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NILS

15* .

Vellage zur Fuldaer Zeitung

Ar. 234

Gesetze des Herrn.

wandeln im

Epistel: Lph. 6, 10—17.

Seelsorge vor neuen Ausgaben

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öen, wenn wir bei einem derartigen Anlatz wenig selbstzufrieden lagen können: „Ja, ja, so es domgls war. ’o ist es auch beute. Für sich dern die Menschen alle mögliche Nachsicht

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sichtig und barmherzig gegen sie alle, wie du willst, daß der Herr gegen dich barmherzig sei?

So mag uns die Geschichte vom unbarmherzi­gen Knecht Anlatz sein zu einer ernsten Betrachtung darüber, wieweit wir selber barmherzig oder un­barmherzig sind. Und auch darüber darf man Nachdenken: Wie sähe es in meiner Familie, in meiner Nachbarschaft, in der Welt aus, wenn wir alle so barmherzig zueinander wären, wie es der Sinn des heutigen Evangeliums verlangt? Und wenn du findest, datz es bann brüderlicher und christlicher wäre als jetzt, bann säume nicht lange und fange an, barmherzig zu fein.

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„Mache ich es auch so wie der unbarmherzige Knecht?"

Denke nicht an die Menschen im allgemeinen dabei, sondern denke an deine Familie. Du for­derst. datz Frau und Kinder auf dich Rücksicht neh­men. Nimmst du auch Rücksicht auf sie? Denke auch an die Nachbarschaft. Da gibt es vielerlei An'ässe, Kleinigkeiten, aus denen Streit und Zank und Gerichissachen entstehen können, die aber alle leicht zu erledigen sind, wenn wir bereit sind zur Nachsicht und Barmherzigkeit gegen unsere Mit­menschen. Denke auch an dein Dorf und an die Menschen an deiner Arbeitsstätte. Bist du so nach-

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21. Sonntag nach Pfingsten.

Cingangslieb; Esih. 13, 9 u. 10—11.

An deinem Willen, o Herr, ist alles gelegen, und keiner ist, der deinem Willen widerstehen kann: denn du hast alles gemacht, den Himmel und feie Erde, und alles, was des Himmels Ball um­schließt, du bist der Herr des Weltalls. (Ps. 118, 1.) Selig, die makellos bleiben onf ihren Wegen, die

Barmherzigkeit, aber aeoen die andern find sie un­erbittlich. denen wollen sie nicht verzeihen " Nein, du mutzt dir schon die ehrliche Frage vorlegen:

Der unbarmherzige knecht.

Betrachtung zum Sonntagsevangelium.

Don Knechten und Mitkneck en spricht der Herr heute im Evangelium und von einem König. Mll den Knechten meint er uns Menschen: in diesem Sinne spricht er in manchem Gleichnis von Knecht len, er sieht das rechte Verhältnis des Menschen zu Gott im Bilde des getreuen Knechtes zu feinem königlichen Herrn, zu Gott.

Gott ist nicht ein grausamer, unerb ttlicher Tn. rann, er ist der barmherzige Herr, der auf die in­ständige Bitte dem Knechte verzeiht, der die groß» Schuld bei ihm hat, die Schuld, die er nie bezah- ' len könnte. Mas aber tut der Mensch, der eben fin Io reichem Maße die Barmherzigkeit Gottes er­fahren bat? Er trifft beim Hinausgehen einen Mitmenschen, der ihm eine Kleinigkeit schuldig ist. und anftgtt ihm in der Freude über die soeben vom Herrn empfangene Wohltat die Schuld zu schenken, läßt er ihn ins Gefängnis werfen

Es ist verständlich, wenn sich die Menschen beim Anhören des Gleichnisses entrüsten über diesen harchersigen Knecht: es mag rngncher Genugtuung empfinden dgrüber. datz vieler Mensch mit dem steinernen Herzen von der Gerechtigkeit des Herrn ereilt wurde. Aber das alles will nicht viel be­sagen. Wer ein wenig nachdenkt der mutz sich beim Anhören dieses Gleichnisses doch wohl die Frage vorlegen: Wie steht es heute mst der gegen­seitigen Barmherzigkeit unter uns ullen, die mir Knechte Gottes sind? Und wie steht es mit uns? Denn es kommt in nie doraus an, was die andern tun, was dieser und jener tut. sondern auf das. was w i r tun. Wir geben uns gar leicht zufrie-

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Evangelium: Matth. 18, 23—35.

Gleichnis von der Abrechnung mit den Knech­ten.

Bachstellungen des Teufels: denn wir haben nicht nur wider Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern auch wider die Fürsten und Mächte, wider die Be­herrscher der Finsternis hier auf Erden, wider die Geister der Bosheit in den Lüften. Darum er- preift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr am bö­sen Tage widerstehen und in allem unerschüt-erlich standhalten könnt. Stehet also fest, die Lenden umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, die Füße beschuht mit der Bereit­schaft für bas Evangelium des Friedens. Bor allem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle Brandpfeile des Bösen auriöschen könnt. Nehmt den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes: das Wort Gottes.

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Werdet stark im Herrn und in der Stärke. Legt an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr standhalten könnt gegen die

meindelebens und der seelsorglichen Praxis. Da­rum wird es notwendig fein eine organische und organisatorische Gliederung der Pfarrgemein­schaft unter Grundlegung der natürlichen Alters-, Standes- und Berufsgruppen vorzimehmen. deren Sinn Aufbau des Eottesreiches und Dienst am Ganzen ist. Die Vereine müssen stärker nach ihrer religiösen Zielsetzung orientiert werden, auch die technischen Hilfsmittel dürfen den Seelsorger nicht von der Pfarrei weg, sondern an dieselbe heranbringen. Der seelsor gl. Haus­besuch wird als Gewissensaufgabe be­sonderer Aufmerksamkeit, und sei es auch nur zu­nächst in der Form des seelsorgl. Gespräches, zur Betreuung anderweitig nicht erfaßbarer Pfarr- angehöriger besonders empfohlen. Eine besondere seelsorgl. Aufmerksamkeit verdienen die verschiede­nen Formen der großstädtischen Siedlung, die vom Familiengedanken mit Betonung des organi­schen Wachstums, vom liturgischen Gedanken unter Orientierung vom eucharistischen Opfer her und vom persönlichen Gedanken unter Abwendung al­ler Ueberorganifation, Verbeamtung und Gesetzlich­keit gesehen werden muß: es soll uns hier nicht nur um Vergemeinschaftung ausgesiedelter Groß­städter, sondern um das Werden eines neuzeitlichen Pfarrtyps schlechthin gehen!

Ausgaben besonderer Natur

standen in eigenen Fachkonferenzen zur Er­örterung. In der Binnenschiffer-Seel­sorge wuvde die organisatorische Problematik der bestehenden katholischen Vereine durch ihre Be­schränkung auf bas Rheingebiet und ihre verein- liche Begrenzung als Standesorganisation an­erkannt und barum gemäß bem Auftrag ber Ful- baer Bischofskonferenz ein Ausschuß für die Ge- famtarbeit gebildet, der die bisherigen Organiia- tionsformen neugestglten heften und die Arbeit auf alle wichtigen Fluß- und Kanalgebiete ausdehnen soll. Für die Taubstummenseelforge wurde der kalholische Vorstoß gegenüber antikatho- lischen und konfessionell neutral. Bestrebungen beion« der.s auch zugunsten der südd. Verhältnisse betont. Ne­ben ber Betreuung ber außervereinlichen uii) noch wcht einmal mit ihrer' Adresse erfaßten Taubstum­men bleibt bie intensivere Zusammenfassung der Taubstummenseeftorger zur Vervollkommnung ih­rer Arbeit wichtige Aufgabe: im letzteren Sinn wurde die Herausgabe eines eigenen Mitteilungs­blattes für Seelsorge und Lehrer der katholischen Taubstummen beschlossen. In einer besonderen Sitzung der Notgemiiftchafk Katholischer Künstler Deutschlands fand die Erörterung der durch die Essener Kunstausstellung aufgeworfenen Fragen und die kulturpolitischen Aufgaben des katholischen

Unter diesem Gesamtthema lassen sich die nahezu 30 Referaie mit den anschließenden Beratungen noch dm ehesten zusammenfassen. die bei ber T a - g u n g der Freien Vereinigung für Seelforgehilfe, 26.—28. September, Frank­furt a. M., gehalten würben. Aus deren Anregun­gen sei kurz festgehalten:

Für die innere Begründung der heutigen Seelforgeaufgaben

wurde (durch Univerfitätsprof. Krebs, Freiburg, Pfarrer Bremer, Köln, Hochschulpfarrer N i e - len, Frankfurt) besonders herausgestellt: Gott ist der Herr der Seelsorge, ferne Stellvertreter sind bie kirchlichen Obrigkeiten. Gott ist bie einzig wirk­same Macht in der Seelsorge, darum Betonung ber ©nabe, ihres Wirkens und ihrer Bermitt- luna durch die Sakramente. Wenn Gott das Ge­deihen gibt, mutz untere Grundhaltung, die für den Gesamt-Katholizismus bedeutungsvolle Aufgabe ist, nicht ängstliche Sorge, ländern Vertrauen sein. Auch der Ausgleich der Uebernatur mit den moder­nen Methoden, technischen Hilfsmitteln, ist dogma­tisch grundzulegen. Mit ber Seelsorge muß die Karitas eng verbunben fein, weil jene sonst bei bem Mißtrauen, ber Verhetzung, ber be’onberen Wirtschaftskrise als b'oße Künderin ber Heils- wahrheiten und Spenderin der Sakramente ins Leere greifen würbe. Andererseits muß das Hel­fenwollen von ber Liebesgemeinschaft ber Gottes- tinber hergeleitet fein, darf weder Handlangerin noch Konkurrentin der öffentl. Wohlfahrtspflege oder gar mit politischen Bindungen behaftet wer­den und muß ihr Ziel erblicken in der Neugestal­tung und Intensität des religiösen Gemeinschafts­lebens. Don der Zeit her bedarf die Seelsorge nach bem Vorbild Sailers einer Neubesinnuna auf bie Fülle. Wahrheit unb Schönheit des Evange­liums. der Betonung der Frömmigkeit im Beten, Opfern und in der Einkehr, und endlich der von innen her orientierten Einstimmung auf bie Zeit­fragen.

Jur neuzeitlichen Gestaltung der Seelsorgepraxis sprachen Laien (Prof. Kautz, Hamborn, Ober- studienbir. Schramm, Frankfurt) unb in einem eigenen Arbeitskreis namhafte Seelsorger. Die Entfrembung des Industrievolkes einerseits unb ber Gebildeten andererseits, von Kirche und Seelsorger, geht zurück auf historische, soziologische, unb psychologische Zufammenhänge weitgehender Art. Die Entzauberung unb Vergottung ber Welt, die Zermürbung von kirchlich ehedem bebeutfamen Schickten, ber Ausschluß ber Kirche aus ber heutigen Kulturgesellschaft unb bie Besonberbeit bes mobernen Lebensrhychmus finb ebenso als nachteilige Faktoren zu sehen wie an- bererfeits bie Unzulänglichkeit des Religionsunter­richts. bie Orientierungslosigkeit mancher Standes- seelsorge-und die Problematik des kirchlichen G°-

Volksteils sowohl gegenüber öffentlichen Aufträgen als auch in den eigenen Reihen eingehende Be» Handlung.

Laienaposlolat unb Seelforgehilfe

gehören zum vornehmsten Aufgabengebiet ber Freien Vereinigung für Seeftoraehilfe bereits seit Jahrzehnten. Sie waren beshald bevorzugter Ge- genftanb mehrerer Referate «Reinharb, Homscheib, Kuckboff, Klinkenbera, Reuter. Hannas), eines eigenen Arbeitskreises, einer Zusammenkunft ber Gemeinbehelferinnen unb einer großen Sonberver- anftaltuna für Laienhelfer. Neben bem hierarchi­schen Amt ist bas freie Charisma ber Ge» meinbemitglieder anzuerkennen unb in das Kräftespiel bes pfarrl Organismus einzuord- nen, wobei bie Hierarchie gemäß göttlicher Anorb- nung zum Schutz vor Irrtum und Selbsttäuschung bas [eitenbe Organ barfteOt. Die Prebigt wird in biefetn Sinn eine Offensive der Gnade und Liebe ’u sozialer Haltung unb Tat grtregen müs­sen. Die historischen, lozialen unb persönlichen Hemmungen, oie ber Laie gegenüber ber Msthifte in ber Seelsorge empfinbet, finb durch Herausstellung ber Gotteskindschaft mit seiner Initiative, durch Be­tonung bes sinnvollen, berufl. und familiären Apo­stolates und durch belebende Neuformung bes Pfarrorganismus zu überwinden. Soll der Einsatz ber Laienwelt seelsorglich bedeut­sam werden, bann muß die Schulung und organi- fa'orische Zusammenfassung der Laienhelfer sowie ihre Einorbnung in bie Pfarrei als Gemein­schaft des Glaubens, ber Liebe unb bes Ledens, selbst im Sinne ber organisierten Seel» f o r g e h i I f e mutig vollzogen werben. Dann werben Wege unb Mittel, den Kontakt ber abseits Stehenden mit ber Kirche wiederherzustellen, im klugen Hausbesuch, wie in unaufdringlicher Kari­tas. in religiöser Aufklärung und Erbauung nach bestem Woxtsinn und im Einsatz des V-reinsiedens bafö verwirklicht werben können D'e Sendung ber beruflichen Gemeindehelferin in diesem Sinn amu« erkennen war der Tagung freudiges Pedürfnis: ihre Aufgaben die durch die B e r u f s g e m e i n « schäft katholischer Gemeindehelfe­rinnen zielbewußt gefördert werben, werben Kernstück neuzeitl'cher Seelsorge werben müssen.

Rob. Svoboda.

Leistungen lakholiicher Kinderhllfe.

Auf dem Katholikentag in Essen war in der Karitaskundgebung auch die Rede von den Leistun­gen, die die katholisch« Kinderhilfe des letzten Jahres aufzuweisen hatte.

Eine Vorstellung von den vorbildlichen Leistungen, die katholische Kinderhilie vollbringen konnte, erhält man am besten, wenn man vernimmt, datz von den deutschen Katholiken in ackt Monaten des verflossenen Jahre» 230 000 Kindern unentgeltlich Pflege und Speisung ge­währt werden konnte.

Im Einzelnen sehen diese Zahlen folgendermaßen aus:

Seit Januar 1932 konnten •

unsere Ortskaritasstellen in 120 Groß- und Industrie­städten

durch die karitative Hilfe des katholischen Volke» m Stadt und Land (ohne Zuschuß öffentlicher Mittel)

in Kindertagesstätten täglich 51297 Kinder speisen.

in örtlicher Erholungssürsorge täglich (während 4 bi» 12 Wochen) 95917 Kinder voll verpflegen

auf Spielplätzen und Wanderungen (2—3 mal wö« chentlick) 70430 Kindern eine Stärkung geben

in Landpflegeftellen während 4—8 Wochen 10645 Kinder

in Erholungsheimen während 4—8 Wochen 8000 Kinder

in Heilstätten 608 Kinder

durch da- Ferienkinderhilfswerk von Herrn Kaplan Deuster rund 4000 Kinder

in Ferienkolonien 6890 Kinder unterbringen.

9. Oktober

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Brief an einen Gottsucher.

Von Peter Lippert.

Mein lieber Freund!

Die Geschichte bes katholischen Mönchtums >fi eine ber seltsamsten unb ergreifenbften Erscheinun­gen, bie in ber menschlichen Kulturgeschichte ja auch in ber Religions- unb Kirckengesckichte sich gezeigt haben S;e ist im Grunbe bie Kirchenoe- sch'chte selbst — von innen gesehen bie Geschickte bes inneren Lebens und er inmenbigen Quellen, bie in der Kirche immerfort strömen Das Mittel- alter sah in ben Mönchsorden bie Zeichen unb Stufen des Fortschritts, wie er in der Kirche über­haupt möglich ist. Jeder neue Orden „erneuert bie Abkerjugevd ber Kirche" schrieb Anselm von Ha­velberg. Darum ist eben bie Mövcksaeschickte reiz­voll wie keine Dynasten- ober Diplomaten- ober Kriegsgeschichte Denn sie ist bie Geschichte eines wirklichen Lebens, nickt bie Geschichte künstlich ge­machter Gebilde.

Die Mönche aller möglichen Observanzen, auch bie ber heutigen unb neuen unb neuesten Genck- senschgften, deren Mitglieder inmitten unl-r-r Großstädte leben unb wirken bie in unserem Stra­ßengewühl erscheinen, ohne lonberüch aufzusgllen sie alle kommen eigentlich aus ber ’-lßüfte, aus einer wirklichen Wüste unb aus einer inneren Einsamkeit, bie eben'o schweigend ist wie bas Schweigen der morgenländftchen Sanbmüften die sich ienfeits ber ägyvtischen Pyramiden ausdehnen Buchstäblich in diesen Wüsteneien begann das Leben der gro­ßen Einsamen die seitdem die Klöster des Chri­stentums bevölkert haben Sie alle haben gelitten unter der großen Frage: Was kann man für Gott eigentlich tun? Sie wollten nämlich etwas Großes leisten im Dienste Gottes Aber was schätzt Gott? Was ist groß in feinen Augen? Den verschiedenen Antworten auf diese Fragen zogen die Mönche nach und auf diesem Weg gerieten sie zuerst in die Wüste unb verließen dann wieder die Wüste und kamen in.die modernen Städte.

Alis die Christen am Anfang des 4. Jahrhun­derts endlich Duldung ja sogar Förderung von feiten der römischen Staatsgewalt gefunden hatten, da wuchs ihre Zahl unb schwoll an wie eine Masse, bie einer siegreichen Bewegung sich immer amu= schließen pflegt. Aus ber Christenheit ber Mär­tyrer wurde die Christenheit der zufriedenen unb ruhigen Bürger, bie es vernünftig unb anständig unb aut bürg-rlich. ja auch patriotisch fanden, den christlichen Namen anzunehmen. Aus ber Christen­heit, bie in heimlichen Hauskirchen und Katakom­ben gebetet hatte, wurde die Christenheit, die weite Tempel an das ant:fe Forum baute und das öf­fentliche Leben, das Staatsleben und das Hofleben mit christlichen Formeln verzierte.

In bie'er Zeit gab es aber 'noch viele, die den Geist des Leidens und ber Stille, ben Geist innerer Einkehr unb Sammlung bewahrt hatten unb eine Möglichkeit suchten, biefen Geist in ihrem Leben auszuprägen. Sie suchten e!nen Ersatz für bie ver­schwiegenen Hauskirchen und stir bie unterirbrfeber Katakomben unb darum zogen sie fick in die ent­legensten Bezirke des Landes zurück, in die unbe­wohnten und unwohnlichen Steppen, Fellen und Einöden, die überall am östlichen und südlichen Rand der römisch-griechischen Kulturwelt sich aus- behnlen. Dort im tiefen Aegypten, in Syrien und Dalmatien fanden sich Felsenklüfte genug, mo man ungeftört beten und sinnieren konnte. Oder es lie­ßen sich einfache Blattlauben anlegen, die als Be­hausung genügten.

Von der großen Masse der Christen zu Ale­xandrien, Antiochien und Rom hoben sich diese Ein­siedler merklich ab — ihr Leben war einfach, an­spruchslos. bedürfnislos, ja sogar sehr rauh, aber gesammelt unb stark Unb so erschienen sie allen Gläubigen, ja ber ganzen ftaunenben Kirche als bie Vertreter des Heldenmütigen, des Außeror­dentlichen. Sie erfüllten den unsterblichen Drang der Menschenseele, sich nicht mit dem Alltäglichen, Gewöhnlichen und Gewohnten zu begnügen, son­dern ausgezeichnete Leistungen zu schassen ober

wenigstens zu sehen. Und so galt das Mönchs- leben schnell als die eigentliche Form bes vollkom­menen Lebens, als die einzige, noch verbliebene Möglichkeit, sich im Dienste Gottes, im Waffen­dienste Christi aiiszuzeichnen unb Heldentaten zu vollbringen. Früher hatten bie Märtyrer unb Be­kenner biese ausgezeichnete und berühmte Sern« truppe der geistlichen Armee Christi gestellt. Nun gab es keine Märtyrer mehr, aber bie Einsiebler in ben Blatt- unb Zweiahütten unb in ben Feften- fpalten von Nitriert unb Aegypten zeigten wie man auch in ber neuen beguemen unb üppigen West em geistliches Kriegsleben voy aller Strenae unb Kraft, von alter Schönheit unb Tiefe führen könne. Der Mönch Antonius warb zu einer die römische Kulturwelt bewegenden Erscheinung

Auch dieses Leben ließ sich als vollkommenes uvd erhöhtes Leben rechtfertigen aus ben Evan­gelien, aus den Worten und Beispielen Christi und ber Apostel, gerade so gut wie früher bas Le­ben unb Sterben ber Märtyrer. Hatte nicht Chri­stus. der Herr, ben freiwilligen Verzicht auf ben Mammon auf Hab unb Gut, auf Haus unb Hof, auf Fleisch und Blut ungeraten allen, bie vollkom­men fein wollten? Siehe, bie Einsiebler in berWüste waren bie Glücklichen, bie in sichtbarer Anschau­lichkeit unb darum auch mit starker Symbolkraft das Leben der evangelischen Räte Christi zu leben verstanden. Dort in ihrer Wüste waren sie in der Tat m»it weg von Besitz unb Verwandtschaft, von jeöer Art weltlichen unb fleischlichen Strebens

Du siehst, daß biese ersten Mönchsberufe unb Möncksmvtive manches Zeitgeschichtliche enthielten: bie Müdigkeit unb ben Ueberdruß an einem allzu iatten allzu beruhigten staatsbürgerlichen Leben. Zum Teil entsprangen sie auch ei­nem allmenschlichen, einem psycho­logischen Bebürfnis, bem Verlangen nach außerordentliche nund außerge­wöhnlichen Gei ft un gen. bem Drang, das G e w ahnte unb Alltägliche z u sprengen unb ein „besseres", das

heißt ein helbenmütiges unb voll« kommenes Leben zu führen. Aber biese Motive waren doch auch im tiefsten Grunde christ­lich in dem Sinne, daß sie ihre Rechtfertigung aus ben Worten unb Anregungen Christi holten. Ihr Leben galt den Mönchen nur darum als besser unb vollkommen, weil es mit den Weisungen der Berg- predigt, mit den Ratschlägen die Christus dem reichen Jüngling und seinen bevorzugten Jüngern gegeben hatte besser iibereimuftimmen schien, als das vom Besitzstreben, von Familienfreuden unb Familieniorgen erdrückte Leben der großen Malle von großstädtischen Christen. Es erschien also als besondere Nachfolge Ehristi, des armen und ge­kreuzigten Menschensohnes, als ein Leben in Ar­mut unb Leiben unb selbstgewählten freiwilligen Opfern und Verzichten aus Liebe und Wertschät­zung zu Christus, der solches Leben selbst geführt unb empfohlen hatte.

So waren also diese uralten Mönchsgedanken doch im Grunde schon die gleichen, wie sie auch unseren heutigen Klosterberufenen vorschweben, wie sie auch Dir vor der Seele stehen Diese oft so sonderbaren Heiligen ber mor» genlänbischen.Einöden, diese großen Fast er und Schweiger und Säulen» st eher sind untere Vorfahren und Vorbilder, ja auch unfere Vorväter, von denen wir ab stammen, von de­nen auchDu geistig geboren bift.

Das für heute! Wenn ich wieder zum Schrei­ben komme, will ich Dir erzählen, wie es diesen Mönchen gar feftam erging. — Und wie geht es Dir ii- Deinem ersten Semester2 Bist Du fleißig? Haben Dich die politischen Wogen noch >Zcht ergrif­fen unb weggespült ober lebst Du schon ganz wie ein Mönch inmitten einer Wüste? So wie ich Dich kenne, traue ich Dir das eigentlich nicht zu. Aber schreibe mir, wie Du lebst. Alles interessiert

Deinen

neugierigen Freund.