irr. 283
Beilage zur Fuldaer Zeitung
S. Dezember.
Vorweihnachtszeit.
Das Fest der Liebe rückt uns immer näher.
Als heimlich wartende beschneite Späher
so neigen Tannen sich den Waldeswegen und strecken Arme opferlieb entgegen
dem, der sie holt aus ihrer Einsamkeit zuw schönsten Fest der ganzen Christenheit.
Margaret Hohmann.
Vorweihnachtliche Stadt.
Von Hertha von S o g g e r n-Breslau.
„Ich muß euch schon sagen, es weihnachtet sehr", heißt ,} in einem schönen, alten Gedicht, das wir als Kinder in der Schule gelernt haben und dessen Erinnerung un- «illkürlich in unseren Gedanken aufsteigt, wenn wir in diesen Tagen der weihnachtlichen Vorfreude durch die Straßen und die alten Gassen der Städte pilgern, wenn n>jr einen Bummel machen durch alle die Herrlichkeiten, die in den Läden und Kaufhäusern aufgestapelt liegen. Da fühlen nicht nur die Kinder, die ihr kleines Stupsnäschen an die Scheiben der Spielwarenläden drücken Unh begierig die Herrlichkeiten aufsaugen, so etwas wie eine Vorahnung vom Weihnachtsfest.
Wohl ist die Zeit unendlich schwer, wohl seufzen wir unter der Wirtschaftsnot und vor allem unter der Last der Arbeitslosigkeit, aber troßdem sollten wir uns, bei allem Kummer und der vielerlei Sorgen, die gerade die Hausfrau heute zu tragen hat, nicht ganz unterkriegen (affen, die weihnachtliche Vorfreude, die Zeit der kleinen Heimlichkeiten und der stillen Vorbereitungen bleibt je« dem, der es versteht, auch aus Wenigem etwas zu machen. Warum sollen wir nicht der Mutter eine kleine Handarbeit, vielleicht nur für wenige Pfennige, schenken, wenn wir arbeitslos sind? Müssen wir traurig auf
alles verzichten, nur weil wir jetzt das, was uns früher selbstverständlich war, nicht mehr kaufen können? Gewiß fehlt es überall an Geld und trotz der verschiedenen Preissenkungsaktionen will es nirgends langen. Die Zeiten, wo die Hausfrau schon Mitte November ober spätestens anfangs Dezember ihre „heimliche" Kaffe unter den Arm nehmen konnte, um Weihnachtseinkäufe zu tätigen, wo all die unter dem Jahr mühsam ersparten Pfennige in nützlichen oder auch luxuriösen Dingen angelegt wurden, sind vorbei. Heute langt's manchmal nur schwer zum Allernötigsten und man muß schon sehr geschickt kaufen, wenn man für alle wenigstens eine „kleine Weihnachtsfreude heimtragen will", wie Peter Rosegger einmal so schön gesagt hat. Da heißt es also schon tüchtig überlegen und einteilen. Noch selten hat man in der Weihnachtszeit so viele nachdenkliche Frauen vor den Geschäftshäusern und den Auslagen gesehen, noch nie wurden die Preise so sorgsam studiert, wie in diesem Jahre.
Aber schließlich ist Kaufen ja keine Kunst, wenn man Geld in Ueberfluß hat. In der Beschränkung zeigt sich der Meister. Wir müssen auch endlich von dem alten, leider viel zu fest eingewurzelten Vorurteil abkommen, daß der Wert einer Gabe ausschlaggebend sei. Nur die Gesinnung, mit der ein Geschenk gegeben wird, spielt die entscheidende Rolle. Ein einfacher Holzkochlöffel für ein paar Pfennig von einem Kind der Mutter aus der tiefsten Liebe des Herzens gegeben, wiegt schwerer als der diamantenbesetzte Ring, den ein reicher Mann seiner Tochter unter den Christbaum legt, weil es eben mal so üblich ist.
Lassen wir uns ruhig einmal diese Gedanken durch den Kopf gehen, wenn wir durch die weihnachtlichen Straßen wandern, denn bann werden wir zu den Dingen, die man da zum Kauf anpreist, erst die richtige Einstellung bekommen, bann werben wir aber auch nach dem Advent die wahre Festesfreude aufbnmmern sehen, die aus dem Herzen kommt und die mit diesen Aeuherlich- keiten nichts gemein hat.
Vom Spielzeug einst und jetzt.
Ein kullurgeschichtlicher Slreifzug.
Von Johanna Landgraf.
„Kinder wissen beim Spiele aus allem alles zu machen: ein Stab wird zur Flinte, ein Stückchen Holz zum Degen, jedes Bündelchen zur Puppe." Goethe.
..j.ug: eine' Welt von Kinderglück steigt mit diesem Sorte empor, bunt schillernd, innig und schön. Uralter Drang im Menschen zum Spiel offenbart sich "ich in der Geschichte des Spielzeugs, die ein Stück Kulturgeschichte ist.
Neben den Puppen, die man schon stütz in den Grä- i'Et'n bei allen Völkern gesunden hat, beherrschten vor allem das Ballspiel, das Kreisel- und Reifenschlagen, Drachensteigen und Stelzenlaufen die kindlichen Spiele früherer Zeiten. Alte Holzschnitte zeigen uns die Kinder mit mannigfaltigen Spielzeugen, vcm denen Johann F'chart (gest. 1598) in seiner umfassenden Kenntnis aller Asußerungen des deutschen Lebens im 16. Jahrhundert schreibt: „Mit Schiffchen aus Papier, mit Flinderlefteck- <en und formen dran ein Windspiel von den Flügeln einer Windmühl oder klein Armbrust und einem klein Pferdla." Hermann von Weinsperg berichtet 1553: "Wir hatten auch ein Bogel (Ringspiel) und Krotz (die klänge zum Ringspiel) lassen machen und spielten Bogel." gjtan kannte auch damals schon bas Raketfpiel, welches dem heutigen Federballspiel (Le jeu du volantl entsprach, ferner verschiedene Arten des Ballspiels wie das Palmey ober Palemy-Spiel, (bem französischen «ail entsprechend) wobei Holzkugeln mit einer Art Hammer zu einem kleinen Drahttor fortgetrieben wurden, was unserem heutigen Croquetspiel gleichkommen dürfte. So lassen sich bie Anfänge mancher Spielge- Jät*, die noch heute benutzt werden, ja sich in der gle - Jen Form vielfach bis in die Gegenwart erhalten Haden, bis in das frühe Mittelalter an Hand von Abbildungen, Urkunden und nock> vorhandenen Originalen
verfolgen, womit sich nicht nur ein kulturgeschichtlicher Streifzug von besonderem Reiz ergibt, sondern auch die Tatsache: Aeltestes und beliebtestes Spielzeug bleibt für den Knaben von jeher das Steckenpferd, für das Mädchen die Puppe, auch Docken ober loden genannt.
Der Dockenhansl, wie bie männliche Puppe, ein Vorläufer der späteren Bleisoldaten hieß, wurde ganz von dem hölzernen Pferdchen verdrängt. So kaufte Paulus Behaim in Nürnberg 1559 seinem Sohn „ein hölzernes Pferd" und der Sohn des Balthasar Paurn- gartner" in Nürnberg erbat sich als Mitbringsel von der Frankfurter Messe 1559 ein Pferd, so mit Geishäuten Überzogen fei, wobei er versichert: „Ich will gar fromm sein und slucks lernen und nimm mit dem Schreiben vergüt; ich wills bald desler lernen". Aehnliches erzählt Thomas Platter, der von seinem ältesten Bruder als dieser vom Saooyischep Krieg zurückkam, ein hölzernes Rößlein erhalten hatte: „Das zog ich an eim Faden vor der Tür, da meint ich gänzlich, das Rößlein könnte gen, daraus ich kann verstau, daß die Kind oft meinend, ihre Tüttin (Puppen) und was sie Hand, feien lebendig." Das Steckenpferd erfreute sich somit damals besonderer Beliebtheit, auch wenn es nur aus einer Gerte ober einem Stabe bestand. Seine allgemeine Verbreitung verkünden bie vielen in Miniaturmalerei ausgefllhrten Darstellungen allerliebster Steckenpferd reitender Knaben in kirchlichen Büchern des Mittelalters wie auch im Holzschnitt hergestellten Bordüren und Einfassungen von Drucken des 15. und 16. Jahrhunderts. Häufig sind diese Steckenpserdreiter mit einer Windmühle; Drehmühle, Windfahne ober Windspiel ausgerüstet, bie sie wie eine Turnierlanze halten, während sich bie von Papierblättchen gebildete Fahne ober Blume lustig im Winde dreht. Doch nicht nur Stet« kenpferde, sondern auch wertvollere Spielzeuge gab man den Kindern, namentlich in den höheren Ständen.
Die kostbarsten Spielzeuge, welche namentlich fürst
liche Kinder und solche reicher Patrizierfamilien ihr Eigen nannten, waren die Puppen- ober Dockenhäuser. Man kannte sie von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts am bayerischen Hose und in den Häusern vornehmer Nürnberger, Augsburger, Ulmer und Frankfurter Geschlechter. Sie waren mit ihren reich ausgestatteten inneren Räumlichkeiten, in ihrer Kleinheit Wunderwerke der Kunst. Oft aus kostbarem Material, wie Elfenbein und Silber her- gestellt, und sicherlich mehr zum Ansehen bestimmt als zum Spielen, was aus einem alten Holzschnitt hervorgeht, der 1631 ein seither „noch nie gesehenes und gemachtes Puppenhaus" der Anna Köferlin in Nürnberg zur öffentlichen Besichtigung ankündet mit den Worten: „Das wann ich sollt erzählen alles / Was barinn zu sehen, I dieses Papier wäre gleichfalls / Zu wenig, muß selbst gestehen / Daß, wenn ihr dermal eins zu Haus / Kommt, und Euch Gott tut geben / Eigenen Herd; baß Ihrs voraus / Bey all eurem Leid und Leben / Ordentlich und nach der Gebühr / in eurem Haus haltet , Richtet und ordnet . . ." Nicht minder berühmt wurde das Gontardsche Puppenhaus (etwa 1770 in Holland angefertigt), bas Carl Jügel im brüten Band der Frank- furter Lebensbilder ausführlich beschreibt. Nürnberg war im 17. Jahrhundert die Spielzeugstadt par excel- lence, schreibt doch ein Schriftsteller dieser Zeit: „Cs sind aber wegen Verfertigung fast unzählbarer artig, künstlich und wohlgemachter Spiel- und Dockenwaren in Sonderheit die Augsburger und Nürnberger berühmt, welche fast bie ganze Welt damit auffüllen."
Das schönste Spielzeug des Mädchens, die Puppe, erlebte eine Blütezeit nach dem dreißigjährigen Kriege durch die Puppenspiele (Marionetten) früher in China durch bie Gaukler auch als Schattenspiele vorgeführt — und durch das Puppentheater, das eine Literatur der Puppenspiele, meift dem Volksleben angehörend, burlesken Inhaltes zeitigte. Das Lieblingsstück dieser Bühnen war „Das Spiel vom Doktor Faust" (das schon Lossing bearbeitete, aus dem dann später der Faust Goethes hervorging, welcher selbst in seiner Jugend nn begeisterter Freund des Puppentheaters war. Im Jahre 1753 schenkte Goethes Großmutter dem jungen Wolfgang zu Weihnachten ein Puppentheater, mit dem er sich viel beschäftigt«. In „Dichtung und Wahrheit" berichtet er vielfach darüber und auch in „Wilhelm Meisters Lehrjahre" findet man manch feine Stelle über das Puppenspiel. „Schelten Sie das Puppenspiel nicht", schreibt Goethe mit Recht von einer Unterhaltung, welche die Kinder von heute kaum mehr kennen, die aber dennoch in der Literatur und in der Malerei mehr als einmal Gegenstand der Schilderung ist. Ich erinnere nur an Dickens „Heimchen am Herde", in dem von der Puppemverkstätte Caleb Plumers erzählt wird, an E. T. A. Hoffmanns Märchen vom „Nußknacker und Mäufekönig", wo der Dichter schildert, welche schrecklichen Abenteuer und Lebensgefahren das Weih- nachtsfpielzeug in der kindlich lebhaften Phantasie der kleinen Marie zu bestehen hat.
Die Spiel4 und Spielzeuge der heutigen Jugend sind vielfach andere, wie die der vergangenen Jahrhunderte. Nur wenige sind geblieben: bei den Knaben die Schusser (auch Märwel, Murmel, Glossen, Schnellkäulchen, Klicker genannt), die schon im 15. Jahrhundert bekannt waren und das Kreisellreiben (Topfspielen, — Dobbsch). Wie reich waren doch bie Spiele früher, wenn eine Frau Rat Goethe schreiben konnte (in einem Brief an ihre Enkel in Weimar) „Wenn ich bei euch märe, lernte ich euch allerlei Spiele, als Vögel verkaufen, Tuchdiebes, Potzschimber-Potzschamber und vieles andere."
Zum Werkjahr der Sludeukluuen
Stellung des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen.
Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen hält es für wertvoll, die wissenschaftliche Bildung der Akademikerinnen durch eine hauswirtschaftlich- und fozialprak- tische Bildung zu ergänzen, die die Möglichkeit einer vertieften Persönlichkeitsform wie die eines tieferen Verwachsens in die Volksgemeinschaft bietet. Er verschließt sich aber nicht vor den gewichtigen Bedenken, die aus volkswirtschaftlichen und finanziellen Gründen gegen ein Werkjahr für Abiturientinnen erhoben
werden. Er lehnt darum eine übereilte und allgemeine Einführung für Ostern 1933 ab. Aus psychologisch-päda- gogischen Gründen wendet er sich gegen eine schematische Üebertragung des für Abiturienten geplanten Werkjahres auf Mädchen und eine zwangsmäßige Einführung unter staatlicher Reglementierung. Er wünscht aber baldige sorgfältige Versuche zur Durchführung eines Werksahres für Mädchen unter weitgehender Heranziehung katholischer Frauenorganisationen.
SkldHkrUIlmg ooti Chriftbmm'chM«.
Von Friedel Bert-Freiburg (Breisgau).
Christbaumschmuck kann man heute verhältnismäßig billig in jedem Lande kaufen, aber viel mehr Spaß macht es, wenn man sich den notwendigen Schmuck für die Weihnachtstanne selbst herstellt, besonders in den Familien, wo Kinder sind, die man mit diesen Arbeiten stundenlang beschäftigen kann. Mit ein wenig Luft und L'ebe zur Sache und bei geschickter Anleitung durch die Mutter leisten die kleinen Hände außerordentlich schöne Dinge. Das Material dazu kauft man für wenige Pfennige, vieles ist auch im Haushalt ohnehin schon vorhanden.
Wir beginnen mit Silber- und Goldsternen, die aus Pappe ausgeschnitten werden, nachdem man bie Form vorher ausgezeichnet hat. Einen Stern geometri ch r.ch- tig zu konstruieren ist nun feinesmms garn "lAt, i ber. für was haben wir denn in der Küche die Ausstech» förmchen für das Weihnachtsgebäck. Man zieht sie einfach nach und hat fo den schönsten Stern, der dann gut eingeleimt und mit Silber- oder Goldpapier beiderseits beklebt wird und zwar in der Weise, daß die überstehenden Ränder nach der jeweiligen Rückseite umgeklebt werden. Das sieht man nicht, wenn der Stern fertig vor uns liegt. Wir hängen ihn mit einem silbernen oder goldenen Fädchen am Christbaum auf, bie käuflichen Drähtchen sind zu steif für bie'en Zweck. Die (fier von ber Weihnachtsbäckerei werden nicht in der üblichen Weise ausgeschlagen, sondern sorgsam, mit einem kleinen Loch oben und unten versehen, ausgebla- fen. Dann kommt Gold- und Silberbronze in ein Schüsselchen, worauf die Kinder luftig darauf los pinseln. In kurzer Zeit ist eine große Zahl hübscher Kugeln für den Christbaum entstanden, die ebenfalls an Seidenfäden mit Hilfe eines eingelassenen Stückchens von einem Streichholz aufgehängt werden.
Aus Streifen von Silber- und Goldpapier, man kann aber auch Glanzpapier in den verschiedensten Farben dazu nehmen, machen wir kleine Ringe, die ineinandergeklebt die schönen Ketten ergeben, mit denen man die leeren Stellen des Christbaums aussüllen kann.
Bei Spaziergängen im Wald sammelt man einige Tannenzapfen, die in der Brarröhre in kurzer Zeit ausgetrocknet sind, so daß sie sich ganz öffnen. Nun bestreicht man sie mit Leim ober Gummi und wälzt sie in dem überall käuflichen Chriftbaumlchnee, der lein genug ist, um in allen Verästelungen der Zapfen hängen zu bleiben. Die weißen Zapfen sehen recht winterlich aus und putzen den Christbaum außerordentlich. Klebt man in die Zwischenräume noch eine kleine weiße Glasperle, so entsteht der Eindruck als hätten sich glitzernde Tautropfen auf bem Tannenzapfen niedergelassen.
Streichholzschachteln mit buntem Pacher verklebt, das man etwas überstehen läßt, während die eine Reibfläche golden bronziert wird, verwandeln sich m kleine Büchern, die an Fäden im Christbaum aufgehängt werden, ebenso macht man daraus auch hübsche kleine Pa- ketchen, bie mit Süßigkeiten gefüllt, die besondere Sensation des Weihnachtszimmers bilden.
Ebenso leicht lassen sich aber auch kleine Säckchen nähen, auf die man mit schwarzer Tusche eine dicke Zahl schreibt. Sie werden mit Schokoladegeld gefüllt.
So lassen sich mit einiger Phantasie tausend schöne Dinge für den Christbaum Herstellen, man muß nur etwas nachdenken und beizeiten mit der Arbeit an« fangen.
Schlechte Gerüche in der Wohnung
vertreibt man durch das Verbrennen von getrocknetem Waldmeister, den man in jeder Drogerie billig kaufen kann.
Stauen, von denen die Welt sprach.
Schach der Königin! — Die Angst um das Kostüm. — ®ine Stunde Geduld hätte sie gerettetI — Sine ganz gefährliche Zunge!
Immer wieder weiß irgend jemand von den mehr °dkr weniger denkwürdigen Eigenschaften berühmter Männer zu erzählen, weniger aber wird uns von solchen »haraftergügen berühmter Frauen erzählt, obwohl diese Örtlich auf den Gang der Weltgeschichte und der Mensch- ?kitsentwicklung manchen Einfluß gehabt haben.
Diejenige Frau, die mit ein ganz klein wenig Be- ’’rrfdjung das Geschick Europas und damit ihr eigenes ~t!e von Grund aus ändern können, ist bie Königin ri« Antoinette, bie im Jahre 1793 bas Schaffot fsteigen mußte. Sie war eine leibenschastliche Spiele« ’”> — das Schachspiel war für sie bie idealste Gei« Hsarbeit! Man hatte ihr durch Geheimkuriere aus I gleich als die ersten Wellen ber Revolution sich len °r'5 ?"künbigten, sichere Unterstützung zusagen las- m ’ allerdings sollte sie zu diesem Zweck an bie elsässische ieif”'5! ^’e^en‘ 2en König sollte sie bestimmen, recht- . die Reise anzutreten. Alles war seit Tagen vor- ^ettet, aber Marie Antoinette hatte außer den großen
,9en um ihre--Reisetoilette gerade ein wichtiges
Btto $ *u r n i * r mit bem Grafen Axel von Fersen LJrnntn/ und auf alle dringenden Vorstellungen ant« : jiCn ele uur: „Wenn das Spiel aus ist". Sie besiegte htifeDTiebfen Partner nach allen Regeln der Kunst und fcium e6 Helle Freude daran. Ihr Spieleifer machte sie
Küssen schön", wie ber Schwede hinterher diese Mentünste beschrieb, aber bann war bas Spiel hlÄ ®anä aus, und der Kopf Marie Antoinettes fiel als Pitt s Zeichen, daß sie letzten Endes gerade dieses Tur- 1)a11e11 Heem eifrigsten Verehrer doch verloren ^ch^n"i-?^re Königin. Der Name der Dragn M a- beute beinahe schon vergessen, trotzdem er vor
Europa mit Gesprächsstoff versah Die llche Königin, die einen Fürsten aus dem Hause
der Obrenowitsche geheiratet hatte, war von einer unersättlichen Rachsucht erfüllt. Sie, die aus einem Range gekommen war, der sie selbst nach serbischem Gesetz eigentlich vom Throne ausschloß, verfolgte alle ihre Feinde, aber auch ihre früheren Liebhaber, als Königin mit unnachsichtlichem Haß. Der schwache König versuchte sich immer dann zu widersetzen, wenn er wieder einen seiner besten Offiziere opfern mußte, aber sie verstand sich durchzufetzen. Sv wurde das Offizierskorps in feiner Königstreue erschüttert, und eine Deputation von elf Offizieren wagte es sogar acht Monate vor dem furchtbaren Doppelmord in Belgrad, dem König zur Rettung seiner Person eine Trennung von der Graga Maschin vorzuschlagen. Von diesem Augenblick an verfolgte die Königin diese Offiziere, die bis auf zwei erschossen, ermordet ober verbannt würben. Die letzten beiben, bie am Leben blieben, aber führten bie Mörder an, die in einer einzigen Nacht das Haus Obrenowitfch in Serbien mit Stumpf und Stiel ausrotteten.
Die vor einigen Jahren verstorbene russische Primaballerina Anna Pawlowna hatte eine Vorliebe für bestimmte Stoffe und Kostüme. War es in einem Orte unmöglich, für eine ungesagte Vorstellung die gewünschten, immer in gleicher Art zubereiteten Stoffe zu beschaffen, sowie einen Vorrat an Kostümen rechtzeitig bereitzustellen, ber jeder Eventualität während des Auftretens vorbeugte, fo trat bie Pawlowna einfach nicht auf. Sie lebte in ber ständigen Furcht, durch K o ft ü m f r a« g e n in ber Ausübung ihrer Kunst behinbert zu werden, es war ihr ein furchtbarer Gedanke, etwa mitten während ber Vorstellung gezwungen zu fein, in einem nicht ganz vorschriftsmäßigen Anzug tanzen zu müssen. Sie hat wegen biefer Vorstellungen, bie ihr jebe Arbeitslust benahmen, nicht weniger als 1745 Tanzabende und Vorstellungen abgesagt und beinahe 2 Millionen Mark Verluste sich selbst durch ihre Absagen aus diesen Gründen bereitet.
Zu den kapriziösesten und eigenwilligsten Frauen gehörte die Tänzerin Mata Hari, deren tragischer Tod unter bem Feuer eines französischen Pelotons als beut« sche Spionin soeben erst wieder bie Welt burch ben bekannten Film erschüttert hat. Die Tänzerin war gewöhnt,
bah alles, was sie wollte, sofort geschah. Sie war von einer nervenzerreißenben Unruhe erfüllt; alles, was nicht unmittelbar geschah, war für sie zweifelhaft, unsicher unb schon bald barauf unwichtig. Diese Eigenschaft hat sie auch in die Fallstricke ber französischen Spionagezentrale in Madrid gebracht. Sie hatte nämlich von der deutschen Spionagezentrale in Spanien eine größere Summe zugesagt erhalten, die aber wegen der beständigen lieber« wachung des deutschen Funkverkehrs mit Spanien nicht rechtzeitig angewiesen worden war. Die Mata Hari fieberte vor Ungeduld, sie fürchtete, in Spanien ohne Mittel sitzen zu müssen. In diesem Augenblick trat ber französische Nachrichtenbienst an sie heran und verstand es, sie mit der Zusage einer sofortigen Auszahlung von 250 000 Franken nach Paris zu locken. Eine Stunde nachdem sie Maiftid verlassen hatte, war ber beutsche Bote mit bem Gelb bei ihr, aber sie war schon, voreilig und nervös, in ihr eigenes Verderben gerannt.
Sarah Bernhardt war bekannt wegen ihrer chronischen Unpünktlichkeit. Daraus haben sich einige Male sogar diplomatische Zwischenfälle ergeben, von denen bie Szene zwischen bem russischen Obersten Pujkin unb bem schwebischen Attache Graf Hammer in Petersburg wohl die köstlichste ist. Man erwartete die Bernharbt, bie roieber einmal schon mehr als breißig Minuten harren ließ. Unter ben Gästen befanb sich auch ein schwedischer Prinz, der sehr ungeduldig war und dessen Adjutant, eben jener Graf Hammer, diesem Unmut feines Herrn durch laute Bemerkungen ein Ventil verschaffte. Sofort trat ihm der in die große Französin reichlich verliebte Pujkin mit harten Worten entgegen, und es kam zu einem kleinen Zank zwischen den Vertretern des offiziellen Rußland unb bes offiziellen Schweden. Als man gerade habet war, sich gegenseitig bie schönsten Duelle anzubieten, erschien die Bernhardt mit ihrem reizendsten Lächeln, flog sofort auf den schwedischen Prinzen zu unb sagte ihm laut unb beutlich: „Vous etes le plus aimable bes princes hors be leur patrie; presque comme un colonel chez lui!" (Sie finb ber beste aller Prinzen außerhalb ihres Vaterlandes, beinahe wie ein Oberst zuhause.) Sie hatte nämlich sofort die Situation übersehen und beide Widersacher durch ein Scherzwort versöhnt. Aber
noch oft hatte ihre Unpünktlichkeit ähnlich peinliche Folgen.
Eine Frau, um die sich eine besonders große Zahl von Geschichten und Märchen rankten, war die berühmte Sängerin Adelina Patti. Ihr lag beinahe im wortwörtlichen Sinne ganz Europa zu Füßen, unb die mit einem scharfen Verstände versehene Künstlerin verstand es auch, für sich daraus wertvolles Kapital zu schlagen. Das wieder machte sie sehr stolz und freimütig, nicht einmal den Königen und Kaisern gegenüber nahm sie ein Blatt vor den Mund. So sagte sie einmal bem russischen Zaren: „Eine Frau weiß stets, wie sie in Ihr Land hineinkommt, wie sie wieder herauskommt, das wissen nur Eure Anarchisten." Der Zar soll recht betreten gewesen fein in diesem Augenblick, reifte er doch selbst schon damals nur im Panzerzug. Dem Fürsten von Liechtenstein sagte sie einmal, daß sie in seinem Lande niemals fingen würde, denn die Bewohner der benachbarten Staaten würden dann alles kostenlos mit anhören können." Den Prinzen von Wales, damals noch der nachmalige siebente Eduard, ließ sie hören, daß Prinzen bei Frauen manchmal bei Weibern immer unb bei Damen sehr selten Erfolg mit ihren Anträgen hätten. Natürlich gäbe es auch Ausnahmen. Darauf kam sie niemals roieber nach Lon- bon. Auch ben König Leopold von Belgien hänselte sie wegen seines langen Bartes und meinte, daß er wohl diesen Bart trüge, weil sein Volk ihn wenigstens irgendwie im Gedächtnis behalten solle. Er hat sich aber dafür gerächt, denn er schickte ihr nach Antwerpen an ben Dampfer, ber sie auf eine Amerikatournee bringen sollte, einen riesigen Blumenstrauß und ein Billett mit ber Anfrage, ob sie nunmehr nrch Amerika ginge, um Menschen zu suchen, bie ihre Stimme für größer als ihren Mutterwitz halten würden. Tatsächlich tarnen später die Fürsten und großen Herren nur noch sehr feiten in ihre Vorstellungen, sie war eine zu gefährliche Frau unb hatte eine zu gefährliche Zunge.
Dr. Herbert Schrnibt-Larnberg.