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FuldaerZertung

'f Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Jtr. 244

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt !w Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernrufe: Schrift- : leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Freitag, 21. Oktober 1932.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Psa.» ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Kol) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Frankfurt a. M 4051.

Zahrg. 59.

Sewalkige Lrümng-Kundgebung in Köln. Sachkundige und durchschlagende KrMk an den polnischen Wegen des Herrn von Papen durch den früheren Reichskanzler und den früheren Reichsarbeiksminister Dr. Brauns.

Daß die E r m ü d u n g s st r a t e g i e der Her­ren vomHerrenklub" die Reiben der Kölner Zen- trumswähler nicht nur nicht erschüttern konnte, son­dern ihren Kampfrvillen nur noch verstärkt und be­lebt hat, bewies die grandiose Kundge­bung der Kölner Zentrumspartei, die Mittwoch abend über 10 000 Besucher in der überfüllten Rheinlandhalle vereinte. Bereits vor Beginn der Kundgebung wurde die Halle wegen Ueberfüllung geschlossen, so daß Scharen weiterer Besucher um- kehren mußten. Es war Dr. Brüning, der hier in Köln den Wahlkampf seinerseits eröffnete, nach­dem in Münster der Parteichef die Parole aus­gegeben hatte. Der alles in den Schatten stellende äußere Rahmen dieser Kundgebung muß um so mehr hervorgehoben werden, als bereits zum drit­ten Male in diesem Jahr die Kölner Zentrumspar- tei eine solche Kundgebung in der Rheinlaichhalle veranstaltete.

Bis unter das hohe Dach drängten sich die Be­sucher im weiten Rund der großen Halle, ein brau­sender Iubelsturm der Begrüßung erhob sich, als um 8 Uhr Dr. Brüning das Innere der Halle be­trat und als er mit erhobenen Schwurfingern, dem Gruß der Volksfront, die Reihen der An­wesenden durchschritt, die ihm einen Willkomm bo­ten ebenso herzlich und ebenso stürmisch wie im Ämimer dieses Jahres.

Unter den Klängen flotter Märsche zogen dann in ununterbrochenem Zuge 300 Banner, Wimpel und Fahnen der Jugend und der Volksfront ein, die mit dreifachemFrei Volk! Frei!" Dr. Brüning begrüßten.

Dann nahm Dr. Reuter, der Vorsitzende der Kölner Zentrumspartei, das Wort zur Begrii- ßungs- und Einleitungsrede. Ein neuer Stürm der Begeisterung erhob sich, als er Dr. Brüning be­grüßte, und ebensogroß war die Ovation, die. die Riesenkundgebung Dr. Brüning darbrachte, als dieser das Wort ergriff. Seine Rede enthielt eine außerordentlich scharfe Kritik an den Maßnahmen der Regierung Papen. der er unter wiederholten stürmischen Beifallskundgebungen vorwarf, daß sie aus Prestigegründen und zur Erreichung ^nnerpollsischer Zwecke den außenpolitischen Interessen Deutschlands schade.

Im ersten Teil seiner Rede beleuchtete Brüning noch einmal die Gründe, die ihn seinerzeit bewogen hatten, mit den Nationalsozialisten Ber- handlungen anzuknüpfen, um sie zur Verantwor­tung heranzuziehen. Es sei ein schwerer politischer Fehler gewesen, den Staatsstreich gegen Preußen A, inszenieren, bevor es gelungen war, die Natio­nalsozialisten natürlich unter allen Kautelen in die Regierung hineinzunehmen. In dem Au­genblick, wo die Reichsregierung ihr Wirt­schaftsprogramm in Angriff nahm, war es em« politische Notwendigkeit, jedes Experiment und vor allem eine Reichstagsauf­lösung zu vermeiden. Niemals in der Welt hab man einen Ankurbelungsprozeß in die Weg« geleitet und gleichzeitig ein politisches Ex­periment gewagt.

Denn man die Wirtschaft ankurbeln wolle, dann sei die erste Voraussetzung dafür, daß im Lande poli- tische Ruhe herrsche. Zur Durchführung des Äirtschaftsprogramms fei eine der Hauptbedingungen, daß das Defizit in Reich, Ländern und Ge­meinden abgedeckt werde. Davon hänge der Glaube an die Stabilität der deutschen Währung ab. Man könne ein solches Wirtschaftsprogramm nur dann durchführen, wenn der Glaube in der Bevölkerung er­halten bleibe, daß man gerecht gegen alle Stände vorgehe. Brüning kam dann auf das Ver­halten der Reichsregierung in der Frage der Gleich- berechtigungsforderung und der Reorga- ulsation der Reichswehr zu sprechen. Durch kme falsche Prestigepolitik habe man zwischen dem Aus­land und dem deutschen Volke eine Wand des Mißver- IMndnisses errichtet. Während seine (Brünings) Regie- rung die Frage der Abrüstung unter den praktischen Ge- stchtspunkt der allgemeinen Abrüstung gestellt habe, trete sie jetzt unter der StichmarkeA u f r ü st u n g Deutschlands" in den Vordergrund. Man könne 'eine Außenpolitik machen mit Schlagworten, die uIcht für die Welt, sondern für innerpoli- msch «Zwecke bestimmt seien. Brüning beleuchtete °ann die schweren Gefahren der Kontingent! e- ^Ungspolitik. Er habe den Eindruck, daß die -"«lchsregierung bereits praktisch diese Politik ?ufgegeben habe, daß sie aber aus Furcht vor ?et Landwirtschaft es nicht wage, dies vor Oem 6. November zuzu gestehen.

Die Verfassungsreform sei zwar eine Notwendigkeit, aver für die Inangriffnahme sei jetzt der denkbar u n- ?? n st i g st e Augenblick. Es gebe eine Demokratie, notwendig sei, wenn wir nicht in das System zu- ^Uckfallen wollten, das uns in die Situation hineinge- l'urzt habe, die uns den Weltkrieg beschert ube. Eine Verfassungsreform könne nur mit dem s? ° lke, aber nicht gegen das Volk gemacht "erden.

*

in iw" einer Kundgebung der katholischen Arbeiterschaft m München, in deren Mittelpunkt eine Rede des früheren ,-i^barbeitsministers Dr. Brauns stand, erklärte Diö- ^lonpräses Lohr, daß sich die süddeutschen Verbände ge- Mssen mit dem Offenen Bries einverstonden . Karten, den die katholischen Arbeitervereine West- utschlands an den Reichskanzler gerichtet haben.

Dem früheren Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wur- M m der Versammlung, an der zahlreiche führende Per- ^»uhkeiten aus der bayerischen Politik teilnahmen, stür- Itfi e^Huldigungen, insbesondere als Schöpfer der deut- sen Sozialversicherung, dargebracht.

k Dr. Brauns forderte vor allem eine Neuordnung in Anwendung der Produktionskräfte. Die Weltkrise klänge eine internationale Regelung der Produktion

und des Betriebs, etwa durch Konventionen. Mit Lohn­senkungen könne man der Arbeitslosigkeit nicht mehr bei­kommen, denn das Lohnniveau sei bereits so tief gesun­ken, daß die Wirtschaft dadurch geradezu gehemmt werde. Auch eine Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch eine deutsche Autarkie" müsse als unwirksam und gefährlich abgelehnt werden.

Erhebliche Minderung der Arbeitslosigkeit hält Dr. Brauns nur insofern für möglich, als man einen gro­ßen Tell der deutschen Arbeiterschaft wieder wie früher und auf eigener Scholle teils mit gewerblichen und handwerklichen, teils mit landwirtschaftlichen Arbei­ten beschäftigt. Der landwirtschaftliche Betrieb könnte dem Arbeiter dann als Rückhalt dienen.

An der Papenschen Wirtschaftsnotverordnung sei die Durchlöcherung des Tarifvertrages das Bedenklichste. Ein Tarifvertrag, dem man seine Unabdingbarkeit nehme, sei kein Tarifvertrag mehr. Es sei eine soziale Ungerechtigkeit schwerster Art, wenn man lediglich der Arbeiterschaft Opfer aufbürde. Auf feiten der Kartelle erfolge jedoch keine Lockerung der Bindun­gen! Scharf polemisierte Dr. Brauns gegen die Handels­und Außenpolitik, die Deutschland wieder isoliert habe.

Dr. wirlh in Offenbach.

In einer »roßen Wahlversammlung der Zen- trumspartel sprach am Mittwochabend Reichs, kanzler a. D. Dr. Wirth. Man habe ihn, das Zentrum und die Politiker der letzten vierzehn Jahre,, so führte Dr. Wirth aus, immer scharf angegriffen wegen des entschlossenen Kur­ses der Außenpolitik. Aber Herr von Papen habe einen grundsätzlich anderen Weg auch n i ch t b e sch r i tt e n, sondern sei in Lausanne n o ch hi nter die Brüntng - Li nie zurück- gewichen. Niemand habe jetzt und früher einen anderen Weg weisen können und man habe- auch nicht bemerkt, daß der schneidilge Kurs des Herrn von Papen in den letzten Wochen unsere Stellung in der Welt verbessert habe.

Vielmehr, ständen wir heute kn de r Gefahr einer neuen Isolierung Deutsch­lands. Es werde oft vergessen, daß die Partt k- tik nach einem v er lor e new Weltkrkeg die Politik eines Leidensweges sei. Herr von Papen und seine Leute gingen. jetzt zum Angrl'ff über auf die Grundlagen unseres demokratischen Staatswe­sens. Bei der Beschimpfung der Parteien und der Politik des letzten Jahrzehnts vergesse man, daß Herr von Papen doch selbst ein Parteimann gewesen sei. i.

Dr. Wirth sprach dann kurz über die politische Rolle der NationalsoziaWen in den letzten Mo­naten und die mit ihnen geführten Verhandlungen. Dr. Goebbels, habe selbst zugegeben, daß die Reichsregierung sich auf dem breiten Rücken der Nationalsozialisten in die Ministersessel geschwungen habe. Heute dämmere es auch den Nationalsozialisten, daß ein Kampf um die Erhaltung des Dolksrechts und der Freiheit geführt werden müsse. In diesem Kampfe sei das Zentrum tn vorderster Front zu finden.

Die Regelung der PcrsontlMsgaben beiden subventionierten Betrieden. Zur Ausführung der Bestimmungen der Verordnung vom 4. September .1932 über die Einschränkung der Personalaus­gaben bei subventionierten Unternehmen sind er­gänzende und erläuternde Bestimmungen in Vor­bereitung, über die die Reichsregierung nach Ab­schluß der erforderlichen Verhandlungen unter den beteiligten Ressorts und mit den Ländern Beschluß fassen wird. Die bisher über den angeb­lichen Inhalt erschienenen Pressenachrichten ent­behren jeder Grundlage.

* Gronau in Colombo. (Eig. Meld.) Der deutsche Weltflieger von Gronau ist am Donners­tag in Colombo auf Ceylon eingetroffen.

Sie Kabinetts krise in Brüssel.

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Jules Renkin, des Senats sowie die Ausschreibung von Neu- da die Liberalen die Auflösung der Kammer und fechtsschießen mit scharfer Munition durch die wählen forderten.

Was würde Frankreich tun?

Wenn Deutschland wieder aufrüstet? Herriots Antwort im Kammerausschutz.

ENB. Paris. 20. Okt. (Eig. Meld.) Wie Po- pulaire berichtet, soll der radikale Abgeordnete und Bürgermeister von Rouen, Metayer, im Ver­laufe der gestrigen Sitzung des Kommerausschus­ses für auswärtige Angelegenheiten dem Minister­präsidenten Herriot die Frage vorgelegt haben: Was würden Sie tun, wenn Deutschland wieder aufrüstet?". Herriot sott darauf geantwortet ha­ben:Die Regierung würde den internatio­nalen Gerichtshof in Haag mit der Ver­letzung des Versailler Vertrages durch Deutsch­land befassen". Darauf sott Metayer die weitere Frage gestellt haben:Wenn nun der Interna­tionale Gerichtshof Frankreich Unrecht gäbe, was dann?" Herriot soll geantwortet haben:Dann wären zwei Lösungen möglich: Gewaltmittel und juristische Mittel. Niemals würde die jetzige Re­gierung die e r st e r e n Maßnahmen anwenden." Weiter befragt, ob die Verordnung der Reichs­regierung vom 14. 9. über die Ertüchtigung der Jugend nicht dem Artikel 177 des Versailler' Ver­trages zuwiderlaufe, soll Herriot geantwortet ha­ben, die juristischen Sachverständigen des Ouai d'Orsay seien der Ansicht, daß diese Bestimmung dem Artikel 177 nicht widerspreche.

Die Abrüfkungswünsche der englischen Kirchen.

wtb. London, 20. Okt. (Eig. Meld.) Im Lo­carnosaal des Außenministeriums empfing Pre­mierminister Ma cd onald heute eine staatliche Abordnung von Führern der verschiedenen prote­stantischen Kirchen Englands und der Heilsarmee, an der Spitze die Erzbischöfe von Pork und Can­terbury, um das allgemeine Problem der Abrüstung zu erörtern.

Jeden Tag neue Verluste!

Teilsgramm der Industrie- mtb Handelskammer Berlin an dem Reichskanzler.

mb. Berlin, 20. Oktober. (Eig. Meld.) Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin hat an den Reichskanzler ein Telegramm gesandt, in dem sie erneut die Reichsregierung dringend er­sucht,den Plan einer Kontingentierung der Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse m ö g- li.chst bald aufzugeben, da jeder Tag der Verzögerung dem Außenhandel neue Verluste bringe.

«

wtb. Berlin, 20. Oktober. (Eig. Meld.) Die schwebende Schuld des Deutschen Rei­ches betrug am 30. September 1932 1757,1 Mill. RM. gegenüber 1908,8 Mill. RM. am 31. August 1932.

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wtb. Paris, 20. Okt. (Eig. Meld.) Vor dem auswärtigen Kammerausschuß hat, Echo de Paris zufolge, der frühere Handelsminister Rollin ge­äußert, daß es vielleicht besser wäre, den Han­delsvertrag mit Deutschland zu.kün- dige n, wenn es wahr sei, daß Deutschland nichts tn Frankreich kaufe, und daß der jetzige deutsch­französische Handelsvertrag sich fatalerweise gegen Frankreich auswirke. Herriot sott die Argumente Rottins nicht bestritten, aber erklärt haben, er ziehe es vor, zu versuchen, auf dem Ver­handlungswege ein günstigeresHan- delsregtme zu erreichen.

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wtb. Budapest, 20. Okt. (Erg. Meld.) Die Be­ratungen der von der Internationalen Handelskammer eingesetzten Studien- kommtssion für Währungs- und Fi- nanzprobleme der Donauländer ha­ben heute vormittag begonnen. Der Vorsitzende der Kommission, Direktor Dr. Weigelt von der Deutschen Bank- und Diskontogesellschaft, wies darauf htn, daß die Ergebnisse der Stresa-Konfe- renz als Grundlage der Beratungen dienten.

Aneinander vorbei.

Englische Unverständigkeit deutsche Fehlschläge.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Der englische Ministerpräsident MacdonaD hat vor Parteifreunden in London auch über die Ab­rüstungsfrage gesprochen. Dabei ging er u. a. auf Deutschlands Forderung nach Gleichberechtigung ein und betonte diese Forderung als auch von eng­lischer Seite zu Recht bestehend anerkannt. Deutschland habe gewußt, daß England bestrebt war, die Gelegenheit zu benutzen, zwischen ihm und seinen Nachbarn Beziehungen stärkeren Ver­trauens herzustellen. Und alles deute auch darauf hin, daß die Forderung Deutschlands zu einem all­gemein gültigen Abkommen führen müsse. Der einzige Wunsch, den die englische Regierung habe, fuhr Macdonald fort, ist der, daß Deutschland m > t uns kommt und wir alle Zusammengehen, da­mit am Ende der Besprechungen eine gemeinsame Abrüstungskonferenz kommen könne.

An unb für sich hat Macdonald recht, wenn er betont, daß Deutschland sich darüber klar fein müsse, daß es bei jedem Gedankenaustausch anwesend sein müsse, um den anderen Mächten feine An­schauungen darzulegen. Es besteht auch eine ge­wisse Gefahr, daß, wenn Deutschland den Verhand­lungen fernbleibt, seine Absichten f a l s ch ausgelegt werden und die Gefahr ist sogar sehr groß gegen- über den Bestrebungen Frankreichs, Deutschland immer mehr zu i s o l i e r e n und feilte Forderun­

gen nach erhöhter Sicherheit, nach politischem Burgfrieden, nach der Aufrechterhaltung des fla­tus quo, der in Wirklichkeit auf ein Ostloca rno hinausläust, durchzusetzen.

Wenn nun aber Macdonald zum Schluß be­dauert, daß Deutschland nicht nach Genf gehen wolle und hinzufügt, den Grund der deutschen Weigerung nur schwer verstehen zu können, so Müs­sen wir unsererseits sagen, daß es uns schwer ver­ständlich ist, einen solchen Standpunkt bei Mac­donald vorzufinden. Auch Deutschland hat den Wunsch, mit den änderen Mächten die Frage der Abrüstung zu erörtern. Aber daß der englische Vermittlungsversuch in eine solche Sackgasse hin- eingeraten ist, ist nicht die Schuld Deutschlands, sondern die Schuld Frankreichs und vielleicht auch die Schuld der englischen Diplomatie mit. Wenn der englische Ministerpräsident Glauben machen will, er könne nicht verstehen, warum Deutschland sicb weigere, nach Genf zu gehen, so muß dem entgegengehalten werden, daß es Deutsch­land noch lange nicht gleichgültig sein kann, an welchem Ort die Viermächtekonserenz stattfin­det. Denn gerade an dem Tagungsort hat es in den letzten Jahren häufig mit gelegen, ob unb in welchem Maße eine Konferenz von Erfolg beglei­tet mar. Unb Deutschland ist doch sicherlich von Genf oft genug enttäuscht worden. Man will eng­lischerseits nicht sehen, wie man sich ganz in fran­zösischem Schlepptau befindet und will nicht er­kennen, daß Genf als Konferenzort für die Bier­mächtebesprechung zu leicht den Anlaß bieten kann, plötzlich aus einer Viermächtekonferenz in eine allgemeine Abrüstungskonferenz hin­einzurutschen, bevor die Frage der Gleichberechti­gung in deutschem Sinne geregelt ist.

Wie weit die englische Politik sich schon im Schlepptau der französischen sich befindet, zeigt doch am besten die englische Note zu den deutschen Gleichberechtigungswünschen, die am 8. September in Berlin überreicht wurde. Hier mar alles an­dere als eine deutliche praktische Handhabe zu finden, baß England den deutschen Standpunkt voll und ganz unterstützt, es war lediglich die theore­tische Zusage, haß diese Angelegenheit der Gleich­berechtigung durch, freundschaftliche Verhandlungen erledigt werben' müsset Aber als Ziel biefer freund­schaftlichen Verhandlungen und daraus erkannte man wieder die durchaus französisch-freundliche Haltung Englands wurde herausgestellt, daß die vertraglichen Verpflichtungen, also das Versail­ler Diktat, nicht mißachtet werden dürsten oder die Gesamtziffer der bewaffneten Macht erhöht werden dürfe. Es ist also auch in der engl. Politik em Aneinander-Vorbeigehen zwischen dem von den Großmächten und Unterzeichnern des Versailler Vertrages übernommenen Verpflichtungen auf volle Abrüstung und der deutschen, ebenfalls aus dem Versailler Diktat entnommenen Forderung der Gleichberechtigung. Man kann doch nicht nach der einen Seite hin nur von einergrößtmöglichsten Herabsetzung" der stark gerüsteten Mächte spre­chen und nach der anderen Seite hin die Gleich­berechtigung für eine allgemeine Abrüstung, denn das ist doch in der Forderung der Gleichberechti­gung enthalten, anerkennen.

Mit diesem Kautschuk-Begriff der größtmöglich­sten Herabsetzung kann nie und nimmer eine wirk­liche Rüstungsausgleichheit erzielt werden und jede Regierung, also auch die englische, die mit solchen Kautschuk-Begriffen arbeitet, ist mitschuld daran, wenn die weitere Behandlung der ganzen Abrü- stungsfrage nicht vorwärts kommt.

Allerdings können mir die deutsche Politik von der Schuld dieser Fehlschläge nicht ganz freispre­chen. Die gegenwärtige Regierung hat leiber die Außenpolitik zu sehr von innerpolitischen Zweckwirkungen diktieren lassen und statt eine Politik Schritt für Schritt zu machen, wie es die Politik der Regierung Brüning gerade in der Gleichberechtigungsfrage so gut eingeleitet hatte, hat sie um innerpolitischer Erfolge halber die Frage der Gleichberechtigung zu einer Kraft­probe machen wollen. Sie hat von Kräften, tsie sich aus der Außenpolitik besser fernhalten sollten, dasentweder-oder" zu stark herausstreichen las­sen und hat dadurch auf der Gegenseite nicht nur Mißverständnisse hervorgerufen, sondern hat der Gegenseite zu gute Gelegenheit gegeben, Mißver­ständnisse gewollt zu konstruieren, aus denen dann bas heute Aneinander-Vorbei erwachsen ist.

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wtb. Genf, 20. Okt. (Eig Meld.) Der Haupt- ausschuß der Abrüstungskonferenz tritt in der Woche nach dem 21. November zusam­men.

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wtb. Paris, 20 Okt. (Eig. Meld.) Die deutsch- französischen Kontengierungsverhandlungen haben gestern begonnen.

wtb. Dien, 20. Okt. (Eig. Meld.g) Außer dem Abbau von etwa 150 Mittelschulen soll vom Finanzminister die Aufhebung der Medi- zwischen Fakultät Innsbruck, der Philosophi­schen in Graz und der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien vorgeschlagen worden sein.

* Ein portugiesischer Thronpräkendsnk. Aus Lissabon wird gemeldet: Die Delegierten der mo­narchistischen Bewegung haben Dom Duarte Numo als Prätendenten auf die portugiesische Krone und Führer der monarchistischen Bewegung aufgestellt.