Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Ilr. 240
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Sonntag, 1b. Oktober 1932.
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Zahrg. 59.
Herrioks Heimkehr.
Deutschland lehnt die Einladung nach Genf ab.
Das wichtigste außenpolitische Ereignis des Freitags ist die Absage Deutschlands, ohne eine vorherige Klärung seiner Gleichberechtigungsforderungen nachGenfzugehen. Diese Antwort wurde auf eine englische Anfrage von dem jetzt in Berlin weilenden deutschen Außenminister erteilt. Sie wird in politischen Kreisen Berlins -ls eine energische Bekräftigung der bisherigen deutschen Haltung aufgefaßt. Wir können uns keinesfalls, nur um die zwischen Herriot und Mac- donald vorhandenen Schwierigkeiten abzumildern, auf ein Entgegenkommen einlassen, das uns der Gefahr der Üeberrumpelung in der reichlich nebelhaften Genfer Atmosphäre ausfetzt. Di- Londoner Anfrage an die Wilhelmftraße ist ein Beweis dafür, wie stark die Gegensätze bei den Besprechungen in der Downing Street aufeinandergeplatzt sind. Herriot muß dabei eine derartig unnachgiebige Haltung eingenommen hüben, daß selbst Macdonald einen Prestigeverlust — wie ihn die Verlegung der Viermächtekonferenz nach Genf darstellt — in Kauf nahm, nur um nicht sämtliche noch betretbaren Wege einer . Gesprächsverstän- digung zwischen den deutschen und französischen Staatsmännern zu verschütten.
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Ueber die in den Besprechungen zwischen Macdonald und Herriot erzielte Einigung verlautet noch, daß England über die Ablehnung Genfs als Tagungsort durch Deutschland enttäuscht ist. Herriot ist am Freitagabend wieder nach Paris zurückgereist. ,
Darum Deutschland Genf ablehnk.
Der offiziöse Draht meldet:
Wenn sich Frankreich und England jetzt in London dahin geeinigt haben, daß die Viermächte-Kon- ferenz lediglich einen vorbereitenden Charakter haben sollte, so deckt sich diese Ansicht durchaus mit der deutschen. Wenn nun aber die Franzosen diese vorbereitenden Erörterungen i n d e n Rahmen des Völkerbundes stellen wollen, Io ist dies völlig widersinnig. Es ist auch gar nicht die wahre Absicht der Franzosen, die Konferenz in Beziehung zum Völkerbund zu setzen, foiröem es handelt sich lediglich um ein Manöver, Deutschland wieder an die Abrüstungskonferenz anzuschließen. Da der deutsche Standpunkt gegen die Verlegung der Konferenz schon vor einer Woche dem englischen Geschäftsträger gegenüber zum Ausdruck gebracht worden ist, muß die jetzt erfolgte Einladung nach Genf in Deutschland als eine Demütigung angesehen werden. Diese Auffassung kommt auch ganz offen in der französischen Presse zum Ausdruck. Dm übrigen zeigt auch das Auftreten des französischen Delegierten in Genf Massigli und sein Vorstoßen gegen die deutsche Polizei, in welche Lage Deutschland bei einer Viermächte-Konferenz in Genf kommen würde.
Deutschland kann, was die Frage der Konferenz anbetrifft, als Gläubiger der Abrüstung, in Ruhe abwarten, ob die drei übrigen Konferenzpartner ahne Deutschland zusammentreten werden, um so mehr, als der deutsche Standpunkt ganz eindeutig festgelegt ist. Zu dem ursprünglichen französischen Wunsch auf eine Erweiterung der Konferenz hat Deuffchland von vornherein erklärt, daß es keine Einwendungen gegen die Zuziehung weiterer Mächte zu erheben hätte, allerdings als Voraus- setzung fordere, daß nicht nur die französischen Verbündeten dann hinzugezogen würden. Damit wäre aber, wie von Deutschland ebenfalls sofort erklärt worden ist, der Konferenz ein ganz anderer Charakter gegeben worden und die Großmächte hätten vorher doch die Methode der Perhandlungen feftlegen müssen. Offenbar aus der Erkenntnis dieser Tatsache heraus hat Frankreich nicht weiter auf seine Forderung nach Erweiterung des Rahmens der Konferenz bestanden.
PEagtor Schlitz der Dölkerbundsversmnmlung.
cnb. Genf, 15. Oktober. (Eig. Meld.) Die mr heute angesetzte Völkerbundsversammlung, mit °er die jetzige Tagung abgeschlossen werden sollte, P zur allgemeinen Ueberraschung auf Montag verschoben worden. Die Verschiebung 9angt mit den immer noch nicht abgeschlossenen Beratungen über die Reform der obersten Leitung des Völker bundsekretaria- pä zusammen. Es gehen Gerüchte um, daß die lranzösische Delegation sich um Komps, omrsse bemüht, was insofern begreiflich toate, als das Scheitern der Reform natürlich auch die Wahl des Franzosen Avenol «um Generalsekretär außerordentlich erschweren
Englische Blätterstimmen. ■„ •
wtb. London, 15. Oktober. (Eig. Meld.) „Daily Herald", der für Gens als Konferenzort eintritt, der Hoffnung Ausdruck, daß Deutschland mne ablehnende Haltung aufgeben werde. Das Blatt fordert die englische Regierung auf, 2* der Abrüstungsfrage endlich die Führung zu ^rnehmen und eine entsprechende Erklärung Jne weitere Verzögerung abzugeben. „Times" ^lagt vor, bevor man die deutsche Weigerung . $ endgültig annehme, weitere Erklärungen über |p deutschen Standpunkt abzuwarten. Rach An-
Me soll das Reich morgen aussehen?
Richtlinie« für die Verfassungsreform. — Der Reichspräsident auch preußischer Staatspräsident. — Der Reichskanzler auch preutzischer Ministerpräsident. — Die erste Kammer. — Reichsrat und Reichswirtschastsrat sollen verschwinden. — Wahlrecht erst nach 25 Lebensjahren. — Einwahlkreis und Stichwahl. — keine besonderen Landkagsabgeordneten mehr. — Für die Wahl der Gemeinde-Vertretung soll nicht mehr das gleiche Wahlrecht, sondern ein Mehrstimmrecht gelten.
Die Reichsregierung hat nunmehr offiziell die in Frage kommenden Stellen des Reichsinnenmi- nifteriums beauftragt, einen Entwurf zur Reform der Reichsverfassung auszuarbeiten. Für diesen Entwurf bestehen vorerst lediglich Richtlinien, die gleichwohl die allgemeine Tendenz des von der Reichsregierung beabfichtigtenReformwerkes erkennen lassen. Nach diesen Richtlinien sollen die eigentlichen verfassungsänidernden Bestimmungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden, wogegen alles andere durch einfache Verwaltungs- m aß n a hm e n erreicht werden soll.
Die entscheidende Aenderung betrifft die Stellung des Reichspräsidenten, der gleichzeitig preußischer Staatspräsident sein und die Befugnis erhalten soll, als preußischer Staatspräsident den preußischen Ministerpräsidenten und die preußischen Minister zu ernennen. Reichskanz- ler und preußischer Ministerpräsi- d en t würden damit durch Ernennung in Personalunion vereinigt. Dasselbe würde für die übrigen Minister des Reiches und Preußens gelten. Lediglich zwei preußische Ministerien sollen verfassungsgemäß als selbständig bestehen bleiben: Das D n ne n m in i st er i u m und das Fi n a nz m i nist e r iu m. Eine weitere Verfassungsänderung würde dann nur noch den Preußischen L a nd t a g betreffen, der dann nicht mehr die Möglichkeit hätte, den preußischen Ministerpräsidenten zu wählen. Er soll jedoch das Recht erhalten, einmal zu Beginn der Legislaturperiode zu der vom Staatspräsidenten bezw. Reichspräsidenten ernannten Regierung Stellung zu nehmen. Erteilt der Landtag der Regierung kein Mißtrauensvotum, so bliebe diese damit für eine Legislaturperiode im Amt, vorausgesetzt, daß ihr der Reichstag in ihrer Eigenschaft als Reichssgierunq das Vertrauen nicht entzöge und barm der Reichspräsident neue Entschlüsse zu fassen hätte.
Die Reichsregierung ihrersests soll von den allzu unsicheren Einflüssen der Partei- bezw. Zufallsmehrheiten unabhängig gemacht werden. Diesem Ziel dient zunächst die Schaffung einer E r st e n Kammer neben dem Reichstag. Beschlüsse sind nur rechtsverbindlich, wenn sie in beiden Häusern mit den Stimmen der Mehrzahl der gesetzlichen (also nicht der anwesenden Mitglieder) gefaßt sind. Um die Ablehnung eines Reichstagsbeschlufses durch die Erste Kammer unwirksam zu machen, ist eine Zweidrittelmehrheit des Reichstages notwendig. Der Sturz der Reichsregierung oder einzelner Minister wäre an die gleichen Voraussetzungen gebunden. Alle diese das
Verhältnis der Reichsregierung zum Reichsparlament betreffenden Neuerungen würden natürlich gleichfalls Verfassungsänderungen bedeuten.
Die Erste Kammer soll aus dem Reichsrat gebildet werden. Zu den bisherigen Reichsratsmitgliedern, die von den Ländern ernannt werden und etwa ein Drittel der neuen Kammer auÄ- machen sollen, soll ein weiteres Drittel dem bisherigen Reichswirtschaftsrat, also den Berufsorganisationen und Verbänden, entnommen werden. Das letzte Drittel soll aus Persönlichkeiten bestehen, die sich um Staat und Volk besonders verdient gemacht haben Und vom Reichspräsidenten ernannt werden. Der fetzige Reichsrat und der vorläufige Reichswirtschastsrat würden verschwinden. - i
Das Wahlrecht zum Reichstag soll durch Heraufsetzung des Wahlalters (auf 25 Jahre?) und durch Wiedereinführung des Ein-Mann- Wahlkreises mit der Möglichkeit der Stichwahl abgeändert werden. In beschränktem Umfange soll eine Reichswahlliste bestehen bleiben. Die für den Reichstag gewählten preußischen Abgeordneten würden gleichzeitig den Preußischen Landtag bilden. i »
Bezüglich der Gestaltung des Verhältnisses des Reiches zu den übrigen Ländern gelten die Ausführungen des Reichskanzlers in München als richtunggebend die Artikel 17 (Perfassungshoheit) und Artikel 18 (Gebietshoheit der Reichsverfassung betreffend). Entscheidend dürfte hierbei weiter die geplante Neuregelung des Finanzausgleichs fein. Diese soll auch die Gemeinden betreffen. Das Gemeindewahlrecht soll erheblich abgeändert werden; man denkt hierbei an das Pluralwahlrecht, um parteipolitische Gesichtspunkte bei den Ge- meiydeverwaltungen auszuschalten. Bezüglich des Artikels 18 der Reichsverfassung sollen gleichfalls Lockerungen Platz greifen, um das Aufgehen der kleinen deutschen Länder in größere zu erleid? tern.
Bei allen diesen Gedankengängen handelt es sich, wie gesagt, um Richtlinien, die noch keineswegs die Gestalt eines greifbaren Reformvorschlages angenommen baden. Der Reformvorschlag als solcher, der nach Ausarbeitung durch die zuständigen Ressorts das Reichskabinett beschäftigen wird und auch dort noch erheblich abgeändert werden kann, soll bekanntlich dem Reichstag bei seinem Zusammentreten bereits vorliegen.
Konklngenl-MM und Währung.
Dr. Luther und Dr. Schacht.
Das Reichskabinett setzte am Freitag seine wirtschafts- und sozialpolitischen Beratungen fort, wobei u. a. in Anwesenheit des Reichs- bank Präsidenten Dr. Luther auch ein Brief des Reichsbankdirektoriums besprochen wurde, in dem geaen die Kontingente Stellung genommen wird. Es wird festgestellt, daß eine Gefährdung der Währung nicht eintreten werde. In der Frage der Neuregelung der P r e u ß e n k a s s e wurde deren Uebernahme auf das Reich beschlossen. Schließlich ist eine Reihe von Milderungen der Sozialnotverordnung bzw. Erhöhungen der Soziallei-. stungen beschlossen worden.
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Zu der Angelegenheit erfahren wir noch: Parallel zu den außenpolitischen Verhandlungen haben sich auch im Innern einige „aufregende" Vorfälle abgespielt. Der wichtigste knüpft sich an einen neuen Vorstoß, der am Freitag nachmittag gegen den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther unternommen wurde. In der agrarischen .Deutschen Tageszeitung" wurde an die Reichsregierung, die gerade zu einer Kabinettsbesprechung versammelt war, die Anfrage gerichtet, ob es wahr sei, daß das Direktorium der Reichsbank an die Reichsregierung einen Brief gerichtet habe, in dem die Fortführung der Kontingentsverhandlungen als. eine Gefährdung der deutschen Währung bezeichnet wurde. Diese öffentliche Anfrage wirkte nach unseren Informationen auf das versammelte Kabinett ziemlich chokierend. Das hartnäckige Duell, das in den letzten Tagen zwischen D r. Schacht und Dr. Luther durchgeführt wurde, erlangte damit eine neue gefährliche Zuspitzung. Zugleich wurde aber auch der latente Gegensatz innerhalb der Reichsregierung von neuem aufgestochen, der zwischen ihrem
agrarischen und großindustriellen Flügel besteht. Dieser Gegensatz war noch am Tage zuvor durch Ausführungen des Reichsernäh- rnngsminifters vor der preußischen Hauptlandwirtschaftskammer in Berlin scharf beleuchtet worden. Freiherr von Braun erklärte hier, daß er entschlos- fen fei, den einmal beschrittenen Weg der Kontingentierung „unter allen Umständen" weiter zu gehen. Da aber der Reichswirtschaftsminister und mit ihm die gesamte deutsche Industrie diesen Weg der Kontingentierung scharf bekämpfen und, wie es scheint, auch den Reichsbankpräsidenten zu einer nachdrücklichen Vertretung ibrer Ansichten gewonnen haben, so wurden durch den Vorstoß der Kreise, die hinter der „Deutschen Tageszeitung" stehen, diese alten Konfliktsstoffe von neuem aufgewühlt. Es ist im Augenblick noch nicht zu übersehen, ob es dem Reichskanzler noch einmal gelingt, die Austragung dieser Fehde vor den Wahlen zu verhindern. Möglicherweise bleiben diesmal doch Opfer auf der Strecke. Man spricht in den politischen Kreisen im Augenblick, wo diese Zeilen geschrieben werden, sogar wieder sehr ernst davon, daß auch der Reichs bankpräsident Dr. L ückhe r TD diesen Opfern gehören könnte. Selbstverständlich käme in einem solchen Falle nur ein freiwilliger Rücktritt für ihn in Frage, da eine Absetzung durch die Reichsregierung ja bekanntlich nach den Statuten der Reichsbank nicht erfolgen kann. Man sieht jedenfalls, welche Gefahren unter der dünnen Decke der deuffchen Innenpolitik lauern und wie bedroht doch trotz mancher Beteuerungen die Position des Reichskabinetts oder zum mindestens einzelner Minister und wichtiger zu ihm gehörender Berater ist.
sührung der deutschen Bedenken gegen Genf als Versammlungsort bemerkt „Times", daß gleich stichhaltige Einwände auf der anderen Seite gegen irgendeinen anderen Ort als Genf bestünden. In England habe die deutsche Forderung auf Gleichberechtigung fast allgemein Verständnis und Unterstützung gefunden unter der alles überragenden Voraussetzung, daß die Anerkennung der Gleichberechtigung zur Förderung allgemeiner Abrüstung und nicht als Vorwand zur Aufrüstung benutzt werde.
„Morning Post" bezeichnet als Netto-Ergebnis des ganzen „Konferenzgeschwätzes" die Verdunkelung der wirklichen Fragen und die Verbitterung der Oeffentlichkekt. ,
Helmer Rokkin provisorischer völkerbundskommlssar für Danzig.
wtb. Genf, 15. Ott. (Eig. Meldg.) Der Völ- kerbundsrat hat heute vormittag den Vertreter der Abteilung für internationale Verwaltungsfragen im Völkerbundssekretariat, den Dänen Helmer Rot- Lin als provisorischen Völkerbundskommissar m
Danzig bis zum 1. Dezember ds. Is. ernannt. Der deutsche Vertreter, Gesandte von Rosenberg, erklärte hierzu, daß die deutsche Regierung in Anbetracht der ausgezeichneten und allgemein anerkannten Eigenschaften Helmer Rotkins seine Ernennung zum provisorischen Kommissar billige. Ec bedauere jedoch, daß es nicht möglich gewesen sei, sofort einen endgültigen neuen Völkerbunüskom» ntiffar zu ernennen, wie es die schwierige Lage in Danzig vrlange. Er müsse darauf bestehen, daß alle Maßnahmen zur endgültigen Ernennung eines Völkerbundskommissars während der nächsten Ratstagung getroffen werde.
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In einer geheimen Sitzung eines Abrüstungsausschusses sind von französischer Seite überraschend scharfe Angriffe g egen D e utsch- land wegen der angeblichen militärischen Organisation der Schutzpolizei erhoben worden. , > j
Dr. Brüning im Wahlkampf.
CNB. Berlin, 15. Oft. (Eig. Meld.) Wie wir aus Zentrumskreisen hören, wird der frühere Reichskanzler Dr. Brüning im kommenden Wahlkampfe am 19. Oktobe in Köln, am 20. Oktober in Aachen, ferner am 23. Oktober in Man n- h e i m, am 24. Oktober in Bingen, am 25. Oktober in Bamberg, am 30. Oktober in Hagen i. Westf., am 31. Oktober in Recklinghausen, am 3. November in Breslau und am 4. November in Waldenburg sprechen.
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Die am 17. Oktober beginnende Reise des R e i ch s in n en mi nist er s in den Baye- r r sch e n Wald gilt lediglich einer Unterrichtung des Ministers übet die Verhältnisse int Bayerischen Ofthtlfegebiet. Es sind daher weder offi- ztelle Empfänge noch Ministerrede für diese Reise vorgesehen, dagegen ist Vorsorge getroffen, daß der Minister Gelegenheit hat, mit allen Bevölkerungskreisen m Berührung zu kommen. ; ।
Reichspräsident von Hindenburg hat am Freitag den Reichskanzler zum Vortrag empfangen.
• Der Herr Reichspräsident empfing ant Samstag den früheren Staatssekretär tn der Reichskanzlei, jetzigen Regierungspräsidenten in Münster, Dr. Pünder, zur Verabschiedung.
* General Litzmann Alterspräsident des neuen Reichstags? Der Alterspräsident des Preußischen Landtages, General Litzmann, ist von den Natt o n a l s o z i a l i st e n int Wahlkreis Frankfurt an der Oder/Grenzmark als Spitzenkandidat zur Reichstagswahl ausgestellt worden. Die Aufstellung hat den Zweck, zu verhindern, daß Klara Zetktst neuerdings als Alterspräsidentin den Reichstag eröffnet. General Litzmann ist 80 Jahre alt. — Hoffentlich stellt nun nicht noch eine andere Partei, um zu verhindern, daß ein Nationalsozialist Alterspräsident wird, einen Kandidaten auf, der 90 Jahre alt ist. i _j
Die Krüppelfürsorge in Deutschland.
Di« Hauptergebnisse der Reichsgebrechlichenzählung liegen nunmehr vor. Es sind danach 453 494 männliche und 260 076 weibliche, ins- gesamt also 713 570 Gebrechliche gezählt worden. Da sich hierunter zahlreiche Kriegsverletzte be- finden, haben die Zahlen für die Beurteiütng der zukünftigen Aufgaben der vorbeugenden Krüppel- fürsorge nur bedingte Brauchbarkeit. Hierfür ist wichtig die Auszählung der Ursachen des Krüppel- tums bet den 0—2lhährigen. Hier stehen mit 32,9 Prozent angeborene Krüppelleiden an erster Stelle. Es folgen die spinale Kinderlähmung mit 22,1 Prozent und die Tuberkulose mit 11,6 Proz.
Die Zahl der Neumeldungen scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Auch dir Zahl der anstaltspflegebedürftigen Krüppel dürfte sich dem Beharrungszustand nähern. Die Zahl der notwendigen Betten dürfte sogar zurückgehen, da die Fälle mit längerer Behandlungsdauer ab- nehmen. Es wird deshalb notwendig werden, die in Behandlung befindlichen Krüppel darauf durchzumustern, ob sie nicht nur unter gesundheitlichen, sondern auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten noch ausreichend erfolgversprechend sind. Soweit dies nicht der Fall, kommt die viel billigere bewahrende Fürsorge in Frage, die noch erheblichen Ausbaues bedarf. Vielfach ist auch darüber Klage geführt worden, daß die verordneten, zum Teil sehr teuren Apparate oft nicht getragen würden. Dies scheint aber meist daran zu liegen, daß sie schlecht gearbeitet sind und dann Beschwerden verursachen. Dort, wo man die Kosten für ärztliche Verordnung und Anmessung bezw. sachgemäße Herstellung nicht scheut und bet Abnahme streng fachlich nachprüft, soll erreicht werden, daß 80—90 Prozent der Apparate regulär benutzt werden. >
Ernster Ueberprüfung wird die B erufsaus- biüdung bedürfen. Nach einer Erhebung des Selbsthilfebundes der Körperbehinderten sind 38 Prozent der männlichen und 30,5 Prozent dec weiblichen Krüppel seit längerer Zeit arbeitslos.. Dte volle Berufsausbildung ist natürlich eine äußerst teure Maßnahme. Sie sollte nur unternommen werden, wo dte Aussichten des Ausbildungserfolges und die Unterbringungsmöglichkeit im gewählten Beruf gut sind. In allen anderen Fällen wird man sich mit Anlernling begnügen müssen. _ i . i j__ L_uai ll-uL