Donnerstag, 20. Oktober 1932
Zahrg. 59.
t. 243
* Reichspräsident von Hindenburg empfing am Mittwoch den Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Herrn Dr. Krupp von Bohlen und Halbach. Ferner empfing der Reichsprästdent den neuernannten Chef des Protokolls, Gesandten Graf von Bassewitz.
* Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters beim Reichsgericht fand eine Durchsuchung der C i t y-D rucke» rei des Karl Liebknechthauses in Berlin statt. Der Grund zu dieser Aktion ist, weiteres Beweismaterial zu einem bei dem Reichsgericht schwebenden Verfahren zusammenzutragen. Die Rotationsmaschine der kommunistischen City-Druckerei wurde beschlagnahmt.
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Der Rücktritt des tschechischen Ministerpräsidenten Hdrzal ist nun zur Tatsache geworden.
Es gibt in dem Reformprogramm auch un» umstrittene Teile. Das Kartell der Republikanischen Verbände Deutschlands z. B. bringt in einer Entschließung im Hinblick auf die praktischen Erfahrungen mit dem 1919 eingeführten Wahlrecht die Ueberzeuqung zum Ausdruck, daß gewisse Reformen dieses Wahlrechts dringend erforderlich seien. Vor allem komme es darauf an, das aktive Wahlalter heraufzusetzen, die Wahl- kreise zu verkleinern, die Gesamtzahl der Mandate feftzulegen und eineAenderung des Verhältnissystems durchzuführen.
Henderson ist am Dienstag von der Führung der englischen Arbeiterpartei zurückgetreten. Er behätt jedoch den Posten als Härteisekretär und Parteikassierer bei.
Nachdem die Ausführungen des Prälaten Kaas in allen ihren Einzelheiten bei der Reichsregierung bekannt geworden find, hat sofort die Frag« eine Rolle gespielt, ob der Kanzler darauf antworten soll. Man hatte zunächst die Einleitung einer besonderen Presseaktion, etwa in der Form eines Interviews erwogen, doch wurde von der Anwendung dieses Mittels abgeraten. Es ist nun mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß der Reichskanzler bei der am Montag vor den Vertretern der Handwerksorganisa- t i o n e n geplanten Rede auf die Ausführungen des Prälaten Kaas eingeht. Für diese kommende Rede ist ja auch bereits eine Antwort des Reichskanzlers auf den Offenen Brief des Abg. Löbe an den Reichspräsidenten angekündigt.
Alle Beschwichtigungen und Erklärungen, die man in den nächsten Tagen in der der Regierung ergebenen Presse über den Eindruck lesen wird, den die Rede Kaas bei der Reichsregierung gemacht hat, können über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß die Regierung im höchsten Maße von der Schlagkraft der Argumente dieser Kaas-Rede betroffen ist. Sie fühlt es, daß das Kampffeld nun nicht mehr unbestritten in ihrem Besitz ist, sondern daß sich die Fronten ganz erheblich verschoben haben und noch verschieben werden. Die Großzügigkeit der Zentrumsparole, die das Geistige über das Agitatorische und Mechanische in den Abwehrmethoden der Reichsregierung und der hinter ihr stehenden Kräfte stellt, entwinden der Reichsregierung Trümpfe, die sie glaubte gerade auch gegen das Zentrum einsetzen zu können.
Es ist im höchsten Grade bemerkenswert, daß reichshauptftädtische Blätter, die durchaus nicht dem Zentrum wohlgesinnt sind, ihrem aufrichtigen
Heber die Lösung der neuen politischen Lage wird der derzeitige Präsident des Abgeordnetenhauses, der Agrarier-Abgeordnete Malypetr, ver- handeln, der als Ministerpräsident ausersehen ist.
Cs gibt immer noch Leute, die durch eine neue Inflation ihre Schulden los werden möchten. Der s o l i d e T e i l des deutschen Volkes, vor allem der wirklich christliche Teil des deutschen Volkes, muß sich mit aller Macht solchen Plänen gegenüberftellen.
* Relchswehrmlnister v. Schleicher in Badenweiler. Reichswehrminister von Schleicher ist in Begleitung seiner Gattin und seines Adjutanten, des Hauvtmanns Roeldecken, in Badenweiler eingetroffen und im Hotel „R öm erb ad" abgestiegen. Der Minister beabsichtigt, etwa 14 Tage in Badenweiler zu bleiben.
* Der sächsische Landtag hat den nationalsozialistischen Antrag auf Landtagsauflösung gegen die Stimmen der Antragsteller und der Kommunisten abgelehnt.
* Drei Monate Gefängnis wegen Beleidigung des Minisierpräsidenten Dr. Held. Das Amtsgericht in München verurteilte heute den verantwortlichen Schriftleiter der nationalsozialistischen Be- amtenzeitung Wilhelm Kiehner wegen Beleidigung des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held zu drei Monaten Gefängnis. Kiehner hatte am 5. August in der genannten Zeitung einen offenen Brief veröffentlicht, in dem Dr. Held u. a. separatistische Bestrebungen vorgeworfen wurden. Diese Behauptungen konnten im Prozeß nicht aufrechterhalten werden.
Die einfachen Leute aber, Handwerker. Geschäftsleute, Angestellte, Unterbeamte, die bei der letzten Wahl den Nationalsozialisten Zugelaufen sind und für sie gestimmt haben, sehen letzt hoffentlich ein, wessen Geschäfte s i e eigentlich besorgt haben. Man muß nur !og. radikale Parteien wählen, bann macht luan bestimmt den arößten Fehler. Ohne das Anwachsen des Radikalismus wäre die Rolle undenkbar, die heute die Herrschaften von g e st e r n und vorgestern wieder spielen.
wie die „Reform" aussehen soll.
Die Aeußerung des Kanzlers in seiner Münchener Rede, daß der neue Reichstag sich über die 'hm vorgelegte Verfassungsreform entscheiden ^üffe, hat naturgemäß Erörterungen über öte utage hervorgerufen, was geschieht, wenn, was ;a Vach Lage der Dinge wahrscheinlich ist, der Reichs- ,6S eine'olche Vorlage anzunehmen sich weigert. n Für diesen Fall wird nun in Kreisen, die oon uch,behaupten, daß sie über die Pläne der Reichs- ^Bierung Kenntnis hätten, folgende Patentlösung Ungeteilt: Es soll ganz einfach die von der Reichs- Mgierung vorgeschlagene, vom Reichstag aber ab- fjWebnte Verfassung durch einen Sonderver»
mtb Brüssel, 19. Okt. (Eig. Meld.) Das gesamte belgische Kabinett ist zurückgetreten.
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Im Unterhaus teilte Premierminister Macdo- nald mit, daß er ersucht worden sei, den Vorsitz der Weltwirtschaftskonferenz zu übernehmen. Er werde das Ersuchen annehmen.
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Der englische Außenminister bestätiate im Unterhaus, daß es sich bis setzt als unmöglich erwiesen habe, einen Znsammenkunstsort für die Piermächtekonferenz festzulegen.
Gute Zetten für Plänemacher.
Line erbliche Reichspräsidenlschaft als Vorläufer der Wieder Herstellung der Monarchie.
trag zwischen Reich und Ländern „ratifiziert" werden!
Man sieht also: in der Tendenz, die Mitbestimmung des Volkes aus all diesen Dingen auszuschalten, schliddert man von einem Experimentierfeld auf das andere. Das kann wirklich nicht gut ausgehen! . . .
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In der öffentlichen Kundgebung des Allgemeinen Seuffchen Gewerkschaftsbundes wurde eine Entschließung gefaßt, in der am Wirtschaftspro- gramm der Reichsregierung scharfe Kritik geübt wird.
„BtünUigs Politik war richtig." Der Evangelische Doltsdienst für Brüning gegen v. Papen.
Der Reichsführer des Evangelischen Volksdienstes, W. Simpsendörfer, M. d. R. (Stuttgart), sprach tn der Weidenauer Bismarckhalle über das Thema: „Gegen soziale Reaktion und Parteiherrschaft, für starke und gerechte Staats« sührung."
Der Evangelische Volksdienst strebe die Aktivierung einer der wertvollsten Kräfte an, er proklamiere die politische Dienstpflicht des evangelischen Christen. Deshalb sei er gegen den Partei- staat. Die soziale Reaktion führe zur sozialen Revolution. Deshalb fordere der Evangelische Volks- dienst Anerkennung des Rechts auf gleichberechtigte Eingliederung des Arbeiters in Staat und Wirtschaft und gerechte Verteilung der Lasten der Krise.
Der Versuch der Erweiterung derPro- duktion des Kabinetts von Pape» sei Un- sinn, weil gleichzeitig die Kaufkraft beschnitten würde. Bei allen kulturellen und wirtschaftlichen Versuchen sei die Regierung von Papen noch zu sehr in „Verboten" stecken geblieben. Die Politik Papens in Lausanne sei ein Fehlschlag gewesen und das Gentleman-Agreement habe zur Isolierung Deutschlands geführt. Ob die Methoden Papens in der Herbeiführung der Gleich- berechttgung richtig seien, müsse bezweifelt werden.
Die Politik müsse zurückgesührt werden in di« Bahnen Brünings, dessen Mn« die richtigen gewesen seien.
Es hat eingeschlagen!
Heber die große Rede des Prälaten Kaas in Münster hat das offiziöse Nachrichtenbüro aus leicht erklärlichen Gründen so armselig berichtet, daß jetzt auch von der nicht zum Zenttum gehörenden Presse dieses Versagen öffentlich getadelt wird. Im „Eschweger Tageblatt" lesen wir z. B. eine Berliner Meldung, in der es eingangs heißt: Sie Sensation des Tages ist die Rede des Vorsitzenden der Zentrumspartei, des Abgeordneten Kaas in Münster. Dann wird gesagt: „G e- heimnisvoll bleibt nur die Angelegenheit der Berichterstattung, in der zun ächstalle wichtigsten Sätzedes Prälaten Kaas fortgefallen find. Das geschah seltsamerweise auch in den B erichten der der Regierung nahestehenden Nachrichtenbüros."
Seltsam erscheint das nur dem, der noch nichts von „Vogelstrauß-Politik" gehött hat. Aber es nützt der Regierung nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Auch die Frankfurter Zeitung schreibt darüber und begründet das eingehend:
„Die Rede des Prälaten Kaas betrachten wir als ein politisches Faktum ersten Ranges."
„Herren * Häusler."
Die in der Sonntags-Nummer der „Fuldaer Zeitung" an der Spitze des Blattes veröffentlichten Richtlinien für Reformen der deutschen Verfassung haben allenthalben großes Interesse erregt. Die von der deutschnationalen T. U. veröffentlichten Richtlinien werden zwar von Regierungsseite als private Zusammenstellung bezeichnet. Amtliche Richtlinien für eine Verfassungsänderung beständen nicht. Die vorsichtige Form dieser Erklärung» die nur einer Distanzierung gleichkommt, läßt immerhin die Deutung zu, daß manches 'n • dieser Zusammenstellung nicht unrichtig gesehen ist, und insofern verdienen diese Richtlinien hinsichtlich der Pläne der Reichsregierung, auch wenn sie noch keine konkreten Formen angenommen haben, doch eine gewisse Aufmerksamkeit.
Ein Kernstück der Reformen soll nach den Richtlinien die „erste Kammer" fein, die neben den Reichstag treten soll. Interessant ist eine Bemerkung der „Westdeutschen Arbeiterzei. t u n g" zu diesem Plcm. Sie schreibt in einer kritischen Aeußerung zu dem Reformwerke:
„Daß bei Würdigung dieser Dinge nur sachliche Gesichtspunkte maßgebend fein dürfen, ist selbstverständlich. Es soll allerdings Leute geben, die an der Frage persönlich interessiert sind. Noch ist das Oberhaus ein Produkt kühner Wünsche, und schon gibt es einige hundert oder noch m e h r „P o l i t i k e r", die sich gIs bie geboren-en Mitglieder dieses erhofften Pgrlaments fühlen und davon träumen, demnächst ohne lästigen Wahlkampf auf Grund besonderer Ernennung eine erhöht« Würde zu bekleiden: sie sehen sich schon in der Rolle des Senators, des Lords. derExzellenz derDorkriegs- zeit, ja eines neuen deutschen po- litischen Adels. Hnd fe mehr sie und ihre Frauen davon träumen, um so mehr reden sie sich und anderen die Notwendigkeit des Zweikammersystems ein."
Die Situation ist von dem Schreiber der zitierten Zeilen nicht schlecht gesehen. Er ist ein guter Menschenkenner.
Es sind gute Zeiten für Plänemacher. Hnd man scheut sich auch gar nicht mehr, die letzte Karte aufzubecken. Unb biese Reichsregierung, bie i0 mimosenhaft empfinblich ist gegen Kritik, die in Dementis und Auslagenachrichten eine fabel- (safte Virtuosität entwickelt, schweigt zu all dem, MS ihr von Hintermännern unb Kulissenschiebern unterstellt wird . . .
Das Endziel wird gar nicht mehr verschleiert: Herbeiführung der Monarchie. Die Vorstufe soll bie Einsetzung eines erblichen Präsiden- ten sein. Die Basis dafür soll ein „Präsidialrat" schaffen. „Der Deutsche" machte über biese Singe, (tie einen sehr reellen Hinterarund haben unb bie darauf hinzielen, bem Reichspräsidenten eine Art „R a t d e r A l t e n" behugeben, folgende Mitteilungen:
„Der Reichspräsident solle das Recht haben, Männer seines Vertrauens in diesen „Präsidialrat" zu berufen. Ausgesprochene Parteipolitiker sollten von vornherein ausaeschlossen fein. Sie Aufgabe dieses Präsidialrates soll eine doppelte sein. Einmal soll er den Reichspräsidenten politisch beraten, besonders natürlich in Zeiten schwerwiegender politischer Entscheidungen. Er soll zweitens das Recht haben, gemeinsam mit bem Reichspräsidenten einen Nachsolaer für dessen Amt zu nominieren. Saneben soll, nach diesen Plänen, nur nochderReichstag das Recht haben, einmal Kandidaten für das Amt des Reichspräsidenten zu präfentieren, falls er mit dem Kandidaten des Präsidialrates nicht 'einverstanden wäre. Sas Volk hätte dcmn eben nur die Wahl zwischen diesen beiden Mächiern. Würden sich die Parteien im Reichstaa nicht einigen können, so stände eben nur der Kandidat der Präsidialpartei zur Wahl."
Die Schaffung eines derartigen Präsidialrates hatte gar keinen anderen Zweck, als den Weg für eine Reichsverweserschaft des früheren Kronprinzen fteizumachen.
Tiefe Machenschaften zeigen, wie man mit den Rechten des Volkes umgeht. Sas Volk wird einfach gar nicht mehr gefragt!
Aber die Singe sind ja schon viel weiter gediehen! Sie Vereinigten Vaterländischen Verbände sehen die Stunde für gekommen, um in einer öffentlichen Kundgebung eine große Verfasiungs- und Reichsreform zu verlangen, „deren Krönung das H o hen zollern-Ka i f ertum fein muß" l
Hnd noch deutlicher wird der deuffchnationale „Deutsche Schnelldienst" (vorn 18. Oktober 1932), der unter der Heberschrift: „Kampfring der Monarchie" berichtet, daß der sogenannte „Bund der Aufrechten" als „Kampfring der monarchischen Bewegung Deutschlands" setzt seine Arbeiten wieder ausgenommen habe. Man liest da folgende Sätze, über die sich jeder weitere Kommentar erübrigt:
„Der monarchische Gedanke in Deutschland darf nicht zum „Fernziel" verflachen. Er schwebt für uns nicht in den Sternen, — ordnet sich vielmehr der beginnenden Verfafsunaserneuerung mit geschichtlicher Logik als Schlußglied ein . .
„Wir zweifeln heute nicht mehr an der Durchsetzung des monarchischen Gedankens. Er kommt so gewiß, wie sich aus parlamentarischer Wirrnis eine autoritäre Staats- führung entwickeln mußte. So gewiß, wie der Führeroedanke, logifch an Ende gedacht, im geheiligten Führertum der Monarchie sich vollendet."
Natürlich gibt es für diese Kreise keine andere Lösung als „die Verbindung der Kaiserwürde mit dem preußischen Königtum", die einfach als selbstverständlich" bezeichnet wird. Unb man lieft bann weiter:
„Und der Gedanke schon, daß die Dynastie in Pfeußen anders als Hohenzollern heißen könnte, wäre Felonie und Verrat an einer stolzen 500jähri- gen Geschichte."
Wirklich: feder Kommentar überflüssig! Aber so schnell schießen selbst die Preußen nicht!
* Flirgblattventsiler der Eisernen Front beschossen. Zwölf Angehörige der Eisernen Front, die in Essen im Osten der Stadt Flugblätter verteilten, wurden aus einer Gruppe politischer Gegner heraus beschossen. Der 22 Jahre alle August Hannig wurde durch einen Bauch schuß so schwer verletzt, daß er dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Zwei Nationalso- g t al i ft e n wurden fest genommen. Auf die Ermittlung des Täters ist eine Belohnung von
Fuldaer Zeitung
I Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Bedauern darüber Ausdruck geben, daß Prälat Kaas durch feine Krankheit gehindert werde, sich ganz feiner politischen Mission zu widmen, denn, so «wird ganz offen ausgesprochen, es wäre in Deutschland manches ganz anders gelaufen, wenn Kaas in feiner Aktivität nicht so gehemmt wäre!
Nun muß man in diesem Zusammenhang übrigens darauf Hinweisen, daß durch unkontrollierbare, aber Kir Kenner der Dinge leicht erkennbare Kanäle bie merkwürdige Lesart verbreitet wird, daß die Rede Kaas ein verhülltes Ange- botanPapen unb an die gegenwärtige Reichsregierung darstelle. Hier spricht eine Angst vor der Wahrheit in gleicher Weise, wie die Sorge davor, daß die Zentrumskundgebung ’n Münster durch die den parteimäßigen Rahmen weit überragende Größe des Denkens und Wollens gewisse Regiemngsrezepte gründlich zu verderben .geeignet ist.
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In der überfüllten Messehalle in Köln sprach 6er Führer der nationalsozialistischen Landtags- sraktion Kube. Er beschäftigte sich mit den Deutschnationalen unb der „R eak - tion" überhaupt. Wäre Hitler, so sagte Kube u. a., als Vizekanzler in die Regierung v. Papen eingetreten, so hätte er damit deren Politik sanktioniert. Kube wandte sich bann gegen den Vorwurf, die Nationalsozialisten hätten es im richtigen Augenblick verabsäumt, eine Regierung in Preußen zu bilden, sowie gegen die Vorwürfe über die Verhandlungen zwischen Nationglsozialisten unb Zentrum. Der Redner kündigte an, daß die Nationalsozialisten nach bem 6. November in Preußen eine Regierung bilden würden, und wandte sick sehr heftig ge g e n D r. B r g ch t, auf dessen Initiative er alle Zeitungsverbote zurückführt.
Für das Volksrechk!
In dem Aufruf der Bayerischen Volkspartei für die Reichstagswahlen wird darauf hingewiesen, daß die Bayerische Volksvartei in der Auflösung des Reichstags vom 12. September 1932 einen Angriff auf die Lebensinteressen des deuffchen Volkes erblicke. Die Partei kämpfe auch heute gegen jeden Absolutismus, der einem durch ewige Wahlkämpfe mürbe und müde gemachten Volk aufgezwungen werden solle; das Volk dürfe nicht von der Mitbestimmung seines Schicksals ausgeschlossen werden Nationalsozialisten und Kommunisten, die zusammen im letzten Reichstag eine Mehrheit gebildet hätten, würden als Mehrheit auch den neuen Reichstag arbeitsunfähig machen. Es gälte daher, diesem politischen Radikalismus die Mehrheit zu nehmen. Das sei das Ziel der neuen Wahl. Sie Partei trete für eine Reichsreform ein, die aber dem deuffchen Volke nicht von Berlin aus aufgezwungen werden dürfe.
Ser Aufruf schließt: Unabhängig nach allen Seiten geht die Bayerische Volkspartei in einen Wahlkampf, der auch über Bayerns Stellung in Deutschland entscheidet.
Der Kampf gegen Luther
hat nun auf der ganzen Linie eingesetzt. Es stellt sich jetzt heraus, daß der Brief des Reichsbankdirektoriums an die Regierung, der eine ernste Warnung vor der Fortsetzung gewisser wirffchaftspoliti- scher Pläne enthält, in erster Linie Gefahren der Währung, durch Indiskretion der Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, unb bie Quelle wird in der Umgebung des Reichslanbbundes, der ja fast vollständig von den Seutschnationalen beherrscht wird, erblickt. Es war ja auch bemerkenswert, daß das Draan des Reichslandbundes zuerst von diesem Brief Kenntnis geben konnte. Saß die Seutschnationalen sich als Führer des Kampfes gegen Luther besonders fühlen, ergab sich ja auch aus einer Aeußerung Hilgenbergs in einer deutsch- nationalen Wahlversammlung in Lübeck.
Man muß sich klar darüber sein, daß der Ausgang des Kampfes um die Stellung des Reichs- bantpräfibenten auch über bie wichtigsten wirtschafts- und gelbpolitischen Fragen entscheiden wirb.
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