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Beilage zur Fuldaer Zeitung

, Ar. 240

22. Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied: pf. 129, 34.

Willst Du die Sünde anschauen, fierr: o Herr, wer wird bestehen? Doch bei dir ist Vergebung. Galt,Jsraels (Pf. ebd. 12). Aus der Tiefe schrei' ich zu dir. o Herr; Herr, erhöre mein Gebet.

Epistel: (Phil. 1, 611.)

Brüder! Wir vertrauen auf den Herrn Jesus, daß der, welcher das aute Werk in euch begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tage Jesu Christi. Es ist ja nur recht und billig, daß ich lo von euch allen denke; denn ich habe euch in mein Herz geschloffen Habt ihr doch alle in mei­nen Banden wie auch bei der Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums Anteil gehabt an meiner Freude. Gott ist mein Zeuge, daß ich mich in der Liebe Christi innigst nach euch allen lehne. Und darum bete ich auch, daß eure Liebe mehr und mehr wachle an Erkenntnis und jegli­cher Einsicht, damit ihr beurteilen könnt, was das Bessere ist; damst ihr rein und untadelhaft seid auf den Taa Christi, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus, zur Verherr- lichung und zum Lobe Gottes.

Evangelium: (Matth. 22, 1521.)

Die Steuermünze.

Der Steuergroschen.

Detrachtunq zum Sonnlagsevangeiium.

Die Pharisäer kommen mit ihrer hinterhälti­gen Schlauheit zum Heiland und wollen ihn zu einer Aussage gegen die Steuern bringen, um dann beim römischen Kaiser einen Anklagegrund zu be­sitzen; auf der anderen Seite erbosten sie eine Mög­lichkeit, das Volk gegen ibn aufstacheln zu können. Denn hätte der Heiland sich für die Steuern der Römer ausgesprochen, so mußte er beim Volk, das die Steuern nur ungern .zahlte, in Mißkredit kommen. Die Zwickmühle war also nach zwei Sei­ten hin offen.

Der Heiland macht seinen Lehrvortrag sehr kurz: er läßt sich eine Münze zeigen und weist auf das Bildnis des Kaisers hin. Die Münze ist vom Staat geprägt, er hat sie in Umlauf gesetzt, er macht durch sie die Verhältnisse der Wirtschaft erst richtig gangbar; denn das gegenseitige Hin und Her des Tauschhandels, wo etwa Korn gegen Schuhe getauscht werden, ist eine unbequeme Art. Und nun kommen die schlauen Pharisäer und fra­gen. ob dieser Staat noch ein Recht auf den Steuer- groschen hat. Die Vorteile des Staates wollen sie genießen, aber den Nachteil, das Opfer, wollen sie nicht bringen.

Steuern bezahlt niemand gern", wirst du mir einwenden. Das mag schon sein. Es ist damit wie bei jeder Rechnung. Das Bezahlen ist das Un­angenehme. Aber doch nur ein minderwertiger Mensch, ein Lump, drückt sich um seine Verpflich­tungen, die er zu begleichen in der Lage ist.

Du sagst vielleicht: das mit der Steuer ist auch eine andere Sache. Bei der Rechnung habe ich einen Gegenwert in der Hand. Bezahle ich dem Schreiner einen Schrank, so habe ich ihn auch in meinem flimmer stehen. Aber warum ick, gerade soviel Steuern bezahlen muß, weiß ich nicht; denn mich trifft sie ungerecht. Die anderen sind viel besser in der Lage, sie zu entrichten.

So sagt ein jeder. Der Fabrikant braucht ive Steuer als Wirtschaftskapital in seinem Betrieb. Geht ein Betrieb, io haben die. Arbeiter Brot So sagt er vielleicht, obwohl er weiß, daß es in sehr vielen Fällen gar nicht um den Arbeiter, sondern

um den Gelderwerb geht. Der Arbeiter beansprucht den Steuerabzug als notwendig für die Ernährung seiner Familie. Der Bauer beklagt sich- über jede Abgabe, weil sie das wenige Bargeld mindert, das er in der Hand hat. Dabei vergißt er, daß andere erst jeden Bissen kaufen müssen, den er als Bauer gar nicht rechnet. Und so geht es fort. Jeder trägt seine Steuer nur ungern und diejenigen, die den bestehenden Etat am meisten verneinen, tun es vielleicht nur deshalb, weil sie ihr Gewissen sonst sehr stark zur Verantwortung stellen würden.

Und das in der Wappenseite dargestellte Münz- antlitz wollen sie nicht sehen, obwohl sie die Vor­teile des Staates genießen. Es ist nicht bloß die Münze, die uns ,zum Nachdenken Mutigen sollte. Jede Straße, auf der wir gehen, ist von öffentlicher Hand gebaut. Und ist es nicht der Staat, der in der Polizei dem Lande Ruhe und Ordnung gibt? Bedarf das Land keiner Verwaltung, die feine An­gelegenheiten ordnet? Sind etwa die Beamten überflüssig?

Dagegen will ich auch nichts erwidern", sagst du.Aber es geht nicht immer ehrlich in unserem Staat zu." Gewiß, mein Freund, es gibt Män­gel. es gibt auch Fehler und Mängel in deinem Leben, aber deshalb willst du doch nicht gleich ver­worfen fein. Auch in der Schar der Apostel war ein Judas, und bei uns im Staat, in dem mehr

als zwölf Leute sind, werden auch mehr Judaffe fein. Aber all das besagt nichts dagegen, daß du eine Verpflichtung gegen diesen Staat hast. Denn du bist Teil in ihm Der Staat hat die Aufgabe, Ordnung im Diesseits zu schaffen. Seine Form kann wechseln, aber die Aufgabe bleibt die gleiche Du lebst in ihm, genießt feine Vorteile, so mußt du auch ihn mittragen helfen, gleichwie du dir seine Weitergestaltung in der flutunft denkst. Der echte Staat soll das Wohl der Allgemeinheit wollen Heute aber sieht nur jeder fein Ernzelwolsi im Staate gefährdet, der Bauer will Bauemmah- nahmen, der Arbeiter verficht Arbeitnehmcr- interessen, der Unternehmer kennt nur seine Um ternehmeranlieaen. So ist unter Volk zerspalten in einzelne Gruppen, und das Gefühl für den Staat als flusammenfaffunq des Volkes ist ent- fichwunden. Fremd steht der Deutsche neben dem Deutschen, oft sogar noch gehässig bis aufs Blut, gegen den Zulnkaffer würde er liebevoller fein, wie gegen den Landsmann.

Auch unsere Münze zeigt das Bildnis des Staates. Und die Steuer, die wir bezahlen, be­zahlen wir in den Münzen die der Staat prägt. Wir, die wir im Diesseits stehen, die wir uns zum Dienste Gottes berufen glauben, haben auch die Pflicht, an diesem Staate nicht achtlos vorüberzu­gehen.

16. Oktober.

ihrer Schärfen und Schrecken zu entkleiden - werden lProf. Jostock), da gibt der praktisch, »*n ternebmer als den Niederschlag feiner $8irtf(hnh erfabruna wie feiner Einsicht in die fleitnot 'i? Erkenntnis, daß nicht so sehrProduktiy^ erweitern ng, sondern richtige duktionsverteilung das Problem d' Neuordnung fein muffe, weist auf Bedeutung der Siedlung in diesem % sammenhange, auf die heute so aktuelle Fraget Autarkie, auf den so notwendigen Aufbau einer nicht liberalen, sondern wirklich freien Wirt­schaft, den er gerade in dem Wirtschaftsbild |>et berufsständischen Ordnung nachOuadragesim, anno" verwirklicht sieht.

Den mannigfachen Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaftsordnung un|> Rechtsordnung im neuen Ordnungsbild gehf am 2. Tage von Nell-Breuning nach, ql betont die Notwendigkeit, den Wirtschaftsständen i, ihren eigenen Angelegenheiten rechtsbildende und -schaffende Wirksamkeit zuzugestehen, statt det Einerleiheit in unserer atomisierten liberalen Deh­nung. Prof. Brauer spricht von der Bedeutung und den Möglichkeiten, im vertrauenden flufam- menwirken von Arbeitnehmern und -gebern den Betrieben eine Arbeitsordnung zu geben und ein gemeinsames Berufsethos zu schaffen, als Vorbe­dingung dafür, daß auch der heute entwurzelte Ar» beitspröletarierfein Gesicht finde", zu schaffen. Dr. Gehle behandelt in einem ungemein tchaft durchdachten Vortrag die Fragen der Sozial» Versicherung, die auch in der neuen Ordnung zu lösen fein werden, und zeigt, wie auch die Dan­gen Redner auf ihren Gebieten die Ansatzpunkte, von denen aus Uebergänge aus der alten in die neue Ordnung sich schon jetzt als möglich erweisen«

Es mag zunächst nicht leicht sein, aus den schein­bar nur lose zusammenhängenden Einzelproblemen die tiefen Zusammenhänge mit den großen Ge­dankenlinien der Enzyklika zu erkennen. Die Teil­nahme an den Vorträgen stellt an die zahlreich erschienene Hörerschaft im städtischen Saalbau nicht geringe Ansprüche. Es ist ja auch nicht in erster Linie Zweck der Tagung, Propagandamaterial zu liefern, sondern die praktischen Möglichkeiten und Ansatzpunkte zur Verwirklichung der neuen sozia­len Ordnung herauszuarbeiten. Aber schon das bisher Erarbeitete läßt erkennen und in bet Vertiefung und Verstärkung dieses Eindruckes liegt u. E. der Hauptwerk dieser Woche, daß wir von der Ausführung der in ,,Qua br age». fimo anno" gegebenen Richtlinie» wirklich nicht zwar einen plötzlichen Umschwung bet Krise ober gar ein irbifches Parabies, aber durchs aus oie Einkehr einer auf Gerechtigkeit unb ge­sunder gegenseitiger Hilfe gebauten und darum für alle erspießliche Wirtschafts- unb Gesellschaft»» orbnung erwarten bürfen. Daß bie Ausführung dieser Richtlinien für uns Katholiken heilige Pflicht ist, wird von dieser Erkenntnis zwar nicht begründet, aber sie wird uns doch ein Antrieb dazu fein können. Und erst recht soll und wird sie der Welt zeigen, daß die Befolgung der Grundsätze der Gottesordnung letzten Endes auch rechte Weltord» nung allein gewährleistet.

Dr. Albert Maring. f

Tröstliche Sprüche. 1

Die Umstände Haden weniger Gewalt, uns glücklich ober unglücklich zu machen, als man denkt; aber die Borwegnahme zukünftiger Umstände in der Phantasie eine ungeheure. (Hugo v. Hofmannsthal.)

*

Laß Neid und Mißgunst sich verzehren, Dar Gute werden sie nicht wehren.

Denn, Gott sei Dank! er ist ein alter Brauch: >el Soweit die Sonne scheinet,

Soweit erwärmt sie auch. (Goethe).

Andrücke von der kaihol.-sozialen Tagung des volksoerelns für das kakhEche Deutschland in München-Gladbach.

Ilm die Verwirklichung der EnzyklikaQuadrageshno anno.

Es gab eine Zeit, da war die Jndustriemetro- pole des Niederrheins, München-Gladbach, für den deutschen sozialen Katholizismus und alle die, die unter der Einwirkung des Lohspruches aus hohem MundeGermania docet" dorthin ihre Blicke wandten, so etwas wie die hohe Schule sozialer Arbeit und sozialen Wir­kens. Volksverein, Zentralsitz der christlichen Ge­werkschaftsbewegung, Schule der Führer der So- | zialpolitik, alles das war München-Gladbach. Nun will von diesen alten Tagen des Glanzes ein Wi­derschein neu aufstehen. Der zu neuem Leben er­wachende Volksverein sammelte wieder einmal die Männer der Sozialwissenschaft, die Volksleiter unb Wirtschaftrführer, Laien unb Klerus, bamit bort in gemeinsamer Arbeit bie große Ausgabe, vor bie bie soziale EnzyklikaOuadragesimo armo" die Katholiken der ganzen Welt, ja diese ganze Welt selber gestellt hat, anzugreifen und vorbereitende Arbeit für ihre Lösung zu leisten.

Da? Ziel der in ihrem bisherigen Verlaus so wohlgelungenen Tagung, die mit dem feierlichen Pontifikalamt in der ehrwürdigen Kirche zu St. Vitus, und dem mahnenden Hinweis des hochw. Herrn Weihbischofs Dr. S t r ä t e r auf St Al­bertus den Großen, den berufenen Mittler in den Stände- unb Volkskämpfen feiner Zeit ihren er« bebenben Austakt fanb, hat vielleicht am klarsten Prof, von Nell-Breuning im ersten Vor­trag bes zweiten Tages zum Ausdruck gebracht, wo er barlegte, es fei der Sinn der inQuadra- gesimo anno" etwas im Grunde so einfaches, daß man es gerade darum leicht übersehe: der durch Klassen geschiedenen und geschichteten, durch Der- bandspluralismen durchkreuzten menschlichen Ge­sellschaft .zu zeigen, daß sie naturwendig in sich Leistungsgemeinschaften enthalte, die i n eigener Verwaltung und eigenem Recht ihre gemeinsamen Angelegen­heiten betreuen müssen, aber eingeqlie- bert in die staatlichen und anderen Gesamtheiten.

Das klingt so schlicht unb abstrakt, erweist sich aber im Verlauf unserer Arbeit als reiche Fundgrube für das Material, aus dem die neues»zialc und wirtschaftliche Orbnung, nach bem Bankerott der individualistisch-liberalistischen Wirt­schaftsordnungen und ihrer ebenso unannehm­baren sozialistischen unb kollektiv.)- ftffdjen® egen orbnung aufzubauen sein wirb. In Wirklichkeit ist ja, wie dies auch auf un­serer Tagung immer roieber betont wirb, die Bot­schaft vonQuabragefimo anno" ein Mahn­ruf nicht nur für uns Katholiken, fonbern für bie ganze Menschheit. Nicht eine ka­tholisch-soziale Orbnung neben menschlichen sozia­len Orbnunaen anderer Prägung will sie kenn,zeich­nen, nicht eineKatholische Wirtschaft" neben an­deren Wirtschaftssystemen aufbauen, sie beansprucht das aus den Urerfenntniffen christlicher Sozialphi­losophie unb ber Offenbarung abgesehene, ber menschlichen Natur unb den vom Schöpfer gestell- ten Aufgaben ihrer Erhaltung unb ihres Kultur­aufbaues entfprechenbe Ordnungsbild aufzureißen.

Dieses im ein.zelnen zu zeigen, es an einzelnen Erscheinungen unb Problemen, bie dem Erfah- rungskreis des modernen Sozial- unb Wirtschafts­lebens entnommen finb, gewissermaßen praktisch zu illustrieren, ist Ausgabe ber großen Referate, bie zu je breicn an jedem Tage ber Woche von Ver­tretern ber katholischen Sozial, und Wirtschafts­wissenschaft, wie Dr. M e s s n e r unb Iostock, von Nell-Breuning unb Prof. Brauer ober auch von mitten im Arbeitslager stehenden Prak­tikern, wie Dr. Hackelsberger, gehalten wer­ben. Da hören wir von der Rolle, wie der freie Wettbewerb, von deren Auswüchsen in der bisherigen Wirtschaftsordnung ober Unorbnung wir ja nur zu viel gehört unb gesehen haben, in biefer neuen Orbnung Regelung unb Zügel finben soll (Dr. Meßner), wie Konjunkturen und Krisen, die nicht bem kapitalistischen Syrern als solchen immanent finb, in ber neuen Drbnuna

Sammeltag der Pilgerschaft des hl. Blakes in Brückenau.

Man schreibt uns:

Anläßlich der großen Schlußversammlung des großen Deutschen Katholikentages in Esten fand auf dem Vol- kersberge bei Brückenau ein großer Gemeinschaftstag aller Verehrer des kostbaren Blutes statt. In aller Stille hatte die Pilgerschaft des heiligen Blutes vom Eichs- feld u. von Fulda diesen Weg vorbereitet. Der Berg des heiligen Kreuzes, umgeben von den herrlichen Bergen der Rhön, ist mit seinem stillen Kloster so recht zur inneren Sammlung geschaffen. War schon der im vergangenen Fahre in Fulda abgehaltene Sammeltag, an dem die Ein­weihung des Ehrenmales auf dem Fraüenberge stattfand, ein Zeichen für die immer weiter wachsende Seelenge­meinschaft in der Pilgerschaft, so bewies der diesjährige Sammeltag so recht, daß gerade in den Zeiten der Not und in den Zeiten eines religiösen Aufftieges die 33er» ehrung des kostbaren Blutes weite Volkskreise erfaßt.

Bereits in früher Morgenstunde kamen aus der Um­gegend Brückenaus große Scharen opferfreudiger Pilger, trotz strömenden Regens. Das Tal der Sinn roar erfüllt durch den Widerhall singender und betender Menschen. Gegen 8 Uhr kamen die Autokolonnen aus dem Fuldaer Lande, auch der BoNifatiusstadt Fulda, aus der Harn- melburger Gegend, aus den Tälern der Rhön und aus der Maingegend. Aufiallend groß war die Beteiligung der Eichsfelder, die am Samstag nach Fulda gekommen waren und im St. Jofephsheim liebevolle Aufnahme ge­funden hatten. Allein von Fulda aus fuhren 4 große Vostautos mit fast 200 Teilnehmern, darunter auch die Eichsfelder.

Den Höhepunkt des Tages bildete das feierliche Levi- welches der hochw. Herr Superior unter Upistenz von zwei Missionaren der Ordensgenossenschast der Missionare vom kostbaren Blute in Feldkirch zele­brierte. In einer feinsinnigen, warmherzigen Predigt feierte der hochw. Herr Superior die Herrlichkeiten des kostbaren Blutes und begeisterte die lauschende Menge für die erhabene Sache der Verehrung des heiligen Blu­tes. Und dann die ergreifenden, herrlichen Wallfahrts­lieder! Das Glöcklein verkündet die hl. Wandlung. An- betend knien Jung und Alt, den heiligen Leib und das erhabene Erlöserblut innig verehrend. Lautlose Stille! Dann der erhabenste Anblick der Gang zur Kommu- nionbank! Fast endlos die Reihen. Ganze Familien knien gemeinsam am Tische des Herrn, um sich hier durch

die Kraft des kostbaren Blutes zu stärken für des Alltags Not und Leid. Wie paffend ist doch, was der Priester in der hl. Messe am Feste des kostb. Blutes betet:Zum Tische des Herrn zugelassen schöpfen wir in Freuden Wasser aus den Quellen des Heilandes. Möge uns fein heiliges Blut ein Quell werden, welcher ins ewige Leben quillt. Du hast uns erlöst aus allen Stämmen und Zun­gen und Volkern". Bom Eichsfeld, von Fulda, aus Franken. Preußen, Bayern Baden und Hessen, hier ist sichtbar die einende Macht unseres hl. Glaubens! Nach dem Gottesdienste ein kurzer Imbiß. Dann ver­sammelt sich die Beterfchar bei der festlich geschmückten Heilig-Blut-Kapelle. einer Opfergabe der Pilgerschaft an­läßlich der 225. Walldürvwallfahrt, und betet für die lieben Verstorbenen das 5 Wundengebet. Darauf ziehen die 1200 Pilger in endloser Prozession den Berg hinab ins Tal nach ber festlich geschmückten Badestadt Brük- kenau. Eine solche wuchtige Prozession betender Männer und Frauen hat wohl Brückenau noch nicht gesehen. Die Glocken läuteten zum Gruße. In der Stadtpfarrkirche segnet der Heiland seine Verehrer, die sich hier zum Gruß seines hl. Herzens eingefunden haben.

Nach dem Mittagessen begann um 1-3 Uhr im großen Festsaale des Turnerheimes die große F e st v e r- (ammlung. Ueberfüllt der mächtige Raum. In An­wesenheit des hochw. Herrn Gei st l. Rat Dorbath, des treuen Wächters und Beschützers des heiligen Blut- Korporales in Walldürn, welcher auch der Feier auf dem Volkersberge beigewohnt hatte und an der Prozession mit unfern beiden Heilig-Blut-Missionaren teiluahm, des hochw. Herrn Superior vom Kloster Dolkersberg, des hochw. Herrn Stadtpfarrers Hock, des hochw. Herr Kaplan von Brückenau und der beiden Herren Pa­ter von Feldkirch und der Vertreter der weltlichen Be­hörden in Brückenau wurde die Tagung eröffnet durch die Klänge der beftbemäfjrten Wallfahrts-Musikkapelle. Unter Herrn Hacks Leitung wurde weihevoll:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" intoniert, gleichsam als Vorspruch und Inhaltsangabe dieser Weihestunde. Eine eigenartige Erwartung und eine bewunderswerte Ruhe herrschte in der Menge. Der hochw HerrPfar- rcr Hock begrüßte als Pfarrer der Gemeinde Brük- kenau die ansehnliche Festverfammlung und gab feiner Freude Ausdruck durch feinsinnige, herzliche Worte des Dankes. Dann sprach der Laienführer der Pilgerschaft,

Herr Joseph König aus Küllstedt im Eichsselde. Hier sprach ein Mann des Volkes fo herzliche, warme unb begeifternbe Worte zum Gruße unb als Dank, so fromm unb überjeugenb, daß bie Zuhörer nur so mitge- riffen wurden, lieber 30 Jahre hat dieser Mann mit heiligem Eifer den Führerstarb getragen und für bie Sache bes heiligen Blutes geworben. Seine Worte wer­den noch lange in den Herzen nachklingen und ein freu­diges Echo für die heilige Sache gefunden haben. Dann brachte Frl. Arndt, Fulda, einen gedankentiefen Prolog für diese Tagung zum Vortrag.Künde der Menschheit des Erlösers Liebe, seinen heiligen Frieden! Enthüllet des heiligen Blutes sieghaft Banner! Es tönet der Gna- benruf, zu sammeln ein starkes Geschlecht, ber roütenben Holle zu trotzen!" Diese Gebanken burchzogen bie ganze Tagung! Dann verlas ber hochw. Herr Superior einen Brief bes erkrankten Bruberfchasts-Dorstehers, Herrn Assistent August König in Gotha, ber wohl ber geistige Leiter ber gesamten Hellig-Blut-Bewegung unb ber Wall­fahrtssache sein bürste. Mit großer Mühe hat er bicfen Tag vorbereitet. Allgemein würbe seine Abwesenheit tief bedauert. Wenn das kleine Samenkörnlein, welches in der Pilgerschaft als kleines Pflänzchen aufging, nun­mehr sich zu einem fchattenspendenden Baume, zu einer wahren Bewegung entwickelt hat, so gebührt ihm nach Gott ber Dank. Mit der Bitte, des Erkrankten besonders im Gebete zu gedenken, schloß Herr Pater Superior feine anerkennenden Worte. Dann sprach der F e ft r e b n e r bes Tages, Pater B o o k j a ns als Verterter des hochw. Herrn Provinzials der Deutschen. Ordensprovinz, der lei­der noch so wenig bekannten Missionare vom kost­baren Blute in Feldkirch. In einer inhaltsreichen Rede zeigte er das kostbare Blut als wirksamstes Schutzmittel der Völker. Fünf Wunder der Menschheit? die religiöse, die sittliche, die wirtschaftliche, die soziale und die politische Not drohen heute allen Volkern und damit kommt ihre Vernichtung. Aus den fünf Wunden des Welterlöfers strömt die Quelle, die allen Völkern Kraft gibt in ber heutigen Not. Hier ist die Kraft gegen alle glaubens» widrigen Strömungen der Gegenwart. Boll heiliger Be­geisterung sprach hier ein Jünger des seligen Don Bu- falo, dessen Lebensaufgabe die Verbreitung ber Liebe zum kostbaren Blute Lebenszweck war. Mit tiefem Empfinben würbe von sieben Mädchen ein Weihespiel zur Ehre ber heiligen Blutvergiehungen des Heilandes von der Be­schneidung bis zum Lanzenstich ins hl Herz vorgeführt. Die Symbole ber Leidenswerkzeuge trugen bie Kinder in den Händen Das Schlußbild in bengalischer Beleuch­tung ergriff die Versammlung derart, daß saßt keiner sich der Tränen enthalten konnte. Herr Aug. König, der das Weihespiel zusammengestellt hat unb den ehrw.

Schwestern ber Kinderbewahranstalt, die das Spiel sehr geschickt einübten, herzlichen Dank. Nun ergriff ber treue Hüter bes Heiligtums Wallbürn, hochw. Geists. Rat Dor­bath, unter lautem Beifall ber Pilger bas Wort unb gw feiner Freube Ausbruck über die große Begeisterung, die er für die Ehre bes kostbaren Blutes hier vorgefunden habe. Seit 20 Jahren kenne er die Eichsfelder und Ful­daer Wallfahrer und immer wieder erfülle es ihn mit einer heiligen Freude, wenn er die Ordnung und bas kinblich fromme Singen unb Beten biefer Wallfahrer sehe. Den Dpfergeift unb die tiefe Innerlichkeit, mit der die Eichsfelder unb Fulbaer ihre mit Recht als Bußwege bezeichneten Wallfahrten zur Verehrung bes heiligen Blu­tes in Wallbürn ausführen, habe feine Wirkung nicht verfehlt. Der Segen bes hl. Blutes fei eine ©naben« quelle geworben, für Lanb unb Leute biefer Gegenden. Glückliches Dolk, das fo treu festhält an ber Väter Hein' gern Vermächtnis, an der Liebe unb Verehrung bes kof^tz baren Blutes. Reicher Beifall! Inzwischen war ciuw unser hochverehrter Herr Domkapitular Dr. aus Fulba gekommen, herzlich begrüßt von allen Ful­daern unb befonbers burch feine eichsselbischen Land^' leute. In einer gehobenen Freude bes religiösen M"' erlebens folgte bas gewaltigeGroßer Gott, wir lobe" bich". Nach Schluß ber Versammlung würben an die Hochw Herren Bischöfe in Fulba, in Würzburg unb an ben Hochw. Herrn Erzbischof in Freiburg eine Hmdi' gungsabreffe abgefchickt. Dann war in ber Pfarrkirche eine feierliche Anbacht als Abschluß ber Tagung. Hoch"' Herr Dr. Mock überbachte zuvor allen Teilnehmern de Tagung den Gruß und den apostolischen Segen Exzellenz bes Hochwürbigsten Herrn Bischofs Dr SoifP* Damian Schmitt von Fulba. Der Segen bes göttliche Heilanbes im Sakramente beschloß biefe berzeröebeno» Tagung. Schwer würbe bie Trennungsstunbe! Für Teilnehmer unb auch ff-< Brückenau wird diese recht lange im Gedenken bleiben. Möge der Ruf ZU" Sammeln verstanden worden fein. Wenn bie Opftu *ä bie unsere Pilger für unb an biefem großen Ehrent'm bes kostbaren Blutes gebracht haben, ber Keim für " . weitere Förbernng unb Zeitnahme an ber Wallfahrt Eichsselber unb Fuldaer nach Walldürn unb damit ei bewährten Verehrung bes kostbaren Blutes unseres 3 liebten Erlösers Jesu Christi werben wirb, bann 9 ä Gott die Arbeit unb Opfer biefer Tagung reichlich g* net. Möge bie Heilig-BIut-Bewegung ber Pilgeftch ' | weiter segensreich sich entfalten.

Sei gegrüßt, o heiliges Blut

Komm uns unb ben Armen Seelen zugut' 1 E. P-