Einzelbild herunterladen
 

Jaljtg. 59.

r.rrs

Monatlich I 65 einjchlietzi. Postgebühr (4X Pfu., ohne .-justellg Anzeigen-Preife: Kleinzeile <Col > lokal O.l5 AM., auswärts 0 20RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.^, RM Bei Wiederholungen Rabatt Posticheckk Frankfurt a M 4051

Bot einer Jüns-Machke-Konserenz in Gens Freiherr von Aeurath kommt vorübergehend nach Berlin. Fortschritt in der Abrüstungs-Frage?

Reichstag zum 6. Dezember einberufen.

Dec Auftrag des Reichspräsidenten an Adolf Hitler blieb un­erledigt. Prälat Dr. Raas fteNt fest, ob In Deutschland eine Itotgemeinschaft möglich ist. Man hält es nicht für sehr wahr-

uldaerZertung

Anzeiger für die Stoöf Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt I

im Bild" undBuchenblätter" Rotationsdruck und Verlag I CfltnGfflfl 26 IttttlOttlhor 1Q32 »er Fuldaer Äctiendruckerel <n Fulda. Fernrufe: Schrift- I <*Ulll»lUg, A-V. JlVUvlHUCl ±Ö«JA» leitung 3153. Fuldaer Äctiendruckerel 3151 und 3152. :: |

fcheinlich und vermutet, daß Franz von Papen wiederkommt.

wtb. Berlin. 25. Nov. (Eig. Meld.) Das Reichstagsbüro teilt mit, daß Präsident Goering den Reichstag auf Dienstag, den 6. Dezember,

nachmittags 3 Uhr, einberufen hat.

Nach der Ueberreichung des Antwortschreibens des Staatslekretärs Meißner an Adolf Hitler wurde von amtlicher Seite der umfangreiche Brief- «echsel der Oefsentlichkeit übergeben, der über b-e Regierungskrise zwischen dem Reichspräsiden­ten bezw. dem Staatssekretär Meißner und Adolf Miet sowie dem Reichskanzler v. Papen und chitler stattgefunden hat. Der Briefwechsel er­acht sich zum Teil in theoretischen staats­rechtlichen Auseinandersetzungen über Präsidial- reaierungen, Parlamentsregierung, Auslegung be­stimmter Vorschriften der Reichsverfassung, Vor­aussetzungen einer autoritären Staatsführung usw. Er gibt eine Klärung der gegenseitigen Gesichts­punkte und ermöglicht eine Beurteilung der Gründe, d.e für den Reichspräsidenten zur Ablehnung der Forderungen Hitlers sowie für Hitler zur Ab­sage an den Reichspräsidenten geführt haben. Umere Leser finden ihn an anderer Stelle die­ser Nummer wiedergegeben.

Nach dem Scheitern des Kabinetts der natio­nalen Konzentration mit Hitler an der Spitze hat der Reichspräsident am Donnerstag die P a r- teisührer zu neuewBesprechungenemp­fangen und den FühreEes Zentrums, Präla­ten Kaas beauftragt, einen neuen Versuch in der Frage der Möglichkeit einer Mehrheitsbildung tm Reichstag zu unternehmen. Der Versuch Kaas' wird in Berliner politischen Kreisen sowohl als auch überwiegend in der Berliner Presse recht skeptisch beurteilt und dürste sich in erster Lime darauf richten, einem etwaigen neuen Prä - libialfabinett bie Neutralität des Reichstage s zu sichern. Staatssekretär Stajnet hat im Auftrage Hindenburgs weiterhin ine Parteiführer Hilgenberg, Schäffer und Dingeldey empfangen. Schließlich hatte am Donnerstagnachmittag Hitler eine persönliche Un­terredung mit dem deutschnasionalen Parteiführer Sugenberg, woraus von Hitler auch Staatsrat Schäffer empfangen wurde.: Die Haltung der NHDAP. hat Göring bet einem Presseempfang dahin gekennzeichnet, daß die Nationalsozialisten gegenüber jedem neuen Kabinett, das nicht unter b e r Führung Hitlers ft eben würde, ausgesprochene Kampfstel­lung beziehen würden.

Hitler noch m Berlin.

end. Berlin, 25. Nov. (Eig. Meld.) Der Führer der NSDAP., Adolf Hitler, bleibt vor­läufig in Berlin. Der Zeitpunkt seiner Abreise nach München ist noch nicht festgesetzt.

CNB. Köln a. Rh., 25. Nov. (Eig. Meld.) Der Westdeutsche Bobachter" veröffentlicht einen Auf­ruf Adolf Hitlers, in dem er nach einer längeren Kritik am Kabinett Papen erklärt, man habe ihn nach Berlin gerufen, um an der Behebung einer Regierungskrise mitzuwirken und habe dabei nur das Kabinett Papen retten und ihm, Hitler, einen zweiten 13. August bereiten wollen. Obwohl der ihm übertragene Auftrag durch die daran ge­knüpften Bedingungen von vornherein unmöglich gemacht worden fei, habe er sich angesichts der Not des Volkes entschlossen, ein Angebot zu machen, das zugleich für die inneren Absichten aller hätte klärend sein können. Das Angebot sei abgelehnt worden. Er glaube, daß schon damit der Wille der Ratgeber des Reichspräsidenten erfüllt scheine. Was er am Abend des Wahltages schon erklärt habe, wiederhole er hiermit:Dieses System muß in Deutschland niedergebrochen werden, wenn nicht die deutsche Nation an ihm verbricht." Der Aufruf schließt mit der Erklärung, daß der Kampf weitergeführt werde mit der Zuversicht, daß die NSDAP. Sieger bleibe.

*

Cs ist unwahrscheinlich, daß Hitler, der im "Kaiserhof" wirklich keine Lorbeeren geerntet hat, den 51prozentigen Sieg, von dem er träumt, je- wols erreichen wird.

CRB. Berlin, 25. Nov. (Eig. Meld.) Wie wir hören, hat sich Prälat Kaas noch gestern abend mit feinen engeren Parteifreunden über den Auftrag besprochen, den er vom Reichspräsidenten bekom­men hat. In Ausführung dieses Ersuchens hatte er am heutigen Freitagvormittag zuerst eine Un­terredung mit dem Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei. Abgeordneter Dingeldey dürfte ihm erklärt haben, daß die Deutsche Volks- partei sich an einer nationalen Konzen- tkation beteiligen würde. Gegen mittag hat Prälat Kaas dann Geheimrat Hugenberg ausgesucht. Wahrscheinlich wird er im Anschluß baran auch mit Adolf Hitler Fühlung neh­men. In politischen Kreisen beurteilt man doch bie Aussichten auch heute mittag recht skeptisch und glaubt, daß der Führer des Zentrums den Reichs­präsidenten heute nachmittag nur eine negative Auskunft geben können wird. Er wird dem Mohrscheinlich hinzufügen, baß das Zentrum bie

Wiederkehr des gegenwärtigen Kabinetts ablehnt, daß es dagegen zur Unterstützung bereit sei, wenn der Reichspräsident einen anderen Mann seines Vertrauens benennt. Das würde zwar auch noch keine Mehrheit bedeuten, aber immerhin rechnet man im Zentrum damit, daß ein solches Kabinett im neuen Reichstag rund 200 Abgeord­nete für sich, also eine breitere Basis haben würde. Diese Gedaittengän"-' k»"n"ei''n.en die Stimmung, die im Zentrum herrscht. Angesichts dieser un­geklärten Lage läßt sich natürlich im Augenblick noch gar nicht übersehen, in welcher Form die ge­genwärtige Regierungskrise schließlich liquidiert wird. Sicher ist jetzt nur, daß die Lösung, f r ü - hefte ns fürSInfang nächster Woche zu erwarten ist.

Siehe auch unterLetzten Nachrichten".

England und Frankreich zahlen.

Aus Washington wird gemeldet:

Die Botschafter Englands und Frankreichs teil­ten Staatssekretär Stimfon, der sich auf seiner Be­sitzung Woodley aufhält, in einer geheimen Bespre­chung mit, daß ihre Regierungen die Dezem­berrate der Kriegsschulden bezahlen wür­den.

Die italienische Regierung, die keine Schulden­stundung nachqesucht hatte, benachrichtigte das Staatsdepartement, daß sie auch weiterhin zahlen würde. Die Zahlungen Estlands, Lettlands und Polens sind durch frühere Abkommen gestundet. Allein Griechenland setzte das Staatsdepartement davon in Kenntnis, daß es, falls die amerikanische Regierung auf der Zahlung bestehe, die Zah­lungsunfähigkeit erklären müsse.

Roosevelt, der in Warmsprings eingetroffen ist, lehnte jede weitere Aeußerung zur Schuldenfrage vor dem 4. März ab.

Französische Stimmen zur Haltung Roosevelks.

wtb. Paris, 25. Nov. (Eig. Meld.) Der Washingtoner Sonderkorrespondent des Petit Pa- risien erklärt, vom europäischen Standpunkt gese­hen sei bie Haltung Roosevelts Frankreich ungünstig in dem Sinne, als sie nicht eine endgültige Gesamtlösung des Schuldenproblems aller Staaten ermögliche. Sie sei aber auch zu­friedenstellend in dem Sinne, als sie vertrauliche Verhandlungen ermögliche, die viel eher zu Verein­barungen führen könnten, die die Vorgangsweife, die Hoover Vorschläge, nämlich Einsetzung einer Kommission, nicht bringen könnte. Der Sonder­korrespondent des Petit Journal in Washington behauptet, dem englischen Botschafter fei der Tert der amerikanischen Antwort erst 6 Stunden später überreicht worden, da Schatzsekretär Mills noch veriucht habe, eine bevorzugte Behandlung Eng­lands bei Hoover zu erreichen.

Am die Danziger Währung.

Der englische Vorfchlag über Danziger Wäh­rungsfrage.

wtb. Genf, 25. Nov. (Eig. Meld.) In der Danziger Währungsfrage wird der englische Au­ßenminister auf Grund der heute fortgesetzten Beratungen des Ratskomitees heute nachmittag dem Dölkerdundsrat folgendes Verfahren Vorschlä­gen.

Ein aus drei Mitgliedern bestehendes Rats- Komitee wird bis zur Januartagung über die all­gemeinen Fragen der action directe Bericht er­statten. Danzig zieht seinen Antrag auf sofortige Entscheidung des Völkerbundsrates zurück und die Frage gelangt im ordentlichen Verfahren vor den Völkerbundskommissar in Danzig. Bis zur Ent­scheidung des Völkerbundskommissars verzichtet Polen auf die Durchführung der beabsichtigten Währungsmaßnahme.

Dieser Vorschlag findet die volle Zustimmung Danzigs, da er die Schaffung einer vollendeten Tatsache verhindert. Dagegen steht noch nicht fest, welche Haltung Polen einnehmen wird. Sollte Polen mit dem Vorschläge nicht einverstanden sein, so beabsichtigt Sir John Simon, den Rat zu er­suchen, die Rechtslage im Lause des heutigen Ta­ges nochmals durch ein Iuristenkomitee prüfen zu lassen und in der morgigen Ratssitzung zu der politischen Seite der Angelegenheit Stellung zu nehmen. t

wtb. Genf, 25. Nov. (Eig. Meld.) Reichsmi­nister Freiherr von Neurath hatte heute vormittag eine Unterredung mit dem englischen Außenmini­ster in feiner Eigenschaft als Berichterstatter für die Danziger Währungsfrage, die voraussichtlich.heute nachmittag vor dem Rat behandelt werden wird. Was die Abrüstungsfrage betrifft, so besteht dis Absicht, daß die Hauptdelegierten der Großmächte, die sich in den nächsten Tagen in ihre Hauptstädte begeben, Anfang Dezember nach Genf zurückkeh­ren, um die inoffiziellen Besprechungen über die Möglichkeit einer Fünfer-Konferenz zur Erörte­rung der Gleichberechtigungsfrage fortzusetzen.

CNB. Berlin, 25. Nov. (Eig. Meld.) In hiesi­gen politischen Kreisen hält man es für möglich, daß es im Saufe der nächsten Woche, etwa am 2. Dezember, in Gens zu einer 4- oder 5-Mächtekon- ferenz kommen wird. Wenn bei Erörterung die­ser Frage derDaily Telegraph" in einer Genier Meldung von Pertinak davon spricht, daß Freiherr von Neurath zunächst auf einer Erklärung der füh­renden Mächte über die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung bestan­den habe und jetzt nicht mehr diese Bedingung stelle, so muß demgegenüber darauf hingewiesen werden, daß selbstverständlich unbeschadet der un­veränderten grundsätzlichen deutschen Einstellung in der Frage der Gleichberechtigung eine Bespre­chung der großen Mächte, die diese Frage zunächst einmal klären soll, naturgemäß nicht unter die Vor­aussetzung gestellt werden kann, daß die Gleich­berechtigungsfrage vorher bereinigt wird.

*

Es ist damit zu rechnen, daß der Deutsche Au­ßenminister am Samstag Genf verlasen und we­gen der innerpolitischen Lage auf kurze Zeit nach Berlin zurückkehren wird.

*

wtb. Gens, 25. 11. (Eig. Meldg.) Im Zusam­menhang mit der geplanten Fortsetzung der Ab­rüstungsbesprechungen wird in französischen und

Don maßgebender Zentrumsseite wird uns ge­schrieben:

Durch die Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen dem Reichspräsidenten v. Hindenburg und dem Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, ist endlich eine volle Klarheit. geschaffen worden, eine Klarheit vor allem darüber, daß Adolf Hitler niemals ernstlich den Versuch ge­macht hat, den ihm vom Reichspräsidenten er­teilten Auftrag a u s z u s ü h r e n.

Wie an verschiedenen Stellen des Briefwechsels deutlich sichtbar wird, steuerte Adolf Hiller von An­fang an auf- ein Präsidialkabinett hin, das aber nur unter seiner Führung ste­hen sollte. Schon einmal mar eine solche Absicht Adolf Hitlers bekannt, geworden, aber da man den Wortlaut der Briefe nicht kannte, blieb man auf Mutmaßungen angewiesen. Nun ist aber auch öffentlich festzustellen, daß der Reichspräsident dem Führer der NSDAP, überaus nicht weit entgegen­gekommen ist. Das sehen wir aus den Erklärun­gen des Staatssekretärs Dr. Meißner, der Adolf Hitler gegenüber sagte, daß einMehrheits- kabinett" sich sehr le-cht, durch die Verhältnisse veranlaßt, in einPräsidialkabinett" unter der Kanzlerschaft Hitlerswandeln" könnte.

Das war noch keiner mit einer Regierungsbil­dung beauftragten Persönlichkeit zugestanden wor­den. Noch nie hat man eine solche Brücke geschla­gen, um auch persönliche Umstimmungen Hervorru­fen zu können.

Das alles genügte Adolf Hitler nicht. Er wollte, was man ohne Verletzung der Person seststellen kann, einfach eine Machtlösung, die sich aber erst später auswirken sollte. Das ist es, was man dann in der Wilhelmstraße sehr deutlich fühlte und was sehr scharf in der Antwort des Reichspräsiden­ten abgelehnt wurde, und zwar an der Stelle, an der vonP a r t e i d i k t a t u r" die Rede ist.

Am Mittwoch abend hatte Adolf Hitler noch eine letzte Besprechung mit dem Reichswehrminister v. Schleicher unter ausdrücklicher Billigung des Reichspräsidenten. Aber auch hier soll Adolf Hit­ler den Standpunkt vertreten haben, daß, ganz gleich, wie das Kabinett heißen soll, die national­sozialistische Bewegung nur dann eine Unterstüt­zung oder Tolerierung gewähren könne, wenn es unter Führung Hitlers stehe. Dasselbe erklärte am Donnerstag der Reichstagspräsident Goering vor geladenen Pressevertretern. Er kündigte den rück­st ch t l o s e st e n Kampf gegen jedes Kabinett an, das nicht Adolf Hitler zum Kanzler habe.

Die Mutmaßungen über eine jetzt noch mög­liche Lösung der Regierungskrise gehen in den politischen und parlamentarischen Kreisen stark auseinander. Von bestimmter Seite her wird zweckmäßig die Auffassung verbreitet, daß jede Aussicht auf eine Verständigung mit dem Reichs­tag ausgeschlossen sei. Man legt hier lediglich die Erklärung Goerings dieser Auffassung zugrunde. Wir halten das für falsch. Selbstverständlich sind neue ernsteste Gefahren heraufbeschworen worden. Es wird unter neuen größten Schwierigkeiten der Versuch, zu einer vollständigen und befriedigenden Lösung zu kommen, fortzusetzen fein.

Für den Reichstag ist allerdings die Lage bedeutend schwieriger geworden, da, wenn die Na­tionalsozialisten auf ihremStanhpunkt beharren soll­ten, sie ja mit den Kommunisten zusam­men schon die Mehrheit gegen jede Regie­rung haben und sie auch stürzen können, ganz abgesehen davon, daß über die Haltung der So- zialdemokratie gegen eine neue Regierung posi-

englischen Kreisen damit gerechnet, daß H e r r i o f undMacdonald Mitte nächster Woche in Genf e i n t r e f f e n werde. Der deutsche Außenminister hat sich die Entscheidung über den Zeitpunkt sei­ner 'Rückkehr nach Genf vorbehalten.

*

Frankreich hat, wie aus Genf gemeldet wird, nunmehr offiziell die Behandlung des französi- schen Abrüstungsplanes im Hauptausschuß der Ab­rüstungskonferenz gefordert. In der Gleichbe­rechtigungsfrage werden Entscheidungen vorläufig nicht zu erwarten fein.

Neue Besprechungen Davis-Neurath.

wtb. Genf, 25. Nov. (Eig. Meld.) Norman Da­vis, der morgen vorübergehend nach Paris reist, machte heute vormittag dem deutschen Außenmini­ster noch einen Besuch. In der neuen Besprechung dürfte nochmals die Lage vom Gesichtspunkt einer Wiederteilnahme Deutschlands an der Abrüstungs­konferenz besprochen worden sein. Irgendwelche Veränderungen sind nicht zu verzeichnen. Der deutsche Außenminister reift im Laufe des morgi­gen Tages nach Berlin zurück. Der genaue Zeit­punkt feiner Ankunft in Berlin steht noch nicht fest. _______

Der Preußische Staatsrat beauftragte feinen Präsidenten, eine Klage vor dem Staatsgerichtshof zur Klarstellung der Verfasfungsstrettigkeiten zwischen Preußen und dem Reich einzuleiten.

tive Urteile nicht möglich sind.. Damit wäre dann ebenfalls das Schicksal des neuen Reichstags befie- gelt. Denn man müßte damit rechnen, daß sofort die alten Diktaturpläne wieder auftauchen, und daß man rücksichtslos Zur Auflösung des Reichstags schreiten würde, wenn er sich in eine scharse Optio* sition zur neuzubildenden Regierung stellen würde.

In der Wilhelmstraße ist man am Donnerstag abend, wie üblich, besonders optimistisch. Man rechnet dort sogar schon mit einer neuen Beauf­tragung des Herrn v. Papen, von dem persönlich allerdings der Wunsch schon immer bekannt war. daß er gern wiederkehren würde in einem neuen Präsidialkabinett, daß er auch alles, was in seinen perfönHcben Kräften stand, tat, um eine Rückkehr vorzubereiten. Wir nehmen dazu nicht Stellung.

Für das Zentrum und wohl auch für die Bayerische Volkspartei können tott er- klären, daß jetzt in dieser toternsten Stunde das deutsche Volk erst recht nicht enttäuscht werden darf. Trotz allem muß die Sammlung bet Kräfte erneut versucht werden, nachdem Adolf Kitter diesen Versuch niemals ernsthaft ge- macht hat, sondern vermutlich auf Umwegen zu Auffassungen zurückkehrte, deren Aussichtslosigkeit m der Verwirklichung er aber hätte einsehen müssen.

Niemals das stellen wir ebenfalls in die­ser Stunde mit der gleichen Deutlichkeit fest lassen wir eine Rückkehr zum alten System Papen in persönlicher oder sachlicher Beziehung zu. Der alte Zu­stand kann nicht mehr wiederkehren. Das deutsche Volk will kein Kabinett der großen Worte, das die Parteien, die Sammelstätten des Volkswil- len, verhöhnte und beleidigte. Es will ein Kabi­nett, zu dem es Vertrauen hat, das alle erforder­liche Rücksicht auf die Krankheit und Not des Vol­kes nut allen ihren Folgen nimmt. Wir wollen ein Kabinett reinster Sachlichkeit und Gerechtig­keit, ein Kabinett der Versöhnung und des Ausgleichs, ein Kabinett, das engste Ver­bindung mit dem Volke hat.

Es ist anzunehmen, daß im Mittelpunkt der an­derorts erwähnter Besprechung des Reichsprasl. deuten mit dem Führer des Zentrums die lieber» legung gestanden hat, ob nach dem Ausgang der Verhandlungen der letzten Tage noch eine Jlcög» lichkeit für eine Mehrheitslüfung gegeben ist. Es ist wahrscheinlich, daß Professor Dr. Kaas nun­mehr mit verschiedenen Parteiführern tn Fühlung tritt. Eine Fortsetzung der Aussprache mit dem Reichspräsidenten ist für Freitag bereits vorge- sehen.

Noch einmal betonen wir, daß Zentrum und Bayerische Valkspartei alle Kräfte daransetzen wer­den, um jene Lösung der Regierungskrise herbei- zuführen, bie wir nicht nur im mnerpolittschen, sondern gerade jetzt tm außenpolitischen Interesse dringend nötig haben. Es geht setzt wahrhaftig nur noch um das nationale Schicksal, und nicht um persönliche Macht­wünsche oder parteiistische Bestrebungen. Das Vock will die Lösung und wird sie mit seiner großen Mehrheit unterstützen, welche ihm den wirklichen Aufstieg, den sozialen Ausbau und die nationale Freiheit in der nächsten Zukunft garantieren kann. Das ist eine Forderung, die auf bie Bildung einer Reichsregierung hinauÄäuft, welche mit dem Volk rn engster Ver Hindungbleibt, und die das volle Vertrauen des Reichspräsiden­ten findet, der jetzt vor der allerschwersten Ent­scheidung steht, die er jemals während seiner Amtstätigkeit zu treffen hatte. Zentrum und Bayerische Volkspartei stehen bereit. ,

Der Standpunkt des Zentrums.