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h möchte ein Kind fein...
Till Tilden.
Ich möcht ein Kind fein, Spielend im Feld;
Frohjauchzend dem Wind fein Flatterndes Zelt;
Auf ragenden Zinnen Den Himmel gewinnen, lief unten die Welt.
Ich möchte ein Licht fein
Leuchtend in Nacht;
Hellglühend die Pflicht fein, Tatenumwacht;
Das Leben erheben, Die Sonne erstreben, Von Feuer entfacht.
Ich möchte verklärt fein
Wie Abendrot;
So unversehrt: ein
Lebendig Brot;
Im himmlischen Singen
Den Frieden bringen: Ein göttlich Gebot.
Liebe und Strenge.
Im allgemeinen ist es in der Kindererziehung im Haus wohl so: Die Mutter erzieht mit Liebe, Geduld und hin und wieder einem Klaps; kommt aber eine große Unart vor, soll Vaters Strenge walten. Glücklich die Familie, in denen noch fo erzogen werden kann.
Die wirtschaftliche Umformung, die ständig wachsende Not haben gerade im Familienleben tiefgehende Aende- rungen geschaffen, Aenderungen, die keine Besserungen ^Serbien! der Vater wenig oder nichts, so darf sich im gegenseitigen Achtungsverhältnis der Eltern nichts ändern, denn die Kinder spüren das. Der Bater wäre ihnen nicht mehr Autorität.
Der gewecktere Intellekt, die umfassendere Bildung haben uns Frauen von heute ein zu klarsichtiges Gemüt gegeben. Wir lieben nicht mehr bedingungslos den Mann, wir wollen fein Schaffen achten. Der Mann fühlt die leise, innere Entfernung der Frau, wenn er durch die Verhältnisse zur Arbeitslosigkeit verurteilt ist. Er sucht Liebe beim Kind, umsomehr, je stärker die Frau ihn seine ausgezwungene Unzulänglichkeit fühlen läßt.
So wurde es, daß heute in vielen, vielen Ehen die Mutter mit Strenge die Kinder überwacht, weil der Bater mehr Weichheit und Unausgeglichenheit in die Erziehung bringt, als es früher bei einer richtigen Mutter der Fall war. Der Vater hat Zeit, furchtbar viel Zeit, viel mehr als eine Mutter jemals hatte. Kinder nutzen das aus. Ist nun der Vater einmal weg, sind die Kinder unfähig, allein mit sich fertig zu werden. Die Frau hat nicht genügend Zeit, sie will auch, daß wieder einmal selbständig gespielt wird. Die Kinder aber empfinden als hart, was gesündester Ausgleich ist.
Frauengeduld ist länger als Männergeduld. Auch heute noch. So kommt es, daß Männer, die sich erst regelrecht von ihren Spröhlingen trainieren liehen, auf einmal, wenn sie sich besinnen, furchtbar böse werden — bei einer Kleinigkeit. Zehnmal vorher wäre der Zorn angebrachter gewesen. Natürlich summierte sich alles und einmal reiht der Bogen. Aber ein Kind versteht das nicht. Es sieht nur ungerechte Strenge beim letzten, keinen Unartigsein.
Aber ich will gerecht fein: auch Mütter passiert das! Wenn es aber schon passiert ist, dann halte ich es für verkehrt, das Kind gleichsam um Verzeihung zu bitten, um seine Liebe zu werben. Kinder kommen sich dann viel zu wichtig genommen vor. Es ist so einfad), dem Kind zu sagen: „Hör mal, du hast zehnmal verdiente Strafe nicht bekommen. Das ist jetzt halb so schlimm, wenn du vorher nie und niemals auf Ermahnungen folgtest.'
Der ärgste Fehler in der Kindererziehung ist das Nachgeben, wenn schon ein Verbot ausgesprochen war. Wieder ists die Not der Zeit, die hier viel Unheil schasst. Auf der einen Seite gibt der Vater nach, um sich die
Zrauen-Knechlschasl und Kinder-Ehen.
Nachfolgende Schilderung entnehmen wir dem soeben im Bergstadtoerlag, Breslau, erschienenen Werke von Luciano M ag r in i: „Im Indien Brahmas und Gandhis". lieber Volk, Land und Mahatma Gandhi. Gandhi bezeichnet dieses Werk als die lebendigste und klarste wissenschaftlich schildernde Darstellung seines Vaterlandes, die je in Europa über Indien erschienen ist. Dieses Werk ist aus dem Italienischen übereilt worden von Hosrat Franz Latte r e r-Lmten- bürg und kostet in Seinen gebunden (Großoktav mit 38 Bildern und einer dreifarbigen Karie Indiens) RM. 5,50. (Die Schrift!.)
In dem Indien der in Riten und kleinliche Reltgions- gebräuche gepreßten Kasten, die alle Tätigkeiten, alle Regungen und alle Aeußerungen des menschlichen Daseins durchdringen und in Fesseln zwängen, sind selbstverständlich auch die Frauen und alles das, was die besonderen Bedingungen ihres Lebens anbelangt, nicht vergessen worden. Die Frauen wurden durch den Egoismus des Mannes in die Knechtschaft religiöser Fesseln gepreßt, die sie als minderwertig und ausschließlich zum Dienste ihres Gebieters und dazu geschaffen betrachtet, ihm zu gehorchen. In dem Lande der Parias, dieser geknechteten Klasse, muhte auch die Persönlichkeit der Frau unterdrückt werden. Die Frau wird für die Ehe geboren, die die feierlichste, die komplizierteste und teuerste Familienzeremonie des Hinduismus ist. Zarte Fäden der Liebe sind der indischen Ehe unbekannt, die von den Familien für ihre im jüngsten Alter stehenden Kinder in prunkvollster Weise geschlossen wird. Gewöhnlich finden Verehelichun- gen zwischen Mädchen im Alter von vier bis acht und Knaben im Alter von sieben bis elf Jahren statt. Die Zeremonien, die diese Vereinigungen der beiden Kinder begleitet, sind die wichtigsten im Leben, für sie gibt der Inder, welche auch seine Stellung sein möge, sehr grohe Summen aus und macht, wenn ihm die Mittel fehlen, Schulden, die er vielleicht niemals zu begleichen imstande sein wird und die ihm für den Rest seines Lebens eine harte Last sein werden.
Nach Beendigung der Hochzeitsfeier führen die Eltern der jungen Frau sie in ihr Haus zurück, wo sie bis zum
VeNage zur
Siebe des Kindes zu erhalten, wie er glaubt, auf der anderen Seite die Mutter um des lieben Friedens willen. Es gibt nämlich auch Väter, die nicht diese betonte Anhänglichkeit zum Kind haben. Sind sie in knappem Brot oder arbeitslos, ärgert sie zu Haus die Fliege an der Wand. Die Kinder sollen mäuschenstill (ein. Die Frau fürchtet Szenen, darum bekommt das Kind doch seinen Willen. So erzieht man sich Quälgeister, die solang^ den Umstoh eines Verbotes erfragen, bis aus Müdigkeit, aus verkehrter Siebe, aus Furcht nachgegeben wird. Kinder wittern förmlich ihre Möglichkeiten.
Menschen erzä
Bilder aus einem
Die Kammer, in der man mich unterbrachte, war etwa zwanzig Quadratmeter groh. Hölzerne Pritschen, — ohne Decken, Kisten oder Stroh —, ein Tisch, zwei Bänke ohne Lehne bildeten das Mobilar. Am Tisch sahen, als ich eintrat, sechs Menschen. ,,N' Abend", sagte ich ,,N' Abend", antworteten Sie. Dann wurde nichts mehr gesprochen. Also setzte ich mich zu ihnen an den Tisch, zog mein Taschenmesser hervor und reinigte mir die Fingernägel. „Ooch Kunde?" brach endlich einer das Schweigen. „3a." — „Schon lange?" — „Seit heute." Der Frager, der mir gegenüber saß, ein etwa dreißigjähriger Mann mit bleichen, eingefallenen Wangen, grinste verächtlich. „Haste Geld?" Ich schüttelte den Kopf. „Zigaretten?" Diesmal konnte ich bejahen. Ich griff in die Tasche, holte meine blecherne Tabaksschachtel hervor, in der mehrere Zigarettenstummel lagen und bot ihm eine .Lippe" an. Er entzündete sie und reichte dann die Schachtel weiter. Sie machte die Runde um den ganzen Tisch. Als ich sie endlich zurück- bekam, waren wir mittlerweile Freunde geworden.
Mein Gegenüber war Hausdiener in einem Berliner Hotel gewesen. Acht Jahre lang hatte er seinen Posten redlich und treu ausgefüllt. Dann verschwand plötzlich der Koffer irgendeines Gastes. Er kam in Verdacht. Nachweisen konnte man ihm nichts. Aber wie es schon so geht, bei erstbester Gelegenheit wurde er entlassen. Vertrauliche Auskünfte sorgten dafür, daß ihm sein Beruf in derselben Stadt verschlossen blieb. — Seit zwei Jahren tippelt er nun durchs Land und verdiente (ein Geld mit „Klinkenputzen" (Betteln in Privathäusern.) Mit welchem Erfolg, davon redeten seine Kleider eine deutliche Sprache. Er trug nichts auf dem Leibe als ein zerlumptes Hemd, eine dünne Hose, ein noch dünneres Jackett und durchlöcherte Schuhe an den Füßen. Die ausgeftanbenen Entbehrungen, die bittere Not des erzwungenen Vagabundenlebens, hatten auch seine Lungen nicht verschont, wie an seinem häufigen, trockenen Husten zu erkennen war. Der alte Graukopf neben ihm, in sackartige Lumpen gehüllt, gehörte zu den Namenlosen, die der Krieg entwurzelte und die die Inflation an den Bettelstab brachte. Fünfundzwanzig Jahre arbeitete er als Holzfäller im „Korridor". Fünfundzwanzig Jahre sparte er sich Groschen für Groschen vom Munde ab. Der ersehnten Ruhe im Alter entgegen. Als der Krieg zu Ende war, er fori mußte aus Neupolen, reichten seine Kräfte nicht mehr aus, um sich als Holzfäller noch einmal zu versuchen. So geriet er auf die Landstraße, von dort ins Asyl. In seinen trülben Augen glitzert das Wissen um die eigene Zukunft. „Ja, wer das Ende wüßte?" sagt er bitter, „vielleicht eine Pritsche im Asyl, ober verrecken im Straßengraben." Er schweigt und versinkt in selbstquälerische Gedanken.
Ein Bautechniker ist unter uns, den das Wohlfahrtsamt hierher gewiesen. Ein junger Mensch noch, fünfundzwanzig Jahre alt. In einem Anfall nervöser Ueberreizung, hervorgerusen durch Ueberarbeitung, jagte er sich plötzlich, sittlich nicht mehr gefestigt, aus seinem letzten Dienstplatz eine Kugel durch die Brust. Nach sechs Monaten Spitalsbehandlung lag er dann arbeitslos auf der Straße. Hier in der Stadt hoffte Alter der Geschlechtsreife, ungefähr bis zum zwölften Jahre, verbleibt, deren Erreichung aufs neue festlich begangen wird. Von den Verwandten des Gatten wird bann bie junge Frau zum Ehebett geleitet. Nach einem Monat nehmen bie Eltern die Tochter für ebensolange Zeit zu dem Zweck, das junge Geschöpf nach und nach an das eheliche Zusammenleben zu gewöhnen, wieder zu sich zurück. Durch einige Jahre, ober solange keine Kinder vorhanden sind, wohnt die junge Frau abwechselnd im Hause ihrer (Eltern und in dem ihres Gatten. Nicht selten jedoch flüchtet sie, von der Schwiegermutter wie der letzte Dienstbote behandelt, in das Elternhaus; ist der Zwist zwischen den Familien geschlichtet, kehrt bie junge Ehefrau wieder unter bas eheliche Dach zurück, um bann neuerlich vor ben wieberholten Plackereien ber Schwiegermutter zu fliehen, bis sie, durch die Wartung ihrer Kinder ans Haus gefesselt, sich der maßlosen Herrschsucht der Schwiegermutter fügen muß. Ein Mann, der Witwer wurde, kann aufs neue auf Brautfchau ausgehen, und es gibt Fülle, daß ein Witwer im Alter von fünfzig oder sechzig Jahren eine Ehe mit einem Kind von sechs oder sieben Jahren schließt. Die Frau jedoch, die Witwe blieb, muh, auch wenn sie es noch vor Eintritt ber Pubertät wurde, in unabänderlicher Witwenschaft verharren. Es ist gleichgültig, ob sie mit dem Knaben, den man ihr seinerzeit bestimmte, zusammengelebt hat ober nicht: ihre Verurteilung zu ewiger Witwenschaft ist stets die gleiche und unabänderliche Ihr Leben ist beendet. Es gibt in Indien ungefähr hunderttausend Witwen zwischen fünf und zehn Jahren und zwanzigtausend unter fünf Safjren! Das Los der indischen Witwe ist erbarmungswürdig! Für sie gibt es keine Hoffnung, keinerlei Möglichkeit, eine neue Ehe einzugehen! Die Witwe ist verachtet, wird schlecht behandelt und gemieden wix ein unglückbringend Wesen. Hat sie ihren Gatten in ihrer Kindheit verloren, beginnt ihre Erniedrigung, sobald sie bei erreichter Pubertät in bas Haus ihrer Schwiegereltern geführt wirb Die Haare werben ihr abgeschnitten, ber Barbier erhält den Auftrag, ihr einmal des Monats das Haupt zu rasieren; sie erhält einen weihen Lumpen als Kleid zum Zeichen ihrer ewigen Trauer; sie darf keinen Schmuck anlegen, an keiner Familienfestlichkeit teilnehmen; ihrer harren bie schwersten und widerwärtigsten Arbeiten, als Nahrung erhält sie die Reste vom Mahle der übrigen Familienmitglieder.
Zeitung
Aus wirklicher Liebe zu ihren Kindern sollten die Eltern eisern konsequent bleiben. Es gibt auch einen gesunden Elternegoismus. Man darf sich nicht zermürben lassen von übersteigerten Kinderansprüchen. Vater und Mutter müssen miteinander erziehen, nicht unbewußt und ungewollt vielleicht gegeneinander.
Unser Leben ist hart. Wissen wir, wie bie Zukunft unserer Kinber sein wirb? Wir können nichts tun als verständig erzogene Menschen ins Leben schicken, Menschen, die mit sich selbst fertig werden können. Der Geist des Elternhauses aber wird ihr Leitstern sein: ihr Glück oder — Haltlosigkeit. 8 ®
[en ihr Schicksal.
Obdachlosenheim.
er Hilfe und Arbeit $u finden. Umsonst fein Bemühen Wo er anklopfte, pochte er an verschlossene Türen. Seine letzte Hoffnung, das Wohlfahrtsamt, schickte ihn wie alle, die dort vorsprechen, ins Asyl. Er verachtet uns Verbissen sagt er es: „Betteln? Nein! Im verlausten Asyl bleiben, hier langsam zugrunde gehen? Auf keinen Fall!" Morgen wird er noch einen Versuch machen. Scheitert er, gibt es wieder keine Arbeit, bann — „Schluß mit bem Leben! Besser tot als Strolch!"
Niemand lacht. Und mancher empfindet die brutal hingeworfenen Worte de? Technikers — als Vorwurf. Die Unterhaltung gerät ins Stocken. Der Techniker hat bie Unterhaltung verdorben. Zum Glück erhebt er sich, verläßt den Tisch und legt sich auf feine Pritsche.
Ein ehemaliger Schlosser, athletisch gebaut, mit einem Fuchsgesicht, bringt dann die Unterhaltung allmählich wieder in Fluß. Er kommt auf die Verhält- nisse in Gefängnissen zu sprechen und bestätigt die oft gehörte Meinung, daß es in einzelnen Gefängnissen, so auch im Jnsterburger Zuchthaus, sich besser leben lasse, als in den meisten Asylen. Eingehend schilderte er bann seine Erlebnisse auf der Wanderschaft. Arbeits- faul, schlug er sich lange Zeit mit dem Sprüchlein: „Grüß Gott, Meister und Gesellen, ein fremder Schloi- (er spricht um Arbeit zu", schlecht und recht durchs Leben. Wenn es ernst wurde mit dem Malochen (Arbeiten), dann türmte er. Bis ihm diese Betätigung eines Tages nicht mehr recht paßte und er sand, daß man mit Einbrechen mehr verdienen müsse als mit Vor- sprechen bei Meistern. Er lebt jetzt besser wie früher, wandert aber auch oft genug ins Gefängnis. Dafür blickte er mit einem gewissen verächtlichen Blick und Mitleid auf uns herab.
Noch lange höre ich später nach bem Schlafengehen, als Wanzen und Läuse — von denen die Pritschen wimmelten — mich am Einschlafen hinderten. Mein 33er- dacht wurde am folgenden Morgen, als Fuchsgesicht sich mit den beiden in aller Frühe empfahl, bestätigt. „Kommt," sagte er laut zu ihnen, „laßt die Esel allein, mir ziehen auf Platte.) (Gehen einbrechen). Und fort waren sie.
Eine Stunde später ich auch.
Silber das Leid, das ich fühlte und die Empörung, auf bie ich mich stützte wie auf einem Stab, will ich nun gerne an meine Leser abtreten. Aber wer kann helfen? Der Einzelne und sogar viele Einzelne können es schon lange nicht mehr. Auch jene, bie noch arbeiten, können es nicht. Denn, lieber Leser, so wie* es an diesem Tisch de» Obdachlosenasyls zugeht, so geht es an allen Tischen des Heimes zu. Jedes Heim hat viele Tiche. Jede Stadt in Deutchland hat mindestens em Heim; jede Großstadt mehrere. Nun überlege, taxiere, was für einer Zukunft wir entgegengehen, wenn das so weitergeht wie jetzt ... A. ff.
Indischer Spruch.
Wie Sonne scheinen und wie Tag uns Mond und Nacht, Wenn unser Herz erfährt ber Freube Macht;
Doch wenn im Herzen Leib unb Kummer wohnt, Dann scheinen Tag unb Sonne uns wie Nacht unb Monb.
Die verheirateten Frauen müssen sich ganz ben häuslichen Arbeiten widmen. Ihre Pflichten sind in einem alten Faimliengesetzbuche, in dem „Padme Purana", festgelegt, das immer noch, wenn auch mit einigen Milderungen, in ber Mehrzahl br indischen Häuser Geltung hat. „Für eine Frau" — sagt dieser heilige Text — „gibt es auf Erden keinen anderen Gott als ihren Che- gemahl. Die Frau ist erschaffen, um in jedem Atter zu gehorchen: ben Eltern, dem Mann, den Schwiegereltern und den Kindern. In keinem Augenblick ihres Daseins darf sie sich als Herrin ihres Selbst betrachten. Wenn sie ihren Mann lachen sieht, wird auch sie lachen; ist er traurig, wird auch sie traurig fein; wenn ihr Gebieter Tränen vergießt, wird sie ebenfalls meinen. Die Frau darf nur essen, nachdem ihr Mann gegessen hat; saftet er, hat auch sie zu fasten." Die Vorschriften fahren in diesem Tone fort: „Die Frau hat nur an ihren Ehegemahl zu denken, unb niemals bars sie in bas Antlitz eines anderen Mannes blicken. Wenn ber Mann längere Zelt vom Hause abmefenb ist, barf seine Frau bas Haus nicht verlassen, sich nicht bie Zähne reinigen unb nicht bie Nä- gel schneiden, roirb nur einmal der Tages essen, nicht im Bette schlafen und keine neuen Kleiber anlegen."
Zu allen biefen Verpflichtungen kam — bis vor weniger als hundert Jahren — eine andere grausame Empfehlung hinzu, die auch von einer kleinen Zahl von Witwen, bie bas Parabies durch ihren freiwilligen Opfermut zu erlangen trachteten, befolgt wurde: „Die Frau soll weniger an ihren Kindern, ihren Enkeln unb ihren irdischen Gütern hängen als an ihrem Gatten unb sich bei feinem Tobe" — sagt bas „Pabme Purana" — „bei lebendigem Selbe auf demselben Scheiterhaufen wie er verbrennen lassen, unb alle werben ihre lugenb feieret." Diese schreckliche Sitte würbe in bem eblen Stamme ber Radschas befolgt, in bem sie auch entstauben war, unb wurde als ein Akt bewunderungswürdiger Unter- merfung angesehen, ber bas Ansehen jener Familien, denen bie unglückseligen Opfer angehörten,. ungemein steigerte. Die Sutti — so nannte man diese barbarischen Selbftopferungen unb bie Frauen, die sich verbrennen liehen — sanden am zahlreichsten an ben Ufern bes Ganges statt unb waren noch bis vor ungefähr achtzig Jahren in Hebung, zu welcher Zelt sie durch ein strenges
10. November
Meine Begebenheit.
Dem Leben nacherzähtt.
Der Regen hatte aufgehört, und in einem letzten Aufleuchten brach die Abendsonne noch einmal durch den Wolkenvorhang Die Bäume schüttelten ihre Zweige hn leichten Wind und ließen glänzende Tropfen her» prüfoen. Langsam schritt ich über die verschütteten Wege des Friedhofes, ber still und einsam am Waldes» bang träumte. Kein Laut ringsum, nur das Rascheln einer Amsel im Strauchwerk, ein fernes Hundegebell, ein kleines, zaghaftes Vogellied in den Zweigen einer Trauerweide. Süßer Duft der Nelken und Rosen trömte über die Gräber, unb letzte Sonnenstrahlen legten sich auf Strauch und Stein Da klang ein fr einher Ton an mein Ohr. Ein Kinderruf? Nein, fast schien es ein Singen Als ich dem Schall nachging, über ben breiten Weg etwas bergan, bann über schmale Seitenwege, klang es immer deutlicher, nahm Melodie unb Wort an. bis es vornehmlich zu mir herüber» schwang: „Sah ein Kn ab' ein Röslein stehn. Verwundert hielt ich inne, und als ich den Kopf wandte, sah ich ein Bild, jv lieblich, so voll tiefer, inniger Mensch» lichtest, daß es mich seltsam ergriff. Vor einem ein» fachen Grabstein stand eine Frau aus dem Volke, um sie herum drei Kinder, das älteste etwa zwölfjährig, und alle vier, ben Rücken zu mir gekehrt, fangen laut und unbekümmert die Strophen des bekannten Liedes Als ich mich durch eine Bewegung verriet, bückte sich bie Frau um, sah mich aus offenen Augen fröhlich an. Nähertretend bot ich guten Abend. Da sagte sie zur Erklärung des ungewöhnlichen Liedes an dieser Stätte: „Mein Mann hat es halt so gern gehabt, das Lied, und da gehn mir zuweilen abends miteinander zum Fried- hof und singen es ihm vor. Vor zwei Jahren ist er verunglückt, ist morgens früh in die Treibriemen gekommen! Und abends vorher hatten wir das Lied noch zusammen gesungen." — „Stell dich her, Lotte, mahnte sie die kleine Vierjährige, „du kannst nichts auf dem Stein sitzen, es ist zu kalt da, und du, Karl, — sie strich ihrem Aeltesten freundlich über den blonden Haarschopf — „du kannst mal bie zweite Stimme probieren, wenn wir nun die letzte Strophe fingen, wo ihr's setzt in der Schule lernt, bloß nicht fo brummen am Schluß--"
ßangfam ging ich den Weg zurück und lauschte den leiser werdenden Klängen, bie der Abendwind auf ferne Schwingen nahm und wie einen Gruß hinaustrug ins Abendrot. Josepha Fuhrmann-Bouviek.
ZeUgemStze Koch-Rezepte.
Gemüsesuppe mit Brühwürstchen. Zutaten: 750 Gr. Gemüse in buntem Gemisch, 375 Gr. Kartoffeln, 40 Gr. Bratfett, 50 Gr. Haferflocken, 2% Liter Fleischbrühe aus 6 Maggi' Fleischbrühwürfeln, Petersilie, 2 Paar Brühwürstchen. Zubereitung: Die ver» schiedensten Gemüse, wie man sie bekommen kann, werden geputzt und sein geschnitten, man brät sie in dem heißen Bratfett durch und überfüllt sie mit ber Fleischbrühe. Wenn die Suppe ca. 40 Minuten gekocht hat, kommen die kleingefchnittenen Kartoffeln und bie Haferflocken dazu und kochen langsam mit den Gemüsen weich. Die fertige Suppe wird nach Salz abgeschmeckt und mit gehackter Petersilie gewürzt, man legt beim Aufträgen die gargezogenen, in Scheiben geschnittenen Brühwürstchen hinein.
Einkopfgericht aus Hammelfleisch mit Tomaten. (Für 4 Personen.) Zutaten: 500 Gr. Hammelbrust, 750 Gr. Kartoffeln, 500 Gr. Tomaten, eine Tasse Fleischbrühe aus 1 Maggi's Fleischbrühwürfel, 2 Zwiebeln, Salz, 1 Teelöffel gewiegte Petersilie. Zubereitung: Das Fleisch wird in Stücke geschnitten, die Tomaten ebenfalls, während man bie geschälten Kartoffeln und Zwiebeln in Scheiben teilt. In eine gut schließende Kasserolle gibt man die Fleischbrühe, schichtet die zerschnittenen Zutaten abwechselnd hinein, schließt das Kochgeschirr gut und schmort das Gericht langsam 1% Stunde. Es wird in tiefer Schüssel angerichtet und beim Aufträgen mit der Petersilie bestreut.__________
Gesetz ber englischen Regierung nachdrücklichst verboten wurden.
Die Frauen, bie begeistert an ber Swaradschisten-Be» roegung teilnehmen, bereiten den Komps zur Wiedererlangung ber mit Füßen getretenen Rechte bes Weibes vor, unb Gandhi, hat hochherzige Worte zur Verteidigung des weiblichen Geschlechtes geschrieben, das er als bie bessere und vornehmere Hälfte der Menschheit betrachtet. weil bie Frau bas Opfer, den stillen Schmerz, bie Demut, den Glauben unb bie Dankbarkeit verkörpert. „Die Anschauung ber Frau ist häufig gerechter als ber anmahenbe Dünkel bes Mannes, ber sich höheres Wissen zuschreibt." „Ich wünsche" — ruft Gandhi aus „mit leidenschaftlicher Begeisterung bie völlige Freiheit ber Frau! Ich verdamme bie Kinderehen; ich schaudere, wenn ich ein verwitwetes Kind erblicke; ick; zittere vor Zorn, wenn ein Witwer mit brutaler Gleichgültigkeit eine neue Ehe eingeht. Ich beklage die strafbare Gleichgültigkeit der Eltern, die ihre Tochter in Unwissenheit aufwachsen, ihnen keine Bildung angedeihen lassen und sie einzig als Heiratsobjekte erziehen."
Gandhi selbst wurde im Alter von acht Jahren verheiratet unb hat sich mit zwölf Jahren mit seiner Frau, der heroischen unb intelligenten Gefährtin seines Glaubens unb feiner Kämpfe, vereinigt! An der Hand des Beispiels seiner eigenen glücklichen Ehe zeigt er, bah er ausnahmsweise auch eine berartige Ehe, bie früher geschlossen würbe, als bie Bildung bes Charakters vollen- bet war, zu einer wunbervvllen seelischen Einheit zwischen ben Gatten unb für das ganze Leben fuhren kann. Die ungeheure Mehrheit ber indischen Frauen lebt aber in Knechtschaft, ohne Liebe unb ohne Freude.
Die neue soziale Strömung, die sich in Indien zaghaft ans Licht wagt, wirb auch bie Lebensbedingungen ber inbischen Frau ändern. Schon ruft, wenn auch schüchtern in ben großen Stählen eine kleine Schar indischen Frauen nach Gleichberechtigung mit bem Manne unb nach ber Freiheit ber Frau: „Freiheit des Herzens^ Freiheit ber Bildung, Freiheit der Eheschließung!"
Ein weyig Licht, ein wenig Liebe! Doch bie große Masse Indiens scheint noch taub unb untätig diesem Ruf und diesem Wunsche gegenüber . . .