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Beherzigung

Sehe jeder, wo i'nb wer steht,

daß er nicht falle!

Joh. Wolfg. v. Goethe.

Ach was soll der Mensch verlangen? Ist es besser, ruhig bleiben? Klammernd fest sich anzuhangen? Ist es besser, sich zu treiben? Soll er sich ein Häuschen bauen? Soll er unter Zelten leben? Soll er auf die Felsen trauen? Selbst die festen Felsen beben! Eines schickt sich nicht für alle! Sehe jeder wie er's treibe, er bleibe,

Zum $L Nikolaustag.

St Nikolaus und Christkind in den Gesprächen mit Kindern.

Du Hansl, hast gehört? Der Fritz sagt, unser Onkel wfo sei der hl. Nikolaus heute abend und das mit

Bischof sei überhaupt ein Schwindel und die ^ebkuchen gibt ihm die Mutter in den Sack und ® unserer Küche zieht er sich an mit dem goldenen Mantel und der Bart ist ihm angehängt und das dem Krampus, mit dem Knecht Rupprecht ist auch "u wahr, und das ganze Christkindle ist erlogen aUcs haben uns die großen Leute nur oorerzählt, damit ®!'" uns daran freuen können! Hätten fie's lieber ge- °!!en! Mich freut's jetzt schon gar nimmer am ist überhaupt nichts mehr wahr vom lieben Gott ®n vom Schutzengel und vom Himmel ich mag ?Qr nicht dabei sein heute abend, wenn die Liesl und *e. Gertrud ihre Sprüchlein aufsagen und meinen, es are der richtige Nikolaus! Warum lügen uns die yst0§cn so an?

. Du, Christoph, weißt, am End ist doch etwas wahr ®rQn und wir haben s bloß nicht recht verstehen kön- V ' drum haben uns die Großen so eine Geschichte fcenm?erUm "zählt, und vielleicht wissen es die Gro- g? 'chon immer richtig und erzählen uns nur so etwas :£/er> daß wir zufrieden find. Wenn die Mutter noch

Et, sie hätte es uns aber richtig gejagt! Weißt ktt °5' ror Jvhen zur Rosmarie von nebenan, die uns ganz gewiß schon recht.

out Grüß Gott, ihr Buben! Was habt ihr denn °em Herzen? Ihr macht mir ja solche Gesichter i ®r"6 Db *^r beide etwas angestellt hättet!

Qott, Rosmarie! Nein, wir haben nichts an- Mber die Großen haben etwas angestellt.

tMtzg meine Güte! Also diesmal haben die Großen htlt?5 °N8°stellt aber was wollt dann ihr zwei von SB

«6^ ^vrie, die Großen haben uns angelogen! Das KL *;olaus ist nit v?ahr, das vom Knecht Rupprecht wahr, das vom Christkindle ist nit wahr, was * «g. Überhaupt noch wahr vom lieben Gott?

M c?rn'en ^uben! Da habt ihr ja einen ordent- Un te*,n auf dem Herzen kommt, den schauen 5 E'nmal näher an und ihr werdet sehen, daß

Vie man die Siedlung Wlerlreibk.

Als Brüning gestürzt wurde, mußte sich jeder wer der innerpolitischen Machtverhältnisse darüber r re;t haß damit die notwendige großzügige Sieb« func5P0i.tif erlebigt war. Mögen bie bevölkerungs- mliti'che Lage im Osten Europas und bie wirtschaft« licken Verhältnisse in Deutschland noch so sehr nach snicr Besiedlung des Landes jenseits der Elbe mit beutidjen Bauern schreien, bie wieder zur M"cht ge- lanaten Ostelbier denken nicht daran, einen Fußbreit Lodens aus nationalen Gründen dem Vaterland zu opiern Sie verlangen vielmehr, daß das Volk mit fei- nen mühsam zusammen gesparten Steuergroschen im­mer wieder die finanziell zusammengebrochenen Guts- bciriebe saniert. Seit Jahren wird zwar von den Führern der ostelbischen Landwirtschaft, gleichgültig, ob sie im Lager des Landbunds (und Hugenbergs) stehen, oder im Lager Hitlers, immer wieder betont, daß man selbstverständlichüberalterte Besitzverhältnisse" nicht ruirechterhalktzn wolle, und daß eine verstärkte Tiedlungstätigkeit auf dem Lande der nicht mehr f a n i e r u n g s f S h i g e n Großbe­triebe schon aus nationalen Gründendringlichstes (gebot der Stunde" sei. Aber in Wirklichkeit denkt und handelt man ganz anders. Jetzt ist nun end- lick der Zeitpunkt gekommen, an dem die Siedlungs- frage praktisch werden kann und sofort zeigt sich das wahre Gesicht der Ostelbier: im klaren Gegensatz zu allen programmatischen Beteuerungen ihrer Sieb- lungssreunblichkeit erheben sie biedringlichste Forderung", daß die Siedlung unterblei­ben müsse.' Dabei sind sich Landbund und Deutsch- nationale völlig einig.

Unter allen Umständen", so wird z. B. in einer dieser Tage einstimmig angenommenen Resolution des Vorstandes der Landwirtfchaftskammer für Ost­preußen gefordert, müsse die Aussiedlung verhindert werden. Die Regierung habeunzweideutig" zu er­klären, daß sie nicht aus der Durchführung derartiger Absichten bestehe. Eine neue große Entschul­dung-aktion für den überschuldeten und nach allen bisher gewährten Hilfen noch nicht als sa- nlerungsfähig zu betrachtenden Großbesitz müsse einsetzen.

Sie Regierung Papen stand ganz unter dem Einfluß der ostelbischen Kreise. Wenn trotzdem der Ändwirtschaftsminister Freiherr von Braun kürz­lich erklärte, daß bereits 300 000 Morgen sied- lungssähigen Landes ausnichtentschuldungsfähigen Be­trieben" bereitgestellt worden feien, fo darf man sich dadurch nicht irre machen lassen. Man sagt wohl n cht b*e Unwahrheit, wenn man feststellt, daß der jetzige Kurs im R e ichswkr t scha ft sm i n ist e r iu m tiedlungsfeindlich ist. Man wird alles tun, um das Siedeln zu verhindern. Ob es unter Reichskanzler von Schleicher anders to'rb, !" abgewartet werden. Man darf aber berechtigte Zweifel hegen da der Vertrauensmann der Ostelbier, Freiherr von Braun, Landwirtschaftsminister geblieben ist

Dos ist es also mit den angeblich bereitgestellten 300000 Morgen Sieblungsland? Es handelt sich baoei leider weniger um Angebot von ganzen Betrieben, die ist angemessenen, das heißt wirtschaftlichrichtigen" Preisen den Siedlungsgelellfchaften ongedoten werde», ländern vorwiegend um bie Abtretung von Guts»

7. Dezember.

Beilage zur Fuldaer Zeikung

teilen zu Preifen, bie so hoch fein sollen, daß auf diesem Wege eine Sanierung der Re st guter erreicht werden kann. Damit ist nun freilich für bie Siedlung nicht viel anzufangen. Die Siedler, die auf diesem teuren Land angesetzt werden, können sich nicht halten, und bald würde in Ostelbier! wieder dasBauernlegen", ähnlich wie nach 1913, be­ginnen. Wird der Kurs des Freiherrn o. Braun, im Reichslandwirtschaftsmin!- fterium beibehalten, dann ist für die Siedlung nichts zu erhoffen. Der einzige Mann, den der Minister von Braun in der Siedlung bisher angesetzt habe so lautet ein Wort, das jetzt bei den Siedlungsgesellschaften die Runde macht, fei der Kulturamtspräsident Boddin aus Kassel, den er als Ministerialdirigenten in die Siedlungsabteilung seines Ministeriums berufen hat, obwohl dort eigentlich gar nichts zu tun ist. Dieses klingt bitter aber es hat doch einigen Wahrheitsgehalt.

Die deutsche Jugend darf sich mit diesem Zustand aber nicht achselzuckend zufriedengeben, sondern muh immer wieder laut und unzweideutig ihr Recht fordern.

Was sollen roit spielen?

Ein abendfüllendesSluck", auch für die Weih­nachtszeit geeignet.

Ich meine Peter Dörflers:3m Hungerjahr". Verlag V. Höfling, München. Vielleicht wird Peter Dörfler lächeln, wenn er an dieses Erzeugnis seiner Ju­gendjahre denkt. Indes, wir find froh, daß wir es haben, denn die Reihe guter Stücke für die Laienbühne ist immer noch kurz. Ich nenne basHungerjahr" Stück, nicht Spiel, denn es ist noch Vorkriegsware, noch alter Stil, aber guter Stil. Schließlich kommt es ja nicht daraus an, ob Jugendbewegung oder eine frühere Zeit Pate gestanden haben, wenn nur das Kind geraten ist. Goethes und Schillers Frauen sind auch alter Stil, und sie ver­alten ebenso wenig wie die noch älteren Werke von Shakespeare. Wir müssen uns auch vor der Einseitigkeit hüten, alles zu verwerten, was vor 1918 da war.

Das Hungerjahr wird vor allem denen gute Dienste leisten, die über eine gut eingespielte Spielschar verfügen, die aber mehr konservativ in Art und Auffassung ist. Das Stück spielt im Hungerjahr 1816 und ist nicht ohne Be­ziehung auf unsere Zeit. Die alte Weisheit des Ben Akiba: Alles schon dagewesen, auch was Not, Hunger, Betrug, Wucher anbetrifft und der Ausweg: Karitas wird greifbar deutlich aufgewiesen. Ein Tendenzstück zwar, aber nicht mit den Haaren herbeigezogen, sondern aus der Situation erwachsend und vor allem eine gute Tendenz, wie sie zeitgemäßer nicht gedacht werden kann. Zur Aus­führung.

Erforderlich ist eine Kulissenbühne mit dreifacher Szenerie: Die Müllershofraite mit einer deutschen, ern- ften Landschaft im Hintergrund, ein Stadtinneres, Markt­platz mit alten Häusern und ein gut bürgerliches Zim­mer.

Die Kostümfrage ist ziemlich leicht gelöst. Alte Sauerntradjt, die jeder sich mit etwas Mühe selbst besorgen kann. Nur der Landrichter und der Stabt- Hauptmann benötigen eine Biebermeieruniform. Bei er­sterem tut es auch ein Gehrock älteren Datums mit der hohen Halsbinde, die für die Zeit typisch ist, und ein Zweispitz. Der Stadtmüller und seine Tochter Johanna sind in städtische Tracht der Biedermeierzeit zu kleiden, d. h. sie müssen sich etwas abheben von der Masse der Spieler. Uebrigens hat der Verlag eine Kostümkarte zu dem Stück herausgegeben, an die man sich aber nicht sklavisch zu halten braucht. Die Aussührung ist dann nicht allzu schwer. Träger des Spieles und Gegenspieles sind der Stadtmüller und Johanna auf der einen Seite und der Wucherer Goldmann (um Himmelswillen nicht als Jude darstellen!) auf der anderen Seite der vagabun­dierende Franzose, dient als heiteres Element und zu­gleich für Charakterisierung der Zeit.

Eme besondere Bedeutung kommt den Massen- s z e n e n zu: Marktszenen, Aufruhr, Klostersturm. Mas­senszenen sind gewöhnlich die Schwäche der Laienbühne. Ihnen ist besondere Aufmerksamkeit und Zeit beim Ein­studieren zu widmen; sonst können sie eine Kneipe wer­den, an der Eindruck und Lebenswahrheit der Aufsüh- rung Schiffbruch leiden.

Zur Belebung des Spieles fragen sehr bie einge­streuten Lieder bei. Dörfler ist zu sehr Dichter,

der Stein immer kleiner und kleiner wird bis zu einem Staubkörnlein und das blasen wir mit dem letzten Wort auch noch weg. So, setzt euch her zu mir, und jetzt wollen wir uns einmal darüber unterhalten, wie denn das ist mit dem Nikolaus und mit dem Christ­kind.

Erst will ich euch einmal dieGeschichtevondem guten Bischof Nikolaus erzählen, der heilig ge­worben ist, weil er den lieben Gott und die Menschen so sehr lieb hatte. Er hat nichts Schöneres gewußt, als allen Leuten, die betrübt ober krank ober arm waren, zu helfen und er gab immer ein gutes, frohes Wort wie einen schönen Gruß vom lieben Gott bazu, so baß man so recht getröstet wurde. Aber er wollte nicht, daß man ihn dabei sehen konnte, denn er wollte ja den Menschen den Gottesgruh nur so ausrichten wie ein Postbote, der im großen Gottesreich angestellt ist und uns bie Briese vom Himmel austeilt. So hat er sich ganz Gescheites deswegen ausgedacht: Am späten Abend hat er sich umgezogen zu einem armselig ausftaffierten Mann, dem man nicht ansehen konnte, daß er ein Bi­schof war nicht einmal ein violettes Zipfelchen am Halskragen hat man mehr entdecken können! Und so ist er durch die dunklen Straßen geschlüpft und hat hier und dort, wo es gerade am nötigsten war, etwas Gutes ausgeteilt. Und ein leiser, goldiger Schein ist mit ihm gegangen, aus seinen guten Augen und aus seinem Herzen heraus; das war (eine heilige Liebe, die war das Schönste am ganzen Helfen. Das haben die Leute auch gewußt und darum meinten und klagten sie bei feinem Tod:Wer wird uns wieder so froh machen? Wer wird uns so gut helfen? Wer wird den Kindern einen so lieben Segen und die vielen Aepfel und Nüsse und zusammengesparten Kuchenstücke schenken." O ja, es war doch eine große Klage im ganzen Land, weil halt zum richtigen Helfen doch zu allererst das liebe Herz gehört. Und in diesen Klagen haben ein paar Haus- väter in der Nikolausstadt einen guten Gedanken be­kommen.Wie wäre es," so sagten sie zueinander, wenn wir an einem besonderen Tag im Jahr uns noch extra an den lieben, heiligen Nikolaus erinnern wollten und an seine Besuche am Abend, an seine Ver­kleidung und an den schönen Heiligenschein, der aus sei­nen Augen geleuchtet hat? Und damit unsere Enkel- kinder, die ihn nicht mehr gekannt haben, ihn doch in einem recht deutlichen Bild sehen können, so werden wir

als daß er sie nur als aufgesetzte Lichter verwandt hätte, er hat sie organisch mit dem Ganzen verwoben, b. h. es wirb nur ba gesungen, wo im Leben auch ge­sungen wirb: Lieb ber Schnitter, Lied bes heimkehren­den Kriegers usw. Erfreulich ist, bah die Lieder auch ihre eigene Vertonung haben und nicht durch Zwangsanpaf- fung und allbekannte Melodien ins Triviale hineingezo- gen werden. Der Komponist ist Ferdinandd Feldigl, der, wenn ich nicht irre, auch die Chöre des Oberammer­gauer Passionsspieles geschrieben hat. Hier bietet sich

eine schöne Aufgabe, bie nicht säuberlich schwer ist, bi» sangesfreudigen Kräfte zusammenzuraffck. und zur Mit- Wirkung heranzuziehen. Die Dialektstellrn können auch ohne Schwierigkeit im ortsüblichen Dialekt gesprochen werden, denn die Darstellung ist zwar zeit-, aber nicht ortsgebunden.

Peter DörflersIm Hungerjahr" ist ein Volksstuck, wie wir mehrere gebrauchen könnten. Es ist des Erfolges gewiß in Stadt und Land, wenn es mit dem gebühren, den Ernst angepackt wirb. Wer wagt es? W.

Politik und Jugend

feit in den Parteien, und zwar, wie wir damals fcheint's ganz richtig sagten, allen Parteien Damals glaubte niemand, daß es Überhaupt möglich sei, daß sich jemand aus unseren Reihen einmal für derartig kompro­mittierte Entscheidungen einsetzen werde. Seither hat sich wohl viel geändert, aber man sollte doch nicht ver- wischen, daß auch heute ein Großteil der Propa­ganda demagogisch ist: Vor allem sind das die ganzen sozialen Fragestellungen und Lösungen.

Die meisten von uns wissen z. B. aus Erfahrung, bah bie 2lrbeit um das täglicheBroteinschwe- rer Kampf ist. Freilich beweisen manche an der Hand von Statistiken, dah die Welt Güter genug habe, daß also einmal jeder leicht sein Teil erwerben wird, wenn nur erst dieneue Wirtschaftsordnung herrscht. Ferner gibt es auch Menschen, denen der Exi- stenzkampf eigentlich nie selbst Erlebnis wurde. Aber weder Statistiken noch solche Beispiele können beweisen, daß sozusagen die Reibung, die die Menschen ber gleich- mäßigeren Verteilung der Güter entgegensetzen, jemals soviel kleiner sein wirb, als offenbar notwendig wäre, um eines dieser Jdealreiche zu ermöglichen, die immer wieder von mehreren Seiten an die Plakatwände gemalt werden. Es wird also de? Kampf ums Da- sein wohl für alle Zeitlichkeit bleiben. Wenn zwei oder mehrere eine Stelle, eine Arbeit oder einen Preis wollen, nur einer wird, wie man sagt, als Sieger hervorgehen. Die Erfahrung lehrt weiter, dah der eine nicht immer, ja meistens nicht ber Tüchtigste, Würbigste usw. ist. Daß gar einer einen anberen vor. läßt, von dem er glaubt, dah er tüchtiger fei als er sei- ber, wie selten kommt bas vor. Da könnte man eine Politik im Kleinen und Kleinsten ausmalen und wir fin­den, wie ungerecht und schmutzig es überall da zugeht. Zu glauben, daß die Menschen, die im Kleinen so sind, in der hohen Politik anders seien, bas ist die Täuschung vieler. Man tut heute allseits so, als ob das Ent- scheibende in ber Politik nicht dieser dreckige Kampf um Macht und Herrschaft sei, sondern nur die Verwirklichung einer Idee.

Die Jugend, bie heute frühzeitig in bie5been- weltpolitischer Kreise hineingezogen wird, wirb es schlecht danken, wenn sie dann statt der Ideen nur Dersteckenspiel und unwürdigen Kampf der Herrschenden sieht. Die meisten werden mit dreihigIah- ren bann von berPolitik überhaupt nichts mehr wissen wollen unb werben bann poli­tisch erstrechtversagen. Freilich, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, aber es ist eben ein Unterschieb, ob sich ein junger Mensch beim Aufbau ber eigenen Persönlichkeit auch um ben Aufbau ber Ge­sellschaftsordnung umsieht, oder ob er anmaßend glaubt, mit feinem Teil Lebenserfahrung schon durch eigene Ent­scheidung, Stimme und Propaganda in Augenblicksfragen der Politik eingreifen zu dürfen.

Es ist freilich verlockend, eine Staatsidee auch von jungen Menschen vertreten zu wissen, aber es ist zweck­los, ein großes Feuer anzufachen, wenn nur wenig Holz ba ist. Alle Güter zu sammeln, die den ganzen Mann, ausmachen, scheint uns wichtiger, als zu früh Unfertiges einzufetzen.

Ich halte daher mit mehreren anderen dafür, dah sich die Menschen der Jugendbewegung etwas mehr Zurückhaltung in Dingen der Politik auf erlegen sollen. Will sagen, andere lehren ihre Jugend anders, aber wir, die wir selbst in der Jugendbewegung lange Zeit den Weg jenseits der Politik gegangen sind, mögen unseren jüngeren Brüdern raten, das gleiche zu tun. Rudolf S a n f e r.

Obwohl wir mit dem Gedankengang der fol­genden Ausführungen, die wir der Monatsschrift Neuland" (Verlagsanstalt Tyrolia, Wien) ent­nehmen, nicht voll einverstanden sind, geben wir sie dem Leserkreis desBlatt der Jugend" zur Kenntnis. Wir würden uns freuen, wenn einige politisch interessierte Leser Stellung dazu nehmen würden. Auf die Parteizugehörigkeit kommt es nicht an.

Früher lenkte, wenigstens augenscheinlich, der Kaiser mit ein paar Getreuen den Staat und der Mann des Volkes vertraute auf den Mann des Adels. So schien es nicht weiter nötig, daß die Allgemeinheit von allen politischen Entscheidungen Kenntnis erhielt. Nun, da die Entscheidungen zwar noch nicht von der Einsicht des Volkes, aber doch von der Stimme der Wählermasse ab- hängt, hat die politische Aufklärung eine ganz andere Triebfeder bekommen, als dies vor dem Krieg der Fall war. Es liegt nun ganz in der Entwicklung, daß auch die Jugend immer mehr bearbeitet wird, und anderseits ist wohl selten in deutschen Landen die Jugend für politische Fragen so auf­geschlossen gewesen wie heute.

DiearbeitsloseJugend hat am meisten Zeit, um zu politisieren daher in sie hinein mit allen Fra­gen der Staatenführung. DieleReiche" entstehen bei diesen Aussprachen, die meisten aber, Gott sei Dank, nur auf dem Papier ober im Dortragssaal. Je unlösbarer bie Fragen, je entfernter die Lösungsmöglichkeit, um so heißer der Kampf um die Ideen: Rassenfragen, Fragen, wie die wirklichen Deutschen zu einer Vorherr­schaft auf der Welt kommen könnten, von welchen Ge­sichtspunkten aus bann eine Lösung der Verwirrung des mitteleuropäischen Raumes möglich ist, Pazifismus und internationale Gesinnung im Gegensatz zu Kampf um nationale Selbständigkeit usw. Daß der Mensch sich in seinem Leben aber nur wenig um solche Fragen und Losungen kümmert, wird nicht bedacht; dah z. B. du und du nicht den und die heiratest, mit dem nordischesten Schädel, sondern den Menschen, der dir am liebsten scheint, wer wird von solchen Dingen jetzt reden. Haupt­sache ist ja, daß die ganze Konstruktion möglichst einheit­lich, und großartig wirkt.

Man sagt befriedigt, daß der Kapitalismus so­zusagen überwunden ist, sicher seinen Höhepunkt längst überschritten hat und geht mit dieser Erkenntnis bedeu­tend ruhiger schlafen. Daß aber in Wirklichkeit sich nur in wenigen, wenn auch vielleicht in recht maßgebenden Kreisen die Einsicht geändert hat, daß aber alle auch die mit der geänderten Einsicht mitten in individuell selbst­süchtiger Geldherrschaft heute und morgen noch stehen wollen ober müssen, damit sich irgendwie abfinden zu wollen, empfindet man als pessimistische Anwandlung. Die Frone: Wie stehe ich inmitten einer ka- pitalistischen Welt? stellt man nicht. Man glaubt ja hoffen zu dürfen, daß es bald aus sein werde mit ihr.

Ich bin der letzte, der den Streit um diese Fragen für nicht wichtig hält, oder der eine vorläufig auch nur pro­blematische Losung als papieren verwerfen wird. Es ist ganz klar, daß es durchaus das Streben führender Kreise fein muß, ein Allgemeininteresse für ihre Ideen wachzurufen, ja dieses im Gegensatz zu anderen Leuten geradezu zu erkämpfen. Eine weitere Erörterung soll nun aber zeigen, wie weit die Jugend dazu herangezo- gen werden darf, beziehungsweise wieweit die Jugend sich dazu heranziehen lasten soll.

Was uns Junge seinerzeit abgehalten hat, Politik zu betreiben, war die Erkenntnis von so viel Ver­logenheit, Unwürdigkeit und Bestechlich-

Hausväter uns zu einem Nikolausbild umziehen, wer­den einen goldenen Mantel umlegen, den Bischofshut aufsetzen und den goldenen Stab nehmen, damit jeder­mann, der uns sieht, gleich jagen kann: Schau. b»r Klosterbäcker ober ber Schneiberhannes will uns an ben Bischof Nikolaus erinnern, ber immer allen Leuten Gutes getan hat unb der jetzt im Himmel ist in noch viel schöneren Kirchenkleidern. Und ein Diener der Knecht Rupprecht muß natürlich auch mttgehen mit dem hohen Herrn und darf einen Sack voller Nüsse und Aepfel unb Lebkuchen austeilen." Das haben bie Haus­väter miteinander ausgemacht unb so hat bie Nikolaus­stadt bas Fest vom hl. Bischof gefeiert. Unb weil es allen Leuten so viel Freude gemacht hat, daß ber gute Bischof nicht vergessen würbe unb jedes Jahr aus fei­nem Himmel heraus anderen guten Leuten den Auftrag gibt, feine Kinder zu beschenken, so haben sie bas in anderen Städten weitererzählt, die haben es nach- gemacht unb so kommt es, daß auch wir heute durch das lebendige Nikolausbild eine solche Freude bekommen. Und ba ist es ja ganz gleichgültig, ob ber Onkel Otto ober ber Onkel Albert sich um Bischof umziehen; eines ist ja bie Hauptfache: sie wollen uns an ihn erinnern und uns ein Stücklein von der Liebe geben, die ben heiligen Mann erleuchtet hat. Habt ihr bas verstau- ben?

O ja, Rosmarie, vergelt's Gott! Und jetzt hilf uns noch, bah wir bas vom Christkind richtig ver- stehen können oder ist es auch ein Bild, fo ein Menfchenchristkindle, von dem uns bie Großen immer erzählen?

Nein, ihr Buben, bas Christkinb ist viel mehr als ein Bilb unb euer Herz hat ganz richtig gebacht, als ihr meintet, bas Christkinb von Bethlehem vor fast 2000 Jahren unb bas Christkinble von unserer Weihnacht 1932 seien eines unb basselbe. Das Christkinb, bas Kinb vom lieben Gott im Himmel bas bamals auf bie Welt kam, hat seinen Geburtstag unb seine erste Zeit auf unserer Erbe nie vergessen, so schön waren ihm bie Hänbe unb bas Gesicht seiner lieben Mutter Maria, bie Sorge bes hl. Joseph, bie Freube ber Hirten, bie Lieber ber Dorfkinder, die alten Gebete der hl. drei Könige und es wünscht sich seitdem nichts anderes mehr, als das wieder und immer wieder zu erleben! Es will unsichtbar wie die Liebe, die ihr zwei ja auch zueinander habt in das Menjchenherz kommen, in

unseren Herzen noch einmal auf die Welt kommen unb bort wie in einer Krippe liegen. Und weil alles, was ber liebe Gott sich wünscht, in Erfüllung gehen muß, so hilft er uns auch, bah wir jebe Weinacht bereit sein können, bas Christkind aufzunehmen.

Und wie können wir uns daraus vorbereiten? Durch all bie Siebe, mit ber ihr euer Herz erfüllt, um damit bas Christkind zu begrüßen unb durch alle Liebe, die ihr den anderen Menschen gebt, wenn ihr ihnen eine Weihnachtssreude macht. So geht in ber Vor- weihnachtszeit bas Christkind unsichtbar wie eure Gedanken zu allen Menschen und rührt an ihr Herz, daß sie es der Liebe aufjchliehen. So kommt es, baß bie Menschen in bie,er Freube und Liebe sich Geschenke machen und daß sie sich besonders Mühe gehen, bie Wünsche ber anberen zu erraten. Aber immer ist das erste das Christkind, das von dem Krippenherzen aus den ganzen Menschen durchstrahlt und ihm Freude und Geschick zum Menschen gibt. So ist es auch wieder ganz richtig, daß uns bas wirkliche Christkind alle bie schönen Sachen beschert. Nur habt ihr noch nicht ganz klar gewußt, daß es babei ben kleinen, wunberschönen Umweg über unsere Herzen nimmt, baß esunsmit« helfen läßt beim Bescheren, wo es boch alles allein viel besser tun könnte. Aber nein, es will uns zu feinen großen Freuben mitnehmen, schon als kleines Kind. Könnt ihr jetzt das vom wirklichen Christkind des- jer verstehen?

O ja, Rosmarie und jetzt ist uns Weihnachten noch einmal so lieb und bas Christkindle aber am aller­liebsten, weil es so nah zu uns kommt.

Dann, ihr Buben, müßt ihr jetzt wohl heimgehen. Es dunkelt schon unb still, da hort man schon bie Nikolausglocke läuten üherm Münsterplak. Wenn ihr jetzt an ber Kirche uorüberfommt, so oei ,eßt mir nicht, hineinzugehen unb ben lieben Gott zu bitten, er möge euer Herz so froh unb hell machen, baß es am Weih­nachtsabend vor lauter Freude aufspringt unb ber große Gott als kleines Christkind unsichtbar aber leuchtend unb brennend wie euer Weihnachtsjubel hineinziehen kann. Und nun behüt euch Gott, ihr Buben!

E. Sch le Inzer, Prag.

(AusIugendwohl", Katholische Zeitschrift für Kinder unb Jugendfürsorge, Freiburg L Br 1932, Heft 11.