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Zahrg. 59
Donnerstag, 13. Oktober 1932
Selchsautzeumlnifler gehl nicht nach Gens
Em höflicher Absage-Brief
Poncet bei tzerriok
Reichskanzler und Reichstagsparteien in heftigem Kampfe.
Ein Kürzungs-Kommissar.
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des wir
eine dauernde Gesundung Ausbau der Berfas- Reiches. An den großen
darin Recht gegeben.
Vorbedingung für der Wirtschaft sei ein s u n q des deutschen
Für politisch geschulte Leser bedarf es wohl keiner weiteren Worte, um zu zeigen, wie verhängnisvoll hier sich die Dinge z u s p i ß e n.
Grundgesetzen im Teil 2 der Weimarer Verfassung, betonte der Kanzler, soll man nicht rütteln, aber die Formen des politischen Lebens gilt es zu erneuern und den Bedürfnissen des Volkes anzupassen. Als Gegengewicht gegen einseitige, von Parteiinteressen herbeigeführte Beschlüsse des Reichstages bedarf Deutschland einer besonderen E r st e n Kammer mit fest abgegrenzten Rechten und .starker Beteiligung an der Gesetzgebung. Die Reichsregierung beabsichtigt, die Verfassungsreform
Ein schwerer Schlag.
Ptofeff im Auswärtigen Ausschuß.
Eine Rede des Kanzlers.
Bon Paps» vor der bayerischen Wirtschaft.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im ißtlö" und „Luchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei In Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. ::
Der Reichskanzler begann am Dienstag nachmittag in München mit der bayerischen Regierung seine politischen Berhandlungen. Am Abend fand dann bei Ministerpräsident Dr. Held ein großer Empfang statt, auf dem Held und Popen Ansprachen hielten, wie sie bei solchen festlichen Gelegenheiten gehalten zu werden pflegen.
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Geheim rat Franz von Slotom, Mitinhaber des bekannten Berliner Bankhauses Hardy & Co., der bereits vom Reich nach Gelsen- kirchen zur Nachprüfung entsandt worden war, soll zum Reichskommissar ernannt werden, um hie Gehälter der leitenden Angestellten rn den staatlich subventionierten Unternehmungen zu über prüfen.
Der Herr Reichskanzler sprach — nach dem Eindruck am Rundfunk — sehr erregt und heftig. Wie es mit dem Vertrauen der Breiten Massen des Volkes steht, wird sich am 6. November ergeben. Die Zuhörer, bayerische Industrielle, die lebhaften Beifall spendeten, sind nicht das Volk.
Der offiziöse Draht meldet: Vor dem Münchener Phöbuspakast, wo Popen sprach, hatten sich Ansammlungen gebildet, in denen vorwiegend jugendliche Nationalsozialisten und Kom- m u n l st e n zu bemerken waren. Die Landes- polizei war genötigt, mit einem starken Kommando einzugreifen, um den Straßenverkehr aufrecht erhallten zu können.
ttn Rundfunk übertragen wurde.
Der Kanzler betonte, er habe durch fernen, dem bayerischen Staate geltenden Besuch beweisen wollen, wie fest er durchdrungen sei von der Notwendigkeit der gleichen Mitwirkung aller deutschen Stämme an der Gestaltung des deutschen Gesamtgeschickes. Auch das Reichskabinett bestehe zur Hälfte aus Süddeutschen.
Die Hoheit des Reiches in seiner Weltgeltung wieder zum Ausdruck zu bringen, fuhr der Kanzler fort, ist die vornehmste Aufgabe der Reichsregierung. Gerade, weil wir den Frieoen wollen, fordern wir die Grundrechte der Freiheil und Gleichberechtigung. Unser Ziel ist ein neues, friedliches Europa, das geordnet rst nach den ewigen Gesetzen der Eerechtigkeir und Selbstbestimmung der Völker.
Zum Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung erklärte der Kanzler, daß kaum eine Regierunqs- maßnahme der Nachkriegszeit in ihrem grundsätzlichen Teil so z u st i m m e n d e n Widerhall b e t i e t Wirtschaft gefunden habe. Der Leitsatz auch des Wirtschaftsprogramms sei, Vertrauen zu schaffen, und er glaube, daß der Anfangserfolg nicht ausgeblieben ist, ja sich bereits in einem Ausmaße eingestellt hat, der für die Zukunft hoffnungsvoll stimmen kann. Wenn Hitler erklärt habe, das wirtschaftliche Programm der Reichsregierung könne bereits jetzt als erledigt gelten, so sprächen die Tatsachen über die Gestaltung des Arbeitsmarktes ausreichend und deutlich überzeugend gegen diese Behauptung.
Aber auch in einem anderen Punkte habe die wirtschaftliche Entwicklung der Reichsregierung Recht gegeben. Die günstigere Beurteilung der w e ltw irtschastlichen Entwi cklungs- a u s s i ch t e n hat angehalten. So haben sich vor allem die Rohstoffpreise weiter behauptet.
Den Gedanken einer grundsätzlichen Au- tarkre lehne die Reichsregierung ab. Trotzdem seien Notstandsmaßnahmen zum Schutze unserer Landwirtschaft, wie das Reichskabinett sie für unvermeidlich erachtet habe, notwendig gewesen. Wir können nur hoffen, sagte der Kanzler, daß die kommende Wirtschaftskonferenz die industriellen Zollmauern und die Wäh- rungsschwierigkeiten, denen eine so große Zahl von Ländern unterliegt, beseitigen wird.
Gegenüber der starken Kritik an dem sozialpolitischen Teil des Regierungsprogramms betonte der Kanzler, er habe nur das eine Ziel: möglichst viele Millionen von Arbeitslosen wieder Arbeitsmögllchkeiten zu verschaffen, und der bisherige Erfolg des Wirtschaftsprogramms habe ihm
Der Reichskanzler v. Popen war mit dem Reichswehrminister am Sonntag Zeuge eines Pferderenne ns in Berlin-Karlsho^t. bei welchem fünf von acht Pferden auf einer falschen Bahn starteten und damit auch falsch durchs Ziel gingen.
Ist das ein Symbol?
Auch die Rennbahn kann politische Lehren vermitteln: Wer einmal auf die falsche Bahn geraten ist, wird, auch wenn er alle Hindernisse niederreitet, doch nicht durch das richtige Ziel kommen!
wtb. Paris, 12. Oktober. (Eig. Meld.) Wir „Matln" berichtet, hat Ministerpräsident H e r - riot gestern eine lange Unterredung mit dem französischen Botschafter in Berlin, Francois Poncet.
Der Kompromißankrag,
pt dann mit den Stimmen aller Par- abgesehen von den Kommunion und den Deutschnationalen, an- ?e.n»mitten wurde, stellt zunächst das Fery- {ort$Cn d" Reichsregierung fest und fährt dann
...Das verfassungswidrige Verhalten der Reichs- iäienmg wird besonders dadurch gekennzeichnet, :'V*6 ste sich allerseits mit scharfer Betonung beruft die Reichsverfassung, um daraus die uneinge- §rankte Ausübung aller verfassungsmäßigen einer vollberechtigten Regierung für sich rwleiten, daß sie anderseits aber ihren versas- kj^lsmäßigen Pflichten gegenüber der Bolksver-
lU1»a sich entzieht. Die Reichsregierung hat sich
Der Leipziger Prozeß.
Ministerialdirektor Dr. Gottheiner gab mit ausdrücklicher Zustimmung des Reichskanzlers folgende Erklärung ab:
Eine Vereinbarung des Reichskanzlers mit Hiller über ein Vorgehen gegen Preußen ist nicht getroffen. Verhandlungen darüber haben zwischen ihnen nicht stattgefunden. Auch die Aufhebung des Uniformverbotes, die Wiederzulassung der SA.-Truppen und die Wiedergewährung politischer Freiheiten waren nicht Gegenstand von Vereinbarungen zwischen dem Reichskanzler und Hitler, gehörten vielmehr von vornherein zum Programm der Reichsregierung, die von sich aus entschlossen war, aus Gründen der Gerechtigkeit Ausnahmebestimmungen gegen die Rat onal» sozialisten zu beseitigen.
Nach einem Einwurf Dr. Brechts betonte der Reichsgerichtspräsident, es sei kein Zweifel, daß Besprechungen zwischen Nationalsozialisten und der neuen Reichsregierung nahestehenden Persönlichkeiten damals stattgefunden hätten, und daß sich daran gewisse Erwartungen der Nationalsozialisten geknüpft hätten.
Professor Heller wendet sich gegen das Dementi des Ministerialdirektors Gottheiner, wonach die Reichsregierung keine Verhandlungen mit den Nationalsozialisten über das Vorgehen gegen Preußen gepflogen habe. In dieser Form 'werde auch die Behauptung gar nicht aufgestellt. Nicht die Reichsregierung in corpore, wohl aber einzelne Reichs Minister hätten entsprechende Verhandlungen mit Verabredungen geführt.
Damit ist die Erörterung der tatsächlichen Vorgänge vor dem 20. und am 20. Juli beendet. ,
Hebet „Umtriebe Des ExkronprlUM-
berichtet in sensationeller Aufmachung die Dienstag-Abendausgabe des „Vorwärts" (Nr. 480 vom 11. Oktober). Er bezichtigt den Exkronprinzen hochverräterischer Pläne zur Wiederherstellung der Monarchie und behauptet, er betreibe zur Zeit eine fieberhafte Tätigkeit, die „auf seine E i n s e t - zungzumReichsverweserunterBruch der Verfassung und auf Wiederyer- stellung der Monarchie gerichtet" fei. Der „Vorwärts" erklärt, er könne „unter Beweis" stellen, daß der Exkronprinz folgende Erklärung abgegeben habe:
„Papen, Schleicher, Hindenburg und er, der Ex- kronprinz, wüßten, was sie wollten und seien sich einig. In einem geeignet erscheinenden Zeitpunkt würde Hindenburg ihn zum Reichsverweser bestimmen und zurücktreten. Er werde sich dann auf die Reichswehr, die aus das Reich übergegangene Schutzpolizei und 400 000 bewaffnete Stahlhelmer stützen. Einen neuen 9. November werde es nicht wieder geben. Die Träger dieses Planes feien entschlossen, für ihre Sache zu kämpfen und, wenn es sein müßte, zu sterben. Rupprecht von Wittelsbach sei mit ihnen einverstanden und werde an demselben Tage, an dem er, der Exkronprinz, Reichsverwefer werde, an die Spitze eines Donau» königreiches treten."
Der „Vorwärts", dem mir die volle Verantwortung für diese Mitteilungen überlassen müssen, erklärt wiederholt, daß er den Beweis für diese Behauptungen antreten könne, und er stellt an die verantwortlichen Reichsminister von Papen, von Schleicher und von Gayl die öffentliche Frage:
„Sind die Absichten des Exkronprinzen bekannt und tote stellen Sie sich dazu? Sind Sie sich darüber klar.
Nach Wiedereröffnung der Ausschußsitzung Auswärtigen Ausschusses, Über dessen Beginn berichteten, lag ein gemeinsamer Kompromißantrag ber Nationalsozialisten, der Zentrums- und der Bayerischen Volkspar- -ei vor. Vor der Abstimmung erklärte Dr. Breit- icheid, daß die Sozialdemokraten dem Antrag zustimmten, wenn auch aus anderen Gründen «'s bje Nationalsozialisten.
Am Dienstagvormittag hielt der Kanzler München vor den Vertretern der bayerischen Gesamtwirtschaft eilte längere Rede, die, wie üblich,
Der neue rumänische Außenminister Ti 1 ulescu hatte am Dienstag eine zweistündige Uifterredimg mit Herriot über den französisch-russischen und den rumänisch-russischen Nicht- angriffsoertrag.
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wtb. Tokio, 12. Oft. (Eig. Meld.) Das Außenministerium dementiert entschieden das Gerücht, daß Japan wegen eines Bündnisses an Frankreich herangetreten sei.
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Zwischen Macdonald und Amerikas Vertreter auf der Abrüstungskonferenz, Da- vis, hat eine Unterredung über die Abrüstungsfrage stattgefunden, die sich insbesondere auch auf die Seeabrüstung bezog.
Ein Abrüstnnqsbrief bekannter englischer Persönlichkeiten.
wtb. London, 12. Oktober. (Eig. Meld.) „Times" veröffentlicht ein längeres Schreiben zur Abrüstungsfrage, das von vielen bekannten Persönlichkeiten des britischen öffentlichen Lebens unterzeichnet ist, u. a. von Lord Churchill, Lord John, Lord Grey und Sir Walter Layton. In dem Schreiben wird gesagt, daß a n der moralischen Verpflichtung für allgemeine Abrüstung kein Zweifel bestehe. Bei der gegenwärtigen Lage seien nur drei Auswege möglich, entweder derartig weitgehende Abrüstung, daß die Welt und die gemäßigteren Kreise m Deutschland befriedigt sind, oder eist eistsei- tlges Vorgehen Deutschlands oder eine Vereinbarung über ein begrenztes A u f r ü st e n Deutschlands. Die Unterzeichner des Briefes sprechen sich entschieden für das erste Verfahren aus, für das Präsident Hoover eine Grundlage gegeben hafte. . . .
daß das Treiben des Exkronprinzen den T a t b e st a n d des Hochverrats erfüllt und sind Sie gewillt, die rechtlichen Konsequenzen zu ziehen? Wind der Oberreichsanwalt seine Pflicht tun?"
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Die Reichsregierung erklärt zu den im „Vorwärts" Nr. 480 vom 11. Oktober unter der lieber« fchrift: „Umtriebe des Exkronprinzen" veröffentlichten Gerüchten über eine angebliche Einsetzung des früheren Kronprinzen zum Reichsverweser und die daran geknüpften Kombinationen, daß es sich hierbei um ein reines Phantasieprodukt handelt.
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Auch von einer Seite, die dem früheren Kronprinzen nahesteht, werden die genannten Behauptungen als Unsinn und Wahlmache bezeichnet.
Wir glauben auch nicht, daß der Exkronprinz im Ernst wieder eine aktive Rolle anstrebt. Volksstimmung von 1918 gegen ihn und alles, was mit seinem Hauptquartier in Charleville in der französischen Etavpe zusammenhing, kann er doch nicht ganz vergessen haben.
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Aus Potsdam meldet T. 11.: Der Obersteuersekretär Wilde, der in der „Potsdamer Tageszeitung" einen Aufruf veröffentlicht hatte, teilt mit, daß ihm entgegen der Darstellung der natio- nalfozialistifchen Gaupressestelle bis zum Dienstagvormittag weder von feinem Ausschluß aus oer Partei, noch von der Enthebung vorn Amt eines Ortsgruppenleiters etwas bekannt geworden fei.
moaerZertung
Anzeiger für die Slaöt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
in engem Einvernehmen mit den Ländern durchzuführen. Die geschichtlich gewordenen deutschen Staatsgebilde sollen nicht vergewaltigt werden. Die Reichsregierung lehnt jede Maßnahme ab, die eine Zerschlagung Preußens bedeutet. Das Schwergewicht der Reform muß in der Beseitigung des allgemein beklagten Dualismus zwischen Reich und Preußen liegen. Dieses Ziel wird durch Zusammenfügung der wichtigsten Organe des Reiches und Preußens erreicht werden. Im Zusammenhang hiermit wird es durchaus möglich fein, den übrigen Ländern die gerade von bayerischer Seite erstrebte Verfassungsautonomie zu gewähren. Auch die durch Artikel 18 der Weimarer Verfassung beseitigte Gebietsautonomie für die lebensfähigen und lebenswilligen Ländern kann wieder hergestellt werden. Die Reichsregierung wird den Verfassungsentwurf soweit fertigstellen, daß der neue Reichstag ihn bei seinem Zusammentritt vorfindet.' Möge er beweisen, daß er dieser großen Ausgabe gewachsen ist..
Der Kanzler setzte sich dann mit seinen Schützlingen, den Nationalsozialisten und der Enttäuschung vom 13. August auseinander. Es fei bekannt, daß derReichspräfident, dem allein die Berufung des Kanzlers zustehe, Hitlers Anspruch der,, Totalität abgelehnt habe. Eine persönliche Abneigung etwa gegenüber dem Führer der Bewegung könne gar nicht in Frage kommen — denn der Reichspräsident steht turmhoch über solchen Erwägungen — es sind ausschließlich prinzipielle Beweggründe gewesen, die das Urteil des Staatsoberhauptes geformt haben. Der nationalsozialistische Grundsatz der „Ausschließlichkeit," des politischen „Alles oder nichts," ihr mystischer Messiasglaube an den wortgewaltigen Führer als den einzigen zur Leitung der Geschicke Berufenen gebe ihr den Charakter einer politischen Konfession. „Und eben darin sehe ich den unüberbrückbaren Unterschied zwischen einer konservativen Politik aus dem Glauben und einem nationalsozialistischen Glauben auf Politik."
Der Kanzler erklärte abschließend: Wenn jemals eine nationale Bewegung eine Pflicht gehabt hat, dann ist es die, dem Reich bei seinem Kampfe um die Herstellung der Souveränität und um die Ehre der Nation nicht in den Rücken zu fallen. Wer (ich in diesem Kampfe nicht eindeutig und geschlossen hinter die Regierung.stellt, ist ein Feind des deutschen Volkes. Die Reichsregierung hat bet ihrem Antritt als oberstes Ziel ihrer Jnnen- polltik die Vereinigung aller wahrhaft nationalen Kräfte proklamiert. Dieses Ziel bleibt unverrückt. bestehen. Die Reichsregierung ist entschlossen, den ihr vom Reichspräsidenten erteilten Auftrag der Neuordnung unseres Staats- und Wirtschaftslebens bis zum Erfolge durchzuführen. Sie hat dazu den Willen und die Macht, und ich zweifele nicht, daß der Erfolg das heute schon fühlbare. Vertrauen, der breiten Massen des Volkes vollenlds gewinnen wird. Mit Hindenburg für ein neues Deutschland!
Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath ist am Dienstag wieder in Berlin tingetroffen.
Einer Londoner Havasmeldung zufolge wird bje Reichsregierung aufgrund des Konsultativpakts über den Inhalt und den Fortschritt der bevorstehenden französisch-englischen Unterredungen verständigt werden. Man nehme in englischen Mündigen Kreisen an, daß während dieser Unter« rebungen der gegenwärtig von der französischen Regierung vorbereitete Abrüstungsplan nicht behandelt werden solle.
! " Am Dienstag fand in Lonodn eine Sitzung des englischen Kabinetts statt, an der zum ersten Mal die neuen Minister Collins und Elliot teilnahmen. Die Besprechung drehte sich in erster Linie um die gesetzgeberischen Maßnahmen zur I n k r a f t s e t. zu n g der Ottawaer Abmachungen. „Eoening News" zufolge sollen auch das Ädrü- stungsproblem, die deutsche Gleichberechtigungsfor- derung, die bevorstehende Zusammenkunft Macdonald und Herriot und die geplante Londoner Vier- machtekonferenz besprochen worden fein.
wtb. Genf, 12. Oft. (Eig. Meld.) Reichsaußenminister Freiherr von Neurath hat dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz auf die Frage, ob er in der nächsten Zeit nach Genf kommen werde, in verbindlichen Worten geantwortet, daß die Reichsregierung inzwischen eine Einladung der englischen Regierung zu einer Besprechung nach London erhalten und offiziell angenommen habe. Unter diesen Umständen sei es dem Reichsaußenminister nicht möglich, anderweitig zu disponieren.
Der große Pharisäer.
Der Geheime Finanzrat Hugenberg bilde! sich bekanntlich ein, daß es in Deutschland „nationale" Menschen gibt, das sind seine Parteigenossen, und alle anderen das Prädikat „national" nicht verdienen. „Der Nationalsozialismus mag tun was er will" so führt Dr. Hugenberg aus, „wenn wir anderen nationalen Menschen jetzt unsere Pflicht tun, so bleibt es bei dem einen großen Ergebnis der letzten drei bis vier Jahre: Wei. mar und feine fürchterlichen Zirkel find zerstört."
Weimar hat bekanntlich aus dem im Jahre 1918 drohenden Chaos Deutschland gerettet. Zu dem Chaos aber hatten die großartigen Führer aus dem Sager, das sich mit pharisäischem Hochmut „das nationale Deutschland" nannte, uns hin- geführt. Man könnte wirklich über solche Anmaßungen lachen, wenn sie nicht so bittere Schlüsse auf das zuließen, was in Deutschland möglich ist, im „Volk derDenke r".
also durch ihre erneute grundlose Weigerung, vor dem Auswärtigen Ausschuß zu erscheinen, eines wiederholten Verfassungsbruches schuldig gemacht. Dem neuen Reichstag bleibt es Vorbehalten, daraus die verfassungsmäßigen Folgerungen zu ziehen. Die Weigerung der Reichsregierung, dem Auswärtigen Ausschuß Rede und Antwort zu stehen, bedeutet aber auch eine schwere Schädigung der außenpolitischen Stellung des Reiches, da die Reichsregierung damit vor aller Welt beweist, daß sie nicht den Mut findet, für ihre von schweren Mißerfolgen in Lausanne und in Genf begleitete Außenpolitik ein« zustehen und eine 11 nterstützung im Volk und in der Volksvertretung zu suchen. Ihre außenpolitische Aktion entbehrt deshalb von vornherein des nötigen Gewichts. Das Wohl der Nation verlangt ge» bieterifrf) d i e alsbaldige Beendigung dieses verderblichen und verfassungswidrigen Zustands."