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uldaerZertung

Zahrg. 59.

Dienstag, S. November 1932

as Wahlergebnis als Gmndlage neuer Mglichleilen.

«alt 608 nut 582 Reichstagsabgeordneke infolge geringerer Wahlbeteiligung. 35 Millionen Wähler statt Mgionen. Auch die Bäume der Nationalsozialisten wachsen nicht in den Himmel. Starke Verluste

Vor einem

11

19

Thür. Landbund

Splitterparteien

Ungültig

Ausdrücke entlehnt. Wenn die Mit:

bet Moskau arbeit der

131260

279 710

5 070 033 4220 322 3001 020

40 060 059 703 110117

337 071

1 001 595

46406 412523'

63969

45 036

140 902

105100 00005

559 955

Nationalso;. Deutsche Arbeiterpark. (hill.-Bew.)

Sozialdemokratische Partei Deutschlands . .

Kommunistische Partei Deutschlands . . .

Deutsche Staatspartei

Bayerische Volkspartei

Deutsch. Landvolk (Chrisll.-Val.vauern-u.Landop.)

Christlich-Sozialer Volksdienst (Ev. Bewegung) Deutsch-Hannoversche Partei .....

Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands . Deutsche Bauernpartei

Mrllembergischer Bauernbund

Deutsche Zentrumspartei . . . . Seutschnationale Volksparlei . . Volksrechtspartei .

Reichslagswahl 31. Juli 1932

13745701

7950712

5282020

4 509 335

2177 414

40025

430012

140 876

371 799

1 192684

90555

304 542

40920

72 030

137133

00851

Sitze

31. Juli

230

133

09

75

40

502 000

Len Im ganzen genommen hat die Zenirums- vartei viel günstiger abgeschlossen als im Lager des Zen'rums angenommen wurde. Das Zentrum steht nach wie vor stolz als 9R o LeuLt~0-p4~ i n der Brandung der deutschen Parteien.

Als Ganzes hat sich auch diesmal die Widerstands­kraft -es Zentrums gegen alle Anstürme erneut bewährt. Man darf das Wahlergebnis für die Zentrumspartei nicht aus den Zahlen einzelner Wahlkreise herauslesen wollen. Es sollte gegen das Zentrum als Ganges ein schwerer Rammstoß geführt werden, der. das darf man auf Grund des Endergebnisses feststellen völlig mißglückt ist. Auf ein paar Mandate mehr oder weniger kommt es nicht an.

Die Mandatsziffer für das Zentrum hat im­mer geschwankt. Ihre normale Höhe ist ebenso behauptet worden wie -ie der Bayerischen Volks­partei.

f Und die anderen Parteien? Bemerkenswert vor allem die starke Abnahme der Hit­ler st i m m e n. Die Zunahme der Kom­muni st en! Die hoffnungslose Minder­heit der Papen-Parteien auch im neuen Reichstag. Von 582 Reichstagsabgeordneten stehen auch feßt wieder 505 gegen die Regierung. Es ist dabei möglich, daß der neue Reichstag über­haupt keine arbeitsfähige Mehrheit hat, sofern die Parteien in ihrer gegenseitigen Kampfstellung verharren. Hilgenberg hat ja be- , reits angekündigt, daß er seine Hauptaufgabe im neuen Reichstag in der Sabotage einer Mehrheitsbildung sieht. Vielleicht ge­lingt ihm das, vielleicht Trotzdem haben weder Huqenberg noch feine Beauftragten in der Regie­rung Grund zum Jubeln Sie haben den Nationalso­zialisten einige Mandate abgesagt, aber die Deutschna­tionalen bleiben eine kleine Partei und der Re­gierungsanhang wird auch im neuen Reichstag nur lehr wenig stärker werden, trotzdem auch für Herrn Dingeldey einige kümmerliche Brocken abgefallen

l sind. Außerdem ist es der Regierungspolitik ge­lungen, den Kommunismus zu verstärken und die Nationalsozialisten zu radikalisieren. Db

s das ein paar deutschnationale Mandate wert sind, *. mag Herr von Papen selbst entscheiden. Er ge- ' hört ebenso wie Hitler zu den Verlierern dieser ) Partie.

Oie Veränderungen der Wahl.

Das vorläufige Wahlergebnis zeigt Ver'chiebun- ! Fen gegenüber der Reichstagswahl vom 31. ^uii ; d. Js., die im allgemeinen den Erwartungen der l politischen Kreise entsprechen. Die Wahlbe- I teil iguttg ist schwächer gewesen als das s vorige Mal: Gegenüber 84 Prozent der Stimm- , berechtigten haben diesmal höchstens nur 79 Pro- I zent von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht; die I effektive Stimmenzahl ist trotz des Zuwachses an Stimmberechtigten um etwa M Millio­nen niedriger. Innerhalb der einzelnen Par­teien sind die stärksten Verschiebungen bei den Rationalsozialisten im Minus, bei den Deutsch- Nationalen und den Kommunisten im Plus za verzeichnen. Die Nationalsozialisten sind gegen­über 37.3 Prozent nur noch mit rund 33 Pro­zent an den abgegebenen Stimmen beteiligt; der

Deutsche Volkspartei

Reichspartei des Deutsch. Mittelst. (Dlrtschaftsp).

Reichstagswahl 6. Novbr. 1932

11705250

7231 404

men zurückgegangen sind.

Der Berliner Korrespondent derDaily Mail" sagt: Wenn Hitler endlich begreift, daß seine Partei nicht allein in Deutschland herrschen kann und daß er mit anderen Parteien zusammen­arbeiten muß, dann ist es möglich, daß eine Grundlage für eine Regierung gefunden wird, die sich auf Nationalsozialisten und Zentrum stützt und die aktive Hilfe oder wenigstens die wohlwollende Duldung der Deutschnanonalen ge­nießt.

Die wettere Entwicklung.

ERB. Berlin, 7. Nov. (Gig. Meld.) In politi­schen Kreisen bespricht man heute naturgemäß leb­haft die Frage, wie die innerpolitische Entwick­lung nun nach der Reichstagswahl weiter gehen wird. Im Parteileben wird nach der Anspan­nung des Wahlkampfes erst einmal eine Ruhe­pause eintreten, die noch durch den heute in Kraft getretenen Burgfrieden vergrößert wird. Währenddessen gehen natürlich die Erörterungen in den politischen Kreisen weiter. Zunächst wird der Reichskanzler wie üblich dem Reichspräsiden­ten über das Ergebnis der Reichstagswahl und die sich daraus ergebende Lage Vortrag halten. Das wird im Laufe des heutigen oder morgigen Ta­ges geschehen. Darauf wird Reichskanzler von Papen bie Parteien zunächst erneut vor die Frage stellen, ob und unter welchen Bedingungen sie zur Mitarbeit an den Zielen der Reichsregierung bereit sind. Besonders interessant wird in diesem Zusammenhang die Haltung der Nationalsozialisten sein.

Man rechnet damit, daß das neue Parlament zum ersten Mal am Dienstag, den 6. Dez zusammenkommen wird. Seine erste Aufgabe ist dann die Wahl des Präsidiums. Gleichzeitig wird

Sitze

6. Noo.

105

121

100

69

51

... Nationalsozialisten gesichert werden sollte, dann dürfte Strasser in erster Reihe für einen Posten in einer Koalitionsregierung in Be­tracht kommen. Die nationalsozialistischen Ver­luste sind ein schwerer Schlag für_bie Partei, da zum ersten Mal seit 1928 ihre Stirn«

K|ers. Die Zunahme der Kommunisten ist eine bedauerliche Folge des Papen-Kurses. Die katholischen M«eien weiterhin wertvolle Bundesgenossen für praktische Arbeit.-Geht Herr von papen? ** '*

Kabinett von Schleicher-Georg Strasser?

die Reichsregierung dem Reichstag ihre Pläne für die Verfassungsreform vorlegen. Während der alte Reichstag im Zeichen des Wirt­schaftsprogramms stand, wird also der neue i m Problem d er Ver fassun g sr eform seine Arbeitsfähigkeit zu beweisen haben. Man wird abwarten müssen, ob das praktisch noch in diesem Jahre der Fall sein oder ob der Reichstag es vorziehen wird, die nächsten großen Entschei­dungen über die Weihnachtsferien in den Januar hinein zu vertagen.

ANe sind zufrieden.

In nationalsozialistischen Kreisen wurde dem DD Z-Büro erklärt, schon jetzt könne man darauf Hinweisen, daß nach dein Ergebnis dieser Reichstagswahl die NSDAP, berechtigt fei, weiterhin ihren Anspruch auf Führuing der Reichsregierung zu vertreten. Dabei fei die Frage von nicht allzu großer Aktualität, ob die NSDAP, an Stelle von Adolf Hitler, Georg Strasser als Nachfolger von Papen Vorschlä­gen wolle. Es sei noch hervorzuheben, daß un^. ter den gewählten Nationalsozialisten sich auch der greise General Litzinann befinde, der vermutlich als Alterspräsident den neuen Reichs­tag eröffnen werde.

In Kreisen der D e u t sch n a t i o n a l e n Volks- vartei wird hervorgehoben, daß bieje Partei mit dem Wahlergebnis sehr zufrieden sei. Poll politischem Wert fei. für die Deutschnationalen besonders, daß eineschwarz-braunefs Koalitions- Mehrheit jetzt nicht mehr allein im Reich möglich' sei. Politische Folgerungen könne man »ur Ioit aus dem Wahlergebnis noch nicht ziehen, well sich die Konsequenzen bisher noch nicht über­sehen ließen.

D »i katholischen Gegenden, in denen die ge- 1 Spannungen aro6er I ini) als im Fuldaer Land mit einer demokratisch eingestellten Bevölkerung hatte man dem Wahl­tag gerade auch im Zentrumslaqer mit einer ge= triften Besorgnis entaegengesehen. Bekanntlich war Herr v. Papen bis vor kurzem selbst ein Zen- trumsmann und unterhielt namentlich zum katho- lilcken Adel gute Beziehungen, ebenso zu den Füh­rern der Landwirtsck'aft und der Großindustrie. Man kann heute mit Genugtuung feststellen, daß die Zentrumspartei sich aber trotz dieser Schwie­rigkeiten glänzend geschlafen hat. Iubeltöne der Kasseler Post" über einen Rückschlag der Zen- t'rumspartei beruhen auf voreiliger Auswertung der ersten Stimmenzählungen, bei denen, wie immer, das Zentrum znrück'ag, um später aufzuholen. Ganz hat selbstverständlich das Zentrum die Zahl des Sommers nicht zu erreichen vermocht. Fünf Wah­len in einem Jahr waren auch manchen Zentrums­wählern, namentlich solchen der älteren Genera- non, zu viel, sicherlich da, wo nicht eine zielklare Presse-Aufklärung ober eine eifrige Organisa­tion den Behauptungswillen anzufachen verstand. Das das Überall, namentlich auch in dem katholi- ' fchen Kernlande der Fall gewesen sei, kann man nicht behaupten. Die Diaspora hat sich wieder am besten geschlagen In erster Lime aber er- neben sich kleine Rückgänge der Zentrumspartei aus der Tatsache der gertne"^ Wahlbeteiligung und dann daraus, daß die aMsch Heimatlosen, hie bei der letzten Wahl zum Zentrum gestoßen sind, sich zum Teil der Deutschen Volkspar- t e i und der Staatspartei zugewandt ha-

Beim Christlich-lozialenV o I k s - dienst wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. erklärt, daß man dieser Bewegung jetzt end- l i ch »Mandate zugesprochen habe und daß sie außerordentlich befriedigt sei, mit emem stirn- rnenzuwachs von 10 Proz., der in der spitze so­gar 30 Proz. betrage. Nach Meinung des Volks- dienstes müsse auf Grund des Wahlergebnisses das Kabinett von Papen seine Politik liquidieren. Auch im neuen Reichstag fei es möglich, mit Hilfe der kleineren Gruppen eme positive Mehrheit zu bilden, zumal man anneh- men könne, daß die Nationalsozialisten nun m ihren Forderungen etwas zurückhaltender sein wur­den.

Von sozialdemokratischen.Parlamen­tariern wird zum Ausdruck gebracht, daß Die ». P. D. insofern mit dem Wahlergebnis zufrieden sei, als sie mit ft örter en Verluste nah die Kommunisten gerechnet hätten. Poli- tisch würden wohl jetzt Versuche angestellt wer­den, Deutschnationale, N at io na l s ozi a- l ist en und Zentrum unter einen Hut zu brin­gen, wobei vermutlich weniger der Gedanke einer parlamentarischen Koalition eine Rolle spielen werde, als den der Duldung und Stützung eines Kabinetts, das nicht Kabinett von Papen zu heißen brauche. Es lei anzunehmen, daß die Nationalsozialisten nach dem Aderlaß vom 6. November bereit wären, sich positiv einzustellen. Man müsse, abwarten, ob der Versuch eines Kabinetts von Schleicher-Georg Strasser gemachtwerde.

*

In Kreisen, die der Regierung nahe- I stehen, rechnet man auf eine tangfame parlamentarische Entwicklung, weil gewisse oppositionelle Parteien, deren finanzielle Mittel schon im letzten Wahlkampf geschwächt waren, in eine neue Wahlschlacht auch noch mit einem Verlust von Vertrauen hineingehen muß­ten. Ob diese Voraussetzungen ausreichen, den Gedanken einer offenen oder verschleierten Re- gierungsmöglichkeit zu begründen, das erscheint tm Augenblick wohl zweifelhaft; immerhin über- wiegt aber in der Beurteilung der weiteren Ent- Wicklung die Annahme, daß die Parteien sich mit ihrer endgültigen Stellungnahme nicht überstürzen werden, so daß die letzten Entscheidungen des neuen Reichstages und damit gegebenenfalls die über sein Schicksal erst Anfang nächsten Jahres zu erwarten sind, jedenfalls wird betont, daß für die Reichsregierung keine Veranlassung, besteht, ihren Kurs zu ändern oder von ihrem Kurse abzuirren. i

*

Wir haben den Eindruck, daß man jetzt doch mit allen Mitteln versuchen wird, aus den Krisen- Perioden herauszukommen. Mit Herrn v. Papen als Reichskanzler wird der wünschenswerte Fort- I schritt nicht zu erzielen sein. An einer Personen­frage aber wird wohl die Hoffnung aller ver­nünftigen Deutschen auf Versöhnung und jach- 1 liche Arbeit nicht scheitern. Li--h

Anteil der Deutschnationalen hat sich von 5.9 auf 8.3 Prozent, derjenige der Kommunisten von 14.3 auf 16.9 Prozent gesteigert. Die Sojiar- bemotraten haben sich mit 20.4 gegenüber 21.6 Prozent einigermaßen behauptet, das Zentrum verzeichnet mit 11.9 gegen 12.1 Prozent einen kleinen, die Bayerische Volkspartei mit 3.1 gegen 3.6 einen entsprechenden Verlust. Von den, klei­neren Parteien hat die DVP. von 1.2 auf 1.9 Prozenr aufholen.können. Die Staatspartei hat weiter etwas verloren, nämlich von 371 800 auf etwa 327 000. Bei den übrigen kleineren Par­teien sind die Veränderungen verhältnismäßig un­bedeutend.

Der Nettoverlust an Stimmen beträgt bei den Nationalsozialisten etwas über 2 Millionen (11.7 gegen 13.7 Millionen), bei den Sozial­demokraten rund 700 000 Stimmen (7.2 gegen 7.9 Millionen), beim Zentrum etwa 200 000 Stim­men (4.2 gegen 4.4 Millionen), bei der Bayerischen Vollspartei etwas mehr (1.08 gegen 1.32 Millio­nen). Die Gewinne der Deutschnationalen betra­gen fast 700000 Stimmen (2.95 gegen 2.18 Millio­nen), bet den Kommunisten gleichfalls fast 700 000 (5.97 gegen 5.28 Millionen), beim Landvolk rund 70 000 (0.16 gegen 0.09 Millionen). ~ Man kann damit rechnen, daß der neue Reichstag 40 bis 50 Abgeordnete Weniger enthalten wird als sein Vorgänger.

Englisches Arle».

rotb. London, 7. Nov. (Eig. Meldg.) In den Berliner Berichten der Presse werden besonders der schweren Stimmenverluste der N a- tionalsozialisten und der starke Z u w a chs der kommunistischen Stimmen hervor- qehoben. Ferner wird darauf hingewiesen, daß sich wieder die überwiegende Mehrheit der Wäh­lerschaft gegen die jetzige Regierung erklärt habe. Der Berliner Korrespondent der Times" sagt: Der Wahlfeldzug hat gezeigt, daß das innerpolitische Leben Deutschlands immer ver­worrener wird. Die Kommunisten haben die pa­triotische Trommel gerührt, um den Nationalsozia­listen Stimmen zu entziehen und. die Nanonalso- zialisten, diese Hohepriester der Vaterlandsliebe, haben diefeinen Leute" angegriffen, die sie in derRegieruna der Barone" vertreten sahen. Hn- genberg. der Führer der Deutschnationalen, d. h.

I die einzige Partei, auf die die Regierung sich stützt, hat offensichtlich mit einer Streichung hin- [ sichtlich der Schulden an das Ausland gespielt und

Erscheint iechsmal wöchentlich Wochenbetlagen:Die Welt

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