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Ilr. 249

Beilage zur Fuldaer Zeitung

27. Oktober

Musik hinter Gittern.

Liebe Helga!

Nun liegt es bereits hinter mir, das Langgefürchtete, Langersehnte mein erstes Konzert. Und es ist so gut gegangen, wie ich kaum zu hoffen wagte. Ich tobe besser gesungen als in den Proben und hatte trotz de, großen Lampenfiebers eine ruhige und klare Stimme.

Ich bin sehr froh und sogar ein wenig stolz, daß tttein Debüt eine besondere Note hatte, daß es kein übliche, Konzert vor zahlendem Publikum war. sondern Ein Geschenk für arme, gefangene Menschen. Blumen und Lob-Kritiken hätten mir nicht das Gefühl der Be­glücktheit geben können wie dieses Konzert im Gesang- rris.

So wie ich Dich kenne, sind Dir meine Eindrücke n°n dem Milieu wichtiger "die der Verlauf des Konzertes 'n seinen kleinsten Einzelheiten. Ich will versuchen, Dir brav und ordentlich den Gang des für mich jo wichtigen Ereignisse, zu erzählen.

Der vorige Sonntag, an dem das Konzert stattfand, ?°r stürmisch, kalt und schneereich. Gründe genug, die Ängstliche Tante noch besorgter um meine stimmliche Form zu machen. Schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung mußte ich im Sesiel neben dem über­hitzten Ofen sitzen, ununterbrochen Hustenbonbons mischen und durfte keinen Laut von mir geben. Bei ^eser Behandlung wäre ich bestimmt noch heißer ge­worden: wenn nicht Organist und Geigenspieler mich ab- gcholt und Tante» Besorgtheit befreit hätten. Das Gefängnis war in fünf Minuten erreicht, viel zu schnell ,#r mein Lampensieber. Nach zweimaligem Schellen wogte sich der gemütliche Pförtner endlich au, seiner halligen Stube, um uns durch dar erste Tor in den ^nnenhvf einzulasien. Der sah in diesem trüben Weiter und der sonntäglichen Verlassenheit noch öder aus als wnn. Ein viereckiger, wohlgepsiasterter Hofraum, zwei- '"ttg eingeschlossen in hohe, dunkelrote Ziegelmauern. °n der dritten Seite begrüßt von dem Flügel A des Hauptgebäudes mit dem häßlichen, an eine Totsnkapelle "lnnernden Glockenturm, und dem gegenüber Pförtner»

Am Scheideweg.

Denn in Hüll- und Schleier die Antwort sich birgt Aus die Frag« nach Licht und dem Dunkel, Nach dem Sturm und dem Frieden, Nach Hoffnung und Glück, Dann steht stille der Wanderer und faltet die Hände Und schauet nach oben:

Dein Auge mir folge, deine Hand mich geleite, Deine Liebe mir helfe du mein Weg und mein Ziel! Und dann schreitet er weiter und fürchtet sich nimmer, Trägt froh alle Mühen und Lasten des Tages, Denn die Wege sie führen nach oben zum Frieden -».!

Rosa Hamacher.

Licht in der Nacht.

Wenn man so zwischen Tag und Dämmerung einen stillen Weg geht, werden langsam die Worte spärlich, und schließlich fft man eingeschlossen in die Stille der Dämmerung und des Weges.

So gingen wir am Allerseelentage vom Bergdorf hinab zur Station. Wir hatten an dem noch frischen Grab der Mutter gestanden. Wie man so manches Mai so stehen kann! Ohne Begreifen, ganz leer. Ohne di- innere Verbindung zu dem geliebten Toten zu zwingen, ohne sein Bild lebendig zu heben. Selbst Glauben und Hoffen, als Hilfe bewußt herangeholt, können nicht Be­trübnis wenden und Leere füllen. Nur das Gebet, das man dem Toten schenkt, gebt etwas wie Trost und Be­ruhigung.

So also gingen wir hinab: still, gedrückt, ohne ein er­leichterndes Gespräch. Beide ließen wir uns einkreisen von Gedanken voll Wehmut und dumpfer Unklarheit. Den Weg kannten wir gut. Unzählige Male in der Kinder- und Jugendzeit waren wir ihn gegangen. Nun führte er uns nur zu und von dem Grab der Mutter.

Rasch waren wir ins Tal gekommen. In der Däm­merung fiel uns der kleine Lichtkreis auf der Kirchwand auf. Wuchtig, und doch in Linien, denen das weiche

Abendlicht alle Schärfe genommen hatte, erhob sich der Gotteshausbau fast schon als Silhouette, und auf dem Dunkel der Mauer spielte ein ebenso weicher Lichtkreis. Wir gingen ohne ausgesprochenen Entschluß, aber ange­zogen von dem kleinen Licht, zwischen den Gräberreihen hindurch. Nichts störte den tiefen Frieden in dem stillen Totengarten, auch nicht die stummen Gestalten der wenigen späten Beter an einzelnen Gräbern. Eine ganz eigene Stimmung umfing uns. Alle Beklemmung, die sonst die Seele besonders am Abend inmitten der vielen Gräber befallen mag, blieb aus. Wie war das nur?

Wir standen vor dem Licht an der Mauer. Cs brannte auf einem armen Grab.Da schläft einer, den niemand mehr besucht", sagte ich,nicht einmal den Namen erkennt man mehr auf dem Holzkreuz. Wer mag ihm das Licht angesteckt haben?"Wohl irgend eine gute Seele, die Mitleid mit dem Verlassenen hatte", meinte meine Schwester,sicher ist es erst spät angemacht worden, und im Schutz der Mauer konnte es gut brennen."

Wir weilten lange an dem Grab des Fremden. Wunderbar ruhig und warm war das Licht in dem großen Dunkel. Hatte dke Schwester eben von dem Verlassenen" gesprochen? Das war mir seltsam auf einmal. Schlief er denn nicht auf dem großen Familien- grabplatz der Gemeinde, mitten in der gemeinsamen Schlafstätte vieler? Er schlief? Ach ja, sein Leib ruhte hier, ganz nahe am Kotteshause, in der Erde, die die Kirche geweiht und gesegnet hatte. Und gerade ihm leuchtete das Kerzenlicht. Sprach es nicht von seiner Seele, die in göttlicher Schönheit einst leuchten soll wie das Licht der Gottheit Christi, zu der als Endziel unser Erbenweg führt?

Ich stand an dem Grab des Fremden, aber in Ge­danken fand ich mich wieder am Grabe der Mutter. Anders als in der Stumpfheit des Nachmittags.Schlafe du, Mutter", sagte ich leise.

Aus dem Dunkel des Friedhofs gingen wir heraus, wie eine Mutter behutsam herausgeht aus dem Zimmer der schlafenden Kinder.Schlaft in Gottes Namen", streichelt ihr frommes Wünschen über die Schläfer.

L. K.-St.

Die Frauen Hoover und Roosevelt.

Von Li Lessing.

Die nachfolgenden Ausführungen einer ge­bürtigen Amerikanerin über die Frauen der bei­den Präsidentschaftskandidaten durften zur Zeit auch in Deutschland Beachtung finden. Die Schriftleitung.

Während der Wahlkampf Hoover und Roosevelt um­braust, interessieren wir Amerikanerinnen uns nicht we­niger dafür, welch- der beiden Gattinnen die nächsten vier Jahre dieE r st - Dame" des Landes fein wird. Sowohl Lau Hoover als auch Eleanor Roosevelt er« freuen sich allgemeiner Liebe und Bewunderung. Beide sind gleichwertig. Beide sassen ihre soziale Stellung als Verpflichtung gegen die Nebenmenschen auf. Sie sind bestrebt, das Los der vom Schicksal Vernachlässigten zu lindern und beteiligen sich an den verschiedensten Ein­richtungen für Wohlfahrtspflege.

Frau Hoover ist durch ihre Heirat Quäkerin gewor­den und nimmt es mit dem Geist derGesellschaft der Freunde" ebenso ernst wie ihr Gatte. Im Mittleren Westen, in Iowa, als Tochter eines Bankiers geboren, verlebte sie ihr« Iug-ndjahr- in Kalifornien und be­suchte die um das Jahr 1890 neugegrünbete Universität Leland Stanford in Palo bei San Francisco. Ihr Haupt­fach war Geologie, dasselbe wie das Herbert Hoovers, und aus der studentischen Kameradschaft wurde eine glückliche Ehe, als Lou einige Jahre nach ihrem Ver­lobten die akademischen Prüfungen bestanden hatte.

E» begann ein Wanderleben, wie es abenteuerlicher kaum gedacht werden kann. Hoover hatte, noch un­verheiratet, sich im Dienst einer englischen Firma als Bergwerksingenieur in Australien einen Namen gemacht

und folgte 1899 einem Ruf der Kaiserlich Ehinesischen Regierung als sachverständiger Geologe und Organi­sator des Bergbaues. Die Hochzeitsreise des jungen Paares ging also nach China. Es war kurz vor dem Boxeraufstand. Unerhörter Glanz und Ruhm am kai­serlichen Hof, bann plötzlich bie Schrecken bes Krieges. Lou Hoover war jeder Lebenslage gewachsen. In der Zeit höchster Gefahr, als bas europäische Viertel Tient­sins, nur von einer winzigen Besatzung gehalten, un­rettbar verloren schien, stanb sie ihrem Mann mutig zur Seite. Hier auf biefem verzweifelten Posten sam­melten die Hoovers bie Erfahrungen, bte sie später im Weltkrieg in so großartiger Weise bewähren sollten. Gelassenheit, Klugheit, Umsicht unb selbstlose Menschen­liebe, bie auf chinesischem Boben einigen hundert Men­schen zugute gekommen war, dienten in Amerika unb Europa vielen Millionen.

Selten ist die organisatorische Tüchtigkeit eines Man­nes durch ähnliche Begabung und die spezifisch weibliche Feinfühligkeit der Lebensgefährtin so vollkommen er­gänzt worden, wie bei Herbert und Lou Hoover. Da­bei bewahrten beide, indem sie für unzählige fremde Menschen die Verantwortung trugen, ihr- Liebe unb Sehnsucht für bas stille Glück im eigenen Heim.

Lou hatte ihrem Gatten zwei Söhne geschenkt. Fa­milienleben zu Hause in Polo Alto, m einem Heim, des­sen Pläne Sou selbst angefertigt hatte, das war nach Kriegsende das Ziel. Statt dessen kam eine ununter­brochene Tätigkeit im Dienste des Staates. Acht Jahre lang war Herbert Hoover Handelsminister, dann Präsi-

wohnung und Torweg. Alle Gebäude aus dem toten, dunklen Ziegelstein, mit vergitterten Fenstern und schwe­ren, verriegelten Türen. Durch ein offenstehendes Tor in der einen Mauer konnte man einen Blick in einen zweiten Hof werfen, der Werkstätten und Lagerschuppen enthält und ein paar kümmerliche Grasbeete mit noch armseligeren Bäumchen, bie dem Steinboden ein be­scheidenes Plätzchen abringen. Auf den Wegen, die sich um dieseGrünanlagen" ziehen, machen die Gefangei- nen ihre täglichen Spaziergänge, die aber mehr an den dienstlichen Lauf eines Karufselpserdes als an eine Er­holung erinnern. Es ist etwas Erschütterndes, die Leute in langer Kette, mit peinlich gehaltenen Abstiin- den, unter ständiger Aufsicht, zehn-, zwanzig-, dreißig- mal stumm im Kreis h-rumlauf-n zu sehen.

Wir tarnen durch die zweite Pforte, die eben um­ständlich wie die erste mit Riesenschlüsseln geöffnet wer­den mußte, in den Hauptbau der Männerabteilung, wo wir in einem kahlen, zellenartigen Raum, dem Warte­zimmer, ablegten. Die gleichmäßige Zentralheizungs­wärme im ganzen Haus empfand man, wenn man von draußen aus der nassen Kälte kam, als doppelt wohltuend. Das Innere eines Gefängnisses kannst du dir am besten vorstellen, wenn Du an ein Krankenhaus denkst: lange, breite Gänge mit vielen Türen, sehr sauber, sehr kohl. Interessant ist die Zellenanordnung. In einem geräumigen, rechteckigen Lichllchachte befin­den sich rings an den Wänden, in zwei Stockwerken übereinander, die Zellen. Ei" Rundnang von Zelle zu Zelle wird ermöglicht durch Eisentreppen und schmale, balkonartige Perrons. Das Innere einer Zelle wirst du gewiß schon auf Abbildungen gesehen haben: ein länglich schmaler Raum mit einem vergitterten Fenster in Uebermannshöhe. in der Tür ein kleines Gitterfen­ster für den Wärter, an der einen Wand eine Holz­pritsche, ein kleiner Wandschrank für Lebensmittel und in der Ecke ein Eimer das ist alles. Für Tobsüchtige und revoltierende Gefangene gibt es noch eine beson­dere Wohnung, ein Gitterkäfig in Gestalt eines Raub­tierzwingers.

In all dies Interessante und Reue konnte ich einen Blick werfen, ehe wir in unseren Konzertraum, die Kirche, gingen. Die Kirche liegt im ersten Stock eines

bent ber Vereinigten Staaten, Lou Hoover bie erste Dame des Landes, vorbildliche Führerin der vornehmen Gesellschaft und zugleich vorbildlich in unablässiger Ar­beit für öffentliche Wohlfahrtspflege. Wird sie weitere vier Jahreerste Dame bes Laubes" sein, wie es viele Millionen wünschen, ober wird sie Eleanor Roosevelt Platz machen?

Frau Roosevelts Leben ist oerhältnismähig ruhig ver­laufen. In Newyork geboren, eine Nichte des berühm­ten Präsidenten Theodore Roosevelt, heiratete sie mit zwanzig Jahren einen entfernten Verwandten gleichen Namens, den jetzigen Gouverneur des Staates Newyork. Als fünfzehnjährige Waise wurde Eleanor von ihrem Vormund in ein englisches Pensionat gebracht, dessen pädagogische Grundsätze vernünftigerweise sich nicht auf Buchwissen beschränkten. Mit Lehrerinnen und Mit­schülerinnen machte Eleanor Reisen nach Paris, Rom, Florenz, Wien. Sie erhielt Einblicke in Leben und Sitten verschiedener Völker. Natürliches Empfinden ließ sie, wie Lou Hoover, ihre Aufgabe im Dienst des

Für Küche

Das (Mutern unserer Balkonpflanzen.

Don Gartenmeister Br au mann-Erfurt.

Unsere Zimmer- und Balkonpflanzen, bie uns den ganzen Sommer mit ihrem Reichtum an Blüten und Blattwerk erfreut haben, verlangen bei der Einwin­terung besondere Sorgfalt, wenn man sie im nächsten Sommer wieder in alter Schönheit bewundern will. Aber gerade in diesem Punkt wird von vielen Frauen schwer gesündigt. Vor allem ist für die Balkonpflanzen nicht ber erste beste Platz in der Rumpelkammer gut genug, sie müssen vielmehr so untergebracht werden, daß sie zwar zimlich dunkel stehen, daß jedoch eine gewisse Luftzirkulation und vor allem bie darin bedingte Er­neuerung der Luft nicht unmöglich gemacht ist. Daß der Aufbewahrungsplatz ber Balkon- und Zimmerpflanzen im Winter absolut frostfrei sein soll, ist wohl bekannt. Am besten werden wohl all diese Bedingungen im Kel­ler erfüllt, ber eine Temperatur von 35 Grad Celsius hat. Ist der Keller nämlich wärmer, dann bekommen bie Pflanzen im Winter lange, geile Triebe, bie nichts nutzen, ba man sie ja doch abschneidet, bte aber natür­lich eine Schwächung für bie Pflanzen bedeuten. Ebenso darf man auch nicht alle Pflanzen gleichmäßig behandeln. Den dunkelsten Standplatz im Keller oder hn Aufbewahrungsraum bekommen die Geranien oder Pelargonien, wie sie anderwärts auch heißen, davor, also etwas mehr dem Licht zugewandt, folgen bie Fuchsien, während die Hortensien ziemlich hell stehen können. Bor dem Cinwintern der Pflanzen, bas am besten in Töpfen geschieht, da bie Aufbewahrung mit offenen Wurzelballen oft zu einer Beschädigung ber Wurzel führt, werden bie Stöcke gut nachgesehen, b. h man entfernt alle Blütenreste, sämtliche trockenen Teile am Stock, alle welken Blätter usw. Dann wird die Pflanze mit einer Spritze oder einer großen Gießkanne mit lauwarmem Wasser abgebraust, nachdem man vorher die Scherben außen mit einer harten Bürste kräftig be­arbeitet unb von allen daran haftenden Erdteilen usw. gereinigt hat. Nach Auflockerung ber Topfscheibe kom­men bie Pflanzen bann in den Keller, ber int Laufe bes Winters bei milder, frostfreier Witterung mehrere Male gelüftet werden muß. Pflanzen, die vom Freien ins Zimmer kommen, wie Zimmerlinden, Palmen, Kame­lien, Azaleen, Gummibäume, Feigen usw. behandelt man in ber gleichen Weise wie die Pflanzen, bie in den Kel­ler kommen. Eine gwisse Vorsicht bei ber Hereinnahme biefer Pflanzen ist jedoch geboten. Sie vertragen den Wechsel zwischen der Freiluft und ber weit trockneren bes geheizten Zimmers oft überhaupt nicht gut u. man muß sie, indem man sie zuerst in ein ungeheiztes und später in ein mäßig warmes Zimmer bringt, an den liebergang gewöhnen. Ein ganz leichter Dungguß vor dem Einwin­tern gegeben, tut bei allen Zimmerpflanzen gute Dienste, bie in den Keller kommenden Pflanzen jedoch dürfen nicht gedüngt werden, ba sie bekanntlich ausru»

Seitenflügels, ist ein einfacher, kahler Raum, nur mit einem schmucklosen Altar, einer Kanzel, terrassenförmig angelegten Bänken und einer Orgel ausgestattet. Da die Orgel-Empore dem Altar gegenüberliegt, mußten wir im Rücken ber Leute musizieren.

Wir hatten kaum bie Geige gestimmt und bie Orgel ausprobiert, wobei ich den Blasebalg bedienen mußte ein gutes Mittel gegen Lampenfieber als gleichzeitig zwei Türen oberhalb der Orgel aufgeschlossen wurden unb die Gefangenen hereinströmten. Es mochten unge­fähr dreihundert Männer fein, alle in blauen, groben Leinenanzügen. Selbst die Kranken waren gekommen in ihrem blau-weiß-gestreiften Dreß. Die Gefangenen verhielten sich ohne sonderlichen Lärm in den Bänken. Später erfuhr ich, daß früher jeder Bankplatz in der Art alten Chorgestühls durch hohe Seitenwände ganz abgefchlossen war, daß aber der neue Pfarrer diese Wände hatte entfernen lassen. Die Männer betrach­teten uns im Vorbeigehen, teils scheu, teils offen und freundlich, teils neugierig unb frech. Ich konnte leiber bei biefem flüchtigen Dorübergehen nicht allzu viel beobachten. Das erkannte ich aber, daß in diesen drei­hundert gleichen, blauen Kitteln durchaus nicht ein ge­wisser Derbrechertypus steckt. Ich stellte im Gegenteil eine verblüffende Vielfalt und Buntheit fest, die auch bas gemeinsame Schicksal und bas uniformierte Leben nicht hatte verwifchen können. Da konntest du ganz breite, robuste Achletenfiguren unb ganz schmächtige, kränklich« G«stalt«n s«hen, alte, verwüstete Gesichter und ganz junge, kindlich zarte, vertierte unb durchgeistigte Köpfe, solche, denen man das Verbrechen schon von weitem ansah, und solch«, von denen man nicht wußte, wie sie hierhergekommen waren. Du kannst übergeujt sein, daß ich im öffentlichen Konzertsaal kaum ein ge­mischteres Publikum hätte finden können.

Nachdem die Auffeher Programm und Liedtexte ver­teilt hatten, trat schnell Ruhe ein. Wir hatten bas Tiefste und Größte herausgesucht, was bie Musik zu bieten vermag: Werke von Johann Sebastian Bach.

Mein Gefühl trog mich nicht. Schon bei dem ein­leitenden Choralvorspiel, dessen Muckt alles wider­standslos mitreißen mußte, war der Kontakt mit den Zuhörern ba. Mit zunehmender Ergriffenheit und Be-

Allgemeinwohls erkennen. Selbst Mutter von fünf Kin­dern, betreute sie die Kinder ber ärmsten Bevölkerungs- schichten. Sie lehrte in einer Mädchenschule mehrer« Stunden in ber Woche amerikanische Geschichte unb eng­lische Literatur. Daneben war sie eine der Leiterinnen einer Möbelfabrik bei Poughkeepsie, wo bie Kunst feiner Handarbeit gepflegt wird ein Kampf im Kleinen ge­gen den nivellierenden Einfluß ber Maschine.

Wie sie hier im Kunstgewerbe, dort als Lehrerin versuchte, das Einmalige unb Besondere in jedem Men­schen zur Entfaltung zu bringen, so glaubt sie auch in der Wohlfahrtspflege an Selbsthilfe. Das heißt, wo immer möglich, soll der Hilfsbedürftige nicht als Bettler behandelt, sondern zu irgend einer Art Tätigkeit unb dadurch zum Selbstvertrauen erzogen werden. Mit solch ausgeprägtem Individualismus berührt sie sich geistig aufs engste mit den Hoovers. Der politische Ge­gensatz der Männer mag noch so groß sein, ein Wechsel der Dynastie würde für bie Stellung berErsten Dame" bes Landes als solcher wenig bedeuten.

und Haus.

hen sollen, während jede Düngung das Wachstum an­regt. Kamelien und Aazaleen dürfen bis zur Blüte nur im kühlen, nicht zu warmen Zimmer gehalten wer­den, da sonst die Blüten sehr rasch abfallen. Wie ist es nun im Winter mit dem Gießen zu halten, «ine Frage, bie man oft hort, ohne daß sie immer richtig beantwortet wird. Für die im warmen Zimmer blei­benden Pflanzen besteht natürlich bie Notwendigkeit, daß sie nach Bedarf gegossen werden, b. h. täglich ober in größeren Abständen, je nachdem wieviel Wasser bie Pflanze braucht. Die eingekellerten Pflanzen läßt man längere Zeit ruhen. Alle 1014 Tage wird man sie mit lauwarmem Wasser gießen und abbrausen, damit die Pflanzen nicht vertrocknen. Hortensien und Fuch­sien brauchen mehr Wasser, wie Pelargonien.

Die praktische Hausfrau.

Versalzene Speisen kann man durch Zugabe von etwas Zucker wieder durchaus schmackhaft machen. Der Zucker süßt in diesem Falle nicht bie Speise, es heben sich vielmehr ber salzige unb ber süße Geschmack gegen­seitig auf.

Unauslöschliche Tinte zum Zeichnen der Wäsch«.

Ein Hühnereiweiß wird mit ber gleichen Meng« Wasser verdünnt unb schaumig gerührt. Dann mischt man unter die Flüssigkeit soviel Zinnober, bis ein dickflüssiger, zäher Brei entsteht, mit dem man bann bie Wäsche zeichnet. Die aufgemalten Buchstaben müssen, damit sie bleiben, mit einem warmen Eisen überbügelt werden. Daß in ber Farbe enthaltene Eiweiß gerinnt auf biefe Weise und kann nicht mehr entfernt werden.

Die Frau in der Küche.

Karpfen ungarisch. Zwei Karpfen bereitet man gut vor, schneidet sie in passende Stücke, salzt diese unb kocht sie in Salzwasser nebst etwas Essig weich. Inzwischen wird in 60 Gramm Butter ein Eßlöffel voll Mehl bräunlich geröstet, dieses mit einem Viertelliter süßer Sahne, einem Achtelliter Fischwasser zu sämiger Soße verkocht unb mit ein ganz klein wenig Paprika gewürzt. Zuletzt wirb bie Soße mit zwei ober brei Eigelb legiert unb über bie Fische gegeben.

Blondinen wollen auch blond bleiben I Aber wenn Sie Ihr Haar sich selbst überlassen, dann verliert es allmählich seinen Glanz und dunkelt nach. Pflegen Sie Ihr Haar deshalb mit Schwarzkopf Extra - Blond, dem Schaumpon der Blondine, dann bleibt es blond. War es aber bereits nach­gedunkelt, so läßt es sich mit Extra-Blond zu jeder gewünschten Nuance wieder aufhellen. Extra-Blond liegt zudem der unvergleich- liehe, weder durch Zitronensaft noch durch Essigbad ersetzbareHaarglanz" bei, der das Haar dauernd gesund erhält und blondes Haar doppelt verschönt, r

geifterung folgten die Gefangenen den Biolinstücken, den herrlichen Arien, bis sie nach der letzten wehmütig- süßen Arie in spontanen Beifall ausbrachen. Gewiß hatten manche während des ganzen Konzerts stier und verständnislos bagefeffen; aber viele verliehen den Raum anders als sie hereingekommen waren. Und dieser Glanz von Befreiung in dankbaren Augen war unser schönster Beifall. Unser Blasebalgtreter, ein junger, offener Bursche, dem man nicht ansah, daß er seinen Vater erstochen hatte, schüttelte dem Geiger lange be­wegt die Hand und freute sich wie ein kleines Kind.

In weihnachtssesiger Gebe-Stimmung verließen wir den Männerbau, um auch den Frauen, bie in einem anderen Haus untergebracht sind, gleiche Freude zu machen. Die saßen schon erwartungsvoll in ihrem klei­nen Gottesdienst-Raum unb sahen trotz der ernsten, blauen Arbeitskleidung feftfreubig aus. Diese dreißig bis vierzig Frauen jeglichen Alters begrüßten uns mit kindlicher Herzlichkeit durch Aufstehen, wie wir es in ber Schule taten.

In diesem zweiten Teil des Konzerts tarn es zu ei­nem heiteren Zwischenfall. Unser Organist hatte hier nur ein Harmonium, von dessen Altersschwäche und Aschma er keine Ahnung hatte. War schauten ver- wundert zu, wie er bet seinen Passagen die Pedale in einem irrsinnigen Tempo bearbeitete. Plötzlich fackle er bei dem ersten Fugen-Tutti zusammen, fiel mit einem Seufzer auf die Tasten unb sagte gebrochen:Ich kann nicht mehr." Es war wirklich kein Wunder bei diesem vorsintflutlichen Instrument. Die Frauen nah­men diese ungewollte Programm-Unterbrechung nicht übel, lachten im Gegenteil noch herzlich über die Ko­mik der Situation unb folgten bann ernst unb ge­sammelt den folgenden Darbietungen. Hier war die Wirkung noch offensichtlicher als bei den Männern. Diele hatten am Schluß Tränen in den Augen, und ihr Dank war so aufrichtig und warm, daß ich gerne ihre Bitte um baldiges Wiederkommen erfüllen möchte.

Das also, liebe Helga, war mein erstes Konzert unb sein großer Erfolg. Ich hoffe, daß du nach all dem deine Meinung, man solle den Leuten im Gefängnis keine künstlerischen Darbietungen bringen, weil es doch zwecklos fei, gründlich änderst. Dann hätte ber Brief feinen Zweck erreicht. Deine Else.