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NILS
13. November
Vellage zur Fuldaer Zeitung
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Was ist uns Gerhart Hauptmann?
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Kreatur.
Knabe tanzt auf kahlem Anger;
Sein Gesang der Wind zerbricht.
Die Natur in heil'ger, banger
Einfamsamkeii vom Sterben spricht . . ..
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Idyll.
«uch und Zauber hat den Strauch gen1 Tannen raunen herbstlichtrunken;
Wo ein Rehlein starrt und schweigt.
Sinnt der Weiher traumversunken.
ton ist der Herr und Gebieter!"
Jörgen Bollander seufzte: „Ja, er ist der Herr Gebieter. Ich muß morgen unbedingt zu ihr."
„Wollen Sie Mrs. Shelton besuchen?"
„Ja!"
„Ich habe nichts dagegen. Vermeiden Sie aber spräche mit Shelton; er könnte aufbrausen, unb „Sie auch morgen noch nicht wieder ganz hergestellt."
„Mein Besuch gilt ausschließlich seiner Frau."
feiern. Als die christliche Kirche nach jahrhundertelanger Verfolgung triumphierend emporstieg, war das vielgeschmähte Kreuz die Grundform der Totenmaie, kein Heros mit verlöschender Fackel, keine abgeschlagene Säule, selbst nicht die am Berg Sipulus erstarrte Niobe, das ergreifendste Denkmal des Altertums: „Wir sind nicht wie jene, di« keine Hoffnung mehr haben."
Der Christ will das Leid nicht entbehren. Andere Wunden sucht er zu stillen, andere Mühsal zu vergessen. Trauer, Wehmut um geliebte Tote, diese edlen Attribute der Seele, hält er sein ganzes Lchen lang wach Plötzliche Angst, krampfhafte Agonie wer den Verlust dessen, was ihm am liebsten gewesen ist, verwandeln sich in stille, nachdenklich« Ueberlegung dessen, was der Tote ihm in den Tagen der Liebe gewesen ist, des unsagbaren Glückes, das beide im Jenseits erwartet.
Es gibt.eine Stimme vom Grabe, die süßer ist als der lieblichste Sang. Das Grab umschließt jeden Irrtum, jede Unzulänglichkeit, jeden Haß. Von seinen Tiefen entspringt ein süßes Bedauern, zartes Erinnern. Wer kann auf das Grab eines Feindes blicken, ohne einen zerknirschten Herzschlag zu empfinden, daß er mit einer Handvoll Erde gekämpft hat, die nun modernd vor ihm liegt.
Der Trappist verbringt seine Erholungsstunden auf dem Gottesacker, der Samojede und Ostjäke, feiert auf den Gräbern das Birkenfeft im erwachenden Frühling. Sterben und Auferstehen, Allerseelen und Ostern: unsere Klage und unsere Hoffnung. Aquenffs.
Dio jüngste Ausnahme Gerhart Hauptmanns.
Hände klatschten und sich dann wohlig in ihre Wein- stuben zurückzogen oder sich in ihren molligen Boudoirs schlafen legten.
Hier wurde Weltanschauung gemacht! Hier taten sich Hintergründe voll niederreißender, alles zerstören- der Ideen aus! „Natur! Natur!" so schrie es allenthalben in jenen Jahren auf. Ja, was ist denn Natur? Natur, so scholl es als Antwort, ist das unheimliche Prinzip, das uns, vielleicht durch einen Samenregen
verhindert waren, einen Tiger zu erlegen. Um Sie für die entgangene Jagdfreude zu entschädigen und um Ihnen meine Anteilnahme und meine aufrichtige Wertschätzung zu beweisen, übersende ich Ihnen gleichzeitig einen Ring. Tragen Sie ihn zur Erinnerung an mich!
Omar Rubri."
Herbst-Sentenzen.
Von Franz Vonderheide.
Introitus.
Bäume verhüllt in Nebelgraun Ragen im bleichen Schmerz zersetzt: Wege, die aus Fels gehaun, Winden sich mit Reif besetzt.
Osiris,. dur<y das Gebet treuer Brwer zu einem göttlichen Leben erwacht. Gewiß haben die Vertreter ener gewaltigen Dynastien nicht gedacht, daß nach Tausenden von Jahren leichenschänderische Grab'äger vor der Stille uw Heiligkeit der letzten Ruhestätte nicht Halt machen würden.
Nicht miwer alt ist die bei den Griechen und Indern ausgebildete Lehre von der Seelenwanderung. Nach Maßgabe seiner Taten muß der Entschlafene ein längeres oder kürzeres Durchgangsstadium in Herden Tieren, Pflanzen und leblosen Dingen bestehen. Die egenspewende oder verderbliche Macht der Geister wird dunkel geahnt, daher die abgöittiche Verehrung, die man ihnen in den verhüllenden Organismen zollt.
Unsere germanischen Vorfahren schichteten die erotischen Blöcke zu Grabmalen auf. In wildzer- klüsteten Gegewen, am rauschenden Nordmeer, in einsamer Niederung stehen sie als Wahrzeichen gigantischer Kraft, als Symbol unvergänglicher Stärke und Wahrhaftigkeit.
Die altchristliche Kunst zeigt in ihrer Bildnerei zunächst noch Abhängigkeit vor der Antike. Die Sarkophage hatten reiche Reliefverziehrung. Symbole der alten Mythologie erfahren eine christliche Umdeutung, bis dann Motive aus dem Alten uw Neuen Testament gebräuchlich werden: Palme Anker, Taube mit dem Oelzweig. Wahrhaft rührend unb voll tiefen Sinnes war der Brauch, in den Katakomben auf den Verschluhplatten der Märtyrer die hl. Geheimnisse zu
zu hören."
„Mrs. Shelton tut mir aufrichtig leid. Sie rotrb am ehesten seine Wut zu spüren bekommen."
„Ein Unglück, daß diese Frau an Shelton gefesselt ist! Wenn sie nach und nach seelisch zu Grunde geht, wundert mich bas nicht. Was soll man aber tun. Shel-
Eine Bilanz an seinem 70, 1
„Mit den schlesischen Bergen kann ich nicht rechten; ich kann {ie durchstreifen, umgehen, verlassen, meiden, aber noch nie habe ich sie anders gewollt". Es liegt eine feine Berechtigung in diesen Worten, die einst von einem Krftiker als unwirsche Antwort auf eine der früher üblichen, etwas schulmeisterlichen Kritiken Ger- hart Hauptmanns gesprochen wurden, zu denen allerdings feine Werke — der Wahrhest die Ehre! — zuwei- . len herausfordern. Etwas Naturgewachsenes ist Kiefer Dichter des Naturalismus, gleichsam eine Verkörpe- rung des dichterischen Instinkts. Es gibt in der deut» schen Literatur vielleicht keine awere Persönlichkeit, in der das rein Dichterische so einseitig zum Ausdruck kommt. Kaum ist sein Dichten — soll ich nun sagen, getrübt ober geklärt? — durch einen Anflug des Denkens, aus heißem Herzen unb lichterloh brennender Phantasie entströmen ihm die Gebilde, macht- unb hilflos sicht er seinen Intuition gegenüber, er kann nichts daran änbern, nichts zurechtstutzen uw bessern. Da- mit hängt zusammen, daß wir ihn in der Welt- unb Lebensanschauung so seltsam unselbstäwig finden. Er wird Darwins uw Häckels Interpret unb Prediger, nicht aber wächst er aus Eigenem über den Geist seiner Zeit hinaus, der roeit ausgestreckte Arm des Schers uw Propheten, der ins Weite unb Große unb ins Künftige weist, ist ihm nicht gegeben. Er ist Interpret der Gegenwart, seiner Zeit. Nicht der Geist hat ihn groß gemacht, sowern das Herz.
Er ist das Dichterherz jener Epoche, die sich selbst als den großen Umschlag in der Geistesgeschichte der Neuzeit anfah. Vom Awruch einer neuen Epoche schwärmte man um die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, unb es ist bedeutungsvoll, daß Hauptmann fein erstes Werk „Vor Sonnenaufgang" nannte. Wir sehen genau: es war der Anbruch einer neuen Zeit, es war eine Röte am Himmel, aber nicht vor Sonnenaufgang, fonbem vor einem düsteren Sonnenuntergang, — der sich schon seit fast einem Jahrhundert vorbereitete und der gerabe infolge der überschnell fortschreitewen Beherrschung des Materials der Welt zu einem Zusammenbruch in Weltkrieg, Revolution unb
Adagio.
Astern rot am Weiher blühn;
Ihr Kristall hat Nacht erglüht Wilder Stürme Schotten fiiehn, Nebelhaft verklingt ihr Lied.
In memoria mortis.
Müde treibt mich dein Gedenken — Welkes Blatt umtanzt der Wiw;
Traumschwere Lider sich senken: Fremde der Erde wir siw . . .
Poesie.
Tropfen hängen schwer an Zweigen: Glanzverträumt.
Trauert Laub in Todesschweigen Herbstumsäumt.
„Man Hai Lariby in Verdacht?"
„Es wird wohl so sein. Ich glaube, die Sache mit Lariby nimmt ein schlimmes Ende."
„Unb Shelton verdächtigt Lariby, baß er um Pes Diebstahlsabsicht gewußt habe?"
„So ist es! Er kennt sich ja in seiner Wut mehr aus. Sicherlich besitzt er irgewwelche sehr Werte in seinem Hause, beren Verlust ihn schwer sen könnte. Aber ich bitte Sie, warum tut er Wenn man ihn fragt, bekommt man nur Grobheiten
Torenkull im Altertum.
Pyramiden als fiönigsgräber. — Seelenwanderung. Eratische Blöcke. — Das kreuz.
Das Leben wäre nicht zu ertragen ohne Hoffnung JUf den — Tod! Den Tod, als den Eingang in ein neues und besseres Loben, bas ewige Erlösung ist!
Die Sehnsucht nach Erlösung hat die Menschheit nach dem Schicksalsgang aus den verblühten Gärten des Paradieses durch alle Zeiten unb durch alle Zonen begleitet! Uw in dieser Sahnsucht lag auch die versöhnende Hoffnung der Menschenseele auf ein ewiges Glück nach dem lobe: auf Unsterblichkeit! Unb so sah man das Sterben nur als eine Verwandlung zum neuen Leben an, als eine Reise mit glücklicher Heimkehr. Kein Wuwer also, daß man die Toten, .diese Heimgegangenen ins ewige Glück", in besonderer Weise ehrte. Der Totenkult finbet sich seit grauester Vorzeit bei den primitivsten Stämmen ebenso ausgeprägt, wie bei den hochkultivierten Völkern. Naturgemäß ist er aber bei den Kulturvölkern tiefer durchdacht unb ht der äußeren Form würdiger unb sinnvoller.
Bei den alten Aegyptern war das Fortleben des Menfchen ausdrücklich an die Sorge unb Ehrfurcht geknüpft, die man dem Leichnam erwies. Daher die Pyramiden, jene gewaltigen Königsgräber, die Ma» ftabes der Vornehmen, die Felsenhöhlen der niedrigen Kasten. Das Grw ist die Wohnung der Verstorbenen, daher die künstliche Anlage unb sinnvolle Ausstattung. Speise, Totenopfer werden mit ins Grw gegeben. Unter der magischen Kraft der Gebetsformeln beleben sich die an den Steinwänden der Sargkammer aufgehäng- ten Bilder von Nahrungsmilleln. Fromme, weitreichende Stiftungen, die sich in bestimmten Gebeten unb Opfern auswirken, sichern der Seele die Fortexistenz. Durch die wissenschaftlich ausgebildete Einbalsamierungskunst verhütet man die Verwesung der Leiche. Diener unb Dienerinnen in Bildhauerarbeit werden in Grabgewölben aufgestellt, auf daß sie den Dienst ver- sehen, bis der Tote einst gleich dem roiebererftanbenen
Schleif waren, auch verschliffene
nur zur Kunst-Schleiferei Schneider
Heinrich straße 65
• 13.
Henry Shelton ging mit einer Miene umher, die es den meisten geraten erscheinen ließ, einen großen Bogen um ihn zu machen. In seinen Augen stand offenes Mißtrauen gegen jedermann. Er schien überall Feinde zu wittern.
Frau Lilith stand seinem Zorn ratlos gegenüber. Sie konnte es sich nicht erklären, warum er denn gar so sehr in Wut über den versuchten Einbruch geraten konnte. Fragen ihrerseits schnitt er kurz und bündig ab:
„Laß bas, bu verstehst bauen nichts!"
Heute nun sollte er mit Goomar Parubram nach Gowolang fahren, um neue größere Edelsteinbestände aus ben Gruben bes Prinzen Omar Rubri zu übernehmen unb sie nach Rangoon zu geleiten. Die Steine soll- ten ohne Verzug mit bem nächsten biretten Dampfer nach Lowon an O. S. Ribber u. I. Black abgehen.
Am Nachmittag tarn Jörgen Bollander. Das war eine große Freude für Frau Lilith. Sie streckte ihm beide Hände entgegen und sah ihm forschend ins Ant-
„Wie geht es Ihnen, Herr Bollander? Sie sehen noch recht angegriffen aus. Kommen Sie, setzen Sie sich!"
Andächtig schaute er in ihre Augen.
„Sie sorgten sich um mich, Frau Silit!)?"
„Ja, ich sorgte mich."
„Sir waren sogar bei mir!"
„Es — trieb mich. Die Unruhe zog mich zu Ihrem Hause." e
„Und ich ahnte nicht, wer in meiner Nähe weilte.
„Sie lagen so matt in den Kissen. Ich —. Wenn bas Mäbchen nicht babei gestawen wäre —. Aber nun geht es Ihnen doch wieder besser, nicht wahr? Sie erzählen mir alles! Dr. Barker hat mich besucht
von anderen Welten aus, aus die Erde geworfen hat. Unheimlich, wir wir hier mitten in die Tragik unb den Kamps dieser Welt gesetzt sind, daß es aussieht, als mären die Dinge der Welt die Mühlsteine, die uns zermalmen sollen, unheimlich, wie wir hier durch Angst uw Not und Tod gejagt werben, nur um bann als Häuslein Staub wiederum die Erde zu düngen! Aber ügen wir uns drein! Schlürfen wir den ganzen Becher des Leides und der kargen Freude aus! Und wenn wir in der Kunst ein Abbild des Lebens geben wollen, gut. so suchen wir es da, wo es am elendsten, am mühevollsten, am grausamsten am ekelerregendsten ist! Dann kommen wir der Naturwahrheit am nächten. Und wenn die andern dann zu einem Gott ihre Zuflucht nehmen müssen, um es zu ertragen und zu verstehen, so weisen wir es als das getreueste Abbild der Natur auf. Denn die Natur ist grausam, mit Kampf unb Not unb Tob erfüllt. Was hilft bas schöne Mäntelchen darum, das grüne, frische Laub, die zar» ten Farben der Blumen, der blaue Dunst der Ferne, das Blau des Himmels? Alles ist nur dazu ba, jim uns über die grauenvolle Wahrheit hinwegzutäuschen. Lehrt die Naturwissenschast ni* *t, baß nur durch bie Zuchtwahl der Fortschritt der Welt gewährleistet wird, indem alles schonungslos zertreten wird, was gegenüber einem Mächtigeren unterliegt? Sie zeigt auch tm Menschen bie Instinkte auf, mittels beren er wie ein Tier um seine Existenz ringt, schonungslos ben andern unter die Füße tritt, wie er immer noch halb auf der Stufe des Tieres lebt, wie Branntwein unb Sm- nentrieb ihn zum Sklaven machen. Zeigt ihn nicht beim hohen Fluge feines Gedankens, zeigt ihn beim Esten und Trinken, im Bett und im Stall.
Das sind die Hintergründe, bie gleichsam als Äu.tf» fen in den frühen Dramen Gerhart Hauptmanns stehen. Wobei man jedoch die ungeheure Bereicherung, die die Kunst durch diese ihr neu erschlossenen Lebens- bezirke erfuhr, nicht verkennen darf. Gerhart Hauptmann, der getreue Interpret einer in ben Materialismus abfinfenben Welt.
Es ist die Frage, ob ein Mensch eine solche Kraßheit an Weltanschauung erträgt. Sein Inneres wird und muß sich mit allen besseren Kräften dagegen auflehnen!
Es war beftinunt nicht Effekthascherei, wenn Hauptmann fast in einem Atem mit feinen naturalistischen Frühwerken seine symbolhaften Traum- unb Mar- chendramen schrieb, „Hanneles Himmelfahrt", „Dte ver- sunkene Glocke", sondern es war elementarer Selbsterhaltungstrieb. Und Selbsterhaltungstrieb war es auch, wenn das Publikum ihnen zujubelte, den iraumfchonen Versen des Rautendelein nachhing und in Manuele leises Flüstern aus dem Jenseits vernahm. Darm sprechen diejenigen geheimen Kräfte, die den Menschen nie aanz verlassen werden, die ihn im Hefften Abgleiten noch aushalten können und die allein auch in unserer Zett, der Zett die einfach zu einem neuen, höheren Weltbild kommen muß, wenn sich an ihr nicht doch noch bas heraufbeschworene Gericht vollziehen soll, allem den Aufschwung bewirken können. Wie ahnungsvoll — ein Läuten aus tiefem See — erlauscht der Dichter dies in der „Versunkenen Glocke"! Mit einem Motiv, das von Nietzsche kommt, fängt es an: alles, auch Frau unb Kind, der künstlerischen Berufung und der &tgenpep sönlichkeit opfern — jenseits von Gut und Bose, fo zieht Meister Heinrich in die Berge, da die versunkene Glocke mit dumpfen Schreckenstönen in sein Ohr lautet; der gebleichte Knöchel der verlassenen Gattin hat sie angeschlagen, welcher die Glocke tief ini See 9-’ fanden hat, und die verlassenen Kinder erscheinen und tragen ein Krüglein, angefüllt mit der Mutter Tränen. Wohl hat Hauptmann das Evangelium vom lieber- menfchen gehört, ine Bewunderung für ihn und die g«‘ Heime Sehnsucht nach ihm klingen deutlich genug aus den Versen heraus. Wie aber soll der Dichter mit dem leicht gerührten Herzen eine fo harte Hand auf-
Las Hälfe! des Tufhinlaug.
Roman von Kurt Martin.
Eovvrigbt bä Verlag Neues Leben, Baär. Qhnain.
17] ---------
„Ich muß das! Es drängt mich dazu."
„Sie scheinen mir irgendwie erregt. Was gab es eigentlich? Dolapi erzählte mir, Sie hätten vorhin mit Li-Yen gesprochen. Haben Sie sich über den Burschen geärgert?"
„Aerger gab es nicht. Ich möchte eigentiid) annehmen, daß er es ehrlich meint, die beiden andern auch."
„Unb aus reiner Menschenfreunblichkeit spielen sie ihnen jetzt den Streich?"
„Es ist das ein Rätsel."
„Seien Sie vorsichtig, mein Lieber!"
„Eines Tages werde ich klar sehen. Wissen Sie etwas Neues zu berichten, Äoktor?"
„Aha, heute interessiert Sie also die Umwelt wieder! Passen Sie auf, es ist vergangene Nacht etwas Sonderbares geschehen. Man hat bei Shelton einzubrechen versucht."
„Bei Sehllon? War er anwesend? Was ist mit feiner Frau? Ist sie erschreckt worden, geht es ihr nicht gut?“
Dr. Barker lächelte heimlich über Jörgen Bollanbers hastiges Fragen.
„Ich habe nichts baoon gehört, daß Mrs. Shellon sich unwohl fühlt. Nein, es betrifft nur Shelton. Mitten 'n der Nacht soll es ein Geschrei in feinem Garten gegeben haben. Er muß wohl einen Dieb erwartet haben, unb hat auf der Lauer gelegen. Er soll getobt ha- ben, gebrüllt, man wolle ihn berauben. Dann ist er wohl dem Dieb nadjgeeiU, aber der Kerl war verschwun- oen. Shelton har aber Anzeige erstattet. Er behauptet, Nantes Laribys chinesischer Boy Gui-Pe sei es gewesen. Der Richter hat den Chinesen heute schon vernommen. Was babei herauskam, ist mir nicht bekannt. Lariby aber steht auf Gui-Pes Seite unb versichert, ber Chinese habe nachts bas Haus nicht verlassen."
„Unb dennoch behauptet Shelton, den Burschen er- tannt zu haben?"
Wirtschaftskrise führte. „
Als Hauptmanns anderes Frühwerk, „Die Weder , aufgeführt wurde, war di« Galerie von sozialdemokrati- schen Parteiangehörigen erfüllt, unb unten im Parkett standen die Führer und gaben wie Generäle mit der
„Er schwört darauf! Er ist in fchauderhaster Stimmung, flucht und nennt sich selbst einen Idioten, baß er ben Dieb nicht glatt niebergefnaüt habe. Er ver- bächtigt übrigens Lariby, baß er um Gui-Pes Tun wisse."
„Das bringt er fertig, trotzbem er mit James Lariby fo nahe befreunbet- ist?"
„Diese Freundschaft ist nicht weit her. Shelton braucht Lariby nur, um zu gewinnen. Ja, unb Lariby ist ein schwacher Charakter, er ist derart vom Spielteufel besessen, daß er alle gutgemeinten Vorstellungen in ben Wind schlägt und nur ben Drang hat, wieder zu spielen. Es soll bann noch eine besonders schöne Sache unterwegs sein. Man behauptet ganz bestimmt, es seien Wechsel vorgekommen, Wechsel von Fisher Brothers in London, deren Vertreter doch Lariby ist — na, und bei diesen Papieren stimmt nicht alles."
„Fälschungen?"
„Es heißt so."
Geburtstag (15, November).
Hand das Zeichen zum Beifallssturm. Sie verstanden die Zeichen der Zeit und die Zeichen ber Dichtung, nicht verstanden aber wurden diese von den Damen und Herr- ren m den Rängen, die mit lüsterner Neugier sich bas Armleutemilieu, plötzlich zur Modesache geworden, mit allem Elend und allen Lastern und allem Schmutz vorführen liehen, mitleidig vor dem Bühnenbild in die
„Gut so!"
Dr. Barker verabschiedete sich. Als er gegangen war, schloß Jörgen Bollander müde die Augen. Es war für diesen Tag etwas zu viel, was da auf ihn ein- stürmte. Schon bald sank er in Schlaf, und Dolapi wachte in feiner Nähe.
Nachmittags nahm er etwas leichte Kost zu sich, wie Dr. Barker angeordnet hatte. Li-Yen brachte bie Speisen selbst herauf. Als Jörgen Bollanber bereits nach bem Löffel greifen wollte, sah er Dolapis forgenbe Augen auf sich ruhen. Er zauberte. Dann nickte er ihr zu.
„Nimm ben Löffel, Dolapi, und koste!"
Li-Yen lächelte spöttisch: „Kein Gift drin, Dolapi! Gute Speise!"
Sie maß ihn mit einem mißtrauischen Blick. Schweigend reichte sie Jörgen Bollander die Schüssel.
Bald nachher — Jörgen Bollander war aufgestanden unb saß in seinem Arbeitszimmer am Schreibtisch — brachte ihm Wung ein versiegeltes Schreiben.
„Ein Bote bes Prinzen Omar Rubri hat dies für Mr. Bollander abgegeben."
Erstaunt griff Bollander nach dem dicken Umschlag. Er schnitt ihn auf. Ein Brief fand sich darin unb ein schmales Etui. Als er dies öffnete, blitzte ihm ein gol- bener Ring entgeaen. Nun war feine Ueberrafchung noch weit größer. Zögernb nahm er ben Ring zwischen bie Finger unb betrachtete ihn. Der Reis war feinste Golbschmiebearbett, unb es schmückte ihn ein großer Rubin von reinstem, köstlichem Rot.
Nun griff Jörgen Bollanber nach dem Begleitschreiben, unb er las:
„Lieber Mr. Bollanber! Zu meinem Bedauern meldete mir Dr. Barker Ihre Erkrankung. Wie ich inzwi- schen von bem Arzt erfuhr, hat sich Ihr Zustanb schon wieder gebessert. Dies freut mich unb ich wünsche Ihnen balbige völlige Genesung. Wenn Sie wieder hergestellt sind, bann besuchen Sie mich bitte einmal. Ich würbe gern über manches mit Ihnen sprechen, auch über bie rätselhafte Ursache Ihrer Erkrankung, über bie sich Dr, Barker in seinem Schreiben an mich auslieh. Vielleicht bietet sich bemnächst neue Gelegenheit, daß ich Sie zu einem Jagdausslug einlaben kann, nachdem Sie diesmal