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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Zahrg. 59

Sonntag, 23. Oktober 1932

itr. 246

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen:Die Welt tm Lild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Tchrift- :: leitung 315,3. Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. ::

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| Vemerkenswerles kündigt sich an!

AmstrMene Fragen. Wie lange bleibt v. Popen noch Reichs­kanzler? Die Reichsreform und Bayern. Eine Einladung Gregor Strassers nach rechts und nach links.

DieTägliche Rundschau", das, wie versichert wird, dem Reichswehrmini st er nahe­stehende Organ, erklärt ziemlich bestimmt:

Die Stellung des Reichskanzlers von Pap en ist trotz des betonten Optimismus, den er zur Schau trägt, außerordentlich schwie­rig geworden. Der geschlossene Widerstand aller Parteien mit Ausnahme der Deutschnationa­len Volkspartei, auf den er stößt, der ebenso ge­schlossene Widerstand aller berufsständischen Or­ganisationen der Bauern, A n g e st e l l t e n und Ä r b e i t e r, hat ihm den Boden entzogen, auf dem er unter Berufung aus das Volk regieren kann. Herr von Papen stützt sich zwar immer noch auf das Vertrauen des Reichspräsi­denten, man darf aber nicht außer acht lassen, 'daß Herr von Hindenburg seinerzeit den Reichs­kanzler nur mit dem Hinweis betraut hat, daß er ein großzügiges Arbeit sbeschaffungs- Programm durchführen würde, dessen Lasten im übrigen nicht auf den Rücken des deutschen Ar­beiters abgewälzt werden sollten. Man hat aus dieser Bemerkung seinerzeit bereits eine be- fri stete Zusage des Reichspräsidenten und einen Vorbehalt herausgelesen. So, wie sich die Dinge entwickelt haben, ist es schwer, an einen Weiterbestand der Kanzlerschaft Papens nach dem 6. November zu glauben- Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, daß nach dem 6. November ein Kabinettswechsel unumgänglich sein wird."

Das Blatt beschäftigt sich dann auch bereits mit der Nachfolgeschaft Papens und meint:Das kommende Kabinett wird ein Kabinett der Arbeitsbeschaffung sein und wahrschein­lich ausdrücklich zu diesem sachlichen Ziel gebildet werden. Es wird also den Versuch machen, eine Reihe politisch widerstrebender Kräfte auf die sach­liche Basis zusammenzufassen. Es wird infolgedes­sen insofern die Note der Ueberparteilich- teit des Präsidialkabinetts bewahren, sich aber auch personell enger auf Persönlichkeiten der NSDAP., des Zentrums und der G e - werkfchaften aller Richtungen und des Bauerntums stützen."

Auch in der liberalen Presse, die zuerst für Pa- pen starke Neigungen zeigte, regt sich jetzt die Kritik. Z. B. schreibt das B. T.:

Der Kanzler hat zuerst den Nationalso­zialisten alles zu Gefallen getan, was er nur konnte, er kam dann mit den Ideen herautoritären" Staatsführung und der Verfassungsreform, die auf eine Entrechtung des Reichstages und der Wähler hinausliefen, und neuerdings ermunterte er durch feine Rede in München auch noch höchst unnötigerweise, die A n- hänger monarchistischer Bestrebun­gen. So sehr er sich mit seinem Kabinett be­mühte, durch Ankurbelungs- und Arbeitsbeschaf- sungsprogramme der Wirtschaft aufzuhelfen, so sehr mußte er sich durch die ständigen Ankün­digungen neuer politischer Experimente in weite­sten Kreisen um den politischen Kredit bringen. So ist es kein Wunder, wenn bei den Ueberlegungen, wie nach den Wahlen regiert werden solle, die Per­son dieses Kanzlers auch für die Kräfte, die viel­leicht im Innern einen Friedensschluß mit der Re­gierung als solcher für möglich halten, a l s schweres Hindernis, und daß deshalb seine Ausschiffung aus der verantwortlichen Politik wehr und mehr als die Voraussetzung für die Herstellung stabiler Verhältnisse iw Reiche erscheint.

Herr von Papen dürfte sich inzwischen auch darüber klar geworden fein, daß feine födera­listischen Werbereisen nach Bayern ufro. keinen sichtbaren politischen Ertrag erbracht haben. 5m ganzen ist die politische Bilanz für ihn n e g a = liv, und da die ihm allein ergebene Gruppe, die Deutschnationalen, bei den Wahlen keine Mehrheit erftreiten kann, ist auch nicht zu sehen, tote sie sich nach dem 6. November bessern sollte.

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, In einer Versammlung in der Pfalz sagte der bayerische Ministerpräsident D r. Held:

.Wem, die Reichsregierung glaubt, daß sie mit einem fertigen Entwurf, an dem die Länder nicht aftiv beteiligt waren, vor sie Eintreten -können, dann wrt sie . . . Wir verlangen eine Regierung der Derfassungsmöglichkeit und der Verfassungstreue. *ms genügt nicht ein Wortföderalismus, wir wol- len den Tatsüderalismus sehen."

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5n drei Massenkundgebungen der SPD. in i«I kündigte Prof. Eric Nölting umfang« Weiche Sozialisierungsanträge der EPD. an. Für diese Anträge werde man eine Volksbewegung schaffen, der keiner Regierung ge- wachsen sei. Sozialisierung der Schlüsselindustrien sti heute durchaus möglich und entspreche dem Wunsche von vier Fünfteln der Bevölkerung.

t In politischen Kreisen Berlins hat die Rede llarke Beachtung gesunden, die der Reichsorganisa- t "vysleiter der NSDAP., Gregor Strasser, Donnerstag abend in einer Versammlung der \ -lkationalsoziattstischen Betriebszellenorganisation t ^roß-Berlin im Sportpalast gehalten hat. Gregor krasser, der sich ausführlich mit Sinn und Wesen

des ..Deutschen Sozialismus" auseinan­dersetzte, richtete einen Appell sowohl an den Füh­rer der DNVP., Dr. Hugenberg, wie an' ben Vor­sitzenden des freigewerkschaftlich - sozialistischen ADGB., L e i p a r t. Wir arbeiten, so führte Stras­ser aus, mit jedem gemeinsam zusammen, der Deutschland über alles stellt und Deutschland retten will. Ich habe in der Rede Hugenbergs, die er am Sonntag vor dem Sozialpolitischen Aus­schuß feiner Partei gehalten hat, Worte gefunden, die man von dieser Seite her noch nie gehört hat. Hugenberg hat von der Notwendigkeit einer Entproletarisierung des deut­schen Arbeiters gesprochen und die Arbeiter­bewegung bejaht, die auch wir bejahen. In Ab- wehr von Zwischenrufen bei der Nennung des Na­mens Hugenberg fuhr er fort: Ich glaube, daß nicht alles für die Wahl gesprochen ist, und daß wir zu einer offenen Politik kommen werden, die auch den Gegner anerkennt, bis 3um Beweis des Gegenteils vom guten Willen. Ich verstehe gar nicht, warum die DNVP. unbedingt Papen unterstützt. Dagegen kann ich mich auch mit den Ausführungen Hugen­bergs einverstanden erklären, soweit sie dasinter­national vagabundierende Kapital" betreffen. An die Adresse Leiparts gewandt, erklärte Strasser, die Ausführungen des Vorsitzenden der Freien Ge­werkschaften vom 15. Oktober in Bernau eröff­neten Ausblicke in die Zukunft, die jeden mit freudiger Zustimmung er­füllen müßten. Leiparts Ablehnung der Gleichstellung des nationalen Ge, dankens mit aristokratisch-kapita­listischen Tendenzen hätten die Natio­nalsozialisten schon seit jeher ver­fochten. Wenn die Gewerkschaften wirklich diese Erkenntnis hätten, müßten sie sich folgerichtig von den Heilmann und Hilferding trennen, sich zum deutschen Staat bekennen und der Internationale entsagen.

Wie man hört, sind Besprechungen im Gang, als deren Teilnehmer General v. Schlei­cher, Brüning. Strasser, Dr. Schacht (her gestern in lauter Weile von dem autoritären Kurs Papens abgerütft ist) genannt worden.

Es wird dementiert!

Kein Interview des Staatssekretärs von Bülow.

Der offiziöse Draht meldet:

cnb. Berlin, 22. Oft. (Eig. Meld.) Die Pari­ser Information berichtet über eine Unterredung ihres Berliner Berichterstatters mit dem Staats­sekretär im Auswärtigen Amt, von Bülow. Bon zuständiger Stelle wird dazu erklärt, daß Staatssekretär von Bülow dem Vertreter der In­formation kein Interview gegeben habe. Es hat sich lediglich um eine informatorische persönliche Besprechung gehandelt, aus der das Blatt Einzelheiten berichtet, die aus dem Zusammenhang gerissen sind. Es ist richtig, daß Staatssekretär von Bülow bet dieser Unterredung betont hat, Deutschland habe die Initiative in der Abrüsiungssrage ergriffen, ohne auf Gegen­liebe zu stoßen. Falsch jedoch ist die Behaup­tung, der Staatssekretär habe erklärt, Deutschland werde sich das nehmen, was ihm not­wendig und gerecht erscheint.

England fod führen.

In zwei ArtikelnDeutschland und Genf" und Der Ruf nach Führung" verlangt dieTimes" er­neut, daß England die Führung übernehme und mit einer endgültigen Abrüstungspolitik herauskommen müsse.

Aus Paris wird gemeldet: Botschafter von Hoesch hat am Freitag nachmittag dem Präsiden­ten der Republik, Lebrun, sein Abberufungsschrei- ben überreicht.

In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter e Verlier Börsen-Couriers" erklärte der fran- che Botschafter Francois Poncet, daß er nicht demissioniere, sondern als Botschafter in Berlin bleiben werde.

wirtschaftliches Denken istTod" Vas Hitler vom wirtschaftlichen Denken des Volkes hält.

DieRhein-Mainifche Volkszeitung" schreibt:

Adolf Hitler hat imVölk. Beobabchter" auf die Münchener Rede des Reichskanzlers geantwortet. Wer auf den Gedanken kommt, in feinen Ausfüh­rungen die Antwort zu suchen, die der Führer des deutschen Sozialismus" einer politisch und sozial erzreaktionären Regierung zu erteilen hat, muß sich auf eine schwere Enttäuschung gefaßt machen. Im Kern der Hitlerschen Kritik steht die Belehrung, die er dem Reichskanzler über die beste Methode er­teilt, ein Volk in Abhängigkeit zu ha l- t e n. Äst das Papen-Programm und die praktische Politik des Kabinetts Schleicher-Papen ein frei­lich von vielen inneren Widersprüchen zersetzter und schon dadurch unwirksam gemachter Versuch zur Stabilisierung des kapitalistischen Systems, fo hat

ein Hitler diesem Versuch nichts anderes vorzuwer­fen, als daß er sich auf der Ebene deswirt­schaftlichen Denkens" abspielt. Das aber das heißt die konkrete Bemühung, der Wirtschafts­krise Herr zu werden ist für den Führer der NSDAP, bereits ein Sündenfall in den Materialismus.Das wirtschaftliche Den­ken ist der Tod jedes völkischen Idealismus", erklärt Hitler den Dummen, die auf ihn hören. Es komme darauf an, die Massen von der Beschäftigung mit ihren eigenen wirtschaftlichenBelangen" abzu- bringen. Adolf Hitler hat feine Lektion gut ge­lernt. Genau das, was er als Ziel feiner Bewe­gung verkündet, haben ihm die kapitalistischen Hin­termänner ass Aufgabe zugedacht: Die Massen durch nationale st ifche Demagogie so zu verwirren, daß sie die Frage nach den wahren Ursachen ihrer Not vergessen, Hitlers Kritik ist der Nachweis, daß kapitalistische Interessenvertretung in der sasch ! stischen Maske bessere Erfolge zu erwarten hat, als wenn sie unverhüllt ausgeübt wird.

Pxozetz Reich-preutzen.

Dienstag endgültiger Verkündigungstermin im Staatsgerichtshof.

rotb. Leipzig, 22. Oki. (Eig. Meld.) Vom Hauptbüro des Reichsgerichts wird amtlich mitge» teilt: In den Klagesachen zwischen Preußen, Bayern, sowie Baden und dem Reich ist Termin zur Verkündung der Entscheidung auf Dienstag, den 25. Oktober, um 12 Uhr mittags, an­beraumt. Die Sitzung findet wiederum im Haupt- faale des Reichsgerichts statt.

rotb. Washington, 22. Okt. (Eig. Meldg.) Dis Vereinigten Staaten haben der Verlängernng des Rüstungs-Feierjahres bis zum 1. März 1933 zugestimmt.

Reue Osthilfe-watznahmen

DieDeutsche Zentralgenossenschaftskasse".

Der Notverordnungskomp'er über die Erwei­terung her OsthiIfe, die Sanierung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, und die Umwandlung der Preußenkaffe in ein Reichsmsti- tut ist am Samstag vom Reichspräsidenten unter­zeichnet worden.

Diese zweite Entschuldungsverordnung, die der beschleunigten Durchführung der Entschuldungs­verfahren im Osthilfegebiet dient, und die Voraus­setzungen für eine erhöhte Barabfindung der Gläubiger schafft, enthält außerdem noch eine Bestimmung zur Erleichterung von Schwierigkeiten der nichtgenos- senschaftlichen Gläubiger aus Waren­lieferungen gegenüber Osthilfeent- sch uld ung sb etr leb en. Die Verordnung sieht die Eintragung von Uebergcmgshypotheken vor, die zunächst weder verzinst noch ge« ttlgt werden. Nach drei Jahren wird je nach der Lage der Landwirtschaft über ihren Fortbe­stand entschieden. *

Wie wirft sich das nun wieder auf den Reich sh aushalt aüs?

Die preußische Ientralgenoffenschastskasse wird der Aufsicht des Reiches unterstellt werden und in Zukunft die BezeichnungDeutsche Zentralgenossenschaftskasse" führen. Ihr Kapital wird rund 100 Millionen Reichsmark betragen, zu denen noch 20 Millionen an Reserven hinzutreten. Das Reich und Preußen werden an diesem Kapital mit 42,5 Mill. Rm. beteiligt sein. Es ist vorgesehen, daß hiervon je 2,5 Mill. Rm. an die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt übertragen werden. Die über die neuen Kapitalbeteiligungen des Reichs und Preußens hinausgehenden Beträge der bisherigen Stammeinlagen bei der Preußischen Zentralgenossenschastskasfe werden zur Dek - kungvon Verlusten im landwirt­schaftlichen Genossenschaftswesen und von Verlusten an landwirtschaftlichen Außen­ständen solcher gewerblicher Genossen- sch g f te n verwendet, die mit der deutschen Zen- tralgenosfenschaftskasse im Geschäftsverkehr stehen; sie belaufen sich auf rund 40 Millionen Reichsmark. Zu dem gleichen Zweck werden 10 Millionen Rm. Reserven von der deutschen Zentralgenoffenschafts- kasse zur Verfügung gestellt. Außerdem werden Reich und Preußen für Zwecke der Verlustbereini­gung und der Rationalisierung des landwirtschaft­lichen Genossenschaftswesens Beträge bis zur Höhe von insgesamt 200 Mill. Rm. zur Verfügung stel­len.

Die Beträge sind für das gesamte Reichsgebiet bestimmt. Ziel der Aktion ist, die lebensfähigen Genossenschaften zu erhalten. Auf das Reich entfallen rund 127 Mill. Rm., die in den Reichslwu-^altsNönen SAr -^chre 1936 bis 1938 bereit, und für die zunächst Schatzanweisun- gen zur Verfügung gestellt werden.

Die Deutsche Zentralgenossenschaftskasse wird in Zukunft der Aufsicht des R e i ch s m i n i st e r s der F i n a nz e n u n t er st e he n. Neben dem Direktorium werden ein Ausschuß und eine Haupt­versammlung gebildet.

Die Reichsregierung wird ermächtigt, in Aende- rung und Ergänzung des Genofsenschaftsgefetzes gewisse näher umrtffene Bestimmungen über Revi­sion, Bilanzen und Musterstatut der Genossenschaf­ten zu erlassen, um im Interesse der Gesunder­haltung des Genossenschaftswesens eine wirksame Revision und eine sachgemäße Aufstellung des Jah­resabschlusses der Genossenschaften sicherzustellen.

Schließlich wird das Reich zur Stützung von gewerblichen Kreditgenossenschaften und Bau ge­il 0 s s e ns ch a f t e n bis zum Gesamtbeträge von rund 14 Millionen Reichsmark Garantien übe r n e h m e n und jeweils bis zur Höhe von V» dieses Betrages Mittel in den Rechnungsjahren 1932, 1933 und 1934 zur Verfügung stellen.

Der offiziöse Draht meldet:

ENB. Vertin, 22. Okt. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, finden gegenwärtig Verhandlun­

gen zwischen den zuständigen Stel. len der Reichsregierung und den kommunalen Spitzenverbänden über ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für hie Landgemeinden statt, lieber den Gang der Beratungen kann noch nichts gesagt werden, weil sich alles noch imStadiumdec Beratung befindet. Von anderer Seite ver­breitete Einzelheiten aus den Verhandlungen stel­len lediglich freie Kombinationen dar.

Die Polizei im Westen.

Einhöherer polizeiführer im Westen".

Der kommissarische preußische Innenminister hat den Führer der Schutzpolizei des Polizeipräsi­diums Recklinghausen, . Oberst Stieler von Heydekamp, mit der Wahrnehmung der Aus­gaben eineshöheren Polizeiführers sin Westen" bis auf weiteres beauftragt. Der Wirkungskreis erstreckt sich auf die Regierungsbezirke Münster, Arnsberg und Düsseldorf. Zugleich ist Oberst Stie- (er von Heydekamp Berater der Oberpräsidenten in Münster und Koblenz, in allen polizeitaktischen An­gelegenheiten. Die Neuerung bezweckt, bei ge­spannter Lage im Industriegebiet eine einheitliche Leitung der gesamten Polizeiexekutive und Land- jägerei zu gewährleisten. Der Neuernannte be­hält seine Funktionen als Grüppenkommandeur des Polizeipräsidiums Recklinghausen bei.

Nationalsozialistischer Kasseler Flugtag verboten.

ENB. Kaffel, 22. Okt. (Eig. Meld.) Der von der NSDAP, anläßlich des Treffens des National- iozialistifchen Flieger-Korps des Gaues Hessen- Nassau-Nord für den 23. Oktober auf dem Wald­auer Flugplatz vorgesehene Großflugtag, der u. a. Bombenabwürfe auf einen aufge» bauten Stadtteil und Gasschußübun­gen vorsah, ist verboten worden.

Im österreichischen Nationalrat kam es zu einem erregten Wortwechsel zwischen dem Bundes­kanzler Dollfuß und dem Sozialdemokraten Bauer, der zu großen Lärmsgenen führte. Ein Abgeord­neter des Heimatblockes warf zwei Tintenfäffer auf die Bänke der Sozialdemokraten.

3:2 für Roosevelt.

Die Aussichten des demokratischen Präsident­schaftskandidaten Roosevelt gegenüber dem Kandi­daten der Republikaner Hoover, werden nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der von der Zeit- schriftLiterary Digest" vorgenommenen Probe­abstimmung mit 3:2 zu Gunsten Roosevelts be­wertet.

Roosevelt für Abschaffung der Prohibition.

wtb. St. Louis, 22. Ott. (Eig. Meld.) In einer Wahlrede trat Roosevelt für die Abschaffung der amerikanischen Prohibitionsbestimmungen ein. Er kritisierte weiter die Politik her Regierung, säu­migen und wirtschaftlich lahmgeleg­ten Nationen Anleihen zu gewähren.

Der Oesterreichische Nationalrat hat am Frei­tag den Mißtrauensantrag gegen die Regierung abgelehnt.

Die Industrie- und Handelskammer wählte an­stelle des verstorbenen Geh. Kommerzienrats Louis Hagen den Industriellen Dr. Paul Sil- verberg zum Präsidenten.

Der tschechoslowakische Ministerrat hat am rFeitag den Rücktritt der Gesamtregierung be­schlossen.

Sowjet-Austiz!

Sechs Todesurteile wegen Diebstahls von 1000 paar Schuhen.

Der Gerichtshof in Leningrad verurteilte sechs Angestellte des SchuhwerksSkoroohod" zum Tode durch Erschießen wegen Diebstahls von 1 000 Paar Schuhen. Das Gericht erklärte, dieses Urteil müsse endlich beweisen, daß die Regierung keinen Diebstahl von staatlichem Eigentum zulassen wer­de. Die Verurteilten haben telegraphisch um ihre Begnadigung gebeten.