g. November
Vellage zur Fuldaer Zeitung
259
Später war
vertrag
bewußte Einstellung handeln, Siedlung nicht will.
Ist da» Flugblatt aber nicht gerade ein Musterbeispiel dafür, wie man heute die Jugend durch leere Redensarten und oberfaule Versprechungen anlockt? fiier treibt eine Schicht ,die bis zu dem nicht von dem gutgläubigen deutschen Volk verschuldeten Zusammenbruch von 1918 führte, Iugendverdummung raffiniertester Art.
Jawohl, wir brauchen Land. Das erhalten und erobern wir aber nicht, wenn wir die landhungrige Jugend auf ferne, unerreichbare Ziele vertrösten, sondern, indem wir sie lehren, selbst wenn es gegen die Interessen einer einflußreichen, gesellschaftlich führenden Schicht geht, an dem Neubau und Umbau unserer nationalen Wirtschaft tatkräftig mitzuarbeiten. Den deutschen Osten halten wir nicht gegen das Polentum, wenn wir in frisch-fröhlicher Art marschieren und den gewiß sehr schönen Geländesport treiben, sondern indem wir siedeln und schuften und die deutsche Volkskraft stärken. Nur ein starkes, selbstbewußtes Volk wird einmal, wenn es eine kluge Führung hat — und das können nicht mehr die Ehrengäste sein, die bei den Stahlhelm-Aufmärschen die Paraden abnehmen — die Fesseln sprengen, die ihm angelegt worden sind.
deutsches Schrifttum mit neuen wertvollem Gut be- reichern. Auch nicht dem Dichter der Erzählungen, No- vollen, Epen und Gedichten, dem Dichter der „Morgenwege", des .bekränzten Jahres", der „Gedichte". Oft genug sprechen Sie uns hier aus innerster Seele und Sehnsucht, sind Sie hier so recht der „Erdenwanderer", der mit festem, breitem Schritt durch diese Welt schreitet, offen, empfänglich, bereit, und jubelt und singt:
„Das Land ist weit, die Erd' ist gut, und wie ste tief sich regt.
Das kann wie eine Tatze sein, die in den Leib mir schlägt.
Da krümm' ich mich vor großer Lust, o Lust, Geschöpf zu sein!
Da leidt's mich nicht im Tagwerk mehr, lauf in die Welt hinein.
Doch gerade solche Strophen wie Ihre Gedichte überhaupt lassen ahnen, daß Sie mehr sind als ein „Epiker" oder bloßer Dichter, daß Ihre eigentliche Stärke anderswo ruht, nämlich im Drama. Und dem Dramatiker in Ihnen wollen wir heute danken. Denn hier sind Sie so recht ein „Dichter der Jugend" geworden. Wie oft waren Sie genötigt in unserer Mitte und verklärten und krönten unsere Feste und Feiern mit Ihrem ewig schönen „A p o st e l s p i e l", das immer wieder so tief bezwingt und überwältigt. Schon wie es so heimelig anfängt, in der verschneiten Almhütte, droben in den Bergen. Es ist Abend und Großvater und Enkelin allein. Plötzlich kommen da, verbittert und verwildert, zwei Fremde hereingestapft. Magdalena hält sie in ihrer kindlich frommen Unschuld für Apostel des Herrn, die wieder zur Erde gekommen sind. Und nun ist das köstlich und erschütternd zugleich, wie dar Mägdlein in die Fremden bringt, sie ausfragt nach dem Leben und der Liebe des Herrn Christ, und wie diese Menschen der Landstraße, gekommen um zu morden und zu rauben, immer stiller und sonderbarer werden
und erschüttert von soviel lebendigem, seligmachendem Glauben urplötzlich wieder in die klare Sternennacht verschwinden.
Es ist wohl das schlichteste, gradlinigste Spiel, was Sie geschrieben haben, fern aller Problematik unserer Zeit, aber darum wohl auch das innigste und be- zwingendste. Freilich nicht minder wissen wir auch Ihr anderes „geistl. Schauspiel" zu schätzen, Ihr „Schutzengelspiel", in dem die Meid, die so hart und herb gegen das Gebot der Liebe gefehlt hat, zur Buße am Domweg stehen und jedem Vorübergehenden sich zur Braut anbieten muß. Das ist der Weg zur Vollkommenheit, den Sie uns weisen: die Verdemüti- gung. Denn die Stufen in Demut hinab sind die Stufen zur Vollkommenheit hinauf.
Ihr gewaltigstes Werk ist aber wohl Ihr „N a ch- folge - Christi - Spiel". Wie da ein Schloß- Herr zur Zeit der Türkenkriege dem Herrn ein Kreuzbild gelobt hat, dann aber bas Unglück über ihn in voller Wucht hereinbricht, sein Weib ihn verläßt, ein Verräter die Banditenscharen der Türken und Ungarn einläßt und schließlich statt des geschnitzten Christus der Schlohherr selber ans Kreuz muß, wie er, in letzter Stunde noch befreit, seinen Peinigern verzeiht und, um diy Nachfolge zu vollenden, stirbt, das alles haben Sie so tiefgläubig und mit so glühender Inbrunst geschrieben, daß es wirklich ein „geistliches Schauspiel" geworden ist. In gewaltiger, dichterischer Steigerung geigen Sie hier den Typ wesentlich christlicher Tragik, lassen Sie aufleuchten die ganze Paradoxie der Kreuzes, an dem sich Frevel und Verzeihen und Heldenstärke, Tod und triumphierender Sieg ih eins zusammenfinden.
Um vollständig zu fein, müffen wir auch noch Ihr letztes Spiel erwähnen, das Sie ja deutscher Jugend ganz besonders schenkten, Ihr „Altes deutsches Weihnachtsspiel". Man spürt, daß cs aus einem Land gewachsen ist, wo noch Glaube, Treu und alte Vätevsitte eine Heimstatt haben, wo ein Spiel noch
Brief der Jugend an Max Mell. |
Zu de» Dichter» 50. Geburtstag am 10. November.
Verehrter und lieber Herr Doktor!
Nun wollen auch Sie schon Ihr 50. Lebensjahr vollenden und also einrücken in die Reihen jener, die wir so gern die „ältere" Generation zu nennen pflegen, oft nicht ohne einen leisen Unterton. Aber das wissen wir: Sie bleiben bei uns. Zu jung sind Sie noch, zu frisch und lebendig in Ihrer ganzen Art. Das macht uns Mut, heute mit unserem bescheidenen Glückwunsch vor Sie hinzutreten. Gewiß werden Literaten, Dichter und Kritiker Ihr fünfzigstes Wiegenfest gebührender zu feiern wissen, werden zu diesem Tag große Abhandlungen schreiben über den Ideengehalt Ihrer Werke, über die Zusammenhänge 3f)rer Dichtung mit Ihrer steiermärkischen Heimat usw. Vieleicht werden S'C selbst im stillen lächeln über all die schönen Worte und ®ebanten, die andere aus Ihrem Werk herauslesen, über all die wunderbaren Verknüpfungen, die scharf, sinnige Denker Ihnen da aufdecken.
Also fürchten Sie nicht, unser Brieflein werde eines jener Jubiläumsartikel, die Dichter und Werk feiern und verherrlichen und dabei so leicht die Wendung zum literarischen Nekrolog nehmen. Denn schließlich, fünf- iig Jahre sind keine Zeit für einen Dichter und Men- Ichen, wo doch der Dichter der „ewig Werdende" ist. 1Jnb wenn Sie beute zurückschauen, so ist Ihnen »ar wunderlich im -Sinn und werden vielleicht nicht einmal Sanz damit einverstanden fein, daß Ihre Freunde dieses »steine" Leben feiern und ehren. Aber Sie muffen dem schon zustimmen; denn nicht ungestraft beschlagnahmt der Dichter in seinem Werk die Menschlichkeit.
Unser Glückwunsch heute kann nur Ausdruck des Dankes [ein, Zeugnis unserer Liebe und Verehrung für Sie. Aber nicht dem Wissenschaftler in Ihnen gilt heute so sehr unser Dank, dem „Germanisten und Dr. Phil.", der Sie ja von Beruf sind unb als der Sie
rigetn Ergebnis.
Der Grundgedanke war, man wollte nicht eine staatliche Aktion aus der Siedlung machen, fondern ein Geschäft. Die liberale Wirtschaftsauffassung setzte sich durch. Teils wegen der schlechten Erfahrungen mit den Ansiedlungskommissionen; wohl auch aus Scheu vor sozialistisch erscheinenden Maßnahmen. Bei diesem Ge- schäft kam es darauf an, Käufer zu finden. Man mußte die Ware (Sieblerstelle) so Herstellen, baß sie gefiel. Selbstverständlich gefiel einem Bauern ein großes Haus besser als ein kleines. Besonders, wenn er 10 000 Mark ober mehr anzahlen mußte. Wer soviel Geld hatte, glaubte auch Ansprüche haben zu dürfen, und so wurden die Stellen zu hoch mit Kapital für Bauten belastet; und trotzdem waren die Er- roerber nickst zufrieden. Wenn eine 60-Morgen-Stelle 38 000 Mark kostete, dann mußten unter Errechnung der Zinsen für das eigene Kapital etwa 1900 Mark jährlich ausge bracht werden an Rente. Davon der größere Teil für die Gebäude. Unb 30 Mark Rente kann der Siebler aus bestem Boden kaum erwirtschaften. Das ©ieMungsergebnis war für die Be- teiligten nicht nur unerfreulich wegen der Unzufriedenheit des Siedlers, sondern auch nicht zu tragen bei dem Absinken der Erlöse für Dich und Getreide. Dabei war sehr viel Geld verbraucht worden; nicht nur unmittelbar zur Finanzierung der Stelle, sondern auch im bürokratischen Apparat. Dazu kam dann noch, daß die entstandenen Siedlungsgemeinden nicht gerade Muster in der sozialen Gestaltung darstellten; aus der Verschiedenheit der Herkunft, des Stammes und der Welt- anschauung ergaben sich Konflikstoffe; Gründe genug, um in verantwortungsbewußten Kreisen den Willen
Daß während der Inflationszeit nickst genug Land auf den Markt kam, ist leicht begreiflich. Wer hätte auch um Papier den Boden hergegeben. Später war 'Siedlungsland eher zu erhalten; bisweilen wurde es sogar heftig angeboten, und zwar um so mehr, ,e mehr die nach der Inflationszeit aufgenommene Schul- denlast zu drücken begann. Es waren auch Siedler ge- nug da; sie hatten auch oft genug die erforderliche An- Zahlung bezw. bekamen sie zur Verfügung gestellt, so daß es daran nicht fehlt«. Das Geschäft konnte ablaufen. Unb es lief sehr reibung-voll ab unb mit trau-
nach einer besseren Siedlungsmethobe wach werden M lasse--.
Lange genug ist der Streit darum gegangen, ob man die neue Siedlerstelle voll ausgebaut dem Siebler übergeben solle ober ob man ihm nur das Nötigste herstelle unb d e n weiteren Ausbau ihm überlasse. Die letzte Ansicht hat sich durchgesetzt. Und es dürft« auch wohl die richtige fein. Siedlung ist ein Wachstumsprozeß; man Hann nickst in drei Jahren produzieren, wozu der normale Bauernhof drei Jahrzehnte braucht. Das richtige Verhältnis zwischen der Leistung des Bodens und der Besetzung des Stalle» herzustellen, ist ein Kunststück, zu dem die ganze Fülle bäuerlichen Fachwissens und Erfahrung gehört. Zudem kostet eine vom Unternehmer hergestellte Einrichtung ein Mehrfaches von dem, was der Siedler baftir aufwendet, wenn er sie in der Freizeit schafft. Nicht zuletzt ist das seelische Moment zu beachten. Wer selbst aufbaut, Hai Dermttmortuna tmfür; über das von ihm selbst Gebaute schreibt kein Siedler eine Beschwerde an die Siedlunasaeselli^nit. Die e "ns be* -xis genommenen Einsichten lassen von selbst den Blick himvenden darauf, daß man die Siedlung nicht entscheidend als Geschäft sehen darf, sondern als rinnen Prozeß, -n dessen Mittelpunkt der Mensch steht, von dem aus bte Siedlung bestimmt werden muß. Man muß den Siedler beteiligen. Muß ihn mitbestimmen lassen bei der Austeilung. Muß sich seine Mitarbeit beim Aufbau sichern unb bie Kräfte wecken, die ein Gemeinschaftsleben wachsen lassen.
Wie soll das geschehen? Durch di« Gruppensiedlung. Diese Gruppe soll sich in der Heimat ober ber Sieblerschnle bilden. Man weiß, wie schwer Menschen sich zu dauerhafter Gemeinschaft find- den; ist sie nicht religiös unterbaut, bann ist sie noch weniger dauerhaft. Darum die konfessionell« Siedlerschule. Und Schule deshalb, weil der junge Mensch — auch der Jungbauer — einen weiten Schritt tun muß vom bisherigen Leben und seinen For- men zum Dasein als Siedler. In der Heimat war Tradition, feit Generationen gefügte Lebensordnung. In der Siedlung ist Fremde, Leere, überall neuer. Anfang. Da müssen die Menschen in sich stärker fein, weil der Halt von außen, durch die Ueberlieferung fehlt. Ja dieses Außen, das Gemeinsame, die Sitte-, das, was ein echtes Dorf ausmacht, es muß erst aus ihnen heraus entwickelt werden. Ohne die Hemmnisse, die im Bauerntum, als Schutz vor falschen Entwicklungen'liegen. Da muß das Religiöse bewußt werden; das soziale Verständnis für Menschen, die nicht aus dem Besitz kommen, muß geweckt werden. Der Sinn des Lebens und der Arbeit muß so tief erfaßt fein, daß bie kaum zu ertragenden Anstrengungen des neuen Anfangs doch zu tragen find; die politischen Einsichten, aus Ge- schickste und Gegenwart genommen, müssen helfen, politische Stellung zu gewinnen unb die eigene Ansiedlung im großen Rahmen ber Volkserneuerung zu sehen. Und über alle von Hause mitgebrachte Erfahrung hinaus ist an Wissen anzueignen, was immer für bie beste Gestaltung ber Sieblerstelle zu verlangen ist. Dabei wachst ber Wille zur Einfachheit, zum Verzicht; es wächst bi« Bereitschaft, mit Einfachstem zu beginnen unb das Leben langsam mit dem Wachsen des Betriebes auch voller und angenehmer zu gestalten. Solche einfache Siedlerstellen find billig; sie erfordern wenig Reichsmittel; ihre Rente bleibt so niedrig, daß der Siedler sie gerne bezahlt. Und man sieht Dörfer entstehen, in denen der Wille, sich selbst zu helfen, stärkstens lebendig ist.
Man sollte annehmen, daß all« national gesinnten Deutschen diesem Weg zur Besiedlung des menschenarmen Osten» zu stimmen würden; doch sind die Gegenströmungen, gerade in den sogenannten „nationalen" Kreisen, sehr stark. Sie können es nicht begreifen, daß sie den
mitten aus der Gemeinschaft heroorquillt wie ein sprudelnder Quell unb ganz kindlich gläubig zur Darstellung kommt. Was sind hier darum Worte? Man muß das Spiel schon selbst spielen und erleben mit ber ganzen Hingabe unb Liebe eines Gläubigen und so erfahren die unsagbare Seligkeit und Wonne dieses heiligen Geschehens.
Gewiß, Ihre Spiele tun nichts Neues kund, bringen keine neuen umwälzenden Ideen. Denn „mit der Botschaft, der alten, komm ich her" haben Sie selbst einmal gesagt. Hier aber gilt Ihnen unser ganzer jugendfroher Dank, daß Sie es wagten, nach Krieg und Umsturz mitten im Getriebe einer gottfremden und Gott immer mehr entfremdenden Zeit die ewige, jahrtausend- alte Glaubensbotschaft neu zu künden, bie alte Form bes mittelalterlichen Mysterienspieles in neuer Gestalt für unsere Zeit zu retten, schlicht-evangelische Einfachheit unb Eindeutigkeit, tief innerliche Gläubigkeit und Seelenhaftigkeit zu predigen in einem zerrissenen, ungläubigen, mechanisierten Jahrhundert. Daß auch bi« große „Welt" Sie unb Ihr dicherisches Schaffen aner- kennt, beweist die letzte Ehrung, bie Ihnen zuteil wurde, die Aufnahme in die deutsche Dichterakademie, in der Sie der erste Dichter kath. Weltanschauung sind.
Doch nun haben wir Ihre Geduld mit unserem Geplauder lange genug in Anspruch genommen. Rur eines noch: Was geht uns das Gerede von dem Zerfall aller Dolkskräfte eigentlich groß an, wenn es noch einen Dichter gibt, der nicht Verfall ist? Verehrter Herr Doktor. Sie sind uns eine Verheißung, daß bie Nacht einmal weicht. Daß der quirlende Strom unserer Zent vorüberschäumt unb im anbrechenden Tag der Zukunft der gesunde, gläubige Mensch wieder ruhig wandeln wird, so wie Sie. Und nun schreiten Sie hinein in ein neues Jahrzehnt! Unsere Glückwünsche gehen mit Ihnen. Seien Sie auch weiterhin ein Freund und Dichter
Ihrer spielfreudigen deutschen Jugend.
förmlich noch dem Boden schreiet». So wurde z. B. an ber Weser int vorigen Jahre noch eine Domäne neu verpachtet, obwohl in unmittelbarer Nähe größt« Bodennot und Erwerbslosigkeit herrscht und das Ministerium dau- ernd um Abgabe von Domänenlanb gebeten rourbe. Hier kann es sich nur um eine ’ - die die
Vlr brauchen mehr Land!- * richtig« Feststellung des „Stahlhelm". — warum man aber ber deutschen Jugend die Narrenkappe über die Ohren zu ziehen.
Wjvß wir Land brauchen, wissen wir alle. Auch wenn ’ uÄnhirbelung ber Wirtschaft gelingen sollte, wird sl großer Teil ber 7—8 Millionen beutscher Arbeit»- L^r nicht wieder in ber Industrie unterkommen. Die Umwicklung Deutschlands kann eben nicht mehr in ber Hiditung einer fortschreitenden Jnbustriealisierung gehen.
«fr fehlt der Auslandsmarkt für bie industriellen Er- teuaniffe. Auf Jahrzehnte hinaus werden also die nachgeborenen Bauernsöhne nicht mehr mühelos In den Städten lohnenden Verdienst und bie Möglichkeit finden, sich eine Existenz zu schaffen. Was soll aber mit den Menschen geschehen, wenn sie die Industrie nicht Mr aufnimmt unb bte Städte sie abstoßen? Dor 1870 mißten jährlich Hunberttausenbe aus Deutschland ausroanbern. Heute ist dieser Ausweg gesperrt, weil kein Land Einwanderer mit offenen Armen aufnimmt. 5s bleibt nur ein Weg: „Wir brauchen mehr Sanb!"
Wie verschaffen wir uns bas? Für jeben vernünftigen Menschen lautet die Antwort: Wir müssen z u - nächst den vorhandenen deutschen Boden zweckdienlich unter die deutschen Volksgenossen verteilen. Wir müssen den bodenhungrigen Deutschen im übervölkerten Westen Gelegenheit geben, sich im menschenarmen und von der polnischen Flut bedrohten deutschen Osten eine neue Heimat auf deutschem Boden zu erarbeiten. Man tut das aber nicht, fondern bie unter bem Einfluß ber oft- elbischen Großagrarier stehende Regierung von Papen sucht den nicht mehr lebensfähigen und aus nationalen gründen nicht mehr zweckmäßigen Großgrundbesitz durch reiche Geschenke aus den im Westen aufgebrachten Steuern künstlich zu erhalten unb bie Sieb» lung zu verhinbern. Merkwürdiger Weife erhebt aber zur gleichen Zeit 6er „Stahlhelm", ber besondere Liebling und die Hilfsarmee dieser einseitigen Regierung den Ruf: „Wir brauchen mehr Sanb". Sogar ber „Stahlhelm", besten Schwergewicht ohne Zweifel im grvßagrarischen Osten liegt, vertritt also bie Forderung nach einer planmäßigen Siedlung? So glaubt man wenigstens, wenn man die Ueberfdjrift eines vom „Stahlhelm" auch in Fulda verbreiteten Aufrufs zum Eintritt in den „Jung-Stahlhelm" lieft. Bald merkt man aber, daß man in raffinierter Weife bie beutfdje Jugend vom Denken zum Marschieren unb zur Gefolgschaft der „Führerschaft", die hinter dem „Stahlhelm" steht, bringen will. Wie beantwortet man dort den Ruf nach Land? Man höre und staune:
Deutsche SiedlungspoM nach dem Kriege Die Siedlung sollte keine staatliche Aktion, sondern ein Geschäft sein. Die Siedlungsstellen waren zu teuer. — Vie gegen die Siedlung kämpsenden sog. „nationalen" Kreise haben sich wieder durchgesetzl. Brünings .Liedlungsbolschewismus- ist eine der Hoffnungen des deutschen Jungvolkes.
Leser des
H „Blakt der Zugend '
I Organisiert in Euerem Heimatort die ' Volksfronk gegen Diktatur und Straßenterror. Wir brauchen eine disziplinierte Heimatwehr.
tungstolonie der internationalen Finanz geworden sind. Weil wir zugelasten haben, daß uns unsere Kolonien widerrechtlich gerauVt wur- ben, unsere weiten Sanbgebiete im Osten burch bie Pollaken überflutet, unsere Absatzgebiete in ber Welt durch Zollschranken, durch Eigentumsraub zerstört wurden.
Was können wir dagegen tun? Wir mästen uns zusammenschliehen unb für unser Recht kämpfen. Nur in einheitlicher Geschlossenheit und Tatbereitschaft, nicht durch leere Reden und böswillige Hetze kommen wir vorwärts. Jeder deutsche Jungmann gehört in den Jungstahlhelm. Wir lassen uns keine faulen Versprechungen machen, sondern wir wollen selber für unser Recht eintreten, doch dazu gehört, daß wir Disziplin halten, unb unseren Führer die treu sind, die Helden des großen Krieges waren. Wer zwei Jahre im Jungstahlhelrn war und mündig ist, hat bie Möglichkeit, in die Reihen der Frontsoldaten zu treten, um mit ihnen gemeinsam ein größeres, reicheres und besseres Deutschland zu erkämpfen u. f. w."
In bem Flugblatt heißt es so schön unb richtig: Ficht burch leere Reben kommen wir vorwärts", und ,wir lassen uns keine faulen Versprechungen machen."
Es war einmal.....
. öie Fabrik nun stumm unb leer, ' 6amine qualmen nicht mehr . . » fann nicht anbers ... am Tag eine Stunde L mie ein Dieb meine Runde
./ben fest verschlossenen Toren
'meine immer, was ich verloren, " sie doch einmal wiederkommen . . .
Jefe Stille macht mich beklommen . . .
. ,ine Ruine liegt die Fabrik . . .
, . trotz meinem steifen Genick
• Li tief meinen alten Rücken,
•“turA die Ritzen ber Tore zu blicken . . . u/L^ahre ... im Kesselhaus!
5/ bann--auf einmal — alles — aus . . .
11 fteh ich herum an verschlossenen Toren
- und suche — was - ich verloren . . .
V. Lembeck, in ber „ffierfjugenb".
„Wir brauchen mehr Land für unsere zweiten und dritten Söhne auf bem Lande, für unsere Volksernährung, für neue Arbeitsbeschaffung. Wenn jeder Landbesitzer feinen Boden immer weiter unter feine Kinder aufteilt, bleibt schließlich für keinen etwas Rechtes mehr übrig. Jeder Engländer unb Franzose bagegen hat von der Wiege an in den großen Kolonien hundertmal mehr Boden zur Verfügung als ein Deutscher. Wir sind als Einzelne und als Volk entrechtet. Wir sind die Lohnsklaoen des internationalen Kapitals geworden. Unsere Bauernsöhne müssen in die Stadt, um in den Fabriken zu arbeiten. Aber sie finden dort bereits genug Arbeitslose, die trotz guten Willens keine Beschäftigung finden. Besonders die Jüngeren müssen darunter leiden. Sie können nicht mehr werden, was sie wollen, sondern müssen mit allem zufrieden fein. Warum ist bas so? Weil wir burch ben Schänd- von Versailles eine Ausdeu -
Im Oktoberheft der „Werkheft« junger Katholiken", schreibt Tfc. Heinrich Lenz:
Wer entsinnt sich nicht jener Herbsttage von 1918, in denen alles umzustürzen schien? Als die Millionen aus der französischen Erbe stiegen und in die Heimt gezogen kamen? Als Snbuftrie, Handel, Gewerbe tot war, nur auf ben Krieg unb feine Verhältnisse eingestellt, und die Rückkehrenden vor dem Nichts standen? Damals drängte das Volk zum Boden. Wollte das verteidigte Vaterland besitzen. Die Siedlungs-welle war stark. Wenn sie ab ebben konnte, dann infolge der Scheinkonjunktur der Inflation und nachher. Dann deshalb, weil Wirtschaftskrise und Regierungen nicht einsehen wolllen, daß die Wiederauftichtung einer Wirtschaft im Umfang von 1913 oder größer unmöglich sein mühte; man ließ die Menschen wieder in die Stadt und ihre Wirtschaftsgebiete zurück und glaubte, die 1914 unterbrochen« Entwicklung weiterführen zu können. Unb muß heute einsehen, daß die Spekulation verfehlt war.
Die Revolution war erbärmlich. Der deutsch« Jdea» lift hatte die Stunde nicht begriffen. Anstatt nach dem Umsturz ganze Arbeit zu machen unb bie Besitzver- hältnisse neu zu ordnen, entschied er sich für eine Zusammenarbeit mit den Besitzenden. Nicht wie z. B. im Baltikum. Dort hatte ein Teil der bodenbesitzenden Adelsgrupe von sich aus eine Agrarreform durchgeführt. Dieser Teil erkannte aus dem dauernden Sinken ber Grundrente sein Schicksal als Großgrundbesitzer und handelte danach, gab den Boden an Sied- lungsmilüge, behielt nur einen Teil, meist die Wälder, und erreichte, daß der Rest feines Besitzes durch das neue entstandene Bauerntum vor ber bolschewistischen Welle bewahrt wurde. Bei uns vertraute man leider der nationalen Einsicht der Grundbesitzer; da man die Gelegenheit verpaßt hatte, eine Agrarreform ohne sie zu machen, mußte man eine Siedlung mit ihnen versuchen. Während beim obigen Beispiel im Baltikum der Besitzer zwei Drittel feines Landes abgab und im Rest meist feinen Wald behielt, sollte der deutsche Grotzbefitzer freiwillig durch den Landili« feru ng s v e rba nd bis zu einem Drittel seines landwirtschaftlich genutzten Bodens ab- geben. Kaum ein Viertel ist bis heute davon der Sied- lung zugeführt worden. Man muh allerdings hinzufügen, daß ber Staat, die Länder, ihr« Pflicht zur Hergabe von Domänenland auch nicht erfüllten. Im Gegenteil; im Preußischen Landwirtschaftsministerium ist die Ansicht vertreten, daß der Domänenbesitz vergröhert werden mühte. Obwohl auch dort allmählich bekannt ge- worden sein dürfte, daß in Deutschland die Menschen