidenten über die Notlage in der deutschen Arbeiterschaft berichtete und Maßnahmen zur Linderung der ausgetretenen Notstände vor- sichlug. Der Herr Reichspräsident sagte eine alsbaldige und sorgfältige Prüfung der gemachten Vorschläge zu.
(Ertoemt jechsmal wöchentlich Wochenheilagen: „Die Weil tm Bild" und „Luchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Der Konstruktivplan keine Lösung.
ERB. Genf, 8. Dez. (Eig. Meld.) Die Aussichten für eine Annahme des Norman-Davis-Pla- nes durch Frankreich scheinen immer g e» ringer zu werden. Jrn Vordergründe des Interesses steht heute die allgemein erwartete Antwort von Neurath auf die französische Sicherheit?, und Gleichberechtigungsformel. Nach Lage der Dinge kommt selbstverständlich eine Zustimmung deutscherseits zu dieser Erklärung in ihrer jetzigen vagen Form nicht in Betracht. Um Klarheit zu erhalten, was Frankreich eigentlich will, würde es nach Aeußerungen aus Konferenzkreisen allgemein als das Gegebene angesehen werden, wenn der Reichsaußenminister 'eine ablehnende Stellungnahme mit be'ammten Jnterpreta- tionsfragen begleiten würde.
Der beste Weg zu einer klaren Interpretation der französischen Formel wäre ferner, wenn autorisierte Vertreter der Fünf-Mächte sich dieser Aufgaben an Hand konkreter Fragen un- terziehen würden. Auf Grund der Ergebnisse dieser Prüfung könnte dann eine endgültige Entscheidung erreicht werden.
Polen ersucht ein zweites Mal um Stundung seiner Schuldenzahlung.
wtb. Warschau, 8. Dez. (Eig. Meld.) Die polnische Regierung hat beschlossen, bei der amerikanischen Regierung ein zweites Mal wegen der Vertagung der Dezemberzahlungen vorstellig zu werden.
ERB. Berlin, 8. Dez. (Eig. Meld.) Auf der gestrigen Hauptausschußsitzung des deutschen Industrie- und Handelstages, auf der, wie gemeldet wurde, auch Reichsarbeitsminister D r. Syr up das Wort ergriff, plaidierte Präsident Grund für die Beibehaltung der Steuergutscheine zur Steuerentlastung und Krediterleichterung, sowie der Gewährung von Steuergutscheinen für Mehr- einstellungen, deren vorzeitige Aufhebung die Kontinuität der Wirtschaftspolitik stören könnte. Auch auf sozialpolitischem Gebiete sollte eine übereilte Aufhebung von Vorschriften, auf die sich nun einmal viele Betriebe eingestellt haben, vermieden werden, und, eine sorgfältige Prüfung einsetzen, wje den Erfordernissen einer gewissen Lohnanpas- fung zu genügen sei. Nachdem Präsident Grund kurz die Notwendigkeit einer Anpassung der Sozialpolitik an das wirtschaftliche Mögliche gestreift hatte, wandte er sich der Handelspoli t i k zu, die, wie er sagte, erfreulicherweife im Großen und Ganqen von K o n t i n g e n t i e r u n g s- maßnahmen befreit fein werde. Auf dem Wege der Kontigentierung, die zusammen mit den innenpolitischen Störungen das schwerste Beunru- higungsmoment der deutschen Wirtschaftslage in den letzten Monaten war, würde der Landwirt- fchaft nicht geholfen, anderen Berufen dafür entscheidend geschadet werden. D°e Hilfe für die Landwirtschaft werde durch Stärkung der Kaufkraft und Kostensenkung in der Landwirtschaft erzielt werden müssen und daneben aud) burd, geeig-
*
Das sozialdemokratische Zentralorgan, der -Vorwärts", macht den Kommunisten schwere Vorwürfe. Wenn der nationalsozialistische General L i tz m a n n als Alterspräsident mit Hin - Idenburg einen Streit angefangen habe, wer n°n ihnen beiden der Sieger gewesen sei in einem Krieg, den Deutschland doch verloren habe, so fei das zwar dumm, aber ungefährlich. Nörglers Kampf gegen Löbe sei dumm, aber gefährlich für das im Kampf stehende deutsche Proletariat. Die Kommunisten haben, so schreibt der „Vorwärts", „den ganzen Tag nicht gegen die Reaie- ruvg, sondern gegen die Opposition gekämpft. Im Hintergründe aber saß Schleichers Staatssekretär Enck und lachte sich eins".
*
; Zündstoff gibt es genug im Reichstag. Noch niemals war politische Erziehung so notwendig wie bisher. Man kann im Interesse Deutschlands w't allen Verantwortlichen nur hoffen, daß sie auf oie Dauer gelingt und daß nicht in einem unbewachten Augenblick wieder der ganze Reichstag w'e ein explodierender Pulverturm in die Luft flebt. Die Prügelei auf den Gängen des Reichstags bewies das wieder. Auch die redlichste Ab- f Anf der Fraktionsführer zur Zusammenarbeit und -tierständigung verbrennt wie Zunder, wenn die : Unterstellte Mannschaft mit ihren Lei - oenidjaften alle Befehle und Voraussagen lprengt. Leider muß man aber gerade bei den ; '^ttonalsozialisten und auch bei den Kommuni- von persönlich hervorragen- : e n Abgeordneten, sondern einfach von einer par- nnientarischen „Mannschaft" sprechen, die, W gesagt, g e s i ch t s l o s ist und noch in den k 'nderschuhen einer politischen H y- f l e r 1 e steckt. Männer wie Goering, Frick, Stras- K?, vnd andere sind um diese Hintermannschaft bä" beneiden. Unbegreiflich bleibt es nur, viele Volksgenossen derartige Leute für gehalten haben. Reichstagsabgeordnete zu ■hiu ' Hier liegt die große Schattenseite der KbähT n Wer keine Persönlichkeit 1 tann stch nicht wundern, wenn er sich einer Ty"01 annschaft" gegenüber sieht.
BL , _
8»er t n‘9 Gustav von Schweden feierte am Don- stQa fein 25jähriges Regierungsjubiläum.
wtb. Genf, 8. Dez. (Erg. Meld.) Die heutige Sitzung der Völterbunbsverhandlunz brachte eine dramatische Zuspitzung des Konfliktes, indem der japanische Delegierte Matsuoka in einer lehr entschiedenen Erklärung gegen die heute in ihrem Wortlaut vorliegende Entschließung der panischen, irländischen, schwedischen unü ftchechosiowaklschen Delegation protestierte. Die von Matsuoka bekämpfte Entsch.leßung besagt im wesentlichen: Bei dem Streit zwischen den beiden Parteien waren die Mittel friedlicher Regelung am 18. September 1931 nicht erschöpft. Die Beziehungen zwischen China und Japan sind diejenigen eines verschleierten Kriegszustandes. Die von Japan seit dem 18. September 1931 unternommenen miii äri chen Operationen können nicht als Notwehrmaßnahmen betrachtet werden. Ohne Kriegserklärung ist ein erheblicher Teil unbestreitbaren chinesischen Gebietes gewaltsam von japanischen Truppen besetzt, von dem übrigen China getrennt und für unabhängig erklärt worden. Das gegenwärtige Regime in der Mandschurei kann nicht als das Ergebnis einer spontanen und unbeeinflußten Unabhängigkeitsbewegung betrachtet werden. Es konnte nur dank )er Anwesenheit japanischer Truppen sich durch- etzen. Seine Anerkennung ist daher mit den bestehenden mternationalen Verpftichtungen nicht vereinbar.
‘ Zu dieser Entschließung erklärte Matsuoka, sie enthalte eine einseitige Verurteilung Japans, j
Genfer Kampf um die Mandschurei-Frage
Die Wirren im fernen Osten. — General Supingwen den Japanern ausgeliefert?
roärtig völlig festgefahrenen Lage der Abrüstungskonferenz weisen soll.
*
wtb. (Senf, 8. Dez. (Eig. Meld.) Die Vorrnit- tagssitzung der Fünfmächtebesprechung war nur von kurzer Dauer. Wie verlautet, wurden Fragen über die Behandlungsart erörtert. Bei dieser Gelegenheit hat Freiherr von Neurath mitgeteilt, daß er in der Nachmittagsfitzung zur französischen Formel über die Gleichberech- tigilngsfrage Stellung nehmen werde. Die Sitzung findet heute um 3 Uhr nachmittags statt.
Rund um den Reichstag.
; ' Der Reichstag erledigte am Mittwoch in erster ; und zweiter Lesung das Stellvertretergesetz für
Öen Reichspräsidenten, wobei es wegen einer l. Kundgebung auf der Tribüne zu einer Schlägerei in den Wandelgängen kam. An anderer Stelle wird näheres beeidetet. Der Reichstag erörterte bann Anträge zur Sozialpolitik und überwies die Amnestieanträge der Ausschußberatung. Der zweite Tag dieser Reichstagstagung hat, wenn man von dem häßlichen Zwischenfall absieht, einen Verlaus genommen, der fast vollkommen stüheren I normalen Parlaments zelten entsprach. t! Die Beratung der beiden Gesetzesanträge wurde ordnungsmäßig durchgeführt, und zwar so rasch, daß es allgemein Ueberraschung auslöste, als die Vertagung auf Freitag schon gegen 20 Uhr verkündet wurde, während man noch eine endlose Reb- neSfte erwartet und damit gerechnet hatte, daß es mindestens 22 oder 23 Uhr werden würde. Angesichts dieser Entwicklung läßt sich das Ergebnis dahin zusammensassen, daß der Eindruck sich verstärkt hat, wonach für Freitag ober Samstag die Vertagung des Reichstages auf Mitte Januar erwartet werden kann.
*
Der Rechtsausschuß des Reichstages, der sich am Mittwoch abend nach der Vollsitzung konstituierte und zu seinem Vorsitzenden den Abgeordneten Dr. Frank 11 (Nationls.) wählte, wird am Donnerstag um 15.00 Uhr zur Beratung der verschiedenen Amnestieoorlagen zusammentreten.
*
■ In den Berichten und Kommentaren der Morgenblätter über die Reichstagssitzung am Mittwoch kommt die optimistische Stimmung, daß mit einem glatten Verlauf der weiteren Verhandlungen zu rechnen sein dürfte, fast einheitlich zum Ausdruck. Sie Blätter heben allgemein hervor, daß trotz der peinlichen Prügelftenen eine Arbeitsmehrheit vorhanden gewesen ist.
Sie Voss. Ztg. spricht von einem „Doppelgesicht", Neigung zu Tumultszenen und zugleich Ansätze zur Arbeitsfähigkeit, und fragt: Was davon wird sich endgültig durchsetzen? Ebenso wie andere Zeitungen unterstreicht das Blatt die Tatsache, daß die Nationalsozialisten gegen den kommunistischen Antrag auf Herbeiführung des Reichskanzlers gestimmt haben und fach, die b a vnalsozialisten trieben Tri--'^r • B»-ua auf den
deiitschnationalen Antrag, der Reichstagspräsident solle seinen Stellvertreter selbst bestimmen, schreibt das Blatt, noch niemals hätten sich die deutschna- ifonalen Pläne, einem Reichsverweser den Weg zu ebnen und für diese nPo st en d e n ehemaligen Kronprin ze n zu lancieren, so deutlich an die Oeffentlichkeit gewagt.
M ' *
Auch die Reichstagseröfsnung hat den ehemaligen Harzburger Verbündeten Anlaß gegeben, sich zu streiten. Der „Angriff" bringt in der lieber- schrift die Behauptung, Deutschnationale Volkspartei entsende Löbe ins Reichstagspräsidium. Die Deutschnationalen sind umgekehrt der Ansicht, so liest man es wenigstens im „Berliner Lokalanzeiger", der heute so geschäftige Herr Frick habe dem geöltesten Virtuosen des marxistischen Parlamentarismus' in den Sattel geholfen, aus fchi e- rer purer 21 b n eigung gegen Sie Nase desHerrn G r a e f, und der ^Berliner Lokalanzeiger" gibt dafür Herrn Frick die Bezeichnung „Parlamenteles".
FuldaerZertung
I Anzeiger für die Stadl Iulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.