Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
jlt. 245
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Samstag, 22. Oktober 1932.
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Zahrg. 59.
Rüstet für den 6. November.
Es geht um die wertvollsten Volksrechke! Macht das Zentrum stark für die hochpolitischen Entscheidungen der nächsten Wochen.
In der anläßlich der Kundgebung der Deutschen Zentrumspartei in M ü n st e r veranstalteten, in ganz Deutschland viel beachteten großen öffentlichen Wahlversammlung der Zentrumspartei der Stadt Münster, führte der zweite Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei, Abg. Joos, über das Thema „Programm und Weg des Zentrums" wie wir ergänzend mitteilsn, noch folgendes aus:
Die Miinstersche Kundgebung hat dem Geraune um die Haltung des Zentrums ein Ende gemacht. Die Partei verfolgt zielsicher ihren politischen Weg. Wer auf Sprengung spekuliert, hat verspielt. Das Zentrum führt den Wahlkampf einheitlich und geschlossen. Führung und Gefolgschaft in Stadt und Land lassen sich nicht auseinanderreißen.
Die Haltung zum Kabinett Papen fft. ebenso sachlich bestimmt, wie klar und eindeutig. Münster hat jeglichen Zweifel weggeblasen. Für die Politik, die unsere heutige Reichsregierung für gut hält, kann eine Zentrumspartei keinerlei Mitverantwortung übernehmen, Charakter und Ueberlieferung der Partei und das wohlverstandene Interesse von Volk und Vaterland »erbieten es.
Für die Zentrumspartei ist Politik nicht eine „Fahrt ins Blaue", sondern D i l l e u n d krasteinsah zu sinnvoller Ordnung des Volkslebens. Ordnung ist für uns aber mehr als „Feldlagerordnung" und regieren mehr als die Fähigkeit, zu kom- y? ■, mandieren.
Wenn wir die Politik der heutigen Reichsregierung für verhängnisvoll halten, so haben mir dafür unsere sachlichen Gründe. Fachmänner des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens aus unseren Reihen, haben in den letzten Wochen noch einmal die Gesamtheit der Zielsetzung und Hanülun- gm dieser Regierung an den tatsächlichen Zuständen und Aufgaben gemessen. Sie sind zu k e i n e m anderen Urteil gekommen, als unsere Führer Don der ersten Stunde an. Die Meinungsmache van Regierungsagenten und Regierungsblättern können über den wahren Sachverhalt so wenig hinwegtäuschen, wie Rundfunk- und Wahlreden des Herrn Reichskanzlers.
In zwei Bereichen gesellschaftspolitischer Wirksamkeit versucht die Reichsregierung mit ihren Maßnahmen besonderen Eindruck zu machen und Freunde zu werben: in dem der Wirtschaft und christlicher Kulturgestaltung.
Was das Wirtschaftliche angeht, so hat dazu in der heutigen Kundgebung ein praktischer Wirtschaftsführer von Ruf das Wort genommen. Er hat geprüft, gewogen und z u leicht befunden. Was er an positiver Kritik gegenüber den Maßnahmen des Kabinetts Papen vorgebracht hat, zeigt uns den ganzen Ernst der Sachlage. Ich möchte dem nur einige Bemerkungen hinzufügen:
Herr von Papen spricht bei feder Gelegenheit von der Zeitwende. Wir wußten schon vor ihm, daß unsere Zeit sich in vielen Punkten von der Vorkriegszeit unterscheidet. Darum wollen wir auch, daß dem besonderen Charakter unserer ZÄt auch in der Wirtschaft Rechnung getragen wird und
verlangen eine stärkere Einordnung und Unterordnung allen wirtschaftlichen Geschehens unter das Gemeinwohl und eine lebendigere Einordnung des Arbeitnehmers in die Wirt- schaflsgefellschafk.
Unsere Regierung tut das Gegenteil. Die Re- fiierung hat wirtschaftlich alles auf eine Karte ge- Sie spielt Lotterie. Das kann ein einzelner för sich, denn er hat den Verlust zu tragen. Das °Qnn und darf keine Regierung, denn sie belädt wit dem Risiko ihre Staatsbürger. Wir halten es sur falsch, daß die Regierung als neue Staats- suhrung spekuliert. Die Regierung soll die Voraussetzungen dafür schaffen, daß der private Untex- Uehrner wagen, recht verstanden, spekulieren kann; p soll aber nicht selbst mit dem Einsatz der gesamten öffentlichen Etats risikoreiche Spekulationen ^wgehen.
Die Regierung spekuliert auch politisch und lswar in der Art, wie sie Parteien bekämpft, Volksmächte beurteilt, die Volksvertretungen behandelt und die gefährliche Waffe der Parlamentsauflösung Handhabt. Eine Regierung, die erhalten will, hat anderes zu tun, als durch ein Snstem von Par- 'amentsauflöfungen die Volksvertretung arbeite- Mahig machen zu wollen, um damit freie Hand 'Ur ihre Experimente zu bekommen.
, Aach unserer Auffassung gehört zu einer ge- Volkswirtschaft eine gute räumliche Mi- schung von Landwirtschaft, Industrie pud Gewerbe, sowie die dauernde E r h a l «
tung einer breiten Schicht kleiner und mittlerer selbständiger Besitzer in allen Wirtschaftszweigen. Die wichtigsten Maßnahmen des Wirtschaftsprogramms unserer Reichsregierung aber, ich denke an die Steuer« anxechnungsscheine, die Lohnprämie und die zwangsweisen Tarifermäßigungen, kommen den kleinen und mittleren Betrieben sehr wenig zugute. Sie stärken die Konkurrenzfähigkeit der Großbetriebe.
Der Versuch der Regierung, die deutsche Landwirtschaft zu stärken,
ist für uns selbstverständlich, nicht ohne weiteres die Art und Weise. Wir sind in Deutschland in gewissen Sinne in eine einseitige Entwicklung hineingekommen. Die Wirtschaftspolitik Bismarcks hat sie eingeleitet. Will man jetzt zu einer sog. „Reagrarisierung" übergehen, so kann das nur ein allmählicher, langsamer Prozeß fein. Eine plötzliche Aenderung des deutschen Wirtschaftskörpers müßte zu unabsehbaren Notzuständen führen. Sodann denken wir uns diese Reagrarisierung nicht als einseitige Stützung und Bevorzugung des Großgrundbesitzes.
Wir freuen uns, daß der Reichskanzler von
Landwirtschaft und
Das Organ der „Vereinigung des Rheinischen Bauernvereins und des Rheinischen Landes", der „Rheinische Bauer", ’tottflt in seiner Nr. 42 vom 15. Oft. W32 einen Leitartikel „Was geschah? W irtschmftspoliftfcher Rückblick auf das 3. Vierteljahr 1932", dem wir folgendes entnehmen:
„Das vergangene Vierteljahr brachte eine Reihe von Maßnahmen, die zum Teil hoffnungweckend, in anderen Fällen aber durchaus unerfreulicher Art wären. Letzteres gilt vor allem von den neuen steuerlichen Belastungen".
Es werden dann die für die Landwirtschaft bedeutsamen neuen Steuern aufgezählt: Schlachtsteuer, Wiedereinführung der Bürgersteuer, Salzfteuer und Wegfall der Umsatzsteuerfreigrenze. Wir stellen dabei fest, daß alle diese steuerlichen Belastungen bis auf die Schlachtsteuer auf das Konto Papen- Regierung zu buchen sind.
In dem Artikel wird festgestellt, daß die Forderung auf Beseitigung dieser steuerlichen Maßnahmen ebenso unberücksichtigt geblieben seien, wie „eine grundlegende Reform der Verbrauchssteuerbelastung", eine „generelle Zinssenkung und Sch'uldentlaftung". SodanN wird „Verwahrung gegen die kommunalen Zentralisationsbeftrebun- gen" erhoben, wie. sie in der Zusammenlegung der Landkreise zum Ausdruck komme.
Ueber die Handelsvertragspolitik heißt es, daß sie zeitweise einen „recht unglücklichen Lauf" nehme; als Beispiele werden Abmachungen mit Kanada, Bulgarien und Italien angeführt.
Politisch interessant ist folgende Feststellung: „Eine erhebliche Störung, erlitt die wirtschaftspoli- ' tische Arbeit durch die Auflösung des Reichstages vom 4, Juni". Damit beginnt aber doch die von
Papen in München fein berüchtigtes Wort vom Wohlfahrtsstaat zurückgenommen und auf den auch von uns abgelehnten sozialistischen Versorgungsstaat bezogen hat. Vielleicht hat der Herr Reichskanzler inzwischen die einleitenden Sätze der Enzyklika „Quadragefimo anno" gelesen.
Wir fürchten, daß
die allgemeine Ermächtigung der Regierung zur Sozialpolitik
nicht auf U nt b a u, sondern auf einen Abbau der gesamten sozialen Gesetzgebung hinausläuft. Der Reichskanzler vermag durch seine Reden diese Befürchtung von uns nicht zu nehmen. Die gegebene Ermächtigung geht über alles bisherige weit hinaus, und die. Kräfte, auf die sich die Regierung stützt, sind klar gekennzeichnet. Es ist eben nicht so, daß diese Regierung „unabhängig" ist. Unabhängig vom Volk, von den Parteien, unabhängig vom Parlament, ober umso abhängiger von Interessenten, die in Verkennung unserer Gesamtlage für sich Forderungen aufstellen, die dem Ganzen und schließlich auch ihnen schwersten Schaden zu- fügen müssen.
Die Zentrumspartei hat seit langem einen Umbau der Sozialpolitik bejaht. Sie muß aber ver-
Regierung papen.
Frhr.. von Lüningk gewünschte „neue Staatsführung". Wir dürfen doch annehmep, daß bann auch die Auflösung des Reichstages votn 12. Sept, dieselbe „wirtschaftspoltische" Würdigung verdient^ womit bewiesen ist, daß die Bemühungen des Zentrums, beide Auflösungen zu vermeiden, im Interesse einer ungestörten wirtschaftlichen Entwicklung lagen.
Der Artikel sckließt mit einer scharfen Kritik an der taktischen Führung der Kontingentierungspolitik.
Aus diesem Artikel ersehen wir, daß die Landwirtschaft keine Veranlassung hat, aus dem Lager des Zentrums in ein anderes Lager überzusiedeln. Die Regierung Brüning hat für die Landwirtschaft das volkswirtschaftlich Mögliche getan, ohne so laut und sensationell darüber zu werden, wie es die jetzige Regierung ,zu tun beliebt. Immerhin ist ohne Störung handelspolitischer Beziehungen die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte unter Brüning um zwei Drittel zurückgegangen. Die Schutzzollpolitik Brünings sollte auch nach seinem Plane fortgesetzt und erweitert werden.
Und wer in der Landwirtschaft glauben sollte, die Regierungspartei Hugenbergs wählen zu sollen, der mag nicht vergessen zu überlegen, daß mit Hugenberg der echtliberale Dingeldey mit seiner Deutschen Volkspartei verbündet ist. Das Kampfgespann Hugenberg-Dingeldey verstößt gegen die Grundsätze, die der Rhein. Bauernverein und Rhein. Landbund am 6. Oktober 1932 aufgestellt haben, in denen „schärfste Bekämpfung aller liberalen und marxistischen Einflüsse" mit Recht verlangt wird. Das Zentrum war, ist und bleibt die Partei des katholischen Landvolkes.
An das christliche Ardelrewolk Deutschlands
Freunde und Kameradenl
Wenige Monate sind seit bet letzten Reichs- tagswahl vergangen, und rote herum müssen wir Euch zu einer neuen Entscheidung aufrufen.
Eine sich unabhängig nennende Regierung schob mit einer Handbewegung die Volksvertretung beiseite. Sie beschwor erneut den Kampf herauf. Statt die Ordnung im Innern zu festigen, stürzte sie das Land erneut in schwerste Auseinandersetzungen. Die Kosten zahlt vor allem das werktätige Volk, zahlen insbesondere die Millionen der ohnehin schwer leidenden Arbeitslosen.
Warum die Auflösung?
Weil für die volksfeindliche Politik dieser Re- gnerung keine Mehrheit im Parlament zu finden war. Mit dem Reichstag waren die Anschläge auf Recht und Freiheit des Volkes nicht durchzusetzen.
Wenn wir im Juli Nein sagten zu den Taten, die damals vor uns standen, bann müj - fen wir im November dieses Nein verzehnfachen. Wir werden das Urteil des Reichstages, der mit 512 gegen 42 Stimmen diese Regierung vor der ganzen Welt gebrand- merkt hat, nachdrücklich unterstreichen. Die christliche Arbeiterschaft wird mit ihrem letzten Mann diese Entscheidung herbeiführen.
Freunde und Kameraden, diese Wahlentschei- bung- stellt an Eure staatspolitische Einsicht hohe Anforderungen. Ihr habt tu den harten Jahren nach dem Krieg, in den schweren Zeiten der Krise
Disziplin und Tatbereitschaft bewiesen. Ihr seid durchdrungen von Eurer Sendung als christliche Arbeiterschaft. Ihr seid verwürzest in dem Mutterboden unserer Weltanschauung, Leid und Not werden Euch nicht beugen. Ihr seid gefeit gegenüber allen, die sich in diesen verworrenen Zeiten an Euch heranmachen.
Ihr kämpft aus eigenem Ideengut gestern wie heute, gegen jede Diktatur, wer sie sich auch immer anmaßt, ob Partei, Klasse ober Herxenschicht.
Ihr kämpft für das Recht und für die Freiheit.
Ihr kämpft für den sozialen Volks st aat.
Ihr kämpft für eine bessere Wirtschaftsordnung, die gerichtet ist auf das Wohl der Gesamtheit.
Ihr kämpft für eine Ordnung, in der der schaffende Mensch im Mittelpunkt steht.
Freunde, stoßt vor! Rüttelt die Müden auf! Stärkt die Schwankenden! Ueberzeugt die Unent- schloffenen! Laßt nicht jene triumphieren, die mit Eurer Zermürbung rechnen. Gebt ihnen eine vernichte nde Antwort! Unterstreicht Die Wahl vom 31. Juli, unterstreicht das vernichtende Urteil, das der Reichstag gefällt hat. .
Heraus mit Eurem Freiheitswillen!
Ungebrochene Kämpfer an die Front!
Münster, den 17. Oktober 1932.
Der Vorstand des Reichsarbetterbeixates.
langen, daß die Voraussetzung dazu geschaffen wird, nämlich die Möglichkeit für den Einzelnen, aus seinem Einkommen zu sparen und zu Eigentum zu kommen. Das ist der richtige Weg, Fürsorge in Selb st sor g e umzuwandeln.
Wir haben Grund anzunehmen, baß die sog. „autoritäre Staatsfübrung" ben naturrechtlichen und eminent christlichen Gebanken einer Mobilisierung ber Kräfte der Selb st Verantwortung nicht erkennt ober nicht zu beachten gewillt ist. Sie will in Nachahmung militärischer Kom- manbogewalt durch autoritäre Entscheidungen von oben das ganze Gesellschaftsleben, auch bas Wirtschaftliche regeln. Die geistige Abhängigkeit bet jetzigen Regierung von Stahlhelm unb na« tionalem Sozialismus, bereu gesell, schaftspolstisches Programm eine Kopie des Fafzis- mus barstellt, legt bie Vermutung nahe, baß sie bie Selbstverwaltungskörperschaften auch in ber Wirtschaft einfach zu Organen ber staatlichen Apparatur macht.
3n den Maßnahmen unserer Reichsregierung vermissen wir jeden Versuch, die Schicht der
Eigentümer zu erhalten und zu verbreitern.
Im Gegenteil. Die Steuerverrechnungsscheine schäbigen das kleinere unb mittlere Eigentum. Der harte. Druck auf bas Einkommen ber arbeitenden Volksschichten macht es ihnen unmöglich, zu sparen und badurch wieder zu Eigentum zu kommen. Im System Brünings waren Gegenmaßnahmen vorgesehen. Auch seine Siedlungspläne gehörten dazu. Man hat sie als „Sieblungsbolsche- wismus" bezeichnet. Das war völlig fehl. Sie tagen gerabe/ih der Richtung ber Erhaltung und Stärkung einer christlichen Eigentumsauffassung.
Die Erleichterungen der Regierung Papen in ber Frage ber. Bürgersteuer würben zu früh begrüßt. Die Richtlinien bes Reichsfinanzministers haben bie erwartete Erleichterung für bie Familie (burch Fortfall des Frauenzuschlags) wieder aufgehoben. Ich stehe nicht an, zu erklären:
Die ungeheuren Leistungskürzungen und Einkommensminderungen für die arbeitenden Schichten des Volkes bedeuten eine außerordentliche Belastung der Familie als sittliche Lebensgemeinschaft. Das betrifft insbesondere unsere kinderreichen Familien.
Wir müssen die Regierung davor warnen, daß sie den moralischen Heroismus bes Einzelnen und der Familien zur Norm ihres Handelns unb ihrer gesetzlichen Maßnahmen macht. Sicherlich hat die Regierung in außergewöhnlichen Notzeiten das Recht und die Pflicht, auch an den Heroismus bes Volkes zu appellieren. Aber bieser Appell bars nicht zu einem Dauerzustand gemacht werden. Wer in Wahrheit das Wohl bes beutschen Volkes will, muß es sich versagen, ben Zustand eines müden, erschöpften Volkes unb eine teilweise zermürbte Arbeiterschaft mißbrauchen zu wollen zu irgendwelchen Restaurationszwecken.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meinte unlängst, daß sich die Volksmeinung nicht überzeugen ließe durch einen Appell an die Verfassung, sondern allein durch bie Erfolge, die eine Regierung vornehmlich auf außenpolitischem Gebiet aufzuweisen habe. Von solchen Erfolgen sehen mir nichts. Das heitere Selbstbewußtsein unseres Herrn Reichskanzlers vermag uns in keiner Weise zu beruhigen. Die Tatsachen reden eine anbere Sprache. Die inner-politische Verwirrung unb die wachsende Isolierung Deutschlands in der Welt, politisch und wirtschaftlich, werden in Bälde Zustände hexbeiführen, bie zu übersehen mehr als Pflichtvergessenheit wäre. Wir banken ben Arbei» terfeelforgern für ihr mutiges Wort, bas sie in einem „offenen Brief" an ben Herrn Reichskanzler gerichtet haben. Die erregten Stimmen gegen biefen Brief in der Dortmunder Kundgebung des Herrn Reichskanzlers werden der Sachlage leider nicht gerecht. Wer heute bie Augen zubrückt, wer nicht sehen will ober kann, schürt in Wahrheit ben Klassenkampf unb gibt bem Kommunismus in Deutschland die „Chance".
Es ist richtig, baß bie sittlicke Werte in un- ferm Volke gefährdet sind. Sie bedürfen des Schutzes unb ber Erhaltung. Aber nicht iebes Mittel bient dazu. Unser Reichskanzler hat wie- berholt erklärt, daß er es für feine besondere Aufgabe halte, die christlichen Grundlagen unseres Staates wieder herzustellen. Wir wüßten nicht, wo ein Minister oder Reichskanzler, der aus den Reihen ber Zentrumspartei gekommen, wesensgemäße Grunblage bes Christentums in unteren staatlichen Einrichtungen preisgegeben hätte.
Letzter Sinn und Zweck der vielgsschmähteo koalitionspolitifchen Mitarbeit des Zentrums in der Nachkriegszeit, auch gegenüber Vicht