M. 24S
23. Sonntag nach Pfingsten.
eingangslieb: 3er. 29, 11. 12 und 14.
So spricht der Herr: Ich sinne Gedanken des Friede NS und nicht des Leides. Ruft mich an, und ich will euch heimführen aus der Gefangenschaft, aus allen Ländern (Ps. 84, 2). Du halt, ofterr, dein Land begnadet, beendet Jakobs KnÄschaft.
Epistel: Phil. 3. 17—21 und 4, 1—3.
Brüder! Ahmt mir nach und schaut auf die, ivelche nach unsrem Vorbild wandeln. Denn viele sandeln, wie ich euch schon oft gesagt habe (und sxKt unter Tränen wiederhole), als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ruhm besteht in ihrer Schande, ihr Sinnen geht aufs Irdische. Unser Wandel aber ist im Himmel. Von dort erwarten wir auch den Erlöser, unfern Herrn Jesus Christus. Der wird den Leib unserer Niedrigkeit umgestalten, damit er «leichgestaltet sei dem Leibe seiner Herrlichkeit gemäß der Kraft, mit der er sich alles zu unterwerfen vermag. Demnach, meine innigst geliebten Brüher, meine Freude und meine Krone, steht fest im Herrn, Geliebteste. Evodia bitte ich, und Syntyche ermahne ich, eines Sinnes zu sein im Herrn. Auch bitte ich dich, trauter Genosse, nimm dich derer an, die mir für das Evangelium gearbeitet haben im Verein mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buche des Lebens ste-
evangelium: Matth. 9. 18—26.
Das Wunder an der kranken Frau und die Wiedererweckung der Tochter des Synagogenvorstehers zum Leben.
Dein Glanbe hat dir geholfen.
Betrachtung zum Sonntagsevangelium.
Kann denn der Glaube überhaupt Zu irgend etwas helfen? Da kommt es zunächst darauf an, was man unter diesem „Etwas" versteht, um viel Geld zu verdienen und möglichst schnell reich zu werden, dazu kann uns der Glaube freilich nicht helfen. Denn das find äußerliche Dinge. Der Glaube aber hat es mit der Innerlichkeit zu tun, mit den seelischen Dingen, um die der Kampf des Christen auf der Erde geht.
Wir Christen glauben an Gott. Das heißt zunächst, daß wir das Dasein Gottes anerkennen oder für wahr halten. Das heißt aber noch mehr. Dieser Gottesglaube muß zu einer beherrschenden Macht in unserem Leben werden, muß uns innerlich durchdringen und umgestalten. Er steht in unserer Seele als die unerschütterliche Zuversicht auf den Vater, der letzten Endes alle Dinge zum Besten lenkt, unser eigenes Geschick sowohl als auch die Dinge der Umwelt. Der so gläubige Mensch kennt keine schönere Aufgabe und keinen besseren Lebensinhalt als den, sich als Werkzeug Gottes betrachten zu dürfen. Er lebt in Gott, oder, nach den Worten des Apostels Paulus, er lebt aus dem Glauben.
Auch im Verkehr der Menschen miteinander spielt der Glaube eine weit größere Rolle, als man gewöhnlich bedenkt. Warum sind wir mit diesem und jenem Menschen befreundet und stehen auf vertrautem Fuße mit ihm? Doch nur deshalb, weil wir an ihn glauben, weil wir auf seine Rechtschaffenheit und ehrliche Gesinnung gegen uns unbedingt vertrauen. Und dieser Glaube an andere Menschen beruht letzten Endes immer auf der Gewißheit, daß die letzte Verbindung unter uns Menschen der Glaube an Gott ist, in dem wir alle eins sind.
Du hast Kinder. Glaubst du an das Gute in ihnen und zeigst ihnen das auch? Denn wie willst du deine Kinder erziehen können, wenn du nicht an sie glaubst. Das heißt nicht etwa, Affenliebe treiben und nur Gutes sehen. Der Glaube sieht auch die Fehler und sieht das Schlechte, aber er sieht noch mehr das Gute und vertraut auf dessen Sieg, und aus diesem Vertrauen auf das Gute, das doch in irgend einer Art in jedem Kinde liegt, aus diesem Vertrauen heraus stellt «r sich zu dem Kinde ein und hilft ihm dadurch, das Gemeine und Schlechte überwinden. So ist dieser Glaube die I Grundkraft jeder Erziehung. Einen Menschen, den man für einen Schurken hält, den man das auch
Beilage zur
merken läßt, den kann man wohl mit Machtmitteln zu diesem und jenem zwingen, aber ihn erziehen kann man nicht. Denn erziehen heißt, dem Edlen im Menschen zum Sieg über das Gemeine verhelfen, und das erreicht man nur durch den Glauben an das Edle.
Du kennst doch gewiß auch Menschen, die an dich glauben, das heißt auf deine Treue und ehrliche Gesinnung vertrauen. Wenn es nun für dich nicht einen solcher Menschen gäbe, wenn alle dich offen für einen Halunken hielten und dich dementsprechend verachtungsvoll und geringschätzig be-
Vom Apostol
Zu den AussteUungen religiöser Kunst
Das Apostolat der Kunst umfaßt einen größeren Bezirk der Bedeutung und Wirkung aus unsere Zeit, als in gegenwärtigen Ausstellungen religiöser Kunst sich offenbaren könnte. Seit A n- fangderKirche übernahm die Kunst mit ihrem Dien st an der Religion deren Sendung, die ihre mächtigste Entfaltung und in einer späteren. Zeit kaum noch erreichte wunderbare innere Auswirkung in jenem Augenblick erfuhr, als mit dem konftantinischen Edikt jahrhundertelang gewaltsam unterdrückte, verhaltene Kräfte aufbra- dyen und im Lichte dieser Morgendämmerung erst den ganzen inneren Reichtum religiösen Erlebens der Kunst ausbreiteten. Damals bedurfte es keiner besonderen Unterscheidung und Belehrung über das Religiöse, Christliche, Kirchliche und Liturgische in der Kunst, weil das religiöse Erleben und künstlerische Schaffen noch ursprünglich aus der Wurzel der Gemeinschaft, aus einem gemeinsamen Schicksal aller Gläubigen emporwuchs: darum war eine heute oft unselige Verwirrung ausgeschlossen.
Seitdem Auf- und Niedergang der folgenden Zeitalter abendländischer Kultur einen bunten Wechsel der Kunstformen schufen, je nach örtlichen und zeitlichen Umständen der Kunst eine zunächst neu empfundene äußere Fülle der Formensprache erbrachten, wurde jedesmal zu Beginn einer Epoche neue Besinnung auf den lebendigen Geist der Religion und ihrer von jedem Wandel der Zeiten unabhängigen heiligen Tradition notwendig. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist jenem denkwürdigem Augenblick der Geschichte nicht unähnlich, da der hl. Bernhard von Clairvaux wegen der von ihm geduldeten Aufstellung eines der ersten herrlichen Kunstwerke der Gotik in Südsrankreich, des nachmals berühmt gewordenen St. Pierre von Moisfac, von seinen eigenen Glaubensgenossen jenseits und diesseits der Alpen aufs heftigste angegriffen wurde und nach einer inhaltlich durchaus glaubwürdigen Legende die einfache Antwort fand: „Jeder spreche in der Sprache seines Herzens." Es kostete Kämpfe und langwierige Auseinandersetzungen, ehe die von Norden nach Süden sich ausbreitende K u n st der Gotik in Italien, wo sie anfangs als b a r b a ri fch, „gotisch" abgelehnt, als der Religion würdig anerkannt wurde.
Wiederum liegt heute die führende Aktivität künstlerischen Schaffens im Norden und wiederum zwingt die Forderung des Südens auf Wahrung religiösen Geistes in der Kunst, eben an diesem gesunden Widerstande zu neuer Besinnung und ernster Prüfung. Der Irrtum allerdings, wonach die großen Vorbilder nur in der italienischen Kunst zu suchen seien, ist für uns bedeutungslos, nicht aber der objektiv richtige Standpunkt der Forderung nach innerer Bereitschaft, k i r ch l i ch em Ch a r a k t e r und Ernst der Kunst im Di e nst e der Religion.
Dieser strenge und notwendige Gesichtspunkt würde schon bei einer oberflächlichen ersten Besichtigung weitaus den größten Teil der gegenwärtigen Ausstellungen, der Essener und der Düsseldorfer „I u n g e r e l i g i ö ie K u n st" a b l e h n e n müssen. Bei der Toleranz, mit der man dort katholische und nicht katholische Künstler aufnahm, ergab sich von selbst eine Gefahr der Verwirrung grundsätzlicher Forderungen. _____________________________
Zeitung
handelten, was wäre dir dann noch dein Leben wert?
Vielleicht denkst du im Stillen noch weiter über die Sache nach. Dann wirst du finden, wie sehr unser Menschenleben gegründet ist auf den Glauben aneinander. Ich weiß nicht, ob überhaupt ein Mensch leben kann ohne die Gewißheit, daß doch wenigstens ein Mitmensch an ihn glaubt.
' Vergiß nicht, daß auch dein Glaube an ihn manchem ringenden Menschen die helfende Hand sein kann, die ihn vor dem Versinken in die Verzweiflung retten kann.
at der kirnst.
er Gegenwart in Essen «nd Düsseldorf.
Bei einer Reihe von Werken wird die Beziehung zum Religiösen nur durch das Motiv ersichtlich, das weder einen künstlerischen Wert nach das Recht verleiht, in eine religiöse Ausstellung überhaupt ausgenommen zu werden. Andere wiederum sind trotz ehrlichen Wollens im Bann des Ma t e r i a l s, einer vielleicht blendenden Schönheit des geistig, d. h. hier relgiös un- beseelten Werkstoffs gefangen, oder befangen durch subjektive Freiheit eigenwilliger Gestaltung, die wohl die Kraft der Persönlichkeit, nichts aber von der relgiösen, allen sich mitteilenden Innerlichkeit aufzuweisen vermag. Umgekehrt zeigt es sich, daß bei einer offensichtlichen Wahrung religiöser Belange, etwa der Andacht und Verehrung, der Liebe und des Glaubens, des Opfer- und Gemeinschaftsgedankens in unserer Religion dieKunst nichtdie entsprechende Kraft des andächtig erhebenden, erschütternden oder gar leidenschaftlich mitreißenden Ausdrucks auszubringen vermag. In gerader Folge dieser durchaus nicht persönlich begrenzten Erfahrungen, nicht nur auf den genannten Ausstellungen, ergibt sich die zwingende Erkenntnis, daß wahrhaft religiös erfüllte Kunst nur nach Gnade und Berufung möglich ist und hiernach ein im Verhältnis zur Zahl der ausgestellten Werke nur geringer Teil als religiöse Kunst anzusprechen ist.
Wer ist begnadet, wer ist berufen? Hier erst zeigt sich die eigentliche Bedeutung einer tieferen, ernsteren und in bezug auf die beiden Ausstellungen noch wünschenswerten Auseinandersetzung mit der religiösen Kunst der Gegenwart. Heber die Gnade religiöser Weltempfindung zu urteilen, hat der Liturg das erste Recht, mag über die künstlerische Berufung der mit der schaffenden Kunst Erfahrene, kritisch Geschulte und lebendig Verbundene Mittler sein. In weiterer Folge erhebt sich die zwingende Forderung, daß d i e Geistlichen, besonders die werdenden, sich über Sinn und Wesen der Kun st mehr noch als bisher schulen und belehren müssen, damit sie, einmal auf verantwortungsvollen Posten gestellt, in künstlerischen Fragen sicher entscheiden. Ebenso gilt das zwingende Postulat für alle schaffenden und fördernden Kräfte der bildenden Kunst, sich wirklich einmal mit dem Sinn der Liturgie zu befassen, geschweige das Werk religiöser Kunst nur aus innerem Bekenntnis zur Religion zu erleben und zu vollbringen. Wir wollen uns hier des Urteils enthalten, ob eine derart weitgehende tolerierende Ausstellung gelegentlich einer großen Katholikenversammlung am Platze war ober nicht. Doch wird sie gerade ob ihrer in Essen bewiesenen problematischen Weitherzigkeit das eine Gute bestimmt zur Folge haben, daß bei nächster Gelegenheit nur eine äußerst strenge und beispielhaft führende Kunst gezeigt werden darf.
Es sei trotz der bedenklichen Mängel dieser Ausstellungen hervorgehoben, daß das Apostolat in der Kunst der Gegenwart dennoch zu seinem Rechte kam, und zwar in den die Belange der Religion wie der Kunst kritisch wahrenden Führungen in Essen wie in Düsseldorf, nicht zuletzt durch die einmal wöchentlich angesetzten fruchtbaren Aussprachen zwische nGeistsi-
ES
23. Oktober
chen, Künstlern, Wissenschaftlern und Laien. Wieviele Laien haben dabei eine erste Vorstellung vom religiösen Schaffen der Gegenwart gewonnen, eine bereits vorhandene vertieft und erweitert? Wieviele Künstler sind zu einer ersten bitteren, aber gesunden Erkenntnis gelangt, wie weit noch ihr eigener Weg ist von der Befangenheit in der Materie und in einseitig künstlerischen Problemen bis zur jeden überzeugenden Verkündung der tiefsten Geheimnisse unserer Religion in wahrhaft liturgisch durchglühter Kunst?
Wir befinden uns nicht im Stadium eines Problems, etwa einer Frage, die wir ob ihrer Fragestellung nicht beantworten könnten, sondern in einem durchaus natürlichen Prozeß der Klärung und wenn nötig der rücksichtslosen Scheidung vom Halben und religiös Belanglosen. Dieser Charakter eines Prozesses, eines eben noch nicht erfüllten Werdens, entspricht der Grundhaltung deutscher Kunst überhaupt, die aus der Unruhe, der Bewegung des geheimen Sehens nach Vollendung im Transzendentalen ihre größten Meisterwerke schuf, Werke, in denen die Bewegung des Gefühls oder der entfesselten inneren Glut selber das Antlitz Gottes in der Kunst geprägt haben. Wir nennen eines unter vielen, den Jfenheimer Altar, — wenn auch in einem künstlerischen, aber nicht religiösen Gegensatz der Romane aus der Ruhe des Logos, der vernunftbeherrschten Innerlichkeit und strengeren Gemessenheit des Formgefühls feine hervorragenden Werke geschaffen hat. Was könnte die im Grunde nur glücklich verschiedene Innerlichkeit in der religiösen Kunst der römisch- katholischen Kultur deutlicher aufzeigen als die aus der Epoche der Romanik geborene, majestätisch-erhaben über allem Irdischen thronende Gestalt des Christus-König-Ideals in der Plastik und das leidenschaftlich bewegte, menschlich erschütternde Antlitz des erdverbundenen, menschgewordenen Gottsohns, des gotischen Lei« densmannes?
Beides singt e i n Loblied Gottes, doch jedes auf seine Weise. Aus dieser Verschiedenheit der Völker ist nach Ort und Zeit auch das Apostolat immer neu und verschieden bedingt.
„Der bildende Künstler ist Weltgestalter, hat daher eine besonders lebendige Beziehung zum Kosmas und deshalb auch zum Schöpfer. Er ist gleichsam Anwalt der Schöpfung, der geschaffenen Dinge und Beauftragter des Schöpfers. —
Der Kosmos ist für den Menschen wie ein dunkler, sinnschwerer, wunderbarer Traum. Der Kiinst- ler steht darin wie der große Zeichendeuter; er liest die Hieroglyphen, er faßt zusammen, er kürzt ab, schafft Wesensbilder, zeigt in allem die Spur Gottes, das Nachzittern feiner Herrlichkeit.
Der Kosmos ist nicht fertig; alles Geschaffene sucht in seinen Grenzen voll Akt zu werden, sucht also Gott."
Diese von dem feinftnigen Interpreten des geistig, kulturell und religiös sich erneuernden Deutsch, lands, Abt Ildefons Herwegen geprägten Worte (in der gelegentlich der Essener Ausstellung herausgegebenen Schrift: Religiöse Kunst der Gegenwart) bleiben in der Deutung des nordischen Apostolats in der Kunst um erreicht; an Tiefe des Gefühls und an Klarheit des Geistes erscheinen sie endgültig geformt, inmitten der für uns notwendigen Spannungen und Konflikte ein ruhender Pol der Besinnung und Erkenntnis. Hermann Stuff.
Gedanken.
Dem Entschlüsse soll die Tat nicht nachhinken, sondern rüstig und schnell folgen, wie dem Hammerschlage der Schall Ebers.
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Der Haß ist eine läst'ge Bürde, Er senkt dar Herz tief in die Brust hinab Und legt sich wie ein Grabstein fchwer aus alle Freuden,
Goethe.
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Wer sich an andre hält. Dem wankt die Welt; Wer auf sich selber ruht, Steht gut. Paul H e y s e.
Gegenwartsfragen der Erziehung.
Zum Aührerlurfus der katholischen Schutorganifation in Düsseldorf.
Die geistige Schicht innerhalb des deutschen Katholizismus erkennt immer stärker, daß eine Auseinandersetzung mit den großen Bewegungen der Zeit nur auf geistiger Grundlage erreicht werden kann. So fanden in den letzten Mo- |naten eine Reche Führertagungen statt, deren I Sinn es ist, die ernsten Fragen der Gegenwart zu durchdenken, das Gute anzuerkennen und im ta= tholischen Geist zu gestalten.
Diese Aufgabe auf dem Gebiet der Erziehung zu erfüllen, war der Zweck des Führerkursus, den die Katholische Schulorganisation Deutschlands in Düsseldorf vom 12.—14. Oktober veranstaltete. Die Vertreter der Erziehungswissenschaft wie die Der praktischen Pädagogik suchten dort jene Fragen zu klären und an katholischem Gut zu messen, welche die großen Zeiterscheinungen des Soz^lis- nuts, Bolschewismus und Nationalsozialismus aufgeworfen haben. Dabei ist man sich völlig klar, daß manches Gute in diesen Massenbewegungen vorhanden ist. Ihre geistige Grundlage jedoch ist vollkommen verschieden von der christlichen Weltordnung und Weltanschauung.
Ein grundlegendes Referat über den geistigen Unterbau katholischer Erziehung gab Prof. Dr. Schröteler. Dem Zerfall der modernen Geistesströmungen stellte er die | tlare Erkenntnislehre gegenüber, die eine ebenso * tiare Wertlehre und Rangordnung der Werte er- ' möglicht, wie sie sich im katholischen Lebenssinn fin
det. Erst auf der Grundlage solch einer festen Wert- und Weltordnung vermag die Erziehung tief im Geistigen verankerte Charaktere zu schaffen. — Die Düsseldorfer Tagung beschäftigte sich bann mit der Massenbewegung des Bolschewismus (Dr. H. Kautz), des Sozia- lismu.s (P. Dr. Breitenstein), des Nationalso z i a l i s m u s (Dr. Güsgens). Die tiefgründigen Vorträge wiesen die Erziehungsziele und Programme dieser Bewegungen auf und verglichen sie mit dem Glaubensgut katholischer Wertordnung. Die drei genannten Bewegungen sind einig darin, den Persönlichkeitswert des Menschen zu zerstören und den Menschen nur als Glied innerhalb des von ihnen jeweilig gewollten Zieles (Klassenkampf, völkische Gemeinschaft) zu werten. Der Mensch gilt nur soviel, als er zum allgemeinen Ziel beiträgt. Christentum wertet demgegenüber gerade die Persönlichkeit. Wohl sind zum Beispiel im Bolschewismus die Aktivierung und Ausbildung der Führer anzuerkennen, ist im Nationalsozialismus die Verpflichtung des Einzelnen auf die Gesamtheit, auf die Einordnung in die Volksheit zu loben; aber der weltanschauliche Unterbau dieser Bewegungen muß vom christlichen Standpunkt abgelehnt werden. Denn das Christentum erkennt immer die Lebenswerte wie Rasse, Gesundheit usw. als Grund- und Dienst- werte für die höheren geistigen Werte an, nicht
wie diese Bewegungen als höchste Werte. Leider mußte Dr. Mergentheim feststellen, daß sich im positiven Protestantismus keine Einheit findet, Erziehungsfragen durchzudenken und innerhalb des Staates in politischer Geschlossenheit zu vertreten. Hier trifft man eine Annäherung an den katholischen Standpunkt schul- und kulturpolitischen Willens neben den verschiedensten Schattierungen bis zu der Befreundung mit den nationalsozialistischen Forderungen.
Neben dem Ueberprüfen der Geistesgrundlage des kultur- und schulpolitischen Verlangens dieser Bewegungen suchte die Tagung dann die positiven Aufgaben katholischer Schulpflege aufzuzeigen. Die Beziehungen Schule und Volk (B. Bergmann), Schule und Kirche <Msgr. Böhler) wurden begrifflich geklärt und in ihren fruchtbaren Einwirkungen dargeftellt. Es ist gottgewollte Ordnung, daß die Menschen innerhalb volklicher Gemeinschaften leben, und gerade von dieser tiefen Auffassung her entsteht für den Katholiken die Verpflichtung, sich in das Volksganze einzuordnen und verantwortlich an der Gestaltung des eignen Volkes mitzuarbeiten. Die Kirche betreut und pflegt diese Tätigkeit in der Art ihres religiösen Wirkens genau so wie auf volkspflegerischem Gebiet (Jugendführung, Jugendpflege, Gemeindefeiern u. a.) und schulpflegerischem Gebiet (Schulvorstand, Elternbeirat u. a.).
Die Fragen der Elternpädagogik und Erziehungsberatung (Dr. Henn), die ka- tholische Freizeitarbeit am Kind und an der Jugend (K. Buerschape u. D. Gathen) wurden eingehend behandelt. Die beste Erziehung, die der Erwachsene zu geben vermag,
fließt aus der Selbsterziehung des Erwachsenen. Durch Elternabende, Elterneinkehrtage u. a. will man versuchen, den Eltern Hilfe in Erziehungsfragen zu geben. Die Freizeitgestaltung am Kind und an der Jugend soll für die Katholiken im Geist ihres Glaubens geformt werden. Die Arbeitsgemeinschaft „K i n d e r w o h l" erstrebt dies für die Freizeit des Kindes, der Jungmännerverband für die Formung des Freiwilligen Arbeitsdienstes und für die Fragen der Jugendertüchtigung. Man will den Jungführer heranbilden, um mit diesem dann innerhalb der Jugendlichen zu wirken.
Die recht lebhafte Debatte, die an allen Tagen im Anschluß an die Vorträge stattfand, zeitigte eine Reihe neuer Fragen und förderte wesentlich die Lösung. Es seien genannt die klare Heraushebung des Elternrechtes, der Ruf nach Wesenhaftigkeit und Geschlossenheit, nach Zucht und wahrer Autorität, die Feststellung, daß das Volk!ich« den Vorrang gegenüber dem Staatlichen habe, des Streben nach gemeinsamer einmütiger Arbeit unter den Glaubensgenossen u. a. m.
Die Tagung war ein Erfolg. Alle, die sich beruflich und geistig mit den Erscheinungen der Gegenwart auseinandersetzen müssen, danken der katholischen Schulorganisation Deutschlands für die vorzügliche Führertagung, die mannigfache Anregung und Klärung der geistigen Fragen der Gegenwart vermittelt hat. Der Verlag der Katholischen Schulorganisation Deutschlands wird im Dezember zu billigem Preis die Vorträge in Buchform herausbringen.
____ Dr. W. Schuwerack. .