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Weiße Zähne: Chlorodont
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Nr. 270
Beilage znr Fuldaer Zeitung
23. Nove»
in den langen immer
Sobald man über die Arbeitsdienstpflicht einführen würde, bestände die Gefahr, daß die Diensttuenden sich als Lohnfchinder fühlten und es auch in Wirklichkeit würden.
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Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend': De. MC» PubL Joseph Sauer- Fulda.
Gleichzeitig sek darauf aufmerksam gemacht, daß
Montag, den 2 8. November, eine Dolksvereins-
Mrchenabend einet Zugendsplelschar.
Der Abend ist auch vom kleinsten Verein gestaltbar. Notwendig sind nur einige unbefangene, natürlich emp. findende Spieler. Gedacht ist an einen Gesellen» ebtt A Jungmännerverein. Die Bühne ist einfach.
1. Stuck: Das Legendenspiel „Bruder Lustig* in der Gümbel-Seiling'schen Fassung. Verlag Breitkopf u. Härtel in Leipzig. Spieldauer etwa 1 Stunde. — Die Eigentümlichkeit der Rollen ist in ihrem Charakter f, stark ausgeprägt, daß sie dem Spieler, der das Stück nur einmal mit Verstand richtig gelesen hat, in Fleisch und Blut übergehen. Der lustige Bruder und der um ihn ringend Sankt Peter sind vom Dichter meisterlich erfaßt.
2. Stück: Blachetta, DerSchweinehirt, Büh- i nenvolksbund Verlag Berlin Buch Mk. 1.—; Rolle je Mk. —.75. Erforderlich sind drei männl, und zwei weibliche Spieler. Spieldauer 30 Minuten. Die umworbene Prinzessin des Märchens weift ein Prinz mit seinem Angebinde zurück, läßt sich aber von dem als Schweine- Hirten verkleideten Prinzen durch seine Spieluhr fesseln und küßt sogar den Schweinehirten. Dieser erkennt aber das oberflächliche Wesen der Prinzessin und verläßt sie.
8. Stück: Blachetta, Die Zaubergeige. Bühnenvolksbund Verlag Berlin. Buch Mk. 1.—; Rolle je Mk. —.75. Im Stück 5 männliche und 1 weibl. Darsteller, Dauer 30 Minuten. Ein Geselle zieht als Handwerksbursche in die Welt. Ein Schelm aber bestiehlt chn seiner geringen Habe und bringt ihn obendrein noch vor den Richter, so daß er an den Galgen soll. Mit Hilft einer Geige aber, die ihm eine alte Frau wegen seiner Gutherzigkeit geschenkt hat, spiell er sich frei; denn wenn er die Geige spielt, muß alles tanzen," ob es will oder nicht.
Wer mit einem Schwank schließen wstl, mag statt btt „Zaubergeige' den Einakter „Jha, der Essl* von Steeguweit (Bühnenvolksbund 5 männl. Splekdch men, der auch in der Märchenart bleibt.
per. Cs hat seine besondere Aufgabe, kt ihrer Erfüllung vollendet es sich und dient dem Körper, nur in Verbindung mit dem Körper ist es lebendig und wertvoll, sonst ist es tot. So muß die Besonderheit und die Ausgabe eines Standes stets begriffen werden in der Schau aus das Ganze, aus die Schicksalsgem einschaft, die wir Volk nennen.
Bettachten wir den Kausmannsstand. Seine Aufgabe fft die Verteilung der lebensnotwendigen Dinge durch Handel und Verkauf, nicht etwa das Geldverdienen und Reichwerden. Sobald aber das Geld die Hauptsache wird, geht der eigentliche Sinn des Standes verloren, damit verliert der Stand feinen Wert und zerfällt. Oder betrachten wir den Beamtenstand. Sinn und Ausgabe ist ihm Dienst am BoU«, nicht etwa Ge- halt oder Titel. Man kann dem entgegenhakten, daß man in der Oeffentlichkeit wenig vom angedeuteten Sinn der einzelnen Stände merkt. Das mag fein; es ist em Grundfchler aller Stände, daß sie sich 'wenig um den wahren Sinn und Wert ihres Standes kümmern und desto mehr daraus bedacht sind, durch Zusammenschluß mächtig zu weren und Vorteile herauszuschlagen gerade für ihren Stand. Dieses Bestreben ist wirt- fchastlich verständlich, aber es führt unweigerlich zur Zerschlagung der Volksgemeinschaft und damit zur Vernichtung. „Die Menschen sitzen sämtlich wie die Raupe auf einem Blatt. Jeder glaubt, seins fei das Wichtigste und Beste, und um den Baum bekümmern sie sich nicht." Doch zurück zum Bauernstand. Auch wenn es gelänge, alle deutschen Bauern zu irgend einer Bereinigung zusammenzubringen, so hätten wir damit vielleicht einen deutschen Bauernverein oder einen Bauernbund, nicht aber den deutschen Bauernstand. Denn Stand besteht nur da, wo die einzelnen Glieder erwacht sind zur lebendigen Teilname an der inneren Aufgabe, am Wert des Standes. Und diese Ausgabe des Bauernstandes als Glied des Volkes heißt: du sollst das Volk ernähren! Dies Bewußtsein der einzelnen Dtandesglieder, Diener zu sein an dieser Aufgabe, wächst zusammen zum Standesbswuhffetn, und im Standesbewußtsein der Stanbesglieder richt die Standesehre, für die hinwiederum sich jedes einzelne Glied des Standes verantwortlich wissen muß.
Lohnschinderei oder Dienst?
Fünfundzwanzig Arbeltsfreiwililge schuften schweih- ttiefend. Die Siedler wollen noch vor Winteranfang einziehen, da müssen die Gräben fertig, ine Wege fr offen sein. Die Kolonne arbeitet fieberhaft. Kommen Arbeiter der Firma Bilfinger vorbei, bleiben stehen, lachen höhnisch. Einer rüst: „Na, ihr Lohnschinder!" Die gute Laune ist weg; verbissen arbeitet die Kolonne weiter. Hat er nicht doch das Richtige gesagt?
Das Gespräch zieht sich hin: Hundepfennig, Mas- senkost, Dreckarbeit, Kasernenleben, Ausbeutung. — Ein anderer: „Mensch, Unsinn. Ist doch für unsere Genossen. Was wir schaffen, kommt doch Erwerbs-
der Stube, angeblich, um den Zuschauern „einen besseren Ueberblick" zu geben. Dabei brauchte das Licht nicht einmal gedämpft zu werden, da ein in der Lust schwebender schwarzer Zwttnsfaden wohl selten die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Solche kleine Scherze sind in großer Anzahl ttn Volksgut enthalten.
Für kleiner« Kreffe fft ein improvisiertes Spiel immer von Vorteil, vorausgesetzt, daß die Spielschar aus originellen Kräften besteht, aus blut- frischen Sungens, die mit Feuer an das Werk gehen. Couplets, die auswendig gelernt und mit eingebauter Mimik gegeben werden, wirken hiergegen nüchtern. Für kleinere Kreffe fft es bedeutsam, daß di« Stimmung vor dem Spiel geweckt wird.
Anders sieht die Sache aus, wenn ein „richtiger" Theaterabend in Gang gesetzt werden soll. Auch hier spielt die Jmprovosation eine große Rolle, wenn sich nicht alles nüchtern, veremsmäßig abwickeln soll. Auf eine Bühne wird man wohl niemals verzichten können, denn ihre Vorteile kann man schlecht ersetzen. Schon weil sie geeignet fft, die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt zu konzenttieren, wird sie immer im Mittelpunkt des Abends stehen müssen. Hierbei müssen wir aber stets im Auge halten, daß die Bühne nicht nur der Ort sein muß, wo sich alles abfpielt. Man lasse hier ein wenig seine Fantasie arbeiten. Wenn zum Beispiel eine Verfolgung ober eine ähnliche hoch- dramatische Szene (besonders bei der Groteske!) plötzlich immer mehr sich dem Zuschauerraum nähert und in den Gängen und Seitenhallen des Saales ihren Abschluß findet, wird das geehrte Publikum in eine nicht geringe Aufregung versetzt. Eine solche „Annäherung an das Publikum" fft schon genug und mit Erfolg erprobt worden.
Bei den sogenannten humoristischen Stücken müssen wir immer im Auge behalten, daß Humor bleibt und
Wir spielen Theater!
Wenn graue Winternebel die Welt einhüllen weichen Flaum ihres Fantasiereiches, wenn an Abenden beim Lampenschein das Leben sich
die Groteske nicht ins Banale, ins Chaos der Ideenlosigkeit sich verliert. Diese Gefahr besteht, deswegen Dorficht! Man muß auch den ausgelassensten Humor hn Sinne einer gewissen Originalität bringen. Gerade die größten Komiker müssen sehr feinfühlend sein, soll ihr Werk den gewünschten Erfolg erzielen. Ein wirklicher „Fe«gabend" wird stets gemischt fern muffen mit einer Dosts Lebensernst, mit dem Grund- ton, daß das Theater das Leben nicht in seinen Auswüchsen zeigen will, sondern, daß das Theater durch die Groteske, durch den Humor den Alltag verklären will. Affo niemals Theater um des Theaters willen, sondern Theater, um das Künstlerische zu zeigen, soweit man dazu imstande fft; denn den Zuschauer reizt nicht so sehr eine Handlung — und mag sie noch so gut gespielt fein — als die eigentümliche Stimmung, als das, was die Handlung bezwecken will, nämlich den Menschen aus feinem müden Einerlei herausreißen und chn vergessen lasten all das, was chn zu Haufe belastet; — dieser negativen Forderung muß sich dann die poitive zu Seite stellen: der Zuschauer soll die Ideen so erleben, daß er sich an sie mit feiner Gedankenwelt verschwendet, mit anderen Worten, daß er selbst im Geiste mitspielt. Gerade zur Notzett zu lachen, das fft notwendiges Bedürfnis, es fft das befreiende Lachen eines sieghaften Trotzes, eines Zeichens, daß die Not nicht bis ins Lebenszentrum vorzudringen vermag, um dort mit eisigem Griff alle Ideale und aufbauende Kräfte zu vernichten. Affo „F e e zabe nd e"! Diese Parole darf natürlich nicht überspannt werden. Don unverwüstlichem Humor fft und bleibt immer noch ein sogenannter „Blut und Liebe"-Abend; ein Spiel von Luserke mit 7 Toten, 2 Geistern, d. h. einer davon ist ein wiedererweckter Toter. Irgendwo fft ein Loch in der Tapete und zum Beschluß sagt der einzig lieber- lebende: „Sieben Tote habt ihr nun gesehn / durch Blut und Liebe untergchn. [ Daraus ergibt sich ganze alleine,
/ die Leidenschaft zerstört die Hygieine. / Dagegen R vertrat zu jeder Zett / selbst bei dem Mord Me Sach" /Wett; / drum leb ich noch und bin gesund. / Dft 6t* Minen gingen rings zugrund. / Persönlichkeiten W* den wie di« Fliegen! / Der Objektive ist nicht tot -ff kriegen!"
Die sogenannten „Feezabende" können von yo* Gesichtspunkten aus gestaltet werden. Entweder wartet man das Publikum mit allerlei kleineren Ueberrafchun- gen auf und führt mit diesen kleinen Stücken eine einheitliche Linie durch, oder aber man stellt in den Mittelpunkt des Abends ein größeres Spiel und gru'" piert um dieses die kleineren. Hierbei dürste es vorteilhaft sein, wenn zwffchen den einzelnen Akten kleine Intermezzos eingeschaltet werden; denn der Herr Zuschauer und die Frau Zuschauerin langweilen sich nicht gern. Man fürchte nicht, daß das Interesse an d«» „Hauptdrama" Einbuße erfährt. Wenn diese Zwischen H öfter richtig gewählt, dem Thema des Abends odet wenigstens der Stimmung nach verwandt sind, ist ei!1 Auseinaicherreißen des „großen" Spieles nicht zu fürchten. Die Haupffache fft und bleibt natürlich, Ml die Leute aus dem Lachen überhaupt nicht herauskom- .. men, oder, wenn wir uns wesentlicher ausdrücken len, daß der Zuschauer immer mehr fein altes Ich vergißt und dem Ideelle-« lebt, auch dem Ideellen humoristischen Stücke, die solcher Aufgabe dienen, M nicht immer leicht zu finden. Aber auf alle Fällt | müssen wir vermeiden, jene geift- und gemütloseff Burlesken aufzuführen, deren ganzer Sinn aus zufan^ menhanglosen Clownszenen besteht und deren ©prod)* H sich von den gewöhnlichen Sfraßenjargon wenig unt^* scheidet. Schon oben habe ich betont: eine gewM | Vornehmheit muß aus jedem Spiel sprechen, imm» aber ist die Vornehmheit der Gesinnung Voraus setzung.
mehr der Romanttk, dem Zauber mythologischer Gestalten zuwendet, wenn in solchen Dämmerstunden unser Leben selbst ein Zauber zu sein scheint, ein Dornröschenschlaf, dann erwacht das Interesse, diese Welt auch bar- zustellen, ander« Menschen mit diesen entwirklichten Handlungen zu erfreuen, ja mit hineinzureißen in diese Sphäre beglückender Selbsttäuschungen, nein, nicht nur in die Welt der Selbsttäuschungen, sondern in die Welt, die von der Schwere der Erde befreit, als beseligender Friede sich ausspannt über alle, die in ihren Bannkreis fliehen, sich hineintauchen in ihre starke, diesseits- bejahende Gedankenflut, die dem Spiele entftrömt.
Ein anderer Gedanke, der zum Spiele drängt, fft der, daß wir verpflichtet sind, das Erbe, das uns von unseren Vorfahren überladen ist zu wahren, und nicht nur das, sondern auch weiter auszubauen, zu vervollkommnen. Ich denke hier an die Sagen und Schwänke, die sich von Mund zu Mund fortpflanzten. Improvisatoren geht solches an! Ebenso sind hier die Zauberkunsfftücke nicht zu vergessen, jene mit den einfachsten Kniffen und Mitteln heroorgerufenen Ueberraschungen, die den stärksten Effekt erzielen können. So erinnere ich mich o» einen alten Mann, der unter unsäglichen Beschwörungen, mohammedanischen Gebeten und Zeichen zwei Puppen spielen ließ. Dieses Experiment — der Zao- berftab spielte immer eine gewichtige Rolle! — setzte das Publikum immer in höchste Spannung, besonders, ha seine Vorführungen einer stark geheimnisvollen Not« nicht entbehrten. Und wer kam schließlich auf den Kniff? Selten ahnte einer der Zuschauer, daß die Puppen an einem Zwirnsfaden baumelten, den der Zaubermeister an den Hosenbeinen unterhalb des Knies befestigt hatte. Der Alte sah stets in der Mitte
Ist das nationale Würde? wozu sich deutsche Nationalsozialisten in ihrer Ssfih^_ Nachahmung der italienischen Faschisten hergebe^** wer wagt es, Südtirol preiszugeben?
Am 28. Oktober wurde in Italien der xehn» Jahrestag des berühmten Marsches Rom durch rauschende Feste begangen. Auch im X* tretenen Südtirol wurden derartige Feiern oeranftn#? 1 Besonders auffallen mußte es in der Südtiroler B o z e n, daß an dieser Feier deutsche und öfterretoif*, Nationalsozialisten in ihrer charakte^ stischen Hakenkreuzuniform teilnahmen bei muß man bedenken: Die Feier fand statt am 6iZ gesdenkmal der Italiener, das auf den Steine» errichtet ist, welche die Bozener selbst dort zum Ehren, mal für die österreichischen Kaiserjäger berettgestellt tat- ten. Das Denkmal stellt unter anderen neben einer Christusfigur den berüchtigten Verräter Cesare Batti« und zwei andere Verräter der österreichischen Sache bar ist also in jeder Weise ein Hohn für die alten Oesterreh cher. Tausende derselben haben darum das Denkmal nach nie befreien oder im Innern bestchttgt. Ebenso waren viele Bozener am genannten Feiertag ausgeflogen, um nur nicht Zeugen der faschistischen Feier fein zu müssen. Ausgerechnet deutsche Hitleranhänger dagegen konnte!, es sich nicht verkneifen, bei dieser Feier mitzuwirken. Hatten sie wirklich keine andere Möglichkeit, ihre äffisch« Verehrung für den Faschismus besser zu beweisen als durch eine Herausforderung jedes ehrlichen Deutschen?
Wir haben Gottseidank noch einen Bauernstand im deutschen Vaterland. Zwar ist er nicht mehr so stark wie einst, da die Mehrzahl des deutschen Volkes Bauern waren. Immerhin gehört noch ein gutes Drittel aller deutschen Menschen zum Bauernstand, etwa 24 Millionen sind es. Die Zahl der deuffchen Bauern hat sich in den letzten 50 Jahren stark vermindert durch das Aufkommen der Fabriken. Es scheint aber, als ob sich der deutsche Bauernstand, auch rein zahlenmäßig befrachtet, in Zukunft wieder etwas heben würde, nicht zuletzt auch durch die Siedlung, der immer noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Als Deuffchland von einem Ackerbauland zu einem Industrieland wurde — das war in den letzten fünfzig Jahren — da wurde naturgemäß der Bauernstand etwas vernachlässigt, weil man glaubte, die Zukunft unteres Volkes und Vaterlandes läge in der Industrie. Diese Einstellung erreichte ihren Höhepunkt etwa 1928. Die eintretende Weltwirtschaftskrise und die deutsche Arbeitslosigkeit räumten sehr schnell auf mit dem Traum von den unbegrenzten Möglichkeiten, die in dem immer forffchreitenden Ausbau Deutschlands zu einem Fabrikland gesehen wurden. Seither fft man wieder anderer Ansicht geworden über die Zukunftsbedeutung des deutschen Ackerbaues und des deutschen Bauern, in einem kurzen Zeitraum ist man von der Unterschätzung zur Wertschätzung, teil- weffe auch zur Ueberschätzung gekommen, und der Bauer, von dem ftüher in der Oeffentlichkeit selten die Rede war, sieht sich auf einmal int Mittelpunkt einer eifrigen Erörterung im öffentlichen Leben. So mag es angebracht fein, daß sich jeder einzelne Bauer als Glied seines Standes besinnt auf den tieferen Wert und die besondere Aufgabe seines Standes, um fo die Grundlage und Sicherheit zu gewinnen im Strudel der aufgeregten Zeit.
Jeder Stand hat im Volksganzen feine besondere Ausgabe, und diese Aufgabe fft nur zu sehen und zu verstehen vom Volksganzen her, nicht vom einzelnen Stand. Mtt anderen Worten: der Stand ist um des Volkes willen da und nicht das Volk um des Standes- willen. Höher als die Wünsche und Ziele des einzelnen Standes steht das Wohl und Wehe der Volksgemeinschaft. Ein Stand ist wie ein Gliedam Kör-
Vom Windthorstbnnd.
Eine straffere Organisation und Zusammenfassung der Bünde ist notwendig. — Die fragenden Pfeiler der Ge- samthewegung sind nach wie vor die einzelnen Bünde.
Der Reichsoerband der Windihorstbünde ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Mehr als 1000 Sünbe mit über 35000 Mitgliedern wurden bei der letzten Zählung festgestellt. Rach diesem Anwachsen ist eine Durchorganisation des Reichsverbandes notwendig, um eine systematische Erfassung und Betreuung des letzten Bundes und des letzten Mitgliedes zu ermöglichen. Die straffe Organisation ist auch deswegen notwendig, da vielfach eine feste Parteiorganisation des Zentrums und bei vielen älteren Parteimitgliedern sogar das Verständnis für die Notwendigkeit einer der Zeit angepaßten Or- ganisationsform fehlt. Hier muh die junge Generation einfpringen und wenigstens das katholische Jungvolk in eine klar aufgebaute Organisation gliedern.
Rach wie vor sollen ober die einzelnen Bünde sich möglichst selbständig entwickeln. Sie bleiben die fragenden Pfeiler der Gesamtbewegung. Das ist natürlich nur möglich, wenn der Bundesführer eine energische, zielbewußte und opferfreubige Persönlichkeit ist.
Daraus geht bie Notwendigkeit einer intensiven Führerschulung hervor. In Zukunft gehen deshalb jedem Bundesführer die sogen. „W. B.-F ü h r e r b r i e f e" von der Reichsgeschäftsstelle za. Diejenigen Bünde im ®au Fulda, bie seither noch keine „Führerbriefe" erhalten haben, mögen sich umgehend an ben Bauführer wen- ben.
Der Führerfchulung sollte auch die in der Zeit vom 11. bis 18. Dezember in Fulda vorgesehene Arbeits- togung dienen. Leider muß sie bis nach Weihnachten verschoben werben, ba bie gewonnenen Referenten durch di« pokttischen Ereignisse in Berkin feftgehalten werben. Die Bundesbrüder unb alle Interessierten mögen aber schon jetzt bie 5 Mk. zusammensparen, bie für die Woche von jedem Teilnehmer erhoben werden müssen.
Wetterhin mögen die Bünde, die in diesem Jahre ihre Hauptversammlung noch nicht abgehalten haben, dies noch vor Wechnachten tun und dem Gauführer rechtzeitig Mitteilung machen, damit er an ihr teilnehmen kann.
Glaube niemand, daß die Arbeit schon getan ist. Jeder weiß, wie groß die Gefahr der Unterdrückung des christlichen Elementes in Deuffchland ist und jeder politisch eingestellte Mensch muß fühlen, daß der Kommunismus das notleidende deutsche Volk als Beute wittert. Unsere große Aufgabe kommt erst noch. Machen wir uns stark, damit wir nidyt zu leicht befunden werden. Un- fer Ziel fft ein freies, großdeutfches Reich, in dem alle deuffchen Stämme gleichberechtigte Glieder und alle Stände gerecht behandelte Mitarbei- ter sind. In diesem großdeuffchen Reich wird für den preußischen, engstirnigen Militarismus kein Platz mehr fein.
lösen zugute. Wer könnte denn sonst von denen ein Häuschen bauen?“ — „Egal, Wurscht — der Staat soll's zahlen. Recht haben sie, wir sind Lohnschinder. Morgen hau ich ab, geh stempeln, was soll ich mir für ein paar Pfennig« die Hände schmierig machen!" Die Kolonne wird unruhig, der Arbeitsgedanke wird langsam zu Tode gefaulenzt. Da kommt der Lagerführer. Ein junger, frischer Kerl aus einem Bund. Er hat selbst bei den ersten Lagern von der Pike auf gedient, kennt Freud und Leid der Jungen. „Was fft los, wer fft unzufrieden?" Der mit den roten Haaren tritt vor. „Die von Bilfinger haben recht, wtt sind doch Lohnschinder!" — „Ihr habt den Sinn des Arbeitsdienstes nicht begriffen", gibt der Führer zurück. „Vorläufig fft es ein freiwilliger Dienst. Wer von Euch fft gezwungen worden, Schaufel und Spaten zu fassen? Eigener Wille trieb Euch hierher; Ihr wißt diese arbeit fft Dienst. Dienst wird nicht im Stundenlohn bezahlt. Die wichtigsten Lebensbedürfnisse werden gewährt. Wir haben die Wahl, die Hände in den Schoß zu legen, uns auf dem Arbeitsamt hermnzu- drücken, zu verhungern und zu verkommen, oder aber einen Wert zu schaffen, unsere Kraft an,zuwenden und den inneren und äußeren Menschen leben zu lassen. Gewiß, unser Leben fft hart, aber es fft nicht sinnlos. Wir arbeiten hier für eine Ausgabe, mir helfen älteren Arbeitslosen und ihren Familien ein Heim schaffen, das sie sich ohne unseren Kameradschaftsdienft nicht leisten konnten. Ist das unrecht? Usberlegt's Euch! Aber wer unzufrieden fft, lege die SchausÄ aus der Hand."
Es war dann ein langes Schweigen. Wer eine Hacke und Schaufel nach der anderen fuhr wieder in die Erde unb eilte die verredete Zeit einzuholen. Unb erst nach geraumer Zeit — längst war ber Lagerfiihrer wieder gegangen — murrte einer: „Er hat recht, es fft freiwilliger Dienst."
WM Obländer.
tagung in ber Harmonie zu Fulda abaehnu Die Referate laufen: Die heutige Gestaltung d' Mlen Frage und die Antwort von Fasck -m„- “5 schewismus" unb „Die soziale Frage unsrer 1 unsere Antwort: bie berufsstänbische Ordnung - gungsleiter ist ber Leiter bes „Instituts für unb Wirtfchastsorbnung an ber Zentrale he« m -ins" in München-Gladbach, Dr R ommen$$
Die Fabrik.
Wie ein steinern Ungeheuer Liegt sie da am Rand ber Stadt; In ihr loht ein zehrend Feuer, Gähnt ein Rachen, Nimmersatt!
Hebel fallen, Räder schwingen, Wagen rollen her und hin;
Hände greifen, Füße springen, Und das Hirn sinnt nur Gewinn.
Burschen stehen an ben Bänken, Mädchen hocken im Kontor;
Keines darf an Siebe denken. Steht der Lenz auch vor dem Tor.
Lenz darf nicht den Eintritt wagen In dies Meer von Erz und Stein;
Hämmer würden ihn erschlagen, Menschen seine Mörder fein.
Und fo liegt das Ungeheuer
Der Fabrik am Rand der Stadt;
In ihr loht ein zehrend Feuer, Gähnt ein Rachen, nimmerfatt!
A. Glietz, Holzharffen
Vanernkurftrs in Bad Soden
vom M. bis 16. Dezember.
Unter Mitwirkung bes zuständigen Fachreferenten an der Zentrale des Volksvereins, Herrn Dr. Eg. Schneide r, findet vom 11.—16. Dez. im Marienheim zu Bad Soden ein Bauernkursus des Volksvereins statt. Die wichtigsten Fragen des kulturellen und wirtschaft- lichenLebens auf bem ßanbe sollen in Vortrag und Aussprache behandelt werden. Die Teilnahme am Kurse ist kostenlos; für die Verpflegung berechnet die Hausverwaltung pro Tag 2 Mk..; Naturalien wie Butter und Eier unb auch Brot, nicht aber Fleischwaren, werben unter entsprechender Verrechnung in Zahlung genommen. Für bie Teilnehmer aus weiteren Bezirken im Alter von minbeftens 25 Jahren kann aus vorhandenen Mitteln ein Reisezuschuß gewährt werben.
Anmelbungen zur Teilnahme gehen an den Leiter bes Kursus, Kaplan Schmand, Mittelkalbach, Post Neuhof, Kreis Fulda; an die gleiche Adresse sind auch die Bewerbungen um den erwähnten Reif egeldzu- ch u ß zu richten; dabei ist ber selbst geschriebenen Bewerbung bes Jungmannes auch ein selbst geschriebener Lebenslauf beizufügen.
Sicher werden eine ganze Anzahl Jungbauern aus dem Leserkreis bes „Blatt ber Jugend" ber Ein- labung folgen. Wir haben bas Programm ber Tagung gesehen unb glauben, daß bie Teilnehmer reichen Gewinn mit nach Hause nehmen. Wenn bas Bauerntum erstarken will, müssen bie Besteh aus ihm sich so schulen, daß sie genügend Kenntnisse und eine geistige Bildung besitzen, ohne bie ein Führer ber Verantwortung nicht gewachsen tft
vom Sinn nnd Verl des Bauernstandes
I. Was ein Stand ist nnd was zn ihm gehört.