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Fulda er Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ilr. 239

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Weit im Bild" undSudjenb lütter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Samstag, 15. Oktober 1932.

Monatlich 1.65 etnschlietzl. Postgebühr (48 Pfg.» ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 020 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Frankfurt a. M 4051.

Zahrg. 59.

N. v. Siemens und papen-programm.

Die Wirtschaft braucht Ruhe.

, Aus den Kreisen, die der Regierung von Papen nahestehen, dringen auch immer mehr Warnungen, hie von weiteren politischen und wirtschaftlichen Experimenten a b r a t e n. Die Wirtschaft braucht in jeder Weise Ruhe, das ist der Ruf, der aus füh­renden Wirtschaftskreisen u. aus der der Wirtschaft nahestehenden Presse erklingt. Man hat sich auch hier immer mehr kritisch zu der ge­samten P o l i t ik e i n g e st e l l t.

! Bei der Feier des 85jährigen Bestehens der Firma Siemens u. Halske hielt Dr. C. F. von Siemens eine längere Ansprache, die auch für die breitere Oeffentlichkeit von größtem Interesse ist, weil sie sicherlich von einer Seite erfolgt, die der Regierung von Papen am objektivsten gegen­übersteht. Dr. von Siemens führte u. a. über die Unsicherheit Klage, mit der heute jede kauf­männische Kalkulation belastet ist.Meiner Auf­fassung nach", so äußerte er wörtlich in diesem Zusammenhänge,haben die politisch leitenden Männer aller Länder doch nur eine Pflicht und eine Aufgabe in der heutigen Zeit: alle Wege zu ebnen, um der Wirtschaft zu ermöglichen, einen möglichst großen Teil der Arbeitslosen wieder Ar­beit und Brot zu geben, alles andere muß dage­gen zurückstehen. Dazu gehört aber Ruhe und wieder Ruhe, damit das Vertrauen wie­der langsam zurückkehren kann. Es ist e i n V e r - brechen an der Wirtschaft, der Nähr­mutter der Menschen, wenn durch dauernde politische und wirtschaft­liche Beunruhigung ihr die Möglich, feit, sich zu entfalten, entzogen wird." Herr von Siemens wies dann nachdrücklich auch auf die Rückwirkungen der Kontingentierung hin, auf Grund deren dem Siemens-Konzern schon jetzt schwedische, dänische und holländische Aufträge ent­zogen worden sind. Er macht dabei der gegenwär­tigen Regierung den Vorwurf, daß sie diese grund­sätzliche Forderung der Wirtschaft bisher nicht er­füllt hat.

Gleiche Klagen und Warnungen kommen auch aas führenden Kreisen des U e b e r s e e h a n d e ls. So hat der Hamburger Senat ebenfalls auf die weitgehenden Schädigungen des Ausfuhrhandels mit Holland, Dänemark, Schweden, Finnland, Est­land hingewiesen. Ebenfalls hat der Bremer Senat in einem Telegramm den Kanzler dringend von weiterer Durchführung der Kontingentierung abge- raten, da sie ihre Folgen in den Handelsbezie­hungen zu den nordischen Ländern, aber auch zu Italien immer bedrohlicher zeige, und in gleicher Weise hat der Lübecker Senat sich warnend an an den Kanzler gewandt. Die Wirtschaftskreise wehren sich um so mehr gegen derartige belastende Einschränkungen, weil der Kanzler in Münster bei der Verkündung seines Wirtschaftsprogrammes die Unternehmer aufgefordert hat, die ihnen durch sein Ankurbelungsprogramm gebotene letzte Chance zu ergreifen. Schon heute lehnt die Wirtschaft, das geht auch aus den Ausführungen Dr. von Siemens hervor, und die der Regierung sehr nahestehende ,,D.A.Z." die Alleinver- antwortun^ dafür ab, wenn die Belebung nicht eintreten sollte, weil die Regierung sich der Verantwortung entzieht, die Belastungen zu ent­fernen, die dem Aufkommen jeder Besserung ab­träglich sind.

Auf der Tagung der Fachabteilung für Garten­bau der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer erklärte der R eich sern ährung smini ster, daß er entschlossen sei, den einmal beschrittenen Weg der Kontingentierung unter allen Umständen weiterzugehen.

.Der Verband der Hessen-Nassau- lsch en Industrie- und Hand elskam- mein Vorort Industrie- und Handels­kammer Frankfurt a. M. -Hanau faßte folgende

Entschließung:

Mit der Notverordnung der Reichsregierung zur Be­lebung der Wirtschaft ist zum ersten Mal ein wirksamer Abbau der unerträglichen Lasten eingeleitet worden, die Üch als schwerstes Hindernis einer Belebung der deutschen Wirtschaft erwiesen haben und deren Abbau von den deutschen Industrie- und Handelskammern seit Jahren vergeblich verlangt worden ist Der Verband der Hessen- Nassauischen Industrie- und Handelskammern ist mit der Neichsregierung der Ansicht, daß nur durch eine Stär­kung der Initiative des privaten Unter- u.e h m e r t u m s die Kräfte entwickelt werden können, die zu einer Ueberwindung der Krise führen und begrüßt daher das entschlossene Vorgehen der Reichsregierung.

richtet on die eingetragenen Firmen seines Bezirks dar dringende Ersuchen, nach Kräften dazu beizutragen, um das gemeinsame Ziel nach Wiederbelebung der Wirt- lchaft zu erreichen. Mit Entschiedenheit wendet sich der

Verband gegen den Vorwurf, daß die Notverord­nung der Reichsregierung Steuergeschenke an die Privatwirtschaft verteile. Weitaus der größte Teil der deutschen Wirtschaft ist hauptsächlich infolge der steuerlichen Ueberlastung in letzter Zeit ertraglos gewesen. Wenn sich trotzdem die Arbeitgeber vielfach unter schwe­ren Opfern entschlossen haben, ihren Betrieb fortzufüh­ren, so war dafür in erster Linie das Bestreben maßge­bend, die Existenz der Betriebe und damit der mit ihnen verbundenen Arbeiter und Angestellten zu erhalten. Wenn heute die Unternehmer dem Appell der Reichsre­gierung zu folgen bereit sind, so sind sie sich bewußt, daß es ihre Aufgabe ist, sich mit ihrer ganzen Kratt dafür einzusetzen, daß die große Arbeitslosigkeit überwunden und damit schweres Unheil von dem deutschen Volk abge­wendet wird. Die Bestrebungen der Reichsregierung zur Belebung der Wirtschaft werden zu einem dauern­den Erfolg allerdings nur führen, wenn es gelingt, die noch immer steigende Zerrüttung des internationalen Warenaustauschs zu be­seitigen und sichere Grundlagen zu schaffen. Mit gro­ßer Besorgnis stellt der Verband fest, daß in letzter Zeit unsere handelspolitischen Beziehungen zu einer Reihe von Ländern sich erheblich verschlechtert haben. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Märkte, die auch nur kurze Zeit für unsre Ausfuhr geschlossen waren, später, wenn überhaupt, nur unter schweren Opfern wie­derzugewinnen, sind. Der Verband richtet daher an die Reichsregierung das dringende Ersuchen, bei allen handelspolitischen Verhandlungen die gesamten Belange der deutschen Wirtschaft zu schützen und von allen Maß­nahmen Abstand zu nehmen, die geeignet sind, unsere Ausfuhrmöglichkeiten wesentlich zu verschlechtern, ohne der Landwirtschaft eine beachtliche Hilfe zu bringen.

Dle neuen Arbeiksbeschaffungspläne.

Nachdem es sich gezeigt hat, daß die Arbeits- befchaffungsaktion in der bisher Betriebenen Form nicht zu dem gewünschten Ergebnis einer rasche­ren Wirtschaftsankurbelung zu führen vermag, sind nunmehr die zuständigen Instanzen in eine Bera­tung darüber eingetreten, die zur Verfügung stehenden Kredite möglichst rasch in Fluß zu brin­gen. Insgesamt stehen ja für die Arbeitsbeschaf­fung auf Grund des Regierungsprogramms 335 Millionen zur Verfügung, von denen etwa 100 Millionen bis jetzt begeben sind. Den Rest von 200 Millionen will man nun auf Arbeiten vertei­len, die über die Gemeinden zu gehen hätten, so daß vor allem die Landgemeinden in das Ar­beitsbeschaffungsprogramm eingegliedert würden. Die Form, in der das geschieht, ist aber nicht etwa gleichbedeutend mit der Verwirklichung des sog. Gerecke-Planes, wie es sich überhaupt auch nicht etwa um neue Arbeitsbeschaffungspläne, son­dern lediglich um eine raschere Verwirklichung der schon bestehenden handeln würde. Die Gerecke- Forderung, den Landgemeinden unverzinsliche Kredite zur Verfügung zu stellen, ist von den zu­ständigen Reichsstellen aus Sorge vor finanz- und währungspolitischen Gefahren abgelehnt worden. Dagegen überlegt man sich, ob nicht etwa durch Zinszuschüsse eine Beihilfe an die Landgemeinden gewährt werden könnte. Diese Zinsvergütung würde sich etwa auf denjenigen Spesensatz bezie­hen, der über den 4prozentigen Diskontsatz hinaus- ginge. Im übrigen ist auch eine Umgruppierung im Arbeitsbeschaffungsprogramm insofern erfolgt, als dem Wasserstraßen- und auch dem Landstra- ßenbau erhöhte Zuwendungen unter Beschneidung anderer anfänglich geplanter Arbeiten zuteil wer. den.

Die Reichs-Reform.

Reichskanzler v. Papen hat den ersten Tag nach seiner RücKehr von München mit der Erle­digung der laufenden Geschäfte und mehr internen Besprechungen verbracht. Sn den Ministerien ist man jedoch eifrig beschäftigt, um die Unterlagen für die Kabinettssitzung am Freitag fertigzustel­len. lieber die Münchener Reise erfahren wir von gut unterrichteter Seite, daß sie zwar menschlich eine gewisse Annäherung zwischen dem Reichskanz­ler und den Männern der bayerischen Regierung herbeiführte, daß aber ihre greifbaren Er­gebnisse geringer sind, als in der Oeffentlichkeit zunächst angenommen wurde. Bei den Münchener Besprechungen lagen keine be­sonderen Entwürfe für die Versasiungsreform zu­grunde, wie sie bereits in der Verfassungsabtei­lung des Reichsinnenministeriums im Einverneh­men mit hervorragenden deutschen Staatsrechtlern seit Wochen beraten werden. Auch die Andeutun­gen des Reichskanzlers über Derfasiungsautonomie ufw. geben mehr die Grundzüge der Pläne der

Hufionaloetfammlung in Potsdam?

Plänefchmiede machen grotzzügige Arbeit.

Pläne- und Gerüchtemacher haben jetzt gute tk>etten $n der nationalsozialistischen Korrespon- wird nunmehr in einem aus Berlin datierten Gericht erklärt, die Reichsregierung wolle die Zeit 15 3U den Wahlen dazu benutzen, den Entwurf der ^ue« Reichsverfassung so zu beschleunigen, daß er sofort dem neuen Reichstag vorgelegt werden nnte. Würde der Reichstag nicht zustimmen, Wny mürbe die Reichsregierung noch im N o - $*mber eine Nationalversammlung Potsdam einberufen. Dort soll insbe- ere auch die Frage der Einsetzung einer Reichs- W^eserschaft mit dem Endziel der Wiederherstel- n9 der Monarchie entschieden werden.

On Zusammenhang mit den Aeußerungen der Msrabstalen .Deutschen Zeitung"« welche for­

dert, daß die Derfassungsreform nur auf dem Wege desZwanges von oben" durchgeführt wer­den müsse, erhalten diese Darlegungen eine, die Unruhe der gegenwärtigen Zeit besonders beleuch­tende Charakteristik. Daß es aber mit Deutschland zu Ende märe, wenn weltfremde Leute sich wirklich einredeten, sie könnten mit demGeist von Potsdam" in die Vergangenheit zurückmarschieren und mit der Parole: K ö ck e r i tz und I tz e b l i tz" das deutsche Volk von 1932 kommandieren, das steht fest.

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Der nationalsozialistisch-kommunistische Antrag auf Auflösung be$ Danziger Volkstages ist aöge- lehnt worden. ,______ ,,, , L_____

Reichsregierung, als etwa Verhandlungsergebnisse zwischen dem Reichskanzler und dem bayerischen Ministerpräsidenten wieder. Das Echo, das die vom Reichskanzler gekennzeichneten Grundsätze einer Verfassungsreform in der Oeffentlichkeit ge­funden haben, veranlaßt im übrigen die Reichsre­gierung, ihre näheren Erläuterungen etwas zu dosieren. Man will eine allzu rasche und umfas­sende Behandlung des Gesamtkomplexes vermeiden und die Reichskanzlerrede erst dann näher kom- mendieren, wennkonkretere Bestimmungen" vor­liegen. Daß diese .Konkretisierung" noch vor dem Zusammentritt des neuen Reichstags erfolgen dürfte, gilt allerdings als sicher.

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Im weiteren Verlauf des Prozesses P r eu- tzen - Reich vor dem Staatsgerichtshof wurde eine Stellungnahme des Reichsinnenministers von Gayl sowie ein Telegramm des Reichskanzlers bekannt gegeben, worin u. a. mitgeteilt wird, daß der Kanzler weder persönlich noch durch eine von ihm beauftragte Mittelsperson mit Hitler Verhand­lungen gepflogen oder Vereinbarungen getroffen hätte.

Die zuständigen Abteilungen des Reichsarbeits­ministeriums sind zur Zeit mit der A u s a r b e i tung der Maßnahmen beschäftigt, die der Reichskanzler in feiner Münchener Rede bereits angedeutet hat. Es handelt sich u. a. darum, ge­wisse Unebenheiten in den bisheri- gen sozialpolitischen Maßnahmen, so auch hinsichtlich der Arbeitslosenunterstützung ufw. auszugleichen Es ist möglich, daß die Aus­arbeitung der Pläne bereits in der nächsten Woche beendet fein wird.

Sm Zusammenhang mit den inzwischen erfolg­ten Protesten über die Schlußwendungen der Münchener Papen-Rede wird mitgeteilt: Die dem Reichskanzler unterstellten Ausführungen sind nicht gemacht worden. Der Kanzler hat viel­mehr erklärt, nachdem er vorher von dem Kampf um die - Wiederherstellung der Souveränität und um die Ehre Deutschlands gesprochen hatte, daß, wer sich in diesem Kampf nicht einmütig hinter die Regierung stelle, ein Feind des Volkes sei.

Man sollte ganz allgemein nicht jeden, der an- derer Ansicht ist, alsFeind des Volkes" erklären. Solche großzügige Verdammungsurteile sind un- christlich.

Aeutzerfk pessimistisch.

Die von einzelnen Londoner Kreisen gehegten Hoffnungen, durch die unmittelbare Fühlung, nähme zwischen Macdonald und Her- riot einen greifbaren Fortschritt in der Slbrü- stungs- und Gleichberechtigungsfrage herbeizufüh­ren, werden nach den letzten Nachrichten aus Lon­don in den. Berliner politischen Kreisen äußerst pessimistisch beurteilt. Die Haupttrage dreht sich eigentlich nur noch darum, ob die weitere Behand­lung der Abrüstungsfrage unmittelbar auf der Genfer Abrüstungskonferenz oder in einer Lau­sanner Dor konferenz der Locarno- Mächte fortgeführt werden soll. Herriot ist für die erste Lösung. Macdonald bis zur Stunde für die zweite. Beide beginnen im übrigen einzusehen, daß ohne eine gewisse Vertagung eine Annähe­rung Mischen den von beiden Seiten vorbereiteten Rüstungsplänen nicht möglich ist. Besonders Frank­reich kommt mit so weitgreifenden Vorschlägen, daß bis zu ihrer Behandlung eigentlich die amerikani­schen Präsidentenwahlen abgewartet werden wüß­ten. Es ist der alte Versuch des Quai d'Orsay die ganze Welt zur Sicherung der franzö­sischen Sicherheitzu bemühen. Er dürfte diesmal genau so scheitern, wie er früher geschei­tert ist. Die Gefahr besteht nur darin, daß durch diese Diskussionen die Erledigung der Fragen ver­hindert und von Frankreich Zeit gewonnen wird. Aber dagegen gibt es selbstverständlich Protestmög­lichkeiten. Vorläufig dürfte die deutsche Regierung mit einer gewissen Ruhe den Verlauf der Bespre­chungen zwischen Herriot und Macdonald in Lon­don abwarten. Lädt man zu einer Vorkonferenz ein, so wird Deutschland genau wie gegenüber der Londoner Einladung die Frage nach den Voraus­setzungen und dem Umfang des zu behandelnden Konferenzprogramms stellen. Gehen die Mächte direkt zur Abrüstungskonferenz nach Genf zurück, dann wird die Reichsregierung die Ergebnisse der Konferenz scharf unter die Lupe nehmen. Ein ei­genes deutsches Vorgehen dürste erst dann in Frage kommen, wenn sich auf der Abrüstungskonferenz Herausstellen sollte, daß ihre Beschlüsse mit den berechtigten deutschen Wünschen nicht in Einklang zu bringen sind.

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Heber die Besprechung zwischen Macdonald und Herriot wird von englischer Seite mitgeteilt, daß sie nur den Charakter eines freien Mei - n 11 n a u 1 a u i d)e 5 getragen hätte. Von französischer Seite wird von einem Gegenplan Macdonalds gegen den französischen Abrüstungs­entwurf gesprochen, der u. a. die grundsätzliche Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung vor- sieht. Anfänglich herrschte Optimismus über den Verlauf der Besprechungen, der dann aber wieder einer skeptischeren Auffassung wich. Einem Ge­rücht zufolge soll Macdonald sich auch mit Berlin informatorisch in Verbindung gesetzt haben.

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In den Verhandlungen des 14gltebrigen Aus­schusses in Genf über das Programm für die Neu­bildung der politischen Leitung des Völkerbunds­sekretariats ist eine Einigung der Mächte über die Umbildung des Sekretariats erzielt worden, die alle deutschen Wünsche unberück­sichtigt läßt und sich in ihren Auswirkungen gegen Deutschland richtet. Es sind heftige De­

batten zwischen dem deutschen Vertreter, Frh. von Rheinbaben, und den Großmächten im Gang.

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In her Sitzung des Völkerbundsrates ist in der Verhandlung über die Enteignungsbe­schwerden der Deutschen in Polen ein Vertagungsbeschluß gefaßt worden. Falls der end­gültige Bericht des Dreierausschusses nicht den deutschen Interessen entspricht, ist mit der An­rufung des Haager Schiedsgerichtshofes zu rech- nett. Die Klage der polnischen Minderheiten in

Letzte Nachrichten.

5 Gehöfte in Flammen.

Berns Haufen bei Schlitz, 14. Oktober. (Drahtmeldung) Heute morgen gegen 11 Uhr brach in dem Anwesen von Frau Hohmeier ein Brand aus. der sich bei dem herrschenden starken Wind mit rasender Schnelligkeit aus- breitele. In kurzer Zeit standen vier welkere Gehöfte in Flammen. Die Wehren der ganzen Umgebung eilten herbei, auch die Ul o k o r- spritze aus Fulda wurde alarmiert. Den vereinten Bemühungen der wehren wird es hof­fentlich gelingen, weiteres Unheil von dem Dorfe abzuwehren, wie wir hören, sind die Gefchädigten größteneils durch Versicherung gedeckt. Die Brand- urfacheist noch nicht bekannt.

Deutschland wegen angeblicher Verstöße der deut­schen Minderheitenpolitik sind vom Dölkerbundsrat abgelehnt worden.

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In einer streng geheimen Sitzung des Büros der Abrüstungskonferenz wurde beschlossen, das Vollbüro der Abrüstungskonferenz zum 3. Novem­ber einzuberufen.

* Der Klepper-Unkerfuchungsausfchuh des preu- ßifchen Landtags beschloß, wie der offiziöse Draht meDet, im Anschluß an den Vortrag des Abge­ordneten Steuer auf Antrag der Nationalsozia- liften mit den Stimmen der Antragsteller und der Deuffchmationalen bei Stimmenthaltung der Kom­munisten, die Akten an die Staatsan­waltschaft weiterzuleiten mit dem Er­suchen, gegen die schuldigen Personen sofort ein Strafverfahren einzuleiten und sie in Haft zu neh­men. Der Antrag richtet sich besonders gegen den früheren Minister Klepper.

Der Wahlaufruf der SPD.

Der Vorstand der Sozialdemokratischen Pa-rtek hat einen Aufruf erlassen, in dem eingangs zu der Rede des Reichskanzlers Stellung genommen wird.

Gegen die Plane der Regierung der Barone stelle sich die Sozialdemokratie zur Verteidigung und zum Gegenangriff.

Dec Aufruf fordert dieEnteignung der staats st reich lüsternen Dynastien" und des Großgrundbesitzes, die Verstaatlichung der Banken und der Schlüsselindustrien, die plan­mäßige Leitung der Wirtschaft zum Wohle der Ge­samtheit durch einen sozialistischen Staatswillen!

Die Nationalsozialisten hätten der so­zialen Reaktion in den Sattel gehol­fen. Ihr jahrelanger Kampf gegen die Republik habe der Reattion den Weg zur Macht geebnet.

Die Kommunisten hatten, statt Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie für die Rechte des arbeitenden Volkes einzutreten, in zahllosen Parlamentsabsttmmungen und beim Volksentscheid am 9. August 1931 gemeinsam mit den Nationalsozialisten und Deutschnationalen den Kampf gegen die demokratische Republik geführt. Jetzt ernteten sie, was sie gesät hätten.

Wer die demokratische Republik, das gleiche Wahlrecht und das parlamentarische System jahre­lang mit Hohn und Haß bekämpft habe, der könne sie heute nicht gegen die Barone verteidigen.

Zum Schluß heißt es:

Es geht um alles!

Meder mit der Baronswirtschaft! Kampf der Reattion und ihren Staatsstreichgelüsten!

Vorwärts am 6. November für Demokratie und Sozialismus mit der Eisernen Front unter den Fahnen der Sozialdemottatie! Freiheit!

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Auf Veranlassung des Oberreichsanwalts nahm die Politische Polizei am Donnerstag im ganzen Reick überraschend Haussuchungen nach illegalen Druckschriften vor.

wtb. TNnkden, 14. Okt. (Eig. Meld.) General Tschenschiehyan, Mitglied des Geheimen Staatsrats von Mandfchukuo, hat ei­nen Kollegen aus Rache beim Abendessen überfal­len und mit einer Axt lebensgefähr­lich verletzt.

* Das sozialdemokratische OrganBeamten­gewerkschaft" ist bis zum 25. Oktober vom Ber­liner Polizeipräsidenten verboten worden.

* Verurteilung eines französischen Adventisten wegen MMärdienstverwefgerrmg. Das Militär­gericht in Nancy verurteilte einen Soldaten zu sechs Monaten Gefängnis, der als Anhänger der Adventistensekte den Gewissenseinwand gemach! und sich geweigert hatte, an Samstagen an den Hebun­gen teilzunehmen. Der gleiche Soldat war bereits früher einmal aus dem gleichen Grunde zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. , , j