Beilage zur Fuldaer Zeitung
n eine
:en."
I ist, d0"!
„Der kleine Wald" ist eine Proletarierkolonie unweit des Bahnhofes. Es Hausen in ihr 7000 Seelen in unbeschreiblichem Elend, wie einst die Höhlenbewohner oder die Nomaden. Der junge
Umschlag' und brach"
Bretterbuden usw. und führen im 20. Jahrhundert ein Leben, das auf die modernen Errungenschaften Hohn und Spott ist.
inneren Gründe, die religiöfenUrsa- chen sehen lernen, sonst bleiben sie leer, werden Klimtzjm unö Äußerlichkeit. Beim Kirchweihfest dürfen wir wohl daran denken, daß die einstige Weihe der Kirche für unser Dorf dasselbe bedeutet wie die Taufe für uns; und wir dürfen schon einmal darüber nachdenken, was unter Dorf wäre ohne Kirche. Vielleicht wird dann unsere Kirchweihfeier äußerlich gelassener und ruhiger, aber innerlich reicher.
i, 5 3tet
9 Ein» lente, 14
sich in dein icltons ®if'
lichen Volksfeste im Dorfleben leiten ja letzten Endes ihre Berechtigung her aus religiösen Grundgedanken, und wenn das Religiöse auch heute vielfach mehr in den Hintergrund getreten oder ganz vergessen ist, es bildet doch den geistigen Grundstrom, der diesen Feiern erst die Würde eines Festes gibt.
Wir brauchen Fe st und Feier im Leben so notwendig wie Luft und Nahrung. Wer wir müssen bei unseren Feiern wieder d i e
Ihnen d" iu zu dies!' der. Weise" , gehen ®i* ,as goldene , wenn Sie er dar ®(’
»ie ich r in fein« och so, £i‘
Farda vor Kardinal-Fürstprimas Dr. Johann Csernoch.
,Ach bin um den Segen Ew. Exzellenz gekommen", sagte er.
„Willst du vielleicht verreisen", fragte ihn der Fürstprimas.
„Ja, Eminenz", war die Antwort, „und zwar in di? Peripherie der Hauptstadt".
Der greise Oberhirt versank in Gedanken; bald aber erheiterte sich sein Gesicht und er antwortet:
„Mein Sohn, du bist mein Missionär. Wir haben kein Geld, aber wir besitzen einen Glauben, der Berge versetzen kann. Geh, mach es den Mll- ftonären nach, die zuerst das Terrain besichtigen, und dann für die Kirche einen geeigneten Platz auswählen . . . Der Segen des Allerhöchsten begleite dich auf deine Entdeckungsreise . .
Der junge Priester trat bald seine Entdek- kungsreise an die Peripherie der Hauptstadt an. Kaum war ein Jahr vergangen, und schon stand inmitten non Baracken eine schmucke Kirche, die feit sieben Jahren unermeßlichen Segen aus- strahlt. Sie rourbe zum Mittelpunkt der sittlich- religiösen Erneuerung für die ganze Umgebung. Wie tiefgehend diese religiöse Erneuerung ist, erhellt aus nachstehenden Dcllen: Im Jahre 1925 wurden in der Kirche 7000 Kommunionen ausge- teilt. Diele Zahl stieg in den nächsten Jahren auf 7500, 9000, 11000, 13 000 und im Jahre 1931 sogar auf 24 000.
Aehnliche und sogar noch lehrreichere Daten liegen auch aus. den übrigen Proletarierpfarreien vor.
ausgefagt, wohin die materialistische Mechanisierung des Lebens führen müsse. Auf allen Gebieten drängte gerade der Katholizismus auf die Erneuerung jener Kräfte hin, die vor dem Staat da find, die ihm überhaupt erst Blut und Leben geben. Mit ihrer Friedensbotschaft wandte sich die Religion an die Völker, weckte von neuem die Liebe zum Heim, den Sinn für die F a- mitte, das Interesse für eine berufsstän- dische Ordnung. Das alles wies in eine Richtung, die vom Krieg zum Frieden führte, von den Organisationen zum Organismus, vom Massenwesen zur beseelten Gemeinschaft. Demgegenüber übertragen die Vertreter des totalen Staates wie Ernst Jünger die Methoden und den Geist des Krieges auf die menschlichen und gesellschaftlichen Zustände überhaupt. In einer falschen Romantik leiten sie den Heroismus des Feldsoldaten in die Ebene einer Spielerei mit militärischen Regeln, Uniformen und Gewohnheiten. Alles wird aufgerufen zur totalen Mobilmachung, zur Lebenswollust des Elementaren; das gesunde Streben des Menschen nach geordneten Zuständen wird dem bourgeoisen Verlangen nach Sicherheit gleichgestellt; Kirche und Religion aber werden als „museale Angelegenheit" erklärt. In Wirklich, kett wird durch dieses Neue nicht eine in ihren inneren Kräften erneuerte Menschheit bezeichnet, sondern eine, die sich willenlos der Peitsche der Diktatoren fügt. Der dürre Korporalstock verflossener Unteroffiziere hätte sich wirklich nicht geträumt, daß er in der neuen Bun- deslade unserer Nationalen einmal ein solch blühendes Reis der Auferstehung hervorbringxn würde.
Der letzte und tiefste Gegensatz zu aller Religion kommt aber erst heraus, wenn man das Wort vom totalen Staat so faßt, wie es wirklich gemeint ist, nämlich als die totale Wirklichkeit überhaupt. Hier wacht der Geist Hegels verstärkt wieder auf, der im Staat die höchste Stufe des sich seiner bewußt werdenden Genius der Geschichte betrachtete. Der Weltgeist wird auf solche Weise zum Gottesgeist, der Staat zum Absoluten, Politik zur Religion. Absolut bedeutet dieser Staat anderseits wieder nichts Stetiges, sondern das Mied einer dialektisch voranschreitenden Entwicklung, die den blinden, schicksalhaften Willen zu dauernder Zerstörung In sich trögt. So eint sich völlige Anarchie mit dem fallchen Gott, das gerade Gegenteil der christlichen Lehre, die in Gott die unendliche Fülle schaut und das ewige Gesetz zugleich, die lex aeterno, das letzte Fundament aller Ordnung und aller Geietzaebung auf Erden. Wenn jemand einmal sagte, daß jede irrige Auffassung einer Frage immer auf einen falschen Gottesbegriff zurück- gehe, so haben wir hier ein anschauliches Beispiel für diese gewaltige Wahrheit. Ist aber einmal im Absoluten selbst die Heimat absoluter Anarchie, wie soll der Anarchismus nicht schließlich alle menschlichen Ordnungen zersetzen und das herbeiführen, was Bischof von Ketteler einmal d i e Hölle auf Erden genannt hat! Ein Pathos
Der Journalist Balthasar E l e k e s bat unter dem Titel „Ehristu s, Brotl" unlängst ein dickbändiges Buch herausgcgeben, in dem das physische und sittliche Leben in dieser Bannmeile geschildert wird. Was man in dem Werke von Elekes zu sehen und zu lesen bekommt, ist so erschütternd und grauenhaft, daß es die Schilderungen von P. Lhande vielfach in Schatten stellt. Im Vorwort schreibt der Verfasser: „Die 200 000 Seelen, die durch das Elenld aus dem Glanz der Hauptstadt massenweise in deren Peripherien vertrieben wurden, sind den verschiedensten Versuchungen ausgesetzt . . . Wer hungert und phantasiert, wird leicht zu einer Bestie. Diese 200 000 Seelen aber hungern und phantasieren. Sie phantasieren die guten alten Zeiten zurück, als Ungarn noch groß und reich war. Da aber Ungarn heute arm ist, werden ihre Phantasiegebilde zu Phantomen. Zu Phantomen, die sich einst wie schwere Gewitterwolken entladen werden. Uns aber kann es nicht gleichgültig sein, ob die Hungernden Brot erhalten ober nicht; ob die Kinder dieser Verbannten ohne Kirche und Religion, oder aber im Geiste des Evangeliums erzogen werden; ob die Kranken und Sterbenden wie Teere langsam dahinsiechen, oder aber durch das Sakrament gestärkt den Weg durch das große Tor antreten ..." t
Vor Jahren stand der junge Priester Adolf
Vor demKriege betrug die Bevölkerungsdichte Ungarns 645 auf den Kilometer. Da aber Ungarn im Fxdensvertrage durchweg die schütterer bewohnten Gebiete verlor und die Beamten sich aus den brlorencn Geb eien massenhaft nach Rumpfungm flüchteten, stieg die Bevölkerungsdichte Rupfungarns von 64.6 auf 86. Diese Verschiebuz der Bevölkerungsdichte wirkte sich in wirtschastlser und sozialer Hinsicht zwar ungünstig aus. chloß aber keine Gefahr einer Ueber- välkeruna n sich. Ungarn hat nämlich Brot für alle; selb bei einer mittleren Ernte bleibt ein erhebliche Ueberschuß für die Ausfuhr übrig. Dazu hatte naarn — das heurige ausgenommen — jedes Ja' eine flute Ern e.
Und enuoch herrscht in Ungarn Not. Nicht nur in er Hauptstadt, sondern vielfach auch auf dem Late- Die Zahl der Arbeitslosen nimmt 1>\- leyends 1. Da in Ungarn keine Arbeitslosenun- terstützm, besteht, lind die Arbeitslosen der Gefahr asgeletzt, sowohl in sozialer als auch in sittlichrqgwser Hinsicht zu Proletariern zu werden. Jte Zahl, vergrößert durch die am Hungertuch agenden Kleingewerbetreibenden, hat in den letzn Jahren derart zugenommen, daß um Budape eine „Bannmeile" entstanden ist, die sich do? der Bannmeile um Paris, wie sie P. Lhande childert, wesentlich unterscheidet. In der Bannmle von Budapest geht es an erster Stelle nämlichum das tägliche Brot und um auch nur halbwch menschenwürdiges Dasein von 200 000 Mensche. lieber 200 000 Seelen wohnen nömllch in dttserBannmeile in H ö h l e n w o h n u n ge n, in aus dem Krieg zurückgebliebenen Baracken,
en wichllg^ grfrantwg: missen.
n.
möglich *i
n glitt eilig pt und N>e-'
Patienten
ittag et®6; ser gehe"-
Das lassen
Universitätsprofessor Dr. Georg Schreiber hat vor kurzem ein Buch erscheinen lassen „Regierung ohne Volk" (Verlag des Görreshauses, Köln). Sicherlich ist die Schrift zunächst für den Wahlkarnpf geschrieben, ragt aber dennoch an Bedeutung ins Ueberzeitliche. Es kommt das einfach daher, daß in den politischen Kämpfen von heute nicht nur Tagesinteressen, sondern ewige Ideen im Mittelpunkt stehen. Man spürt das vor allem in dem Kapitel vom „neuen Siaats- gefühl", das meisterlich die Lehre vom „totalen Staat", vom „autoritären Staat" und die Staats- auffassung des Tatkreises behandelt. Es zeigt sich hier deutlich, daß gerade jene Schichten bei uns, die am lautesten von politischer Neuorientierung sprechen, die uralten und gesicherten Fundamente einer gesunden Staatsphilosophie längst nicht mehr besitzen und daß sie Widersprüche auf Widersprüche häufen. Eine neue Staatslehre will sich entwickeln, die um so gefährlicher ist, als sie zugleich als Gefellschaftslehre auftritt, setz^p doch einige Staat und Gesellschaft als eine vollkommene Einheit. Das ist der alte Hegel nicht mehr, sondern eine neue Philosophie, mögen sich auch die Gegensätze vielfach berühren.
Gewiß kann sich niemand unter diesen neueren Rationalisten und Jrrationalisten an Tiefe und Geschlossenheit des Systems mit Hegel messen, dafür aber sind die unklaren Willensmächte in ihnen umso stärker und verführerischer. Vor allem ist der G e g e n s a tz z u m K i r ch l j ch e n um so verhängnisvoller, als die Freiheit, die der liberale sowohl wie der sozialistische Jünger des Berliner Kcckhedergewaltiaen wenigstens theoretisch der Religion, der Kunst, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Kustur überhaupt gab, sich hier in brutalen und grundsätzlich angewandten Zwang verwandelt. Der Staat allein wird alles mit Beschlag belegen und keine Sphäre menschlichen Seins und Tuns mehr anerkennen, die staatsfrei bleiben dürfte. Das ist wenigstens die charakteristische Linie in dieser sonst in vielfachen Schatterungen auftretenden neuen antikapitalistischen, antiparlamentarischen Haltung. Fügt man zu all dem die Lehre von Earl Schmitt, die alles Politische in das Verhältnis von Freund und Feind verengt, so ähnelt das Kommende ienem Vergangenen aufs Haar, das nationales Bewußtsein und Wehrhaftigkeit in eine Linie brachte und ein Wettrüsten aller Nationen zur Folge hatte. Dieses Neue ist nicht nur der Gegensatz zum modisch verketzerten Liberalismus, es ist auch der Gegensatz zu alldem, was an geläuterter Sinnesart aus den Katastrophen des Weltkrieges und der Revolution h e r v o r g e g a n g en war.
Auch von hier aus ergeben sich neue Spannungen dem Christentum gegenüber. Insbesondere hat der Katholizismus sich die echten neuen Losungen zu eigen gemachst Er hat die Ursachen jener schrecklichen Geschehnisse wie kein anderer ergründet. Seine Führer hatten schon vor Jahrzehnten vor-
25. Sonntag nach Pfingsten.
Eiyangslied: Jer. 29, 11, 12 u. 14.
spcht der Herr: Ich sinne Gedanken des - -,,!°oens nd nicht des Leides. Ruft mich an, und w’fl erb erhören, ich will euch heimführen aus | ”L Gefatzenfchaft, aus allen Ländern. (Pf. 84,2.1 E«u hast, 1 Herr, dein Land begnadet, beendet 3a- fob« Knestschaft.
Epistel: (Sol. 3, 12-17.
Prüde! Ziehet an als Auserwählte Gottes, k j. fieifte und Geliebte, mitleidiges Erbarmen, Mte Dmut, Bescheidenheit, Geduld. Ertraget ein- | ">erurü verzeihet euch, wenn einer sich überden . "iton zi beklagen hat. Wie der Herr euch ver- ,,be hct so sollt auch ihr tun. Dor allem aber fablbie Siebe, sie ist das Band der Vollkommen, beit Dr Friede Christi frohlocke in euren Herzen; Mni dzu seid ihr ja als ein Leib berufen. Zeiget I „(4 deckbar. Die Lehre Christi wohne in euch ihim Reichtum. Belehret und mahnet ein« I Ser i aller Weisheit. Preiset Gott dankbaren ■ *nen« mit Pialmen, Lobliedern und geistlichen gesängn. Alles, was ihr tut in Wort ober Werk, F iit alle im Namen des Herrn Jesus Christus und fe- Hontet Sott dem Vater durch Jesus Christus, unfern, flern.
Evangelium: Matth. 13, 24—30.
Des Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen.
Kirchweihfest.
Jh »eiß nicht warum, aber mir gefallen die oft fp timen und einfachen Dorfkirchen besser als die tunstollen und aewaltigen Gotteshäuser und Dome de: großen Städte. Solch eine altersgraue Dorfkirchiist etwas Ehrwürdiges. Seit Jahrhundecken ofist sie der Mittelpunkt der Gemeinde, in ihren lauern vereinigt sie sich zur gemeinsamen Andacht lö zur Feier des heiligen Opfers; in leinen Meern werden die Dorfbewohner erst zur wahren ckstlichen Gemeinschaft und dadurch zur Gemeinden) tiefsten Sinne. In der Kirche vereinigt sichdie Bevölkerung des Dorfes zu ihren religiösen festen und Feiern und trögt von j>a aus in de Alltag die religiöse Weihe. Die Kirche ist für daMorf, was das Herz für den Körper ist.
EinenDorfe ohne Kirche fehlt der Mittelpunkt. Dafür ha das Volk von jeher ein feines Gefühl gehabt; n die Gemeinde zu klein ober zu arm mar, einKirche zu bauen, da hat sie wenigstens eine Kopie errichtet. Schon das äußere Bild eines Dors ohne sichtbare Kirche oder Kapelle ist uns ungeahnt. Wer je von einer Höhe aus Dörfer sah, d weiß, daß man unwillkürlich den Kirchturm such Ein Dors ohne Kirche sieht bei äußerlicher Bepchtuna aus wie ein Häuserhaufen, erst die Kirch verleiht den Mittelpunkt, bringt Ge- schlossenh'u und Einheitlichkeit, macht die Ansiedlung zunDorf. So ist das Hervortreten der Kirche in ußeren Dorfbild ein Sinnbild für ihre geistige Sttung in der Gemeinde: hier wie da ist sie Mittelpnkt und Krönung.
An all lese Dinge muß erinnert werden, wenn wir heute as Kirchweihfest feiern. Seine Bedeutung irrtDorfteben zeigt, daß die Bevölkerung ein feines Eühl hat für die Würde und den Wert des Gottes!,uses in der Dorfgemeinschaft, wenn auch die llig'öfe Seite dieses Festes heute vielleicht eil wenig verblaßt ist und zurückgetreten gegenülr der weltlichen, so wie vielleicht unser ganzes -eben heute etwas zu sehr veräußerlicht und batit leer geworden ist.
Damit istrichts gesagt gegen bie weltliche Feier. Sie gehört nit zu biefem Feste wie der Leib zur Seele. Suienbatfen, Musik und Tanz, sie alle haben ilre Berechstgung, so wie auch die alten Volksbröuch, die mit diesem Fest verbunden waren undieiweise noch verbunden sind. Alle wirk-
Dom totalen Gottesstaat
Gedanken zum Wahltag am 6. November.
Von Friedrich Muckermann S. J.
;n her Bannmeile non Buhapeft
Von Anion König.
heroischer Zerstörungswut bildet sich aus, das in dämonische Abgründe reicht. Gewiß leben diese Vorstellungen bewußt nur in wenigen Menschen, aber sie strahlen von diesen aus als dunkel leuchtende herrfcherliche Gewalt, als Autorität ohne Logos, als Staatsomnipoienz ohne Serantroor- tunq vor dem ewigen Richterstuhl.
Nur eine Idee gibt es, die diesen totalen Staat wirklich überwindet, es ist der totale Gott esst a a t, der einzige, dem ick) das Beiwort des Totalen geben darf. Er ist nichts Anderes als das Gottesreich, das Staat und Kirche, Natur und liebem atur umspannt. Diese Reichsidee Gottes gllt es heute zu verteidi- gen gegen die Reichsidee moderner Heiden. Jede wahre Reform in Staat und Kirche wird sich vor dieser alles umfassenden Reichsidee ausweisen müssen. Nur aus dieser Reichsidee Gottes heraus kann ich den letzten Sinn aller irdischen und himmlischen Bereiche verstehen, die tatsächlich ein Totales, ein Ganzes bilden, da sie alle das einheitliche und vielfältige Schöpfungswerk Gottes find. Sagen wir also nicht mit Recht, daß es heute im politischen Leben um letzte höchste Ideen geht?
Muß heute sich nicht gerade der restgtSs« Mensch mit Strömungen auseinandersehen, die sich politisch nennen, die aber in Wirklichkeit religiös sind?
Ist es nicht gerade die Aufgabe des Gebildeten, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, die nun einmal aufgerollt sind und ihre Werbekraft entfalten?
Eine Folgerung aber mutz seder Katholik aus der gegenwärtigen Lage in Deutschland ziehen: 6 r muß sich in einem Kampfe, der ein Gotteskamps ist, auf Gottes Seit? stellen, wird der Kampf aber auf politischem Boden gekämpst, so muß er sich als Christ eben auch hier als GolteSstrei- ter einsehen. Das ganze Gerede, es könne ein ehrlicher Mensch im politischen Streit von heute nicht mittun, ist ebenso rückständig wie feig. Rückständig ist es, weil es die neueren Entwicklungen nicht beachtet, feig, weil es zur Fahnenflucht gerade an der Stelle verleitet, an der heute die Schlacht steht. Roch nie hat das katholische Volk versagt, wenn es wußte, daß es um (Bottes Interessen ging. Es muß das nur einsehen, davon wirklich über- zeugt sein — und es wird an der Wahlurne seine Pflicht tun.
Jesuitenpater Tomons ist in der Kolonie ein täglicher Gast. Unermüdlich durchquert er die Kolonie, klopft an den Hütten bald da, bald dort um Einlaß an, und hat für alle freundliche Worte. „Ich frage einen Arbeiter", schreibt Elekes: „Wie denken Sie über diesen Priester?"
„Er ist ein ganz ordentlicher Mann", antwortet der Arbeiter. „Er ist ein größerer Sozialist, als wir sind. Für alle hat er freundliche Worte. Unlängst sagte er zu uns. daß wir zu ihm volles Vertrauen haben können, da er ebenso ein Prolet fei, wie wir. Er scheut sich nicht, uns die Hände zu' reichen. Auch verzieht er keine Miene, wenn er uns in unseren armseligen Bretterverschlägen, besucht. Neulich war er auch in meiner Bude. Er nahm neben mir auf dem Brett Platz und unterhielt sich mit uns über die schweren Hellen. Ich kann Ihnen sagen: Dieser Jesuit ist gerade so ein Prolet, als wir; wir haben ihn aufrichtig liebgewonnen . . ."
So der Arbeiter. Wie sich diese stille Tätigkeit des Paters auswirkt, hat die große Herz- Jesn-Prozession erwiesen. In Mask-n marschierten b;e ausgehungerten und in Lumpen gehüllten Gestalten aus dem „Kleinen Wald" vor die Jesuitenkirche, um dem großen Umzug beizuwohnen. Vome trugen sie eine Fahne mit der Inschrift: „Erlöser der Proletarier vom Kleinen Walde, erbarme dich unser!" Unabsehbare Reihen dieser Proleten folgten der Fabne und sangen voll Inbrunst heilige Lieder. Bei der Kirche angenommen, wurden sie von Pater Tornoys, der ihnen entgegeneilte. mit den Worten empfangen: „3br seid meine, liebsten Kinder." Die Szene wirkte so erschütternd, aber zugleich auch so erhebend, daß sich die Augen der Umstehenden mit Tränen füllten.
, (Schluß folgt.)
NILS
S. November
„Mot lehrt Morden."
„Die Rot lehrt zwar beten, aber auch fluchen und verfluchen, zweifeln «nd verzweifeln, plündern und morden", so schreibt der Erzbischof von Freiburg in seinem neue- slen Hirtenschreiben zur Winterhilfe.
Auch dieses n a l ü r l i ch e Motiv zur Hilfe muß beachtet werden. Seien wir «ns daher mehr unserer organischen Verbundenheit bewußt, die alle Glieder eines Volkes umfaßt und zu einem Lebensganzen vereinigtl Rur wenn alle zusammenstehen, können wir verhindern, daß die Verbitterung der Rotleidende» a n w ä ch st,
daß es zu blutigen Auf ständen kommt, daß unser Staatsleben völlig erschüt- tert wird.
Mit Gewalt und mit weirheitrsprüchen ist nicht zu Helsen. Rur die Tat bringt Rettung.
Vedenket, daß wir alle zusammen gehörenl