Nr. 268
VeUage zur Fuldaer Zeitung
20. No
Das
Das war eine Einheit im Einheit in der Kraft des Be- Lehre der Kirche die eiaent- den Ursprung des Menichen-
euch zu be- werüen mit aller Weis- ihr Gottes
Glauben — eine wußtseins, daß die liche Wahrheit über lebens, über dessen
27. Sonntag nach Pfingsten.
Eingangslied: 3er. 29, 11. 12 u. 14.
So spricht der £jerr: Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Ruft mich an, und ich will euch erhören, ich will euch heimführen aus der Gefangenschaft, aus allen Ländern. (Ps. 84,2.) Du hast, o Herr, dein Land begnadet, beendet Jakobs Knechtschaft.
Epistel: Kol. 1, 9—14.
Brüder! Wir hören nicht auf, für ten und zu flehen, ihr möchtet erfüllt der Erkenntnis des Willens Gottes in heit und geistigen Einsicht, auf daß
auf die Frage: Gehöre ich zu der Welt des Untergangs? Die Frage ist freilich des Nachdenkens wert. „Freund, wenn die Liebe in dir ist wenn du in dir die Bereitschaft hast, Samenkorn zu werden für deine Familie, für deine Heimat und dein Bolk, wenn dein Mühen und Schaffen und Arbeiten und Ringen aus heiliger Liebe kommt, so gehörst du nicht dem Vergangenen, nicht dem Tode, sondern der Zukunft an, ja noch mehr: der Ewig-
ben versuchte, sich den Folgerungen eines solchen Glaubens zu entziehen oder doch auf jeden Fall so billig und so leicht wie möglich davonzukommen. Wäre es aber nicht die allgemeine lieber» zeugung gewesen, die Kirche lehre die objektive Wahrheit, wenn sie lehrt, daß .Jesus Christus Gott selber ist, geboren vom unendlichen Gott Vater von Ewigkeit her, und zugleich wahrer Mensch, geboren von der Jungfrau Maria, und wenn sie lehrt, daß die Bibel sein Wort ist, — und wäre diese rein verstandesgemäße Ueberzeugung von der Wahrheit des Christentums im Volke nicht fo felsenfest gewesen wie der Wille des Einzelnen, die Folgerungen aus diesem Glauben anzunehmen, schwach und wankend war, so hätte selbstverständlich nicht einmal der allereinfältiqste Schwärmer einerseits auf den Gedanken kommen, das Christentum solle sich als Staatsreligion betrachten, und andererseits zugleich der Ansicht sein können, daß die Staatsreligion den Charakter des Christentums nicht verlöre, wenn Könige, Fürsten und andere Organe des Staates sich mit dem religiösen Leben des Volkes befaßten. Diese Tatsache beweist mehr als alles andere, in welchem Grade es der Kirche geglückt war, in den ersten fünf Jahrhunderten ihres Bestehens ihre Sendung zu erfüllen — dem Volke das Evangelium so zu verkünden, daß es zur Grundlage alles Glaubens wurde.
im spanischen Katholizismus lag, wenn man hört, wie grade Herrera schon vor langer Zeit von Segura, dem Kardinalerzbi- schof von Toledo, zurückgewiesen wurde
„Das Zeitalter der katholischen Laien«
Eine kürzlich abgehaltene Tagung des f «. 1 schen Männervereins in London qeftakete einer ganz besonders bedeutsamen SunL lLh Zur Erörterung stand die Frage der fatbnßtS Laienaklion. Der Hauptredner Sir Regmau^I chell Banks charakterisierte diese Frage un<Ja5 wie folgt: „Die v o r a n q e g a n q e n e n Vk hunderte haben vornehmlich K I «S und Orden als Vertreter, Verteidiger1U s- Kämpfer der Kirche gesehen. H e u t e hat die schichte den Zeitpunkt erreicht, wo die Lai» - schäft auf den Kampfplatz treten muß, um ten in der Welt Kirche und Glauben gegen ku Mächte des Heidentums zu verteidigen. Die f tholifche Larenschaft muß b-'ute -nm '’lnariff J** fen. Ihr Kampfruf muß sein: Unbedingte Treu» zum Heiligen Vater: energische Zurückweisung >-» lichen Kompromisses; höchstgesteigerte Liebe mS Duldsamkeit für alle christlichen Brüder außerhalb der katholischen Kirche. Richt der Gegen, saß zwischen Katholiken und Protei st an ten ist heute hervorzuheben, sonder» einzig der Gegensaß zwischen der gesamten Christenheit auf der ei. nen Seite, und den Mächten desAnti« christs auf ber anderen ©eite. Die Kg. tboliken haben heute kein Recht, sich in irgendeiner Weise zu isolieren. Wenn der Glaube der kathg. li scheu Jugend z. B nicht stark genug ist, sich inmitten einer nichtkatholischen Umgebung zu sie. bannten, dann ist er nicht wert, „Glaube" ge. nnnnt zu werden! Heute ist es die Pflicht eines Katholiken, sich soviel wie möglich unter seine Mij. bürger aller Konfessionen zu mischen, an allen ih. ren Interessen teilzunehmen, sich um fedes sozial« Werk zu kümmern, wer immer sein Urheber lein mag. und öffentliche Verantwortungen zu übernehmen, wo immer sich ihm eine Gelegenheit dazu bietet. Die Welt und die Menschheit muß ersah, ren, daß der Katholik im Geschäft, im Handel, in der Finanz, in der Politik, in allen Berufen em großzügiger vollwertiger Mensch, ein vollkommener Bürger sein kann! Wir dürfen keine Angst davor haben, daß wir uns an der Politik beteiligen, der Vorwurf erhoben wird, der Katholizismus und die Kirche greife in die Politik e i n. Nur weil der Glaube zu wenig beteiligt ist an der Politik, versagen so viele Politiker. Ein Katholik kann niemals Anhänger einer Partei sein, die z. B. die christliche Ehe oder den RelichMl unterricht in der Schule bekämpft! Die gW' Schwierigkeit entsteht für den Katholiken aus btt Frage seiner Einstellung zu den großen industiW len und wirischaftlichen Fragen. Er kann ihnen gegenüber nicht gleichgültig bleiben, da diese FrD gen gleichzeitig große moralische Fragen ausrollen. Richtunggebend hierfür sind und bleiben die beiden päpstlichen Enzykliken Rerurn Rovarum und Oua- dragesimo anno. Aus ihnen geht eindeutig hervor, daß der katholische Kapitalist kein Recht hat, ntij seinem Geld willkürlich zu verfahren, und seinen Arbeitnehmern Lebensbedingungen aufzuzwingen, die es ihnen unmöglich machen, als Christ zu leben. Wohl hat er das Recht, sein Geld zu verbrauchen, aber nicht zum Schaden seiner Mitmenschen und Angestellten.
Auch in Bolivien Klostersturm?
Im bolivianischen Parlament wurde ein Gesetzesentwurf vorgebracht, in dem die sofortige Schlitzung von Klöstern verschiedener Orden und KM gregationen gefordert wird. Die Klostergüter sollen Staatseigentum werden. Außerdem wird die Forderung erhoben, daß alle Ordenspersonen in einem em- zigen Kloster untergebracht werden sollen. In einem ergänzenden Entwurf wird weiter vorgeschlagen, Pr't- ter und religiöse Einrichtungen dürsten keine Schenkungen oder Legate empfangen. Durch ein solches Besetz würden vor allem die Tiroler Franziskaner schwer getroffen werden, die seit 1888 in Ost-Bolivien tätig sind. Im alten Missionsgebiet der Jesuiten oo» „Chiquitos", auf einer Fläche von 100 000 Quadratkilometern. besitzen die Franziskaner nicht weniger als 12 aroße Missionsstationen.
Weltuntergang.
Betrachtung zum Sonntagsevangelium.
Für manck-e Menschen ist ber Herbst, besonders, ber November, etwas Furchtbares. Sie leiben förmlich unter biefen grauen, lichtlosen Tagen, unter biefem nebeligen Himmel, wo sie alles an Vergänglichkeit unb Sterben mahnt. Auch wenn man sich nicht in dem Maße von Stimmungen gefangen nehmen läßt, so wirb man boch bas Be- drückende biefer Tage empfinben. In sie fällt bas ®nbe be.s Kirchenjahres unb bas Evangelium vom Weltuntergang, ein schauerliches Bilb von Verwüstung unb Greuel im Rahmen ber büfteren Novembertage. Ist bas nun noch eine frohe Botschaft, bas Evangelium vom Weltuntergang, ober ist es eine Schreckensbotschaft, geeignet, unser Herz mit Angst unb Zittern zu erfüllen? Will uns ber Hei- lanb cinstigen?
Nein. Aber er sieht voraus bas Chaos einer fiottentfrembeten Welt. Er schaut, wie bie Liebe erkaltet unb bie Treue zerbricht. Er sieht, wie bie Selbstsucht über bie Liebe ben Sieg bavontrcigt. Wenn bie Menschen nicht mehr wissen, wozu sie auf ber Erbe finb, wenn sie meinen, sie wären Noß bazu bä, um Gelb zu Perbienen unb es gut Zu haben, bann finb sie selbstsüchtig, finb gottlos. Unb wenn sie sich gar zusammenschließen, nicht etwa um bas Recht besser zu schützen unb ben Schwachen zu bienen, sondern um sich gegenseitig Zu helfen, noch mehr zu oerbienen, so haben wir hier schon etwas Wibergöttliches.
Du meinst, bann wäre vielleicht vieles gottlos unb wibergöttlich in biefer gegenwärtigen Welt, in ber boch alles scheinbar aufs beste geordnet ist, wo boch alles durch Gesetze, Vorschriften, Erlaße und Bestimmungen geregelt ist, daß bald nichts mehr zu regeln übrig bleibt. Und du meinst vielleicht weiter, es wäre boch merkwürbig. baß trotz biefer peinlich genauen Regelung bie Sache doch nicht recht klappen wollte? Ja. solche Gedanken können einem schon aussteigen. Aber wir wollen da nicht urteilen, weil das Gottes Sach« ist. Er wird scheiden zwischen ber Welt des Untergangs unb der Welt des Ausstiegs.
Denn ber Weltuntergang gilt nur ber Welt bes Untergangs, also allem, was gottlos, wibergöttlich «st; unb es ist vielleicht vieles wibergöttlich von bem, was sich heute wichtig macht. Für uns kommt es allerdings nicht darauf an, sondern nur
Geist. Es gab natürlich sehr viele tief religiöse SlM* vier; die Liebestätigkeit wurde streng privat geübt um> große Gaben wurden oft zur Verfügung gestellt. Abek die Laien waren nicht dafür geschult, das ganze öffentliche Leben in all seinen Verzweigungen mit einem religiösen Geiste zu durchdringen. In der Arbeiter^ bewegung waren z. B. die „Syndicatos libre« von der kirchlichen Behörde verböte» (bis zum 31. Dezember 1930), weil sie das WirtschaW liche zu sehr in den Vordergrund stellten. Die tf°W| davon war natürlich eine Abkehr von der katholisch^ Religion.
Wenn uns die heutige Lage der katholischen Kirchs in Spanien in einem Punkte Anschauungsmaterial geben kann, dann läßt sich hier wohl am besten HW mächtige Einfluß der Umgebung und dfk alten Tradition erkennen. Es Ft schwer, innerlich so frei zu machen und seinen Glauben und seine Wettanscbauiing so tief in d->n awig-eitsgedanke» I Zu verankern, daß man nicht Gefahr läuft, sich in MW* ßerlichkeiten zu verlieren. Und doch ist ein ewig fenber Geist in uns gelegt, der jeden Tag aufs neue MB äußert. Auf den ersten Blick erscheint es als ein uni 5*» bares Rätsel, daß erst Klostersturm, Verbannung uT® Verfolgung diesen schaffenden Geist zu einer sichtbar^ Wirktätigkeit bringen müssen. Das weist uns hin öen großen Wert des Leidens, welche? die Schuld büßt, von Ketten befreit und zu Heldentaten aneij^D und uns so siegreich in die Ewigkeit hineinsührt.
tholischen Königtums aufrechterhalten wurde.
ganze öffentliche Leben schien von echt katholischem und religiösem Geist durchsetzt zu fein. Man hatte sich vor- genommen. ein „hundertprozentiges katholisches Spanien" zu behalten. Ausdrücke wie: „Wenn das sechste Gebot nicht wäre, dann wären alle Spanier Heilige!" (nur dieses Sittengesetz scheint also von Bedeutung zu sein!) kennzeichnen den ganzen Zustand. Jede neue kulturelle Strömung wurde so natürlich untersstätzt oder überhaupt geleugnet. Das berühmte Wort „Aqui no pasa nada — hier passiert doch nichts", das vor dem Umsturz auf vieler Lippen lag, beweist, daß man mit Geringschätzung auf seine politischen Gegner unb deren Weltanschauung herabsah.
Von sehr vielen Vertretern des alten Spanien wurde zwar eifrig gearbeitet und viel Gutes zustande gebracht, aber ihre Betrachtungsweise gründet nicht mehr aus ber Wirklichkeit. Daneben standen viele junge Katholiken, die man mit Mißtrauen bell b a ch t e t e. Diese wollten eine Organisation von ziel- bewußten Katholiken bilden, ihre innere Kraft im Glauben selbst suchen und dadurch eine neue Ordnung in das Weltchaos bringen Ihr erfahrener Führer war Dr. Angel H e r r e r a, der Direktor und Hauptredakteur der großen katholüchen Tageszeitung „El Debate". Er verstand es, eine Reihe von Mitarbeitern heranzu- ziehen, die — wie die heutigen Feinde der Katholiken sagen — die Macht des Katholizismus bilden. Die von Herrera gegründete neue Partei „Accion national" wird von der Regierung auf alle erdenkliche Weife angegriffen.
Zur kirchlichen Lage in Spanien
Aeberfchühung ber katholischen Tradition.
Wir könnten keine edleren Menschen einander gegen- überstellen, als diesen einfachen, eifrigen Kirchenfürsten und den Hauptredakteur von „El Debate", die beide eindeutig und scharf die alte und bie neue Zeit verkörperten. Hier stießen die Charaktere von zwei großen Persönlichkeiten auseinander. Das Ganze wirkt noch eigenartiger, wenn man weiß, daß die Gegner Segura und Herrera einander die größte Hochachtung entgegenbrachten. Erst während der Revolution kam man zu der Erkenntnis, daß das alte katholische Spanien erledigt sei. Der große Kardinal erkannte seinen Irrtum. Er hat daraufhin selbst die Gründung der neuen Partei „Accion national" befürwortet, einer Partei, welche die Ideen Herreras vertrat. Als ber Kardinal sich damit befaßte, feine gesamte Kraft dieser neuen Partei zu widmen, wurde er van ber Regierung verbannt. Diese? Opfer des Kardinals für sein Vaterland wird nicht vergebens gebracht fein. Grade aus solchen Umständen wird deutlich, daß Gott die Welt regiert, der den Menschen nicht ihre Schwächen nimmt, sondern ihren Leiden eine segensreiche Wirkung verleiht.
Wenn so in dem Verhältnis zwischen Kirche unb Staat bei den kirchlichen Autoritäten eine notwendige Aenderung eintreten mußte, bann bürfen war annehmen, daß auch auf anberen Gebieten eine Wendung kommen mußte In der Theologie be- schästigte man sich fast ausschließlich mit ber Vergangenheit. Die neue Richtung wurde nur oberflächlich behandelt. Auch die Methoden, bie in ber Se e I f o r g e geübt wurden, wußten sich nicht ben Forderungen anzupassen, die unsere moderne Zeit stellt. Es gab keine
Unter obigem Titel brachte bie große holländische katholische Zeitung „De Maas höbe" vor einigen Tagen einen freimütig geschriebenen Artikel, bem wir folgendes entnehmen:
Auf politischem Gebiet hatte Spanien in der Reihe ber Großmächte nichts zu bedeuten. Die Industrie wurde fast ausschließlich von englischem, französischem und deutschem Kapital beherrscht. Während überall fonft Staat und Kirche, die ursprünglich dazu bestimmt sind, auf kulturellem Gebiet zusammenzuarbeiten, sich immer mehr von einander trennten, eine größere Selbständigkeit erreichten und in der letzten Zeit nach einer höheren Einheit suchten, blieb man in Spanien auf ber ersten Stufe stehen. Das Gottesgnadenkönigtum des katholischen Fürsten war so tief im Bewußll fein ber kirchlichen Obrigkeiten verwurzelt, baß man die Verbreituna demokratischer Gedanken als Angriff auf bie Religion und als Abfall von ber Kirche betrachtete.
Für den Spanier ist es etwas Fremdes, ben golbe» nen Mittelweg zu gehen, neuen Gedanken Platz zu machen und sie mit den alten zu verbinden. Er wird in einem solchen Maße von feinem Ideal gefangen genommen, daß er nichts davon merkt, wie ganz langsam eine Veränderung ftattgefunben hat, wie bie "m- ftänbe und die wirklichen Verhältnisse sich gewandelt haben. In der Literatur nennt man dies ben „Illusionismus" des Spaniers, der feinen Höhepunkt im unsterblichen Don Quijote erreicht hat. Darum versteht man auch, baß ber Katholizismus in Spanien mehr als in anberen Sänbern auf [einem alten Ruhm weiterleben konnte und zumeist durch bie äußere Form des to
nen war Europa wirklich eine Einheit geworden: „die Christenheit".
Ziel und Sinn enthalte — wie sehr auch der Einzelne in seinem privaten Le-
hundert hatte die Kirche dann zu fühlen bekommen, daß selbst ihre eigenen geweihten Diener hier versagen konnten. Immer wieder mußte sie durch Gethsemane-Nächte gehen, wo ein Judas-Verrat übte unb die anderen Jünger sich und das Ihre in Sicherheit brachten. Immer wieder mußten neue Heilige und neue Reformatoren aufbauen, was ihre Brüder zerstört hatten. Trotzdem hatte die Kirche um die Zeit, da die „Reformation" losbrach. so viel erreicht, daß es als eine unausgesprochene Forderung im Bewußtsein der Christenheit lag, die Lehren des Christentums müssen nachgelebt werden, und die weltliche Macht müsse auf die eine oder andere Weise dem Volke, das christlich leben wolle, Hilfe und Stütze fein, müsse ein Ende machen mit Verhältnissen und Einrichtungen, die geradewegs auf einen Bruch mit dem Christentum abzielten, und dafür die ganze Gesetzgebung so einrichten, daß die Leute, wenn sie Gesetzesgehorsam übten, zugleich auch ihr Christentum betätigten.
Darin besteht denn auch in Wirklichkeit der Triumph der katholischen Kirche. — Bei all ihren Schwächen hatte die Kirche be.s Mittelalters über die natürlichen heidnischen Neigungen bei Volk unb Fürsten, über die Selbstsucht und Eigenbrötelei der einzelnen Stände und Personen einen moralischen Sieg errungen: — trotz der Verschiedenheiten ber Volksschichten in Sprache unb Art, trotz der sich verschiebenden Grenzen der Königtümer und Fürstentümer und ihrer widerstreitenden Interessen, trotz der Sprachenunterschiede und völkerpsychologisch gegebenen Antipathien seiner Natio-
Die von Sigrid Unbset veröffentlichten Essays über Christentum unb Germanentum, bie unter dem Titel „Begegnungen unb Trennungen" in der autorisierten Uebersetzung von Franz Michel Willam im Verlag I. Küsel u. Fr. Pustet erschie- nen sind (164 Seiten. Ganzleinen Mk. 6.—), haben wegen ihrer tiefdurchbachten Formulierung überall lebhaftes Interesse hervorgerufen. Mit Genehmigung des Verlages geben wir ben nachfolgenden Abdruck aus dem Buch wieder:
Vor ber Aufnahme in bie katholische Kirche war für uns keinerlei Gehege, nicht einmal eine ganz notdürftige und lockere Einfriedung bereitgestanden, die wir gleich einer Hürde als unsere Heimstätten hätten betrachten können. Wie Schafe auf rauhem Hochlande irrten wir umher — aber dafür wissen wir jedenfalls ein wenig darum, wie es Schafen ergeht, wenn sie in den Zustand der Verwilderung zurückfallen, unb können etwas davon erzählen, wie sich das Leben für junge Menschen ausnimmt, die ganz bewußt sich weigern, im Einfluß des Christentums auf die europäische Kultur etwas anderes als rein menschlichen Einfluß zu sehen. Wir kennen aus unserem eigenen Leben die Gedankengänge, die man sich zurechtlegt, wenn man die Geschichte nur als ein Ergebnis der wachsenden menschlichen Einsicht in die Naturgesetze und in das eigene Menschenwesen — kurz gesagt nur als eine „Entwicklung" betrachtet, wie es in der verschwommenen Ausdrucksweise der Massen heißt.
Gerade diese Gefahr besteht aber in allen Ländern, wo das Christentum Tradition ist, und erst recht in Ländern, wo bas eine oder andere abgetrennte Bekenntnis als Staatskirche von der weltlichen Macht beschützt wird, die Gefahr nämlich, daß ber Ursprung von gewissen sozialen Einrichtungen unb sittlichen Anschauungen, ber faktisch nur darin zu suchen ist, daß Europa seinerzeit die Dogmen des Christentums annahm, fälschlich so erklärt wird, als hätten sich diese Einrichtungen und Anschauungen als Ganzes oder in ihren Einzelheiten nach und nach auf „natürliche Weise" in dem Maße eingestellt, als die Menschen auf dem Wege von primitiver Barbarei zu „höherer" Kultur fortgeschritten sind.
Es ist auch durchaus verständlich, daß in Ländern, wo die Geistlichkeit einen Teil der staatlichen Beamtenschaft ausmacht, Geistliche wie Gemeindemitglieder der Neigung erliegen, christliche und bürgerliche Moral als eine Einheit zu nehmen. Die Kirche des Mittelalters hatte sogar für dieses Ziel gekämpft, daß ber Staat feine Gesetzgebung den Geboten des Christentums anpasse. Die gleiche Kirche blieb sich aber aus einer fangen unb mannigfachen Erfahrung heraus jederzeit bewußt, daß sich eine solche Übereinstimmung "wischen christlicher und bürgerlicher Moral nie stabilisieren läßt. Gegenüber dem Gebote des Christentums, das Reich Gottes zuerst zu suchen, wird ja die menschliche Natur immerdar als ihr Recht verlangen, zuerst ihr eigenes suchen zu dürfen. Und jede einzelne Gruppe von Menfchen, welche an die Spitze des Gemeinwesens kommt und bei der Ausarbeitung der Gesetze ihre Auffassung geltend machen kann, wird schon verstehen, ihre Interessen zu behaupten.
Ja bie Kirche wußte um biefe Dinge. Schon Sankt Paulus hatte diesbezüglich, wie aus diesen hinterlassenen Briefen heroorgeht, feine Erfahrun- gen gemacht. Und von Jahrhundert zu Jahr-
Man begreift kaum die große Tragik, welche I zielbewußte Psarrseettorge, sondern das ganze tothvli' | sche Leben wurde von der mehr oder weniger großes Aktivität privater Vereine oder Einrichtungen getragen I und die Kirchen der Ordensgeistlichen standen mehr att nötig im Mittelpunkt des Interesses. Predigt und techismusunterricht beschränkten sich fast aus'chliehü^ auf das Atternotwendigste. Man fetzte zu viel Vertrauen auf den allgemein herrschenden katholisches
Die Sendung der Kirche
Von Sigrid Unbset.
feit. So bist du ein lebendiges Glied an dem Leibe Christi, der nicht stirbt, sondern ewig ist."
Hier haben wir die Antwort. Wir müssen sie uns freilich selber suchen, und bas mag schwer sein, denn wir stehen dabei im Lichte der Ewigkeit vor dem Richterstuhl unseres eigenen Gewissens. Und je nach ber Antwort hat bie düstere Botschaft vom I Weltuntergang vielleicht doch noch etwas von einer frohen Botschaft für dich.
würdig wandelt und in allem fein Wohlgefallen findet; ihr möchtet an allen guten Werken Früchte bringen und wachsen in ber Erkenntnis Gottes, und in jeder Tugend gekräftigt werden, gemäß der Macht feiner Herrlichkeit in allem ausgerüstet mit viel Geduld und freudiger Ausdauer; ihr möchtet Dank sagen Gott dem Vater, ber uns würdig gemacht hat, Anteil zu erhalten am Erbe ber Heiligen im Lichte, der uns ber Gewalt ber Finsternis entrissen unb ins Reich seines geliebten Sohnes versetzt hat. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Nachlassung der Sünden.
Evangelium: Matth. 24, 15—35.
Vom Ende der Welt.