Einzelbild herunterladen
 

Zahkg. 59.

Dienstag, 25. Oktober 1932.

Ilr. 247

Monatlich 1.65 emschlietzl. Postgebühr (48 Psg.» ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (t£ol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postschecks. Frankfurt a. M 4051.

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches fireisblott______

?*m der Landwirtschaft willen.

Aeberlegungen zur Reichstags-Wahl.

Das erwartete Dementi.

Don zuständiger Stelle wird mit Nachdruck er­klärt, daß das Kabinett Papen vollstän­dig'einig und nicht gewillt sei, seinen Kurs pi ändern. *

Reichswehrminister v. Schleicher, der sich Zur Zeit in Badenweiler aufhält, hat dem Vertreter einer Nachrichtenagentur folgende Erklä­rung übergeben: „In Berlin wird die Nachricht verbreitet, daß ich meinen Aufenthalt in Badenwei­ler zu politischen Besprechungen be­nutze, die den Bestand des jetzigen Kabinetts ge­fährden könnten. Eine geradezu absurde Idee! Abgesehen davon, daß ich mit dem mir befreunde­ten Reichskanzler v. Papen sachlich und p o • litisch völlig überein st imme, habe ich während meines Aufenthalts in Badenweiler noch keine politische Persönlichkeit größeren oder kleine­ren Formats gesehen oder gesprochen und gedenke bas auch in Zukunft nicht zu tun".

*

Es scheint demnach so, als ob das Kabinett v. Papen wenigstens den 6. November noch im Amte erleben würde.

Eine Erklärung Leiparls.

Der Vorsitzende des freien Gewerkschaftsbundes, des ADGB., Leipart, ermächtigt den „Vorwärts", zu erklären, daß er weder an Verhandlungen mit Herrn v. Schleicher noch an irgendwelchen Bespre­chungen über irgendeine Regierungsbildung teil­genommen hat. Mit den Redereien Strassers Habe er erst recht nichts zu tun. Seine politische Stel­lungnahme habe er erst vor einigen Tagen öffent­lich in der Kundgebung des ADGB, und des Afa- bundes klar umrissen. Von irgendwelchen Syrnpa- chien Leiparts zu den Faschisten oder den heute regierenden Herren zu reden, sei daher entweder böswillige Verleumdung oder phantasievolle Kom­binationssucht, der jede tatsächliche Unterlage fehle.

*

Die Reichspressestelle des Stahlhelm teilt mit:

„Der 2. Dundesführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Oberstleutnantt Due- fterberg, hat sich entschlossen, wegen einiger Ar­tikel in verschiedenen nationalsozialisti­schen Blättern, in denen ihm Feigheit und Un­ehrenhaftigkeit, ein Verhalten, das mit dem Eh­renkodex des deutschen Offizierskorps unvereinbar ist, vorgeworfen wird, im Strafverfahren vorzu­gehen".

Hitler gegen Papen.

In einem überfüllten Riesenzelt sprach in Halle am Samstagnachmittag vor Zehntaufenden von Zuhö­rern Adolf Hitler. Zur Frage, warum er am 13. Aug. den Eintritt in die Regierung abgelehnt habe, erklärte er, er steige grundsätzlich in keinen Zug ein, der ganz wo anders hingebe, als er wolle und von dem er wisse, daß er entgleise. Das könnten Herr v. Papen oder Herr v. Gayl tun, die in eine solche Stellung nichts mitbrin­gen als ihre Aktentasche. Wirtschaftlich sei er schon jetzt gerechtfertigt. „Was würden wohl die Leute sagen," erklärte Hitler, „wenn ich damals in die Regierung ein­getreten wäre und heute erklären müßte, daß das, was wir erhofften, nicht eintritt, und daß das Ganze ein Fehlgriff war? Solche Fehlgriffe kann Herr v. Papen machen: er hat in feinem Leben schon viele gemacht, und es kommt auf einen mehr oder weniger nicht an. Wenn man mich einlud, so geschah es nicht, weil man die Absicht hatte, dieses Kabinet unter unseren Einfluß zu stellen, sondern weil man die Absicht hatte, mich mund­tot zu machen. 13 Jahre lang erklärte man, die Na­tionalsozialisten seien nicht legal. Die bürgerlichen Po­litiker, die sich jetzt in Illegalität förmlich baden, haben damals längst gefragt: Sind Sie denn wirklich legal? Ich bin legal gewesen und die Partei gewachsen, und wir sind mit 230 Mandaten in den Reichstag einge- zogen. Erst hat man uns versichert, wenn wir legal blieben, so sei alles in Ordnung. Und als wir nach ihrer Verfassung ein Recht hatten, die Regierung zu führen, oa sagten sie, die Verfassung sei überlebt, und man han­dele nach einer göttlichen Ordnung. Was 13 Jahre lang gut genug war, um gegen uns angewendet zu werden, "Mß jetzt auch gut genug sein, um uns zu dienen. Ich bade die Verfassung nicht gemacht. Aber die Bewegung bat 13 Jahre im Rahmen dieser Verfassung legal ge« mmvft. Und jetzt fordern wir die Führung nach dieser Verfassung. Als ich vor 13 Jahren den politischen Kampf unserer Bewegung begann, war das politische Leben atomisiert in 38 ebenso lächerliche wie dumme und schä­bige Parteien. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, wenn bür­gerliche Politiker sagen: Hoffentlich nehmen die Nazis bei dieser Wahl wieder ab und unsere bürgerlichen Par­teien wieder etwas zu. Da kann ich nur sagen: Herr, ®ergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie »loben also Klassenkampf zu wenig gehabt, es tut ihnen Ichon wieder leid, daß diese 14 Millionen Menschen auf e,ne politische Plattform gebracht wurden. Sie wollen wieder ihre 50 Parteien und Verbände. Nun, sie kön­nen überzeugt fein, daß das niemals wieder eintritt. Das wäre vielleicht gekommen, wenn ich am 13. ja gesagt hatte. Wenn die bürgerlichen Politiker sagen: „Jetzt ist Zeit, unsere Fahne aufzuziehen," so warne ich: „Passen ”,e auf, daß auf der anderen Seite keine Fahne auf­gezogen wird und täuschen Sie sich nicht, Ihre Fahne wird dem Ansturm der anderen nicht standhalten!" Ich kenne die Herren genau. Sie hatten einst die Macht, fwe ungeheure Tradition und berühmte Namen, und ** war damals ein unbekannter Mann. Aber die Män­ner mit ihren berühmten Namen, mit ihrer Macht, ha- ben damals jämmerlich kapituliert, und ich habe Wider- -tand geleistet. Ich weiß, wo die bürgerlichen Politiker ZU, finden fein würden, wenn meine Front nicht mehr wäre. Ich kann meine Stunde ruhig abwarten und brauche die Protektion des Herrn v. Papen nicht. Es m unmöglich, daß ich kapituliere, und wenn mir Herr Hugenberg auch noch so herzlich zuredet: „Herr Hit- ser, der Klügere gibt nach" — lieber bin ’u) der Dümmere: denn dieses Nachgeben aus Klugheit, das ist der Geist, den die Nation nicht mehr brauchen kann, das ist die Melodie, die wir seit No- bember 1918 immer gehört haben."

Hitlers Ausführungen wurden zeitweise dadurch un­terbrochen, daß von gegnerischer Seite die Lautsprecher- »eitung durchgeschnitten wurde. Die Polizei verhaftete einen Mann, der im Verdacht steht, das elektrische Kabel ber Verstärkeranlage durchgeschnitten zu haben.

In gewissen rechtsradikalen Bauernblättern, aus­gehend vom Westen, aber offenbar aus eine ein­heitliche, unter d eutschnationaler Beein­flussung gegebene Parole. übergeleitet nach dem Osten, nach Mitteldeutschland und nach dem Sü­den, wird zur Zeit eine gegen das Zentrum auf­putschende Agitation unter ben Bauern betrieben. Die „Westdeutsche Bauernzeitung" über­schreibt einen solchen Artikel mit der Ueberschrrft: „Zentrumsparteitag gegen die Landwirtschaft", und insbesondere werden die Ausführungen Dr. Hackelsbergers zur Frage der Wirtschafts- und na­mentlich der Kontingentierungspolitik der Reichs­regierung zum Anlaß einer grohangelegten Zen­trumshetze, die nun durch das ganze Land gehen soll, genommen.

Um der Landwirtschaft willen hat das Zen­trum von Uebersteigerungen in der Wirtschafts­politik der Reichsregierung gewarnt. Die Kontin­gentierungspolitik, wie sie jetzt betrieben wurde, wird, wenn sie so weiter fortgesetzt wird, den In­teressen der Landwirtschaft nicht dienen, sondern der Landwirtschaft letzten Endes einen furchtbaren und vielleicht nie wieder gutzu­machenden Schaden zu fügen. Die sach­lichen und ernsten, von hohem Verantwortlichkeits- gesühl und von stärkster Hilfsbereitschaft gerade für die Landwirtschaft getragenen Ausführungen Dr. Hackelsbergers in Münster haben den Kern des Problems, der für die Landwirtschaft ganz offen darliegt, herausgeschält.

In seinem Büchlein „Krisenwende", besten Lek- türe man nicht nachdrücklich genug allen wirtschafts­politisch interessierten Kreisen, insbesondere auch in der Landwirtschaft, empfehlen kann, hat Prof. Dr. Friedrich De s s a u e r diesen Kern des Pro­blems folgendermaßen umschrieben:

„Wenn die Kaufkraft des innerdeutschen Mark­tes — und das ist zum sehr großen Teil die der Arbeiterschaft — durch Arbeitslosigkeit, Tarifsen­kungen, Gehaltsabbau, Arbeitszeitverkürzung sinkt, dann kann die deutsche Landwirtschast — insbe­sondere die bäuerliche Veredelungs­wirtschaft (wie wir sie namentlich im Fuldaer Land haben) — weder leichten Absatz, noch gute Preise erzielen. Dagegen helfen zollpolitische Maß­nahmen nichts. Der Rückgang der deutschen Ex­porte ist fast sicher ein größerer Schaden für die deutsche Landwirtschaft (Bauernwirtschaft) als ihr der Preisschutz durch Zölle oder Kontingente in vielen Fällen nützt. Denn die Milliarden E x - portrückgang find größtenteils Lohn- und Gehaltsausfall, das ist Ausfall an Kauf­kraft des Binnenmarktes. Die arbeitslosen und lohngekürzten Arbeitskräfte können Milch, D^r, Butter, Fleisch nicht mehr kaufen. Der Verlust des deustchen Exports würden den Zusammenbruch gro­ßer Teile der Landwirtschaft nach sich ziehen. Hier­auf wird die Oeffentlichkeit, insbesondere die Bau- rnschaft viel zu wenig aufmerksam gemacht."

Aus dieser Sorge um das Wohlergehen und die Erhaltung der Landwirtschaft sind die Sehen­den gegen die Kontingentierungsaiktion erwach­sen, die uns einen Milliardenschaden und drei- malhundertfausend neue Arbeitslose bringen kann. Das einzig Vernünftige an der Kontingentierungs, aktion war ja, daß man eine Kommission an un­sere Hauptkunden geschickt hat, um die schwere Verärgerung zu mildern und zu sehen, wie weit man in Güte kommt. Die Dinge stehen doch so, daß die Länder, um die es sich handelt, in erster Linie unsere Kunden sind. 1931 haben sie für vier Milliarden mehr von uns gekauft, als an uns geliefert. Das Zentrum hat deshalb auch gutgeheißen, daß noch Verhandlungen mit dem

Der Internationale Kongreß der katholischen Arbeitgeberverbände Deutschlands, Oesterreichs, Un­garns, der Tschechoslowakei, Belgiens und Hol­lands, der seit einigen Tagen im Haag getagt hatte, gelangte uzrn Abschluß. — Deutschsand war auf dem Kongreß durch die Handels- und Jndu- ftriebeiräte der Deutschen Zentrumspartei Direktor Schnitzler, Gessel und Dr. Fonk-Berlin, sowie Dr. Burghartz-Aachen vertreten. Von ihnen war Dr. Fonk gleichzeitig int Namen der katholischen Ar­beitgeberverbände Oesterreichs erschienen.

Der Kongreß hat eine Entschließung angenom­men, die sich mit dem Verhältnis zwischen A r - beitgebern und Arbeitnehmern beschäf­tigt. Darin wird u. a. ausgeführt, daß die Ta­gungsteilnehmer nach Kenntnisnahme des gegen­wärtigen Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu der Ansicht gelangt seien, daß die katholischen Arbeitgeber die Pflicht hätten, Annäherung und Zu­sammenarbeit zu fördern, um Streiks, und Aussperrungen soweit wie mög­lich zu vermeid en, daß die B e r ufsver­bau d e sowohl der Arbeitgeber als der Arbeitneh­mer zur Erreichung dieses Zweckes notwendig seien, da eine geregelte Verständigung nur auf diesem Wege möglich sei; daß die Entwicklung die­ser Verständigung dazu führe, den zwischen den Arbeitgebern und Arbeiterorganisationen abge­schlossenen K o I l e k t i v v e r t r a g als die nor­male Form zur Regelung der allge-

Ausland in die Wege geleitet worden sind. Der Austastung, daß solche Verhandlungen nicht nö­tig gewesen seien, weil sie keinen Nutzen verspre­chen, könnte man nicht zustimmen. Man möchte nur wünschen, daß die Reichsregierung aus den Ergebnissen der Besprechungen in den Kundenlän­dern auch die im Interesse der Gesamtwirtschaft und in deren Rahmen außerordentlich bedeutsa­men Interessen der deutschen Landwirtschaft und des deutschen Bauerntums notwendigen Folge­rungen zieht.

Arbettslosennok als Wahlmache.

Unter der U Überschrift „Milderung von Brü­ning-Härten" bespricht der deutsckmatiönale „Deut­sche Schnelldienst" (v. 20. 10. 1932) die neue Not­verordnung der Reichsregierung, die verschiedent- liche — wie der Titel der Notverordnung selber ausdruckt — „Ergänzungen zu Sozialleistungen" bringt. Hier haben wir wieder einmal eine t y - pische deutschnationale Wahlmache. Die Deutschnationalen haben si-b schon nicht ge­scheut, mit der Not der Arbeitslosen Wahlpropa­ganda zu betreiben, indem sie sich als diejenigen und einzigen darstellten, die zur Linderung dieser Notlage durch Vorstellungen bei der Reichsregie­rung etwas unternommen hätten.

Tatsache ist, daß es sich bei der jetzigen Not­verordnung nicht um eine „Milderung von Brü­ning-Härten", sondern um eine Milderung derje­nigen furchtbaren Hörten handelt, die mit der Juni-Notverordnung, die die gegenwärtige Reichs- reaierung Papen kurz nach ihrem Amtsantritt er­lassen hat, Zusammenhängen. Wenn auch der dafür innerhalb von 5 Monaten ausgeworfene Betrag von 70 Millionen Mark auf den ersten Blick ziem­lich erheblich zu sein scheint, so darf man doch zwei­erlei nicht vergessen: erstens, wie soll denn dieser Betrag eigentlich bezahlt werden? Darüber sagt die Reichsregierung gar nichts. Sie hat im Ge­genteil bei einer früheren Veranlassung, als diese Frage aufgeworfen wurde, ausdrücklich erklärt, daß eine Erhöbuna dieser Bezüge eine untragbare Belastung des Reichsetats bringen würde.

Und zweitens muß man wissen, daß diese Ver­ordnung ja gar f e i n e Verpflichtung ent­hält! Es handelt sich nur um Kann-Vorschrif­ten, also um solche, deren Ausführung abfo'P't in das Belieben der zuständigen Instanzen gestellt ist. Das muß man wissen, um sich vollkommen klar darüber zu sein, daß die neuerdings verordnete Erhöhung, die bemertensroe'-ter Weile zum ersten Male unmittelbar vor dem Wahlsonntag zur Aus­zahlung kommen soll, — was aber natürlich nur ein Zufall ist! — im Grunde recht nroblematifAer Notar ist,, ganz abgesehen davon, daß au* sie bas entsetzliche Arbeitslosenelend nicht in dem Maße, wie es notwendig wäre, mildern kann.

Und das Entscheidende bei all diesen Dingen ist immer wieder die Frage: Will uns denn nicht endlich einmal die Reichsregierung Auskunft über die Finanzlage geben? Will sie uns nicht M dieser Gelegen­heit auch sagen,, w o b e r b i e Mittel f ü r b a s setzt gegebene Versprechen genom­men werden sollen? Just in diestw Au­genblick erhebt der (Stadtkämmerer von Berlin einen Warnruf über die wachsende Rot der Ge­meinden, und er siebt keine andere Rettung mehr, als daß das Reich helfend einspringe.

Was hat die Reichsregierung, die in tehter Züt über Beihilfen und Subventionen an alle mög­lichen Körperschaften und Institutionen in Höhe von vielen Hunderen Millionen Mark verfügt hat, dazu zu sagen?

meinen Arbeitsbedingungen z u be­trachten- Daraus folgt logischerweise, daß die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Ar­beitnehmern einen ständigen Charakter erhalte. Zur Erreichung dieses Zieles fei es sehr wün­schenswert, daß sich allmählich auch paritätisch zusammengesetzte Ausschüsse bildeten, die ben U r- fachen von Arbeitskonflikten nachzu­gehen und diese nach Möglichkeit zu verhindern hätten, indem sie Lösungen ausfindig machten, die eine gegenseitige Annäherung der Interessen ber betroffenen Parteien ermöglichten. Zur Erreichung dieses Zieles wird es als wünschenswert bezeich­net, daß in jedem Gewerbe, so oft bie Verhältnisse bies erforderten, Landes- ober Provinwersamm- lungen stattfinden, in denen gemeinsam die Mittel zu einer Milderung ber Folgen ber Wirtschafts­krise und einer Besserung ber Aussichten des Ge­werbes besprochen werben könnten. Zum Schluß wird der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß der Kongreß sich damit in Uebereinftimmung mit ben in ben letzten Jahren burch ben Heiligen Stuhl verkündeten Ansichten befinde.

In einer weiteren Entschließung wird der Wunsch ausgesvrochen, daß die Genfer Konventio­nen über die Nachtarbeit von Frauen und Kindern sowie das Mindestalter der in Industrieunternehmungen beschäftigten Jugend­lichen von allen Ländern ratifiziert werden möch­ten, die dies bisher unterlassen hatten.

Im Namen der niederländischen Regierung

Gras posadowsky f.

Im 88. Lebensjahr ist der auch von seinen poli­tischen Gegnern hochgeschätzte deutsche Staatsmann Graf Posadowsky-Wehner in die Ewigkeit ge­gangen.

Die jüngere Generation kannte ihn nur als Sachwalter der Jnflations - Geschädigten. Ihrer nahm er sich an, als er schon das hohe Greifen- alter erreicht hatte und stellte feine letzten Kräfte! als Abgeordneter der Volksrechtspartei in den Dienst der Sache, die zwar keinen Erfolg bringen konnte, immerhin aber einem Ziel galt, das edel war: Hilfe für die ohne Verschulden in Not ge­ratenen Alten, die früher vermögend waren.

In der Vorkriegszeit war der Name des „Gra­fen im Bart", des „Grafen Posa", wie er ge­nannt wurde, leuchtend in ganz Deutschland. Er war ein führender Kopf der kaiserlichen Regierung. Er genoß nicht nur Macht und Ansehen. Er war auch ein edler Mensch. Sein Hauptgebiet war die Sozialpolitik. Er, der konservative Evan­gelische, hat mit dem Zentrum zusammen in den damaligen Zeiten für den sozialen Fortschritt er­folgreiche Schlachten geschlagen. Wenn seine Groß­taten heute fast vergessen sind und kaum noch je­mand etwas von dem Grafen Posadowsky weiß, so liegt das daran, daß infolge der Schlagworr- Aera, der Märsche und sonstiger körperlicher Hebungen, bte jetzt der Politik die Grundnote ge­ben, kaum Zeit zur Beschäftigung mit den gei­stigen Grundlagen der Politik übrig geblieben ist. Schade!

Graf Posadowsky-Wehner war am 3. Just 1845 in Großglogau in Schlesien geboren. Nach Absolvierung des evangelischen Gymnasiums in Glogau studierte er die Rechte an den Universi­täten Berlin, Heidelberg und Breslau, ttw er 1867 zum Dr. jur. promovierte. Bereits 1882 war er Abgeordneter und wurde 1885 Direktor der provinzialständischen Verwaltung der Provinz Po­sen und im gleichen Jahre zum Landeshauptmann der Provinz berufen. 1893 bis 1897 war er Staatssekretär. des Reichsministeriums des In- nern und zugleich Stellvertreter des Reichskanz­lers. Von 1912 bis 1918 gehörte der Graf dem Reichstag als Mitglied der Deutschen Fraktion an und nahm an der gesetzgebenden Naüonalversamm- lung 1919-20 als Mitglied der Deutschnationalen Fraktton teil. 1920 bis 1929 gehörte er dem Reichsrat, an und war fest 1928 Mitglied des Preußischen Landtages. Der Verstorbene, der auch zahlreiche politische Werke und Aufsätze geschrieben hat, war Ritter des Schwarzen Adlerordens, des österreichischen Stephansordens und anderer hoher Orden. Er war seit der Gründung der Volks- rechtspartet im Jahre 1924 bis zuletzt Mitglied dieser Partei und hat auch bet allen Wahlen der letzten Zeit immer noch für die Volksrechtsparted kandidiert.

*

wtb. Berlin, 24. Oktober. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident hat an den Svhv und bis Tochter des Grafen Posadowsky folgendes Bei­leidstelegramm gerichtet:

„Zu dem schweren Verlust, der Sie durch den Tod Ihres Herrn Vaters getroffen hat, spreche ich Ihnen meine herzlichste Anteilnahme aus. Ich gedenke hierbei dankbar der großen Verdienste, die sich der Verstorbene in seiner reichen Lebensarbeit, insbesondere durch feine bahnbrechenden sozialpolitischen Reformen, um Volk und Vaterland erworben hat."

wurden die Kongreßteilnehmer von dem Minister für Arbeit, Industrie und Handel. Verschnür, begrüßt, der sich in seiner Ansprache besonders an die deutschen Arbeitgeber wandte. Er betonte ha­bet, daß die Welt für eine ersprießliche Entwicklung auf die gemeinsame Arbeit aller Völker auf gei­stigem wie auf wirtschaftlichem Gebiet angewiesen sei. Der Minister wies dann auf die Tendenz der Länder zur gegenseitigen Abschließung voneinander hin und betonte, gerade in der gegen­wärtigen Zeit liege öie akute Gefahroor, daß die von altersher gepflegten herzlichen Beziehungen durchAutar- fiebeftrebungen beeinträchtigt wür­den. Man habe in Holland alle Bewunderung für die Ausdauer und Intelligenz, mit der die be­sten Söhne des deutschen Volkes die Schwierigkei­ten ihres Landes zu meistern suchten. Jede Er­holung der Wirtschaftslage Deutschlands werde in Holland mit Freuden begrüßt werden, jedoch könnten Maßnahmen, von denen man eine Besse­rung erhoffe, niemals Erfolg haben, wenn man dabei die Grundgedanken internationaler Solida­rität aus dem Auge verliere. Auch in der Not solle man seiner Freunde, die durch ihre Mitar­beit für die Existenz des Deutschen Reiches aus wirtschaftlichem Gebiet eine Stütze seien, gedenken.

Mussolini hielt am Sonntag vormittag an­läßlich der faschistischen Zehnjahresfeier in Turin vor einer etwa 200 OOOtöpfigen Menschenmenge eine Rede. Die deutsche Forderung auf Gleichberechtigung sei nach seiner Auffassung vollkommen berechtigt. W-»un die Ab­rüstungskonferenz ergebnislos zu Ende gehe, könne Deutschland nicht im Völkerbund bleiben, stlange nicht die Deutschland erniedrigende Entrechtung be­seitigt sei. Mossolini trat aber nicht für Aufrü­stung, sondern für Abrüstung ein. Ferner richtete er einen Aufruf an Amerika, die Schul­den zu streichen.

Im französischen Kabinettsrat, der am Freitag unter dem Vorsitz Herriots tagte, legte der Handels­marineminister einen Entwurf für die Neurege­lung der Company Gänärale Transatlantigue vor, der die Zustimmung seiner Ministerkallegen fand. Danach erhält die Gesellschaft für das nächste Jahr einen Zuschuß von 150 Millionen Franken.

Aufgaben kalhollscher Arbeitgeber.

Internationaler Kongreß katholischer Arbeitgeberverbände. Eine Ansprache des holländischen Handelsministers.