8. r
Erjchenu «echsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: »Die Well ...x ,u..*n»hintfor" 'Knt.itinnehrurt und ’Jterlaü
Zahl«. 59
Dienstag, 29. November 1932
im iilö' unö .«uchenvlätler". Rotationsdruck und Verlag f 2Zu der itulhm Äctiendruckerei in Futda. gernrufe: schrist- V« * .. \et\ung 3153, guldaer Ärtiendruckerei 3151 und 31-52 ::
von Schleicher oder von Popen?
In verschiedenen Orten der Provinzen Limburg und Nordbrabant wurden wieder Erdstöße wahrgenommen. Besonders stark waren die Stöße in der Stadt tzerzogenbusch zu verspüren.
Koalitions-Besprechungen in Vreutzeu.
DDZ. Berlin, 28. Nov. (Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des $2)3- meldet, sind nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen um die Bildung einer Mehrheitsregierung im Reich die Besprechungen zur Schaffung einer neuen preußischen Staatsregierung wieder ausgenommen worden. Da im Preußischen Landtag bei der gegenwärtigen Zusammensetzung dieses Parlaments eine Mehrheit bereits aus Nationalsozialisten und Zentrum gebildet werden kann, würde eine Verständigung zwischen diesen beiden Parteien genügen, um einen neuen Ministerpräsidenten in Preußen wählen zu können, dem nach der Verfassung dann die Befugnis zustände, die übrigen Staatsminister zu ernennen. Es hat über die Möglichkeit einer baldigen Wahl des Ministerpräsidenten eine mehrstündige Unterhaltung zwischen dem Landtagspräsidenten K e r r.l als Vertreter der NSDAP, und dem Führer der preußischen Zentrumsfraktion, Abgeordneter Lauscher, sowie dem Geschäftsführer der Zentrumsfraktion, Abg. D r. Graß, stattgefunden. Diese Verhandlungen dürften fortgesetzt werden, ohne daß man bereits jetzt absehen könne, ob sie so rasch zum Absckluß gelangen, daß der Landtag beim Wiederzusammentritt am 13. Dezember den neuen Ministerpräsidenten wählen könnte. Vorläufig ist es auch noch verfrüht, über Personenfragen sowie darüber zu sprechen, ob und welche Konsequenzen sich für die Institution des Reichskommissars in Preußen aus der etwaigen Neuwahl eines Ministerpräsidenten ergäben.
parlamentarische Möglichkeit eines Zusammenar- | beitens zu erwirken, die auch der scharfen Opposition der Nationalsozialisten eine mildere Richtung geben könnte. Vereinigte Sozialdemokraten und Kommunisten mit Nationalsozialisten itx schärfster Opposition muß über kurz oder lang einen Sturm heraufbeschwören, der zum Ehaos führen muß. Es ist die letzte Stunde für die Entscheidung: hie Konflikserperiment, hie der Versuch, durch ein Uebergangspräsidial-Kabinett zu einem stabilen Regierungsfundament zu kommen.
Die Frage der Kriegsschulden.
Die Londoner Presse befaßt sich ringe» hend mit der amerikanischen Antwort auf den englischen Moratoriumsantrag. Die „Times". erklärt die Behauptung, wonach England keine Dollars für die Zahlungen an Amerika besitze, für falsch.
•
Der „Matin" erklärt zu der ablehnenden Antwort Stimsons in der Kriegsschuldenfrage, das einzig zutreffende in der Note sei die Feststellung, daß die amerikanische Regierung ohne den Kongreß nichts machen könne. Die Parlamente Frankreichs und auch Englands hätten jetzt das Schlußwort in dieser Angelegenheit zu sprechen.
Monatlich 1 6-5 etchchuetzl. Popgedühl ,43 Ptjj) ohne ,-zuuell» Anzeigen-Preise: Klemzeile ((Sol > lokal 0.1.5 RM., auswärts 0 20 AM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., Sustbarts 0.30 RM Bei Wiederholungen Rabatt Polkicheckk grankiurt a M 40-51
Hugenbergs Verantwortung!
Eine Zentrumserklärung zu der Besprechung kaas-hugenberg.
Die Pressestelle der Deutschen Zentrumspartei stellt zu den Besprechungen, die der Parteiführer Kaas u. a. mit Hugenberg hatte, folgendes fest: „fterr Kaas hat mit feinen Sondierungen mit den Parteiführern sich zum Ziel gesetzt, alle Personenfragen beiseite zu lassen und Sachberatungen in den Vordergrund zu stellen. Diese Methode war nach den Vorgängen der vorhergehenden Tage notwendig. Herr Kaas hat also die Parteiführer zur Beratung eines Sachprvgramms aufgefordert mit dem selbstverständlichen Ziel, eine Mehrheit für ein solches Programm zu gewinnen. Ohne dieses Ziel hätten diese Bemühungen nur theoretische, aber keine realpolitische Bedeutung gehabt. Bei Herrn Hugenberg hat Herr Kaas aus diese klare Frage ei ne ablehnende Antwort bekommen, die ja auch in dem von der Deutschnationalen Bokkspartei herausgegebenen
wtb. Genf, 28. Nov. (Eig. Meldg.) Der Völ- kerbundsrat hat heule die Danziger Währungs- anqelegenheit im Sinne des am Samstag zwischen Danzig und Polen in Genf getroffenen lieberem- kommens ohne Aussprache erledigt.
In der anschließenden, nicht öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates wurde der Auftrag des einstweiligen Völkerbundskommissars in Danzig, Rosting, bis zum 1. Febr. 1933 verlängert. _■■■——
Die Gleichberechtigung.
Englisch-amerikanisch-französische Einigung?
Wie Pertinax im „Daily Telegraph" berichtet, stimmen Sir John Simon, Norman Davis und Paul Boncour in folgenden drei Punkten überein:
1. Alle beteiligten Mächte sollen einen Pakt unterzeichnen, der die Anwendung von Gewalt verbietet.
2. Deutschland darf nicht wieder aufrüsten.
3. Die praktische Durchführung der Gleichberechtigung soll stufenweise erfolgen.
Parallel mit der Erörterung dieser Grundsätze sollen die verschiedenen Sicherheitsfragen aus der bevorstehenden Fünfmächtezusammenkunft besprochen werden.
♦
Deutschland, England, die Vereinigten Staaten und Italien haben sich bereit erklärt, den auf die Gleichberechtigung bezüglichen ersten Teil des Simonvorschlages als Grundlage für die weiteren Verhandlungen anzunehmen. Die Entscheidung der französischen Regierung steht noch aus.
mb. Berlin, 28. November. (Eig. Meld.) In unterrichteten Kreisen rechnet man heute mittag damit, daß die Entscheidung über die innerpott- tifche Lage, d. h. also in erster Linie über di» Persönlichkeit des kommenden Kanz- kers allersrühesten morgen zu erwarten ist. General von Schleicher setzt seine inasst- zielten Besprechungen heute fort, und zwar wird er in erster Linie mit den Sozialdemokraten und den Gewerkschaften Fühlung neh- men. Er verhandelt immer noch auf der Bd.fi s eines neuen Kabinetts von Papen(??) Auch jetzt kommen nur noch die beiden Möglichkeiten von Papen oder von Schleicher in Frage. Etwas sicheres läßt sich aber erst nach dem Abschluß der Schleicher'schen Besprechungen sagen.
Nach einer Meldung aus Mulden entgleiste bei Kirin ein japani scher Panzerzug. Elf Soldaten wurden getötet und mehrere andere verletzt. Die Ursache der Entgleisung soll auf einen Anschlag zurückzuführen sein.
Bericht über diese Besprechungen mit aller Deutlichkeit selbst sestgestellt wird. Bei der Ablehnung Hal tatsächlich Herr Hugenberg sich auf die Vorgänge des Jahres 1927 berufen, ohne daß dazu eine sachliche Berechtigung gegeben war. Herr Kaas hat das Ne i n Herrn Hugenbergs in feinem Bericht an den Reichspräsidenten pflichtgemäß fest gestellt. Diese Feststellung mag der Deutschnationalen Volkspartei unangenehm sein, kann aber durch ein Spiel mit Worten nicht aus der Welt geschafft werden."
unbedingten Machtpolitiker vertreten find.
Wenn die Warnungen führender Männer wie Prälat Dr. Kaas, Staatsrat Schäster und anderer nichts genutzt haben, fo mögen die sich mehrenden stimmen aus den Kreisen des Großhandels und her Schwerindustrie für Hindenburg ein letztes Darnungszeichen sein. Das Präsidium des liieichsverbandes der deutschen Industrie wendet sich in einer Auslassung gegen die Eröffnung einer neuen Aera von Experimenten, also ohne es zu nennen, gegen Papens Wiederernennung. Das Präsidium sprach sich in betonter Unabhängigkeit von irgendwelchen parteipol. Gesichtspunkten einmütig dafür aus, daß es für die Erhaltung und Stärkung der wirtfchaftsbelebenden Momente herauf ankomme, die gegenwärtige Unsicherheit durch ein stabiles Regierungsfundament zu ersetzen. Die Konsolidierung der politischen Verhältnisse sei vom Standpunkt der Gesamtwirtschaft dringend geboten und sie könne nicht schnell genug herbeigeführt werden. Die mit Recht von der Privatwirtschaft erwartete Initiative und Risiko- sreudigkeit werde durch nichts mehr gehemmt als durch eine ständige innerpolitische Beunruhigung, die auch die Durchführung einer kraftvollen Außenpolitik, über deren Ziele es hei der überragenden Mehrheit des deutschen Volkes keine Meinungsverschiedenheiten gäbe, in stärkstem Maße beeinträchtigt. So heißt es in dieser Verlautbarung, und wir erkennen daraus, wie schwer die Besorgnisse der Führer der deutschen Industrie für d>e nächste Zukunft sind. Hoffentlich gelingt es m>t ihrer Hilfe, eine Wiederbetrauung Popens öu verhindern, denn fein Wiedererstehen als Kanz-
würde bei der Gegnerschaft der Mehrheit des Reichstages und des deutschen Volkes und dem bekannten Manen-Elan dieser Regierung zu Matz- buhmen führen, die sich nicht mit der Perfassung hecken lassen, und die man auch nicht mehr als ^kperimentierpolitik bezeichnen könnte, sondern 613 Politik des offen gewollten Konflikts.
; . Noch steht es in der Macht des Reichspräfiden- ' das Aeußerste zu vermeiden und durch einen L m'Hher belasteten Kanzler wenigstens der Miste ? Gelegenheit zu geben, durch positive Mitarbeit die -j
genistet hat, besten Zusammensetzung wir nicht kennen, der aber immerhin einen sehr gefährlichen Einfluß auszuüben scheint etwa in der Richtung der vielbesprochenen „Zwischenschicht". Dieser „Kronrat" arbeitet im Dunkeln, man sieht ihn nicht, sondern lernt ihn nur durch Taten kennen, die er der Reichsregierung und ohne Wissen des Reichspräsidenten auch diesem mit kluger Tokt-k auszwinat Gerade angesichts der kommenden schicksalsvollen Entscheidungen wird sich das deutsche Volk an diesen „Kronrat" zu erinnern haben.
Die bedeutsamste Aufgabe des neuen Reichstags.
Vorausgesetzt, daß sich der neue Reichstag überhaupt konstituieren wird und kann, hat er neben der Erfüllung der allgemeinen dringlichen Aufgaben eine gewichtige Entscheidung unbedingt zuerst zu treffen. Dazu müssen ihn schon die Dunkel- pläne gewisser Schichten und die Vorgänge der letzten Wochen und Monate veranlassen. Es handelt sich um die sofortige Einbringung und rasche Verabschiedung eines S t e l l v e r t r e t u n g s g es e«- zes für den Reichspräsidenten. Wir können darauf Hinweisen, daß vor Monaten schon über ein solches Gesetz eine Einigung zwischen dem Zentrum, der Bayerischen Volkspartei und den Nationalsozialisten erzielt worden ist, daß dieses Gesetz auch eingebracht worden wäre, wenn nicht im System Papen bislang der Reichstag überhaupt ständig ausgeschaltet worden wäre. Nach der Auffassung der maßgebenden politischen Kreise muß jetzt schleunigst diese Stellvertretung geschaffen werden, und man wird aller Wahrscheinlichkeit nach zum Stellvertreter den Präsidenten des Reichsgerichts ausersehen. Für ein iolches Gesetz glaubt man im Reichstag mindestens eine Dreiviertel- Mehrheit zu bekommen.
Dunkle Wolken.
, «jftsejperiment ober stabiles Regierungs- funbamenf.
Scheitern des letzten Versuchs einer El ~nl(una öer Parteien unter ein Notprogramm, E. der Fühlungnahme des Zentrumsführers 8»at Kaas mit den Parteiführern als enbgulttg Ebenb zu bezeichnen ist, muß alle ernsthaften ö^iliker mit schwerster Sorge erfüllen- Dunkle «c> ken ballen sich drohend über der deutschen Jn- -mfitif und damit über Deutschland zusammen.
ISman geht nicht zu weit, die scharfe Opposi- n^samäge Hitlers als fernes Wetterleuchten zu Leidmen. Die bange Frage erhebt sich: gelingt -fiinbenburg durch seine Entscheidung, auf die E&t allein und maßgeblich ankommt, das Unheil zu bannen, das über Deutschland hängt?
' Wir wissen noch nicht, wie diese Entscheidung «ussällt wir wissen nur eines, daß sie im Sinne ,inL Präsidialkabinetts fallen wird, also eines Kabinetts das, wenn es nicht mit aller Ruhe und Sorafalt die vielen innenpolitischen Klippen urn- lckiffen kann, von vornherein einer so scharfen Opposition entgegensehen muß, daß es auf Biegen ober Brechen ankommt. Uns bewegt die bange Sraqe, ob es Hindenburg gelingt, den Mann zu finden der hier mittruhiger sachlicher Hand zu regieren weiß, ohne, wie es Papen tat, künstliche Notstände und die künstliche Anwenduna des Artikels 18 zu konstruieren. Ohne wie es Papen tat! Sind wir denn so sicher, daß Papen nicht wieder- kchrt? Wir hoffen es. Wir hoffen, daß die wohlmeinenden Ratgeber des Reichspräsidenten mit ihm einen anderen Mann ausfindig machen der zum mindesten für die Opposition nicht das rote Tuch bedeutet, wie Papen und seine Experimentier- und Machtpolitik.
Wir wissen, daß mächtige Kreise am Werke sind, Papens Macht zu stabilisieren, um bet dem Widerstand des Reichstages und bei der jetzt verfahrenen Situation der Mehrheitsregierungsbll- dung eine Arbeitsunfähigkeit des Reichstages glaubhaft zu machen. Es find die Kreise um Hugenberg und jene Ostelbier, die schon in der Vorkriegszeit stets den Weg einer egoistischen Machtpolitik gegangen sind und die auch heute wieder glauben, daß ihre Zeit gekommen ist, um die durch den unglücklichen Krieg und den Umsturz so jäh verlorene Position.wiederzugewinnen. Es Jann nicht genug immer und nun wieder darauf hmge- iviesen werden, daß die Ablehnung Hugenbergs, schon sachlich ein Notprogramm mitzuberaten die schwere Schuld am Scheitern einer Mehrheitsregierung trägt. Hugenberg ist seit Jahren das Unglück D e u t s ch l a n d s, der Vernichter jeglichen Hoffnungsschimmers zur Wendung des Besseren, der Mann, der glaubt und auch ausgesprochen hat, durch ein Chaos hindurchzumüssen, um seine Macht auf den Ruinen aufzubauen. So nur allein ist die sture Verneinungsund Vernichtungspolitik Hugenbergs zu deuten und zu erklären. In einer parlamentarischen Regierung wäre Hugenberg mit seinem kleinen Anhang nur ein wesenloser Schatten, noch nicht einmal ein bedingtes Muß, denn es ginge auch in diesem Reichstage ohne diese 50 deutschnationalen Abgeordneten, um mit Zentrum und den übrigen bürgerlichen Parteien mit den Nationalsozialisten eine stabilst Mehrheit zu schaffen und zu halten. Und so will Hugenberg, der nicht auf seine Macht verzichten will, nur dieses Präsidialkabinett, wo leine Leute und die ihm nahestehenden Kreise der
Am Dienstag, den 29. November, nachmittags 2 Uhr, findet die erste Sitzung der neugewählten Reichstagsfraktion der Deutschen Zentrumspartei im Reichstag statt.
Dieser Sitzung voraus geht um 10 Uhr vormittags eine Beratung des Vorstandes. In beiden Sitzungen wird die politische Lage besprochen, werden wohl auch die Vorbereitungen für die kommende Konstituierung des Reichstags zu treffen fein.
2 700 Straßenbahner klagen...
Der Berliner Verkehrsstreik, der unmittelbar vor der letzten Reichstagswahl den Straßenverkehr der Reichshauptstadt lahmlegte, ist schon wieder halb vergessen. Nur die 3 000 Straßenbahner, die, weil sie nicht rechtzeitig die Arbeit wieder aufnahmen, den blauen Brief bekamen, werden an den Streik noch lange denken müssen. Ein hartes Schicksal, p'ötzlich aus seiner Stellung verdrängt zu sein. Die politischen Drahtzieher, die Hauptschuldigen, gehen, wie immer, leer aus.
Gegen 2 700 der entlassenen Straßenbahner ver- suchet nun auf arbeitsgerichtlichem Wege ihre Wiedereinstellung zu erwirken. Es herrscht Hochkonjunktur am Berliner Arbeitsgericht. Durchschnittlich kommen etwa 60 Klagen der unglücklichen Straßenbahner zur Erledigung. Und wer sich die Mühe nimmt, diesen Verhandlungen einmal beizuwohnen, der bekommt ein Bild menschlichen Elends. Die meisten der Kläger scheinen sich der Tragweite ihres Tims gar nicht bewußt gewesen zu fein. Manche vertrauten in blindem Gehorsam den politischen Einpeitschern. Aus alle Fälle fühlen sich fast alle als Opfer. Daß ihnen die Arbeit genommen wurde, empfinden sie als ein schreiendes Unrecht. Auch diese Massenprozesse gehen im Schatten der Politik vor sich. Auch jetzt noch versuchen die politischen Hintermänner aus dem Unglück der 3 000 Entlassenen für sich Kapital zu schlagen.
2700 entlassene Straßenbahner klagen . .. Aber sie kämpfen wahrscheinlich vergeblich für ihr — Recht auf Arbeit.
♦ Der Herr Reichspräsident empfing am Samstag den deutschen Gesandten in Teheran, Di. von Blücher.
* Vrachks Abschied von Essen. Der Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht, hat sich in diesen Tagen von den Beamten der Stadtverwaltung Essen' verabschiedet. Er erklärte in seinen Wschstds- worten, wichtigste Aufgabe der Kommunen sei es, ein Leistungsfähiges Berufsbeamtentum heranzuziehen. Wo so viele Fundamente wankten, müsse ein gefestigtes Berufsbeamtentum erhalten bleiben. Er werde deshalb alle Bestrebungen, daran zu rütteln, abzuwehren wiffen.
Die Wahlen in Belgien.
Aus Brüssel wirb gemeldet:
Nach den vorliegenden Wahlergebnissen rechnen die S o z i a l i st e n mit einem Nettogewinn von drei Sitzen. Sie gewinnen einen Sitz in Mecheln, zwei im Hennegau und einen in Lüttich, während sie wahrscheinlich in der ^Provinz Namur zugunsten der Liberalen einen Sitz verlieren. Diese vorläufige Schätzung zeigt, daß die fozialistische Oppositionspartei, öie 70 Mandate im Parlament innehatte, nur mäßig eFort- 1 dj r itt e gemacht hat und von sich aus ksinenUmsturz der parlamen.arischen Kräftverhältnisfe her- beiführen kann. Die Katholische P a r t e i, die bei den Wahlen von 1929 76 Mandate erhielt, befindet sich ihrerseits im Vordringen. Sie rechnet mit einem Gewinn von fünf bis sechs Mandaten, zwei in Westflandern, zwei in der Provinz Anrwe.prn, einem in Luxemburg und einem in Limburg. Für die Liberalen War der Wahltag nicht günstig, da sie sich auf einen Verlust von fünf bis sechs Sitzen gefaßt machen müssen. Bisher verfügten sie über 28 Mandate.
D:e Frontpartei (flämische Nationalisten, bisher 11 Sitze) verliert vier Sitze, zwei in Westslandern, zwei in der Provinz Antwerpen. Die Kommunisten verzeichnen im allgemeinen Rückgänge; der auf Grund der Kommunalwahlen vom 19. Okwber befürchtete Vormarsch dieser Partei hat nicht stattgefunden, ihre Starke ist für die parlamentarische Gesamtlage unwichtig, da sie bisher nur einen einzigen Abgeordnetem befaßen.
Die endgültigen Wahlergebnisse werden erst im Lause des Dienstag feststehen.
*
wtb. Brüssel, 28. Nov. (Eig. Meld.) Beiden belgischen Kammerwahlen haben in Eupen - M a l m e d y - St. Vith die Sozialisten und die Christliche Volksparte!, die für eine Wieder- holiing der Volksabstimmung Eintreten, ihre Mehrheit fast unverändert er- halten.
Am Sonntag fanden in ganz Bulgarien große Kundgebungen gegen den Friedensvertrag von Neuilly statt. _____
Aus Genf.
Mandschurei-Konflikt an Völkerbundsral überwiesen.
wtb Genf, 28. Nov. (Eia. Meldg.) Der Völ- kerbundsrat hat heute vormittag ohne weitere Aussprache die Verhandlungen über den Bericht der Mandschurei-Untersuchungskommission und damit über den chinesisch-japanischen Streitfall überhaupt abgeschlossen und die ganze Angelegenheit unter Stimmenthaltung des japanischen Vertreters a n bie außerordentliche Völkerbunds. Versammlung verwiesen.
Schleichers Bemühungen.
Wehrminister General v. Schleicher, der nicht beteiligt war an der Krise, die zum Mcktritt Brünings führte, sieht sich jetzt genötigt, der deutlich erkennbaren verhängnisvollen Entwicklung seine Kraft zur Abwehr zur Verfügung zu stellen. Amtlich wird Schweigen bewahrt. Aber Herr v. Schleicher hat mit Parteiführern gesprochen, u. a. mit Dingeidey und Prälat Kaas. Er soll auch seine Beziehungen zu den Sozialdemokraten haben spielen lassen, freilich ohne Erfolg. Bekanntlich hat Schleicher immer Tuchfühlung mit den Gewerkschaften der verschiedensten Richtungen gehalten.
Der „Krönten“.
Wir haben im Papen-System schon sehr viel Neues erlebt, besonders die deutliche Rückkehr zu überlebten Auffassungen und Anschauungen, zu Methoden, die man im vergangenen Jahrhundert anwandte. Doch kommt immer noch Neues hinzu. So hören wir jetzt, daß sich in der Umgebung des Reichspräsidenten so etwas wie em „Kronrat ein-
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Iulda und den Landkreis Aulda. Amtliches Kreisblatt.______