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»autoritären Staatsführung" etwas anderes bezwecken, °Is sie vorgeben . Die Regierung Popen muß sich ichon gefallen lassen, daß man prüft, ob nicht auch Hiner der sogen. „Iugendertüchtigung" ganz einseitige poli- " s ch e Ziele der hochgeborenen Herren stecken, die sich Führung eines „omnipotenten Staates" uno zur ^chofsung einer „gottgewollten Ordnung" berufen fühlen, »oll die deutsche Iungmannschaft nicht vielleicht lediglich w rückgratlosen „Untertanen" und braven „Rekruten" 7£rtüchtjgt" werden, die nicht selbständig zu denken und ledes 2Bort aus dem Munde der „Herren" als Offen- arung anzusehen haben?
_ Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß man in den Reifen der Iugendverbände sich Gedanken um das «“eidjsturatorium" macht. Auch auf der Führer- [S.® Ung der Windthorftbünde, die kürzlich in ienberg stattfand, beschäftigte man sich mit der „Ju- ^udertüchtigung". Dabei wurde ein offenes Bekennt- Hk®Um Opfergedanken für Heimat, Volk Vaterland abgelegt. In unseren Reihen gibt keine Diskussion über die sittliche Verpflich- i”g des Eintretens und des Schutzes von und Vaterland. Jeder von uns stellt sich Atzend und wehrend, wie vor seine Familie und Hei- 1° auch vor sein Volk und Vaterland. Wir b e -
küh, irkt, und
Wir erörterten im vergangenen Herbst den von Kaplan Beils stammenden Plan einer Gemeinschafis- fieMung junger Katholiken im brasilianischen Urwald Heute können wir berichten, daß man an die Ausführung gegangen ist. Wir nehmen an, daß auch manche aus dem Leserkreis des „Blatt der Jugend" sich für das interessieren, was uns Dr. Konrad Theiß über den Fortgang der Siedlung mitteilt:
„Von feiner letzten Fahrt brachte uns der Zeppelin aus Südamerika einen dicken Brief. Da waren Bilder drin und eine Landkarte, ferner die Abschrift eines Kaufvertrages und sehr lebendige Berichte. Unsere Kameraden schreiben aus dem Urwald von ihrem Haus, ihrem Vieh, ihrer Weide und ihrer Arbeit. „H e i m a t" haben sie die Siedlung genannt, die sich im Staate Santa Catharino in der Röhe der fast rein deutschen Stadt Blumenau aufbauen..
7000 Hektar Land sind 28 000 Morgen. Da können schon eine ganze Menge Menschen darauf wohnen und leben, überhaupt wo die Erde so sruchtbar ’ft, wie dieser jahrtausendelang ausgeruhter Urwaldboden. Soviel Land hat die Jugendgemeinschaftssiedlung für sich erworben und wird dieses Land besiedeln. Aber auch bann gibt es drüben noch für Hunderttausende junger Deutscher Lebensraum genug, denn in Südbrasilien haben 600 000 Deutsche sich eine Existenz geschaffen, und wir sind überzeugt, daß auch unsere Kameraden sich drüben durchsetzen werden.
Freilich, die Arbeit ist hart, der Urwald ist dicht, die Sonne brennt warm. Das ist nur für Menschen, die eine harte und lange Arbeit nicht scheuen. Es ist auch einsam im Urwald. Es gibt kein Kino dort und keine Illustrierte. Aber es gibt Arbeit und Brot, und auch eine Heimat. Und das ist heute schon etwas wert.
Viele sind im Urwald gestrauchelt und manche zugrundegegangen. Dor allem, wenn fie allein, als Einzelsiedler, gingen. Deswegen haben wir die Gemeinschafts.Siedlung gegründet. Des
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innen unb nach außen in biefem Rahmen 6 e b a r f. Hier verlangen wir jedoch schon, daß die Entscheidung über diese Frage nicht Sache einer bestimmten hochgeborenen Schicht und auch nicht der Militärs ist, sondern daß diese Entscheidungen in erster Linie vom Volke selber durch seine Volksvertretung getroffen werden.
Die Kritik der jungen Volksfront an den vom Reichswehr- und Reichsinnenmini st e- rium herausgebrachten Plänen läßt sich folgendermaßen zufammenfaffen:
Die fördernde Tätigkeit her freien Ju- g e n ba r b e i t war bisher wesentlich SachederLän- her, ein Weg, der sich bereits in her Vorkriegszeit bewährt unb nach bem Kriege fruchtbar weiterentwickelt hat. Wir bemerken, daß Bestrebungen im Gange sind, die bisher den Ländern zustehende Förderung der Ju- gendpslege auf das Reich zu übernehmen. Zum Beweise sei auf die Zentralisierung im „Freiwilligen Arbeitsdienst", sowie darauf verwiesen, daß bereits zur Durchführung der Geländesportlehrgänge an die Errichtung von Unterabteilungen des „Reichskuratoriums für Ju- genbertüdjtigung" in den Ländern unb Provinzen ge- bacht wird.
Zum zweiten befürchten wir, daß trotz der starken Betonung der Selbständigkeit und Freiheit der Jugend- arbeit und ihrer Verbände von feiten des Reichsinnen- minifteriums die
Freiheit bet Iugendverbände heute gefährdet ist.
Das kann der nicht verkennen, der aufmerksam die Verlautbarungen über die Einrichtung des „Gelände- s p o r t s" und über den Ausbau des „Freiwilligen A r b e i t s b i e n ft e s" verfolgt hat. Wir verweisen in diesem Zusammenhänge auf die Tatsache, daß die Führerausbildung sowohl im Geländesport als auch im Freiwilligen Arbeitsdienst, bestimmten vom Reich eingerichteten Stellen übertragen worden ist. Das Reich bestimmt diejenigen, die die Führer für beide Aufgabenbereiche auszubilden haben. Es geht sogar soweit, daß auch außerhalb her Jugendarbeit stehende Persönlichkeiten mit her Führerausbildung beauftragt werden. Die Verbände sollen zwar bei der Auswahl der zu schulenden Führer gehört
haben, wenn sie uns begegnen: ein wenig Liebe, ein gutes Wort unb eine freundliche Gesinnung gegenüber diesen jungen Menschen, die keine Heimat haben.
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des nicht weitergehen — bei den Zeiten! So leiert ein jeder sein tagtägliches Klageliebchen herunter. Der eine in bur, ber anbere in mott. Je nach Temperament. — Krisensinfonie bes Alltags!
Jungens, ich will euch bloß sagen: wenn ihr das hört, o klappt eure hochwohllöblichen Löffel zu! Jawohl, ein»
(ad) zuklappen. Und denkt dann einmal nach wo in aller Welt jemand feinen Karren dadurch aus dem
werden unb Vorschläge machen: die mit beiden Aufgaben betrauten Stellen sind aber nicht gehalten, auf diese Vorschläge einzugehen. Von besonderem Interesse ist auch die Tatsache, daß vor dem Erlaß über die Bildung des „Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung" weder der „Reichsausschuß der Deutschen Jugendverbände" noch die Iugendverbände selber — abgesehen vielleicht von einigen Jugendgruppen — gehört worden sind. Bei aller Betonung des Grundsatzes der Freiwilligkeit hat es das Reich bei der Zweckbestimmung der vom Reich ausgesetzten Mittel sowie durch die geplante Prämienverteilung an die Verbände durchaus in der Hand, den Grundsatz der Freiwilligkeit illusorisch zu machen.
Mit ber Einsetzung bes „Reichskuratoriums für Ju- genbertüchtigung" verfolgt das Reich die H i n o r d n u ng der jugendlichen Dolkskräfte auf die Gesamtinteressen von Volk unb Staat Ein Zweck, der nicht nur zu billigen ist, sondern von dem auch gesagt werden muß, daß er bisher in ber Arbeit so gut wie aller deutschen Iugendverbände — von ganz verschwindenden Ausnahmen abgesehen — verfolgt wor- den ist. Jeder Jugendführer» ist der Auffasfung, daß zu diesem Ziele gerade
die weltanschauliche Fundierung der Iugendbildung
den stärksten Beitrag geliefert hat. Aus dieser Wurzel quellen die starken Kräfte ber Verantwortung, ber Daterlanbsliebe und des Einsatzes für Volk und Staat. Vom Standpunkt des Volksganzen ist es eine Gefahr, diese vaterländische Erziehungsarbeit der Iugendverbände zu ersetzen oder neben ihnen eine eigene Erziehungsinstitution zu errichten, der dann ein weltanschaulich nicht klar und einheitlich sun- bertes, allgemeinchristliches, vaterlänbisches Ethos zu- grunbegelegt wird. An diesem Punkte haben wir umsomehr unsere kritische Stimme zu erheben, als in Presseäußerungen und in populären Aufklärungsschriften der Ruf erklingt, diese doch auf interkonfessioneller Basis aufbauende Erziehungsarbeit auch auf die Jugend vor dem 17. Lebensjahre bis in die Schuljugend hinein auszudehnen. Demgegenüber ist unsere grundsätzliche Forde- rung allzubekannt, baß ber gesamte Unterricht, sowohl die g e i st i g e wie auch biekörperlicheAus-
Windlhorslbündler aus Vorposten.
Kundgebung des windthorstbunbes im Kreise Alsfeld.
Daß es im Kreise Alsfeld vier Windthorftbünbe gibt, werben bie wenigsten glauben. Aber dort liegen vier katholische Dörfer, bas Pfarrborf Ruhlkirchen unb brei kleine Filialorte, der sogenannte „K a tz e n b e r g". Obwohl bas katholische Bauern- unb Arbeitervolk ganz isoliert zwischen Andersdenkenben wohnt, hat es seinen angestammten Glauben treu bewahrt. Auch auf politischem Gebiete steht es geschlossen hinter ber Vertretung bes katholischen Volksteils. Die Radikalisierung und das politische Erwachen ber Jugend in den umliegenden evangelischen Dörfern hatte auch Einfluß auf die Haltung ber „Katzenberger" Burschen. 120 junge Männer würben Windthorstbündler, unb in jedem Dorf konnte ein Windthorstbund gegründet werden.
Am vergangenen Sonntag fand nun in Ruhlkirchen die erste größere Kundgebung ber „Katzenberger" Windthorftbünbe statt. Rach bem Sonntagsgottesdienst versammelte sich die männliche Einwohnerschaft im Saale ber Gastwirtschaft, um ein Referat von Gauführer Dr. L i z i u s-Marburg über wirtschaftliche Fragen entgegenzunehmen.
Am Nachmittag sollte ein Umzug unb eine Kundgebung im Freien stattfinden, die aber vom Kreisamt in Alsfeld nicht gestattet wurde. Die von Mufikvorträgen unb gemeinsamen Liebern umrahmte Kundgebung im Saale gestaltete sich deshalb aber nicht weniger eindrucksvoll. Der stellvertretende Vorsitzende des Provinzialver- banbes Hessen - Nassau ber Windthorftbünde, Dr. Saue r-Fulda, legte in packenden Ausführungen die politische Lage dar unb hielt berechtigte Abrechnung mit ben Kreisen, bie mit Hilfe ber Nationalsozialisten Brüning gestürzt haben, ohne ihn ersetzen zu können. Anstatt baß bie nationalen Kräfte „konzentriert" worden sind, hat bie Herrenschicht einen freventlichen Klassenkampf von oben begonnen unb die Gegensätze weiter
Nicht mehr bie alten, verwitterten, bärtigen Typen geben heute den Herbergen unb der Landstraße bas Gepräge, sondern in weitem Umfange junge, kräftige Menschen, arbeitslose Jugendliche. Die Ge- j-ihren ber Landstraße erschöpfen sich nicht darin, daß sie die Arbeitsfreude vernichten. Die sittlichen unb religiösen Gefahren sind mindestens ebenso groß. Es herrscht unter den Kunden weitgehend eine eigene Ethik, unb bie Dinge werden deutlicher, wenn man auf die starken Verbindungslinien hinweist, welche d i e Kreise mit den Kunden aufzunehmen versuchen, die man mit Begriffen wie Prostitution, Homosexualität, Großstadtunterwelt umschreibt. Zur Ehre ber Jugend auf der Landstraße sei es aber gesagt daß verhältnismäßig viele diesen Gefahren einen starken natürlichen Widerstand entgegensetzen. „Gerade wenn man eine Zeitlang mit und unter den Kunden übt", schreibt Dr. Konrad Theiß im Karitasjahrbuch 1932, „ist man überrascht, wieviel an guten Kräften man noch in dieser Jugend findet, wieviel wirklich feinen Serien man begegnet. Denn gerade unter den Kunde» erwartet man es zuletzt, noch so viele echte Gläubigkeit und innere Anständigkeit anzutressen, wie tatsächlich bei manchen vorhanden ist. Freilich gibt es auch andere — diese anderen sind sogar in ber Mehrzahl —, aber allein die Tatsache, daß ber Ton, ber nachts in ben Wanderherbergen herrscht, oftmals besser ist als bfr, den man in vielen Jugendherbergen hören kann, beweist, daß im Grunde die Kunden nicht schlechter sind als der Durchschnitt der heutigen Jugend."
Heber bas religiöse Leben ber Brüber von ber Landstraße ist es schwer, Allgemeingültiges zu sagen. Nach außen hin tritt es kaum jemals in Erscheinung. Auch an politischen Dingen sind die Kunden gleich- ialls kaum interessiert. Im Allgemeinen glaubt wohl der Außenstehende, daß die Walzbrüder die Apostel des Kommunismus feien, die das Evangelium des Sozialismus von Herberge zu Herberge unb von Ort zu Ort tragen. Dem ist nicht so. Es ist überraschend, wie unpolitisch sie sind. Nur die Gerissenen von ihnen spannen gelegentlich das politische Pferd vor ihren Betteiwagen, reden den Bauern zu, am Sonntag „richtig" zu wählen und entdecken sofort mit dem Gesprächspartner bie gleiche politische Ueberzeugung, alles in ber Hoffnung, daß um so eher etwas für sie abfällt. Soweit sie selbst eine politische Meinung haben, ist diese nur destruk - iiv - radikal, ihre politische Aktivität kann sich nur negativ entladen und ihr politischer Wortschatz ist mit den Begriffen „abbrennen, ausrauben ober nieberschla- Sen" bald am Ende. Die Mehrzahl interessiert sich aber
Gefährten.
Gar manchem bin ich auf bem Weg begegnet in bem weiten Laub, ein Gruß — unb jenseits führt ber Steg mich fort, ber anbre halb entschwand.
Doch jeweils jäh aus dunklem Traum rieft ihr mich auf durch euer Wort, Gefährten ihr, am Scheidebaum.
Was sich in euch, in mir nun nährte, wir trugen es gemeinsam fort, und uns verband bie gleiche Erbe.
Mag Trennung auch ihr Zeichen tragen ins Buch der weiten Wanderfahrt: es bleibt in mir tief eingegraben, was ihr geschenkt, es bleibt bewahrt.
Helmat im Arwatd.
Eine katholische Gemeinschaftssiedlung in Brasilien
Staatliche „Jugendertüchtigung" ®as will bas Reichskuratorium? — Um ben Sinn bes Dehrgebankens. — Die Freiheit ber Iugendverbände erscheint gefährdet. — Die Jugendarbeit mutz wettanschau- l>ch fundiert und darf nicht lediglich Sache der Militärs fein. — Eine Stellungnahme der Dindthorstbünde.
Eine der Einrichtungen des neuen Systems ist das "Reichskuratorium für Jugendertüchti- gung“. In der hündischen Jugend, besonders in den äolischen Verbänden, steht man ihm mit großem Mih- hauen gegenüber. Selbstverständlich hat man nichts ba* gfgen, daß der Staat sich um die Ertüchtigung ber Ju- 9fnh kümmert. Im Gegenteil, man wünscht, daß der Staat mehr wie früher sich der arbeitslosen, hossnungs- wsen, und damit zum Radikalismus neigenden Jugend annimmt. Aber man vermutet, daß die Männer der
12. Oktober.
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vertieft. Die Aufgabe ber christlichen Volksfront bleibt in biefer Situation bie gleiche; wir kämpfen für den christlichen Volksstaat, für soziale Gerechtigkeit, gegen jede Willkürherrschaft der wirtschaftlich und gefelltoaft- lich einflußreichen Schicht. Wir wollen bie Volksgemeinschaft in unserem Kreise vorleben und ber deutschen Jugend zeigen, daß Deutschland nur durch Opfer unb zähe Arbeit, nicht durch tönende Reden, schneidige Parademärsche und eine im Hinblick auf die Wirklichkeit romantisch und lächerlich anmutende sog. „Wehrhaftigkeit" wieder stark gemacht werden kann. Wir roerbeit uns nie der Willkür eingebildeter Herren beugen, sondern kämpfen für Deutschlands äußer« unb innere Freiheit unb für bie geistige Erneuerung unseres Volkes
Bezirksleiter T e r t i l t - Morles stellte anschließend in einem außerordentlich klaren unb begeisternden Referat den verfehlten wirtschaftlichen unb sozialpolitischen Maßnahmen der Brüning-Gegner bie aus christ-katholischem Geiste stammenden wirtschaftlich. Forderungen der Volksfront gegenüber unb wandte sich vor allem gegen bie einanber wibersprechenden Maßnahmen auf dem Gebiete ber Agrarpolitik. Wenn man Deutschland vom Ausland unabhängig machen will, muß notwen» bigerroeife bie Siedlung in ganz großzügiger Weife in Angriff genommen werden Die heutige Regierung begünstigt ober dagegen einseitig die Großagrarier bes Ostens, non denen sie in ber Hauptsache abhängig ist. Die Jugend fordert aber, daß ihr bie Möglichkeit gegeben wird, sich eine Existenz zu schassen. Der Staat ist nicht dazu da, um vor allem ben verschuldeten Großbesitz auf Kosten des Mittelstandes unb ber breite« Schichten der Arbeitnehmer zu subventionieren. Stür- Mischer Beifall zeigte, wie sehr Bundesbruder Ter- b i 11 ber Versammlung aus bem Herzen gesprochen hatte.
Nachbem ber Ortspfarrer noch in einem mitreißenden Schlußwort zum Ausbruck gebracht hatte, baß bas katholische Volk, was auch kommen möge, treu $um Staat stehen werde, und ein Hoch auf ben Winbthprst- bunb ausgebracht hatte, wurde die imposante Kunbge- bung mit dem Gesang des Deutschlandliedes und bem brausenden Ruf „Frei Volk! — Frei" geschlossen.
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für Politik gar nicht, in den Herbergen wird kaum jemals davon gesprochen. Das ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß diese Menschen fast völlig außerhalb des sozialen Lebens stehen, und daß sich das ganze Denken und Reden der Kunden fast ausschließlich um die Befriedigung der elementarsten Lebensnotwendigkeiten: Essen, Trinken, Schlafen, Rauchen dreht.
Dieser Gesichtspunkt erklärt auch die außerordentlich geringen geistigen Interessen. Die landschaftlichen Schönheiten, die Sehenswürdigkeiten stilvoller Bauten haben für sie im allgemeinen nur bie Bedeutung von Renommierstücken: Man heftet einen Stocknagel an ben Stock und kann bann erzählen, wo man überall gewesen ist. Die geistige „Nahrung" wird fast restlos aus ben kleinen billigen Schundheften bezogen, mit denen abends in jeder Herberge ein schwunghafter Tauschhandel getrieben wird.
Die seelische Lage der Kunden ist ebenfalls kaum einheitlich zu skizzieren. Sie ist durchaus nach Typen und Individualität verschieden. Im allgemeinen aber wird die Stimmung wesentlich vom Magen her bestimmt: Hat man Glück gehabt unb gut „geschnorrt", bann fühlt man sich wie ein Fürst —, ist freilich einmal ein schlechter Tag gewesen, so läßt sich ein echter Kunde allerdings auch nicht gleich entmutigen: bann lebt er von der Erinnerung an gute Tage. Im Grunde genommen aber empfinden die meisten und gerade die Besten die ganze Schwere des harten Schicksals der Heimatlosigkeit. Das „Weh' bem, der keine Heimat hat", gilt für einen jeden Kunden. Denn auch die „Herbergen zur Heimat" werden nie einem Menschen bie Heimat ersetzen können, nach der sich doch jeder im Grunde seines Herzens sehnt. Freilich: Die Herbergen erfüllen eine große Aufgabe, und es wäre nur z u wünschen, daß auch in viele städtische Asyle etwas von dem Geist einzieht, dem man in vielen Herbergen ber freien Lie- bestätigtest begegnet.
So lebt die Jugend auf der Landstraße. Ein Leben, das seine Last, aber auch seine eigenen Freuden und seine eigene Romantik hat; und darum ersaßt es auch immer wieder so viele junge Menschen. Aber Hinte» all dem stehen doch für den einzelnen außerordentlich große Gefahren unb um beretroillen ist es heute mehr als je für jede Fürsorge notwendig, dieser Frage ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Freilich: Was für diese Jugend auf der Landstraße getan werden kann, ist nicht viel. Das Beste und Einzige, was ihr helfen könnte, bie Arbeit, können wir ihr nicht geben. Eines indessen sollten wir doch für diese Heimatlosen übrig
Straßengraben herausbrachte, daß er sich hinstellte und mit prophetischer Miene weissagte, so könne das nicht weitergehen und jede Bemühung sei zwecklos.
Ihr kennt doch sicher die hübsche, kleine Geschichte v o n d e n z w e i M ü u s e n, die aus einer ihrer gelegentlichen Forschungsexpeditionen durch die Speisekammer in eine Milchkanne gefallen waren. Die eine von den beiden gab ben Kampf mit bem etwas feuchten Element nach einigen verzweifelten Zuckungen auf, beherrscht von bem Gebauten der Zwecklosigkeit aller mäuslichen Bemühungen. Tat das Mäulchen auf, piepste „Hilfe!" und gurgelte in die Ewigkeit. Doch bei der anderen Maus schien der Drang nach dem Mäusehimmel nicht so stark zu sein. Sie tat, was allein übrigblieb: strampelte mit allen Vieren. Strampelte und strampelte,---bis sie
plötzlich auf einem Klumpen Butter saß. — Gerettet!
Seht ihr, genau so wie diese zweite Maus müssen wir's machen. Strampeln, feste strampeln! Das Schicksal hat uns, ob wir's nun wollen ober nicht, in jenen großen Milchbottich gewippt, den wir Leben nennen. Nun biste drin im Schlamassel und — was bleibt übrig — strampelst munter drauf los. Das klingt vielen zu einfach. Wohin du strampeln sollst? Nun, schlage dir vorerst einmal bie bewußte Lebensstellung, bie „gesicherte Position", wie Tante Frieba sagen würde, getrost aus dem Kopf! Die Hauptsache ist zunächst, daß du überhaupt strampelst, und zwar mit einer Ausdauer, als wolltest du schon morgen eine Buttergroßhandlung eröffnen. Das wird das Fundament, von dem aus du bann sicher weiterbauen kannst. Zu welchem Ziel? Ja, Herrschaften, biefe Frage wollen wir mal heute hübsch beiseite lassen.
Jugend auf der Landstraße
Das harte Schicksal der Heimatlosigkeit.
wegen haben wir junge Menschen genommen, bie noch kräftig sind unb bas Leben vor sich haben. Deswegen ist unsere Sieblung bis ins Einzelne organisiert. Schon in Deutschlanb werben bie Teilnehmer vorbereitet unb geschult unb ausgesucht. Die Karneraben müssen sich auf unsere Verfassung ver- pflichten. Bei ber Uebersahrt betreut sie ber St. Ra- phaelsverein. der ebenfalls gemeinsam mit bem Deutschen Auslandsinstitut bei ber Schulungsarbeit mithilft. Drüben werben sie in ber Hajen- stabt sofort empfangen und in der Siedlung selbst finden sie ein schönes Haus vor, gute Kameraden, bte längere Zeit im Lande sind, unb einen facherfahrenen landwirtschaftlichen Führer, der alle Arbeiten leitet Die Siedlung selbst steht unter ber Führung von Kaplan Johannes Beil, einem Berliner Jungmännerpräses, der seit 1% Jahren in Brasilien die Siedlung vorbereitet hat. Nachdem der erste Versuch mit füllt Mann gelungen ist, ist in diesem Sommer die zweite Gruppe mit 17 Mann hinüber gefahren. Die Berichte der Kameraden sind sehr gut. Sie schreiben sehr froh von ihrer Arbeit. „Nun kam die große Überraschung. Statt einer einfachen Hütte, wie wir es uns vorstellten, fanden wir ein großes, aus Holz gebautes Haus x>tt. Eine fabelhafte Lage. In der Nähe ein Bach mit 30 Meter hohem Wasserfall ... Wir fühlen lins alle wohl unb hoffen, daß bald eine zweite Gruppe nachkommt."
Jetzt wird in Freiburg der nächste Kurs der Bra- siliensahrer vorbereitet. Leider können wir nicht herauf verzichten daß unsere Teilnehmer etwas Kapitol mit« bringen, denn bie Ueberfahrt. ber Ankauf des Lande, unb bie Verpflegung kosten selbstverständlich Geld. Wer aber 1 5 0 0 Mark hat. ein Siebter werden will unb im übrigen ein rechter Kerl ist, ber kann sich bei uns melben. (Ju- gend-Gemeinschafts-Siedlung Freiburg-Breisgau, Wilhelm-Dürr-Str. 25.)
bilbung aus einer eindeutig fest gelegten re- ligiös-konfesfionellen Grundlage gestal- t e t w i r d. Umsomehr muß dieser Gesichtspunkt heraus- gestellt werden, als es sich in dieser Frage ja nicht um Erwachsene, sondern um Jugendliche handelt. Auch daran fei erinnert, daß wiihrend bes Kriege» Versuche nach einer Militarisierung ber Jugendpflege unternommen worden sind, daß diese damals aber aus jugendpädagogischen Gründen den stärksten Widerstand des Kultusministeriums erfuhren, unb daß dieses mit feinen Argumenten durchdrang. Man wird den Gründen, die damals gegen diesen Plan bestanden, auch von den Befürwortern der jetzt getroffenen Maßnahmen in der Reichsregierung nicht nachsagen können, daß sie anderen als pädagogischen unb nationalen Charakter getragen haben. Unb das war zur Zeit der stärksten Anspannung aller Kräfte des Volkes auf da, eine Ziel, ber Freiheit bes Vaterlandes.
Der Reichsinnenminister setzt sich in seinem Erzie- hungserlatz mit besonderer Betonung für eine
Entpolitisierung bet Iugeub
ein. Soweit es sich um bie Politisierung ber Schulkinder unb Schüler handelt, stimmen wir durchaus pi. Wir haben diesen Standpunkt von jeher vertreten. Wir wenden uns aber gegen Absichten, bie Partei von her ftaatsbßr» gerlichen Schulungsarbeit an her heran« reifenben Jugenb auszuschließen. Für uns ist bie Jugenb nicht nur Objekt politischer Beeinflussung, fonbern auch MitträgerunbMit- gestaltet bes politischen Lebenswillens unseres Volkes. Unsere politische ^Übungsarbeit verbindet bie Aufgabe, ber sachlichen Wissensvermittlung stets mit ber Pflege bes Gemeinschaftsgedankens unb ber Selbstverantwortung. Die durch bie wirtschaftliche und politische Krise hervorgerufene Radikalisierung unb Verrohung ber politischen Sitten bekämpfen wir. Sie kann nun aber kein Anlaß sein, unsere weltanschaulich sun- bierte politische Bildungs- unb Selbftbilbungsarbeit preiszugeben zu Gunsten einer geistig neutralen, über- weltanschaulichen politischen Haltung, die sehr oft bann auf bie politische Auffassung her herrschen- ben Richtung hinausläuft.
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