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Vorwmierabend.
Der dämmergraue Tag entschwebt In einer frühen Dunkelheit. Und über stumme Fluren webt Ihr Schleierbild die Einsamkeit.
Die Stadt hat ihre Lichter schon Durch alle Straßen ausgösandt. Und ist mit einem Hellen Ton Noch froher Lebenskraft verwandt.
Mag auch der ungestüme Wind Die Häuser rauh und kalt umwehn, — Die Lichter leuchten warm und sind Wie $)<-- die den Sturm bestehn.
Franz Cingia.
Vjörnstjerne Björnson.
Don Dr. Wilhelm Schulte.
Aum 100. Geburtstage des norwegischen Nationldichters am 8. Dezember.
Wie ost fragen wir, ob ein „Nationaler" zugleich ein „guten Europäer" fein könne. Björnsons Leben und Werk beweisen, was der Derstand der Verständigen nicht begreift: daß engfte Zugehörigkeit zu angestamm- tem Volkstum ebenso echtes Europäersein nicht unmöglich macht, sondern erst eigentlich hervorruft. Ge- rade weil dieser Sohn des norwegischen Bauerntums so tief in seinem Lande gründet, hört ganz Europa auf ihn. Denn er gab der Welt etwas Neues, nicht, weil er international modern fein woltle, sondern well aus ihm sprach die Natur, deren Jahreszeiten wir immer wieder „neu" erleben, io ewig ihr Wandel ist.
Was Rousseau mit seinem ,-Zurück zur Natur" einem überzivilisierten Zeitalter sentimental dozierte, das leibt und lebt in den Dichtungen Björnsons: die aus echtem Volkstum strömende Zeugekraft, ohne die feint Kultur leben kann. Bis in die neueste Zeit hat ma» diesen Quellgrund der Kultur verkannt. Man wähnte, dar Volkstum mit dem Schlagwort von „primitiver Geistigkeit" als „niedere Kulturstufe" geringschätzen zu Mrfen. Bis dann auch die Wissenschaft erkannte, war wir alle heute wittern und spüren: daß diese „primitive (Beiftigteit" seelische Urkraft ist, nicht auf eine Zeit, nicht auf einen Raum (die „primitiven Völker"), nicht
vjörnstjerne vjürnjo« (Porträt von Eyolf Soot).
Beilage zur Fuldaer Zeitung
4. Dezember.
Die Kamera.
Von W. Blöchert.
Lord Lonsdale, der Vorsitzende des berühmten Londoner Jockei-Klubs, dem die Elite des englischen Adel, sowie eine Anzahl berühmter Künstler angehörten, räusperte sich und sah sich mit ernstem Gesicht im Kreis, der Mitglieder um. Dann wandte er sich an den Sekretär. „Sind alle Mitglieder anwesend, HighelM?" fragte er.
„Jawohl, Mylord, niemand fehlt."
Lord Lonsdale klopfte mit seinem Hammer auf den Tisch und bat um Ruhe. Seine Stimme hatte einen sehr ernsten Klang, als er zu den Mitgliedern sagte: ,Lch habe diese außerordentliche Versammlung einberufen, da ich mit Ihnen eine äußerst peinliche Singe- legenfjeit zu besprechen habe. Eine Sache, die die Ehre des Klubs und . . . wahrscheinlich die eines seiner Mitglieder berührt. Wie Sie alle wissen, besitzt der Klub in diesem Gebäude einen Geldfchrank, in welchem, abgesehen von geringem Bargeld, das dem Klub gehört, die Mitglieder oft bedeutende Summen deponieren, welche sie am selben Tage nicht mehr bet ihrer Bank einzahlen können, oder die sie etwa am Abend hier beim Spiel gewonnen haben. Gestern abend hat nun Sir Wellingcrost einen Betrag von mehr als zchntaulsend Pfund Sterling durch mich in den Safe einschlietzen lassen, und als er die Summe heute wieder abholen wollte, stellte es sich heraus, daß der Betrag, ebenso wie das Klubgeld, verschwunden war."
Der greife Präsident machte eine kurze Pause, um den Eindruck festzustellen, den seine Worte auf die Versammlung mochten. „Ich Ifetje", fuhr er fort, „daß diese Mitteilung Sie nicht weniger entsetzt, als mich. Ich war sprachlos! Und — das Schlimmste ist, daß ch begründete Ursache habe, anzunehmen, daß der Dieb sich . . . unter unseren Mitgliedern befindet. Ich kann Ihnen nickst erklären, warum ich das glaube, doch verschiedene Anzeichen lassen darauf schließen. Sie ver- stehen, was es für unsere Vereinigung bedeutet, wenn von diesem Vorfall auch nur das Geringste an die Öffentlichkeit bringt. Darum habe ich diese Sitzung an- beraumt und an alle Mitglieder dringend appelliert, sich ohne Ausnahme einzufinden. Der Diebstahl muß am frühen Morgen ausgeführt ifetn. Der Täter hat eine außergewöhnliche Geschicklichkeit bewiesen, indem er nicht die geringste Spur hinterließ. Vermutlich war er im Besitz eines Nachschlüssels. Es ist aber glücklicher- weise ein Umstand vorhanden, der unweigerlich zu feiner Entdeckung führen muß . .
Wieder unterbrach Lord Lonsdale seine Rede. Dc mr stand er auf.
,Zch bitte die Herren, mir nach dem Geldschrank zu folgen."
Alle Anwesenden folgten der hohen, schlanken Gestalt des Vorsitzenden. Beim Geldschrank angelangt, ließ er sich den Schlüssel vom Schatzmeister des Klubs geben.
„Dieser Geldschrank", begann er, „hat ein Ge- heimnis, das nur dem Vorstand unseres Klubs bekannt ist. Wenn der Schrank nämlich von einem Unbefugten geöffnet wird, tritt ein photographischer Apparat in Funktion, der den Dieb in dem Moment photographiert, wo sich die Tür öffnet . . Sobald ein Vertreter des Vorstandes den Schrank öffnet, setzen wir, durch einen Druck auf einen Knopf in der Wand des Schrankes, den Apparat außer Betrieb. Der Abschluß öffnet sich dann nickst. Ich werde Ihnen jetzt den Apparat zeigen." Der greife Lord öffnete die Geldschranktür, und die Klubmitglieder drängten sich um
aus eine bestimmte soziale, niedere oder bäuerliche Schicht beschränkt- hier handelt es sich vielmehr um das urwüchsige, natürliche, im Sinne -Schillers „naive" Menschentum, um jene queUgrünötge, ewig junge Fruchtbarkeit, in der, wie wir sagen, der „gesunde Menschenverstand" wurzelt, „Mutterwitz", Intuition, kurz das Schöpferische, wie Laoaler einst es ahnte: „Nenn's Fruchtbarkeit des Geistes, Unerschöpflichkeit, Quellgeist, Urkraft, Elastizität der Seele — oder nenn es schlechtweg nur Erfindungsgabe, Instinkt, allemal bleibt das gewiß: das Ungelernte, Unentlehnte, Unerlernbare, Unnachahmliche, Göttliche."
Nur aus diesen Tiefen gewachsene Dichtungen überdauern die Zeiten. Blicken wir auf Björnsons Dramen. Wenn es nach der „Aktualität" ginge, mühten sie uns heute und außerhalb Norwegens mehr anziehen als feine „naiven" Bauernnovellen. Es gab ja kein Problem der Zeit Europas, an dem sich Björnson als Dramatiker vorbeigedrückt hätte: Im „Fallissement" (Bankerott) die Qual eben wieder unserer Tage: Kampf des Kaufmanns, um den wankenden Kredit feines Unternehmens mit allen möglichen Mitteln, schließlich durch Verbrechen zu retten. Im „Kö n i g" die Frage der Erbmonarchie und Republik: Der König heiratet eine Bürgerliche und beruft (feinen Jugendfreund, einen Unternehmer, zum leitenden Minister, scheitert aber an der Reaktion des Adels. Im „Handschuh" die Ge- wsssensfrage der doppelten Moral: die Braut wirft ihrem Verlobten den Handschuh ins Gesicht, da sie keinem Manne angehören will, der vor der Ehe sich erlaubt, was er einer Frau als Schande anrechnet. In „Heber unsere Kraft I" die (z. B. anläßlich Konnersreuth) auch von Gottlosen diskutierte Frage des Gebetes: im Teil II das Problem der sozialen Fürsorge. Alle diese Bühnenwerke hatten durchlchla- genbe Kraft. Und doch, vermögen sie uns heute noch so zu ergreifen und zu beglücken wie „S y n n ö v e Solbakkep", „Arne", „Der Brautmarsch", diese jugendsrisschen Bauernnovellen, die auf uns wirken, wie wenn an einem klaren Sonnentag des Frühlings uns die erdduftenden Lüfte kühl anwehen? Diese Männer! Herb und verschlossen bis zum Selbstverbluten: bei aller Härte doch weich im Gemüt; mit ihren groben Griffen dem Bären vergleichbar, den der Dichter zweimal in seinem Namen führt. Diese Frauen! Stark und gesund, mit jenem sonderbaren - Reiz des Blondhaares. Echte germanische Menschen, ebenso un» berechenbar, wie sie sich selbst nicht verstehen; mehr Stimmung als Gestalt, diese Stimmung aber von dem Melos der sieghaften Sonne. Sie sind wie Gewächse ihrer Landschaft, jenes herrlichsten Tales in Norwegen, des Romsdals, in dem ihr Dichter aufwuchs. Frau Klara in „lieber unsere Kraft I" schildert diese Natur, „die über alle Grenzen hinausgeht: mit der langen Winternacht und dem langen Sommertage, mit der Sonne, die in den Sommernächten im Meeresdunst viermal so groß als anbersroo erscheint, mit dem wunderbaren Farbenspiel der Himmels, mit den Millionen non Vögeln, mit den Bergen, die senkrecht aus dem Meer emporsteigen". Aus dieser Natur hörte Björnson jene Melodie, die er bann zum Nationallied seines Volkes machte, eben deshalb zu einem wirklichen Nationallied: „Ja vi eis ter bette landet." Alexand er Baumgartner hat es uns in feinen „Nordischen Fahrten" verdeutscht:
Ja wir lieben, Felswand, dich, Wie hn Sturmgebraus: Flutgepeitscht du hebst am Strand d' Pergend Haus an Haus.
Lieben, lieben dich und denken Unsrer Seltern treu,
Und der Vorzeit Träume senken Sich zu uns aufs neu . .
Die Geschichten Björnsons bezaubern uns so, wie die norwegische Landschaft ihre Menschen beeinflußt: sie fingen. Wie Arne sind fast alle Bauern Volkssänger. Und welch unvergängliche Lieder formen sie auf ihren Lippen!
Diese Naturlyrik dürste länger dauern als Björnsons Drama, dessen Lösungen aus der Kulturgelehrsamkeit des 9. Jahrhunderts geholt sind, Lösungen der Zeit, also vergänglich, modern, also der Mode unter-
Björnsons ländlicher Wohnsitz in Aulestad.
morsen, — international und deshalb doch nicht so europäisch wie — das wollen wir nicht vergessen — die Haltung Björnsons Deutschland gegenüber nach 1870. Roch spürten seine skandinavischen Landsleute die Wunden von 1864; deshalb hielten sie zu Frankreich. Björnson indes gab zu bedenken: „Werden wir unsere Zukunft mit Frankreich und Rußland haben oder aber mit Deutschland?" Er gab die Losung, es müßten „die Signale geändert werden", man solle nicht länger auf die Einigung Deutschlands hassend schielen, ja, die Dänen sollten Schleswig aufgeben. Dann komme der Friede. Björnsson, so hieß er sein Volk liebte, redete nicht der Masse zuliebe. Seine Wahrhaftigkeit scheute nicht den Vorwurf eines Hochverräters. Genial auch hier, d. h. schöpferisch sah er in weitere Fernen. So verstehen wir das Wort Ibsens, der ihn lange Jahre als Nebenbuhler unschön bekämpft hatte: „In der Literaturgeschichte stehen Deine Werke in erster Reihe und werden immer dort stehen. Hätte ich jedoch zu bestimmen, was für eine Inschrift Dein Denkmal einst erhalten soll, so würde ich die Worte wählen: „Sein Leben war feine beste Dichtung".
Man soll nur nie, auch unter den schmerzlichsten Lebensverhältnissen, an die Unmöglichkeit glauben, daß sie sich jemals wieder heiter gestalten können. Wenn ein großes Leiden des Gemüts alles um uns her zu Nacht verfinstert und darin der letzte Hoffnungs- und Freudenstrahl ausftirbt, welchen der Himmel aussenden konnte: glaube doch niemand, daß die ewigen Sterne selbst ausgeloschen seien! Sie leuchten noch über den Wolken. Und alles Leiden ist nur Gewölk. Es entspinnt sich und zerrinnt. Zschokke.
' Titel '
der IG-Serie
50
Vorspiel durch die »Autorisierte ElectroIa-Verkaufsstelle«:
I. MO
_ DEN ELTERN _ GERHARD HUSCH Du Vaterland Frühling am Rhein
__ DEN GROSSELTERN __ RUDOLF GERLACH-RUSNAK DaB nur für dich mein Herz erbebt. Verdi Lodern zum Himmel. Verdi
___ ZUM FEST — COMEDIAN HARMONI Stille Nacht
Schlaf* wohl, du Hlmmelskn
____DERJUGEND---
TANGO« Bitte küss’ mich bei Musik FOXTROTT:
Für'n Groschen Liebe
LLENHAUER&SDHNE, Friedrichsmarkt 7
solch
-chatt, Herr Bollander! Worauf wollen Sie tine Mutmaßung begründen?"
»Auf mancherlei Geschehnisse. Wenn ich alles und olles zusammenstelle und erwäge . . ."
»Ob Sie ba nicht vieles in falschen Zusammenhang bringen?"
„Das mag fein. Aber dennoch!"
„Sie sollten nicht überhastet oorgehen, und Sie soll» Ün schweigen! Jeder Verdacht, den Sie aussprechen, den eie aber nicht einwandfrei beweisen können, jeder solcher Verdacht kann derjenigen, der Sie helfen wollen, ®rit mehr schaden als nützen."
"Elchen Anteil nehmen Sie an Lilith Shel-
junge Frau tut mir leib; sie ist an einen Mann ^0 sie nicht liebt, sie steht ganz hilflos in der
"^od deshalb lassen Sie ihr Ihren Schutz . . ."
. ”®et redet von meinem Schutze? Vergessen Sie Mann soll nicht über alles sprechen! Das eine '^>nen "un gestehen, um Sie jetzt und später 'ch> zu enttäuschen: Ich habe ein anderes Ziel vor Au- Jrn °ls Sie. Sie kämpfen um eine Frau, ich aber *lY* um Sühne. Sühne für das Sterben zweier ibn>n Ci)en einmal: Seien Sie nicht unüberlegt in $ em Handeln! Wie ist das übrigens, besitzen Sie das ettLQuen Lilith Sheltons?"
»5°n und ganz!"
ift hÖ'e ®eiß also, daß ihr in Ihnen ein Mensch nahe Ber lhr jedes Opfer bringen würde?"
i hoffe, daß sie davon überzeugt ist."
® Prinz kam auf die Jagd zu sprechen.
di, ’^ch. möchte noch einige Tiger unschädlich machen, die Met *r in ber Richtung Logong belästigen. Vielleicht einige Gruben anlegen oder es werden ein paar
' >änbe gebaut. Möchten Sie diesmal sich an der 1 beteiligen?"
Las Hälfe! des Tushinlaug
Roman von Kurt Martin.
Sovvrigbt bD Verlag Neues Leben. Batzr. Gmain. 20] ----------
„(Bern, Hoheit."
„Es ist mir recht. In vierzehn Tagen dürfte cs so weit fein. Zunächst sind mancherlei Vorbereitungen nötig."
Als Jörgen Bollander sich verabschiedete, bat Omar Rubri noch einmal:
„Seien Sie vorsichtig! Verderben Sie sich nichts, und verderben Sie mir nichts! Sie wissen: auch ich kämpfe."
In zwiespältiger Stimmung fuhr Bollander nach Mandalay zurück. Daheim fand er ein Schreiben, das für ihn abgegeben worden war. Er öffnete den Umschlag und überflog das Geschriebene.
„Lieber Herr Bollander! Ich hatte gehofft, Sie würden uns heute einmal besuchen. Nun erfuhr ich jedoch, daß Sie zu Prinz Omar gefahren sind. Morgen fährt mein Mann nach Rangoon; er hat sich halbwegs erholt, und da der Edelsteintransport eilt, will er nun fahren. Dr. Barker wird während der Abwesenheit meines Mannes des Nachts hier im Hause schlafen. Es ist dies mein Wunsch. Ich ängstigte mich. So gern möchte ich auch wieder einmal mich mit Ihnen aussprechen. Wenn es Ihre Zeit erlaubt, bann besuchen Sie mich bitte morgen. Ich möchte mir Ihren Rat holen. Dr. Barker ist ein lieber Mensch: aber ich kann über mancherlei Dinge nicht zu ihm sprechen. Wenn Sie da sind, ist es ganz anders. Ihre Lilith Sh."
Jörgen Bollander war voller Freude.
Er fieberte dem nächsten Tag entgegen, und er atmete auf, als er vor Lilith Shelton stand.
„Wie gut, daß ich nun bei Ihnen bin! Ich mußte immer und immer an Sie denken."
Ihre Augen verrieten ihre Freude über fein Kommen, wenn auch daneben die Unruhe, die Angst vor dem Unbekannten, das um sie her lauerte, noch in ihrem Blick blieb.
„Ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn Sie heute nicht gekommen wären, Herr Bollander."
„Nichts hätte mich heute gehindert, Sie zu besuchen."
Sie sah ihn besorgt an.
„Fühlen Sie sich denn nun wieder ganz wohl? Ich war sehr traurig, als Dr. Barker mir gestand, man habe auch Sie nachts überfallen und niedergeschlagen."
„Es ist alles wieder in Ordnung. Frau Lilith."
„Wer ist Ihr Feind?"
„Mein Feind? Im Grunde habe ich keinen Feind. Aber es mir nun zur Gewißheit geworden, daß ich einigen Menschen unbequem bin. Das ist nicht so wichtig, Frau Lilith. Vor allem soll jetzt von Ihnen die Rede sein. Sind Sie denn nun wieder ruhiger geworden?"
„Ja, aber ich ängstige mich. Ich fürchte mich vor Goomar Parubram. Mein Mann freilich lacht mich aus und erklärt, da sei ein anderer weit gefährlicher."
„Das hat er gesagt?"
„Ja! Als ich jedoch mehr von ihm wissen wollte, verweigerte er mir jede Auskunft. Er ist voller Unruhe. Es ist gerade, als ob er um fein Leben bangt. Ich weiß auch, an wen er denkt, trotzdem er sich nicht ausfpridjt: Er denkt an Dr. Sm, nn den Mann, der Ihnen aus Rangoon schrieb. Aber ich begreife nur nicht, daß mir von diesem Mann eine Gefahr drohen soll."
„Wissen Sie denn, welche Rolle Dr. Sm in Ihrem früheren Leben spielte? Frau Lilith, wenn Sie sich doch erinnern könnten!"
„Ich weiß nichts. Nicht wahr, es ist schlimm mit mir? Verlieren Sie nicht endlich die Geduld?"
„Mit Ihnen? Nein, Lilith! Nur Helsen möchte ich Ihnen. Sagen Sie, es ist so gutes Licht, darf ich die Ausnahme von Ihnen machen, die Sie mir schon erlaubt haben?"
„Ja gern."
Er traf eilig seine Vorbereitungen. Dreimal brachte er sie auf die Platte.
„Ich danke Ihnen, Frau Lilith. Noch in dieser Nacht stelle ich die ersten Bilder fertig."
„Und warum das? Ist das so eilig?"
„Ja, es ist sehr eilig. Ich — sehne mich noch diesen Bildern. Sagen Sie, Frau Lilith, besitzen Sie denn gor kein Bild von früher, ein Bild, das Sie zeigt, das Sie mit Ihrem Mann zeigt?"
„Nein, es existieren keine Bilder von mir. Henry sagt, es sei uns in Schanghai ein Koffer gestohlen werben, und der enthielt die Bilder."
„Schade! Ich dachte, vielleicht ein Brautbild . . ."
„Herr Bollander, wenn ich denke, daß ich Braut gewesen sein soll. Es ist mir bas alles so unfaßbar. Wie
könnte ich Henry je geliebt haben, wenn er mir jetzt so vollkommen gleichgültig ist, wenn mir seine Nähe -- eine Last ist?"
„Ob Shelton Sie nicht freigäbe? Wenn Sie sich mit ihm barüber aussprächen?"
„Ich wage es nicht. Er ist so jähzornig."
„Soll vielleicht ich . . .?"
Sie legte rasch die Hanb auf seinen Arm.
„Nein, Sie nicht! Bitte, Sie nicht! Ich — ich ängstige mich ja so schon um Sie."
„Das sollen Sie aber nicht."
Ihre Augen flohen nicht seinen sorschenben Blick.
„Wie kann ich denn anbers ? Ich muß doch!"
Sacht ergriff er ihre Finger.
„Warum müssen Sie denn, Lilith?"
Nun senkte sie den Kopf.
„Ich —. Lassen Sie mir dies Recht! Cs ist ja das schon Glück: einen Menschen haben, um den man sich sorgen darf."
„Ich sorge mich auch um Sie, Lilith. Wissen Sie bas?"
„5a."
„Sagen Sie: Wenn nun doch ein Weg käme, ber Sie weg von Shelton führte, was wollen Sie dann mit Ihrer Freiheit beginnen?"
„Ich weiß es nicht."
„Frei will doch der Mensch vor allem bann gern sein, wenn er irgendeinem Ziele zuftrebt."
„5a!"
„Haben Sie auch cm Ziel?"
„Das weiß ich nicht/"
„Allein dürfen Sie nicht in der Welt stehrn, Lilith! Sie sind zu fremd in der Welt. Sie brauchen jemand, der an Ihrer Seite steht. Wenn ich dies sein wollte, märe das wieder ein quälender Zwang für Sie?"
Langsam hob sie den Kops. Er sah ihre Augen, ein ganz heimliches Glück stand darin.
„Das wäre kein Zwang."
„Wäre es Freude?"
„5a!"
„Wie aber? Freude, daß ich 5hr Freund bliebe? Lilith, ober daß . . .? Ich möchte Ihnen so viel sagen; aber ich will Sie nicht erschrecken. Niemals möchte ich