Ausklang.
Zu den Stufen des Altars, von denen sie ausgewogen, kehrt nun die Jungmannschaft wieder zurück, um den Herrn froh zu loben und im machtvollen Fuldaer Bekenntnis ihren heiligen Schwur in feine Hand zu leisten. Rauschend durchbraust alsdann der Ambrosianische Lobgesang den hohen Raum und mit dem uralt neuen Gruße an den Meerstern der finsteren Nacht scheidet die Jugend von dem heiligen Ort.
Wilhelm Schneider.
Herbst-Wanderung der Werstvgend
des fiatf). Arbeitervereins der Stadtpfarrei.
Man schreibt uns:
Am vergangenen Sonntag machte die Werkjugend zum erstenmal mit ihrem neuen Präses, Herrn Stadt- kaplan Scholz, eine Wanderung. Das Ziel war Hün- feld-Malges Nachdem am Morgen jeder feiner Sonn« tagspslicht genügt hatte, trafen >ich die Mitglieder teils mit ihren Rödern, teils mit der Bahn gegen 9 Uhr in Hünfeld, um sich nach Fuldaer Art zunächst für die kommenden Unternehmungen zu ftär'en. Die Mandolinen- kapelle sorgte für die nötige Stimmung, und so verrann die Zeit im Fluge. Ehe der Marsch nach Malqe- angetreten wurde, machte man erst einen Besuch im Ob- latenkloster, um das Museum unter Führung eines ölten Missionars zu besichtigen.
Gegen 1.30 Uhr trafen die Teilnehmer mit Musik und Gesang in Malges ein. In der neuerbauten Kirche sand eine kurze Segensandacht statt. Den Höhepunkt erreichte die Ausflugsfreude bei Kaffee und Kuchen, den Herr Bürgermeister Kraus von Malges freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte. Die 20 Werkjungens haben hierbei ganze „Arbeit" geleistet. Nur zu rasch rückte die Zeit des Ausbruchs heran. Mit einem dreimaligen kräftigen „Werkjugend Heil' und unter den Klängen des schneidig gespielten Deutschmeistermarsches verließen die Jungen ihren lieben Gastgeber und das friedlich gelegene Dörfchen, um den Marsch nach Hanse anzutreten.
Werkjugend Heil! O. M. F.
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Sturmtag in der Diaspora.
1000 Jungmänner aus dem Lekenntnismarsch durch Hanau.
Bei herrlichem Herbstwetter und unter überwältigender Anteilnahme der Bevölkerung ist. der Sturm tag der Hanauer katholischen Jugend dahingegangen. Er war der größte, den der Süden der Diözese Fulda gesehen hat. Außerdem bot er in seiner vortrefflichen Durcharbeitung eine stark betonte und wohl gelungene Ausprägung innerhalb des städtischen Rahmens, dessen Borzüge zu nutzen und dessen Schattenseiten zu meiden waren.
Der Bortag.
Schon am Borabend helle Begeisterung. Die prächtige Rosette der Kirchenfassade strahlt ein mächtiges Christus- zeichen in die dunkle Samstagnacht. Berge von Mundvorrat werden zusammengetragen. Die ganze Gemeinde hat geholfen.
Der Beginn.
Lange lassen die nicht auf sich warten. Kaum ist es Mittag geworden, da ist Hanau überflutet von einer tausendköpfigen Schar frischer, fröhlicher Kerle, deren Blusen und Kluften in allen möglichen Farben das bayerische und hessische „Ausland" zu verraten scheinen. Bei den Bincenzschwestern (6t. Elisabethenheim), bei den Armen Schulschwestern (Haushaltungsschule) und in zwei Gasthöfen schmausen sie um die Wette.
Die Sturm-Weihe.
Die Wimpel und Banner füllen zu vielen Dutzenden den Chor und die Halle ber weiten Stadtpfarrkirche. In seiner Sturm-Ansprache ruft den Jungmännern ber Hanauer Präses Ziel unb Weg ber christlichen Jung- mannsarbeit ins Herz. Mit feierlichem Segen weiht der Ortspfarrer das neue Lilienbanner ber jungen Sankt - Geor g-P fadfinderschaft. Auf weißem Grunde zeigt es ein bandförmiges rotes Kreuz, in dessen Mitte ein blaues Schild die weiße Kreuzlilie trägt. Lita-
Der Bekenntnis-Marsch.
Allmählich faßt der große Kirchplatz die Scharen, die sich nun in Hundertschaften zum Sturm-Marsch durch die Straßen sammeln. Boran drei Sturmbanner mit allen Jung- und Sturmscharwimpeln. Und das sind nicht wenige! In festen Reihen folgen die Jung- und die Sturm- scharen, die Jungland-, Neudeutschland-, Pfadfinder- und Jugendkraft-Gruppen, die Schwarze Schar und die Un= betlufteten; den Schluß machen die Gesellen in ihrer kleidsamen Tracht. In Dutzende von Chrisiusbannern greift der Herbstwind und läßt sie flattern und knattern.
Der Schwur.
Heber den Westen unb die Mitte ber Stabt finb sie in bie Stadthalle, den modernen und größten Saat der Stabt gelangt. Die Jugend füllt die sich dehnende Halle, einige Glückliche drängen nach, und schon muß die Polizei den Zutritt verwehren. Kurt Klaebers Sprechchor „Eine Kirche" gibt dem unbändigen Schaffensdrang unb der heißen Sehnsucht Ausdruck, die diese Jugend eine Kirche bauen läßt aus den Seelen und Herzen der deutschen Menschen. Diese Jugend wird unüberwindlich sein, ruft der Präfekt der Hanauer in seiner Festansprache, wenn sie bis auf den letzten Mann ihre Pflicht tut. Ihre Front ist aufmarschiert und bekennt, was sie bewegt und was sie sich zum Ziel gesetzt hat: F eftig t ei t im Glauben an Gott und die Kirche unb Treue unb Opfermut gegenüber Volk und Vaterland. Trier, Koblenz und Dortmund bewiesen, daß hinter dieser Jugend große Massen stehen. Die katholische Jugend Deutschlands steht geschlossener denn je in ihrem Kampfe um Christi Reich und ein neues Deutschland! Die Antwort auf bie Frage: Wirb bie Kirche es schassen ober muß es Moskau tun? lautet: Nur durch bie Jugenb wirb bie Kirche es schaffen, burch eine Christ u s j u g e n d, bie nicht nur mit ber Masse bei ber Äunbgebung bas 6turmlieb singt, fonbern bie in die Straßen bes Alltags die Tat hineinträgt, auf die allein die verzweifelnde Menschheit, die das Wort der Kanzel nicht mehr hört, noch wartet. Im kommenden Not- winter muh katholische Jugend mit eigenem Wollen
Bruderliebe vorangehen. Möge Deutschland, ehe es sich wieder seiner inneren Gegnerschaft erinnert, auf dem Kampfplatz erschütternder Massennot einen Sieg der Liebe unb ber Güte erftreiten; denn Deutschlanb ist, wo wir opfern! Ja, mir dienen unserem Volke mit unserem Glauben, mit unserem Schassen und mit unserem Hoffen. Das große Ziel unserer gezügelten und gestählten Kraft heißt Deutschland! Deutschland, das tief gebemütigte, heiß geliebte, vier Jahre vom Feuerwall umlohte, fast immer tragisch zu spät kommende, nie fertige und doch so gewaltige und herrliche Vaterland. Auf, Brüder, auf! Den Flammberg in die Hand! Mit Christi Schwert durchpflügen wir das Land . . . Ja, Blut und Leben, wir geben es gern, wir leben nicht uns, wir leben dem Herrn! Auf Brüder, auf! Treu Heil!
Die Glückwünsche aus Fulda übermittelt ein Vertreter der Diözesanleitung; er faßt die Ergebnisse der jüngsten Reichs-Führertagung zusammen und ruft zum Ende bes Jahres des Sturms unb ber Sammlung ber Massen auf zum Vorstoß in bas neue Tatjahr, in bem es unter dem Schutze der Altenberger Madonna die Verwirklichung, die radikale Berwirklichung der Wahrheit gilt.
Der Film „Das Feuer vonTrier" — in vier Folgen ein Bericht von der Sechsten Reichstagung des Katholischen Jungmännerverbandes — und Ludwig Hu- gins tiefes Spiel „Der Reich-Sucher" schaffen den weiten Rahmen für diese großen Gedanken . ..
Das Feuer.
Die Herbstnacht ist inzwischen über die Mainstadt her» eingebrochen. Die Jugend greift zu ihren Fackeln unb zieht schweigenden Schrittes durch die abendlichen Straßen. Auf einem der schönsten unb weitesten Plätze unserer kurhessischen Heimat, bem weit genannten „Paradeplatz" werfen sie ihre Fackeln zu einem großen Brande zusammen. Ein Flammenspruch deutet ihr Tun und in der Flammenrede des Hanauer Ehrenpräfekten leuchtet die Freude auf: wie gemeinsames Zusammenwirken dies Feuer geschaffen und wie es nun weithin strahle in Wärme und Helligkeit — ein mahnendes Zei-
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| Volksfront!
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durch Aug Weller, Senior des kathol. Gesellenvereins Niederkaibach. Anschließend sprach der Diözesansenior Ksiensik über das Thema: „Mit Kolping zur deutschen Freiheit". Im Mittelpunkt seiner Darlegungen stand die Aufforderung: Kämpft für die christliche Demokratie, entnommen dem Ruf des Manifestes, das auf dem Wiener Gesellentag 1927 herausgegeben wurde, mit den drei Programmworten Familie, Demokratie und Völkersriede. Freiheit und Gemeinschaft sind die Ziele, um die wir kämpfen, wenn wir von Demokratie sprechen. Freiheit ist der Ruf der Jugend. Und mit Recht erschalle dieser Ruf gerade heute lauter als je. Wir fordern Freiheit für unsere religiösen Ziele, Gleichheit vor Gesetz und Recht. Darum wenden wir uns gegen jede politische Knechtschaft und Zurücksetzung. Ohne Freiheit keine Men- schenwürde, keine Gemeinschaft; nur Knechtschaft unb nichts Ebles. Nach Freiheit ruft auch das beutsche Volk nicht bloß nach außen, sondern auch ebenso stark nach innen. Knechtsland soll nicht unser Vaterland sein. Vaterland sei Freiheits land; dann wird Freiheitsland auch Zukunftsland. Freiheitsgesinnung ist urdeutsch und läuft wie ein Faden durch die deutsche Geschichte. Freiheitsgesinnung lag auch unserem Vorkämpfer und Gesellenvater Adolf Kolping int Blute. Kolping griff den germanischen Genossenschaftsbetrieb auf unb erfüllte ihn in zeitgemäßer Weise in ber Organisation und Selbsthilfe seines Gesellenvereins. Er soll uns ein Vorbild bleiben. Seine Gesinnung ist auch unsere Gesinnung. Mit Kolpingsgeist für unsere Freiheit und unser Recht. Die mit großem Beisall auf- genommene Rede fand ihren Abschluß mit dem Lied „Wir sind Kolpingssöhne".
Daß neben dem Ruf nach Freiheit auch die Brüderlichkeit und Geselligkeit zu ihrem Rechte kommt, sei nur kurz erwähnt. Einige luftige Theaterstücke und Lieder hielten uns noch einige Stunden zusammen. Gegen 6 Uhr hatte die Veranstaltung ihr Ende erreicht. Wir trennten uns mit dem Gedanken „Der Tag hat seinen Zweck erfüllt". K. M.
Mit der Siedlung geht's zurück.
Das muß selbst die „Deutsche Allgemeine Zeitung", die ganz hinter der Regierung Papen steht, feststellen. Das Jahr 1932 schließe mit dem schiech test en Sieälungsergebnis ab, das feit Jahren erzielt fei. Man könne nur mit 4000 bis 5000 neuen Stellen in diesem Jahre rechnen, stall der in den letzten Jahren erreichten 10 000 und statt der 20 000 bis 30 000, die Brüning noch unmittelbar vor feinem Sturz plante. Schuld daran feien die Maßnahmen der Ost- Hilfe, der weitgehende Sicherungsschutz für die zahlreichen Großbetriebe, die, weil sie überschuldet feien, längst für die Siedlung hätten zur Verfügung stehen müssen.
Auch die deutschnationale „Kreuzzeitung" kann nicht umhin, diese traurige nationale Bilanz zu ziehen. Sie schreibt, nicht an Siedlungslusligen fehle es, fonbern an 2 a n b. Die Reichsregierung müsse endlich etwas tun, daß das für die Siedlung notwendige Land bereitge» stellt würde.
Wie hat man den Reichskanzler Brüning durch den Dreck gezogen, als er zur Sicherung der deutschen Ostgrenzen und um Landarbeitern und nachgeborenen Bauernsöhnen den Weg zur Siedlung freizumachen, die über und überschuldeten Großgrundbesitzer zur Hergabe von Land zwingen wollte. Nicht auf dem Wege der Enteignung, sondern gegen Entschädigung.
Heule müssen die Kreise, die Brüning wegen feiner Siedlungspolitik gestürzt haben, selbst zugestehen, daß Brünings Siedlungspolitik der beste Weg zur Wiederbelebung und Ankurbelung unserer innerdeutschen Wirtschaft gewesen ist. Aber noch einmal hat der I n» tereffenegoismus deutschnationaler Großgrundbesitzer gesiegt. Wo eine Bauern- siedlung entsteht, da wird bas Handwerk beschäftigt, da finb Straßen-, zu bauen, da findet der Handel Absatz.
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Beilage zur Fuldaer Zeitung
auch immer man in bie fjanb nehmen möge: immer wird man in ihr eine leidenschaftliche Kampf- anfage an den Geist der alten Generation verkündet finden, lleberall wittert die Jugend Eigennutz bei benetj, die ihre seelische und geistige Formung aus der Vorkriegskultur empfangen haben: „Ueberall der alte Betrug" — heißt es in einem Leitartikel — „und die alten Betrüger in modischer Aufmachung. Wer auf sie hereinfallen will, falle herein. Sehen w i r, daß unsere Handlungen von unseren Gedanken und Plänen gefärbt sind!"
Als unsere Väter jung waren, gab es zumindest einen Glauben: den Glauben an die Familie. Die Jugend von heule zweifelt an allem: an der Wirtschaft, an der Politik, an der Wissenschaft. Sie verdächtigt alle Normen und Bräuche und glaubt im Grunde nur an sich selbst! Ohne sich indessen wichtig zu nehmen ober von den Allen nehmen zu lassen.
Dr. Wilhelm Hermanns.
Die Schuld der Nazi.
Wütender als früher gegen die „schwarzroten November-Verbrecher" führen bie Nazi-Agitatoren heute den Kampf gegen bie Regierung Papen. Warum wohl? Jedenfalls haben sie ein schlechtes Gewissen; sie wissen nur zu gut, daß ohne die Nazi-Hetze gegen Brüning und das „System" der „Herrenklub" nicht den Staatsstreich hätte wagen können. Wie sagte Goebbels: Hinter unserem breiten Rücken haben sich die Herren bie Herrschaft erschlichen. Die Nazi-Führer tragen also bie Hauptschuld an dem Sieg der Reaktion in Deutschland. Sie haben sich von den „Herren" gegen bas Volk mißbrauchen lassen unb sind die „Söldner der Reaktion" gewesen. Kein Toben und kein Wut- gedrüll kann bie Nazi-Führer von dieser geschichtlichen Schuld befreien. Vielmehr bekommt man den Eindruck, daß sie nur so schreien, weil sie mit Recht gemerkt haben, daß sie bei dem „Harzburger" Geschäft schwer hereingelegt worden finb. Sie hoben sozusagen im „politischen Schützengraben" gegen Brüning gelegen, unb bie vorsichtigen und schlaueren Bundesgenossen hoben das Geschäft gemacht. Sie hoben dauernd von der Eroberung ber Macht gerebet, unb Klügere haben sie mit ihrer Hilfe erobert.
Statt mit Hugenberg Freundschaft zu schließen, hätten die Nationalsozialisten eine Verständigung mit dem Kanzler Brüning suchen sollen. Sie haben aber alle Kräfte eingesetzt, um ihn zu beseitigen. Brünings Sturz bedeutet gerade für die junge Generation einen schweren Verlust. Brüning begann gründlich aufzuräumen und den Boden für eine Neuorientierung der deutschen Wirtschaft zu bereiten. Er war ehrlich und solide; beute dagegen gehl man mit schnoddriger Leichtfertigkeit an die schwierigsten Dinge heran, verteilt Liebesgaben an die Kreise, die dem „neuen Kurs" mit Sympathie gegenüberstehen, unb legt bem Volk neue Lasten auf. Die beutsche Jugenb freilich ist um eine Hoffnung ärmer. Es scheint, als ob man sie mit Gewalt ber Verzweiflung unb bem Bolschewismus in die Arme treiben wollte.
kolpiugsjugeud am Distetrasen.
Man schreib! dem „Blatt der Jugend":
Alle Treffen und Bannerweihen der katholischen Jungmannschast sollten so sein wie das Bezirkssest mit Bannerweihe des kalh. Gesellenvereins am 16. Oktober in Niederkaibach. Am Morgen konnte man die Kolpingssöhne an der Kommunionbank sehen. Nach dem Hauptgottesdienst trafen sich die Senioren des Bezirks Distelrasen. Mit dem Kolpingsgruß begannen bie ernsten Beratungen. Nach Anregungen und Aussprachen legte man ein Programm für die kommende Winterarbeit fest. Auch wurde die Frage der Wandergruppen besonders eingehend erörtert.
Gegen 1J4 Uhr sah man die Kolpingssöhne von nah unb fern zum Gotteshaus ziehen; Sie wollten ber Bannerweihe bes Nieberkalbacher Vereins beiwohnen. Be» zirkspräses Saue r-Flieden verstand es, in der Festpre- bigt mit treffenben Worten bas Kolpingsbanner als Symbol ber echten Kolpingssamilie zu feiern. Nach ber Weihe unb Anbachl zogen bie Kolpingssöhne mit ihren Bannern unb unter Musikbegleitung zum Festsaal. Trotz bes schlechten Wellers war die Beteiligung sehr gut. Auch bie Bevölkerung zeigte lebhaftes Interesse, so daß bei der anschließenden Kundgebung ber Saal überfüllt wurde. Eine mehrstündige Feier begann mit der Begrüßung
26. Oktober.
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Fugend ohne Ideale?
Niemand hak das Recht, der heutigen Zagend Seetentosigteit vorzuwerfen.
Aus der Straße spielen Kinder: SB ater und Mutter. Da kommt Nachbars Lolichen und will mitfpielen. „Kann ich nicht noch ein Kind bei Euch fein?" — „Das gehl nicht!" ruft da die vierjährige Mutter und zeigt auf die beiden Puppen im Kinderwagen: „Wir haben schon zwei Kinder, und ein drittes kostet uns zuviel; bas können wir nicht ernähren." Diese zufällig mit angehörle Antwort eines noch nicht schulpflichtigen Kinbes hat mich lebhaft beunruhigt. Ist es ein vereinzelter Fall — so fragte ich mich —, daß ein Kind die Sorgen der Ellern nicht nur m i t erlebt, sondern auch n a cherlebl, ober trägt das Gesicht der heutigen Jugend allgemein die Fallen und Fältchen bes Nachdenkens, wenn auch unsichtbar?
Ich ging in mehrere Kindergärten. Immer wieder hörte ich die Frage auch bei den Kleinsten, wenn sie Kuchen aus Sand backten: Reicht es noch? Geht es noch? Ist noch Essen für mich da--? Fragen,
bie angesichts des großen Sandhausens einem Kinde weitab liegen müßten unb von uns in unserer Jugenb früher nur höchst selten gestellt wurden. Die gleiche Beobachtung machen die Kindergärtnerinnen beim Essen ber Kleinen. Für bie meisten Kinber ist es heute nicht mehr selbstverstänblich, vom Mittagstisch satt aufzu- stehen.
Ich bin in bie Schulen gegangen — bei ber ®e- meindeschuie angefangen bis zum Gymnasium —; alle Lehrer bestätigten mir, baß die ursprüngliche Heiterkeit unb Sorglosigkeit ber Jugend verloren gegangen sei. Die Jugend wohlhabender Schichten einbezogen, denn ist sie auch keiner Kargheit in der Ernährung, so doch anderen typischen Mängeln dieser Zeit genau so ausgesetzt. Die Kindlichkeit, das n n- befangene Jn-den-Tag-hineinleben läßt sich allenfalls noch bei solchen Jugendlichen wahrnehmen, deren Familienleben nicht gestört ist. Wo aber ist die Geschlossenheit des Heimes noch nicht angetastet durch Vermieten von Wohnräumen, durch Arbeitslosigkeit in der Familie? In der Tat, bie kindliche Einsalt ist dahin. Was die Jugend von heule von der gestrigen unterscheidet, kann man am besten mit dem Begriff: m i ß Iranische Skepsis umschreiben. Die frühere Jugend schwärmte, die heutige Jugend vergleicht. Fragt schon das Kleinkind: „Reichl es noch?", so beurteilt der sechsjährige Knirps den Spielkameraden danach, ob fein Vater „auch Kommunist" ist und der Gymnasiast spielt Nicht mehr aus Freude am leichten Spiel, am Spiel an sich, sondern um seine Kräfte abzuwägen und zu messen, zu berechnen, mit dem andern zu vergleichen. Selbst der Student lehnt in seinem Studium ab, was ihm nicht als unmittelbar zweckvoll für fein Examen einleuchtel.
Die heutige Jugend plündert nicht mehr die Blumen von den Wiesen, um sie in dicken Sträußen bei Muller unb Tante verwelken zu lassen. Sie bringt von ihren Wanberungen bas roettergebräunte Gesicht heim unb erzählt nicht vorn tiefen Erlebnis des Waldes, den Gottes Güte „so hoch da droben aufgebaut" habe, sondern allenfalls von einem „zackigen Lagerplatz mit Badegelegenheit". — War noch im vorigen Jahrhundert Werthers Leiden ein verbreitetes Buch, so lieft die Jugend heute am liebsten Bücher, die den Menschen im Kamps mit der Natur oder Technik schildern. Und es ist kein Zufall, wenn ein Grazer Lehrer berichtet, daß seine Jungen nach dem Besuch des Films „Westfront 1918" sich stark für die technischen Details interessierten unb keineswegs entsetzt über den Krieg waren.
Haben aber dann jene Stimmen aus bem Lager ber älteren Generation nicht doch recht, die der heutigen Jugend Seelenlos!gkeit vorwerfen? — Kürzlich konnte ich einen jungen Menschen sprechen, ber eben vor dem Jugendrichter gestanden halle, ohne sich die geringste Reue oder Erschütterung anmerfen zu lassen. Aus meine diesbezügliche Frage entgegnete er: „Soll ich winseln?" — unb leiser fügte er hinzu: „Das Ganze tut mir nur leib wegen meiner Mutter!" Seine Gefühllosigkeit war also lediglich Maske; die heutige Jugend schweigt über innere Vorgänge. Sie trägt nicht mehr den Flor, sondern die Trauer.
Und hier wird deutlich, daß die alte Generation an ber Haltung ber jungen ihr gerüt- teltes Maß von Schulb trägt. Denn wenn sie im Gesicht ber Jugenb bie unbefangene Heiterkeit vermißt, kann sie sagen: „Das ist bie Not ber Zeil; die nächste Generation wird mit neuem Wohlstand auch wieder kindlicher, heiterer sein." Wenn sie aber in den Gesichls- zügen des jungen Menschen Ueberheblichkeit, ja Grausamkeit zu finden vermeint so sollte sie „mea culpa" sprechen. Denn die zwiespältige und innerlich unsichere Haltung der älteren Generation wirkt sich nirgends so verderblich aus als in der Erziehung. Man kann nicht dem Kinde Parieisymbole anstecken und ihm zugleich den Gedanken von ber Gleichheit aller Menschen beibringen wollen, unb man kann nicht von Volksgemeinschaft reden unb Partei- ober Jnleressenpolilik treiben. Diese Not der Alten, der Zwiespalt ihrer Haltung, hat die Jugend, schon irrgeworden durch die Not der Zeil, eben zu dem Selbstbewußtsein gebracht, den der heutige Jugendliche etwa so ausbrüeft: „Der Laden wird erst klappen, wenn wir da oben sitzen!" Und welche Jugendzeitschrift aus welchem Lager, ja aus welchem Lande
bah heute Entscheidungen getroffen werden, bie für ihre Zukunft entscheidend finb. Wenn sie nicht will, baß bas Neue ohne sie ober sogar gegen sie geformt wird, bann bars sie sich nicht damit begnügen, in den kirchlichen Vereinen das religiöse Innenleben zu pflegen unb Christus als ben König bieser Welt anzuerkennen, son- bern sie muß barüber hinaus ernstlich darangehen, ihren Jbeen in ber Öffentlichkeit Geltung zu verschaffen. Sie muß in ihrer Gesamtheit politisch denken und handeln lernen.
Die Windthorstbünde sollen deshalb in diesem Winter eine planmäßige Schulungsarbeit leisten. Als Vorbereitung hat an allen Orten eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattzufinden, zu ber ber @iu= sichrer rechtzeitig eingelabcn werden muß. Außer ben bereits durchgeführten Versammlungen sind solche diese Woche angesetzl:
1. heule abend in Hünfeld,
2. Freitag abend in Dipperz,
3. Samstagabend Bannerweihe in Salzschlirf.
Weiterhin findet in Mardorf (früher Kreis Kirchhain) Ende dieser Woche ein dreitägiger Schulungskursus des Gaues Oberhessen statt.
Die geplante Schulungstagung in Fulda wird jedenfalls in der Woche vom 11. bis 18. Dezember abgehalten. Anmeldungen können jetzt schon an ben Gau- sichrer erfolgen.
Geht mit uns!
Ach! mit uns in einer Reihe straßenlang! gingt mit uns voll Kraft unb Weihe ben Gesang! Lebensvoll aus unserer Mille brängt ber Chor, Alle unsere jungen Schrille stürmen vor.
Neicht uns eure jungen Hände arbeitstjart! ffiolöen liegt vor uns das Ende solcher Fahri. Aus. ben Blick zu Gottes Sternen aus bem £anb! Einer reicht aus ew'gen Fernen uns bie Hanb.
Laßt uns einig sein im Leben unb im Tob!
Gott, ber Herr, muß uns erheben aus ber Not. Klingen sollen unsere Lieber himmelan, Daß wir alle uns als Brüber zugeton'
Aus ber „Werkjuzend".
Die junge Volksfront
ijt an ber Arbeit, um bie in ben politischen Kämpfen der letzten Zeil eroberte Stellung für die bevorstehenden schweren Auseinandersetzungen auszubauen. Aus den gii 35 Orten des Fuldaer Landes gegründeten Wi ndt- jjorftbünben muß eine merkliche geistig-politische Bewegung erwachsen, die sich um die grundsätzliche Klärung der politischen Fragen in harter Schulungsarbeil müht unb alles einsetzt, um im politischen Machtkampf ihren Willen durchzufetzen. Die katholische Jungmannschaft sollte wissen.
irr. 248
hei, Segen unb Gesang beschließen die Weiheslunde.
und eigenem Opfer in der Erfüllung bes Gesetzes ber chen für unsere Zeit.