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Zahrg. 59.

Sonntag, 20. November 1932.

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MaerZertung

Anzeiger für die Sivdk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt aCÖ im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag *vv der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

es möglich, daß Männer, die die nationale Ehre tu Anspruch nehmen, wirklich derartige Ge­danken feiger Drückeberger haben? Wir Folien es nicht glauben. Aus den Reihen der Zentrumspartei würde der mit Schmach und schände verstoßest, der so die Partei über das Vaterland und das deutsche Volk setzte.

Die Stunde Hindenburgs.

Die Parteiführerempfänge beim Reichspräßden- haben am Freitag den vorgesehenen programm- ntäfaoert Verlauf genommen. Es wurden Dr. ^uaenberg für die Deutschnationalen, Prälat Kaas Kr aas Zentrum und Dr. Dmgeldey für die Deut­sche Dolkspartei empfangen.

*

- Der kleine bewegliche Dr. Hugenberg saß am Bormitlag der wuchtigen Gestalt Herrn von Hinden- famrg gegenüber. Seine Ausführungen werden trotz der eisernen Diskretion, die aus den Parteiführer­empfängen fast eine Konklave machest, bald be­kannt. Er predigte von neuem die Diktatur als letzten Ausweg aus der Krise.

Am Nachmittag saß an derselben Stelle der Zentrumsführer Dr. Kaas, schlank, schmal und Aeich, das Gesicht von Krankheitsrunen gezeichnet, toe Mgen aber noch immer funkelnd von Geist, Beweglichkeit und scharffmmger diateklischer Kraft.

Nach ihm erschien im schwarzen Gehrock, klein, würdig und von betonter Ruhe der Führer der wieder langsam wachsenden Deutschen Vollspartet, Dr. Dmgeldey. Seine Partei hat von neuem Bedeutung gewonnen. Eine schwarz-braune Front würde durch das Hinzutreten der Deutschen Volks- partec und der Christlich-Sozialen die Mehr­heit im Reichstag erhctlten, auch ohne die Deutschnatronalen, die noch vor den Wah­len gewisse wahltechnische Bitten Dr. Dingeldeys m allzu, sicherem Siegesoptimismus zurückwiesen.

Ueber allen diesen Gesprächen aber schwebt wie eme Frage der Gedanke an den eigentlich entschei­denden Enipfang, der am Samstag in den Räumen des Reichspräsidenten stattfindet, den Empfang Adolf H rtlers durch Herrn von Hindenburg. Das Bild dieses Empfanges, an dem außer dem Staatssekretär Dr. Meißner diesmal nur die beiden letztverantwortt'chen Männer teitnehmest, steht wie eme politische Vision vor aller Augen. Was wer­den die beiden so wesensverschiedenen Männer sich zu sagen haben? Wird die versteckte Antipathie des früheren Empfanges noch einmal zwischen ihnen aufflammen? Wird Hitler mit feiner forg- fälstg vorher überlegten Rede denpsychologisch richtigen Ton" finden, der eist Echo in dem knap­pen militärischen Denken des greisen Generalfeld- marschalls hervorrust? Man steht im Gerste alle ZMm dieses großen historischen Films vor sich, teti'd), pessimistisch, nur mit sehr geringen optimi­stischen Hoffnungen. Die Gegensätze find gewaltig groß. Wie sollen die beiden so völlig anders gearte­ten Männer, zwischen denen, altersmäßig gesehen, fast die Zeit eines halben Lebens trennend liegt, Mnander finden? ',.

fe Daß von den verschiedensten Seiten eine V er - ständrgung zwischen Hitler und Hindenburg angestrebt wird, ist unleugbar. Auch die Kreise um den Reichswehrminister von Schleicher zehen w einem Ausgleich Mischen dem Reichspräsidenten und der NSDAP, die einzige Möglichkeit einer ftiedllichen Heranziehung der größten deutschen Par­tei zur Mitarbeit. Trotzdem, wie füll ste geschehen? Daß Hindenburg Hitler persönlich mit dem Reichs­kanzlerposten belehnt, gilt nach wie vor in allen gut unterrichteten Kreisen für f a st undenk­bar. Auf der anderen Seite will aber Hitler nacht em^ne seiner Unterführer in einem überpartei­lichen Präsidialkabinett verbrauchen lassen, das nicht unter nationalsozialistischer Führung steht. Eine Mitbeteiligung der Nationalsozialisten an einer Präs idialre gier ung würde die NSDAP., so argumentiert man in der Umgebung Hitlers, zum Mitschuldigen an einem etwaigen Fehlschlag des Ankurbelungsprogramms machen. Sie würde ihr die Verantwortung für neue, höchst unpopuläre Maßnahmen aufer- legen. Sie würde sie mit der Erbschaft der frühe­ren Kabinette belasten. Dagegen wehren sich noch immer die Nationalsozialisten. Sie wollen drau- ßenblerben, wenn man ihnen nicht völlig freie Hand läßt. Sie hoffen, daß der innere Ablauf des Geschehens sie früher oder später wieder an die Machtübernahme heranbrmgt. Ihre Führer sind sch einig, daß es besser ist, wenn die anderen den bitteren Kelch der Krise bis zum Ende schlürfen und wenn die NSDAP, erst entscheidend vor­stößt, wenn der wirkliche Aufschwung mit etwa OOpwzentiger Sicherheit Anfang oder Mitte des nächsten Jahres kommen sollte. Auch die äußere Politik reizt nicht zur Machtübernahme. Die Ent- wukkung in USA. ist noch immer nicht sicher. Die Weitwirtschaftskonferenz kann eine große Pleite werden. Bis dahin kann man unter Umständen anderenhineintapern lassen". Jeder, der heute außerhalb der Verantwortung bleibt, hat mehr oder weniger die Zukunft sicher.

Vernunft oder Abenteuer.

50 : 50.

. könnte fast meinen, es gäbe in Deullsch- wnd neuerdings nur noch zwei Parteien und es fit ein Stück Wahrheit dran, die eine, $en Ausgleich der Gegensätze und die ^"föhnung will um des Vaterlandes willen, "ud eine andere, die diese Versöhnung fürch- Le*,> weil sie ihre Partetinteressen beein- ??Stigen könnte. Zwischen diesen beiden Lagern wird der Kampf um die deutsche Zukunft aus- Rlvchten. Wer immer von politischen Führern ste vor eine so einfache aber folgenschwere Enr- kwung gestellt ist, dem sollte so meinen wir 1 Wahi nicht schwer fallen. Die Chancen stchen

Amtliches Ergebnis der Relchslagswahl.

Das Zentrum hat noch ein Mandat erhalten.

wtb. Berlin. 19. Nov. (Eig. Meld.) Unter dem Vorsitz des stellvertretenden Reichswahllei­ters, Geheimrat Meisinger, fand heute die öffent­liche Fesfftellung des Reichswahlausschusses über das Ergebnis der letzten Reichstagswahl statt. Es erhielten nach Verrechnung der Kreis-, Verbands­und Reichswahlvorschläge die

NSDAP. 196

SPD. 121

KPD. 100

Zentrum 71

DNDP. mit DDP. zusammen 63

Bayerische Volkspartei zusammen mit Wirtschaftspartei 20

Deutsch- Staatspartei 2

Christl. Soz. Volksdienst und Han-

, noveranische P. zusammen 6

Deutsche Bauernpartei zusammen m. d. Dtsch Landv. 3

Württembergisch. Bauern- u. Wein- . gärtn. Bund 2

Es sind insgesamt also 584 Abg.

gewählt, nach den bisherigen Ergebnissen ei new mehr, der nach der endgültigen Verrechnung dem Zentrum zugute kam.

*

Wie dazu amtlich mitgeteilt wird, hat sich in­folge Zugangs an Stimmen bei der Feststellung des endgültigen Ergebnisses in den Wahlkreisen

die Zahl der gültigen Stimmen auf 35471745. erhöht, darunter 41706 40 Stimmen für die Wahlvorfchläge der Zentrumspartei, wobei von dem in der Pfalz auf den gemeinsamen Kreiswahloor- schlagZentrum und Bayerische Volkspartei" ent­fallenen Stimmen wie bisher 60 000 der Bayeri­schen Dolkspartei zugerechnet sind. Die Zentrums­partei wird daher mit 71 Abgeordneten (nicht 69) im neuen Reichstag vertreten fein. Für die übri­gen Parteien bedeutet der Zuwachs an Stimmen keinen Mandatsgewinn. Die Gesamtzahl der Ab- geordneten beträgt nunmehr 584.

' *

Der deutsche Botschafter Köster hat am Frei­tag dem Ministerpräsidenten Herriot sein Beglau­bigungsschreiben überreicht.

Der DanzigerHeimatdienst veranstaltete am Frei­tag gegen die von Polen beabsichtigte Einführung der Zlotyzahlung auf den Danziger Eisenbahnen eine große Volkskundgebung. Es wurde eine Ent­schließung angenommen, in der gegen die Maß­nahmen Polens Protest erhoben wird.

*

In der japanischen Antwort auf den Lytton- bericht wird erklärt, daß sich die Lage des mand- schuriscben Staates erheblich geändert habe, seitdem die Lyttonkommission den Fernen Osten verlassen hat. Der Lyttonbericht könne daher nicht mehr die Grundlage für die Verhandlungen über die mand­schurische Frage bilden.

augenMckllch für und wider diese innere Versöhnung tote 50:50, meint dieFrank­furter Zeitung". Dieses Urteil kennzeichn^ die zweifellos noch vorhandenen Schwierigkeiten, bte aber da find, um überwunden zu werben. Wer wollte die Stirn haben, entgegen aller Vernunft sich mit seinem Einfluß auf die Seite der Partei zu Mägen, die die Zwietracht und die Un­ausgeglichenheit der politischen Spannun­gen zu ihrer Basis gewählt hat? Was mit dieser Entscheidung ftit Völk und Vatersand auf dem Spiele steht, ist viel zu ernst, als daß man hier m der Vergangenheit leider oft genug genährte Be- fürchtungen zur. WunMbafis phantastischer poli­tischer Pläne machen dürfte. (Germania".)

Popens Hinterlassenschaft.

Wir hören aus Berlin:

Die Vorgänge im Reichsfinanzmtntstermm. find ent großes Sorgenproblem. Nach unseren Informationen ist die Kassen läge des Rei­ches zwar augenbLcklich erträglich, aber die kurz­fristige und mittelfristige Verschul­dung ist gewaltig groß. Ein so nüchterner und sachverständiger Mann wie der längjährige Reichs- tagsabgeordnete Dr. Cremer schätzt imDemi- zet" den angenblicklichen Fehlbetrag des Reiches, abgesehen von den Fehlbeträgen früherer Jahre, auf 1,5 bi s 2 Milliarden. Bereits am 1. Oktober liefen außerdem zirka 1300 Millionen mittelfristische Reichsschatzanweisungen, davon allein 757 Millionen für Bankensanierung, 120 Millio­nen für Zinssenkung, 40 Millionen für gewerbliche Kredite, 360 Millionen für Genossenschastssame- rnng und Entscheidung. Weitere Kreditaufnahmen dieser Art sind inzwischen für die Stützung des öffentlichen Getreideaufkaufs und für die Zwecke der Agrarischen Stützungsmaßnahmen entstanden. Daneben ist das Reich mit Garantieübernahmen m Höhe von fast 1% Milliarden belastet. Aber weiterhin laufen noch Schatzanwelsungen und Kassenkredite der Länder, läuft die kurzfristige kommunale Verschuldung. Auch die schwebende Schuld des Reiches, die am 1. April d. I. zirka 1700 Millionen RM. betrug, darf nicht vergessen werden. Es ist ein schwacher Trost, wenn dem gegenüber das Relchsfinanzministerium erklärt, daß die Beseitigung dieser gewaltigen Verschuldung über fern Ressort hinausgreift undeine Gesamtausgabe der neuen R erchs - regrerung bilden wird. Diese Schulden stehen drohend und wie ein nur schwer übersteigbarer Berg vor jedem neuen Reichskanzler, vor jedem neuen Finanzmmffter oder Spar-Banken- unld Schuldenkommissar.

Reichswrrtschaftsminister Warrn bald hielt m der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft einen Vortrag über die Lage der deutschen Volkswftt- schaft, wöbe: er sich insbesondere über die gegen­wärtige Weltkrise und über Abhiffemaßnahrnen äußerte.

Der Stand der schwebenden Schuld am 31. Oktober 1932.

wtb. Berlin, 19. Nov. (Eig. Meld.) Nach Mitteilung des Reichsfinanzministeriums betrug die schwebende Schuld des deutschen Reiches am 31. Oktober 1932 1792,9 Mitt. Rm. gegen 1757,1 Mitt. Rm. am 30. September 1932.

* 12,5 v. h. Gehaltskürzung in Anhalt. Die nationalsozialistische anhaltische Regie­rung hat die Beamtenverbände vor die Entschei­dung gestellt, entweder eine Gehaltskürzung hinzu- nehmen oder sich mit der Einführung des sog. Rollsystems abzufinden. Wie wir dazu erfahren, wird es zur Einführung des Rollsystems in Anhalt kommen, wobei in acht Monaten die Ein­sparung eines Monatsgehalts erfolgen soll. Diese Maßnahme bedeutet praktisch eine Gehaltskür­zung von 12,5 v. H.

Weshalb die Aeberstürzung?

Jur neuen Notverordnung über die Abgrenzung der Befugnisse in Preußen.

Das Doppelregiment in Preußen wie es durch das Leipziger Urteil als zu Recht bestehend aner­kannt worden ist, muß zu dauernden Reibereien führen und damit auch Quelle fortgesetzter Beun­ruhigung werden. Dieser Kampf zwischen einer Regierung, die nach wie vor rechtmäßig besteht und die auch allein befugt ist, die Hoheits- rechte Preußens auszuüben und der kommissari­schen Regierung, die durch kleinliche Schikane je­derzeit diese Hoheitsrechte unterbinden kann, ist ein geradezu grotesker Zustand. Rur zwei Mög­lichkeiten gibt es, diesen Zustand, der keineswegs dazu beiträgt, das Ansehen Deutschlands zu för­dern, zu beseitigen: die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten in Preußen oder Aufhebung der Notverordnung durch den Reichstag unter einer neuen Regierung. Dabei ist das letztere Mittel das weniger gute, weil es immerhin in Preußen keine klaren Verhältnisse schafft. Man darf annehmen, daß, wenn jetzt die Regierungsbildung im Reiche durch ein Ueberein- kommen der Parteien gelingt, dann auch die preu­ßische Frage in einem günstig mitgelöst wird. So ist es wenigstens der feste Wille des Zentrums und war es bis zu der letzten Reichstagsauflösung auch die beste Absicht der Nationalsozialisten.

Trotz der sicherlich besten Absicht der alten Preußenregierung, durch weitestgehendes Ent­gegenkommen den deprimierenden Zustand einer Doppelregierung in Preußen nach Möglichkeit zu beseitigen oder vielmehr erträglich zu machen, ist das nicht möglich bei her A"ffassunq der kom­missarischen preußischen Regierung bezw. des Reichskommissars Reichskanzlers von Papen und seines preußischen Stellvertreters Dr. Bracht. Es klingt geradezu lächerlich, daß eine Regierung zu Recht besteht, die Hoheitsrechte ausübt. in Wirk­lichkeit aber beim Einsehen jedes Aktenstückes erst ihre feindliche Nachbarin fragen muß, ob das ge­stattet ist und wann es gestattet ist. Der preußi­sche Ministerpräsident hat sich deshalb beim Reichs­präsidenten beschwert und die Folge ist eine neue Verordnung, die den Verkehr zwischen der alten Und neuen preußischen Regierung regeln sott, um, wie es heißt,Mißverständnisse im amtlichen Ver­kehr auszuschließen." Wenn man diese Notver­ordnung in ihren einzelnen Teilen durchlieft, so fragt man sich mit Recht, weshalb diese lieber» stürzung, wo doch schon in Wirklichkeit der Reichs- kornissar, der dieses Durcheinander in Preußen durch seinen verantwortlichen Rat an den Reichs­präsidenten in Szene gesetzt hat, schon im Abbau begriffen ist. Will man dadurch vor aller Oeffent- lichkeit dokumentieren, daß der Kurs der Gewalt­akte sich in keiner Weise geändert hat und man hartnäckig festhält an der Diktatur der Kommis­sare in Preußen? Witt man noch vor Abgang dieses jetzt geschäftsführenden Kabinetts v. Papen auch die alte Preußenregierung mürbe machen? Oder was bezweckt man eigentlich?

Wir können nämlich nicht finden, daß diele Notverordnung eine loyale Ausführung des Leip­ziger Urteils enthält, wie sie Herr von Papen an- gekündigt und wie sie der Reichspräsident, wirk­lich vom besten Willen beseelt zugesagt hat. Bi n diese neue Notverordnung hält fest an der unbe­dingten Machtstellung der Kommissare und mutet der alten preußischen Regierung eine unwürdige Rolle zu. Ja, sie schafft direkt neuen Kon­fl i k t s st o f f. weil sie in zwei Punkten minde­stens in die Hoheitsrechte der alten Preußenregie- rung eingreift, die doch vom Leipziger Staats« gerickftshof ihr allein ctts zu Recht bestehend zu- erkannt sind. Gerade das Recht der Begna­digung gemäß Art. 54 der preußischen Ver­fassung ist eins der vornehmsten Rechte des preu­ßischen Ministerpräsidenten und das Zeichen der Ausübung besonderer Hoheitsrechte. Wie kommt

Adolf Hiller beim Reichspräsidenten.

ERB. Berlin, 19. Nov. (Eig. Meldg.) Wie wir erfahren, hat der Reichspräsident heute vor­mittag um 11.30 Uhr Adolf Hitler empfangen. Ob­wohl man den Zeitpunkt der Besprechung geheim gehalten hatte, sammelten sich schon in den ersten Vormittagsstunden Schaulustige vor der Reichs­kanzlei und vor dem Hotel Kaiserhof an. Kurz vor 11 Uhr fuhr der Wagen des Reichstagspräsi- denten Goering vor der Reichskanzlei vor, Goering hielt sich nur eine knappe Viertelstunde beim Staatssekretär Meißner auf und kehrte dann in den Kaiserhof zurück Kurz vor 11.30 Uhr er­schien Adolf Hitler in Begleitung Goerings vor dem Hotel und begab sich im Wagen in die Reichs­kanzlei. Das dafür in Frage kommende Publikum riefHeil".

Unterredung unter vier Augen.

ERB. Berlin, 19. Nov. (Eig. Meld.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat die Bespre­chung zwischen dem Reichspräsidenten und Adolf Hitler 1 Stunde und 10 Minuten gedauert. Auf der Seite Hitlers hat niemand an ihr weiter teil» genommen; sie vollzog sich zunächst zwischen dem Reichspräsidenten und Adolf Hitler unter vier Au­gen. Nach kurzer Zeit wurde dann Staatssekre­tär Meißner hinzugezogen. Der Inhalt der Un­terredung erstreckte sich auf eine Darlegung der gegenseitigen Auffassungen. Da die Besprechun­gen noch nicht abgeschlossen sind, werden sie in der nächsten Woche fortgesetzt.

Siehe auch unterLetzten Nachrichten".

man dazu, dieses Recht dem Reichskommissar zu­zusprechen? Wie kommt man ferner dazu, in dis Befugnisse des preußischen Finanz­mini st e r s einzugreifen und dem Reichskommif- far zur Beschaffung von Geldmitteln auf dem Kreditwege die Übernahme von Sicherheits­leistungen zuzusprechen.

Ohne absprechen zu wollen, daß eine Abgren­zung der Befugnisse notwendig war, glauben mir die Eile, mit der das jetzt noch geschehen ist, in keiner Weise gutheißen zu können. Vor allem aber müssen wir Sie Methode ablehnen, die mit dem Diktaturgrisfel eine Rolle wichtiger staatsrecht­licher Fragen aufwirft und das, was sie nämlich erreichen will/dadurch ins Gegenteil verkehrt, näm­lich Beseitigung einer erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

Der R e i ch s r a t stimmte der Entschließung feines Verfassimqsausschusses vom 12. d.s. Mts. mit 54 gegen 7 Stimmen zu, wonach die Auffassung vertreten wird!, daß die Maßnahmen des Reiches vom 29. und 30. Oktober über die Ein­setzung von Reichsministern ohne Geschäftsbereich weit hinausginge über diejenigen Maßnahmen, die auf Grund der Notve r- ordnung getroffen werden können.

Ministerpräsident Braun hat dem Landtag eine Mitteilung über das Leipziger Urteil nebst Entschei­dungsgründen und im Zusammenhang damit eine Denkschrift über die Vorgänge am 20. Juli 1932 und über den Verfassungsstreit des Freistaates Preußen gegen das Reich zugeleitet. Dies ist seit Monaten die e r ft e Vorlage, die dem Landtag von der Regierung Braun zugeht.

Siehe auch unterLetzten Nachrichten".

Die Gegensätze

im französischen und englischen Abrüstungsplan.

wtb. Paris, 19. November. (Eig. Meld.) Die Presse beschäftigt sich auch heute noch sehr eingehend mit dem englischen Abrüstungsplan, den Sir John Simon vorgestern in Gens dargelegt hat. Journal schreibt, der Hauptpunkt des englischen Planes sei die sofortige Anerkennung der deut­schen Forderung nach Gleichberech­tigung. Allerdings seien gewisse tatsächliche Un­gleichheiten noch vorbehalten, die erst allmählich verschwinden sollen, wenn sich die Hoffnung auf Entspannung ohne besondere Sicherheitsgarantie bestätige. Der englische Vorschlag sei genau das Gegenteil des französischen Planes, der die Her­stellung der Gleichheit erst nach Her- stellung der Sicherheit.sgarantien und außerdem in einer Reihe von Etappen vor- fehe. Dieser Gegensatz märe an und für sich schon als ernst zu bezeichnen, werde aber einigermaßen dadurch kompensiert, daß im englischen Plan die Aufrechterhaltung einiger tatsächlicher Ungleich­heiten geeignet sei, die grundsätzlichen Zuge­ständnisse auszugleichen. Am ernstesten aber sei, daß die unmittelbaren Abrüstungsmaßnahmen, die England vorschlägt, die französischen Sicherheits­reserven gänzlich ruinieren würden.

Tue Ausführungen Simons, so schließt das Blatt, entwerten gefährliche Maßnahmen.

Echo de Paris erklärt, Frankreich bestreite Eng­land nicht das Recht, feine Flotte nm acht zu erhal­ten. Aber aus welchem Grunde, fragt das Matt, wundere sich England, wenn Frankreich für sich eme entsprechende Verteidigung fordere. Im Sep­tember habe Deutschüand der Abrüstungskonferenz den Rücken gekehrt, um durch Drohungen zu er­reichen, was es durch Ueberredungen nicht habe er- Ihngen können, und London fetzte sofort die Höhe des Lösegeüdes fest. Wenn der Reich sauhenmini- ster nächste Woche tm Vöükerbundsrat erscheinen werde, dann werde er nur Liebenswürdige Gesichter vorsrnden. Man könne sich nicht wundern, wenn Japan, diesem Beispiel nacheifernd, erklären werden daß das beste MittÄ, den Völkerbund zum Kapi- tuiieren zu bringen, darin bestehe, ihm den Rückm zu kehren. ' L.»