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Sonntag, den 23. Oktober 1932.
Fuldaer Zeitung. (Amtliches Kreisblatt)
M. 246
Vergetzk «ich« die Wmkernolhilfe!
Me die Milseburg-Kapelle geweiht wurde
Mld von der Einweihung der neuen Kapelle auf der Milseburg, die am letzten Sonntag flalksand. (Aufnahme Otto Lammoyer.),
Kreissekretär P f r o m m an das Landratsamt Zieaenhain versetzt. Kreisbote Juckenberg ist in Ruhestand getreten und nach Fulda verzogen.
Arbeitereinstellung bei der Reichsbahn.
Dm Betriebsamt-Bezirk Fulda sind in diesem Monat rund 380 Zeitarbeiter eingestellt worden. (Siehe hierzu auch unter „Zuschriften").
100000 Mark-cos gezogen.
In der heutigen Vormittagssitzung der preußisch- süddeutschen Klassenlotterie fiel ein Gewinn von 100 000 Mark aufdieRummer 331 354. Das Los wird in Achtellosen in Württemberg und in Berlin gespielt.
In der Freitagvormittags-Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie fielen 50 000 Rm. auf die Nummer 392 208. In der 1. Abteilung wurde das Los in Achteln in Niederschlesien gespielt. während die glücklichen Gewinner der 2. Abteilung, die ebenfalls mit Achtellosen beteiligt sind, in Hessen-Nassau wohnen.
Was wird mit Hessen?
Der hessische Staatspräsident gegen die Kasseler Pläne.
Der hessische Staatspräsident D r. Adelung gewährte dem Vertreter des WTB. eine Unterredung, in der einige mit der Reichsreform zusammenhängende Fragen erörtert wurden. Der Staatspräsident führte u. a. ans:
Aus den Reden des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsinnenministers geht nicht mit vollkommener Klarheit hervor, wie die Reformvorschläge der Reichsregierung aussehen werden. Durch Notverordnungen lassen sich jedenfalls keine verfassungsändernden Neuregelungen durchführen. Die Reichsregierung hat aber auch erklärt, daß sie an ihre Pläne nur im engsten Einvernehmen mit den Länderregierungen herantreten werde und sie dann dem Reichstag zuleiten wolle. Mst diesem Hinweis ließe sich auch alles eifrige Geschreibe und Gerede obskurer Kreise abtun, die stets bemüht sind, mit dem Zirkel die deutsche Welt neu einzuteilen und die neuerdings die hessische Provinz Oberhessen nach Kassel ein- verleiben wollen. Dazu kann ich nur eindeutig und bestimmt erklären, daß die hessische Regierung, und ich darf wohl sagen die gesamte hessische Bevölkerung, nicht daran denken, hessisches Gebiet aufteilen zu lassen. Bei allen früheren Verhandlungen im Ausschuß des Reichsrats ist eine derartige Frage nie und von keiner Seite zur Erörterung gestellt worden. Hessen wird im Interesse Gesamtdeutschlands in jeder Umgruppierung sein Eigenleben als Land behalten müssen, wie immer seine Grenzziehung auch verlaufen möge. Hessen kann und muß bei seiner Lage diesseits und jenseits des Rheins und Mains, gleichsam als Klammer zwischen Nord und Süd, mit seinen kulturellen Leistungen in Vergangenheit und — aller Not zum Trotz — auch in Gegenwart, den Anspruch erheben, als wichtiges Glied des Deutschen Reiches und als Kernstück jedes etwa im Rhein—Main-Gebiet entstehenden neuen staatlichen Gebildes erhalten zu bleiben.
Man kann diesen Ausführungen entnehmen, was heute hinter den Kulissen vor sich geht. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir eines Tages auch im Fuldaer Land in unseren wirtschaftlichen Beziehungen, die fast ausschließlich zum Rhein — Main-Gebiet hinführen, ein« starke Störung erleiden.
Der Elisabethenverein der Dompfarrei
wird morgen an den Türen des Domes und der St. Jofephskirche die Besucher der Gottesdienste um eine Gabe ansprechen. Möge niemand, der ein Scherflein spenden kann, sich dieser Bitte verschließen!
Versonen-Nachrichten.
Bei der Auflösung des KreisesGers- f e l d wurden von den Beamten und Angestellten des Gersfelder Landratsamtes Lanürat Dr. W i«- ch e n s und Obersekretär Willi Schleicher an die Regierung nach Kassel, Kreisoberinspektor Hasler, Kreisbaumeister K o r t h a u s, Kreis- kommunalkassen-Rendant P a b st, Fürsorgeobersekretär Meilinger, Obersekretär Hermann Simon, Wohlfahrtssekretär Mihm, die Sekretäre Karl K a s p a r y, Paul S ch ü ß l e r und Weber, sowie die Frl. Anna Barthelmes, ■Berg mann, Helene Richter und Klara Bart Helmes an das Landratsamt in Fulda,
Don den Parteien.
' Die Deutsch-Hannoversche Partei hat für die kommende Reichstagswahl im Walst- kreis 19 (Hessen-Nassau) folgende Kandidaten aufgestellt: Rechtsanwat Dr. jur. Hermann HSfe- m e i) e r - Göttingen: Forftkafsenrendant Moritz Scherz-Kassel; Landwirt Gustav Ries-Landwehrha- gen; Privatmann Heinrich Jahn-Kassel.
Gesperrte Straßen.
Das Bezirksamt in Brückenau hat die Bezirks- straße Brückenau - Wildflecken - Amtsgrenze von Oberbach bis Wildflecken wegen Umbau-, Walz- und Brückenbauarbeiten ab Dienstag, den 25. Oktober 1932 auf die Dauer von ungefähr 3 Monaten für den Verkehr mit Fahrzeu- g«n aller Art gesperrt. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt über Kothen-Nenglashüttt ’v--- Hiitten-Reußendorf.
Aus dem Fuldaer Gerlchksfaal
Körperverletzung aus politischen Gründe«.
Fulda, den 22. Oktober 1932.
Die neue Arbeilsmarkttage.
wurden 48 000 Arbeitslose mehr gezählt. — von
I Mtzungsweise 7 Millionen Arbeitslosen erhalten nur noch 580 000 Arbeitslosenunterstützung.
Wie die Reichsanstalt für Arbeitslosenversiche- rl!na und Arbeitsvermittlung mitteilt, beträgt die r der Arbeitslosen, die bei den Arbeitsämtern ^meldet sind. Mitte Oktober 1932 rund 5150 000. jßenn diese Ziffer auch um rund 48 000 über der- ienigen vom Ende des vorhergehenden Monats liegt, so bedeutet dies nicht, daß sich der Beschäfti- aunosgrad tatsächlich in dem gleichen Umfange verschlechtert hat. Die gegenwärtige Entwicklung ist da? Ergebnis des sich auf dem Arbeitsmarkt vollziehenden Widerspieles zwischen der im Herbst jeden Jahres eintretenden faiionmäßigen Abschwö- äiung des Beschäftigungsgrades und der in Ansätzen zu beobachtenden Belebung einzelner ton- unkturabhängiger Wirtschaftszweige, insbesondere der Berbrauchsgiiterindustrien, in denen Neueinstel- tungen aus den verschiedensten Teilen des Reiches gemeldet werden. Es ist daher durchaus möglich, daß sich die Entwicklung im Oktober ähnlich wie im September vollzieht.
Bei der Gesamtzahl der Arbeitslosen bleibt die Tatsache zu beachten, daß in der Zahl von 5150 000 Arbeitslosen auch rund 200 000 junge Menschen mitgezählt sind, die bei dem FreiwilligenAr- beitsdienst vorübergehend außerhalb der freien Wirtschaft Arbeit und Brot gefunden haben.
Die Zahl der N o t st an d s ar be i te r, die im Laufe des Monats September 1932 noch um rund 21000 auf rund 88 000 gesteigert werden konnte, dürfte auch bis Mitte Oktober eher noch etwas zugenommen haben. t
In der Zahl von 5,15 Mill. Arbeitslosen für den Stichtag, vom 15. Oktober 1932 sind nur noch rund 580 000 Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenunterstützung und 1,175 Mill. Haupt» unterstützngsempfänger in der Krisenfürsorge enthalten; die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen wird bekanntlich für Mitte des Monats nicht festgestellt, sie ist im gegenwärtigen Zeitpunkt auch nur schwer abzuschätzen.
Ein unbezahlbarer Vergleich.
Ein deutschnaiionales Blakt liefert den besten Schlüffel zur Erkenntnis der politischen Lage von heute.
lieber eine Woche lang haben sich in Leipzig bedeutende Staatsrechtslehrer wie Carl Schmitt und Jacobi, dazu Ministerialdirektor Gottheiner, bemüht, dem Staatsgerichtshof wissenschaftlich tlar zu machen, daß das Vorgehen der Reichsregierung aegen Preußen am 20. Juli 1932 durchausder Verfassung und den staatsrechtlichen Auffassungen über die Auslegung des Artikels 48 der Reichsoerfassung entspreche. Der Staatsgerichts- M berät augenblicklich in internen Sitzungen über die Urteilsfindung und bemüht sich offensichtlich, dem Recht zu einem Sieg zu verhelfen. Da kommt plötzlich eines der führenden Hugenberg- B lütter, der „Tag", und zerstört alle staatsrechtlichen Illusionen. In Nr. 253 befaßt sich der „Tag" nämlich mit dem mageren Ergebnis des Rede-Duells in der Hasenheide, um dann wörtlich festzustellen:
„In Deutschland ist das System gestürzt am 20. Juli durch den Einsatz der staatspolitisch. Macht. Es sei zugegeben, daß der 20. Juli ohne den Vormarsch der nationalsozialistischen Bewegung undenkbar wäre. Das aber ist nicht entscheidend für den Machtanspruch, den nun die Nationalsozialistische Partei noch nach dem 20. Juli erhebt. Man stelle sich die Lage einmal an einem militärischen Bild vor. Auf das Kampfziel der Einnahme einer großen Stabt arbeiten sich drei Kolonnen vor. Am nördlichen Flügel das weitaus stärkste Gros, das dabei auch die schwerste Arbeit, die größten Verluste zu erleiden hat. (Gemeint sind die Nazi.) Aul dem südlichen Flügel eine Kolonne, die in wechselnden Kämpfen mal vorkommt und mal zurückgeworfen wird, etwa wie die Entwicklung der Deutschnatio- n al en Partei. In der Mitte zwischen beiden, verdeckt durch den Kampf der Kolonnen rechts und links, geht eine Abteilung vor, deren Gefechtswert lange verborgen war. Hart vor dem Ziel rückt diese mittlere Abteilung heraus und nimmt im H a ndstre ich die Hauptftützpunkte der Stadt. Das hat am 20. Juli die Regierung Papen-Schleicher getan, als sie die preußischen Stützpunkte im Handstreich nahm."
Wir sind dem Hugenberg-Blatt für diese staatsrechtlichen Bekenntnisse außerordentlich dankbar. Es ist doch zu höflich, daß sie in dieser freimütigmilitärischen Art gerade noch rechtzeitig genug gemacht wurden, um allen Staatsbürgern zu zeigen, welchen Sinn die Politik der letzten Zeit gehabt hat. Namentlich in den Kreisen, die auf die Nationalsozialisten gesetzt haben, sollte man nun doch recht st u tz i g werden. Soweit es sich da um Kreise handelt, die sozial und demokratisch empfinden (demokratisch im Sinne der Beteiligung des Volke s, d. h. des einfachen Mannes, der nicht über gesellschaftliche Privilegien verfügt, an der Staatsgewalt), müßten nunmehr endlich wissen, wo sie hingehören. Ihr Platz ist in einer e ch t e n Volkspartei, die sich nicht dazu gebrauchen läßt, das Vorgehen der Streitkräfte zu decken, die die Volksrechte austilgen wollen.
Sehr richtig.
Zu dem anonymen Wahiplakat, das '.:rn hier kritisiert wurde, schreibt die Berliner Korrespondenz der Zentrumspartei:
In diesem Zusammenhang (es wird in der betreffenden Züsch rift verkappte deutsch- nationale Wahlpropaganda charakterisiert) ist noch die geradezu unerhörte Bild - Propaganda zu erwähnen, die augenblicklich durch das ganze Reich hindurchgeht in Gestalt eines Plakates, auf welchem eine große Faust, di« die „Autorität" darstellen soll, mehrere Schlangen, die in toter, brauner und schwarzer Farbe gekennzeichnet sind, mit einem Gewaltgriff umfaßt. Damit sollen bestimmte Parteien und natürlich auch das Zentrum charakterisiert werden. Das Plakat läßt nicht erkennen, von wem es stammt, und diese Anonymität ist zugleich der Ausdruck einer unqualifizierbaren Feighe it. Dadurch, daß diese Bildpropaganda int ganzen Reich gemacht wird, liegt aber der Schluß nahe, daß es sich um eine einheitliche Anweisung handelt, und man wird nun mit allem Nachdruck in aller Oeffentlichkeit die Frage stellen müssen, von welcher Zentrale aus, die nur in Berlin hegen kann, diese „Aufklärung" betrieben wird und wer hie Mittel dazu zur Verfügung stellt.
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Es kommt heute ein zweites Plakat aus gleicher Quelle. Dabei soll auch der Name H-n- denburgs zu Wahlzwecken benutzt' werden. Man soll den Herrn Reichspräsidenten aus dem Wahlkampf herauslassen. Zumal heute niemand mehr daran zweifelt, daß die Hugenberg-Partei' einschließlich aller ihrer getarnten Trabanten (der neueste ist ein Ausschuß „Mit Hindenburg für Volk und Reich", dem einige Großindustrielle und Professoren angehören) am 6. November keine große Freude erleben wird.
Ankauf des Notwendigsten. Die Zahl der Arbeitslosen ist größer; ihre Not drückender, weil der Einzelne mehr auf sich selbst angewiesen ist. Wir müssen deshalb die öffentlichen Unterst ützungendurch freie Liebesgaben ergänz en, wenn die Hilfsbedürftigen auch nur bescheiden ihr Leben fristen sollen. Dazu bedürfen wir auch der Hilfe des Landes. Denkt daran, daß der größere Teil gerade der Hilfsbedürftigen einst vom Lande in die Stadt abgewandert ist. Die politische Trennung von Stadt und Land darf nie zu einer sozialen Scheidung sich auswachsen. Wer über seine Dorsgemeinschast nicht hmanszu- blicken versteht, ist kurzsichtig und engherzig; wer es ablehnt, für andere Gemeinschaften mitzusorgen, lehnt auch die christliche Gemeinschaft ab, die nicht Halt macht an den Grenzen der Ge- rnemden, sondern darüber hinaus alle in der Gnadengemeinschaft des Heilandes umfaßt, wer so handelt, besitzt auch nicht die christliche Liebe, die ins Weite strebt, soweit die Kräfte reichen und Möglichkeiten für ihre Betätigung gegeben sind. Paulus, der Völkerapostel, freute sich über die Gaben, die dankbare Liebe der von ihm gegründeten Christengemeinde ihm nach Rom in die Gefangenschaft überbrachte, und seinerseits eifert er die Gemeinden an zu Unterstützungen hilfsbedürftiger anderer Gemeinden, insbesondere der von Jerusalem.
Darum nochmals, Ihr Gutgesinnten: Schaft Euch um Eure Seelsorger, um die Gaben für die Hilfsbedürftigen zu sammeln. Gott hat uns in diesem Jahre eine reiche Ernte beschert. Sie ist eine besondere Gottesgabe in schwerer Notzeit. Machen wir uns würdig derselben, indem jeder, der davon besitzt, nach Möglichkeit auch den Armen gibt. Die kleinste Gabe wird dankbar angenommen. Sie wird aber auch des göttlichen Segens nicht
* entbehren. „Almosen geben armet nicht."
Am Samstag, dem 30. Juli (dem Vortage der Reichstagswahl), kam vormittags der 24jährige arbeitslose Arbeiter Rudolf Lucas, hier wohnhaft, auf den Buttermarkt und verteilte Flugblätter der KPD. Dabei gab er auch einem Händler von Wölf (Kreis Hünfeld) ein solches, der sich, als er sah, um welche Partei es sich handelte, abfällig äußerte. Hierüber geriet L. in Aufregung. Er versetzte dem Händler zunächst einen Schlag in den Nacken und bann noch weitere Faustschläge und Fußtritte. Wegen Körperverletzung aus poli- ttschen Gründen wurde R. L. einschließlich einer noch zu verbüßenden Strafe von einer Woche wegen eines gleichen Vorfalles zu einer Gesa mt- gefängnisstrafe von einem Monat und drei Tagen verurteilt.
Diebstahl.
Der schon häufig mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geratene P. H., in Dietershan wohnhaft, hatte tm Winter d. I. aus dem Staatswald bei Dietershan zirka fünf Festmeter geschlagenes Grubenholz entwendet. Wegen Diebstahls wurde H. zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Da er die Verhandlung durch Dazwischenreden sowohl gegenüber dem Richter als auch gegenüber dem Amtsanwalt störte und die wiederholten Ermahnungen nicht würdigte, wurde er wegen Ungebühr vor Gericht zu einer sofort zu verbüßenden Haftstrafe von einem Tage verurteilt.
Fahrlässige Körperverletzungen.
Am Abend des 31. August, gegen 8.45 Uhr, wurde ein Maurer aus Petersberg, der sich auf dem Wege von Fulda nach Petersberg befand und sein Fahrrad rechts neben sich schob, auf der Petersbergerstraße von einem ebenfalls von Fulda kommenden Motorrad angefahren. Der Maurer kam zu Fall und erlitt u. a. auch einen Schädelbruch. Die Schuld traf den 22jährigen Malergesellen R. F. von hier, deraufdemSozius- s'itz als Begleiterin seine Braut hatte. Festgestellt wurde, daß F. keinen Führer- schein besaß und die Lampe des Motorrades sehr schlecht brannte. Wegen fahrlässiger Körperverletzung und Uebertretung der Kraftfahrzeugverordnung wurde F. zu 40 Mark Geldstrafe ober zehn Tagen Gefängnis verurteilt.
Am 26. August kam es in Rönshausen zu einem Zusammenstoß zwischen einem Mottorrad und einem Personenauto. Hierbei erlitten der Führer des Motorrades und sein Sozius teils erhebliche Verletzungen. Die Schuld ttaf den Bauunternehmer I. St. hier, der die betreffenbe Kurve gs- schnitten hatte. Wegen fahrlässiger Körperverletzung ! und Uebertretung der Kraftfahrzeugvorschriften wurde St. zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt.
Fahrraddieb.
Am 26.7. wurde abends gegen 10.30 Uhr ein nicht gesichertes Fahrrad am Kino in der Rhabanusftr. gestohlen. Als Täter wurde der erwerbslose 22jäh- | cige Arbeiter O. L., hier wohnhaft, ermittelt. Er
Von geschätzter Seite werden wir um die Veröffentlichung folgenden Auftufes gebeten.
Die Lebensmittelsammlung auf dem Lande hat eingesetzt. Es konnten bereits 300 Zentner Kartoffeln eingeführt werden. Damit ist aber erst der Anfang gemacht. Die größere Anzahl der Gemeinden des Kreises hat noch feine Meldung gemacht. Es wäre aber bringend erwün'cht, wenn die Sammlung im Lause der nächsten Woche in der Hauptsache zu Ende geführt werden könnte. Der Herbst schreitet dem Winter zu. Die Wetterlage kann jeden Tag umschlagen. Es muß deshalb alles versucht werden, daß wir vor Frosteinttitt insbesondere die Kartoffeln noch bergen können.
Wir richten deshalb nochmals an alle die herzliche Bitte: Helft Euern bedrängten Mitmenschen. Die Not ist überall groß in Stabt und Land; in der Stadt aber größer als auf dem Lande. Das Land ist wenigstens unmittelbar im Besitze der Lebensrnittel. Der Gemeinde- Verband hat hier noch mehr als in der Stadt seine lebendige verbindende Kraft; verwandtschaftliche und nachbarliche Beziehungen verbinden die Menschen noch enger; die Not der einzelnen Bedürf- tigen ist meistens allgemein bekannt. Helft deshalb auch aus dem Geiste beiderseitiger Verbundenheit. Sie ist durch die christliche Gnadengemeinschaft noch inniger gestaltet. Denkt an das Apostelwort: „Wenn ein Glied leidet, bann leiden alle." In jeder Gemeinde ist ein Ausgleich möglich, wenn der Seelsorger und alle Hutgesinnten, die Verständnis für die Not haben, einttächtig zur Linderung derselben zusammen wirken.
Die Not in der Stadt ist größer. Die Menschen sind losgelöst von der Natur. Die Hilfsbedürftigen sind deshalb auf Unterstützungen in Geld angewiesen. Diese reichen aber jetzt nicht mehr aus zum
hatte das Rad bereits an einen anderen abgegeben, dessen Rad angeblich durch L.'s Benutzung schadhaft geworden war. Wegen Diebstahls wurde L. statt zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Der der Hehlerei mitangeklagte erwerbslose Arbeiter A: K. mußte mangels hinreichender Beweise freigesprochen werden.
Die Kuh als WaHlagitationsmittel.
Bekanntlich hatten die Fuldaer Kommunisten am Tage vor der letzten Reich stagswahl einen Umzug durch die Stadt gemacht, in dem sie außer einem großen Transparentplakat auch eine Kuh mitführten. Da dieser Auszug polizeilich nicht genehmigt war, mußte die Polizei einschreiten, die Kuh sicherstellen und den Zug später auflösen. Es erhielten dieferhalb Strafbefehle: der 20jährige erwerbslose Arbeiter Adam Kubiak, der 36jährige Kaufmann Emil Hohmann, der 46jährige Dachdecker Gg. HelNer und der 33jähnge Arbeiter Karl Brand, sämtlich hier wohnhaft. Gegen die Sttafbesehle hatten die Angeklagten gerichtliche Entscheidung beantragt. In der gestrigen Der- handlung vor dem Einzelrichter wurde festgestellt, daß sich unter dem zirka 200 Personen zählenden Auszug 20—30 uniformierte Kommunisten befanden und die Polizei! von dem geplanten Umzug keine Ahnung hatte. Der Amtsanwalt hatte gegen jeden bet Angeklagten eine Geldstrafe von 20 3M. beantragt. Das Gericht sprach Brand frei, da nicht zu widerlegen war, daß er erst, nachdem er von der Arbeit gekommen, sich kurz vor Auftösung des Zuges sich diesem auf dem Rade angeschlossen hatte. Die übrigen Angeklagten erhielten wegen Beteiligung an einem verbotenen Aufzug je 10 Mark Geldstrafe. (Leider ist immer noch nicht bekannt geworden, was den Nationalsozialisten geschehen ist, bbe in der Nacht vor bettt Wahllag auf dem Dache eines fremden Hauses sich zusammengefunden hatten, und zwar mit Waffen. Der Freispruch einzelner Teilnehmer, die des Waffenbesitzes angeklagt waren, erfolgte, weil nicht nachzuweisen war, toem im einzelnen die Waffen gehörten. Aber die Versammlung selbst ist doch damit nicht als polizeilich zulässig anerkannt. Die gerichtliche Ahndung des Umzugs mit der Kuh wirft erneut bie m weiten Kreisen der ordnungsliebenden Bevölkerung interessierende Frage nach der Ahndung der nächtllchen bewaffneten Dachbesatzung auf. Die Schriftleitung.) ।
Freisprechung I
erzielte der 26jährige Kaufmann S. G. hier, der der Unterschlagung eines Posten Bürstenwaren beschuldigt war. Da in der Verhandlung keine rechtswidrige Aneignung festzustellen war, erfolgte Freisprechung.
Schleif waren, auch verschilffene
zur Kunst-Schleiferei
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