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M. 234

Abendtted.

Von Karl Claudius.

Komm, stiller Abend, nieder Auf unsre kleine Flur, Dir tönen unsre Lieder, Wie schön bist du, Natur.

Schon steigt die Abendröte Herab ins kühle Tal, Bald glänzt in sanfter Röte Der Sonne letzter Strahl.

Allüberall herrscht Schweigen, Nur schwingt der Vögel Chor Noch aus den bunten Zweigen Den Nachtgesang hervor!

Der Brückenpfeiler.

Als deutscher Werkstudent in Amerika.

Von Wilhelm Ausfermann.

I Technische Gewerbeschule, 1923, in einer Lehrstunde. Jet Professor spricht:

.....Meine lieben Hörer! Ich nehme ein leeres Diakglas, drehe es um, so daß die Oesfnung nach unten -eigt, und tauche es nun in. das Wasser des Behälters fjjn. So . . .! Wir sehen nun, daß das Wasser nur einige Millimeter in das Glas eindringt, hingegen der wsitaus größere Teil des Glases wasserfrei bleibt. Die zusammengepreßte Luft im Glase hält dem Wasser das Gleichgewicht. Könnte ich das Glas zwanzig Meter tief tauchen, so würden wir seststellen, daß das eindringende Wasser zwei Drittel des Glasinneren füllen würde. Legen wir daher aus irgendwelchem Grunde Wert darauf, daß der Wasserspiegel in dem untergetauchten Glase gerade mit dessen Rand abschneidet, so müssen wir durch eine Rohre mehr Luftmengen von oben in das Glas ein- prefsen. Meine lieben Schüler, das wäre so das Schema der Taucherglocke und des Senkkastens . . ."

Jahre später. Der Schrei nach Arbeit gellt durch ganz Europa.

DieSandjchweine".

Amerika! Aber glücklich auch hier, wer sofort Arbeit findet, verzweifelt, wer lange suchen muß. Man nimmt, was man bekommt. Ich habe mich als Sandhogg <Sandschwein") beim Brückenbau in Hoboken anwerben lassen. Die Bezahlung ist fabelhaft, die Arbeit aber soll höchst ungesund sein. Ich vertraue meinem kräf­tigen Körper.

Aus dem Trinkglas ist wirklich ein Senkkasten ge­worden. Aus dem Röhrchen für Luftzuführung eine Luftschleuse für die Ein- und Ausfahrt der Arbeiter und für das Ein- und Ausbringen von Material.

Um acht Uhr morgens trete ich mit noch fünf Ange­worbenen die Arbeit an. Der Vorarbeiter hat uns auf der Plattform vor der Schleufenkllr erwartet. Mein Blick fällt auf ein Manometer. In der Schleusenkam­mer herrscht eine halbe Atmosphäre Ueberdruck. Ein kleiner Kerl neben mir er heißt Gerber tut mir leib. Der Aufseher hat ihn gewarnt. Gerber schüttelt nur den Kopf. Eine halbe Atmosphäre, das bedeutet, daß sich der Senkkasten gut fünf Meter unter dem Grundwasserspiegel befindet. Das bedeutet weiter, daß war ausgezeichnete Lungen haben müssen.

Ein leises Pfeifen. Der Zeiger des Manometers zittert zurück, wackelt ein wenig um die Null herum, und die Schleufentür öffnet sich. Sechs Leute, die Nacht­schicht, machen uns Platz. Hinter uns donnert die Tür ins Schloß. Auch hier ein pfeifendes Manometer. Der Zeiger tastet wieder langfam höher. Ein Knistern in den Ohren zeigt den steigenden Druck an. Die Luft wird dick. Die Haare in den Nasenlöchern biegen sich beim Atemholen, kitzeln unangenehm. Am Halse spüre ich ein Würgen. Der Aufseher ruft uns zu:Lust schlucken!" Wir schlucken Luft, bis der Bauch dick ist, und spüren Erleichterung, eine sofortige Entlastung des Trommelfelles.

Lange Stunden.

Die zweite Schleusentür wird geöffnet. An einer schmalen eisernen Leiter klettern wir durch einen rohr- sörrnigen Schacht in die Tiefe. Es beginnt nach Algen, 'Heringen, nach Wasser zu riechen, und wir stehen aut

Beilage zur

feuchtem Sand, aus freiem Boden. Heber uns, um uns die eisernen Wände des Senkkastens. Gespensterhaft zeichnen sich unsere Schatten vom Licht der elektrischen Lampen ab.

Schaufeln werden ausgeteilt.

Arbeiten!"

Langsam füllt sich eine Tonne nach der anderen, wird'von einem Flaschenzug durch einen zweiten Schacht hochgezogen, leer zurückgeschleust. Eine Tonne, zwei Tonnen . . , zehn Tonnen! Eine Stunde, zwei Stunden, noch sechs Stunden! Wir schaufeln. Merken nicht den Erfolg unserer Arbeit. Der Raum wird nicht größer, behält seine Höhe ständig gleich bei. Mit seiner ganzen Masse sinkt der eiserne Kasten jeden Spatenstich nach Und in dem Senkkasten sind wir, wie Mäuse in einer Falle, und schaufeln, schaufeln. Starren stumm auf das Fleckchen Sand, in das die Schaufel sticht. Es ist, als ob man eine Straße wandert, deren Ende nicht ab­zusehen ist.

Ein Kompressor erneuert die Luft, macht sie noch dicker. .Lust schlucken!" mahnt neuerdings der Vor­arbeiter. Wir schlucken Luft und dann und wann ein Stückchen Brot. Rauchen dürfen wir nicht.

Die Zeit will nicht vergehen. Es sitzt einem in der Kehle. Die Hände werden blasig, die Blasen zerspringen, brennen wie Feuer. Draufgefpuckt, weiter!

Er häli es nicht aus.

Gerber, der kleine Kerl, setzt oft aus, fährt sich mit dem Rücken der Hand über die Augen, wischt den Schmeiß fort und starrt nach oben. Seine Gedanken klettern wohl durch den Schacht, dazu verzerrt sich immer krampfhafter sein Gesicht.

Der Vorarbeiter ist aufmerksam geworden. .Los, schaufel", sagt er,es dauert nicht mehr lange." Er be­obachtet ihn. Kennt das.

Schallen auf de

Dichtungen u

Keine Jahreszeit ist mit den weltweiten Spannungen erfüllt, in keiner schwingt der Rhythmus des Lebens mit solcher Gemalt wie im Herbst. Keine auch ist so reich an mannigfachen Stimmungen, so vieldeutig, so probelm- haft, so die ganze Kunst des Dichters herausfordernd. Don dem stillen Herbsttag, an dem sich kein Lüftchen rührt, an dem die Luft so klar und durchsichtig ist wie Glas, daß man meint, alle Elemente seien entschlafen, bis zu dem nächtlicherweile daherbra^enden Sturm, der allem Leben urplötzlich «in Ende bereiten zu wollen scheint, der Bäume entwurzelt und Dächer abhebt, welch inhaltsreiche Symphonie des Naturgeschehens! Wie scheint doch jeder Herbst ein Symbol, ein Vorbild des letzten großen Kampfes zu fein, den die Welt gegen die Mächte der Vernichtung einst wird kämpfen müssen, wie schauert darin das große Drama des Weltunter­ganges!

Dies ist die Stimmung, die bei Rainer Maria Rilke in seinen Herbstgedichten vielfach anklingt. Wie wuchtig und feierlich-ergreifend klingen seine Verse:

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg' deinen Schatten auf die Sonnenuhren.

Und aus den Fluren laß die Winde los--

Und ergreifend, wie ein weher Nachhall, klingt es aus:

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.

Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben Und wird in den Alleen hin und her

Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Aehnlich ahnungsvoll, schwermütig heißt es bei Nietzsche:

Dies ist der Herbst Der bricht dir noch das Herz! Flieg fort, flieg fort!

Wie ward die Welt so welk!

Auf müd' gespannten Fäden spielt Der Wind sein Lied---

Zettung

Plötzlich passiert das, womit der Vorarbeiter schon rechnete. Gerber legt vorsichtig die Schaufel zur Seite und will nach oben klettern. Der Vorarbeiter packt so­fort fest zu und hält ihn fest. Da beginnt der kleine Kerl zu toben und schreit, zittert an allen Gliedern. Nach längerem Zureden und Drohen schlägt ihm der Vorarbeiter mit den schweren Fäusten gegen den Leib

Wir geben unserem Mißfallen unverhohlen Aus­druck. Müssen aber erfahren, daß uns der Herzschlag treffen könnte, wenn in der Schleusenkammer plötzlich die Tür geöffnet würde. Ernste Gesundheitsschäden wären unausbleiblich. Zum Glück wird Gerber wieder vernünftig. Er braucht nicht mehr zu arbeiten, darf so­gar eine Zigarette rauchen.

Endlich Schichtwechsel.

Nun wird die Luft noch stickiger. Es dauert nicht mehr lange, dann werde auch ich schlapp machen. Ich beiße die Zähne zusammen . . . , drei Stunden noch. . ., drei Stunden noch . . .

Wie ein Wurm kriecht die Zeit durch den Senkkasten. Da, endlich! Ein Glockenzeichens Schichtwechsel! Wir klettern hoch, als letzter der kleine Gerber. In der Schleusenkammer singt schon das Manometer, der Zeiger zittert von anderchalb Atmosphären auf Null zurück. Der Druck weicht langsam von Kops und Brust. Die Tür fliegt auf. Luft! Wunderbare Luft! Gerber beginnt zu lachen, lacht wie ein Kind.

Ich erfahre, daß die Maurer den auf dem Senkkasten ruhenden Brückenpfeiler vier Meter höher führten, wäh­rend wir ihn vier Meter unten einbuddelten. Oben sieht er noch genau so hoch wie früher aus.

Daß ein gut sundamentierter Brückenpfeiler wert­voller ist, als ein paar Menschenleben, haben wir bitter erfahren.

i Sonnenuhren.

n den Herbst.

Ihm, Nietzsche, hat keine andere Jahreszeit, ihm hat nur der Herbst Poesien abgerungen. Das war die Jah­reszeit, die feiner düsteren, von unheimlichen Mächten erfüllten Seele entsprach. Wie der Schrei eines Ber- zweifelten klingt sein GedichtVereinsamt":

Nun stehst du bleich, zur Winterwanderschaft verflucht, dem Rauche gleich, der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr

dein Lied im Wüstenvogelton!

Versteck, du Narr, dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei'n

und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: bald wird es schneid.

weh dem, der keine Heimat hat!

Wenn in diesem Gedicht förmlich die Verzweiflung schreit, die keinen Ausweg mehr sieht, die nichts von der Wiederkehr schöner Tage weih, so deutet sich in Max Geißlers GedichtGraunebel", das auch die Welt rechtgrau in grau" sieht, doch wenigstens zum Schluß eine leise Hoffnung an:

Der graue Nebel hängt ins Feld, wir wandern schweigend aus den Toren. Die Cyile schreit. Das Herbstlaub fällt. Wir haben eine ganze Welt von Licht und Sommerglück verloren.

Graunebel hängt am Bergeshang,

Graunebel spinnt um Rain und Schlehen, die Welt ist so novemberbang.

Das wird ein langer, stiller Gang, bis wir die Sonne wieder sehen.

Doch genug der düsteren Stimmungen! Fast mit gleichen Worten wie Max Geißler fängt auch T h e o -

9. Oktober.

dor Storm seinOktoberlied" an. Aber wie ander» die Fortsetzung, die er den Gedanken gibt:

Der Nebel steigt, es fällt das Laub:

schenk ein, den Wein, den holden. Wir wollen uns den grauen Tag vergolden, ja, vergolden!

Und leichtherzig fügt er seine Begründung hinzu: daß die Welt, gehe es auch noch so toll in ihr zu, doch so gänzlich unverwüstlich sei! Nun ja, aber Theodor Storm, so erinnern wir uns, hat auch andere Anwand­lungen gehabt, auch er hat in seinem bekannten Ge­dichtHeber die Heide hallet mein Schritt; dumpf aus der Erde wandert es mit," andere Töne gefunden und schließt mit dem schmerzlichen Ruf:

Leben und Liebe wie flog es vorbei!"

Im großen ganzen aber werden Storms herbstliche Stimmungen besser durch das erste als durch das zweit« Gedicht wiedergegeben. Unb am prägnantesten vielleicht durch den kurzen Vierzeiler:

Und sind die Blumen abgeblüht.

so brecht der Aepfel gold'ne Bälle;

hin ist die Zeit der Schwärmerei, so schätzt nun endlich das Reelle!

Das klingt derb, materiell und unmißverständlich, ober man halte dagegen nun auch Storms schönes zarte» Gedicht vom Schmetterling:

Wie bald des Sommers holdes Fest verging!

Rauh weht der Herbst; wird's denn auch Frühling wieder? '

Da fällt ein bleicher Sonnenstrahl hernieder: Komm, laß uns spielen, weißer Schmetterling!

Ach, keine Nelke, keine Rose mehr;

Am Himmel fährt ein kalt Gewölk daher!

Weh, wie fo bald des Sommers Lust verging

Oh komm! Wo bist du, weißer Schmetterling?

Das erinnert ein wenig an das wunderschöne Ge­dicht von Gottfried Keller, das den TitelDie kleine Passion" führt, und das das Schicksal einer späten Mücke schildert, um dann mit folgenden Versen zu schließen:

Nun ruht im Buch ihr leicht' Gebein, Mög' uns ihr Frieden eigen fein.

Damit sind wir bei den zarten Herbststimmungen, den besinnlichen Stunden, den stillen Feierzeiten, die der Herbst uns bietet, angelangt. Allen anderen Dichtun­gen muß hier HebbelsHerbstbild" voranstehen:

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen fahl

Die Luft ist still, als atmete sie kaum,

Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah. Die schönsten Früchte ab von jedem Baum. O, stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält;

Denn heute löst sich von den Zweigen nur

Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Auch Eichendorfs, der unter den Dichtern de, Herbstes natürlich nicht fehlen darf, hat ein ähnliches, schönes Bild entworfen:

Wie wird nun alles so stille wieder!

So war mir oft in der Kinderzeit:

Die Bäche gehen rauschend nieder

durch die dämmernde Einsamkeit;

kaum noch hört man die Hirten fingen

aus den Dörfern und Schluchten weit

die Abendglocken herüberklingen.

Nur hinter dem dunklen Walde breit

noch Abendröte an den Bergesspitzen

wie Morgemot der Ewigkeit.

Daß auch modernen Dichtern die gleiche Stimimmg nicht fehlt, beweisen die Verse Christian Morgen-

Schleif waren, auch verschliffene

Kunst -Schleiferei

Schneider

Heinrich straße 65

Sas Mlsel des Tushinlang.

Roman von Kurt Martin.

Eoppright bv Berlag Neue? Leben. Bahr. Gmain, i 12] ------------

Goomar Parubram erhob sich langsam. Seine Hal- hng verriet, daß er als Beamter des Prinzen auf be­sondere Würdigung seiner Person Wert legte. Unter Achten Brauen hervor musterten ein Paar tiefdunkle tilgen den Fremden.

Mr. Bollander, ich habe Sie im Auftrag Seiner Hoheit des Prinzen Omar Rubri von Miloba ausgesucht. Der Prinz hat von Ihrer Ankunft gehört und legt Wert Darauf, bald Ihre Bekanntschaft zu machen. Er ladet ~ie durch mich ein ein, morgen sein Gast zu sein."

.Jörgen Bollander fühlte es an der ganzen Art Goo- >Nar Parubrams, daß dem die Handlungsweise des Prin- »en unerklärlich war; er schien im stillen unwillig, daß der Prinz mit diesem Fremden so viel Aufhebens Mochte, daß er ihn so rasch zu sich lud.

I Es war Bollander ja gleichfalls rätselhaft, wie der : drinz dazu kam, ihm schon heute seine Einladung zu betfenben.

f . Er dankte mit höflichen Worten unb erklärte sich be= reit, dem Rufe bes Prinzen am anbern Tage Folge zu

s ieisten. Goomar Parubram verbeugte sich gemessen.

- »Ich werde Ihre Antwort Prinz Omar Rubri aus- | Wen."

| Oben in seinem Arbeitszimmer fand Jörgen einen i ®tief auf dem Tisch, eine Einladung von Mr. Kras- t Moos, am Abend sein Gast zu sein, ihm und seiner I vonülie einige Stunden zu widmen. Er seufzte.

/ Eine Verpflichtung folgte der andern!

I Bor der Türe stieß er auf Dolapi. die junge birme- Wiche Dienerin, die regungslos baftanb unb beren Augen I rätselvoll fragenb auf ihm ruhten

M »Willst bu etwas von mir, Dolapi?"

I ®ie schüttelte leise ben Kopf.

r »Stein, ich wartete nur, weil ich bachte, Sie wür- mich rufen, Mr. Bollanber. Bebürfen Sie Dolapis Wlticht?"

M.,Jch habe keine Wünsche. Nein."

Er sann.

Was hatte bieser Blick bes Mäbchens zu bedeuten? Hoffte diese kleine birmesische Schönheit, er werde Ge­fallen an ihr finden?

Am Abend aber begab er sich in das Haus von Mr. Krashuaos. Es war ein großes, aus Holz ausgeführtes zweistöckiges Gebäude, das mitten in einem prachtvollen Park lag. Beim Betreten der Halle staunte er über die geschmackvolle europäische Einrichtung, und die Gemä­cher, die er hernach sah, offenbarten ihm erst recht den auserlefenen Geschmack ihrer Bewohner.

Der Hausherr geleitete seinen Gast zuvorkommend zu Frau und Tochter, die Jörgen Bollander in fließendem Deutsch bewillkommten. Man kam sogleich in ein leb­haftes Geplauder, unb nach bem ausgezeichneten Mahle fang Muvarna Krashuaos, von ihrer Mutter am Flü­gel begleitet, einige Lieber von Menbelsfohn unb Schu­bert. Dem Gefang folgten einige Klaviervorträge, Stücke von Brahms, Tschaikowski und anderen Meistem.

Jörgen Bollander gestand sich heimlich ein, daß man sich jm Hause Krashuaos wirklich recht wohlfühlen konnte. Man hatte feingebildete Menschen vor sich. Sie bemühten sich, den Gast angenehm und vielseitig zu unterhalten.

Später saß er mit Muvarna Krashuaos beisammen, und das junge Mädchen wollte vieles von ihm hören und hatte Frage um Frage an ihn zu richten. Sie forschte:

Sie sind alleinstehend, wie Herr Hock, der uns nun verließ?"

Ja! Er hat mir das Haus in bester Ordnung zurück- gelassen, sogar sein Personal habe ich übernommen."

Muvarnas Augen ließen nicht von seinem Antlitz.

Dann ist also auch Dolapi noch bei Ihnen?" Allerdings. Kennen Sie das Mädchen?" Sie lachte perlend.

Nein, Herr Bolander, ich kenne Dolapi nicht; nur ge­hört hab« ich von ihr. Herr Hock war immer so offen mir gegenüber, er erzählte mir von ihr, sie wäre so schüch­tern, die Kleine, und einmal mag wohl der chinesische Boy ihr gegenüber dreist geworden sein, da ist sie ihm wie eine Katze ins Gesicht gefahren . Ob das Mädchen immer noch so scheu ist ober ob sie sich geändert hat?"

Er dachte an die fragendenden Augen der jungen Bir- mesin. Ausweichend gestand er:

Ich kenne Dolapi noch zu wenig."

Muvarna kicherte.

Wissen Sie, Herr Bollanber, ich benke, Herr Hock hätte mit ber kleinen Dienerin ein wenig geflirtet; aber sie hatte wohl keine Lust bazu. Er schwärmte immer von seiner Freiheit. Vor bem Heiraten hat er Angst. Einem kleinen Flirt jedoch war er bestimmt nicht abgeneigt."

Sie fragte rasch:

Haben Sie auch Angst vor dem Heiraten?"

Er mußte lächeln:

Nein! Weshalb denn?"

Ihre Augen glänzten:

Nicht wahr, es ist doch ganz bestimmt sehr hübsch, wenn man verheiratet ist. Ich denke das aus alle Fälle! Aber ich will einen Europäer heiraten. Meine Mutter ist doch die Tochter eines Deutschen und einer Birmesin; sie möchte, daß ich auch solch eine Verbindung eingehe. Sagen Sie mir: Ob ein Europäer an mir Gefallen fin­den könnte?"

Er ließ seine Augen flüchtig über ihre zierliche, schlanke Gestalt gleiten und betrachtete ihr Antlitz mit den regelmäßigen Zügen.

Ich denke schon, baß Muvarna Krashuaos eine wirk­liche Schönheit ist; sie könnte auch ben Schönheitsbegriff bes Europäers vollkommen befriebigen."

Sie war voller Freude.

Wie lieb Sie sprechen! Ach bitte, sagen Sie es mir: Haben Sie schon ein Mädchen lieb?"

Ihr Eifer belustigte ihn insgeheim. Ehrlich ge­stand er:

Ein Mädchen ja. Aber es ist eine Unbetannte. eigentlich mehr ein Traum, als Wirklichkeit."

Dann stehen Sie also allen anderen Mädchen gleich­gültig gegenüber?"

Nein, bas nicht."

Möchten Sie auch einmal heiraten?"

Vielleicht schon."

Würben Sie auch eine Birmesin heiraten?"

Warum nicht! Wenn mich solch starke innerliche Stei­gung zu ihr zöge, wie ich bas für eine Ehe nötig erachte, dann schon." ......._ .

Sie glauben aber, Sie könnten auch mit einer Bir­mesin glücklich, werben?"

Ja, bas halte ich für möglich."

Nicht wahr! Die Ehen zwischen einem Europäer und einer Europäerin finb ja auch oft unglücklich. Wir sehen bies an bem Ehepaar Shelton. Die arme Mrs. Shelton ist boch an ber Seite biefes Spielers unb Trinkers nicht glücklich. Ich. Verzeihen Sie, finb Sie vielleicht mit Mr. Shelton befreunbet, habe ich ba etwas Törichtes ge­sagt?"

Er beruhigte sie.

Ich bin mit Mr. Shelton nicht befreunbet. Heute sah ich ihn zum ersten Mal. Auch seine Frau war mir bisher eine Frernbe. Was Sie aber über diese Ehe sagen, ganz offen: Ich gebe Ihnen da recht. Frau Lilith Shel­ton leidet, das ist offensichtlich."

Mr. Shelton ist mir unsympathisch, genau so wie Goomar Parubram aus dem Palast des Prinzen Omar Rubri zum Beispiel."

Auch diesen Mann lernte ich vor wenigen Stunden kennen."

Wie denken Sie über ihn?"

Ich meine, es wohnen hinter seiner Stirn rnancher- lein Pläne."

Wissen Sie auch, daß er Mrs. Shelton mit feiner Neigung verfolgt und daß Henry Shelton ruhig zusieht? Brächten Sie es fertig, Herr Bollander, geschäftlichen In- tereffen zuliebe einem anderen Mann zu gestatten, um Ihre Frau zu werben?"

Nein! In diesem Falle hörten die geschäftlichen In­teressen für mich auf."

Ja, Sie sprechen recht! Aber Henry Shelton handelt anders."

Geschäftliche Interessen, sagen Sie?"

So ist es! Goomar Parubram besitzt großen Ein- fluß auf den Prinzen. Henry Shelton aber will recht umfangreiche Geschäfte abfchließen, er möchte wohl auch Juwelen aus des Prinzen Privatsammlung erwerben. Dabei hofft er sicherlich auf Goomar Parubrams Hilfe, und deshalb drückt er beide Augen zu, wenn es um die Gunst feiner Frau geht. Goomar Parubram wollte auch einmal um mich werben. Ader ich könnte ihn nie lieben. Seine Art stößt mich ab. Unb doch hatte ich immer