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NILS

20. Aoyember

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Ar. 268

Nun ist Johannes schon sehr alt.

Der Schnitzer Johannes

von

Zeitgenössisches Porträt Varuch Spinozas.

Sie mir nicht böse, aber ich

viel gelernt, aber von ihnen. Rings-

Regen und Sonne aus, wie Als im September der Ab- Bauern die Tiere, waren zu» der noch ein Kind war, und in der Welt ganz allein stand, die er ihnen tat, willig und

Steinhaufen, den er sich geschleift hatte, und hielt der Herrgott sie schickte, trieb begann, prüften die frieden mit dem Schäfer, fütterten den Jungen, der durch für allerlei Dienste,

das ehr- Ho- wie ihm

Von Michel

Mit zehn Jahren hütete er schon die Schaf« des Dor-

B e ck er.

Efeu der alten Pfarrei sang. Wie ein Reh setzte Mädchen die Schritte, als sie zum Sdjäfer kam, der fürchtig aufstand und verlegen an seinem ledernen sengurt zerrte. Als sie ihn ansprach, wurde er rot eine Junitomate. Da lachte die Fremde und gab

Brillen und Gläser für Fernrohre schleifend, daß er von dem Glasstaub die Schwindsucht bekam und schon mit 45 Jahren starb. Was hatte er getan?

In einer Gasse des Amsterdamer Ghettos war er ge­boren von portugiesischenMarranen", d. h. jenen un­glücklichen Juden, die zwangsweise getauft, doch um ihres Glaubens willen in die Niederlande flohen, um hier wieder streng nach dem Gesetz« des Talmud le­ben zu können. Schon hatten seine Lehrer, die besten Rabbinen seiner Zeit, in dem scharfsinnigen Jungen die künftige Säule der Synagoge" gesehen. Doch nicht dazu sprach dieser Spanisch, Hebräisch, Holländisch, La­tein, Französisch, Italienisch. Mit den Ideen der abend­ländischen Philosophie, der Mathematik und neuen Phy­sik überflog er vielmehr die Gehege des Ghetto. Jün­ger des Cartefius, um nur den berühmtesten seiner Meister zu nennen besuchte er nur noch so lange, als sein Vater lebte, die Synagoge. Dann versuchte man vergeblich, ihn mit Geld zu bewegen, sich wenigstens äu­ßerlich jüdischem Speisegesetz und Ritual zu fügen. Ge­wiß, er wollte keinem Stein des Anftoßes werden: Streit ist mir in der Seele verhaßt" aber sein Ge­wissen war zu ehrlich. Und als Schwester und Schwa­ger denAbtrünnigen" um sein Erbteil bringen woll­ten, das Gericht gleichwohl ihn schützte, überließ er Hab und Gut den lüsternen Pharisäern fteiwillig, bis aus sein eines hartes Bett. Einen Ruf an die Uni­versität Heidelberg schlug der Hungernde aus, um die, die ihm großzügig Lchrfreiheit zusicherten, nicht in Verlegenheit zu bringen. Nur einmal reckte der Held sich sichtbar auf, Moses gleich die Götzenkälber zerstö­rend: Als Jan de Witt, der Leiter der holländischen Politik und sein Freund, verfehlter Maßnahmen we- gen ermordet wurde, da wollte Spinoza den Bewoh­nern des Haag auf einem Plakat an den Häuserwan» den erklären, daß sie die niedrigsten aller Barbaren seien. Nur weil der Hauswirt den Zornigen einschloß, oerfiel er nicht der allgemeinen Dolk-wut. Von allen verlassen, fand dieser Held der Wahrheit endlich Zu­flucht nur bei den wiedertäuferischen Collegianten, in

immer sehr froh.

So ging ein Jahr um das andere über das Dorf fort, Saat wurde geworfen und Ernte geschnitten, ugb Johannes verstand längst schon das schwere Geschäft des Scherens. Einmal, als der Sommer den Himmel wie ein blaues Glas über das Land spannte und die Ler­chen ihre jubelnden Tage hatten, kam aus dem hohen Tore, durch das der Weg aus dem Wald in das Dorf läuft,' ein singendes Mädchen. Der Schäfer von Schö­nau wandte den Kopf und dachte bei sich, daß di« kleine Muttergottes vom Blumenaltar der Kirche von einer Wanderschaft heimkäme, auf die sie sich begeben hätte, um auch einmal etwas anderes zu hören als die Klagen der Bauern und das Orgelspiel des Küsters, der alt war und sich auf die Tasten nicht mchr ganz richtig ver­stand. Des Mädchens Gesicht erinnerte Johannes an Milch und Rose. Und in ihrem Lied war etwas von der Stimme der Nachtigall, die jeden Juni nachts im

sich nicht mit Denken; überlassen Sie alles mir!"

Er hatte ihre Hände ergriffen. Lilith war blaß ge- worden. Sie sah ihn mit Augen an, in denen Sorg«, Unruh«, Angst, Ratlosigkeit zu lesen waren.

Er sprach beruhigend auf sie ein, und bann hastete er fort, hin zu feinem Hause.

Er sprang die Treppe empor, trat ins Zimmer, riß den Schlüssel aus der Tasche, sperrte den Soffer auf, sei- nen großen, festen Kabinenkoffer, in dem er den grünen Schal verwahrte. Und dann faß er am Tisch und breitete die Teile vor sich aus. faltete das vorhin in dem goldenen Kästchen gefundene Restchen auseinander und fügte es zwifchen die anderen Teile ein. Der Schal war nun voll- ftädig.

Er riß die Tür auf und rief nach Li-Den.

Als der Chinese vor ihm stand, faßte er ihn mit beiden Händen an den Schultern.

, Tu l-aft die Wahrheit gesagt! Das goldene Kästchen das Mrs. Shelton besitzt, war nicht leer. Sprich, sag« mir alles! Was lag in dem Kästchen? Du weißt es!"

Li-Den schüttelte den Kops:

Nichts weiß ich, Mr. Bollander. Werden Sie uns nun behalten, nachdem ich recht gesprochen Haber"

Wie konntest du wiifen, daß das Kästchen plötzlich etwas birgt, und willst doch nicht wissen, w a s es birgt!"

Ich weiß es nicht!"

,Weiß es Wung?"

Wung hat nie etwas von Rung--Sans Geschenk gehört."

Und der andere, der oyne Namen, der bei dir ist?"

El weiß von nichts."

.Rufe ihn!"

Mr Bollander, er weiß uhts."

Ich sage dir: Rufe ihn!"

Li-Yen lief davon. Bald kehrte er mit dem andern zurück. Jörgen Bollonder mutterte prüfend diesen Men­schen. Er sah wieder das entstellt« Antlitz, sah in zwei Augen, die in die Weite irrten, in unbewegliche Mienen.

Wie heißt du?"

Ich habe keinen Namen."

Sage lieber, daß du deinen Namen nicht nennen willst! Was hast du verbrochen, daß du deinen Namen verheimlichst? Fürchtest du, die Nennung deines Na­mens könnte dich an den Galgen bringen?" ___

die Hand.

Sie kam aus der großen Stadt und erzählte ihm dem Loben zwischen den Mauern. Johannes hörte ihr zu, dann mußte er ihr die Tiere heranlocken, die Nck» men der Pflanzen nennen und seine ganze Weisheit auspacken. So ging der Tag um. Ms der goldene Hahn auf dem Kirchturm von der Abendsonne sich ein rotes Wams spinnen ließ, gab das Mädchen Johannes einen Kuß urtb ging aus das Tor zu, durch das der Weg aus dem Wald in das Dorf läuft.

Dann tarnen traurige Tage.

Der Schäfer, der immer dem Dorf zugewandt saß, mochte die schillernden Moosdächer nidjt mehr sehen, sondern schaute vom ersten Licht bis zum letzten immer nur in den Wald. Er verlernte das Lachen darüber, und seine Gedanken, die sonst immer fröhlich gehüpft waren, betonten sehr träge Schotte. Unten klang schon bas Schleifen der Sensen, mit denen di« Schnitter ringsum im Feld standen, als Johannes mit einem Holunderaft in der Hand auf seinem steinernen Thron saß. Ohne, daß er es wollte, begann er mit seinem Taschenmesser an dem Holz zu schneiden, bis er allerle- Formen zuwegs brachte: Tiere und Bäume und vieler- lei Zeug. Das machte ihn ftoh. Als er so eine Woche geübt hatte, kam ein sehr großes Fest, das er nicht mchr vergessen hat. Das war ein richtiger Sonntag. Vor dem Läuten zur Frühmesse suchte Johannes sich «in Buchenholz, schälte die Rinde davon und begann feine Arbeit. Um Mittag, als der Dust des Gebratenen dick in der Lust lag, war das Figürlein schon ansehü-

beren Gott hingegebenen Sektenzirkeln sich auch ein Rembrandt wie Angelins Silefius bewegte.

Ein solches Heldenleben bedeutet uns heute mehr als die Ideen, für die es hingegeben wurde. Gewiß, ohne die Philosophie Spinozas wäre ein Goethe gro­ßenteils undenkbar, von den Meine An: Jakob, Herder (feiner Kuliurphilosophie), Schelling, Fichte, Schleier­macher, Hegel ganz zu schweigen, in deren Denken er ebenso einging wie in das Lessings, dessenErziehung des Menschengeschlechts", bis in die Formulierungen hinein demHistorifch-Politiichen Tractat" Spinozas entnommen' ist. Gewiß, auch die französischen Philoso­phen verehren ihn heute als die größte Kraft um die Worte des Stimmführers Victor Selbes zu brau­chenmit der jemals bis zum heutigen Tage ver­sucht worden ist, die wesentlichsten theologischen Ideen mit den Tendenzen des modernen Gedankens in lieber- einftimmung zu bringen"; während der Bolschewismus (unter dem Einfluß Plechanows und Lenins) den Mar­xismus über die Philosophie Feuerbachs auf Spinoza zurückführt Doch mag dieser Ideenreichtum Spinozas weltweit gewirkt haben, mag's insbesondere seine ltaatspolitifche Lehre von der Souveränität des Volkes durch Vermittlung Rousieaus zu den Grundsteinen der modernen Demokratie gehören, all diese Ideen kön­nen unser Leben nicht so befruchten wie das heroische Vorbild dieses frommen Menschen, der nur eines kannte und wollte: Gott lieben und der Wahrheit die­nen.

Wir rühmten uns, im Zeitalter der Sachlichkeit zu leben, wenn uns aber jemand die Geschichte erzählen wollte:Es war einmal ein Mann, der war so sach­lich, daß er verbot, sein Hauptwerk mit feinem Namen erscheinen zu lassen ..." dünkte uns das nicht ein Märchen"? Und nun gar, wenn die Selbstloligkeit dieses Mannes in dem Bekenntnis gipfelte:Wer Gott wahrhaft liebt, wünscht nicht, daß Gott ihn wieder­liebt!" Ms Goethe diesen Satz Spinozas las, legten .sich die Stürme feiner Leidenschaft; tiefer Fried« um> gab ihn. Dr. Winfried Bauer.

von Jngeborg Bergners Schal!"

Frau Lilith faßte hastig zu und nahm das Stückchen grüne Seide aus dem Kasten.

Was soll das fein? Ein Stück von dem grünen Schal, dessen eine Hälfte Sie auf demTushintang" und dessen andere Hälfte Sie in dem ausgebrannten Boote auf dest Jangtsekiang fanden?"

Er hob die Hände:Geben Sie!"

Seine Finger hielten den Stoff. Er flüsterte:

Jngeborg Bergners Schal! Der Weg das soll der Weg fein. Liü-Fu-Tang sagte mir das voraus!"

Er starrte die junge Frau an, lange, prüfend. Seine Blicke saugten sich an ihrem Antlitz fest.

Er krampfte die Hand um das Restchen grüne Seid«.

Ich Kitte Sie, Frau Lilith, ich flehe Sie an: Schwei­gen Sie über dies Erlebnis jedem Menschen gegenüber, sagen Sie Shelton nichts, gestehen Ei« nicht, daß Sie tiroas m diesem Kästchen fanden! Es es ist dringend "ötig, daß Sie schweigen. Es könnt« gefährlich für die fein, zu reden. Versprechen Sie es mir! Sie wer­ben zu keinem Menschen ein Wort sagen. Dies Er- lebnis muß zwischen uns bleiben, es muß unser Ge­heimnis sein."

Er hatte sich erhoben:

»Ich muß fort! Seien

wuß heim, ich muß schreiben. Und hoffen Sie! Lilith, vielleicht bin ich es, der Ihnen helfen kann. Aber nein, lieber nicht hoffen! Und grübeln Sie nicht, quälen Sie

Er hat bei feinen Schafen nicht er hat sich auch nicht fortlocken lassen um in allen Dörfern des Landes steht auf braunen Kommoden und eichenen Schränken, neben den Betten ber Alten und über der Schlafstatt der Kinder überall eine kleine lachend« Muttergottes aus Buchenholz. Die schnitzte der greise Schäfer von Schönau. Wo ein Paar ans Heiraten denkt das ist [eit vielen Jah­ren schon so macht es zuerst den Weg auf den Hang zu dem einfältigen Greis und sitzt dabei, wenn er die Mutter des Herrn ins Holz konterfeit und dabei er­zählt, daß er sie selber gesehen hat, als er noch jung war. Er zeigt jedem, wo sie gesessen hat und sagt auch, daß sie ihn küßt«. Dann lachen die Burschen zwar oft, ober die Mädchen glauben daran, denn wie sonst könnte Johannes solch eine Muttergottes schneiden. Und er selbst glaubt auch daran, daß sie oben an der Pforte des Himmels steht und auf ihn wartet. Er wird einen sehr leichten Tod haben, dieser Schäfer von Schönau.

fes, weil die Schönauer Bauern zu arm waren, um einen richtigen Schäfer zu halten. Er faß in dem grü­nen Hang zwischen dem Dorf und dem Berg, der einen uralten Wald trägt. Aus den Kirchtürmen kamen ber Gesang der Glocken und der silberhelle Stundenschlag zu ihm heraus und sagten die Zeit an; aus dem dunk­len Dom der Bäume perlten die Dogellieder zu ihm herunter. Sonst war nichts um ihn als die weißwolli­gen Tiere und der leife Sang der Bienen, die über den Blumen schaukelten. Johannes hockte auf dem grauen wie einen Thron zufammen-

Sie werden Geduld haben müssen, Mr. Bollander." Fort! Geht! Oder halt! Li-Yen, ein Brief! Du wirst mir noch einen Brief an Mr. Liü-Fu-Tang besor­gen!"

Er setzte sich an den Schreibtisch und warf einige wenige Zeilen auf dar Papier.

So! Aber ich rate dir, mich nicht zu betrügen! Treibt es nicht zu toll mit mir! Ich weiß nicht, was sonst ge­schieht."

Li-Yen verließ mit dem andern das Zimmer. Jörgen Bollander aber lief ruhelos auf und ab. Er fühlte nichts mehr von der überstandenen Erkrankung. Es war alles aufgewühlt in ihm.

Es trieb ihn aus dem Haufe. Er ging in den Klub. Cfr und trank und mußte doch nicht, was er eigentlich . Er überfaß Grüße, die ihm galten, und er antwor­tete nicht, wenn einer im Vorbeigehen ihm etwas zu­rief.

Dr. Barker trat an feinen Tisch:

Was ist mit Jhnsn, Mr. Bollander? Wie fühlen Sie sich? Haben Sie Fieber?"

Er wehrt:Nein, nein! Doktor, quälen Sie mich nicht! Es geht mir gut, es fehlt mir nichts mehr Aber denken müssen Sie mich lassen! Ich habe so vieles zu überdenken."

Was ist Ihnen denn nur zugestoßen?"

Fragen Sie nicht! Vielleicht brauche ich einys Ta­ges Ihre Hilf« mehr den Menschen, als den Arzt. Ich rechne bann auf Sie!"

Er sann schon wieder vor sich hin. Der Arzt ging kopfschüttelnd weiter.

Jörgen Bollander wußte nicht, wie lange er so faß. Plötzlich stand Henry Shelton neben feinem Tisch.

Abend, Mr. Bollander! Darf ich Platz nehmen?" Bitte sehr!"

Jörgen Bollander fuhr aus seinen Gedanken auf und starrte auf den andern.

Der, ja, ber kam ihm gerabe recht! Oh, für Shelton mar er heute schon zu sprechen!

Henry Shelton erkundigte sich:So allein sitzen Sie? Tief in Gedanken, mas? Geschäfte? Oder eine Herzens­sache? Sorgen?"

Er bestellte sich Wein und berichtete:

Ich habe heute viel hinter mir. Erst die lange Fahrt,

Vor dem Winter.

Wie wird nun alles so stille wieder!

So war mir oft in ber Kinderzeit: Die Bäche gehen rauschend nieder durch die dämmernde Einsamkeit; kaum noch hört man die Hirten fingen aus den Dörfern und Schluchten; weit di« Wendglocken herüberklingen. Nur hinter dem dunklen Walde breit nod) Abendröte an den Bergesspitzen wie Morgenrot ber Ewigkeit.

Eichendorfs.

varuch Spinoza.

Au feinem 300. Geburtslag am 24. November.

«Flucht sei er am Tage und verflucht fei er bei wnÄt verflucht beim Niederlegen und verflucht beim »hXben verflucht bei seinem Ausgang und verflucht

le nem Eintritt. Gott möge ihm nie verzeihen! W 1 Nach dem Beschlüsse der Engel und dem Aus- der Heiligen, mit Zustimmung des heiligen unb dieser ganzen Gemeinde:

gönnen Verstoßen Verwünschen Verfluchen wir

Baruch b'Espinoza!"

Mt diesen Worten wurde ausgestoßen aus seiner jü­dischen Gemeinde dergrößte Philosoph" des abenb- lävdifchen Judentums", wie man ihn genannt hat Teurer Leser", sagt Heinrich Heine,wenn du mal nach Amsterdam kommst, so laß dir dort die spanische Synagoge zeigen. Diese ist ein schönes Gebäude, und bas Dach ruht auf vier kolossalen Pfeilern, und in der Mite steht die Kanzel, wo einst der Bannfluch ausge­sprochen wurde über den Verächter des mosaischen Ge- sttzes, den Hidalgo Don Benedict de Spinoza . . . Er wurde für unwürdig erklärt, den Namen Jude zu tragen. Seine christlichen Feinde waren großzügig ge­nug, ihm diesen Namen zu lassen, die Juden aber wa­ren unerbittlich, und man zeigt den Platz vor der spa­nischen Synagoge zu Amsterdam, wo sie einst mit ihrer langen Dolchen nach dem Spinoza gestochen haben". So hatte ja der Schofar, der Bockshorn-Mäser, ausge- rufen:. . . . baß niemanb nrit ihm verkehre, nicht mündlich, nicht schriftlich, niemand ihm eine Gunst er­weise, niemand unter einem Dache oder innerhalb vier Ellen mit ihm zusammen fei!"

Was hatte Spinoza getan, daß feine Glaubensbru­der ihn derart verdammten, ihn auch bei ber protestanti­schen Geistlichkeit Amsterdams verdächtigten, so baß ber Vogelfreie nicht einmal draußen in einem Dorf« leben durste, nad) Leyden, bann in die Nähe des Haag flüch­ten mußte, um endlich im Haag sein Leben zu fristen,

Ich haba keinen Galgen zu fürchten, Mr. Bollander. Eher werbe ich einen Galgen ausrichten."

Du? Für wen?"

Ich muß schweigen."

Du sollst reben!"

Einmal ja, ba w-rbc ich reden; aber heute nicht."

Warst du es, ber mir bas Gift reichte?"

Ich war es nicht, ber Ihnen Schlimmes bringen wollte"

Du stehst im Verkehr mit Sato-Khi.y bem indischen Diener von Mr. Shelton, in heimlicher Verbindung! Was hast du mit diesem Butsch:-i zu beraten?"

Nichts, was Ihnen Gefahr brächte, Mr. Bollander."

Und bei all deinen Geheimnistuereien verlangst du, ich solle dich noch weiter in mAfem Hause behalten? Das ist reichlich viel verlangt."

Es ist besser, ich bleibe in Ihrem Hause, Mr. Bol­lander."

Weshalb?"

Sie werden es bald merken."

Du verlangst Vertrauen und sprichst in Rätseln. Sage: Du hast gemußt, daß ich heute in brm goldenen Kästchen bei Mrs. Shelton etwas finden würbe?"

Ja!'

Du weißt auch, was es war, bas ich finden mußte!" Ja!"

Also du! Sage, was war es?"

Es war ein Fingerzeig, Mr Bollander"

Du brückst dich vorsichtig aus. Was war es bann?"

Des Chinesen Augen hingen an bem grünen Schal, ber ausgebreitet auf bem Tisch lag.

Warum muß ich ein Ding nennen, ba? gegenwär­tig ist?"

Du weißt auch den Weg, ben es nahm, was ich heute fand!"

Der Chinese hob bie Hand:

Mr. Liü-Fu-Tang in Wentschau wünscht nicht, baß Mr. Bollander schon heute biesen Weg kennt."

Mr. Liü-Fu-Tang! Also in feinem Auftrag bist bu hier! Was soll das? Du und Li-Y«n, ihr seid bei mir, und ihr weilt doch zu ganz anderen Zwecken in Manda­lay, als um mir zu dienen. Ich will diesen Zweck wis- jen."

Das Rätsel des Tushinkang.

Roman von Kurt Martin.

Eovvrigbt bv Verlag Neuer Leben. Bavr. Twain.

18] ---------

Er zog das Kästchen zu sich her und starrte hinein. Seine Lippen formten Worte; aber der Mund sprach sie nicht aus. Seine Hände zitterten. Frau Lilith beugte sich nahe zu ihm.

Wie geht das zu? Das Kästchen kann doch niemand öffnen. Niemand kennt den kleinen Knopf da in ber Verzierung. Wer hat das hineingelegt?"

Jörgen Bollander keuchte:

Ein Stück ein Stück von dem grünen Schal,

,jch. Am Abend von ber Kirchweih klang lustig bie Tanzmusik kniete Johannes andächtig vor seiner Arbeit, als wollte er beten. Das Mädchen war eine Muttergottes geworben, schön und jung, so wie Ma­ria von Nazareth, als ber Engel sie suchte. lieber Johannes Gesicht breitete sich ein selige« Lächeln. Jetzt brauchte er nicht mehr immer nur nach bem Walde zu sehen. Im Winter nahm er das Bild mit in feine kleine Schlafkammer neben dem Stall unten im Dorf.

Ein Becher Milch.

Skizze von Magda Trott.

Der Landstreicher zählte die Pfennige, die er sich er­bettelt hatte. Hei, es langte schon wieder zu einem zweistöckigen Korn. Der Schnaps war das einzige, was ihm das Leben noch lebenswert machte. Nur schade, daß er nicht täglich so viel zusammen bekam, daß er alle Gedanken, die immer wieder auf ihn eindrangen, ver­gessen konnte. Aber bie Gedanken ließen nicht so rasch los: fein ehrliches Handwerk, die brave, tüchtige Frau, die beiden blondlockigen Kinder. Und jetzt: Ein Land­streicher!

Die Glieder wurden ihm schwer; es war vielleicht gut, wenn er erst ein wenig am Wege rastete. An einem Wiesenrain setzte er sich nieder, er halt- ja nichts zu ver­säumen. Gleichgültig blickte er um sich; Stoppelfelder, dort drüben eine Wies«, ein kleines Gehölz, hinter dem das Dorf liegen sollte; dort, ziemlich im Hintergründe, eine Kuhherbe.

Er mochte ein wenig eingenickt sein, hastig hob er jetzt den Kopf; ein Volkslied schlug an fein Oohr, gesun­gen von einer Hellen, frischen Knabenstimme. Er sah sich um, an der Straßenböschung lag ein etwa zehnjähriger Jung«, ber blickte mit feinen blauen Augen zum Him­mel hinauf unb fang vergnügt ein Lieb vor sich hin. Er schien ben Wegelagerer nicht gesehen zu haben, der sich jetzt erhob. Etwas wie Neid beschlich den Landstreicher beim Anblick des pausbäckigen, sröhligen Jungen, der zwar ärmlich gekleidet war, bem aber die Lebensfreude aus ben Augen sprühte. Das Singen ärgerte ihn; un­freundlich rief er hinüber:Dir geht es wohl sehr gut?"

Der Knabe richtete sich aus seiner liegenden Stellung auf und schaute den Landstreicher furchtlos an. Es dauert« auch nicht lange, da waren beide im Gespräch.

Was? nichts zu tun? Achtzehn Kühe habe ich zu hüten, da seht!" Der Knabe wies auf die weidende Herde, die aus prächtigen schwarz-weiß gefleckten Rin­dern bestand.

Ja, euch geht es gut; ihr Bauersleute habt Schweine, Whe, euch wird der Braten im Topf nicht alle."

Braten," lachte der Knabe,Kartoffeln und Milch tun es auch!"

Der Landstreicher schwieg. Warum kehrte auch jetzt wieder die Erinnerung so mächtig zurück? Bei Kartos-

Schleif waren, auch verschilffene

zur kunsl-Schleiferei

Schneider

1 Heinrichstraße 65