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19. Oktober.
Veilage zur Fuldaer Zeitung
-lr. 242
Freiheit für die Siedlung!
in
dem Stadtvolk,
dem Bauerntum und aus
und Landwirt-
Preuß.-Südd. Klassen-Lotterie
Lose bei den staatl. Lotterieeinnehmern
Ziehung 1. Klasse 21. und 22. Oktober
ob
damit Deutschland leben kann. Wir wissen die Werte des Bauerntums für unser Bolk wohl zu
Bundesbrüder, wir wollen unseren Führern folgen den heiligen Kamps für ein Deutschland,
dos Gott gibt, was Gottes ist;
das für den Staat fordert, was des Staates ist;
das dem Volke, aber auch ehrlich und ohne Hinterhalt, läßt, was des Volkes ist.
Außerordentliche Versammlungen finden statt:
Mittwoch, den 19. Oktober, in Fulda, Har»
dichter". Er schrieb vom ganzen Leben und sprach zum ganzen Volke.
Darum hören wir aus seinen Worten nicht Klänge einer vergangenen Jugendbewegung oder eines abgeschlossenen historischen Ereignisses, sondern die Grundtöne von Walter Flexens Werk erklingen immer wieder, solange sich Jugend aus tiefster Inbrunst und Hingabe- bereitschaft um ihr Volk bemüht. Daßsieimlauten Lärmen unserer Tage nicht überhört werden mögen, daran mahnt das stille Grab auf Oesel.
änderter Stimme.
„Du hast geträumt", tröstet ihn Tante Scanne und trägt ihn wie ein Kind ins Bett.
„Bleib da, Tante Jeanne!"
„Du wirst schlasen, mein Kind, und nicht mehr träumen."
allen diesen gesallenen Kameraden gilt das Wort, das Flex seinen Ernst Wurche sprechen läßt: „Leutnantsdienst tun heißt seinen Leuten Vorleben, das Vor-Sterben ist dann wohl einmal ein Teil davon."
In diesem „Vorleben" faßte Walter Flex das zusammen, was die ganze Kriegsjugend unter Freundschaft, Gemeinschaft und echtem Führertum verstand. Er schuf in seinem Ernst Wurche die wahre, unsterbliche Gestalt des Kriegsfreiwilligen aus der Totalität seines Lebens heraus, nicht nur aus dem unmittelbaren Kampserlebnis. In diesem Sinne war Flex nicht etwa nur ein „Kriegs-
*) Die Dichterin der „Hymnen an die Kirche", von denen in Kürze das 6.—10. Tausend in der vielbegehrten Volksausgabe erscheint, wird demnächst einen neuenBand „Hymnen an Deutschland" herausgeben (co. 69 Seiten. Elegant kartoniert ca. Mk. 2.25. Verlag I. Kösel u. Fr. ■ Pustet, München), der außer einem Prolog drei Hauptteile: Das Schicksal — Die Sendung — Der Sieg enthalten wird. Mit Genehmigung des Verlages veröffentlichen wir die vorstehende Probe aus dem neuen Werk:
Stück Leben mit sich nehmend. Das Wochen des Herzens schlug den Takt dazu.
„Eine Sekunde weniger zu leben", flüsterten die Gedanken.
„Jeden Schlag dem Tode entgegen", jammerte das Herz.
Wolf will schlafen.
Die alten Möbel krachen. War dieses Holz noch nicht ganz tot? Die Angst packte ihn plötzlich. Die Schatten um ihn belebten sich, drängten aus ihn zu, lasteten auf seiner Brust. Ein geheimnisvolles Leben füllte selbst die toten Gegenstände. Sonderbar spaltete sich das Wesen des Knaben. Sein Körper zitterte unter dem Grauen, und ein Denken beugte sich klar und böswillig über die Verzweiflung seines Herzens.
Ein Kältegefühl an den Füßen und den Händen ließ ihm die eigenen Glieder wie etwas Fremdes erscheinen. So muß es beim Sterben fein — flüsterten die Gedanken. Wo ist das Leben? Im Herzen, das vor Grauen schon stillsteht? Im Gehirn, das dich martert? „So muß der Tod sein", höhnen die Gedanken weiter, „dann ist alles aus für immer."
Da drin wehrt sich aber etwas verzweifelt gegen Nacht und Dunkel, etwas, das nicht sterben will und doch nicht Denken und nicht fühlen ist, die lebendige See^, die dem Tod ihr „Nein!" zuschreit. Im Dämmertraum hatte Wolf es geschrien, ohne es selbst zu wissen. Tante Jeanne, die den Schrei gehört hatte, lief hinauf, machte Licht und fand Wolf, wie ihn die alte Fanny oft gefunden hatte, vor dem Bette stehend, die Hände vor dem Gesicht, als
er fliehen wollte.
Tante Jeanne legte ruhig die Hand aus seinen Arm: „Leg dich nieder, Wolf, schlafe."
„Bring mich zu mir", murmelte er mit gänzlich ver-
monie.
Donnerstag, den 20. Oktober, in Steinbach (Krs. Hünfeld).
Freitag, den 21. Oktober, in Lütter.
Die Gauleilung.
ihrem tiefsten Wesen lebensklare Forde- rung war? Aber darüber hinaus brauchen wir auch in der Siedlungspraxis und Siedlungsführung starkes Führertum, Menschen mit klarem Blick. Wir müssen aus der Einseitigkeit in der Siedlungsarbeit heraus. Die einen sehen sie zu eng landwirtschaftlich, die anderen sehen sie zu eng bürokratisch, die anderen vielleicht sogar zu eng finanztechnisch. Nirgendwo im Volke als gerade in der Siedlung verlangt man ein Führertum mit Totalblick, das aber auch die Kraft hat, die Dinge in ihrer ganzen Vielseitigkeit sinngemäß und wesensrein zu gestalten. Es muß Schluß gemacht werden mit der Ge- schäftemacherei in der Siedlung; denn hier stehen wir wirklich in der vordersten Front des Dienensollens für Volk und Vaterland.
Die Siedlung muß befreit werden aus den Engen der Bürokratie.
Eine Verwaltung der Siedlung und Siedlungsarbeit ist notwendig und wird notwendig bleiben. Aber die wir mitten in einem „gut verwalteten" Deutschland stehen, wissen, daß man manche Dinge auch totverwaltenkann. Ist es nicht ähnlich so bisher in der Siedlungstätigkeit gewesen.? Wer wollte es sich zumuten, alle die Behörden zu nennen, die irgendwie „sührend" in der Siedlungsarbeit zu tun haben? Wenn dieses ihr Tun nur Förderung brächte, brauchte man es ohne weiteres noch nicht zu bedauern. Aber die Auswirkungen dieser übermäßigen Verwaltung gehen über das Lächerliche zum Unmöglichen. Das Dokument dieser Behauptung ist der bisherige Siedlervertrag, der in seiner ganzen Paragra- phierung ein Hohngesang ist auf ein Volk, das in der Siedlung Lebensraum finden will. Wir müssen den Mut haben, diese Dinge unerbittlich abzulehnen, aber auch neue Möglichkeiten zu erarbeiten oder zu erzwingen.
Das ist keine parteipolitische Enge, wenn wir so fordern und so wollen. In diesen Forderungen der Siedlung sehen wir Notwendigkeiten für unser Volk. Wenn wir es in diesem Sinne schaffen und zur Wirklichkeit werden lassen, gelingt uns auf wertvollstem Posten nationale Tat. Junges katholisches Volk, das im politischen Ringen steht, muß auch zur Siedlung stehen. Siedlung ist uns Lebensforderung um unseres Volkes willen.
Moys S e y o ck-Düsseldorf.
gung seiner hypothekenbelasteten Familienwerte sich in Jnteressenpolitik verlieren. Gesunde Volkswerdung kann sich mit solchen Dingen nicht totsch lagen lassen. Jnteressenpolitik kann letzten Endes nur solange verteidigt werden, wie sie lebensnotwendige Volksausgaben nicht zerschlägt. Soweit ist es aber jetzt gekommen. Wenn wir nicht die Kraft haben, diese Jn- teressenmauern umzustürzen, wird man nicht nur keine Siedlung haben, sondern auch kein Bolk mehr schaffen. Wir erheben Anspruch auf dieses Land; denn die wir mitstehen dursten an den Fronten in Ost und West und wo es immer war, wir haben um deutschen Boden gerungen und miterlebt, wie unsere Brüder sich dabei verbluteten. Dieser deutsche Boden sollte Lebensraum sein und bleiben für das ganze deutsche Volk. Die Borenthaltung des großen Ostlandes für die Siedlung ist wahrlich nicht Ehrung der Millionen Helden in den Gräbern an den Fronten. Mag man sich noch so „national" nennen, mag man sich noch so „national" entschuldigen und verteidigen, wir können hier einfach nicht folgen. Wir wollen Land für unsere Brüder aus
„Hättest du den Hut gezogen, wenn dir das Kind lebend begegnet wäre? Ist denn der Tote mehr als der Lebendige? Tausend Tote wiegen doch noch keinen Lebendigen auf!"
Da nahm Tante Jeanne das Wort und sprach:
„Es ist nicht der Tote, den wir ehren. Die Ewigkeit geht an uns vorüber. Unsere Seele will verharren und aufhorchen vor den Toren des Lebens und der Unendlichkeit, die sie erwartet."
Etwas schnürte Wolf die Kehle zu, aber er wollte nicht nachgeben und ärgerte sich:
„Das sind Vermutungen. Ich aber muß sehen, um glauben zu können und halte mich an meinen Vater, wenn er sagt, bas seien pessimistische Märchen, eine Flucht aus dem wirklichen Leben. Ich glaube an das irdische Leben, aber an kein Jenseits. Der Tod ist die Auflösung, ein natürlicher Prozeß ud durchaus keine ehrwürdige Geschichte. Die Unsterblichkeit ist eine Erfindung der menschlichen Feigheit."
„Armes Kind", sagte Tante Jeanne. Genau so, wie damals der alte Professor. Und sprach den ganzen Tag nicht mehr mit ihm.
Dieser Abend, an dem keiner das Wort an ibn richtete, war traurig. Der Regen fiel in die fröstelnde Dämmerung und wob vor das Fenster einen grauen Schleier und fang eintönig in den Blättern des Gartens. Tante Jeanne entzündete das Feuer im Kamin und die Flamme wurde jubelnd von den Kindern gefeiert. Sie faßen daran herum und plauderten angeregt, nur Wolf war davon ausgefchloffen. Einsam stand er auf einer anderen Ebene, wie die rund um ihn herum. Auf einer höheren, wie er meinte.
Endlich suchte er fein Zimmer auf. Aber der Schlaf miet) ihn. Er versuchte nicht zu denken und die Gedanken bohrten sich in fein Gehirn, boshaft, quälend, als wären sie selbständige Wesen mit eigenem Willen. Um ihn war das Schweigen und die Nacht. Nur die Uhr ließ unbarmherzig zählend die Zeit heruntertröpfeln. Eine Sekunde nach der anderen. Jede fiel unaufhaltsam, ein
Wolf starrte mit unheimlich hellen Augen auf die Mauer, als sähe er hindurch. Tante Jeanne streicht leise mit ihrer Mutterhand über seine Stirne.
„Schlaf, Wolf, auch du bist in Gottes Hand." St« beugte sich über ihn und küßte seine traurigen Augen zu.,
Sie geht, und nichts mehr wagt wider Wolf aufzustehen. Die bösen Gedanken sinken in Nichts zusammn, denn Tante Jeanne hat an ihre Stelle alle Geister des Lebens gerufen, die gleich Schutzengeln Wolfs Seele in seligen Schlaf wiegen.
(Schluß folgt).
mit Bauerntum zu tun. Wir glauben, daß Bauerntum Deutschtum schassen und formen kann. Darum wollen wir dieses Bauern formende Land des Ostens wieder zu Bauernland machen durch die Siedlung.
Eine Forderung an uns selbst.
Zum Siedeln eignen sich nur zähe, harte Menschen, die dienen und entsagen können bis zum Aeußer- sten. Daneben müssen sie sich klar sein über die Lebenswerte des Bauerntums, die sie ja im Siedlungsland gestalten wollen und müssen. Manchmal will uns scheinen, als wenn wir im vergangenen Siedlungsjahrzehnt über diese Forderungen etwas zu leicht und großzügig hinweggegangen seien, und das Fehlende an Personenwert hat man anscheinend durch Geldforderungen auszugleichen versucht. Das kann niemals gesund sein, vor allen Dingen nicht im Bauerntum. Darum wird es unsere Aufgabe sein, daß wir überall dort, wo wir siedlungswillige Menschen finden, auf diese Auswirkung der Menschenformung und Persönlichkeitsbildung unerbittlich Hinweisen ober gar selbst entsprechende Schulungsarbeit leisten. Das Streben der Siedlerschulen in diesem Sinne kann man nur unterstreichen. Interessant ist, wie Knut Hamsun in feinem Roman „Der Segen der Erde" das Siedlerfein und das „Siedler-nicht-fein-können" in glänzender Weife veranschaulicht.
Siedlung braucht ein starkes Führertum.
Gerade in den letzten Wochen des politischen Ringens haben wir gesehen, daß auf dem Kampffeld der Siedlung schon dieses Führertum von Nöten war. Ob wir uns in unseren Reihen immer stark genug bemüht haben, auch für unsere politischen Stellungen die Menschen zu schaffen, denen Siedlung in
Wolf Wilde.
Don Helene H a l u sch k a.
Die Verfasserin des menschlich so reichen und tiefgründigen Werkes „Der Pfarrer von Lamotte" hat ein neues Buch geschrieben „Der Sohn zweier Väter" (246 Seiten. Ganzleinen Mk. 4.80. Verlag I. Kösel u. Fr. Pustet, München), in dem sie das große Problem der modernen Jugend, ihre Gottesferne, behandelt. Mit Genehmigung des Verlages geben wir nachstehend eine Probe aus dem neuen Roman wieder:
Eines Sonntags hatte das schlechte Wetter die ganze Familie heimwärts gejagt. Auf durchweichten Feldwegen watete man dem Dorfe zu und traf auf eine Bauern- gruppe, die, geführt vom Pfarrer und dem Ministranten, dem Friedhof zuging. Das heißt, sie gingen nicht, sondern kämpften sich durch den Sturm, triefend nah und kröstelnd und klagende Gebete vor sich hinmurmelnd, die ihnen der Wind vom Munde weg zerfetzte. Unterm Arm trug einer der Bauern ein längliches Etwas, und eine weinende Frau versuchte es mit ihrem Schirm vor dem Stegen zu schützen. Tränen kollerten ihr über die Wan- 8^ und nasse Haarsträhne umrahmten dqs schmerzvolle Gesicht.
Alle traten zur Seite, um den Weg freizugeben, Onkel Fritz und die Vettern nahmen auch die Hüte ab, bis der Zug vorbei war. Nur Wolf war weitergegangen, die Hände in den Hosentaschen, den Hut tief in die Stirn Zedrückt — es regnete ja!
g- Damals schüttete Großmama die Schale ihres heiligen Zornes über ihn aus und nannte ihn großier perfonnage.
, Und Onkel Fritz fragte ihn, ob er nicht bemerkt habe, daß er an einem Sarge vorbei gekommen fei.
„3a, Onkel Fritz."
t «Ist dir der Hut angewachsen?"
i „Durchaus nicht, aber was hat mein Hut mit der £ L°'che zu tun?"
„Du hast ihn abzunehmen und so dem Toten deinen E 'elpett zu erweisen, verstehst du?"
Deutsches Schicksal.
I 5cnn über die Kraft deiner Flügel
| gntflügelt sich deines Schicksals
| Mächtiges Empor,
' und unter die Wasser
I Aller Ohnmacht taucht es dich nieder:
; g5 spielt dir dein Völkerleben
In geroalt’gen Oktaven
Erwägend und sinkend
ziach des Meeres Gesang und nach der Gestirne Reigen
Mit strahlendem Aufgang
Und mit lichtabstürzenden Nächten.
Längst schon wohnen rings um dich her die Völker
Im sicheren Vorsatz,
Und sie vollbringen ihr Ziel und gebieten
Ihrem Geschick wie den Rädern und Spulen
Ihres hell-mächtigen Alters —
Du all' feiner Helle
Mächtiges Volk wohnst mit dem Schicksal
Noch tief im Verhängnis!
Gertrud von le Fort*)
Nacht im Herbstlager.
Irgendwo unter den mitternächtlichen Sternen steht in verlorener Einsamkeit das Zelt. Die alten Bäume des Waldes halten gute Wacht über den müden Kameraden. Seitwärts, in das Dunkel hinein vorgeschoben, flackert klein das lichte Feuer. Ab und zu schieben die beiden Knaben neue Hölzer nach, sie hüten die Flamme, die durch die Nacht brennen und lodern soll. Ihre Gedanken sind versunken und steigen mit den Funken in die Höhe. Sie fühlen sich groß und allen kommende»' DLigen kühn gewachsen. Es ist seltsam in der Nacht, rtijig, kühl und doch unendlich voll geheimer Abenteuer der Seele. Nie werden diese Jungen dieses herrliche freie Leben gegen ein saures tauschen! Denn sie lieben dieses Leben.
Jedem lebendigen Kerl steckt das Abenteuer im Blut, und er hört es wilde Lieder fingen von unendlicher Ferne, von nie gekannten Dingen hinter den Bergen. Brausend, wie der Föhn über die Berge, springt ihn die Sehnsucht an »ach Tat und wilden Erlebnissen. Hast du schon einmal den Schauer der Unendlichkeit gespürt, wenn du untern Sternenhimmel lagst, fern aller mütterlichen Sorge, frei, ledig, nur und nur auf dich und deine Kraft gestellt? Junge es ist unerhört, und wenn du es einmal gewagt, wirst du dieses abenteuerliche und herrliche Leben nicht mehr vergessen, sondern ewig das Herz voll großer Sehnsucht haben! E. F.
schätzen. Aber Bauerntum
schäft ist nicht gleichwertig, sondern Landwirtschaft ist nur ein Teil wirklichen Bauerntums. Ostdeutsche Landwirtschaft hat nur in wenigen Teilen aber noch
Walker Alex.
Zur 15. Wiederkehr feines Todestages (16. Oktober 1917).
Wenn der Jahrestag wiederkehrt, an dem Walter Flex vor nunmehr fünfzehn Jahren den Soldatentod fand, wandern die Gedanken der deutschen Jugend zu seinem fernen Grab auf der I n s e l O e s el am Baltischen Meer, wo seine Gefährten ihn zur letzten Ruhe betteten. An seinem Grabe wird wieder die Erinnerung an ihn und seine toten Kameraden wach, von deren Leben er, der gefallene Dichter, wie kein anderer gezeugt hat.
Deutschlands heutige Jugend steht am Todestage von Walter Flex vor allen Toten des Weltkrieges. Daß diese Toten im Geiste der jungen Generation noch heute leben, verdanken wir in reichem Maße dem Dichter Walter Flex. Seit Walter Flex lebte und dichtete, sind viele andere Bucher vom Krieg geschrieben worden. Sie haben die Erinnerung an die Kriegsjahre mächtig aufgerissen. In ihnen steht vieles an Wahrem und Erschütterndem vom Geschehen jener Jahre. Und doch reicht kaum eines von ihnen an die lebendige Unmittelbarkeit und Lebensnähe her Dichtungen von Walter Flex heran.
Da ist zuerst das Kriegstagebuch vom „Wanderer 'Zwischen beiden Welten", ein „Kriegserlebnis", wie er es nennt, dcks Hohielied einer Freundschaft und die erschütternde Totenklage um den gefallenen Freund Ernst Wurche; da sind die Gedichte „Im Felde zwischen Nacht und Tag" mit den Versen vorn „Leutnantsdienst"; da ist das Buch „Vom großen Abendmahl", in dem das trostvolle „Weihnachtsmärchen des M.Regiinents" steht, das der Leutnant Walter Flex seiner Kompagnie am Heiligen Abend in der französischen Dorfkirche vorlas. Da ist schließlich das Fragment seines „W o l f E s ch e n l o h r". Er trug es beim Sturmangriff bei sich. Die Kugel hat das Manuskript durchbohrt und besiegelte seines Lebens und feines letzten Buches vorzeitiges Ende.
Alles ist echt und still geschrieben in Walter Flexens Dichtung; wie echt, das lehrt uns ein Vergleich mit den „Kriegsbriefen gefallener Studenten", in denen immer wieder alles das anklingt, was Flex als einer von ihnen in seinen Werken zum klaren Ausdruck brachte. Von
Mndlhorslbun-, Gau Fulda.
Die Bünde werden gebeten, in der nächsten Zeit eine außerordentliche Versammlung einjuberufen, zu der die (Bauleitung rechtzeitig eingelaben werden mutz. Wichtige grundsätzliche und organisatorische Fragen sind zu besprechen. Die junge Volksfront muh alle Kräfte mobil machen, um zu verhindern, daß unser entrechtetes und von der Not gehetztes Deutsches Volk durch die Tor» heil volksfremder Herrenmenschen dem Bolschwismus in die Armen getrieben wird.
Alle die, die sich schon viele Jahre theoretisch und praktisch mit der Siedlung befaßten, werden sicherlich oft gestaunt haben, daß man für diese so stark positive Seite der Volksgestaltung und Volksgesundung nur so wenig Kreise sand, welche hierfür Verständnis hatten und bewiesen. Das Staunen wurde um so größer, je tiefer man in die letzten und tiefsten Fragen und Notwendigkeiten der Siedlung einbringen konnte. Das Staunen ward fast zum Entsetzen, wenn man auf der anderen Seite die Volksverelendung und die steigende Arbeitslosigkeit der Volksmassen in diesen Tagen der Wirtschaftskrisen und Arbeitsnot vor sich sah. Warum griff man nicht stärker zu den Dingen der Siedlung? Es ist ein großes Verdienst der Regierung Brüning, daß sie auf diesem Gebiet positiv weitergearbeitet hat. In den zwei Jahren wurde die Entwicklung des Siedlungsverstehens und des Sied- lungsgeschehens innerlich und äußerlich um ein vieles mehr weitergetragen als in all den anderen Jahren der Nachkriegszeit zusammen. Fast schien es, als fei es die Ausgabe unseres großen Kanzlers, dieses Gebiet der Volkshoffnung aus dem Werden auch in das Reifestadium zu führen. Doch just in demselben Augenblick wurde durch die aufgezwungene Regierungskrise nicht nur ein Beginnen grausam zerschlagen, sondern was dann kam, drängte mehr und mehr zur Hoffnungslosigkeit. Ein Reichskanzler von Papen wird das Siedlungsproblem nicht lösen, vor allen Dingen nicht mit jenem Stab von Mitarbeitern, die er gerade für diese Ressorts sich auserwählte.
Siedlungswille ist aber Lebenswille.
Siedlungskraft ist Lebenskraft des Volkes. Das ist doch gerade das große Geheimnis unserer Tage und unseres Volkes, daß wir in Stadt und Land trotz all der Nöte und trotz all der Enttäuschungen doch immer große Scharen junger Menschen finden, die leben wollen und hoffen wollen, einmal für das Volk Lebensaufgaben erfüllen zu können. Die Regierungen haben die Aufgabe, politifcheMöglichkeitenzufchaf- fen, diesem Lebenswillen ihres Volkes gerecht zu werden. Wo dürfte das leichter, stärker und wirkungsvoller möglich fein als gerade in der Siedlung? Wir als jungpolitische Menschen haben den Mut, trotz aller Hemmungen der Gegenwart auf große Siedlungswege unseres Volkes zu hoffen. Wer uns dieses Recht nicht zugestehen will, der muß uns gleichzeitig sagen, daß er uns den Glauben an unser eigenes Volk nicht mehr gönnt. Die Zeit des augenblicklichen Still; standes darf aber von uns nicht damit ausgefüllt werden, daß wir unser Bedauern in Kritik oder in Forderungen verlieren, sondern wir müssen den Gedanken der Siedlung weitertragen. Vier Forderungen wollen wir aussprechen und wollen uns Über ihren Wert und ihre Auswirkungen immer tiefer und gründlicher Klarheit verschaffen.
Siedlung braucht Land.
Siedlungsmögliches Land liegt aber fast nur im b e u t • fchen Osten. Darum ist es recht, wenn wir biefes Lanb für bie Sieblungsaufgabe freihaben möchten. Das ist nicht Anmaßung ober „Bolschewismus", fonbern wir sehen hierin nationale ßebensforberungen. Das Iunkertumbes Ostens mag in ber V e r t e i d i -